Juli Zeh Schilf

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Inhaltsangabe zu „Schilf“ von Juli Zeh

Ein liebender Kommissar, ein tödliches Missverständnis und die verflixte Beschaffenheit der Welt Sebastian kann mit seinem Leben mehr als zufrieden sein. Vielleicht hat er ein wenig zu viel von seinem physikalischen Talent zugunsten seiner Familie aufgegeben. Sein alter Freund Oskar, auch er ein Genie der theoretischen Physik, erinnert ihn zuweilen daran. Als Sebastian seinen Sohn in ein Ferienlager fahren will, findet er sich unversehens in einem Alptraum wieder. Der Sohn wird entführt, und er bekommt ihn erst wieder, wenn er einen Mord begeht …

Juli Zehs Zauberkraft: Treffend und poetisch zugleich, eine klug komponierte Geschichte erzählen,die stets unser Rechtsempfinden schubst.

— franzzi
franzzi

Irgendwie gut und irgendwie seltsam

— TanyBee
TanyBee

Typisch Zeh: Schräge Charaktere, verrückte Ideen, die über die Meta-Ebene gehen und zum Schluss ein großer Knall.

— ichundelaine
ichundelaine

Schwierig zu lesen. Die Story fand ich zwar ok aber mit dem Schreibstil bin ich absolut nicht warm geworden.

— leseninchenx3
leseninchenx3

Fantanstisch!

— Lutra
Lutra

Was für sprachliche Bilder! Eine wirklich intelligentes, fesselndes Stück Literatur.

— black_horse
black_horse

Faszinierender Stil und spannende Handlung, ein tolles Buch

— MariaLara
MariaLara

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  • Schilf

    Schilf
    franzzi

    franzzi

    05. September 2017 um 08:12

    "Es kommt nicht selten vor", sagt er, "dass kluge Menschen ihre Verzweiflung in wissenschaftliche Formeln gießen. Um glücklich zu sein, bräuchte ein Mann wie Sebastian eine zweite, eine dritte, vielleicht noch eine vierte Welt." - "Damit alles, was möglich ist, geschieht", sagt Schilf.In Juli Zehs "Schilf" geschieht so einiges, das eher aus der Kategorie unvorstellbar kommt. Ich als "Meist-nicht-mal-Klappentext-Buchstöberin" werde jetzt nicht verraten was, und doch versuchen, zu beschreiben, wie dieser Roman ist.Wer Juli Zeh kennt und die anregenden Nachdenkgespräche, die sich beim Lesen ihrer Bücher mit ihren Protagonisten entwickeln, dem wird helfen, wenn ich sage: "Schilf" ist eher wie "Spieltrieb" als wie "Unterleuten". Weniger detailliert ist das Figurenportfolio und das Panorama. Es geht nicht um den Mesokosmos einer Dorfgemeinschaft, die sich im Wanken befindet, sondern um die Freundschaft zweier Männer aus Jugendtagen, an der sie festhalten, auch wenn nicht nur der Streit um die richtige physikalische Großtheorie sie trennt. Es geht um einen Kommissar, der kauzig ist, aber bauchgefühlig klug - und um eine Kommissarin, die sich nie direkt auf ihre Intuition verlassen kann, aber gerade deshalb Karriere macht. Es geht um einen ungeheuerlichen Kriminalfall, vordergründig. Darum gruppiert noch ein paar weitere Figuren.Mit Hilfe dieses Plots denkt Zeh mit ihrem Leser gemeinsam über die Welt und ihre Beschaffenheit nach, wie sie es so oft, so wohldosiert und so brillant in ihren Romanen zu tun pflegt. Wie immer geht es um die große Frage, was Gerechtigkeit ist und wie sie sich in einem Rechtssystem, das für alle gelten soll, aber nie für alle gelten kann, herstellen lässt. Das ist die Juristin in Zeh, die immer wieder Fälle konstruiert, die durch das Raster zu fallen scheinen, über die man anders nachdenken muss. Ähnlich wie das auch Ferdinand von Schirach in seinen viel diskutierten Fallskizzen tut. Doch dieses Mal denken wir auch über Zeit nach, über Ursache und Wirkung, über Beobachterperspektiven und die Erfindung von Welt in jedem Einzelnen auf der Erde herumwankenden Kopf. Das mag anstrengend klingen, doch das ist es überhaupt nicht. Es ist kein Schreiten durch die philosophischen Urfragen, die die Quantenphysik erkunden will, es ist ein Hüpfen. Zehs absolut präziser und doch poetischer Stil trägt einen im Handumdrehen durch das Buch - und lässt einen klug und ratlos zu gleich zurück. So wie ein gutes Buch sein soll.

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    • 8
  • Es entwickelt sich

    Schilf
    dominona

    dominona

    13. September 2016 um 06:44

    Ich kenne alle späteren Bücher der Autorin und denke, dass es besser wäre, ihre Romane chronologisch zu lesen, denn man merkt, dass der Roman einer ihrer ersten ist. Man sieht in Ansätzen die spätere Juli Zeh, aber auch eine Art von Kitsch, die sie zum Glück in den letzten Büchern abgelegt hat. Sprachlich ist es wie immer auf hohem Niveau. Für meinen Geschmack nimmt die Story erst sehr spät an Fahrt auf, aber der Ansatz ist interessant. Fest steht, dass es ganz bestimmt kein normaler Mordfall ist.

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  • Bewundernswerter Umgang mit Sprache

    Schilf
    winter-chill

    winter-chill

    Gekonnt verwebt Zeh in ihrem Werk „Schilf“ Krimi und Freundschafts- bzw. Liebesroman mit physikalischen Theorien und philosophischen Fragen. Und was dabei herauskommt ist einfach großartig. Im Mittelpunkt des Romans stehen die beiden Physiker Sebastian und Oskar, die seit ihrer Studienzeit eine sehr außergewöhnliche, innige Freundschaft verbindet. Diese Freundschaft beginnt allerdings zu wackeln, als beide sich für unterschiedliche Lebensmodelle entscheiden. Sebastian heiratet, wird Vater und nimmt eine Professorenstelle an der Freiburger Uni an. Nebenbei beschäftigt er sich mit Paralleluniversen und versucht deren Existenz zu beweisen. Oskar, der als theoretischer Physiker in Genf arbeitet und ein eher dandyhaftes Junggesellenleben führt, belächelt seinen Freund deswegen. Eines Tages wird jedoch Sebastians Sohn an einer Autobahnraststätte entführt. Für die Freilassung verlangt der Entführer von Sebastian einen hohen Preis. Sebastians Welt gerät ins Wanken und er verliert zunehmen die Kontrolle. Zeh hat wirklich ein Talent dafür, sehr einzigartige, außergewöhnliche Charaktere zu entwerfen und eine einmalige, besondere Atmosphäre zu schaffen. Zudem kann sie einfach bewundernswert gut mit Sprache umgehen. Der ganze Roman steckt voller ausdruckstarker Bilder und brillanter Sätze. Da hat es mich auch gar nicht gestört, dass die Sprache an manchen Stellen vielleicht ein wenig zu Metaphern-überladen ist. Die Geschichte ist spannend, klug und poetisch. Die Thematik zudem äußerst interessant – auch, wenn man (so wie ich) von Physik überhaupt keine Ahnung hat. Einziger Kritikpunkt: Das Ende war an sich gut, konnte aber mit dem Rest der Geschichte nicht wirklich mithalten. Großartige Prosa, die ich sehr empfehlen kann. Man darf nur nicht den Fehler machen und einen „echten“ Krimi erwarten.

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    • 4
  • Chapeau! – Sprachlich herausragend

    Schilf
    WolffRump

    WolffRump

    01. August 2013 um 21:31

    Genre: Grotesker Krimi, quantenphysikalisch-moralphilosphische Satire? – ‚Schilf’ ist keinem Genre eindeutig zuzuordnen und bereits dieses (selten von den Verlagen geduldete) Marketingverbrechen macht den Roman lesenswert. Umfang: Ca. 381 Seiten (TB). Serie: Leider nein, der Ermittler verflüchtigt sich in diesem Raum-Zeit-Kontinuum. In einem anderen – wer weiß? Inhalt: Zwei Physiker konkurrieren miteinander, unendlich viele Welten konkurrieren mit einer einzigen, ein Mann liebt den anderen, der andere liebt seinen Sohn mehr, als ihn, ein Missverständnis führt zu einem Mord, ein Kommissar begreift und stirbt, der Vorhang fällt. Der Roman stellt im Grunde eine Versuchsanordnung dar, in der die Kontroverse um zwei grundlegende Interpretationen der Quantenmechanik in der Realwelt gespiegelt wird. Im Zentrum steht die ‚Viele-Welten-Theorie’ (auch ‚Multiversum’ im Gegensatz zu ‚Universum’ genannt), die vom Physiker Sebastian vertreten wird, während sich sein bester Freund Oskar gegen diese Interpretation wendet, weil sie nicht beobachtbar rsp.in der Realität beweisbar und deshalb in seinen Augen populistisch ist. Um diesen zentralen Streitpunkt herum werden Themen wie das Wesen der Zeit, die Verantwortung für das eigene Handeln und der Einfluss der Schöpfung (Konstruktivismus) diskutiert. Das hört sich kompliziert und in etwa so unterhaltsam wie eine Physikvorlesung an, aber die Panik ist unbegründet. Man kann den Roman offenbar auch als Naturwissenschaftsphobiker genießen. Die üblichen Lobpreisungen auf dem Cover stammen schließlich von erlauchten Medien wie ‚Freundin’ und ‚Brigitte’, die eher eine kochbuchafine Leserschaft adressieren. Erzählzeit: Gegenwart. Setting: Insbesondere Freiburg. Juli Zehs unbestreitbare metaphorische Kreativität haucht selbst Landschaftsaccessoires wie Bäumen und Vögeln figürliche Präsenz ein. Struktur und Spannungsbogen: ‚Schilf’ mag verlagsseitig und aus marketingtechnischen Gründen in der nachfragestarken Krimischublade abgelegt worden sein, und ja, die Ingredienzien eines Krimis können checklistenverliebte Leser alle abhaken: Kindesentführung, bluttriefender Mord, Motiv, Täter, Opfer, Kommissar(e), Aufklärung – alles da, aber die oberflächliche Krimianmutung wird dekonstruiert. Das Kind verschläft seine Entführung, der Mord ist ein Irrtum, der Täter ist das Opfer, das Opfer ist egal und der Kommissar versucht den Täter zu retten, anstatt ihn einzubuchten. Die Dekonstruktion, die Loslösung der Handlung von ihrem offensichtlichen Sinnzusammenhang, erlaubt der Autorin, alles und jeden in Frage zu stellen und mit einer neuen Bedeutung zu versehen, die mit der Krimihandlung nur oberflächlich in Zusammenhang steht. Der Roman ist eher witzig und grotesk als spannend und sein besonderer Reiz entsteht durch die Interaktion zweier stark polarisierter Figuren (Oscar und Sebastian), deren Bedeutung durch den nicht weniger grenzwertigen Kommissar (Schilf) für den Leser erschlossen wird. Schilf ermittelt nicht nur den (vordergründigen) Mordfall, sondern gleichzeitig die Denkkonzepte, die von den beiden Kontrahenten vertreten werden. Dass die Autorin das Krimithema und die damit vorgegebene Struktur des Romans veralbert, wird schon im Inhaltsverzeichnis deutlich: „Höchste Zeit für den Mord“, „Erst läuft alles nach Plan und dann doch nicht“ oder „Mit Verspätung kommt der Kommissar ins Spiel“. Ein häufig genannter Kritikpunkt an Juli Zehs Roman (und nicht nur an diesem) ist der komplexe theoretische Überbau, den die Figuren Musterschülern gleich in ihren Dialogen und inneren Monologen wiederkäuen. Aus meiner Sicht ist der spielerische Umgang mit Themen, die sonst nur wissenschaftlich Interessierten vorbehalten sind, gut gelungen. Dass Quantenmechanik mit Philosophie, Religion, Ethik und selbst mit juristischen Fragestellungen eng zusammenhängt, dürfte für viele Leser spannendes Neuland darstellen. Die Eindringtiefe könnte für meinen Geschmack sogar noch etwas tiefer sein. Trocken wirkt die Materie jedenfalls zu keiner Zeit, was vor allem dem Sprachtalent der Autorin geschuldet ist. Haupt-Charaktere: Sebastian: Physikprofessor, sensibel, verheiratet, ein Sohn, hat die Familie der wissenschaftl. Karriere vorgezogen. Oskar: Physiker am Cern, wissenschaftl. Ausnahmetalent, Nobekpreiskandidat, seit Studientagen Sebastians bester Freund, emotionsarmer Denkertyp, arrogant, elitär, will Sebastian für sich alleine. Sebastian und Oskar sind unterschiedliche Pole der gleichen Figur. Schilf: leitender Kommissar, baut körperlich ab, hat tödlichen Gehirntumor, Halluzinationen, erkennt als Einziger die Zusammenhänge, Moralist, Mentor von Rita, sucht den wahren Täter. Rita: Kommissarin; liegt mit ihren Einschätzungen meist daneben, deshalb tut sie immer das, was sie eigentlich für falsch hält; grob, Sozialkompetenz ist nicht ihre Stärke, ehrlich, ehrgeizig, will schnelle Ergebnisse. Juli Zeh kreiert Figuren, die ins Groteske übersteigert, ja fast comicartig und deshalb einzigartig sind. Es macht ungeheuren Spaß, das seltsame Typenkabinett zu beobachten. Sprache/Duktus: Selbst wenn man Physik in der Schule frühzeitig abgewählt hat und mit den Konzepten, die Oskars und Sebastians Lebensinhalt sind, nichts anzufangen weiß, ist ‚Schilf’ ein außergewöhnliches und lohnendes Leseerlebnis. Juli Zeh findet über ihren ungebremsten sprachlichen Spieltrieb eine eigene literarische Form. Sie überschüttet den Leser mit ungewöhnlichen, aber zielsicheren Metaphern und nimmt tradierte Lesegewohnheiten auseinander, um sie in nie gelesener Form und mit überraschenden Ergebnissen wieder zusammenzusetzen. Sie stößt damit beim Leser ein Kopfkino an, das zeitweise an experimentelle Filme von Videokünstlern erinnert. Die bildliche Überladenheit, die bei vielen Autoren zu einem unerträglichem Sprachbarock führt, passt zu den Figuren und ihrer halluzinogenen überreizten Wahrnehmung. Selbst ohne den Plot würden die Sprachexperimente in ‚Schilf’ die Lektüre rechtfertigen. Man sollte den Roman nicht in einem Rutsch lesen, sondern den Metaphern Zeit und Raum geben, um nachzuwirken. Angesichts des Bilder-Dauerfeuers überrascht es nicht, dass die Autorin auch das ein oder andere Mal daneben greift und in Pathos und Kitsch abgleitet, aber das sind seltene Ausnahmen (Bsp.: Laternen tragen „Röcke aus Licht“, „Teller husten Curry auf die Tischdecke“). Gleich der Beginn des 1. Kapitels gibt einen guten Eindruck von dem, was den Leser sprachlich erwartet: „Im Anflug aus Südwesten, aus einer Höhe von fünfhundert Metern betrachtet, gleicht Freiburg einem ausgefransten hellen Fleck in den Falten des Schwarzwalds. Es liegt da, als wäre es eines Tages vom Himmel gefallen und den angrenzenden Bergen bis vor die Füße gespritzt. Belchen, Schauinsland und Feldberg sitzen im Kreis und überschauen eine Stadt, die nach Zeitrechnung der Berge vor etwa sechs Minuten entstanden ist und trotzdem so tut, als hätte sie schon immer da unten am Fluss mit dem komischen Namen gelegen. ‚Dreisam’. Wie Einsamkeit zu dritt. Ein gleichgültiges Achselzucken des Schauinslands würde Hunderte von Radsportlern, Seilbahnfahrern und Schmetterlingssuchern das Leben kosten; ein gelangweiltes Sich-Abwenden des Feldbergs wäre das Ende des ganzen Landkreises. Weil die Berge mit düsteren Mienen auf das Treiben in Freiburgs Straßen blicken, bemüht man sich dort um Unterhaltungswert. Täglich senden Wald und Berge eine große Menge Vögel in die Stadt, mit dem Auftrag, über die neuesten Ereignisse zu berichten.“ Chapeau! – mehr bleibt nicht zu sagen. Fazit: ‚Schilf’ gehört zu den bereicherndsten Büchern, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Selbst jetzt, beim dritten Lesen, strahlt das sprachliche Feuerwerk ungebrochen. Von der Suggestionskraft der Sprache kann man lange zehren, die Figuren ragen aus dem Heer der seelenlosen Charaktere, die uns aus dem Papierwald ohne Unterlass entgegenrieseln, meilenweit heraus. Ich kann nur empfehlen, ‚Schilf’ nach der Lektüre in die ‚Wiedervorlagemappe’ zu legen und von Zeit zu Zeit erneut zu genießen. Für Autoren ist das Buch ein Paradebeispiel dafür, was man textlich erreichen kann, wenn man den Mut hat, Denk- und Schreibschemata über Bord zu werfen und seine eigene Sprache zu finden. Thematisch ist das Buch hochaktuell. Sebastian, der Multiversum – Freund, hätte heute deutlich mehr Unterstützer, als zur Zeit der Entstehung des Romans.

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  • Rezension zu "Schilf" von Juli Zeh

    Schilf
    mango

    mango

    06. June 2012 um 06:45

    „Man sollte öfter im Freien ermitteln, dachte der Kommissar, denkt der Kommissar.“ --- Freiburg – als die örtliche Polizei bei einem Mordfall nicht weiterkommt, tritt der eigensinnige und manchmal etwas verwirrte Kommissar Schilf auf den Plan. Schilfs Methoden gehen weit über die einer normalen Mordermittlung hinaus. Der Mörder scheint schnell gefunden, doch Schilf versucht ihm, inmitten von physikalischen Theorien und der grausamen Realität, zu helfen… --- Juli Zeh, 1974 geboren, veröffentlichte schon mehrere Bücher und wurde mit diversen Literaturpreisen geehrt. Für mich war es das erste Buch dieser Autorin. --- Selten war ich bezüglich eines Buches so mit mir im Zwiespalt. Einige Phrasen sind langatmig, sodass man das Buch am liebsten beiseite legen möchte. Aber irgendwie ist es wie mit dem Kaugummi am Schuh – man wird es nicht los. Es passiert nicht viel, und doch steigt die Spannung immer weiter. Die Geschichte ist durchweg sehr gut gedacht, inhaltlich und sprachlich auf sehr hohem Niveau. An einigen Stellen wirkt die Handlung überheblich – aber das Ende überzeugt voll und ganz. Und ist eschreckend banal. --- Fazit: Wer etwas sucht, das über einen „normalen Krimi“ hinausgeht (oder sich für Physik begeistert), ist hier genau richtig!

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  • Rezension zu "Schilf" von Juli Zeh

    Schilf
    Golondrina

    Golondrina

    27. April 2012 um 11:47

    Tja Frau Zeh, hier sind wir beide nicht warm miteinander geworden. Ich mag gar nicht aufzählen, wieviel Leseversuche bisher gescheitert sind... Nach mehr als 150 Seiten passiert ein Mord, endlich möchte man fast ausrufen, nachdem die Geschichte vor sich hinmäandert. Und das, was mir bei Frau Zeh bisher am meisen gefallen hat - Sprache, Stil - passt wie ich finde nicht zur Geschichte, seitenweise detailverliebte Gegenstandsbeschreibungen, hölzerne Dialoge und philosophische Welterklärungsversuche sind hier m.E. zuviel des Guten. Der Kommissar und die ermittlende Beamtin gelingen Frau Zeh leider auch überhaupt nicht authentisch oder lege ich hier einen falschen Maßstab an? Mmh, wie ist wohl der Film? Werde ich mich an ein weiteres Buch von Frau Zeh trauen?

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  • Rezension zu "Schilf" von Juli Zeh

    Schilf
    AliceIB

    AliceIB

    01. August 2011 um 23:55

    eine mitreißende, klug inszenierte und ungewöhnliche Kriminalgeschichte, fies und hinterhältig, so wie Verbrechen nun mal sind

  • Rezension zu "Schilf" von Juli Zeh

    Schilf
    Cara_Elea

    Cara_Elea

    23. June 2011 um 19:46

    INHALT Sebastian ist 40 Jahre alt, Physiker, und lebt mit Frau und Kind ein glückliches Leben in Freiburg. Er hat Erfolg in seinem Beruf, seine Frau ist sehr hübsch und sein Sohn Liam für sein Alter sehr intelligent. Auch hat er immer noch guten Kontakt zu seinem alten Studienfreund Oskar, der als hochkarätiger Physiker auf dem besten Weg scheint, eines Tages den Nobelpreis zu erhalten. Doch dann wird diese Idylle gestört: Liam wird entführt und Sebastian wird seinen Sohn nur wiedersehen, wenn er einen Mord begeht... REZENSION Juli Zehs Roman besticht durch Aufmachung und Inhalt gleichermaßen. Die Raben auf dem Cover, der sehr kurze Titel und besonders die ungewöhnlich langen Kapitelüberschriften erzeugen Spannung, schon bevor man das Buch überhaupt richtig begonnen hat. Das Thema dieses Fast-Krimis ist die Physik, genauer gesagt das Wesen der Zeit. Sebastian und Oskar sind hier nicht einer Meinung, was im Verlauf der Handlung für Zündstoff und Missverständnisse sorgt. Die Darstellung der physikalischen Sachverhalte ist profund und detailliert. (Leider an einigen Stellen jedoch so detailliert, dass es dem physikalisch ungebildeten Leser schwer fällt, zu folgen.) Schließlich kommt der Kommissar ins Spiel und wird fortan Mittelpunkt der Handlung. Kann er die bleibenden Rätsel lösen? "Schilf" besticht besonders durch seinen lyrischen Schreibstil, der sich durch den ganzen Roman zieht und besonders die beschreibenden Passagen prägt. So "gleitet der Sommer als grünblaues Band vorbei." (Seite 20) und in Freiburg weht ein "Wind, der hoch am Himmel mit Schwalben jongliert." (Seite 14). Generell liest sich der Roman sehr leicht, auch wenn er im Präsens geschrieben ist. Mir haben besonders diese lyrischen Passagen zugesagt, die auf den ersten Blick so gar nicht in einen Krimi passen wollen. Auch ein physikalisches Thema als Aufhänger, noch dazu eines welches Physiker in der Realität wirklich gerade starkt beschäftigt (siehe LHC in Genf), erscheint mir reizvoll und besticht durch seine Aktualiät. Allerdings entsteht meiner Meinung nach im Roman ein leichtes Ungleichgewicht dadurch, dass der Fokus zunächst stark auf Sebastian lastet, aber ab dem ersten Auftritt den Kommissars auf diesen übergeht. Auch wird, wie von Juli Zeh beabsichtigt, die Rolle Oskars als genaues Negativ-Abbild nicht komplett deutlich, da Oskar, im Gegensatz zu Sebastian, blasser und stereotypischer in der Darstellung bleibt. Auch eine Antwort auf die Frage nach der letztendlichen Aussage fällt mir persönlich hier schwer. Aber vielleicht ist genau das von Juli Zeh beabsichtigt. Vielleicht soll es ein lyrisches Experiment, ja eine physikalische Versuchsanordnung bleiben, sich mitunter auch deshalb der Genre-Klassifizierung entziehen und den Leser genau in dieser beklemmenden Situation alleine lassen, in der sich auch die Hauptfigur Sebastian befindet. Zusammenfassend ist "Schilf" ein lyrischer Kriminalroman, dessen Spannung nicht unbedingt durch den Kriminalfall an sich ausgelöst wird. Deshalb sehr lesenswert.

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  • Rezension zu "Schilf" von Juli Zeh

    Schilf
    ninchen1809

    ninchen1809

    30. December 2010 um 21:12

    Der erfolgreiche Physiker Sebastian lebt mit seiner Frau Maike und seinem liebenswerten Sohn Liam ein glückliches Leben in Freiburg. Doch mit einem Schlag soll das glückliche Leben vorbei sein. Sein Sohn Liam wird entführt und der Entführer stellt an Sebastian die Forderung, dass er einen Mord begeht. Als Gegenleistung würde er Liam wohlbehalten zurückerhalten. Der Schreibstil von Juli Zeh ist erfrischend, nüchtern und dennoch ein bisschen poetisch. Besonders beeindruckend sind die detaillierten und liebenswürdigen Beschreibungen der Charaktere mit ihren unterschiedlichen Macken, Eigenarten und Problemen. Hier wird der Krimi als solches in den Hintergrund gerückt, was der Spannung aber keinen Abbruch tut. Die Einblicke in die Physik sind interessant, sie lassen diese in einem ganz neuen Licht erscheinen und überzeugen einen, dass Physik doch gar nicht so ein trockenes Thema ist. Der Täter und das Motiv des Mordes sind sofort klar, wer allerdings hinter der Entführung und dem Auftrag zum Mord steht, kann man zwar recht früh erahnen die Autorin lässt einen aber geschickt hierüber bis kurz vor Ende im Unklaren. Fazit: Ein ganz anderer Krimi, intelligent, spritzig und spannend.

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  • Rezension zu "Schilf" von Juli Zeh

    Schilf
    steinhaufen

    steinhaufen

    20. October 2010 um 10:27

    so viel gute sprache habe ich schon lange nicht mehr gelesen!

  • Rezension zu "Schilf" von Juli Zeh

    Schilf
    lollebolle

    lollebolle

    15. April 2010 um 21:28

    Hat mich schon ziemlich fasziniert. natürlich eine völlig an den Haaren herbeigezogene, völlig durchkonstruierte Story, aber spannend und echt mal ein Krimi für intelligente Leser(Innen). einzig diese verquasten Exkurse über das Zeitparadox nerven.

  • Rezension zu "Schilf" von Juli Zeh

    Schilf
    achterbahnmaedchen

    achterbahnmaedchen

    21. March 2010 um 14:41

    wow.was für ein ... wunderbares buch.selten hat mich ein buch so sehr gefesselt,wie dieses.(natürlich ist es nicht das einzige ^^)
    der schreibstil ist fließend,lockend und herausfordernd.sie beschreibt details detailgetreu und liebevoll.nicht umsonst ist dieses buch ein roman und kein krimi.ein wirklich wundervolles buch,welches einen bis zur letzten seite nicht loslässt.
    5/5

  • Rezension zu "Schilf" von Juli Zeh

    Schilf
    Duffy

    Duffy

    14. January 2010 um 16:48

    Faszinierend!! Ob man in der Geschichte des zufriedenen Physikers Sebastian, dessen Sohn entführt wird und dessen Leben sich damit dramatisch ändert, nun einen Psychothriller, Krimi, Liebesgeschichte oder einfach nur ein genreübergreifendes Buch sieht, ist egal. Unglaublich ist jedoch, wie es geschrieben ist. Nicht nur die Sprache ist von ausgeprägter Bildhaftigkeit, sondern es sprüht nur so vor Erkenntnissen über das Leben. Fast ist man geneigt, immer und immer wieder mit dem Textmarker bestimmte Stellen anzustreichen, so viele Sätze sind mit durchdringender Sinnhaftigkeit versehen, dass man meint, hier hat ein alter, lebensweiser Schriftsteller sein Meisterstück geschrieben. Ein großes Buch und man kann nur hoffen, dass der Autorin noch vieles gelingen wird.

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  • Rezension zu "Schilf" von Juli Zeh

    Schilf
    Marcel

    Marcel

    19. November 2009 um 21:04

    Nicht ohne Grund steht auf dem Cover »Roman« und nicht »Krimi«. Auch wenn der Klappentext eher auf letzteres schließen lässt: Der hochbegabte Physiker Sebastian lebt glücklich und zufrieden mit seiner Frau und seinem Sohn in Freiburg. Bis sein Sohn entführt wird. Um ihn zurückzubekommen, muss Sebastian erst einen Mord begehen. Was nach spannendem Thriller klingt, entpuppt sich als eine Mischung aus Liebesroman, Krimi und Physik-Essay. Komplette Rezension lesen: http://readit.korsti.de/950/juli-zeh-schilf-rezension

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  • Rezension zu "Schilf" von Juli Zeh

    Schilf
    Faddington

    Faddington

    10. October 2009 um 10:55

    Klasse! Mein zweiter Roman von Zeh nach "Spieltrieb". Genau wie dort hat mich zunächst wieder der Schreibstil der Autorin begeistert. Wie sie mit der Sprache spielt und Worte so miteinander verknüpft, dass eine völlig neue, geistreiche Bildhaftigkeit entsteht. So musste ich bei aller Ernsthaftigkeit der Handlung immer wieder schmunzeln, wenn z.B. eine einfache Straßenlaterne humorvoll personifiziert wird. Zugleich ist "Schilf" wahnsinnig spannend, las sich für mich um einiges flüssiger als "Spieltrieb", und die Charaktere wuchsen mir schnell ans Herz. Wer Krimis auf hohem psychologischen und sprachlichen Niveau mag, dem kann ich dieses Buch uneingeschränkt empfehlen.

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