Juli Zeh Corpus Delicti

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Inhaltsangabe zu „Corpus Delicti“ von Juli Zeh

Jung, attraktiv, begabt und unabhängig: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren, die sich vor einem Schwurgericht verantworten muss. Zur Last gelegt wird ihr ein Zuviel an Liebe (zu ihrem Bruder), ein Zuviel an Verstand (sie denkt naturwissenschaftlich) und ein Übermaß an geistiger Unabhängigkeit. In einer Gesellschaft, in der die Sorge um den Körper alle geistigen Werte verdrängt hat, reicht dies aus, um als gefährliches Subjekt eingestuft zu werden. Juli Zeh entwirft in Corpus Delicti das spannende Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur irgendwann im 21. Jahrhundert, in der Gesundheit zur höchsten Bürgerpflicht geworden ist.

Jedes Mal wieder fesselnd

— Cest_pitoresque

Ein spannendes, innovatives Buch, das man so noch nicht gelesen hat.

— imsoinlovewithbooks

Die Erkenntnis, dass jedes System seine Fehler hat und dazu fähig ist, seine Gegner auf grausamste Weise zu beseitigen.

— Julo

Schöne Story. Hätte etwas tiefgründiger und von der Sprache anspruchsvoller sein können.

— SandraSunshine

Die Geschichte ist mir leider zu utopisch, aber auf eine komische Art und Weise. Die Art, in der sie schreibt, liebe ich trotzdem.

— JayC

Nicht einfach zu verstehende Dystopie.

— Tobias_Gleich

Zwar an einigen Stellen wirr, aber doch auch gerade deswegen genial

— Allesleserin

Beklemmende Fiktion eines Justizdramas in einem gesundheitsorientierten Überwachungsstaates

— Dagmar_Urban

Story ganz okay, aber die Protagonistin war für mich katastrophal. Ansonsten eine akzeptable Schullektüre. Gab wesentlich schlimmeres. ⭐⭐⭐

— eulenauge

Verstörend

— Alanda_Vera

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  • Was passiert, wenn Zweifel aufkommen?

    Corpus Delicti

    imsoinlovewithbooks

    16. April 2018 um 11:34

    Die erste Seite des Buches war für mich ein Hindernis, denn es dauerte eine Weile, mich an Juli Zehs Schreibstil zu gewöhnen. Dieser ist sehr gehoben und ich habe zu Beginn nicht alles verstanden, was ich jedoch nicht schlimm fand, vor allem, weil es im Verlauf der Geschichte immer besser wurde und schließlich war ich von der Sprache richtig fasziniert. Die Autorin schafft es, Gefühle auf eine Art zu beschreiben, dass sie den Leser regelrecht am Herzen packen. Sie arbeitet mit Symbolen und intensiviert die Gefühle der Protagonistin dadurch. In dieser Geschichte werden einige Themen aufgegriffen, die sich aus dem Machtspiel zwischen Staat, Individuum und Gesellschaft zusammenfügen. Auch Zweifel und innere Zerissenheit spielen eine große Rolle. Meiner Meinung nach wurde das System, das in dieser Geschichte regiert, nicht ausreichend genug erklärt. Ich hätte mir mehr Informationen gewünscht. Wie konnte es so weit kommen? Aber auch zusätzliche Informationen zum allgemeinen Leben innerhalb der Verordnungen hätten das Gesamtbild besser dargestellt. Trotzdem hat mir das Buch sehr gut gefallen, wobei ich mir vornehme, es irgendwann noch einmal zu lesen, da ich mir immer noch nicht sicher bin, alles verstanden zu haben.

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  • Körper des Verbrechens

    Corpus Delicti

    Bibliomania

    26. March 2018 um 13:31

    Mit "Corpus Delicti" reiht sich Juli Zeh in die dystopischen Reihen im Stil von George Orwell und Aldous Huxeley ein. Sie entwirft einen Staat, in dem die Gesundheit das oberste Gut ist, das es in jedem Fall und um jeden Preis zu schützen gilt. Jeder muss sich entsprechend ernähren, vorgegebene Sporteinheiten absolvieren und darf eigentlich nichts anderes trinken als heißes Wasser, höchstens mit einem Schuss Zitrone. Mia Holl hat ihren Bruder Moritz verloren. Moritz wurde eines Verbrechens beschuldigt, landet im Gefängnis und bringt sich um. Die beiden hatten ein sehr enges, gutes geschwisterliches Verhältnis. Sie trafen sich regelmäßig zum Spazieren, erzählen und Träumen. Von der großen Freiheit, die Moritz eher gelebt hat als Mia. Mia kommt nicht wirklich mit dem Verlust klar. Sie hat sich Moritz' ideale Geliebte, eine Fiktion, eine Wahnvorstellung, eine Illusion zu eigen gemacht und spricht mir ihr auch in Anwesenheit von "Besuch". Da Mia versucht die Unschuld ihres Bruders zu beweisen, gerät sie schnell selbst in höchste Gefahr und muss am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, sich gegen die "Methode", wie es der Staat bezeichnet, zu wenden. Dabei ist Mia doch eine Methodistin durch und durch... Eine tolle Dystopie von Juli Zeh, die mich schon mit ihren anderen Büchern ("Unterleuten", "Nullzeit", "Leere Herzen") zu ihrem festen Leserstamm zählen kann. Ich lese allgemein weniger Frauen als Männer, aber wenn Juli Zeh ein neues Buch veröffentlicht, bin ich automatisch neugierig und muss es haben. Juli Zeh schreibt vorausschauend, aufwühlend und bringt mich immer zum Nachdenken. Sie kann mit Fiktion und Realität ebenso gut spielen, wie mit der Sprache. Ihre Themen haben etwas originelles, gefährliches und durchaus realistisches. In diesem Buch kehrt auch wieder mein geliebtes Frage-Antwort-Spiel im Gericht auf, das jedoch irgendwie auch etwas lächerliches hat und auf eine gewisse Weise den Staat verhöhnt, wie großes Kino. Nur gut, dass ich "Adler und Engel" noch stehen habe. Ich werde definitiv weiterhin ihre Bücher lesen.

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    • 2
  • Corpus delicti

    Corpus Delicti

    BeaSwissgirl

    31. January 2018 um 09:55

    Mein Leseeindruck subjektiv, aber spoilerfrei ;)Schon lange wollte ich einmal etwas von Juli Zeh lesen und da ich Dystopien voll gerne mag durfte dieses Buch hier bei mir einziehen.Der Schreibstil ist recht kühl, distanziert und oft auch sehr hochtrabend, was für mich nicht immer ganz so einfach war.Gerade wegen dem Stil empfand ich auch keinerlei Bindung zu den Personen, egal um wen es sich handelte.Müsste ich sie beschreiben, sei es nun äusserlich oder Charakterzüge nennen es wäre mir unmöglich.Die ganze Ausarbeitung ist also sehr oberflächlich gehalten und ich hatte den Eindruck die Protagonisten sind einfach Spielfiguren oder Mittel zum Zweck.Sowieso liest sich die Geschichte ehrlich gesagt eher wie ein Essay und nicht wie ein Roman.Die ganze Thematik ist äusserst interessant, faszinierend, schockierend regt zum nachdenken an und es gab auch immer wieder Momente, wo ich es sogar spannen fand. Oft war es aber auch irgendwie verwirrend, sprunghaft, unübersichtlich und in die Länge gezogen, obwohl das Buch ja nicht viele Seiten hat.Aus all diesen Gründen vergebe ich hiermit 3 Sterne   

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  • Analytisches Denken wird einer jungen Biologin zum Verhängnis

    Corpus Delicti

    Dagmar_Urban

    27. December 2017 um 12:58

    Mia Holl trauert um ihren Bruder Moritz, der in einem Indizienprozess wegen Mordes verurteilt wurde und im Gefängnis Selbstmord beging. In einem Staat, der Gesundheit und Überlebenswillen als obersten Bürgerwillen bzw. als Pflicht betrachtet, die Menschen diesbezüglich überwacht und Verstöße ahndet, gilt Selbstmord als Revolution. Mia zieht sich in ihrer Trauer zurück, vernachlässigt ihre sportlichen und ernährungsphysiologischen Pflichten. Das ruft die METHODE, das staatliche Rechtssystem, in Gestalt des systemtreuen Journalisten Heinrich Kramer auf den Plan. Rechtsanwalt Rosentreter wird Mia als Pflichtverteidiger beigestellt. Nach einigem Auf und Ab kann Rosentreter einen Justizskandal aufdecken, der Mia die Freiheit beschert. Doch Mia steckt nach wie vor in einem Dilemma: als trauernde Schwester sind ihre rationalen Zweifel an der Schuld ihres geliebten Moritz beseitigt, doch als Staatsbürgerin zweifelt sie am System. Ihr Widerspruchsgeist ist geweckt, mit fatalen Folgen. Juli Zeh spinnt aktuelle Themen weiter und verdichtet sie in einer packend scheinschönen Justiz- und Staatsvision. Ihre ambivalent denkende Protagonistin findet problemlos Argumente für und gegen die METHODE. Perfekt, um das Drama der Hauptperson langsam zuzuspitzen und die Gefahren der Staatsdoktrin für den Leser erlebbar zu machen. Ein wortgewandt inszeniertes Gerichtsverfahren in einer perfekt gedachten Zukunft. Fehler im System sind und bleiben allerdings die Menschen.

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  • Corpus Delicti

    Corpus Delicti

    juliaaholic

    25. May 2017 um 19:43

    https://juliaslesewelten.blogspot.de/2017/05/rezension-corpus-delicti-ein-prozess.htmlStellt Euch vor Ihr würdet in einer Gesellschaft leben in der Gesundheit das höchste Wohl ist. Unvorstellbar für uns, oder? Denn allein schon dieser Drang immer gesund zu sein und ein gesundes Leben zu führen um auch der Gesellschaft nicht zu schaden macht einen doch auch wieder krank. Juli Zeh hat in ihrem Roman genau so eine Gesellschaft erschaffen und somit ein Buch, welches in der Schule diskutiert wird. In "Corpus Delicti" begleiten wir Mia Holl, welche noch immer nicht über den Tod ihres Bruders hinweggekommen ist, welcher wegen Mordes angeklagt wurde und sich dann erhängte. Sie ist noch immer überzeugt davon, dass ihr Bruder Moritz unschuldig ist, während alle anderen ihn verurteilen. Sie beginnt selbst ihre gesundheitlichen Formulare abzugeben und wird deshalb vor Gericht geladen und so beginnt der Prozess.Ich empfand es als wirklich sehr interessant diesen Roman zu lesen, weil es etwas von einem dystopischen Krimi hatte. Man hat versucht einen Fall aufzuklären, während man in einer Gesundheitsdiktatur lebte. Juli Zeh hat ihr Buch auch wirklich gut geschrieben und auch die Rückblenden nicht immer chronologisch eingebaut, sodass sie besser zur eigentlichen Handlung passten. Sie hat verschiedene Personen erschaffen, die alle auf ihre eigene Art besonders waren und über die man getrost hätte noch mehr schreiben können. weil jede Geschichte es verdient hätte, erzählt zu werden. Und das Zusammenspiel der Personen war einfach stimmig, sodass man es flüssig in einem Rutsch lesen konnte. Was mir auch sehr gut gefallen hat, war, dass dieses Buch auch gut ohne eine Liebesgeschichte funktioniert hat, weil man einfach auch nicht überall eine hineinquetschen kann. Doch nun kommen wir zu meinem Großen ABER und dieses werde ich auch nicht mit in die Wertung hinein nehmen. Lest dieses Buch wirklich alleine und für euch und am besten nicht in der Schule. Wir behandeln das Buch nun schon seit gut einem Monat und zerreißen es förmlich. Bei meiner Lehrerin hat jedes einzelne Wort, jeder Buchstabe eine Bedeutung und langsam beginne ich dieses Buch zu hassen und dabei fand ich es eigentlich wirklich gut. Und ich bin auch der Meinung, dass Lehrer uns und vor allem den NICHT lesenden Bücher schmackhaft machen sollen, aber so vergrault man diese ja nur noch mehr. Und dann haben wir uns ein Interview mit Juli Zeh angesehen in dem die Autorin leider auch sehr unsympathisch herüberkam und irgendwie hat auch das alles kaputtgemacht.Also kann ich Euch wirklich nur raten dieses Buch einfach zu lesen und es nicht in seine einzelnen Worte zu zerreißen um herauszufinden, warum die Autorin nun ein "Es" statt einem "Das" genutzt hat. Wenn wir mal meine schulische Kritik an dem Buch weglassen, hat mir das Buch sehr gut gefallen, aber ich werde es leider in den nächsten Jahren nicht mehr anrühren können. Euch anderen spreche ich aber eine Leseempfehlung aus. 

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  • Ein literarisches Unikat über die Frage, was uns mehr bedeutet: Wohlergehen oder Freiheit.

    Corpus Delicti

    SophiasBookplanet

    01. May 2017 um 17:54

    Auf dieses Buch hatte ich zugegeben sogar mehr Lust als auf bisher so ziemlich alle anderen, die ich jemals für die Schule lesen musste. Denn ein recht moderner Roman, noch dazu eine Dystopie, liest man nicht sonderlich oft in der Schulzeit. Dann begann ich zu lesen und kam wirklich schnell voran, auch wenn mir der Inhalt dieses Buches vorerst etwas suspekt erschien. Die Geschichte von Mia, die nach dem unschuldigen Tod ihres Bruders Moritz sich nach und nach immer weiter gegen das bestehende, in seinem Fall versagt habende System wendet, fällt aus so ziemlich jedem meiner Raster. Wenn ich eines über dieses Buch zu sagen habe, dann, dass es aus all meinen Bewertungskriterien herausfällt. Ich könnte sie nun Schritt für Schritt abarbeiten: Waren mir die Charaktere sympathisch? Alles andere als das! Kramer war zwar interessant, aber auch irgendwie gruselig. Mia war okay, jedoch mir an einigen Stellen auch zu irre, auch wenn man das bei ihrer Geschichte verstehen kann. Alle anderen, bis auf Moritz, waren einfach nur flach und hatten für mich nicht wirklich Charakter. Vielleicht noch Rosentreter, den ich eigentlich recht gut leiden konnte, aber es gab einfach keinen Charakter, von dem ich sagen kann: Wow, gäbe es den nur in Echt, ihm würde ich mal begegnen wollen. Es gibt auch einen Charakter, der sogar noch gruseliger ist als Kramer. Die sogenannte Ideale Geliebte ist, wie man will, eine Wahnvorstellung Mias, die Moritz erschaffen hat und die sie jetzt nach seinem Tod begleitet und tröstet. Ich mochte ihren Part, sie hat immer offen gesagt, wozu Mia zu feige war, auch wenn sie ja schlussendlich nicht wirklich da war sondern nur in ihrem Kopf. Aber sie hat mich zumindest hin und wieder etwas amüsiert im Gegensatz zu dem Rest des Buches. Was an diesem Buch wirklich außergewöhnlich ist, ist die Erzählform. Der Erzähler berichtet über Mia in der Sie - Form, ist dabei allwissend und übernimmt teilweise sogar eine Art Kommentatorfunktion, die Wissen vermittelt, das nicht unbedingt in den Zusammenhang passt. Weiterhin findet man in diesem Buch teilweise sehr verspachtelte und komplexe Sätze, immerhin sprechen die Charaktere öfters von einem uns unbekannten System und Mia ist noch dazu Naturwissenschaftlerin. Daher denke ich nicht, dass das Buch jedem gefallen wird, dennoch sollte man es meiner Meinung unbedingt lesen.   Fazit: Ein literarisches Unikat über die Frage, was uns mehr bedeutet: Wohlergehen und Gesundheit oder Freiheit. Eine Frau, die das Vermächtnis ihres Bruders lebt, den sie erst nach seinem Tod wirklich zu verstehen glaubt.

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  • Corpus Delicti

    Corpus Delicti

    Jennifer081991

    29. March 2017 um 13:51

    Eine spannende Dystopie über einen Staat, der Gesundheit zur höchsten Norm gemacht hat. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen! Ich hatte von Juli Zeh vorher nur Adler und Engel gelesen, was mich nicht so stark berührt hatte. Von Corpus Delicti dagegen konnte ich kaum genug kriegen!Mia ist eine so starke wie zerrissene Persönlichkeit. Der Verlust ihres Bruders durch das System stürzt sie in einen regelrechten Wahn, in welchem sich Wirklichkeit und Wahnsinn zu vermischen scheinen. Es ist nicht ganz klar, ob Mia sich ihres eigenen Handeln und der Tragweite wirklich bewusst ist, scheint sie doch meist stärker in ihren Gedanken gefangen als sich der um sie handelnden Personen bewusst. Dennoch ist sie hochintelligent und spielt das Spiel, in das sie gezwungen wird, so gut sie es kann. Die Erzählweise hat mich besonders berührt, da man aus Mias Perspektive die Verwicklungen verfolgt und ich mir wünschte, sie möge der auf sie zurasenden Katastrophe entkommen.Ihr Feind, Heinrich Kramer, ist viel weniger böse als vielmehr einem System treu, das er begründet hat und das zu verteidigen er sich nun berufen fühlt. Traurig fand ich die Figur des Anwalts Rosentreter, der durch einen Coup die Katastrophe in Gang setzt, sich aber seines Handels nicht bewusst scheint. Er ist es, der teils aus Rache, teils sicher auch seiner Karriere wegen, dem Fall von Mias Bruder wieder aufrollt und diesem eine neue Richtung gibt, ohne die nachfolgenden Verwicklungen wirklich zu begreifen. Als er zu verstehen beginnt, scheint er hilflos angesichts der Ereignisse und mir war nie ganz klar, ob er Mia helfen will oder nur den eigenen Gesichtsverlust fürchtet. Mein Fazit: Erinnerte mich an 1984, stark geschrieben, sehr eindringlich und nachdenklich stimmend!

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  • Orwell lässt grüßen

    Corpus Delicti

    franzzi

    28. December 2016 um 20:44

    "Dem wahren Menschen genügt das Dasein nicht, wenn es ein bloßes Hiersein meint. Der Mensch muss sein Dasein erfahren. Im Schmerz. Im Rausch. Im Scheitern. Im Höhenflug. Im Gefühl der vollständigen Machtfülle über die eigene Existenz. Über das eigene Leben und den eigenen Tod. Das, meine arme vertrocknete Mia Holl, ist Liebe."Das hat Moritz seiner Schwester Mia immer gesagt. Dass das nichts ist mit dem klinisch reinen, regeltreuen Leben der Selbstoptimierung. Dass das Leben hinter den Sperrzäunen liegt, an den abgeriegelten Flüssen, in den selbstgewählten Partnern, in den Küssen, in der Freiheit. Mia tut das ab. Glaubt, dass es gut ist, wie es ist. In der Gesundheitsdiktatur, die natürlich nicht so genannt werden will. Doch dann ist Moritz tot. Und Mia hat ernsthafte Hinweise darauf, dass das angeblich unfehlbare System, in dem sie lebt, daran Schuld ist. Juli Zeh entwirft eine Zukunftsvision, die so realistisch wie unangenehm ist. Der Gesundheit wird alles untergeordnet. Es wird klinisch sauberes Dosenessen gegessen, warmes Wasser getrunken, die Hometrainer kontrollieren, ob die Fitnessaktivitäten über dem Pensum liegen, die Toilette kennt immer die aktuellen Blutwerte. Ein Computer wählt die Partner danach aus, welche Immunsystem zusammenpassen. Küssen ist genauso tabu, wie ohne Mundschutz aus dem Haus zu gehen. Wer krank ist, ist geächtet. Wer gesund ist, ist ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft. Mia beachtet diese Regeln lange. Obwohl ihr Bruder anders ist. Obwohl ihr Bruder sie vom Leben in Freiheit überzeugen will, von dem, was man überhaupt Leben nennen kann. Erst als Moritz weg ist, versucht Mia das System zu durchschauen - ihr schärfster Widersacher ist ein kluger und mächtiger Journalist. "Corpus Delicti" ist ein echter Zeh. Es geht um die blinden Flecken des Rechts, um Freiheit, um den Moment, in dem ein gut gemeintes System in einen Albtraum, in eine Diktatur kippt, um Überwachung, um Macht und Kontrolle, um existenzielle Fragen. Aber es ist auch ein anderer Zeh. Ungewöhnlich kurz hält sich die studierte Juristin in ihren Schilderungen, spielt dafür mehr als sonst mit den Worten und der Sprache. Jeder Satz sitzt. Der Plot ist klug konstruiert, die Auflösung gnadenlos. Und George Orwell lässt grüßen. Ein echter Zeh halt. Ein guter Zeh. Ein erschreckender Zeh. "Glauben Sie an Gott, Frau Holl? - Ich glaube nicht an ihn und er nicht an mich. Das beruht auf Gegenseitigkeit."

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    • 2
  • Das Leben ist ein Angebot, das ich in einer solchen Welt garantiert dauerhaft ablehnen würde

    Corpus Delicti

    MartinaSchein

    15. November 2016 um 13:22

    Dieses Buch darf ich abends im Bett nicht lesen, denn ich rege mich dermaßen über die beschriebenen Zustände auf, dass ich danach sehr schlecht einschlafe.Gegen die Überwachungsmaßnahmen der METHODE sind die von Edward Snowden beschriebenen ja direkt Kinderkram. Privatsphäre und Individualität sind in dieser Welt Fremdwörter. Der übermächtige Staat dominiert und kontrolliert alle Lebensbereiche der Menschen. Selbst die Lebensgefährten werden nach immunologischer Verträglichkeit ausgewählt.In einer solchen Welt will ich nicht leben. Ein Leben ohne Krankheiten und Schmerzen ist für mich nicht gleichbedeutend mit Zufriedenheit und Glück.Was für eine Arroganz hinter der METHODE steckt. Nichts und Niemand ist unfehlbar.Wir können nach Vollkommenheit und Unfehlbarkeit streben, werden beides jedoch nie erreichen. Und wäre es doch möglich, nach was sollten wir dann noch streben?Selbst Kramer gesteht Lücken im System ein. Für mich beißt sich die Katze da selbst in den Schwanz. Entweder etwas ist perfekt oder eben nicht. Aber wirkliche Perfektion gibt es nicht, daher ist auch nichts von Menschenhand Geschaffene unfehlbar.Moritz zu Mia Holl:»Dem wahren Menschen genügt das Dasein nicht, wenn es ein bloßes Hier-Sein meint. Der Mensch muss sein Dasein erfahren. Im Schmerz. Im Rausch. Im Scheitern. Im Höhenflug. Im Gefühl der vollständigen Machtfülle über die eigene Existenz. Über das eigene Leben und den eigenen Tod. Das, meine arme, vertrocknete Mia Holl, ist Liebe.«Sprachlich gefällt mir das Buch nicht so gut. Zwar gibt die Autorin die Kälte einer derartigen Welt gut wieder, doch mir fehlen sowohl Spannung als auch der »Romanstil«. Für mich ist das Buch mehr eine Auflistung von Argumenten. Die Protagonisten sind mir ferner zu grob und undifferenziert gezeichnet. Den Schreibstil selbst empfinde ich teilweise als zu gestelzt, hochtrabend und häufig distanziert. Auch hat mir das Buch generell zu wenig Tiefgang. Aber okay, das Ganze mag dem Thema geschuldet sei.Gut gefallen hat mir die Figur der »idealen Geliebten«, die so gar nicht in die beschriebene Welt passt, sie aber weniger steril erscheinen lässt.Insgesamt hat mich das Buch sehr nachdenklich zurückgelassen. Meiner Krankenkasse werde ich ganz sicher keine Fitness- und sonstige Daten aushändigen. Wollen sie die haben, müssen sie meine Geräte hacken - was derzeit noch illegal ist. Obwohl, wenn ich so an das BKA, die NSA und Konsorten denke ...

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  • Eine Kritik am System

    Corpus Delicti

    CocuriRuby

    23. September 2016 um 14:56

    Ich finde den Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig und ich stehe dem ein wenig zwiegespalten gegenüber. Zum einen finde ich, dass die Sprache recht gewählt, aber nicht überfordernd oder aufgesetzt ist (meistens jedenfalls) – das fand ich angenehm. Auf der anderen Seite, finde ich diesen Stil zwar sehr präzise, aber fast unterkühlt, geradezu steril. Als hätte die Autorin selbst keinen emotionalen Zugang zu ihrer eigenen Geschichte gefunden – somit ich als Leser, auch nicht. Das gleiche gilt für die Charaktere. Sie sind so geschildert, dass man keinen wirklichen Zugang zu ihnen bekommt. Sie sind nicht unbedingt unsympathisch, aber sympathisch sind sie eben auch nicht. Die Charaktere sind eigentlich nur Mittel zum Zweck. Sie sollen durch das was sie tun und sagen, eine Aussage oder eine Kritik vermitteln. Dort liest man die Konstruktion der Autorin deutlich heraus. Ich finde das, aber interessante Weise nicht unbedingt negativ. Bis auf ein paar Dialogen am Ende, da empfand ich diese Konstruktion auch manchmal anstrengend. Dieses Buch ist in meinen Augen eine klare Kritik an dem System. Hier dargestellt durch das System der „METHODE“, der hier erschaffenen Gesellschaft. Besonders interessant an dem Buch ist das Gesundheitssystem. Gesundheit ist schließlich etwas wünschenswertes, aber in dieser Gesellschaft wurde das zur Perversion überspitzt. Es gib hier ebenfalls das Bild des „durchsichtigen Menschen“, aber eben auf der Gesundheitsebene. Alles wird überwacht und es gibt Strafdelikte, weil man  z.B. nicht körperlich Aktiv genug ist, Krankheiten wurden ausgerottet, selbst die Toiletten messen automatisch in den Ausscheidungen, ob die Werte vom normalen abweichen. Das schlimmste daran ist, dass das nicht undenkbar ist. Ich musste sofort an die Idee der Krankenkassen denken, die durch Belohnungsmaßnahmen den perfekten, gesunden Patienten anlocken wollen, indem man seine körperlichen Daten preis gibt. Ich finde es faszinierend, wie durch diese Überspitzung, eine subtile Kritik gegen unsere herrschenden Systeme vermittelt wird. Es gibt allerdings auch Thesen, die für mich keine Substanz hatten. Ich konnte den Ausführungen zwar folgen (glaube ich zumindest), kann ihnen aber nicht zustimmen.   Ein zusätzliches kleines Highlight war für mich ganz klar „die perfekte Geliebte“. Diese Figur ist ein regelrechter Stilbruch. Sie passt im wahrsten Sinne, nicht ins Bild. Aber ich mochte ihr Sinnbild der Idee, die der Protagonistin in den Kopf gepflanzt wurde und vor allem mochte ich den Humor, der durch diese Figur eingebracht wurde.     Fazit Ich finde die Kritik am System faszinierend. Das Buch bietet einen dort sehr viele Denkanstöße. Den Stil finde ich allerdings recht gewöhnungsbedürftig – er ist sehr speziell und nicht an allen Ecken angenehm.

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  • Zuviel Orwell, zuwenig Originalität

    Corpus Delicti

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    19. August 2016 um 19:26

    Mia Holl ist eine erfolgreiche Biologin, lebt in einer großzügigen Wohnung und besitzt alles, was ein angenehmes Leben ermöglicht. Als ihr Bruder Moritz des Mordes an einer Blind-Date-Bekanntschaft beschuldigt wird und ins Gefängnis kommt, bricht für Mia eine Welt zusammen. Als Moritz schließlich in Haft Selbstmord begeht, verliert Mia den Boden unter den Füßen. Doch ist in der Gesellschaft kein Platz für Individualismus und Privatsphäre. Der Staat lenkt nach den Grundsätzen der Methode, einer Ideologie, die die Gesundheit und Unversehrtheit des menschlichen Körpers in den Mittelpunkt allen Strebens rückt. Das bedeutet, dass sämtliche Vitalfunktionen, alle Bewegungen und Aktivitäten über Sensoren und Überwachungsmechanismen erfasst und weitergeleitet werden, selbst Lebenspartner werden nach Kriterien der immunologischen Kompatibilität ausgewählt. In dieser kalten, totalitären und erbarmungslosen Welt wirkt Mia Holl wie ein Fremdkörper, der vom System erst bekämpft, später vernichtet werden muss. Die Geschichte bietet eine Mischung aus Justizdrama und Dystopie á la George Orwell. Der Staat übernimmt die totale Kontrolle über das einzelne Wesen und weist ihm seinen Platz in der Gesellschaft zu. Durch ein Netz von Bespitzelung und Denunziation ist er stets über alle Vorgänge informiert und bestraft Abweichungen von der Norm hart. Mia startet einen juristischen Feldzug gegen dieses unmenschliche System, welches den Menschen selbst zum Gegenstand seiner Dogmatik gemacht hat. Ihr Ziel ist es, das Andenken an ihren Bruder aufrecht zu erhalten und sich ein Stück Freiheit in einer Welt der Rationalität und Überprüfbarkeit zu erkämpfen. Zehs Roman spielt mit Genres und Perspektiven, dabei bleibt er immer anspruchsvoll und sprachlich gewandt. Allerdings erinnert das Setting zu sehr an bekannte Vorgänger aus der Weltliteratur, sodass hier die Originalität der Geschichte etwas leidet. Dennoch ist „Corpus Delicti“ lesenswert, da hier aufgezeigt wird, wie aus einer eigentlich humanistisch gedachten Idee ein System der Unterdrückung und Sanktionierung werden kann. Eine nicht unwichtige Rolle spielen hier auch die Medien, vor allem Zeitungen und das Fernsehen. Daher enthält der Text sicher auch eine Form der Gesellschaftskritik, die aber ebenso oberflächlich bleibt wie die gesamte Figuren- und Handlungsgestaltung.

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  • Das Leben ist ein Angebot, das man auch ablehnen kann

    Corpus Delicti

    VroniMars

    20. June 2016 um 22:06

    In Juli Zehs dystopischen Roman "Corpus Delicti" wird eine Gesellschaft beschrieben, die sich der Gesundheit seiner Bewohner verschrieben hat. Das System bietet einem nicht nur eine allumfassende Gesundheitsvorsorge, sondern gibt einem auch einen strikten Ernährungs- und Bewegungsplan vor. Die einstige Methodenbefürworterin Mia Holl beginnt aber nach der Verurteilung ihres geliebten Bruders Moritz an dem ganzen zu zweifeln. In dem Buch begleiten wir, die sich von einer Methodenanhängerin zu einer -gegnerin entwickelt. Dabei werden immer wieder neue Fragestellungen aufgeworfen, die auch abseits des Buches interessant sind. Inwieweit steht das Allgemeinwohl über dem persönlichen Wohl des einzelnen? Wer entscheidet, was ein gesundes Leben ist? Darf der Mensch, wie in der Überschrift angedeutet, auch sein Leben wegwerfen oder muss dann der Staat eingreifen? Reicht es, ein Leben ohne Krankheiten und Schmerzen zu führen, um glücklich zu sein?Das Besondere an diesem Buch war für mich weniger das Thema, wobei auch dieses wirklich interessante Fragestellungen, wie gerade erwähnt, mit sich bringt. Mich hat der Erzählstil gepackt und überzeugt. Die Autorin verwendet die auktoriale Erzählweise und bezieht den Leser aber in die Beobachterrolle mit ein, indem sie z.B. "wir beobachten Mia dabei, als..." schreibt. Der Roman wirkt wie eine Szenerie, die man mitbeobachten darf. Erwähnenswert ist auch die hervorstechende Figur der "idealen Geliebten". Sie ist eine imaginäre Figur, die ihr Bruder erfunden und ihr "vererbt" hat. Mia führt mit ihr Diskurse über das System, wodurch die "ideale Geliebte" nicht nur das Sprachrohr des verstorbenen Moritz ist, sondern auch Mias Entwicklung erheblich beeinflusst. Alles in allem hat mich "Corpus Delicti" nicht nur überrascht, sondern auch überzeugt. Die angesprochenen Thematiken werden nie an Aktualität verlieren und sind deshalb auch so beeindruckend. 

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  • Erschreckende Zukunft

    Corpus Delicti

    sweetyente

    21. November 2015 um 23:22

    Juli Zeh schafft es in in diesem Buch aufzuzeigen, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt. Die heute schon vorhandenen Kontrollen und Überwachungen seitens des Staates denkt sie geschickt weiter. Allerdings sind sehr viele Zeitsprünge vorhanden, die meiner Meinung nach dem Lesefluss und dem Textverständnis eher hinderlich sind. Außerdem sind doch verschiedene Dinge unlogisch, über die man beim Lesen einfach stolpert.

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  • Die Zaunreiterin kämpft um ihren Bruder...

    Corpus Delicti

    klaudia96

    19. August 2015 um 20:41

    Inhalt In einer Gesellschaft, als deren höchstes Gut die Gesundheit der Bewohner gilt, versinkt die Biologin Mia Holl in Depressionen. Seit ihr Bruder Moritz Selbstmord begangen hat, um einer langen Zeit in Kryostase, einer Form der Bestrafung von Verbrechen zu entgehen, kann sie ihre Pflichten nicht mehr wahrnehmen, weil sie ihm hinterhertrauert. Durch die ständige Überwachung des Staates fällt ihr Verhalten aber auf, und führt dazu, dass sie sich vor Gericht verantworten muss. Dabei kommt ihre Beziehung zu ihrem Bruder ins Spiel, wird genau unter die Lupe genommen: Der lebensfrohe, rebellische Moritz soll angeblich einer Widerstandszelle, den “Schnecken”, angehört haben. Obwohl Mia ihn bewundert, ist sie doch zwiegespalten und versinkt damit in der Rolle der “Zaunreiterin”. Früher war sie diejenige, die immer die Regeln befolgt hat, um nicht aufzufallen, die ihre Gesundheit in den Fokus gestellt hat, nun fühlt sie sich in der Pflicht, Moritz’ Unschuld zu beweisen. Kann er denn wirklich eine junge Frau umgebracht haben? Seine DNA wurde am Tatort gefunden, und die Wissenschaft lügt nicht – aber gibt es wirklich keine Fehler im System? Im Kampf mit sich selbst versucht Mia verzweifelt, die Wahrheit zu finden, und löst dabei eine Lawine an Ereignissen aus, die sie für immer verändert – und viel zu schnell überrollt… Meine Bewertung Wo fange ich an? “Corpus Delicti” gehört zu meinen liebsten Büchern, meinen absoluten Favoriten. Wenn ich nur ein Buch besitzen dürfte, würde “Corpus Delicti” definitiv  in der engeren Auswahl dazu sein. Konkurrenz macht diesem Meisterwerk nicht viel. Juli Zeh hat einfach einen ganz eigenen Stil, der mich bei jedem Lesen wieder in den Bann zieht. Mia Holl ist der fiktive Charakter, mit dem ich mich am meisten identifiziere. Noch nie habe ich über jemanden gelesen, der mir so nahe zu stehen schien, ich konnte jede ihrer Handlungen nachvollziehen, vollkommen verstehen, warum sie die Kontrolle verliert und in dem ganzen Strang der Ereignisse mitgerissen wird.  Aber fangen wir am Beginn an: Mia ist ein Kind der Rationalität, der Wissenschaft, und damit charakterlich das Gegenteil ihres Bruders Moritz. Sein Freigeist macht ihr oft zu schaffen, was uns Lesern in eingeschobenen Flashbacks präsentiert wird. Mia genießt die Stunden mit ihrem Bruder, der in seiner Kindheit eine schwere Krankheit hatte und beinahe gestorben wäre, und seitdem seine Freiheit über alles stellt. Das System, in dem sie leben, kann er deshalb nicht gutheißen. Er fühlt sich eingeengt, überwacht, und bricht daher regelmäßig die Gesetze, worin er auch Mia verstrickt. Als er eines Tages festgenommen und des Mordes bezichtigt wird, ist es ihm lieber, Selbstmord zu begehen, als vom Staat eingefroren zu werden. Ausgerechnet Mia, die ihn über alles liebt, weil er ihr einziger Vertrauter ist, gibt ihm dabei das Werkzeug in die Hand. Doch nach seinem Tod versinkt sie in Depressionen, die Juli Zeh so gut beschreibt, dass es bei mir jedes Mal eine Gänsehaut auslöst. Mias innerer Konflikt, ob sie an Moritz Unschuld und einen Fehler im System, oder an die Möglichkeit, dass ihr Bruder ein Mörder ist, glauben soll, lässt ihr keine Ruhe, und tritt durch eine weitere tragende Rolle besonders stark auf: Die ideale Geliebte. Ihren Namen erfährt man nie – sie ein Erbstück, eine Freundin, die Mia von Moritz bekommen hat, und existiert nur in Mias Vorstellung, wo sie ihr mit sarkastischen Kommentaren zu helfen versucht, an Moritz’ Unschuld zu glauben. Weitere Nebencharaktere, wie Mias Anwalt Rosentreter, oder der Reporter Kramer, der gegen sie arbeitet und trotzdem immer versucht, ihr Vertrauen zu gewinnen, sind wahnsinnig gut gezeichnet, haben ihre eigene Persönlichkeit und interagieren mit Mia auf einem Niveau, das den Leser erschaudern lässt. Mias Unglück, ihr Kampf um Gerechtigkeit und die Wahrheit, reißt ihr gesamtes Umfeld mit sich – die Richterin Sophie, ihre Mitbewohner im Haus, ihren Anwalt, und die gesamte Gesellschaft, die davon durch die Medien erfährt. Der Spannungsaufbau des Buchs ist beeindruckend, vor Allem, weil Juli Zeh ihre Welt so meisterhaft aufbaut. Alles ist genau durchdacht, das System, das “Methode” genannt wird, agiert immer mehr mit gefährlichen und menschenrechtsverletzenden Mitteln, und stürzt dabei Mia immer tiefer in ihr Unglück. Der Überwachungsstaat, in dem alle Menschen auf ihre Gesundheit reduziert werden, in dem sie bestimmte Gebiete nicht betreten dürfen, in dem der ideale Partner nach wissenschaftlichen Maßstäben vorgeschlagen und ein Abweichen davon strafbar ist, und in dem auch Folter angewandt wird, wenn die Menschen nicht gehorchen – genau das ist die “Methode”, die teilweise erschreckend an heutige Maßnahmen erinnert, vor Allem in der Überwachung. Auch philosophische Ansätze lassen sich hier finden, etwa in Moritz mit seinem Freiheitsstreben, und dieses Buch eignet sich sehr gut für ethische Diskussionen. Wer ein fröhliches Buch haben möchte, sollte nicht zu “Corpus Delicti” greifen. Aber wenn ihr nachdenken möchtet, wirklich herausgefordert werden möchtet und auch nicht vor einigen rechtlichen Stellen zurückschreckt, ist Juli Zehs Meisterwerk definitiv geeignet. Ich werde wohl nie genug von diesem Buch kriegen – und wenn ihr darauf steht, eine Gänsehaut zu kriegen und noch wochenlang darüber nachzudenken, wie ihr in solch einem Staat handeln und leben würdet, ist Mia Holls Fall genau das Richtige für euch.

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    • 2
  • Gesundheit?

    Corpus Delicti

    dominona

    19. July 2015 um 16:46

    Was ist eigentlich normal und was ist gesund? Die Autorin geht das Gedankenexperiment wie gewohnt sprachlich treffsicher an und bringt mich wieder dazu über die Entwicklung unserer Gesellschaft nachzudenken. Unterschwellig oder vielleicht sogar so vordergründig, dass man es nur als nebensächlich wahrnimmt, wird auch das Thema mediale Präsenz und Rezeption behandelt. Kennt man die Gesellschaft und ihre Muster, ist sie leicht zu interpretieren. Das Buch hat mich wirklich überrascht.

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