Juli Zeh Nachts sind das Tiere

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Inhaltsangabe zu „Nachts sind das Tiere“ von Juli Zeh

Die NSA-Affäre hat viele Internet-Nutzer verunsichert und verwirrt. Wir, die Politikverdrossenen, die »Einfach- so-Egozentriker«, die Selbstquantifizierer, melden uns hektisch von Facebook und Co. ab. Juli Zeh, die einen weltweiten Schriftstellerprotest gegen die Überwachung initiiert hat, sieht das nicht ein. Engagiert verteidigt sie die Freiheit des Wortes und ermutigt uns, sie ebenfalls einzufordern. Sie hinterfragt, warum wir uns ein vorgefertigtes Schema von »Glück« überstülpen lassen, das »gesamtgesellschaftliche Zirkeltraining« klaglos mitmachen und uns so zu einer einheitlichen Masse entwickeln, die ihre Mündigkeit verspielt.

Direkt, fachlich fundiert die aktuellen Themen unserer Gegenwart angesprochen und diskutiert.

— rallus

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    Nachts sind das Tiere

    rallus

    02. September 2016 um 13:23

    „Freiheit, Wecker, Freiheit, da brauchts keine Angst zu haben, vor nix und niemand.“ Konstantin Wecker in Willy Juli Zeh ist bekannt für ihre deutlichen, klaren und unbequemen Ansichten, die sie auch öffentlich vehement vertritt. In diesem Taschenbuch, mit dem etwas irritierenden Titel(-bild), Nachts sind das Tiere, geht sie nicht etwa auf dunkle gesellschaftliche Ereignisse in der Nacht ein. Vielmehr prangert sie hauptsächlich falsch verstandene Ansichten und eine grundsätzliche lückenhafte Internetregelung an. Die meist ca. 10 Seiten lang gehaltenen Essays behandeln hauptsächlich den modernen Individualismus, das Internet und werden ergänzt durch ganz private Gedanken und Erlebnisse. Individualismus und der richtige Umgang mit den neuen Medien, dem Internet, gehören notwendigerweise zusammen. Dabei gibt es viele Fallen die man umschiffen und Sackgassen die gemieden  werden müssen. Die Neigung der Menschen, andere und auch sich selbst in Schubladen zu stecken, gehört ihrer Meinung nach abgeschafft, der moderne Individualist gehört keiner größeren Gruppierung an, ist schwerer zuzuordnen. „Von wegen egal, rufe ich deshalb. Es ist nur so, dass ich mich keinem politischen Lager zugehörig fühle. Ich pflege ein Konglomerat von Ansichten, die in ihrer Gesamtheit weder parteiprogrammatischen Schemata noch der Stoßrichtung einer gesellschaftlichen Gruppierung entsprechen. Ich vermag nicht einmal zu sagen, ob ich rechts denke – oder eher links. Vermutlich bin ich ein radikaler Individualist.“ Dabei gibt es zwischenmenschliches Verhalten, die unbedingt beibehalten werden sollen, ein radikaler Individualist zeichnet sich nicht durch bedingungslose Freiheit im Privatleben aus: „Wer die Treue auf den Schrottplatz der Geschichte werfen will, begeht einen Fehler. Zwar haben wir oder vielmehr unsere Vorfahren völlig zu Recht eine Menge daran gesetzt, den Einzelnen von gesellschaftlichen und religiösen Zwängen zu befreien. Herausgekommen ist allerdings ein falsch verstandener Individualismus, der meint, die neue Freiheit vor allem im Privatleben verwirklichen zu müssen. Als ginge es nur um Konsumfreiheit, also um das Recht auf maximale Bedürfnisbefriedigung bei minimaler Verantwortung.“ Auch die Politik muss ihren Part dazu tun, Europa hat schon einen wichtigen Schritt dazu getan. Sich nicht separieren heißt die Devise, Flexibilität ist heute mehr als sonst gefragt. „Das neue Europa hingegen handelt von Anpassung. Es zielt auf die Aufhebung von Grenzen, auf Annäherung, Integration, Harmonisierung und Chancengleichheit, kurz: nicht auf die Betonung, sondern auf die Nivellierung von Andersartigkeit. Individualismus ist das Recht, genauso auszusehen, zu essen und zu arbeiten wie alle anderen. Nicht im Eigensinn, sondern in höchstmöglicher Flexibilität liegt die wichtigste Tugend.“ Das Internet ist für Juli Zeh ein weiteres großes Feld, das noch beackert werden muss. Nicht nur in der allgemeinen Meinung, auch Regeln und Gesetze müssen her. Das Internet ist nicht zu bändigen, ist ein rechtsfreier Raum, schafft die Rechtschreibung ab oder fördert schlechte Manieren. Alles Unsinn, sagt Frau Zeh, das Internet wird von Menschen gemacht und kann auch von Menschen dementsprechend geregelt werden. Nicht Resignation, dass alles gemacht wird was machbar ist, sollte die Folge sein, nein in der der Vergangenheit hat die Menschheit schon gezeigt, dass sie eben nicht alles getan hat was technisch möglich ist. Wir sollten hingegen das Internet positiv nutzen. Es bringt neue Organisationsstrukturen mit, die große kreative Aktivität entfalten, wie das Beispiel Wikipedia zeigt, wo freiwillig und unentgeltlich Millionen von Stunden für eine gemeinsame Enzyklopädie gearbeitet wird. Auch Open-Source Produkte wie Linux gehören in dieses Umfeld. „Der Hacker ist in einem Umfeld glücklich (und effektiv!), in dem hierarchische und soziale Kontrollmechanismen von individuell-selbstregulativen Organisationsformen abgelöst werden.“ Doch gehören auch Regeln zum Internet. Private Daten gehören dem Einzelnen und deren Verwendung sollten immer von diesem kontrolliert werden können. Dazu muss es Gesetze geben! in zwei offenen Briefen an die Kanzlerin Angela Merkel, beschreibt Juli Zeh dieses Problem sehr anschaulich. Doch eine Lösung – ja noch nicht einmal ein Anfang, ist in Sicht. Auch ein gefährlicher Schritt des Einzelnen ist, sich von der Technik abhängig zu machen, sich zu verdrahten, sich offenzulegen, ein statistischer Fall aus Nullen und Einsen zu werden. Individualismus erfordert auch insbesondere Stärke diesen zuzulassen. „Diese Einstellung ist kein Akt der Emanzipation, weder vom Schicksal noch von einem bröckelnden Gesundheitssystem. Sie ist ein Rückschritt in der Geschichte des humanistischen Denkens. ‚Quantified Self‘ verabschiedet sich von einer Vernunft, die zum Bestimmen des richtigen Lebens keinen Taschenrechner braucht. Ein mündiger Mensch kann auf seine Fähigkeiten vertrauen, das rechte Maß der Dinge ohne Messgeräte zu ermitteln. Selbstvermessung hingegen ist das Gegenteil von Selbstvertrauen. In dem Wunsch die eigene Existenz möglichst restlos zu beherrschen, drückt sich vor allem die Angst aus, als Individuum in der großen weiten Welt der schönen und schrecklichen Möglichkeiten verloren zu gehen. Wir sind alle fehlerhaft.“ Wenn wir dies beachten „dann wird das Internet das werden was es sein kann und soll: ein Kommunikationsmedium.“ Juli Zeh hat, außer den großen angesprochenen Themen, noch viel privates hinzugefügt, besonders schön fand ich ihren Ausflug in Lanzarote an den Vulkan, die Macht der Natur die sie dort erlebt hat, beschrieb sie unglaublich empathisch mit den Worten: „Ich stehe und schaue, während Zeit vergeht. Antworten bekomme ich keine. Aber die Fragen schweigen.“ Die Essays und angeschriebenen Themen sind hier von mir zusammengefasst, in den jeweils 10-seitigen Texten überscheneidet sich natürlich vieles und ist dadurch insgesamt redundant. Ein ungemein lehrreiches Buch, mit vielen klugen Bemerkungen über die dringenden Fragen unserer heutigen Zeit, klar sachlich und direkt geschrieben.

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  • Der deutschen Gesellschaft einen Spiegel vorhalten...

    Nachts sind das Tiere

    klaudia96

    30. April 2016 um 13:59

    Inhalt Juli Zeh zählt zu den einflussreichsten und handwerklich geschicktesten deutschen Schriftstellern ihrer Zeit. Dass sie Recht studiert hat und sich auch ansonsten politisch auszudrücken weiß, konnten Leser ihrer Bücher schon immer wahrnehmen – die Neuauflage ihrer Essay-Sammlung bietet nun jedoch einen genaueren Blick auf die Ansichten der Autorin. Digitale Revolution, Abhöraffären und die Frage, wie politisch die deutsche Bevölkerung noch ist, spielen eine große Rolle in ihren Texten und Reden, die in diesem Buch gesammelt sind. Meine Bewertung Dass ich alles von Juli Zeh verschlinge, was auf den Markt kommt, ist nun wirklich keine Neuigkeit mehr. Allerdings hatte ich gerade bei “Nachts sind das Tiere” einige Bedenken, das Buch in die Hand zu nehmen. Was, wenn ihre politischen Ansichten so weit von meinen entfernt sind, dass ich mich in Zukunft nicht mehr von dem Gefühl losreißen kann, sie nicht zu verstehen? Was, wenn ich für die Themen, die sie in dem Buch anspricht, einfach zu uninformiert bin? Was, wenn ich schon nach den ersten Seiten feststelle, dass mir das zu hoch ist? Alles Unsinn. “Nachts sind das Tiere”, die Sammlung ihrer Reden und Essays der vergangenen Jahre, ist tatsächlich sehr hoch in meiner Achtung geklettert, ebenso wie die Schriftstellerin selbst. Die Themen, die Juli Zeh anspricht, wird jeder Bürger zumindest ansatzweise begreifen können, ihre Formulierungen sind gewählt, aber nicht einschüchternd hochtrabend. Auf eindrucksvolle Art vermittelt Juli Zeh ihre Meinung zu wichtigen Themen wie Datenschutz, Abhöraffären, Politikverdrossenheit oder Streitigkeiten unter Gesellschaftsgruppen. Politik ist ihr ein wichtiges Anliegen, das merkt man sofort, doch sie distanziert sich mit ihrer klaren, präzisen Sprache davon, jemandem ihre Meinung aufzudrücken. Es gab Texte in diesem Buch, die meinen Nerv getroffen haben. Der Essay zur Bologna-Debatte, zu dem deutschen Universitätssystem, das eine Wandlung erfahren hat, hat mich immer wieder nicken lassen. Leistungsdruck statt Identitätsfindung lautet das Stichwort, und auch um die Identität dreht es sich in vielen weiteren Texten. Wie weit darf der Staat gehen, um Sicherheit zu gewährleisten? #Neuland hat Gelächter hervorgerufen, Zeh beleuchtet in einem ihrer Essays, wieso uns das Lachen bei dieser Art von Politikführung eigentlich im Hals stecken bleiben sollte. Natürlich war ich nicht immer ihrer Meinung, aber ihre gedanklichen Ansätze geben Anlass zum Grübeln und Diskutieren. “Nachts sind das Tiere” passt meiner Meinung nach hervorragend in den Politik-Unterricht, sei das in der Schule oder dem selbstauferlegten Informationskonsum der Erwachsenen. Stoff zum Nachdenken und Reagieren, Stoff zum Diskutieren und Handeln – genau das hat Juli Zeh hier geliefert. Und sollte damit eigentlich eine öffentliche Debatte lostreten. Meiner Meinung nach verdient dieses Buch viel mehr Beachtung, ihre Essays eine größere Reichweite, ihre Vorstellungen von der Zukunft, von dem Möglichkeitenmonstrum, das damit einhergeht, müssten in aller Munde sein. Und “Nachts sind das Tiere” in jeder Handtasche und auf jedem Nachttisch. Denn Politik geht uns alle an.

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  • kritisch und frech

    Nachts sind das Tiere

    dominona

    23. August 2015 um 22:10

    Dieses Buch sollte man sich anschauen, auch gerade dann, wenn man politisch nicht besonders interessiert ist. Die Themen stimmen einen nachdenklich und oft habe ich genickt. Die Zeilen treffen – manchmal mitten in das eigene schlechte Gewissen und gerade das Thema Datenschutz kann nicht oft genug angesprochen werden. Viele Aspekte und Argumente habe ich zuvor so nicht gesehen und bin wiedermal schlauer.

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