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SophiasBookplanet

vor 3 Monaten

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Auf dieses Buch hatte ich zugegeben sogar mehr Lust als auf bisher so ziemlich alle anderen, die ich jemals für die Schule lesen musste. Denn ein recht moderner Roman, noch dazu eine Dystopie, liest man nicht sonderlich oft in der Schulzeit. Dann begann ich zu lesen und kam wirklich schnell voran, auch wenn mir der Inhalt dieses Buches vorerst etwas suspekt erschien. Die Geschichte von Mia, die nach dem unschuldigen Tod ihres Bruders Moritz sich nach und nach immer weiter gegen das bestehende, in seinem Fall versagt habende System wendet, fällt aus so ziemlich jedem meiner Raster.

Wenn ich eines über dieses Buch zu sagen habe, dann, dass es aus all meinen Bewertungskriterien herausfällt. Ich könnte sie nun Schritt für Schritt abarbeiten: Waren mir die Charaktere sympathisch? Alles andere als das! Kramer war zwar interessant, aber auch irgendwie gruselig. Mia war okay, jedoch mir an einigen Stellen auch zu irre, auch wenn man das bei ihrer Geschichte verstehen kann. Alle anderen, bis auf Moritz, waren einfach nur flach und hatten für mich nicht wirklich Charakter. Vielleicht noch Rosentreter, den ich eigentlich recht gut leiden konnte, aber es gab einfach keinen Charakter, von dem ich sagen kann: Wow, gäbe es den nur in Echt, ihm würde ich mal begegnen wollen.

Es gibt auch einen Charakter, der sogar noch gruseliger ist als Kramer. Die sogenannte Ideale Geliebte ist, wie man will, eine Wahnvorstellung Mias, die Moritz erschaffen hat und die sie jetzt nach seinem Tod begleitet und tröstet. Ich mochte ihren Part, sie hat immer offen gesagt, wozu Mia zu feige war, auch wenn sie ja schlussendlich nicht wirklich da war sondern nur in ihrem Kopf. Aber sie hat mich zumindest hin und wieder etwas amüsiert im Gegensatz zu dem Rest des Buches.

Was an diesem Buch wirklich außergewöhnlich ist, ist die Erzählform. Der Erzähler berichtet über Mia in der Sie - Form, ist dabei allwissend und übernimmt teilweise sogar eine Art Kommentatorfunktion, die Wissen vermittelt, das nicht unbedingt in den Zusammenhang passt. Weiterhin findet man in diesem Buch teilweise sehr verspachtelte und komplexe Sätze, immerhin sprechen die Charaktere öfters von einem uns unbekannten System und Mia ist noch dazu Naturwissenschaftlerin. Daher denke ich nicht, dass das Buch jedem gefallen wird, dennoch sollte man es meiner Meinung unbedingt lesen.

 

Fazit:

Ein literarisches Unikat über die Frage, was uns mehr bedeutet: Wohlergehen und Gesundheit oder Freiheit. Eine Frau, die das Vermächtnis ihres Bruders lebt, den sie erst nach seinem Tod wirklich zu verstehen glaubt.

Autor: Juli Zeh
Buch: Corpus Delicti
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