In A Magic Steeped in Poison ist die Magie eng mit der alten chinesischen Kunst des Teebrauens verbunden – und genau das macht dieses Buch für mich so besonders. Tee ist hier nicht einfach nur ein Getränk, sondern kann heilen, stärken, Gefühle beeinflussen und sogar magische Fähigkeiten verleihen.
Unsere Protagonistin Ning gibt sich die Schuld am Tod ihrer Mutter. Sie hat unwissentlich einen vergifteten Tee zubereitet, den sowohl ihre Mutter als auch ihre Schwester Shu getrunken haben. Während ihre Mutter dem Gift erliegt, kämpft Shu noch um ihr Leben. Ning ist verzweifelt und bereit, alles zu tun, um ihre Schwester zu retten. Ihre einzige Hoffnung bietet sich in Form eines tödlichen Wettbewerbs in der kaiserlichen Hauptstadt. Dort treten die besten Shennong-shi – magisch begabte Teemeister – gegeneinander an. Der Preis: eine Stelle als Hofteebrauerin und ein persönlicher Wunsch bei der Kronprinzessin. Für Ning ist dieser Wunsch unbezahlbar, denn sie braucht ihn, um das Leben ihrer Schwester zu retten.
Ich habe es geliebt, durch dieses Buch mehr über traditionelle chinesische Bräuche und die chinesische Kultur zu erfahren. Judy I. Lin schafft eine faszinierende Welt, in der die asiatische Kultur wunderbar in die Geschichte eingewoben ist. Besonders die ausführlichen Beschreibungen von Tee, Essen, Gewürzen und den verschiedenen Inhaltsstoffen haben mir unglaublich gut gefallen. Man bekommt fast das Gefühl, selbst neben Ning zu sitzen und die unterschiedlichen Tees zu probieren. Auch das Magiesystem fand ich unglaublich kreativ. Stell dir vor, du trinkst eine Tasse Tee, die von einem Shennong-shi gebraut wurde, und plötzlich kannst du dich schneller bewegen, Krankheiten schneller überwinden oder eine tiefere Verbindung zu einem anderen Menschen aufbauen. Die Idee, dass die Wirkung eines Tees von seinen Zutaten und der Kunst der Zubereitung abhängt, fand ich einfach großartig.
Und als wäre der Wettbewerb nicht schon spannend genug, gibt es noch jede Menge Geheimnisse und politische Intrigen. Die königliche Familie verbirgt ihre eigenen Geheimnisse, Aufständische versuchen, ihren idealen Herrscher auf den Thron zu bringen, und gleichzeitig muss Ning herausfinden, wer hinter der Verteilung des vergifteten Tees steckt. Der Wettbewerb selbst bietet ebenfalls jede Menge Rivalitäten, überraschende Wendungen und natürlich den ein oder anderen Versuch, die Konkurrenz zu sabotieren.
Besonders spannend fand ich Nings Loyalitäten. Während der Geschichte fragt man sich immer wieder, wem sie eigentlich vertrauen kann. Steht sie auf der Seite der Prinzessin? Oder auf der Seite des mysteriösen Jungen Kang, der ihr langsam näherkommt und dabei ihr Herz erobert? Oder geht es für Ning am Ende einzig und allein darum, ihre Schwester zu retten? Judy I. Lin hält viele Antworten lange zurück. Selbst als ich mich den letzten Seiten näherte, hatte ich das Gefühl, dass noch immer neue Geheimnisse auf mich warten. Immer wieder wurden kleine Hinweise gestreut, nur um mich anschließend noch neugieriger zu machen.
Ich liebe Fantasygeschichten, in denen ein Wettbewerb im Mittelpunkt steht, und dieser hier hat mich definitiv nicht enttäuscht. Die Aufgaben sind abwechslungsreich und spannend gestaltet, und durch die magische Komponente wird jede Prüfung noch interessanter.
Einziger großer Kritikpunkt: Warum endet dieses Buch SO?! 😭
Da es sich um den ersten Band einer Duologie handelt, war mir natürlich bewusst, dass nicht alle Fragen beantwortet werden würden. Aber dieser Cliffhanger ist wirklich gemein. Gerade als einige Dinge langsam Sinn ergeben, wird einem der Boden unter den Füßen weggezogen.
Insgesamt hat mich A Magic Steeped in Poison mit seiner einzigartigen Magie, der chinesisch inspirierten Welt, den politischen Intrigen und dem spannenden Tee-Wettbewerb vollkommen überzeugt. Ich habe die Geschichte sehr gerne gelesen und bin unglaublich gespannt darauf, wie es mit Ning weitergeht.
4,5/5 ⭐

























