Juli Zeh Leere Herzen

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Inhaltsangabe zu „Leere Herzen“ von Juli Zeh

»Eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen der Gegenwart.« (FAS)
Sie sind desillusioniert und pragmatisch. Sie haben den Zynismus der Politik genauso durchschaut wie den modernen Selbstoptimierungswahn oder das kleinbürgerliche Gutmenschentum. Sie haben sich in der Welt erfolgreich eingerichtet – und sie haben keine Lust, deswegen Schuldgefühle zu haben. Zusammen mit dem Informatikgenie Babak Hamwi hat Britta Söldner eine kleine Firma aufgezogen, die beide reich gemacht hat. Hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume aber betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod. Als ihr Unternehmen unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald ist nicht nur Brittas Firma in Gefahr, sondern auch ihr Leben …
Gelesen von Ulrike C. Tscharre.
(6 CD, Laufzeit: 6h 55)

Bringt einem zum nachdenken!

— Larili

Eine mögliche Zukunft, macht nachdenklich.

— dieschmitt

(Aufgrund fehlender Spannung) Eher Gesellschaftsroman als Thriller

— Soeren

Sehr spannend!

— evafl

Gute Idee, aber zu plakativ umgesetzt.

— Barbara62

Herrlich. bitterböse, sehr gut gelesen. Ich musste es so schnell wie möglich beenden. Sozusagen Hörbuch Pageturner.

— Galladan

Verstörende Vision einer nahen Zukunft, voller feiner Ironie und mit gnadenloser Konsequenz erzählt.

— sursulapitschi

Ist Politikverdrossenheit, Rückzug ins Private, Konzentration auf eigene Ziele tatsächlich die Perspektive?

— Satansbraten

Wow, was ein Buch! Genial, und gleichzeitig fast unerträglich in der Negativität...nicht für jeden geeignet, aber interessant.

— ElkeMZ

Ich mag Juli Zehs Art der Gesellschaftskritik. Ein Buch, das uns aufwecken sollte. Ist das eine Zukunft?

— black_horse

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  • Themen
  • Brisantes Thema mit einer mäßigen Umsetzung

    Leere Herzen

    Larili

    21. March 2018 um 11:35

    Merkel ist vor 8 Jahren zurückgetreten, Trump und Putin beendeten den Syrienkrieg und Zeitung lesen ist nur noch was für Nostalgiker. In Juli Zehs Buch werden wir mit der frühen Zukunft konfrontiert. Das Buch spielt in Braunschweig im Jahr 2025. Braunschweig: gerade Linien, glatte Flächen, durchdachte Mittelmäßigkeit. Britta Söldner und Babak Hamwi führen gemeinsam eine Heilpraxis für Psychotherapie und angewandte Tiefenpsychologie namens "Die Brücke". "Die Brücke" hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch ein selbstgeschriebenes Computerprogramm namens Lassie, suizidgefährdete Personen zu finden und Ihnen ein rentables Geschäft mit dem Tod vorzuschlagen. Doch nach einem Terroranschlag am Leipziger Flughafen ändert sich alles. Denn dieser Anschlag wirft eine Frage auf: War es ein Anschlag gegen "Die Brücke"?   „Leere Herzen“ von Juli Zeh habe ich bei Sound der Bücher gewonnen. Ich wollte es unbedingt hören, da ich schon viel von Juli Zeh gehört habe, die Story in Braunschweig spielt und es ein sehr brisantes Thema ist. Dieses Thema hat mich sehr gereizt und daher war ich sehr gespannt wie die Umsetzung erfolgte. Das Hörbuch war von Ulrike C. Scharre grandios gelesen und ich hoffe noch mehr von Ihr Hören zu können. Zu Beginn des Hörbuches war ich noch sehr interessiert und wollte wissen, wie die Story weiter geht. Leider wurden mir aber mit der Zeit die Hauptcharaktere unsympathischer und ich musste mich ein bisschen zwingen das Hörbuch bis zum Ende zu hören. Dies war mein erstes Hör- Buch von Juli Zeh und hatte durch viele positive Empfehlungen mehr erwartet. Auch wenn dieses Buch nicht meinen Vorstellungen entsprochen hat, werde ich bestimmt noch weitere Bücher von ihr lesen. 

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  • Die Brücke

    Leere Herzen

    Booklove91

    19. February 2018 um 09:54

    Inhalt:Sie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich ‎erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist, und wollen nicht länger verantwortlich sein für das, was schief läuft. Stattdessen haben sie gemeinsam eine kleine Firma aufgezogen, "Die Brücke", die sie beide reich gemacht hat. Was genau hinter der "Brücke" steckt, weiß glücklicherweise niemand so genau. Denn hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod. Als die "Brücke " unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald sind nicht nur Brittas und Babaks Firma, sondern auch beider Leben in Gefahr... Meine Meinung:Das Hörbuch, aufgeteilt auf 6-CDs, habe ich während meiner Autofahrten sehr genossen und es hat mich außerdem zum Nachdenken angeregt.Ich bin ein absoluter Fan von Juli Zeh und habe bereits ihre Bücher "Unter Leuten", "Nullzeit" und "Spieltrieb" gelesen, welche ich auch wirklich sehr empfehlen kann.Die Story, die hinter "Leere Herzen" steckt ist bildet ein wirklich absolut erschreckendes Szenario. Diese und die Kreativität der Autorin machen die Geschichte wirklich einzigartig.Die Protagonisten wirken alle wirklich sehr sympathisch, glaubwürdig und echt. Der Abschluss des Buches fand ich sehr gelungen und harmoniert super mit dem Einstieg.Die Stimme der Hörbuch-Sprecher ist absolut angenehm.

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  • Reale Utopie

    Leere Herzen

    berka

    07. February 2018 um 16:32

    Eine Geschichte die scheinbar in der Gegenwart beginnt und immer mehr zur Utopie wird. Dass sich die Geschichte in der nahen Zukunft ereignet wird erst nach und nach deutlich, so real wirken die Figuren und ihre Aktionen. Die Handlung ist spannend. Es gibt einige überraschende Wendungen die das Tempo erhöhen. Beim Hörbuch muss man allerdings konzentriert dran bleiben um alle Figuren richtig einordnen zu können. Manchmal hätte ich gern nochmal etwas nachgeschlagen.Ich wollte erstmals etwas von Juli Zeh lesen/hören und Unterleuten war mir im Moment zu umfangreich. Diese Utopie ist beängstigend weil sie sehr stark an die politische und gesellschaftliche Situation im Jahr 2017 anknüpft. Eine mögliche Verfilmung würde ich mir ansehen :)

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  • (Aufgrund fehlender Spannung) Eher Gesellschaftsroman als Thriller

    Leere Herzen

    Soeren

    06. February 2018 um 17:07

    Nachdem mich Juli Zehs „Unterleuten“ nicht so überzeugen konnte, dachte ich mir, gebe ich ihr mit dem von der Inhaltsangabe her interessant klingenden neuen Roman „Leere Herzen“ eine zweite Chance.  Und siehe da, der Anfang glich tatsächlich genau dem gesuchten Gesellschaftsroman, den ich bei „Unterleuten“ erwartete hatte. Die desillusioniernte Geschichte spielt in einer nahen Zukunft und greift einige tagespolitische Themen auf. Auch sonst ist es politisch interessant: Trump und Putin haben sich verbrüdert und den Syrienkrieg beendet. Unsere Innenministerin heißt Sahra Wagenknecht und es gibt Pläne zur Auflösung der UNO. Unter genau diesem Setting hatten die Protagonisten Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi die wirklich originelle Idee, ein Selbstmord-Therapie-Unternehmen namens „Brücke“ zu gründen. Um entweder die Suizidgefährdeten zu kurieren oder – Achtung, jetzt kommt’s! – sie an radikale Organisationen zu vermitteln ("Körperkapitalismus"), die diese dann für ihre Anschlagpläne einsetzen können.Laut Klappentext handelt es sich bei „Leere Herzen“ um „einen provokanten, packenden und brandaktuellen Politthriller. Es ist ein Lehrstück über die Grundlagen und die Gefährdungen der Demokratie. Und es ist zugleich ein verstörender Psychothriller über eine Generation, die im Herzen leer und ohne Glauben und Überzeugungen ist.“Im Ansatz stimmt das sogar, allerdings ist „Thriller“ meiner Meinung nach hier ein viel zu starkes Wort. Thrill bedeutet ja Nervenkitzel. Genau den vermisse ich hier allerdings. Sobald man sich an das interessante Setting gewöhnt hat, verzettelt sich die Geschichte in Nebensächlichkeiten und kalte Charaktere, die einen nicht mitreißen. Es gibt auch kaum Cliffhanger oder Tempo, was die Spannung erzeugen und die Geschichte vorantreiben könnte. Von daher: Als Gesellschaftsroman ist die Story interessant, als Thriller kann sie nicht überzeugen. Vielleicht ist letzteres aber auch einfach nicht Juli Zehs Metier.Die Hörbuch-Fassung wird solide von Ulrike C. Tscharre gelesen. An ihrer Arbeit gibt es nichts zu meckern.

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  • Welch ein Szenario...

    Leere Herzen

    evafl

    25. January 2018 um 11:11

    Braunschweig, zur aktuellen Zeit (2017). Britta Söldner hat zusammen mit Babak Hamwi eine kleine Firma, welche die beiden reich gemacht hat. Das Geschäft mit dem Tod ist lukrativ für die beiden, sie, die den kühlen Kopf bewahrt und organisiert und er, der ein Informatikgenie ist. In unscheinbaren Räumen betreiben sie „die Brücke“, die mit der Zeit dann aber unliebsame Konkurrenz bekommt. Doch ahnen Britta und Babak in welcher Gefahr sie schweben? Von Juli Zeh und ihren Büchern hatte ich schon einiges gehört, aber noch nichts wirklich von ihr gelesen bzw. kein Hörbuch gehört. Umso gespannter war ich nun auf „Leere Herzen“, was sich für mich nach einem etwas holprigen Start noch zu einer sehr spannenden Geschichte entwickelt hat. Die Geschichte von „Leere Herzen“ war für mich bislang nicht so wirklich klar – und sie wird es auch erst nachdem man die erste CD gehört hat bzw. wird es im Laufe der zweiten CD. So bekommt man gute Einblicke in die Firma von Britta und Babak und wie hier ein lukratives Geschäft mit dem Tod aufgezogen wurde. Die Schilderungen sind unheimlich spannend und unterhaltsam, die Zeit vergeht beim Hören quasi wie im Flug. Dachte ich bei der ersten CD noch kurzzeitig daran, dass ich das Hörbuch wohl abbrechen müsste, wenn nicht bald eine weitere Erläuterung* käme, so habe ich ab der zweiten CD das Hörbuch schnellstmöglich weiterhören wollen. (*Erläuterung im Sinne von - worum geht es denn eigentlich genau bei der Geschichte bzw. der Firma, die die beiden betreiben.)  Das Hörbuch wird von Ulrike C. Tscharre gelesen, die dem ein oder anderen sicher als Schauspielerin (z.B. Lindenstraße als Marion Beimer – allerdings nicht als die erste Marion) bekannt ist. Ihre Stimmte hat mir hier sehr gut gefallen, weil sie sehr angenehm anzuhören ist, außerdem ihre unterschiedlichen Betonungen, was es immer wieder recht abwechslungsreich gemacht hat. Meiner Ansicht nach ist das Hörbuch auch deshalb so geglückt, weil sie es gesprochen hat. Denn auch wenn es keine Einspieler mit weiteren Geräuschen gibt, eintönig ist das Hörbuch deshalb auf gar keinen Fall!  „Leere Herzen“ hat mir unheimlich gut gefallen, es war sehr spannend aber teilweise war es auch Angst machend. Das Szenario, das im Buch geschildert wird, ist teilweise für mich bedrückend gewesen. Es ist schon verrückt, wie man auf solche Geschichten kommt bzw. wieviel womöglich Wahres hier mit verarbeitet bzw. weiter phantasiert wurde. Das habe ich schon als durchaus auch heftig empfunden. Zum Lachen ist einem bei diesem Polit-Psychothriller wirklich kaum, eine ernste Geschichte, die aber eben sehr spannend und unterhaltsam erzählt ist. Es handelt sich hier auf keinen Fall um leichte Kost, dessen sollte man sich bewusst sein.  Gelegentlich hatte ich beim Hören das Gefühl, dass man manches auch ein bißchen zusammenfassen hätte können, also von der Geschichte her, hier war es dann so, dass ich kurzzeitig ein bißchen abgeschaltet habe, weil es mir zu ausschweifend war.  Für mich war es ein interessanter Einblick in die Welt der Geschichten von Juli Zeh, der sich absolut gelohnt hat. Ich wurde gut unterhalten, es war sehr spannend, wenngleich auch Angst machend in gewisser Weise. Von mir gibt es dafür 4 von 5 Sternen und eine Empfehlung. 

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  • Eine sehr düstere Zukunftsvision

    Leere Herzen

    Barbara62

    20. January 2018 um 15:42

    Da ich normalerweise kaum Dystopien und selten Politthriller lese oder höre, war Juli Zehs neuer Roman „Leere Herzen“ eine Herausforderung für mich. Aufgrund der Denkanstöße hat sich das Hörbuch definitiv für mich gelohnt, auch wenn mich die Umsetzung des Themas nicht ganz überzeugen konnte und der erhobene Zeigefinger zu deutlich spürbar war.   Die Handlung versetzt Leser und Hörer ins Deutschland des Jahres 2025. Angela Merkel hat ihr Amt verloren, neue Regierungsmacht ist durch demokratische Wahl die BBB, die „Bewegung der Besorgten Bürger“. Das bedingungslose Grundeinkommen hält die Bürger ruhig, die Effizienzpläne der Regierung schaffen die Demokratie in kleinen Schritten ab, Grundrechte werden eingeschränkt, das Ende von EU und UNO scheint absehbar. Die Deutschen haben sich ins Private zurückgezogen, kritische Stimmen hört man kaum noch.      Britta, Mitte 30, hat sich in dieser Welt gnadenlos perfekt eingerichtet. Zusammen mit Babak, einem Iraner, hat sie im unauffälligen Braunschweig die „Heilpraxis für Self-Managing und Ego-Polishing“ mit dem Namen „Die Brücke“ gegründet, die offiziell potentielle Selbstmordkandidaten therapiert. In Wirklichkeit filtert das boomende Unternehmen jedoch mittels eines brutalen Auswahlmodus die untherapierbaren Hardcore-Kandidaten heraus, die dann an Terrorgruppen jedweder Couleur als Selbstmordattentäter vermittelt werden. Doch nun hat es einen Anschlag gegeben, den keiner von Brittas und Babaks Kandidaten verübt hat. Gibt es eine neue Konkurrenz auf diesem Markt, den die beiden bisher allein beherrscht haben? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Britta, Babak und ihr Geschäftsmodell?   Die Idee hinter diesem Roman ist ebenso schräg wie bedrückend, weil das geschilderte Szenario beim genaueren Nachdenken gar nicht so völlig ausgeschlossen ist, wie es zu Beginn scheint. Allerdings fiel es mir schwer, einen Bezug zu den Personen aufzubauen, dazu schildert Juli Zeh sie zu schablonenhaft. Bei Britta, der perfekten Geschäftsfrau, Ehefrau und Mutter, nüchtern, berechnend, mit Hygienefimmel und einem völlig übersteigerten Bedürfnis nach Kontrolle und Selbstoptimierung, deutet allenfalls die beständige Übelkeit auf einen Rest von Gewissen hin. Sie hat sich bequem in ihrem Doppelleben eingerichtet, kann aber mit der unerwarteten Bedrohung nicht umgehen. Babak dagegen, der schwule, eher gutmütige Iraner, der den Algorithmus für die Auswahl der Kandidaten der „Brücke“ entwickelt hat, ist der ruhende Pol des Unternehmens, überlegter, entspannter, aber ohne Durchsetzungskraft. Julietta, eine neue Kandidatin der „Brücke“, ist in ihrer absoluten Klischeehaftigkeit die schwächste Figur des Romans.   Ulrike C. Tscharre liest das leider gekürzte Hörbuch auf sechs CDs in knapp sieben Stunden mit genau der passenden kühlen und lakonischen Artikulation. Das Zuhören hätte mir allerdings mit mehr erzählenden Passagen und weniger Dialogen besser gefallen.   Wer Lust hat, sich über die möglichen Folgen von Politikverdrossenheit und Rückzug in Form eines teils sehr spannenden Romans mit Zügen eines Politikthriller Gedanken zu machen, sollte Juli Zehs „Leere Herzen“ lesen oder hören. http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/juli-zeh-leere-herzen/

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  • Wenn nicht demokratisch sein keine schlechte Idee ist

    Leere Herzen

    Galladan

    15. January 2018 um 17:58

    Leere Herzen von Juli Zeh, gelesen von Ulrike C. Tscharre. Dieses gekürzte Hörbuch ist im der Hörverlag am 13. November 2017 erschienen. Britta Söldner und Babak Hamwi haben eine kleine Firma, die Brücke, die vordergründig eine psychotherapeutische Praxis ist um suizidgefährdeten Menschen zu helfen. In Wirklichkeit vermitteln die Beiden die Kandidaten mit absolutem Todeswunsch an Terroristische Vereinigungen die hochmotivierten Selbstmordattentäter für ihre Anschläge nun frei Haus geliefert bekommen. Babak hat inzwischen einen Algorithmus geschrieben, der die Bevölkerung auf mögliche Kandidaten für die Brücke durchsucht. Die Brücke hat sozusagen das Monopol auf Selbstmordattentäter. Als dann ein stümperhafter Anschlag mit nicht von der Brücke qualifizierten Leuten geschieht, sind die Unternehmer sofort alarmiert. Britta und Babak leben in einer Welt wo die Ignoranz und Gleichgültigkeit es haben geschehen lassen, dass die "Bewegung besorgter Bürger" die Regierung Merkel abgelöst haben und nun seit 10 Jahren eine Politik der Abschottung und Intoleranz durchsetzen. Würde man die Menschen zwischen dem Wahlrecht und ihrer Waschmaschine wählen lassen, sie würden gerne aufs Wahlrecht zugunsten bequemer sauberer Wäsche verzichten. Die Menschen bekommen ein bedingungsloses Grundeinkommen und haben das Gefühl, dass es ihnen doch gut geht. Juli Zeh tritt uns mit ihrem neuen Buch auf die Füße, aber wir dürfen wenigstens lachend untergehen. Wie schon früher schreibt sie mit einem zwinkernden Auge und netten Seitenhieben auf die heutige Politik. Jemand der mit der aktuellen Politik zufrieden ist, oder gar völlig unpolitisch, für den ist dieses Buch nichts. Es wird niemanden wecken der nicht bereits wach ist, aber vielleicht kann es diesen oder jenen motivieren wieder aktiver am politischen Geschehen teil zu nehmen als bisher und den Politikern zu sagen, dass es nicht auf Prozente, sondern auf Inhalte ankommt. Gelesen wurde dieses sehr politische Buch von einer überzeugenden Ulrike C. Tscharre die ihr Können auch schon bei Boyle Buch „die Terranauten“ unter Beweis gestellt hat. Ich finde es schade, dass dieses Buch gekürzt wurde.

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  • Verstörende Vision einer nahen Zukunft

    Leere Herzen

    sursulapitschi

    13. January 2018 um 11:27

    Dieses Buch kommt zunächst eher harmlos daher. Man befindet sich wage in einer nahen Zukunft. Inzwischen ist es hipp, bescheiden und zurückgezogen zu leben, auch wenn man sich sehr viel mehr leisten könnte. Seit die BBB die Merkel-Regierung abgelöst hat, belächelt man müde das politische Geschehen, hält sich aber lieber aus allem heraus.Brittas Familie geht es gut. „Die Brücke“, ihre Firma, läuft hervorragend. Sie betreibt zusammen mit Babak, einem Expatienten, eine psychologische Praxis für Selbstmordprävention. Das ist die Fassade. Tatsächlich untersuchen sie potentielle Selbstmörder auf ihren Durchführungswillen und vermitteln die ganz fest Entschlossenen als Selbstmordkandidaten an Organisationen, die mit solchen Menschen viel anfangen können. Eine Win-win-win-Situation. Seit Trump den Nahen Osten befriedet hat, gibt es keine unkontrollierten Selbstmordattentate mehr. Dann scheint sich aber plötzlich ein Konkurrenzunternehmen einzumischen. Was harmlos beginnt, wird albtraumhaft.Mit feiner Ironie und gnadenloser Konsequenz spinnt Juli Zeh hier eine schräge Idee weiter bis man in einer Katastrophe landet. Die Geschichte macht Spaß und entsetzt gleichzeitig, steckt doch im manch lakonischem Seitenhieb erschreckend viel Wahrheit. Gedanken an die aktuelle Situation drängen sich auf. Sind wir wirklich so weit davon entfernt?So genial dieses Buch ist, hätte ich mir doch manches davon ausführlicher gewünscht. Frau Zeh arbeitet mit dezenten Andeutungen, die man an vielen Stellen hätte vertiefen können. Aber auf jeden Fall bleibt man am Ende sehr nachdenklich und verstört zurück.Großes Lob gebührt der Sprecherin des Hörbuchs. Sie trifft genau den lakonischen Ton, den dieses Buch braucht und schafft es sogar, Typen wie dem lebensmüden Djawad eine authentische Stimme zu verleihen.

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    • 3
  • Ein Leben ohne Überzeugungen?

    Leere Herzen

    Satansbraten

    10. January 2018 um 21:27

    Eine Kleinfamilie, wohlorganisiert, gut situiert, wichtig sind gemeinsame Mahlzeiten, die Spielgewohnheiten der Tochter, ein paar wenige Freunde: Britta, Richard und Vera. Britta bringt das Geld nach Hause, sie hat die Brücke gegründet zusammen mit einem Freund, die beiden suchen potentielle Selbstmörder, entweder, sie bringen sie von diesem Weg ab oder sie führen sie einer "sinnvollen Verwendung" zu, in dem sie sie an Organisationen für deren Anschläge vermitteln. Ein ebenso lukratives wie zynisches Geschäftsmodell.Dieses Leben funktioniert gut, solange man dabei keine Überzeugungen verfolgt, keine politische Meinung, keinen Gestaltungswillen unterbringen muss. Das ändert sich, als die Brücke Konkurrenz bekommt, eine andere Organisation organisiert Selbstmörder als Attentäter, als Richard plötzlich einen bezahlten Job hat und nicht mehr von Brittas Geld abhängig ist, als Britta plötzlich sich und ihr Lebensmodell hinterfragen muss. Das ist spannend und durchaus kontrovers dargestellt - kann und will sie ihr Leben derartig verändern? Entwickelt sich unsere Welt tatsächlich dorthin, Politik passiert wie das Wetter und ist die Diskussion nicht wert, Grundwerte werden von der Politik systematisch demontiert? Ein erschreckendes Szenario, ein Buch zum Wachrütteln?

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  • Entpolitisierung und ihre Folgen

    Leere Herzen

    ElkeMZ

    09. January 2018 um 12:40

    Braunschweig als Synonym für ein "Leben frei von Zweifeln", "existenzieller Jetlag" herrscht bei den Protagonisten schon zu Beginn, über Politik wird nicht geredet, sie "ist wie das Wetter", sie "findet statt, ob man teilnimmt oder nicht, und nur Idioten beschweren sich darüber" - Das ist die Welt des 21. Jahrhunderts, unsere nahe Zukunft, in der Deutschland von der "Bewegung der besorgten Bürger" regiert und die Demokratie von innen ausgehöhlt wird: "full heads, empty hearts, it's a suicide World" - Das ist der Songtext der das Lebensgefühl beschreibt - und eine erste Andeutung auf das Unternehmen, das Britta, die Haupt-Protagonistin, betreibt, und um dass es in dieser Geschichte geht. (Deutlichere Inhaltsangaben empfinde ich als spoilernd...). Es ist eine Dystopie, klar, mit wenig ummäntelten Warnungen, unsere demokratischen Rechte nicht für die (in anderen Rezensionen schon benannte) Waschmaschine herzuschenken. So weit, so gut. Mir gefallen viele der Ideen, mit denen Juli Zeh diese nahe Zukunft beschreibt, so gut, dass man als Leser erst mal irritiert ist, in welcher Zeit man sich überhaupt befindet - was wiederum entlarvt, wie gut sie den kommenden Zeitgeist wohl getroffen hat, bezeichnend also auch für unsere Gegenwart! Die "verkehrsgerechte Entsorgung jeder Ästhetik" in den Städten, "perfekt präsentierte Lebensmittel im Kühlschrank" oder die Küchenarbeitsplatte, nicht aus Granit, sondern "aus polierten Beton" ("...wenn man keine Lust hat sich etwas vorzumachen, ist polierter Beton eben das, was man noch lieben kann") kommen einem auch heute schon nicht gänzlich unbekannt vor. Ich mag diese typischen Zeh-Sätze, und bis zur Entdeckung, was genau hinter Brittas Firma steckt (und welche Haltung bei ihr und anderen ein solches Unternehmen rechtfertigen), war ich mit dem Buch sehr einverstanden. Dann aber wird es mir doch zu düster, und der allgegenwärtige Fatalismus ist mir einfach "too much"! Es gibt meiner Meinung nach, bei aller berechtigten Kritik an deutscher Politik, keinen Grund für derartige Negativität, für so viel gefühlte Machtlosigkeit und gleichzeitige Arroganz (Britta glaubt die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Das Widerstandsrecht der letzten aufrechten Demokraten rechtfertigt Gewalt und Tod!??) Das Schlimmste dabei ist aber, dass die Figuren völlig hölzern bleiben, unbelebt, herzlos, weit weg in der eigenen Welt, die sie sich da zurecht gelegt haben. Obwohl die Geschichte an sich einen spannenden Verlauf aufbaut, zum Ende hin fast Thriller-Format erreicht, konnte sie mich nicht fesseln, schon gar kein Mitfiebern auslösen, es fiel mir eher zunehmend schwer am Ball zu bleiben. Genauso der letzte Teil (6.CD)- obwohl er interessante Aspekte für die Frage liefert, "wie konnte es zu dieser Entpolitisierung der Gesellschaft kommen? Auch: Wer ist schuld? Wie kann man gegensteuern?", und wieder sprachlich geniale Sätze liefert, bleiben mir die Schlüsse, die gezogen werden, leider sehr fremd und helfen irgendwie nicht weiter. Die Darstellung ist sehr bleiern, die Atmosphäre ist von Anfang bis Ende trostlos, ohne echte Emotionen. Liegt es an der Sprecherin? Nein, ich denke nicht. Die Stimme von Ulrike C. Tscharre ist äußerst angenehm, sie spricht im richtigen Tempo und gibt mit ihrer verhaltenen Modulation lediglich die vorherrschende Atmosphäre wieder. Sie macht ihre Sache gut. Ob sich das Buch für die Hörform wirklich eignet, ist für mich da eher die Frage. (Ich würde es nun eher in Papierform empfehlen.) Fazit: der Roman ist eine Mischung aus Politthriller und Dystopie, der durchaus lesenswert ist, wenn auch sicher kein Page Turner. Wem der Ernst und der allgegenwärtige Zaunpfahl für den Leser nichts ausmachen, wird mit einer interessenten Gesellschaftskritik bedient, die literarisch gewohnt gut in Zeh's einzigartige Sprache gekleidet ist. Das ist nicht das schlechteste. Das Buch kommt aber an "Unter Leuten" z.B. nicht heran und hat mich als Leser nicht wirklich erreicht. Ein bisschen mehr Emotion, vielleicht eine Prise Humor, vor allem etwas Selbstironie und weniger Moralkeule hätte dem Ganzen gut getan. Ich wage zu bezweifeln, dass es viel zu dem beitragen kann, was es offensichtlich leisten möchte. Für mich war es ein "preaching to the choir" in einer für mich nicht immer angenehmen, unnötig negativen Art. Deshalb nur eine vier **** minus.

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    • 7
  • Bleibt wach!

    Leere Herzen

    black_horse

    01. January 2018 um 21:57

    Wie sieht unsere Lebenswirklichkeit in einigen Jahren aus? Was erwartet uns, wenn Trump nicht mehr Exot, sondern Normalität ist, wenn aus Politikverdrossenheit die Besorgten Bürger die Regierung stellen?Im Mittelpunkt des Romans steht "Die Brücke", eine Firma, die selbstmordgefährdete Menschen nach ausführlicher Prüfung einem "Zweck" zuführt. Doch das Geschäft gerät außer Kontrolle. "Nebenbei" lässt Juli Zeh eine Gesellschaft entstehen, die beklemmend nah und doch (noch?) undenkbar scheint.Die Story ansich konnte mich nicht vollständig überzeugen, es fehlt an Spritzigkeit und Überraschungen. Aber es werden viele interessante Überlegungen eingeflochten und ich schätze die gesellschaftskritischen Einschätzungen der Autorin sehr. Das Hörbuch ist sehr gut gelesen. Die kühle Distanz, die "Leere im Herzen", die Kapitulation ist deutlich zu spüren.Insgesamt ist das Buch ein wichtiges Plädoyer für Demokratie, gegen die Politikverdrossenheit. Wahl oder Waschmaschine? Wir sollten unsere Stimme ernst nehmen.

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  • Hörbuchverlosung zu "Leere Herzen" von Juli Zeh und "Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten" von Anne Jacobs

    Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten

    Daniliesing

    Hörbuch-Highlights beim Sound der Bücher Für die (Vor)Weihnachtszeit haben wir zusammen mit Random House Audio und dem Hörverlag noch einmal 2 besondere Hörbuch-Highlights für euch herausgepickt, die unvergessliche Hörstunden garantieren. Anne Jacobs lässt uns in "Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten" in eine dramatische Familiengeschichte eintauchen und Juli Zehs Hauptfiguren in "Leere Herzen" betreiben ein lukratives Geschäft mit dem Tod. Perfekte Hörerlebnisse für kalte Tage und gemütliche Hörstunden daheim!Mehr zu den Hörbüchern Sie sind desillusioniert und pragmatisch. Sie haben den Zynismus der Politik genauso durchschaut wie den modernen Selbstoptimierungswahn oder das kleinbürgerliche Gutmenschentum. Sie haben sich in der Welt erfolgreich eingerichtet – und sie haben keine Lust, deswegen Schuldgefühle zu haben. Zusammen mit dem Informatikgenie Babak Hamwi hat Britta Söldner eine kleine Firma aufgezogen, die beide reich gemacht hat. Hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume aber betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod. Als ihr Unternehmen unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald ist nicht nur Brittas Firma in Gefahr, sondern auch ihr Leben … Wunderbar gelesen von Ulrike C. Tscharre.Jetzt reinhören! Seit Jahrhunderten in Familienhand, verloren und wiedergefunden – ein Gutshaus, eine Familie und ein dramatisches Schicksal … Franziska kann es nicht glauben: Endlich ist sie wieder in ihrer Heimat auf Gut Dranitz. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs musste sie das herrschaftliche Anwesen im Osten verlassen. Lange gab es keinen Weg zurück. Trotzdem ließ sie die Sehnsucht nicht mehr los. Nie konnte sie die glanzvollen Zeiten vor dem Krieg vergessen, ihre Träume und Wünsche von einem Leben an der Seite ihrer großen Liebe Walter Iversen. Alles schien möglich. Doch der Krieg trennte die Liebenden und machte ihre Träume zunichte. Aber Franziska gab die Hoffnung nie auf ... Gelesen von Daniela Hoffmann, der Synchronstimme von Julia Roberts.Jetzt reinhören!Gemeinsam mit Random House Audio und der Hörverlag möchten wir erfahren, welche eure Hörbuch-Highlights aus unserer Sound der Bücher Aktion 2017 waren. Mit eurer Stimme habt ihr zugleich die Chance, unsere beiden neuen Hörbuch-Highlights zu gewinnen.  Dafür vergeben wir jeweils 15 Exemplare jedes Hörbuchs, also insgesamt 30 Hörbücher, unter allen, die sich bis zum 10.12.2017 über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bewerben und uns verraten, für welches Hörbuch oder welche Hörbücher (mehrere gehen auch) sie gestimmt haben. Gebt außerdem an, welches Hörbuch ihr gern gewinnen möchtet.Bitte stimmt in dieser Liste für eure Favoriten ab!Ich drücke euch die Daumen!Im neuen Jahr dürft ihr euch übrigens auf noch mehr tolle Aktionen mit dem Sound der Bücher freuen. Am 21. Januar findet als krönender Abschluss unser Live-Event mit den Gewinnern der Aktion statt, bei dem die grandiosen Sprecher Götz Otto und Laura Maire mit dabei sein werden. Mehr Infos und die Möglichkeit zum Plaudern darüber findet ihr gleich hier! Aufgepasst! Hörbücher sind genau dein Ding? Dann schau doch mal auf der Sound der Bücher Aktionsseite vorbei und finde viele weitere tolle Hörbücher!   Außerdem erhältst du für die Bewerbung bei dieser Hörbuchverlosung 10 Hörminuten. Verfasst du zusätzlich eine Rezension bis zum 31.12., erhältst du noch einmal 25 Hörminuten (statt der üblichen 20 Hörminuten für eine Rezension).* Bitte beachte unsere Richtlinien zur Teilnahme an Leserunden und Buchverlosungen!

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    • 240
  • Gute Produktion, aber etwas ratlos, was den Inhalt betrifft

    Leere Herzen

    EmmaZecka

    06. December 2017 um 09:48

    Gestaltung Das Hörbuch wird von Ulrike C. Tscharre gelesen. Ihre Stimmfarbe gefällt mir wirklich gut. Außerdem hat sie der Geschichte den richtigen Unterton verpasst. Allerdings hat das auch dafür gesorgt, dass ich ziemlich genau zuhören musste, um keine Anspielung zu verpassen. Dank dem ein oder anderen Nebencharakter konnte sie auch ihre Vielfältigkeit unterstreichen. So wurden beispielsweise lautes Kinder Schreien oder Dialektkenntnisse verlangt. Gerade letzteres hatte einen unfreiwillig komischen Beigeschmack, trotz der ernsten Thematik. Ulrike C. Tscharre kommt auf meine "Im Ohr behalten"-Hörbuchsprecher Liste. Inhalt Inhaltlich geht es hier ziemlich zur Sache. Britta und Babak, beste Freunde, betreiben eine Agentur. Eine Firma, die assistierten Suizid betreibt. Aber das nicht etwa, indem man den Betroffenen ein tödliches Medikament verschafft. Ihr Tod soll einer Organisation nützen. Und damit diese Organisation gut ausgebildete Leute bekommt, haben Britta und Babak ein Trainingsprogramm entwickelt, das es in sich hat. Das ist nun der erste Handlungsstrang. Allerdings deutet Juli Zeh hier auch etwas Höheres an. Sie kritisiert nicht nur die momentane politische Lage, die sie aber nur in Ansätzen schildert, sondern wendet sich auch dem Prinzip der Leeren Herzen zu. Britta wirkt emotionslos und kalt. Mit ihrer Familie kann sie nichts anfangen. Sie glaubt, nur mit Gewalt etwas im Leben erreichen zu können. Man könnte fast vermuten, dass sie auch etwas frustriert von der Entwicklung der Welt ist. Dann taucht eine Organisation auf, die Britta auf eine harte Probe stellt: Sie muss nicht nur ihre eigene Firma retten, sondern sich auch überlegen, was sie von ihrem Leben möchte. Nun noch zu der oben angedeuteten politischen Lage: Zuerst hat mich Juli Zeh ordentlich verwirrt. Es ist nicht so, dass ich ein grandioses politisches Verständnis habe. Allerdings sind mir einige Grundlagen bekannt. Und so war ich wirklich verunsichert, als Juli Zeh politische Gegebenheiten schildert, die in der Realität nicht zutreffen. Und das obwohl unsere Protagonisten in einem scheinbar realistischen Deutschland leben. Also ohne Sciene-Fiction oder dystopische Elemente. An dieser Stelle war mir klar, dass wir uns doch in naher Zukunft befanden und somit ein bisschen Dystopie vorhanden war.Was mich störte war, dass Juli Zeh viele politische Probleme andeutet, diese aber nicht konsequent und detailliert beschreibt. Zum einen ist das natürlich verständlich, da sie sich hier auf dünnes Eis begibt und es ja letztendlich um eine fiktive Geschichte und nicht um eine politische Diskussion drehen soll. Andererseits haben mich diese politischen Andeutungen irgendwann auch genervt. Das ist ungefähr, wie das Sahnetorten-Beispiel: Jemand läuft mit einer Sahnetorte an dir vorbei, verrät dir aber weder, wie du eine Sahnetorte machst, noch wann du sie probieren darfst.Als die Geschichte dann auf ihren Höhepunkt zuläuft, bekommt die Politik noch eine wichtige Bedeutung. Und Britta trifft eine Entscheidung, die ich absolut nicht nachvollziehen kann und die mich mit vielen Fragezeichen zurückgelassen hat. Dennoch würde ich nicht behaupten, dass der Inhalt völlig daneben ist. Ich kann ihn einfach nur absolut nicht einordnen. Spannung Der Aufbau des Spannungsbogens konnte mich hier nicht ganz packen. Ich konnte lange keinen Zusammenhang zwischen den einzelnen Szenen des Romanes feststellen. Sie bauten für mich nur bedingt aufeinander auf und zeigten eher Momentaufnahmen von den Charakteren. Mir war beispielsweise nicht klar, welche Zeitspanne zwischen den einzelnen Szenen liegt. Und gerade zu Beginn hatte ich den Eindruck, dass der Anfang mehr im Schnelldurchlauf erzählt wird, um noch mehr Luft für den Hauptteil bzw. das Finale zu haben.Allerdings habe ich das Hörbuch auch in einer gekürzten Version gehört. So habe ich in einer anderen Rezension gelesen, dass Brittas Privatleben im Buch viel Raum einnimmt, was mir bei dem Hörbuch überhaupt nicht so vorkam. Es wurden immer wieder Szenen aus dem Privatleben geschildert. Diese reichten aber vollkommen aus, um einen Blick für die private Britta zu bekommen.Ich hätte mir hier insgesamt einen fließenderen Übergang zwischen den einzelnen Szenen gewünscht. Schreibstil Leere Herzen konnte ich nicht in einem Rutsch herunterlesen. Das liegt einfach daran, dass Juli Zeh viele Anspielungen verpackt und ich diese erst einmal richtig sortieren musste. Juli Zeh hat einen angenehmen Schreibstil, der die kritischen Elemente des Buches auch wunderbar hervorhebt. Außerdem konnte ich viel über Britta zwischen den Zeilen erfahren. Und ich hätte absolut nicht gedacht, dass der Titel Leere Herzen zum einen so gut zur Geschichte passt und zum anderen bildlich so gut in der Geschichte dargestellt werden kann. Gesamteindruck In Leere Herzen begegnet uns Kritik an jeder Ecke. Damit hätte ich absolut nicht gerechnet. Ich hatte hier und da den Eindruck, dass sich Juli Zeh etwas verzettelt. Da hätte ich mir gewünscht, dass sie sich auf eines der vielen angesprochenen Themen festlegt und dieses auch konsequent durchzieht, anstatt viele Fässer aufzumachen. Ich würde nicht sagen, dass Leere Herzen eine negative Überraschung war. Ich kann das Hörbuch nur absolut nicht einordnen und zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht wirklich sagen, ob es mir gefallen hat oder nicht. Wer auf gesellschaftskritische Bücher steht und kein Problem damit hat, sich mit Themen wie Suizid zu befassen, sollte sich Leere Herzen mal genauer anschauen. Ansonsten: Lest es schon allein deswegen, damit wir darüber diskutieren können. 

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  • ‚Es gibt feste Absprachen und kontrollierte Opferzahlen.‘

    Leere Herzen

    sabatayn76

    02. December 2017 um 22:53

    Deutschland in der nahen Zukunft, in einer Welt nach Frexit, FreeFlandern, Katalonien first und nach dem Ende des Syrienkriegs: Britta Söldner lebt mit ihrem Lebensgefährten Richard und ihrer gemeinsamen Tochter Vera in Braunschweig. Sie ist durch ihre Firma ‚Die Brücke‘, die offiziell eine Heilpraxis für Psychotherapie und angewandte Tiefenpsychologie ist und die sie mit ihrem Geschäftspartner Babak Hamwi führt, reich geworden, doch als ein Terroranschlag am Leipziger Flughafen in letzter Minute vereitelt wird, gerät langsam ihre Welt durcheinander - und ihre Firma und ihr Leben in Gefahr. Ich habe ‚Unterleuten‘ von Juli Zeh mit großer Begeisterung gelesen und mich sehr auf ihren neuen Roman gefreut, der mich jedoch recht enttäuscht zurückgelassen hat, obwohl mich die angesprochenen Themen durchaus interessieren. Ich finde den Roman deutlich weniger empfehlenswert als ‚Unterleuten‘, wobei ein Grund hierfür ist, dass die Protagonisten allesamt sonderbar distanziert und schablonenhaft bleiben. Keine der erwähnten Personen hat in mir positive Gefühle ausgelöst (was generell nicht schlimm ist) oder mich sonderlich fasziniert (was ich als Manko empfinde). Zudem empfand ich den Roman als zu konstruiert und einzelne Ereignisse an den Haaren herbeigezogen, obwohl ich das Szenario anfangs durchaus authentisch und realistisch fand. Letztendlich waren mir einige der Wendungen oder Geschehnisse einfach zu geschmacklos, und sprachlich empfand ich den Roman als zu bemüht, so als ob Zeh auf jeder Seite beweisen muss, wie viel sie weiß und wie gut sie recherchiert hat. Obwohl ‚Leere Herzen‘ durchaus unterhaltsam ist und zudem angenehm von Ulrike C. Tscharre gelesen wurde, kann ich Zehs neuen Roman eher weniger empfehlen.

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  • Vom oberflächlichen Glück zur quälenden Leere im Herzen

    Leere Herzen

    Ro_Ke

    Klappentext (Lovelybooks): Sie sind desillusioniert und pragmatisch. Sie haben den Zynismus der Politik genauso durchschaut wie den modernen Selbstoptimierungswahn oder das kleinbürgerliche Gutmenschentum. Sie haben sich in der Welt erfolgreich eingerichtet – und sie haben keine Lust, deswegen Schuldgefühle zu haben. Zusammen mit dem Informatikgenie Babak Hamwi hat Britta Söldner eine kleine Firma aufgezogen, die beide reich gemacht hat. Hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume aber betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod. Als ihr Unternehmen unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald ist nicht nur Brittas Firma in Gefahr, sondern auch ihr Leben. Meine Meinung: Juli Zehs Blick in die deutsche Zukunft fällt äußerst düster und kühl aus. Es herrscht völlige Verdrossenheit und Desinteresse an politischem Geschehen.  Dieses Gefühl wird von der Autorin hervorragend transportiert, denn auch ihr Schreibstil wirkt auf mich kühl, fast unnahbar und in gewisser Form emotionslos, dabei aber gleichzeitig mit sehr durchdachter Wortwahl und treffsicherem Ton, der ohne Wertung zum Nachdenken anregt. Wie eine Gesellschaft sich entwickeln kann, wenn es ihr an nötigem Verantwortungsbewusstsein fehlt, wird von Juli Zeh sehr glaubwürdig dargestellt, so dass beim Lesen immer wieder ein beklemmendes Gefühl entsteht.  Die Protagonistin Britta macht sich die Leere der Herzen ihrer Mitbürger zu Nutze und wird zur abgeklärten Spielführerin in einem Geschäft mit dem Tod. Dieses genauer zu beschreiben, würde jedoch zu viel vorweg nehmen. Die Handlung entwickelt sich zu einem sehr spannenden gesellschaftskritischen Politthriller, der viele Denkanstöße bietet und vorherrschend graue Bilder zeichnet. Ich habe zur ungekürzten Hörbuchversion gegriffen und die Sprecherin Ulrike C. Tscharre gelingt es gut, die kühle Atomsphäre durch ihre sehr klare Betonung zu transportieren.  Fazit: Spannender gesellschaftskritischer Politthriller, der zeigt, dass wenn Glück nur an der Oberfläche besteht, die quälende Leere im Herzen zum Kontrollverlust führen kann. 

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