Jule Andersen , Theodor Buhl Winterkorn

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Inhaltsangabe zu „Winterkorn“ von Jule Andersen

Jule Andersen war 72 Jahre alt, als ich sie kennenlernte. Für mich, den 45 Jahre Jüngeren, kam sie aus einer fremden Welt. Als fünftes von neun Kindern eines ungelernten Gelegenheitsarbeiters 1891 in Kiel geboren, entstammte sie der untersten sozialen Schicht, blieb – wie die meisten ihrer Geschwister – ohne jede Ausbildung und konnte niemals ein unabhängiges Leben führen. Das alles tat ihrem Selbstbewusstsein keinen Abbruch. Ihr waches Interesse für die Schicksale anderer Menschen und die politischen Tagesereignisse, ihre tiefsitzende Abneigung gegen die Männer, ihre vitale, bildhafte Sprache – eine Mischung aus Hochsprache und norddeutscher Mundart – und die Lust am Reden und Lachen bestimmten die Gespräche mit ihr. Das Material, aus dem ‹Winterkorn› entstanden ist, stammt überwiegend von Tonbandaufzeichnungen alltäglicher Lebenssituationen und manchmal auch aus Interviews – der ‹Klöterkasten›, wie Jule Andersen das Aufnahmegerät nannte, lief, ohne dass sie das im Geringsten störte, meistens mit, wenn ich in ihren letzten 12 Lebensjahren mit ihr zusammen war.'

sicher interessant, aber sooo viel Platt und Dialekt das ich nix verstanden habe, sollte man als Warnung draufschreiben

— CorneliaP
CorneliaP

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  • Rezension zu "Winterkorn" von Jule Andersen

    Winterkorn
    Lesegenuss

    Lesegenuss

    15. December 2012 um 15:01

    Persönliches Vorwort: Über das persönliche Leben meiner Großeltern ist mir nur sehr wenig bekannt. Meine Großmutter väterlicherseits, geboren 1904, arbeitete als Dienstmagd, ihr Mann war Arbeiter und sie lebten auf dem Land. Meine Großmutter Karoline, 1897 geboren, arbeitete als Hausangestellte, ihr Mann war Kutscher. Beide lebten in Berlin Mir ist bekannt, dass meine Mutter an persönlichen Aufzeichnungen schreibt, zum einen über ihr Leben in Berlin, die erlebte Zeit während des Zweiten Weltkrieges, aber auch die Erinnerungen an ihre Eltern. Das läßt hoffen, aber bitte nicht zu schnell, denn Lesen darf ich diese erst nach ihrem Tod. Insofern ist „Winterkorn“ auch eine persönliche Bereicherung. Statement: Theodor Buhl hat über zwölf Jahre Jule Andersen, am Anfang ihres gemeinsamen Weg 72 Jahre alt, begleitet und ihre Lebensgeschichte aufgezeichnet. Jule Andersen, 1891 als fünftes von insgesamt neun Kindern geboren, ein Leben in der unteren Schicht. Den Status einer Familie, so wie wir ihn heute kennen bzw. schätzen gelernt haben, kannte Jule nicht. Harte Arbeit, der Kampf um das tägliche Brot gehörte von klein auf zu ihrem Leben. Ihr Vater Heinrich, ein Möchte-gern-mehr-sein, kein Vorzeigevater. Ihre Mutter Elisabeth verstarb schon mit 54 Jahren. Theodor Buhl begleitet Jule Andersen, zeichnet ihre Erinnerungen mit dem so genannten „Klöterkasten“, einem Aufzeichnungsgerät, auf. Jule Andersen wuchs ohne Ausbildung auf und trotz allem ist sie ihren Weg gegangen. Sie kämpfte sich durchs Leben, schildert von ihren Stellungen, sei es in einer Bäckerei, oder auf einem Bauernhof. Diese beiden Beispiele habe ich nur so herausgepickt. Man muss sich schon beim Lesen darauf einstellen, dass urplötzlich von der hochdeutschen Sprache ins „Platte“, norddeutsche Mundart, gewechselt wird. Plattdeutsch bzw. norddeutsche Mundart hören und verstehen, ist die eine Seite, lesen und verstehen manchmal nicht so ganz einfach. Ihr gesamtes Leben verbrachte Jule Andersen in Schleswig-Holstein, genauer gesagt in und um Kiel. „Mein Leben“, das Kapitel ist umfassend, informativ, aufschlussreich. „Winterkorn – Die Lebenserinnerungen der Jule Andersen“, ein Lebensroman, der fast ein ganzes Jahrhundert umfasst. Ihre Schilderungen im Umgang mit der Familie, ihre Lebenseinstellung, ihre Kritik, das Leben erleben in zwei Kriegen, schon heftig. Theodor Buhl, 45 Jahre jünger als Jule Andersen, hat die Schilderungen ihres Lebens in einem knapp 200 Seiten umfassenden Buch sehr gut dargestellt, wobei er – wie in seinem Nachwort zu lesen ist, die Aufzeichnungen letztendlich sehr umfangreich geworden waren. (S. 201) „Winterkorn – Die Lebenserinnerungen der Jule Andersen“ ist in drei Teilen verfasst worden. „Mein Leben“ – „Ein Tag“ und „Eine Nacht“. Eine persönliche, sehr offene, fast nackte geschilderte Lebensgeschichte einer Frau, die daran erinnert, wie die Welt sich in den vergangenen einhundert Jahren verändert hat. Doch wie hat sich der Mensch verändert? Unterschicht – Mittelschicht – Oberschicht? Klassendenken!

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