Die Stille ist ein Geräusch

von Juli Zeh 
4,2 Sterne bei54 Bewertungen
Die Stille ist ein Geräusch
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melancholischer, manchmal erschreckender Bericht über eine Reise ins Nachkriegsbosnien - wunderbar geschrieben mit einigen schönen Momenten

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Ein literarischer Reisebericht; eine Fahrt durch Bosnien

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Inhaltsangabe zu "Die Stille ist ein Geräusch"

Juli Zeh ist eine Ausnahmeerscheinung unter den jungen deutschen SchriftstellerInnen. Ihr Debütroman "Adler und Engel" begeisterte Lesepublikum und Kritik gleichermaßen und wurde mit dem Deutschen Bücherpreis ausgezeichnet. Nun legt sie ihr zweites Buch vor, "sprengt literarische Genres und schafft eine kleine Kostbarkeit" (Frankfurter Neue Presse). Im Sommer 2001 fährt Juli Zeh, nur begleitet von ihrem Hund, nach Bosnien. Sie möchte mit eigenen Augen sehen, ob "Bosnien-Herzegowina ein Ort ist, an den man fahren kann. Oder ob er zusammen mit der Kriegsberichterstattung vom Erdboden verschwand". Mitgebracht hat sie eine eindringliche Reiseschilderung aus einem Land, das in einem prekären Frieden lebt, in dem gehasst, aber auch gelebt wird. Sie versucht nicht, Gut und Böse zu erkennen, Erklärungen zu finden, sie erzählt vielmehr spannend und oft witzig von einem Land, in dem die Stille selbst eine Stimme hat.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442731046
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:01.10.2003

Rezensionen und Bewertungen

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    annlus avatar
    annluvor einem Jahr
    Kurzmeinung: melancholischer, manchmal erschreckender Bericht über eine Reise ins Nachkriegsbosnien - wunderbar geschrieben mit einigen schönen Momenten
    Eine Reise durchs Nachkriegsbosnien

    Meine Füße, tastend beim ersten Kontakt mit bosnischem Boden: Alles klar. Trägt.

    Juli Zeh beschließt – trotz vieler Warnungen – zusammen mit ihrem Hund Bosnien zu bereisen. Noch nicht lange liegt der Krieg zurück, ist noch in den zerstörten Gebäuden, der Präsenz internationaler Soldaten und den Äußerungen der Menschen zu sehen. Zwischen unberührter Natur und vom Kriegsgeschehen geprägten Städten sind es oft die eigenen Gefühle und Gedanken über die Juli Zeh grübelt.


    Das Buch erzählt die Reise durch Bosnien. Dabei ist es weniger Sachbuch, als vielmehr Roman, da dem Schreibstil die typische Distanz anderer Sachbücher fehlt. Es zeichnet sich aus durch Methaphern, Beschreibungen, die Bilder schaffen und eher dafür da sind, Gefühle als Wissen zu schaffen. Kurz hintereinander gereiht stehen einzelne Szenen, Eindrücke, die erst im zweiten Moment zu einem Ganzen zusammengefügt werden können und mich immer wieder an eine Fotoserie erinnert haben, durch die eine Reisebeschreibung entsteht.

    Mehr noch als die Zeugnisse des Krieges, die Zerstörung und die Geschichten der Menschen haben mich die Gefühle Juli Zehs melancholisch gestimmt. Sie ist in großen Teilen der Geschichte von einer seltsamen Lähmung befallen, nimmt viel distanziert war, beschäftigt sich mit auf den ersten Blick nebensächlichen Fragen und hat damit auch bei mir eine seltsame Stimmung ausgelöst.

    Doch dann gelingt es ihr, Bosnien als das anzunehmen, was es ist. Sie beginnt auf Menschen zuzugehen – ist dabei den internationalen Besatzern gegenüber skeptischer, als den Einheimischen. Ihre Reise führt sie in abgelegene Dörfer, in die Natur und in sehr viele Abenteuer.

    In einem musste ich ihr Recht geben – Kriegsnachrichten sind nur solange schrecklich, wie sie nicht zur Gewohnheit geworden sind. So musste nicht nur sie sich an die Kriegszeugnisse gewöhnen, sondern auch ich. Erst dann konnte ich ihre Eindrücke als nicht nur traurig-melancholisch, sondern auch als wunderbar wahrnehmen.

    Fazit: Wenn ich an meine Einschätzung des Buches denke, muss ich an Juli Zehs Worte zu Sarajevo denken „Ich wollte abreisen. Ich komme einfach nicht weg.“ - so ging es mir auch mit diesem Bosnien: Ich fand vieles erdrückend, kam aber nicht von den Erzählungen los. Nur gut, dass ich um den zeitlichen Abstand und die positiven Veränderungen im Land weiß.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren
    Die wahre Kunst des Schreibens - eine Rezension zu "Die Stille ist ein Geräusch" von Juli Zeh

    Ich habe dieses Buch verstaubt in der Ecke liegend auf einem Flohmarkt entdeckt, fast hätte ich es übersehen - wäre mir nicht der Name der Autorin ins Auge gesprungen. Juli Zeh. Da ich voller Bewunderung schon Corpus Delicti und Spieltrieb gelesen hatte, musste ich das Buch einfach kaufen.

    Aber mich beschäftigte die Frage, warum das Buch einer solchen Autorin unbeachtet zwischen alten Turnschuhen und zerkratzten Schallplatten landen konnte. War das Buch so schlecht? Die Sprache nicht so verspielt benutzt, wie es sonst für Zeh üblich ist? War das Buch einfach langweilig?

    Diese Befürchtungen haben sich (zum Glück) nicht bewarheitet.
    In "Die Stille ist ein Geräusch" beschreibt Zeh ihre Reise durch das Nachkriegs-Bosnien. Beschreibt sie. Sie erzählt nicht einfach von einer Reise, gibt keine Wertung zu den besten Hotels und verbliebenen Sehenswürdigkeiten ab. Sie beschreibt alle Sinne weckend Eindrücke, Bilder, Emotionen, Gedanken. Sie schildert ihre persönlichen Erlebnisse, lässt und das Land durch ihre Augen vor einem geschichtlichen Hintergrund sehen, fühlen.
    "Unablässig fieht die Landschaft in die Richtung, aus der ich gekommen bin. In Leipzig muss sich ein ganzer Haufen vor meiner Haustür ansammeln."
    "Die Stille ist ein Geräusch" ist keine klassische Reiseliteratur. Es ist einfach Literatur - in ihrer höchsten Kunstform. Es ist kein Buch, das man in einem von vorne nach hinten durchlesen muss. Man kann anfangen und aufhören wo man will, die Bilder, die Zeh mit ihren Worten malt betrachten, in sich aufsaugen und die eigene Fantasie damit bereichern.

    Das ist vielleicht keine Klassische Rezension, "Die Stille ist ein Geräusch" aber auch kein klassischer Reisebericht. Das Buch eignet sich weniger für Reiselustige, die eine spannendere Form des Reiseführers suchen - es ist eine Lektüre für Literaturbegeisterte, die  neben schönen Worten auch etwas über Eindrücke, Gedanken und Gefühle zu und in einem fremden Land erleben möchten.

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    Duffyvor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Stille ist ein Geräusch" von Juli Zeh

    Juli Zeh reiste nur begleitet von ihrem Hund durch das Bosnien nach dem Krieg. Auf eigene Faust erkundete sie Orte, die durch die jüngsten Ereignisse eine meist traurige Berühmtheit erlangten. Dabei wurde sie mit den gängigen Klischees genauso konfrontiert wie mit der Realität. Juli Zeh begegnet all' dem mit einem gehörigen Maß an Unvoreingenommenheit, weshalb dieses Buch in dieser Form erst möglich war. Dabei handelt es sich keinesfalls um die übliche Reiseberichterstattung. Juli Zeh verarbeitet vieles emotional, fühlt mehr als sie erfährt, was wahrscheinlich für sie besser war als umgekehrt. Nur unter diesem Aspekt ist das Buch lesbar, denn die Gefahr, über so ein Land in dieser Situation zu schreiben, ist, dass man sich hoffnungslos zwischen subjektiven Eindrücken verliert.
    Durch ihre Fähigkeit, brilliant mit Sprache umzugehen, hat die ihre Sprachlosigkeit virtuos im Griff, wenn es darum geht, Dinge zu beschreiben, die eigentlich unbeschreiblich sind. Trotzdem kann sie weder Fragen beantworten (auch ihre eigenen nicht), noch erklären, warum das so ist. Man bekommt den Eindruck, als würde sie im Verlauf der Reise alle Ansprüche aufgeben, die sie hatte. Dann wird auch der Charakter des Buches fragwürdig. Weil sie eben anders angefangen hat. Wollte sie eine "Reisebeschreibung" oder wollte sie mehr? Nach der Lektüre ist der Leser ein wenig iriitiert. Je nach Erwartung war sie phasenweise recht anstrengend und man kann nicht sagen, ob ihr das Buch gelungen ist oder nicht. Lesenswert ist es in jedem Fall, denn Juli Zeh ist eine der wortgewaltigsten Erzählerinnen wenn es um Bildhaftigkeit geht.

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    Golondrinavor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Stille ist ein Geräusch" von Juli Zeh

    "Bosnien, fällt mir ohne Zusammenhang ein, ist ein Land wie jedes andere, weil nichts auf der Welt sich mit etwas anderem vergleichen lässt..." Ich liebe Julie Zeh und ich liebe ihre Schreibweise. Brilliante Gedanken, brilliante Sätze. Kluge Frau. Eine Frau, die sich 2001 auf den Weg nach Bosnien macht, in einer Zeit als niemand ausser ihr diese Gegend auf seiner privaten Urlaubslandkarte hat.
    Immer wenn ich glaube, jetzt gehts nicht mehr schlimmer, wir versinken in Medienkitsch und Banalitäten, immer dann lese ich Juli Zeh. Ich wäre gern ein bisschen wie sie.

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    sisyphossavor 9 Jahren
    Rezension zu "Die Stille ist ein Geräusch" von Juli Zeh

    "alles wird nicht gut, aber normal. kaputte häuser, kaffee in kupferkännchen. schreck, faszination und begeisterung sind anfangspunkte einer geraden, die gewöhnung heißt."

    ihren hund und eine handvoll kindlich-naive fragen im gepäck bereist juli zeh ein land, über das viel gemutmaßt, aber wenig gewusst wird. stadt für stadt, kriegsschauplatz für kriegsschauplatz fährt sie ab, begegnet allerhand wundersamen, aber stets auf eigene weise liebenswerten menschen, mit deren hilfe sie letztlich dennoch nur vage antworten auf ihre fragen findet.

    unprätenziös und einfühlsam weiß frau zeh ebenso von traumata und leere, wie von lebensfreude und überlebensdrang der menschen zu berichten. durch die unbeschönigte und selbstironische schilderung des reisealltags entlockt sie dem leser trotz der eher ernsten materie des öfteren ein schmunzeln. wer selbst bereits in bosnien war, wird sich über so manches déjà-vu wundern - auf nahezu unheimliche weise fängt frau zeh die gefühle und eindrücke ein, von denen man selbst auf der reise heimgesucht wurde. auch für den noch unerfahrenen leser bietet das buch allerhand gute tipps und anhaltspunkte, was es in städten wie travnik oder trebinje zu erkunden gibt.

    eine schönere nach-urlaubslektüre hätte ich mir nicht vorstellen können. danke frau zeh!

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    Fubukis avatar
    Fubukivor 10 Jahren
    Rezension zu "Die Stille ist ein Geräusch" von Juli Zeh

    Juli Zeh verbindet in ihrem Buch "Die Stille ist ein Geräusch" meisterhaft die unverblümte und doch sehr persönliche Schilderung von Eindrücken ud Landschaften mit beißender Kritik an Vorurteilen. Dabei stellt sie vor allen Dinge die Menschen in den Vordergrund, ohne zu vergessen, dass sie ein politisch brisantes Thema bearbeitet. Authentisch und ehrlich.

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    Mickyvor 11 Jahren
    Rezension zu "Die Stille ist ein Geräusch" von Juli Zeh

    Wunderschöne Momentaufnahmen, sprachliche Brillanz, viel Humor und liebenswert unsinnige Gedankengänge prägen Juli Zeh's Reisebericht der ganz besonderen Art. Das Ganze ist verfeinert mit viel Tiefsinn und ein wenig Politik. Mal etwas ganz Anderes und unbedingt empfehlenswert.

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    Nespavanjes avatar
    Nespavanjevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein literarischer Reisebericht; eine Fahrt durch Bosnien
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    avette
    M
    morismo

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