Juli Zeh Spieltrieb

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Inhaltsangabe zu „Spieltrieb“ von Juli Zeh

Geschenkausgabe im kleinen Format, bedrucktes Ganzleinen mit Lesebändchen.
Die atemberaubende Geschichte einer obsessiven Abhängigkeit zwischen einer Schülerin und einem Schüler, Ada und Alev, aus der sich erst die Bereitschaft, dann der Zwang zu Taten ergibt, die alle Grenzen der Moral, des menschlichen Mitgefühls und des vorhersehbaren Verhaltens überschreiten. Die beiden jungen Menschen wählen sich ihren Lehrer Smutek als Ziel einer ausgeklügelten Erpressung. Sie beginnen ein perfides Spiel um Sex, Verführung, Macht.

Enthält eine Vielzahl von Denkanstößen über das Leben. Spannende Story, deren Protagonisten sehr tiefgründige Charaktere sind. Ende zu lang.

— Ein LovelyBooks-Nutzer

Ziemlich gut; die Abgründe von "gut und böse" metaphorisch dargestellt. Lohnenswerte kurze Reise und die Möglichkeit zu hinterfragen!!!

— Julsky

Selten ein so intelligentes und zugleich verstörendes Buch gelesen. Wärmstens zu empfehlen!

— AngelaB

Ein wunderbares Buch! Einzigartige Charaktere, feinsinniger Erzählstil, und ein -wie ich finde- recht unerwartetes Ende.

— melancholicmonster

Unglaublicher Schreibstil, dar aber leider nicht dazu beiträgt, dass die Geschichte spannend bleibt. 2 Sterne!

— Knichlicht

Erschreckend, faszinierend! Ich bin begeistert!!! Das Buch lässt einen wie verspeist und wieder ausgewürgt zurück, fassungslos und doch begeistert!

— HamsterHerkules

ein Wikipedia der philosophischen Sprachkunst. Intellekt, Rhetorik und Wortjonglage! Einzigartig!

— Floh

Keine leichte Lektüre für zwischendurch.

— Janine2610

Ganz okay, aber so "atemberaubend" wie es auf dem Rücken hieß, fand ich persönlich es nicht.

— Khalessi

Einfach nur befremdlich und langweilig. Habe nur zwei Bücher bisher nicht zuende gelesen und das hier gehört dazu.

— Steppp

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  • Brilliante Analyse des gnadenlosen Ökosystems Gymnasium

    Spieltrieb

    awogfli

    15. January 2017 um 06:34

    Dieses Buch handelt von einer Jugend-Generation, die man mir näher erklären muss, weil sie sich für mich sehr mysteriös gebärdet. Schon als ich das erste Mal kurz in Dawson's Creek hineingeschaut habe, war mir bewußt, dass oben genannte Kohorte so völlig anders ist, als meine Generation: Wie altkluge vorzeitig vergreiste Jodas stolpern sie von Weltschmerz gepeinigt, permanent philosophierend und gehirnwichsend ununterbrochen Jeden zitierend, der nur irgendwie etwas Gescheites gesagt hat, durch ihre Teenagerzeit, anstatt einfach raus aus ihren vordefinierten Innenräumen zu gehen und zu leben. Auch ich habe in meiner Teenagerzeit die relevanten Philosophen und Psychologen gelesen und verstanden, für mich waren sie aber alternde Männer, die mir damals sehr wenig zu sagen hatten, da ich mehr mit meinem Leben und dem Überleben beschäftigt war. Auch die relevanten Filme, Bücher psychologischen Grundlagen und Sozialtheorien habe ich verschlungen und auch ab und an diskutiert, aber tatsächlich nur gelegentlich. In einer Zeit der 80er, als einem jeden Tag die Atombombe auf den Schädel fallen konnte, also die Bedrohung nicht im Fernsehen virtuell hinter den Butzenglasscheiben, sondern sehr real war, versuchten wir jeden Tag so zu leben, als sei es unser letzter gewesen. Also Aktion statt permanente Reflexion nicht getaner Taten. Juli Zehs Teenager schalten nun im Vergleich zu den Dawson's Creek Kids auch noch den Turbo ein, denn der ewige Weltschmerz und prinzipiell alle Gefühle sind mittlerweile auch passé, es regiert nurmehr eine analytische Eiseskälte, unendliche Gleichgültigkeit und grenzenlose Misantropie, sie glauben an Nichts und sind die UrUrenkel der Nihilisten. Lediglich die Herumphilosophiererei und das Gehirnwichsen sind geblieben. "Auch wenn Sie selbst verdammt jung sind, liegt doch etwas zwischen uns, das gemeinhin eine Generation genannt wird, obwohl man es besser einen zeitgeistlichen Tapetenwechsel nennen sollte. Ihr Geburtsjahr mag mit einer Neunzehn-Sieben beginnen, vielleicht sogar mit einer Neunzehnsechs, während ich der Achter Serie angehöre, eine späte Acht, beinahe schon eine Neun. [...] Auf dem Gebiet des Seelischen gibt es nichts, das ein Psychologe den Vertretern meiner Generation erzählen könnte. Wir kennen die Funktionsweisen von Traumata. Wir wissen, was Projektionen, Minderwertigkeitsgefühle und Schuldkomplexe sind. Wir kennen Ödipus und Elektra, haben Freud, Adler, Jung und Psychologie heute gelesen... [...] Wir sind der banalen und kleinkrämerischen Reglementierungen müde, die uns bei Strafe zwingen, ein Licht an unser Fahrrad zu schrauben, mit dem Rauchen bis zum sechzehnten Lebensjahr zu warten und unsere Autos für zwei Euro pro Stunde in ein Kästchen zu stellen, das irgendjemand fein säuberlich auf den Boden gemalt hat, während wenige Flugstunden entfernt ganze Welten verbrennen, vertrocknen, ersaufen, explodieren, verbluten." Juli Zeh führt den Leser durch diese fremde Welt wie ein erfahrener Antropologe, der sein Geschäft in der Verhaltensforschung mit Tieren gelernt hat. Fast scheint es so, als sei der Roman eine Form der Raubtierrudelbeobachtung in der Serengeti, um das Ökosystem der Ernst Bloch-Schule detailliert und brilliant zu analysieren. Das macht Freude, erklärt jeden der Hauptprotagonisten - Lehrer wie Schüler inklusive aller Beziehungen und Machtverhältnisse so erschöpfend tiefgehend und logisch in nahezu allen Facetten, teilweise auch in solchen, an die ich als Leserin noch gar nicht gedacht habe. Dann kommt dramaturgisch perfekt inszeniert auch noch das mittelhübsche, aber sehr interessante männliche Arschloch in der Person des neuen Mitschülers Alev ins Spiel, das jedem intelligenten Teenagermädchen komplett den Verstand raubt und das wie selbstverständlich das bisher eingespielte soziale Geflecht der Schule komplett durcheinanderwirbelt. Ohne Moral und Skrupel, aber auch nicht komplett bösartig, sondern eher so wie ein Kind einem Käfer die Beine ausreißt, nur um zu sehen, was passiert, werden sozialwissenschaftliche und psychologische Experimente im Feldversuch durch Elemente der Spieltheorie inkl. Gefangenendilemma an den lebenden Probanden der Schule durchgeführt. Das menschliche Schachspiel wird Zug zum Zug aufgestellt, um gleich einem D-Zug fatalistisch und auch sehenden Ausges dem ultimativen Abgrund menschlicher Untiefen und der finalen Katastrophe zuzusteuern. Manipulation, Verführung, Sex, Erpressung, Macht, Mißbrauch von Schutzbefohlenen hier entsteht die Täter-Opfer-Umkehr nicht als Ausrede für Straftaten von Erwachsenen, sondern ist tatsächlich der ultimative Sündenfall der Jugendlichen. Oh so würden die Teenager dies auf keinen Fall bezeichnen, aber ich als alte Vettel darf mit meinen antiquierten Moralbegriffen der 60er-Jahre Geborenen auf jeden Fall derart urteilen, muss ich sogar - ich unbrauchbares gefühlsduseliges, moralinsaures Relikt dieser längst überholten Vergangenheit ;-). Die Sprache dieses Romans hat mich fast am meisten begeistert. Juli Zeh schüttelt die wundervollen knackigen Metaphern nur so aus dem Ärmel und formt sie sogar mitunter zu großartigen Aphorismen. • Gott ist Jurist. Er schafft Regeln und überläßt die Umsetzung anderen. • Etwas Neues stand im Begriff zu beginnen, und Smutek freute sich darüber wie ein Masttier über die frische Luft, während es zum Schlachter geführt wird. • Das Geräusch einer ins Schloss krachenden Tür im unteren Stockwerk trat dem Zauber des Augenblicks den Schemel weg. Als mein Mann das Buch vor einem Jahr gelesen hat, meinte er, dass es ihm ein bisschen zu lang und zu langatmig war. Anfangs konnte ich das nicht verstehen, aber ca. auf Seite 400 musste ich ihm dann für kurze Zeit doch zustimmen. Manchmal übertrieb es die Autorin mit dem gemächlichen Aufbau der Figuren und Hintergründe, indem einfach viel zuwenig passierte und das Tempo total aus der Geschichte herausgenommen wurde. Eine Kürzung des Romans von 50-70 Seiten hätte dem Plot ohne Qualitätsverlust wesentlich mehr Drive und Rasanz gegeben. Das ist aber Jammern auf allerhöchstem Niveau. Fazit: Absolute Leseempfehlung von mir!

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    • 15
  • Zu viel ist zu viel ...

    Unterleuten

    19angelika63

    Klappentext Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf Unterleuten irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den Gutshäusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist ... "Was Dorfangelegenheiten betraf, gab es eigentlich nur ein Rezept: Raushalten." (Seite 140) Zuerst einmal muss ich vorweg schieben, dass ich dieses Buch eigentlich auf Grund seines Umfangs nie gelesen hätte. Da aber die Frauen aus meinem Lesekreis es unbedingt lesen wollten, haben wir es über die Sommerferien gelesen. Ehrlich gesagt, war ich überrascht, wie schnell ich dieses Buch durch gelesen habe. Juli Zeh hat alle Personen hervorragend herausgearbeitet. Das hat mich wirklich begeistert. Es hätten Menschen aus der Nachbarschaft sein können. Und hier kommt mein großes Aaaaber ... "Vielleicht dachte Arne, wurden Gefühle einfach nicht so alt wie Menschen. Ab einem gewissen Alter lebten Ehepartner wie Mitbewohner in einer WG, falls sie nicht längst geschieden waren. Kinder und Eltern hörten auf, einander zu mögen, besuchten sich trotzdem und waren froh, wenn der andere wieder verschwand. Freunde verloren sich aus den Augen, Nachbarn verwandelten sich in Feinde. Liebschaften wurden lästig, alte Schulkameraden peinlich, und selbst ein Haustier fing irgendwann an zu nerven. Jenseits von jugendlichen Leidenschaften begegnete man der Welt am besten mit gut gekühltem Pragmatismus." (Seite 441) ... das was in diesem Buch/ in dieser Geschichte geschieht erlebe ich in ähnlicher Form tagtäglich direkt vor meiner Haustür. Ich lebe in einem kleinen Dorf mit ca. 120 Menschen. Bei uns gibt es zwar keinen Grombowski oder Kron, dafür aber ein sogenanntes "Dreigestirn" die hier den Ton angeben. Es werden keine Reifen an der Grundstückgrenze verbrannt, sondern Plastikmüll . Es wird gemauchelt, geratscht und getratscht. Ein Dorf hat einen ganz eigenen Mikroorganismus. Und wer in einem lebt, muss das ich auch noch lesen. In so fern war Zehs Roman ein Abklatsch meines direkten Umfelds. Für Stadtmenschen mag das Leben in Unterleuten, so wie es Zeh beschreibt faszinierend sein, vielleicht sogar unvorstellbar. " (...), dass die wahre Geißel der Menschen Langeweile hieß. Langeweile verdarb den Charakter. Sie weckt die Sehnsucht nach Skandalen und Katastrophen. Friedliche Menschen verwandelten sich in Schandmäuler, die anderen Böses wünschten, nur damit sie etwas zu besprechen hatten. Im Kampf gegen die Langeweile entschied sich, ob man als Teufel oder als Engel durch Leben ging." (Seite 509/510) Ich denke zwei Faktoren machen dieses Buch so erfolgreich. Zuerst einmal die wirklich hervorragend herausgearbeiteten Charaktere und zum anderen das ganze Drumherum. Das fängt damit an, dass Zeh, bevor sie Unterleuten schrieb ein ganz anderes Buch geschrieben hat. Sie hat unter dem Pseudonym Manfred Gortz das Buch "Dein Erfolg" geschrieben, welches im Goldmann Verlag erhältlich ist. Aus dieses Buch wird in Unterleuten ständig zitiert. Doch damit nicht genug. Verschiedene Menschen aus Unterleuten haben Facebookprofile, die Kneipe und der Vogelschutzbund sogar eigene Internetauftritte. Da frage ich mich als Leserin ... brauche ich das wirklich alles? Braucht das Buch/ die Geschichte das? Ganz ehrlich ... mir ist das zu viel. Ein Buch/ eine Geschichte lebt für mich von meiner eigenen Vorstellung. Wenn ich lese, entwickeln sich die Menschen im Buch mit jeder Seite, die ich mehr lese. Sie nehmen Formen an, werden zu dem was meine Vorstellung aus ihnen macht. Juli Zeh nimmt mir das mit ihrer ganzen Maschinerie um Unterleuten aus der Hand. Durch Facebookprofile und Internetauftritten drückt sie den Menschen aus Unterleuten ein Profil auf und nimmt mir damit die Chance mir meine eigene Welt zu erlesen. Schade, sehr schade!

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    • 6
  • Dorffunk...

    Unterleuten

    parden

    DORFFUNK...Unterleuten - ein kleines Dorf in Brandenburg, unweit der Hauptstadt, verströmt das träumerische Flair ländlicher Idylle. Hier scheint die Welt noch in Ordnung, weshalb sich zu den alteingesessenen Bewohnern, die schon die DDR-Zeiten überstanden haben, auch Neuzugezogene gesellt haben, die dem Rummel der Großstadt entfliehen wollen. Ausgedehnte Flächen von Feldern und Wiesen sowie große Flecken Kiefernwälder haben auch den Naturschutz auf den Plan gerufen, denn die selten gewordenen Kampfläufer, 'fleckige Vögel von Größe und Statur einer Mülltüte', haben dort eine Heimstatt gefunden, was es zu erhalten gilt. Dass das Gleichgewicht im Dorf ein empfindliches ist, stellt sich rasch heraus, als eine Investmentfirma dort einen Windpark errichten will. Alte Konflikte brechen auf, neue gesellen sich hinzu, vom Widerstand gegen die Windräder bis hin zu heimlicher Vorteilnahme fiinden sich hier alle Motive. Und unmerklich wandelt sich die dörfliche Idylle in eine Hölle..."Wenn ich in Unterleuten eins gelernt habe, dann dass jeder Mensch ein eigenes Universum bewohnt, in dem er von morgens bis abends recht hat."Da es hier um die Darstellung der Dynamik in der Dorfgemeinschaft Unterleutens geht, hat sich Juli Zeh nicht mit einem einzelnen Hauptcharakter begnügt. Derer gibt es hier viele, und jeder von ihnen wird im ersten Drittel des Buches ausgiebig vorgestellt, so dass sich der Leser tatsächlich ein Bild der verschiedenen Personen machen kann. Die Haltung der Dorfbewohner untereinander im Allgemeinen und der einzelnen Personen im Besonderen wird so plausibel und nachvollziehbar, und bei jedem Perspektivwechsel kann man das Empfindes des einzelnen nachvollziehen, mit seiner persönlichen Sichtweise im Recht zu sein. Juli Zeh selbst vergleicht dies mit einem Kaleidoskop: mit jedem Dreh ergibt sich ein ganz anderes Bild. Dass die unterschiedlichen Sichtweisen und das Verhältnis der einzelnen Bewohner zueinander zwangsläufig zu Konflikten führen müssen, versteht man als Leser nach der eingehenden und detaillierten Einführung der Personen - zumal hier wenig miteinander geredet wird, sondern vielmehr übereinander. 'Dorffunk' nennt Juli Zeh dieses Phänomen, und sie gibt dem Funktionieren der Gerüchteküche hier einen großen Raum. Gerüchte, Legenden, Verleumdungen bilden regelrecht die Grundlage für den neuesten Konflikt und beeinflussen die Handlungen und Entscheidungen der Menschen - und so viel sei hier vorweggenommen: danach ist nichts mehr, wie es vorher war."Wir wollen alle das Beste für Unterleuten. Jeder auf seine Weise."Auf 640 Seiten lässt sich Juli Zeh viel Zeit beim Erzählen. Gerade im zweiten Drittel des Buches hatte ich tatsächlich das Gefühl, eine Straffung hätte der Erzählung gut getan. Die erzählten Episoden zogen sich für mein Empfinden teilweise arg in die Länge, die Dynamik zog noch nicht an, und so hatte ich in dieser Phase nach jeweils einigen Seiten bereits das Gefühl, das Buch erst einmal wieder zur Seite legen zu wollen. Dabei erweist sich die Autorin als eine genaue Beobachterin, und sie seziert nachgerade minutiös die Motive der einzelnen Personen heraus: altes und neues Unrecht, Untreue, Eifersucht, verpasstes Glück - oder aber Träume vom zukünftigen Glück. Das letzte Drittel von 'Unterleuten' gestaltete sich dann glücklicherweise zunehmend spannend, da sich die Geschehnisse hier zuspitzen. Einige Überraschungen ergeben noch einmal erstaunliche Wendungen, und am Ende erwartet den Leser noch ein Knalleffekt. Dieser hat mir persönlich ein besonderes Vergnügen bereitet. Ein eher distanzierter, fast analytischer Schreibstil, der dennoch flüssig zu lesen ist, charakterisiert für mich hier die Erzählweise Juli Zehs. Obschon die Charaktere dem Leser nahezu plakativ vor Augen geführt werden, hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, hier Sympathien oder Antipathien vergeben zu müssen oder zu wollen. Dazu trug die eher distanzierte Betrachtungsweise der Autorin sicherlich bei. "Die Unterleutner lösen Probleme auf ihre Weise. Sie lösen sie unter sich."Ein letztlich faszinierender Roman über ein zutiefst menschliches Phänomen: niemand will etwas Böses, und trotzdem geschieht es. Und daher trotz der empfundenen Langatmigkeit in einigen Passagen durchaus lesenswert und unterhaltsam...© Parden

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    • 11
  • Ein Wind zieht durch Unterleuten

    Unterleuten

    Buecherschmaus

    Unterleuten heißt der kleine Ort, der zum Schauplatz von Juli Zehs neuem Roman, ehrgeizig als „Gesellschaftsroman“ betitelt, wird. Unterleuten bedeutet natürlich auch „Unter Leuten“, denn kaum wo kann man so schlecht untertauchen, in der Anonymität versinken, sich der Gemeinschaft entziehen wie in einem kleinen Dorf. Hier klappt die Überwachung bestens und lässt jegliche NSA-Attacken alt aussehen.Aber taugt so ein kleines Kaff irgendwo in Brandenburg wirklich auch als Hintergrund für ein Gesellschaftspanorama der heutigen Zeit?Ein klares Ja, nachdem man den nicht nur äußerst unterhaltsamen und spannenden, sondern auch sehr klugen Roman gelesen hat.Sicher sieht hier das Leben ganz anders aus als in den Großstädten, natürlich schwebt hier am Horizont immer auch eine ostdeutsche, sprich DDR-Vergangenheit mit. Aber unsere Gegenwart ist sowieso zu vielschichtig, zu komplex und undurchschaubar, um sie in allen ihren Facetten zu erfassen. Der universale Gesellschaftsroman à la Balzac oder Fontane lässt sich heute vielleicht nicht mehr schreiben.Da dient das Dorf als Mikrokosmos. Mit überschaubarem Personal und überschaubaren Beziehungen. Und Juli Zeh lässt allerhand „Auswärtige“ in die Dorfgemeinschaft einziehen, so wie es tatsächlich heute in vielen Gemeinden rund um Berlin geschieht.Einige fliehen vor den Zumutungen der Großstadt, wie z.B. der ehemalige Professor Fließ, der mit seiner deutlich jüngeren Frau Jule, ehemalige Studentin, und Säugling auf dem Land noch einmal neu beginnen will, mit schönem Heim und als Naturschutzbeauftragter, zuständig für den Vogelschutz, namentlich den Schutz der wenigen verbliebenen Kampfläufer, während seine eigentlich emanzipierte, moderne Frau seit der Geburt fast ausschließlich um Wohl und Wehe der kleinen Tochter kreist.Oder wie die taffe Pferdeflüsterin Linda Franzen, die, ständig um Selbstoptimierung bemüht, das ehrgeizige Projekt einer Pferdefarm zu verwirklichen sucht. Noch fehlen die finanziellen Mittel, aber Linda ist überzeugt, durch entsprechendes Auftreten und entsprechende Ellenbogen eigentlich alles erreichen zu können. Ihr Freund Frederick ist ihr da keine große Hilfe. Mit einem Bein steht er noch in Berlin, wo er in der IT-Firma seines Bruders einen nicht besonders lukrativen Job hat.Diesen Zugezogenen stehen die „Einheimischen“ gegenüber. Deren Verflechtungen und Verstrickungen reichen weit zurück, tief in die DDR-Vergangenheit und sind für die Uneingeweihten oft nicht zu durchschauen. Sie kreisen immer wieder um die alte Feindschaft des Großbauern Gombrowski und des alten, verbitterten Kommunisten Kron. Deren gemeinsame Geschichte reicht bis in die Kindheit zurück und trägt als einen verschütteten, wunden Kern den zwanzig Jahre zurückliegenden Tod eines anderen Bewohner Unterleutens.Die Spannungen in der Gemeinde sind greifbar, die Bewohner spalten sich in zwei Lager, der gutmütige Bürgermeister Arne Seidel tut was er kann, hat das Amt aber auch mehr von Gombrowskis Gnaden und leidet unter dem Tod seiner Frau Barbara.Durch die Neubürger, die alle von eigenen, selbstsüchtigen Interessen getrieben werden, gerät das fragile Dorfleichgewicht in Schieflage. Vollends eskaliert die Situation, als eine Windkraftanlage auf dem Gebiet der Gemeinde gebaut werden soll. Wie man das so kennt, will selbst der vehementeste Naturschützer keine erneuerbaren Energien, wenn sie vor seiner Haustüre stehen, und immer bleibt da auch die Frage: Wer verdient letzten Endes daran?Eine sehr problematische Dynamik wird da in Gang gesetzt, ein Kind verschwindet, Verdächtigungen, Verleumdungen, Intrigen kursieren und auch vor offener Gewalt wird nicht zurückgeschreckt. Am Ende ist nichts mehr so wie zuvor.Mit insgesamt 11 Hauptpersonen, um die sich noch eine ganze Anzahl Nebenfiguren scharen, schafft Juli Zeh ein komplexes, faszinierendes Dorf- und Gesellschaftspanorama. Mögen manche davon ein wenig nach fest zugewiesenen Rollen klingen – Naturschützer, Kapitalist, Kommunist…- so entwickeln sie sich doch zu ganz vielschichtigen, überzeugenden Charakteren. Ganz ohne Klischees geht das nicht ab, aber auch das reale Leben ist nie ganz klischeefrei. Besondere Tiefe erlangen die Charaktere vor allem durch die Erzählweise, die zwar durch eine auktoriale Erzählerin, am Ende entpuppt sie sich als Journalistin, aber immer abwechselnd aus streng subjektiver Perspektive jeweils einer der Personen berichtet. So lernen wir die Figuren aus ganz verschiedenen Blickwinkeln kennen und auch ein Stück weit verstehen. Denn wenn man auch keine davon als Nachbarn oder gar Freund wünschen würde, sie alle sind keine durchweg schlechten Menschen. Sie wollen alle irgendwie nur das Beste, vorzugsweise natürlich zuerst einmal für sich und die Seinen. Und die ganzen schlechten Dinge, die daraus entstehen, sind nicht einmal gewollt. Dazu wird einmal das Goethe-Wort falsch zitiert.„ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft.“Viele aktuelle Themen greift Juli Zeh in ihrem Roman auf: Naturschutz, Land- sowie Stadtflucht, Selbstoptimierungswahn, Erneuerbare Energien, Bodenspekulation, Generationskonflikte, DDR-Altlasten, Familienmodelle und auch solche klassischen wie Freundschaft, Verrat, Schuld. Und auch wenn die Auffassung der Autorin deutlich herauskommt, wenn sie z.B. ihre Protagonisten sinnieren lässt„Das kapitalistische System pflanzte einen Angstkern in die Seelen seiner Kinder, die sich im Laufe ihres Lebens mit immer neuen Schichten aus Leistungsbereitschaft panzerten.“Oder„Der Kapitalismus hatte Gemeinsinn in Egoismus und Eigensinn in Anpassungsfähigkeit verwandelt.“Oder die Orientierungslosigkeit der „Ewigpubertierenden“, die den „Ach-so-komm-vorbei-Planeten“ bewohnen und sich doch insgeheim nach dem „Das-ist-so-nicht-hinnehmbar-Planeten“ sehnen.Juli Zeh zeigt uns mit ihren Protagonisten auch andere Sichtweisen auf unterschiedlichste Gesellschaftsvorgänge, so die der pragmatischen Jungunternehmerin Linda Franzen und ihres Motivations-Gurus Manfred Gortz.„Dass sich der Starke vor den Schwachen rechtfertigen soll, ist der faule Kern der demokratischen Idee.“ ist eine seiner Maximen. Und so propagiert er eine strikte Vorherrschaft des Stärkeren.Nicht zuletzt hat die Autorin mit „Unterleuten“ auch einen politischen Roman geschrieben. Eine Gattung, an die sich immer weniger Autoren herantrauen, gerade auch im Bereich der unterhaltenden Literatur. Juli Zeh kennt sich zudem auch in der Spannungsliteratur aus und weiß Cliffhanger geschickt einzusetzen. Insgesamt also ein gut lesbares, aber alles andere als belangloses Stück Literatur. Aber auch der Gesellschaftsroman ist ihr ausnehmend gut gelungen.

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    • 4
  • Anstrengend... Und das nicht wegen des schönen Stils

    Spieltrieb

    Mizuiro

    20. March 2016 um 22:41

    Nicht umsonst scheint die Autorin in Spieltrieb mehrfach Den Mann ohne Eigenschaften zu erwähnen. Es wirkt, als hätte sie versucht (!) ein ähnlich bedeutsames Werk zu schreiben und sich irgendwie an Musil anzulehnen... Ein eher ehrgeiziges Projekt Wo fange ich bloß an? Vielleicht erst mal ein bisschen Grundsätzliches... Bei Spieltrieb handelt es sich um einen Roman, dessen Handlung auch auf 100 Seiten erzählt werden könnte. Er lebt von philosophischen Exkursen und sprachlichen Konstruktionen. Außerdem finden sich Haufen an literarischen Verweisen, über die man sich als Viel-Leser (und -Leserin natürlich) freuen kann.  Der Stil ist wirklich Matapher-überladen, das kann man mögen, so wie ich... wenn man das aber nicht mag, erscheint einem Spieltrieb möglicherweise vor allem als eines: Zu lang. Die Handlung scheint unendlich aufgeplustert, von jeder Figur erfährt man seitenweise Hintergrundgeschichte (alles ausgeschmückt mit einer Metapher, die die nächste jagt) und ebenso seitenweise darf man den philosophischen Gedanken jeder dieser Figuren folgen. Ich kann mir wirklich gut vorstellen, dass man das unerträglich finden kann. Ich fand es allerdings großartig! Ich liebe den Stil in Spieltrieb, ich habe mich über jeden intertextuelle Verweis riesig gefreut und ganz gespannt die philosophischen Ausführungen verfolgt. Stilistisch waren sie fantastisch. Inhaltlich hingegen konnte ich nicht so recht etwas Neues finden. Wenig, dass mich zum Nachdenken angeregt hat. War alles schon mal da, kennt man schon, muss man sowas noch erwähnen? Von diesem Blickwinkel aus, wirken die stilistischen Ausschmückungen ein bisschen übertrieben. Hochtrabende Verpackung für bereits durchgekauten Inhalt... Es wirkt, als habe die Autorin mit sprachlichen Kunstgriffen versucht, möglichst intellektuell zu klingen, damit man sie so wenig wie möglich versteht und so wenig wie möglich die Allgemeinplätze erkennt, die dahinter stehen. Aber naja, mir hat der Stil eben doch so gut gefallen, dass ich darüber hinwegsehen kann. Dann ist da noch die Handlung. Grundsätzlich spannend. Nette Interpretation der Spieltheorie. Man muss aber schon eine gewisse Anstrengung aufbringen, um sich darauf einzulassen. Die Hauptfiguren sind Schüler, der Roman spielt hauptsächlich in ihrer (schulischen) Umgebung. Und dann stolpert man über "Ich breche keine Lanze für die Anarchie. Ich schildere ihnen nur die spezielle Müdigkeit, die jeden befällt, der sich anhören muss, was gut und böse, richtig und falsch sei, obwohl niemand mehr die Grundlagen dieser Unterscheidung zu benennen vermag. Moral dient der Herbeiführung von Berechenbarkeit." S. 552 Zeiget mir eine Sechzehnjährige, die auch nur ansatzweise so spricht, bitte. Meines Wissens nach, braucht man heutzutage mindestens eine Beleidigung, gefolgt von einem "Alta!", um einen jugendsprachlich korrekten Satz zu bilden. Und selbst wenn das Buch schon älter ist... Auch damals hat NIEMAND so gesprochen. Und auch nicht über solche Dinge nachgedacht, wie die Protagonisten es tun. Und wenn es doch jemand getan, und sich auf ein solches Spiel eingelassen hätte, wie die "uuuh, wir sind die Urenkel der Nihilsten"-Jugendlichen in diesem Buch, hätte er spätestens bei den Konsequenzen seines Blödsinns den Schwanz eingezogen. Es hat einfach nicht gepasst. Für mich ist die Jugend (von damals wie von heute) einfach mehr "Fack ju Göte" und weniger Nietzsche. Daran anknüpfend ein abschließendes Wörtchen zu den Figuren: Die Hintergrundinformationen zu den Akteuren geben der Handlung einen sehr schönen Rahmen. Durch die philosophisch anmutenden Diskussionen, die sie miteinander führen lassen sich wunderbar ihre Motive verstehen. Aber die Hauptfigur, Ada, fand ich trotzdem so unglaublich unsympathisch. Wie kann man auch jemanden sympathisch finden, der so eingebildet und von seiner Denkweise so überzeugt ist? Jaaa, die Kleine hat nicht nur alles verstanden sondern überzeugt auch ruck-zuck jede erwachsene Figur, der sie begegnet, weil.. Tja, die hat die Welt wohl einfach gecheckt, nicht wahr? Brrr! Fazit: Das Buch hat sehr viel Gutes: Sprachlich zum Beispiel. Auch der Aufbau der ganzen Geschichte lässt erkennen, dass sich die Autorin tatsächlich etwas gedacht hat, bei dem was sie tut.  Und das mag ich! Es hat mir im Großen und Ganzen Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Auch die Handlung ist an sich ziemlich spannend. Aber um so richtig von diesem Buch begeistert zu sein, war mir das Lesen zu anstrengend: Es war anstrengend, die wunderschön verpackten aber eigentlich eher ausgelutschten Ergüsse der Protagonisten hinzunehmen. Es war anstrengend, die Tatsache auszublenden, dass die Figuren, die da über Spieltheorie und Moral philosophieren als würden sie auf Godot warten, Jugendliche im Jahr 2000 sein sollen. Und es war anstrengend sich zu beherrschen, wegen der schrecklich prätentiösen und affektierten Art der Protagonistin das Buch nicht gegen die Wand zu werfen. Ich hätte gerne mehr gegeben.. aber nach gründlichem Nachdenken gebe ich drei Punkte.

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  • Intelligent und doch verstörend....

    Spieltrieb

    buch_leben

    08. February 2016 um 17:54

    Meine Meinung: Ich wurde auf das Buch aufmerksam durch den Trailer des Films. Ich schaute den Trailer und dachte: "Als Buch muss es doch bestimmt brillant sein! Das will ich haben und lesen!" Ein paar Tage später hatte ich es dann auch in der Hand und begann zu lesen und zu lesen und zu lesen. Am Ende des Buches fehlte mir der Atem. Es war einfach nur Atemberaubend. Diese Intelligenz von Ada, kombiniert mit der von Alev und dies beides in einem Spiel um Verführung, Macht und Sex macht dieses Buch zu einem Werk das man gelesen haben muss. Ich muss dazu sagen, dass ich noch sehr jung bin für so ein Buch und doch hat es mich in seinen Bann gezogen. Hinterher fühlte ich mich tatsächlich ein klein wenig klüger, jedoch muss ich auch sagen: ich war auch verstört. Jedoch war es ein positiv verstört, dass ich gerne öfter nach einem Buch empfinden würde. Fazit: Dieses Buch ist ein Muss! Es ist intelligent, interessant aber auch auf eine Art verstörend die Lust auf mehr so etwas macht. Ich kann dieses Buch nur weiter empfehlen und weiß nun schon, dass ich dieses Buch nicht zum letzten Mal gelesen haben werde.

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  • Spiel ohne Grenzen?

    Spieltrieb

    Provinzpoet

    22. April 2015 um 13:07

    Spiel ohne Grenzen? ... ja, bitte. Dieser Roman hat mich völlig begeistert. Unmoral - Moral. Wer wagt es, die Grenzen zu setzen? Die Gesellschaftsnorm?-Lachhaft. Die Juristin Juli Zeh beleuchtet Wertprinzipien aus verschiedenen Perspektiven mit Mut, Wissen, schriftstellerischem Talent. Und vergisst nebenher das Philosophieren nicht, ohne (mich) zu langweilen. Dabei war die Autorin damals gerade mal dreißig Jahre jung, als sie dieses Werk zu Papier brachte. Herrlich-unglaublich. Was sich dort im Bonner Gymnasium für Gestrandete abspielt ist nicht nur glaugwürdig erzählt, sondern kann gar als Spiegelbild unseres (europäischen) Zeitgeistes herhalten. Was nicht alles passieren kann, wenn junge Menschen früh genug mit dem (Nach-) Denken beginnen. Wunderbar!

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  • ganz gefährlich

    Spieltrieb

    dominona

    20. October 2014 um 09:19

    Gewisse Triebe sollte man vielleicht einfach unterdrücken. So auch den, einer 15 jährigen Schülerin als Deutsch - und Sportlehrer sexuell nachzugeben und damit in ein Spiel einzuwilligen, aus dem bitterer Ernst wird. Es entsteht ein Geflecht aus Erpressung, Enttäuschung, Kälte und Wut, das die Autorin erstaunlich gut umreist. Intelligente Dialoge, manchmal etwas pathetisch, aber ansonsten fesselnd und nachdenklich machend, runden das Ganze ab. Mein erstes Buch von Juli Zeh, aber bestimmt nicht mein letztes.

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  • Hier wird auf hohem Niveau mit Worten jongliert und gespielt. Großartige Lektüre mit Anspruch!

    Spieltrieb

    Floh

    "Spieltrieb", mir fehlen fast die Worte. Autorin Juli Zeh hat mich mit ihrem (Jugend-)Roman einfach sprachlos gemacht. Dies ist auch kein Wunder, denn dieser Roman beinhaltet wahrscheinlich das gesamte Portfolio zum Philosophieren, Diskutieren und Sinnieren auf allerhöchstem Niveau. Noch nie habe ich ein so erstaunliches Werk mit solch einer erstaunlichen und schonungslosen Handlung gelesen. Mit dem Buch zum Film, durfte ich mich mit der Filmausgabe des Romans in andere Welten an das Gymnasium Ernst-Bloch mitreißen lassen.... So wird man nochmal Jung und unschuldig....oder nicht? Erschienen im btb Verlag (http://www.randomhouse.de/btb/) "Das schöne am Leben ist, dass es nichts mehr zu verlieren gibt, wenn man einmal akzeptiert hat, dass es früher oder später zu Ende geht." Seite 138 Inhalt: "Die atemberaubende Geschichte einer obsessiven Abhängigkeit zwischen einer Schülerin und einem Schüler, Ada und Alev, aus der sich erst die Bereitschaft, dann der Zwang zu Taten ergibt, die alle Grenzen der Moral, des menschlichen Mitgefühls und des vorhersehbaren Verhaltens überschreiten. Die beiden jungen Menschen wählen sich ihren Lehrer Smutek als Ziel einer ausgeklügelten Erpressung. Sie beginnen ein perfides Spiel um Sex, Verführung, Macht. »Wenn das alles ein Spiel ist, sind wir verloren. Wenn nicht – erst recht.« Der Roman zum Film – ungekürzte Fassung!" Cover der Romanausgabe zum Film: Quelle: btb Verlag Handlung: Wie geht ein hochbegabtes Mädchen damit um, wenn es selbst unter Aussenseitern eine Aussenseiterin bleibt? Ada, auf größtem Maße schlau, gerissen, abgeklärt, kalt und ohne Seele. Ada lebt in ihrer eigenen Welt, bis sie auf dem Halbägypter Alev trifft, der neu in ihrem Kurs am Ernst-Bloch-Gymnasium in Bann ist. Schnell entsteht hier eine ganz besondere "Freundschaft" eher Symbiose oder eine Abhängigkeit. Alev beherrscht das gekonnte Spiel mit der Sprache, den philosophischen Denkmustern und die Ausflüchte in die Welt der großen Literaten und Denker genauso wie Ada. Eine Faszination. Ohne, dass Ada das perfide Spiel von Alev durchschaut, ist sie schon Hauptakteurin und provoziert durch ihr zunächst unwissendes Mitspielen eine Verkettung, die die gesamte Zukunft und das gesamte Leben der beiden Schüler Ada und Alev und die des Lehrers Smutek grundlegend verändert.....es der Klapptext bereits andeutet, geht es hier um eine sehr obsessive und exzessive "Liebe", die ein ungewöhnliches Ausmaß an Schuld, innerlicher Zerrissenheit, Abhängigkeit, das Fehlen von Gefühl und Seele, das Nicht-Glaubens und Herzschmerz mit fatalen Folgen mit sich zieht. Lehrer Smutek bekommt zum ersten Mal einen eigenen Kurs am Gymnasium, er ist glücklich, mit seiner Frau, dem "Schneewitchen", mit seinem Häuschen an den Masuren und mit seinem Posten als Lehrer am Ernst-Bloch, dem Gymnasium für Freaks und Reiche... Ada und Alev, sind Schüler dort, die selbst jeden Lehrer in die Tasche hauen können. Überdurchschnittliches Wissen und Schnelligkeit und Auffassungsgabe gepaart mit Intelligenz und Intellekt. Ada und Alev werden für Smutek Fluch und Segen zugleich... Es beginnt eine Zerreisprobe für alle Beteiligten, ein Ringen mit den Gefühlen, ein Kampf mit sich selbst und die Frage der Schuld und Unschuld. Sehr bewegend und nahe begleiten wir hier die absolut gut gewählten und sonderbaren Charaktere und deren ausgeklügeltes Gedankengut im Buch und dürfen hautnah das Wechselbad aus neu erweckter Leidenschaft und höchster Gefahr erleben. "Das Internet hat der Teufel erfunden, es ist genau seine Kragenweite. Informationen, Sex, Erkenntnis." Seite 338 Zum Schreibstil: Zunächt hervorgehoben: dieses Buch ist keine leichte Kost! Wer mutig ist, und sich traut in ganz andere Ausmaße von Wort und Sinn zu begeben, der ist hier absolut gut bedient. Ich habe noch nie eine so semiphilosophische Umsetzung an Gedankengut und Dialogen in einem Roman gelesen. Dieses Buch liest sich wie ein eigenes Lexikon oder Wikipedia. Vollgestopft mit Spuren großer Literaten, Denker und Philosophen. Geballtes Wissen gekonnt in anregende und bewegende Dialoge verwoben. Hier wird auf höchstem Niveau mit Worten gespielt und jongliert. Einzigartig und einmalig. Das ist der Wiedererkennungswert dieser Autorin. Damit hat sie mich begeistert und glücklich gemacht. Alles andere als Mainstream. Gewagt, mutig, intelligent und geballt....Wer Juli Zeh schon kennt, wird sich absolut in ihrem sonderbaren Stil und Talent verlieren, wer keine anspruchsvollen Lektüren mag, der wird mit diesem Roman kein Glück haben. An die Leser, nicht genug bekommen können von poetischen Bildern, wortgewandten Dialogen, gehobener Sprache und erstaunlichen Intellekt: bitte greift zu diesem Werk und lasst euch verwöhnen mit schicksalhaften Begegnungen und einer komplexen Handlung gehüllt in einem Mantel aus der Deutschen Sprache. "Das Ende, mein Lieber liegt derzeit in deinen Händen. Es sollte dich interessieren, den Anfang zu hören" Seite 399. Autorin Juli Zeh hat mich bereits in den ersten Seiten als Leserin gewonnen. Sie besitzt einen ganz besonders tollen, authentischen, jungen und ungefilterten Stil, die Emotionen, Gedanken und Probleme der Teeniewelt an den Leser zu bringen, es passt einfach zu dem Flair des Gymnasiums und zu der Hochbegabung der Protagonistin Ada. Ich mag ganz besonders das große Gefühl und die wachsene Zwiespaltigkeit, die die Protagonisten plagt. Autorin Zeh hat mit ganz besonderen Dialogen und Denkweisen eine jugendliche Welt erschaffen, die aus Elternhaus, Problemen, Freundeskreis, Schule, Sport, Mobbing und Freizeit überzeugt. Zu all dem paart sie die typischen Gewissensbisse, das Selbstvertrauen, die Beziehung zum anderen Geschlecht, das hohe Ansehen und den Wunsch nach Rebellion und Zugehörigkeit. Da gibt es immer die Schönen und Vollkommenen, die "Prinzessinnen" und da gibt es die wenigen, wie Ada, die viel zu jung in die Oberstufe eines Gymnasiums ihren Schulalltag meistern muss. Ich mag diese Art des Schreibens und konnte somit ganz nah mit den Charakteren miterleben, was in diesem besonderen und überraschenden Buch auf mich wartete. Die Autorin begibt sich in die Welt der Jugendlichen und trifft somit genau den Stil der jungen Leser, wenn diese offen für niveauvolle Lektüre sind. Sie überzieht und dehnt die Sätze nicht, beläd sie dennoch mit allerhand unnützes Wissen und schweift gern mal in die Welt der Denker ab, bis sie wieder den Kern ihres eigendlichen Gesagten erreicht.  Sie unterhält Jung, aber auch gekonnt die älteren Semester mit ihrer fesselnden Art. Einfach stimmig und talentiert. Juli Zeh trifft den Nerv der Zeit, und bietet anspruchsvolles Lesen. Fern ab vom Mainstream. Eine gelungene Gratwanderung, der dem Wunsch Jugendlicher aber auch Erwachsener gerecht wird. Das Schriftbild ist angenehm und die Kapitel nicht allzu lang. Die Dialoge sind von hohem Niveau und mit geballtem Wissen beladen, aber auch sehr authentisch zu den Protagonisten dargelegt. Sehr sensibel hat die Autorin Zeh diese Schwierigkeiten gemeistert und umgesetzt. "Es gibt keinen Gott, sondern ein Bedürfnis nach Gott, was dasselbe ist." Seite 82 Schauplätze: Der Autorin gelingt es durch reale Darstellung der Schauplätze eine Welt des jugendlichen Alltags zu schaffen. Sehr genau hat sie die Eindrücke eingefangen und gibt diese im Buch an die Leser weiter. Ihr Fokus liegt auf viele Details und Umschreibungen, so hat sie im trefflichen Momenten immer ein sehr genaues Bild der Umgebung geschaffen. Ein wunderbares Kopfkino wird hier in Gang gesetzt. Ich fühlte mich als Leserin gleich wieder in meine Schulzeit zurück versetzt. Der Leser befindet sich mittem im typischen Schulalltag eines Gymnasiums mitten in Bonn. Alles wirkt so real, die Lehrer, die Oberstufenfahrt, die Toiletten, Schulhöfe, Flure, Chemie- und Physikräume, die Sporthalle, der Probenraum der Ohren usw...Aber auch die privaten Gefilde von Lehrer Smutek und seiner Frau werden immer wieder durchleuchtet, auch Ada und ihr Denken, ihre Familie, die drohende Scheidung der Eltern und ihre bisherige Schullaufbahn und dann Alev, der den Wendepunkt in Smuteks und Adas eingeschlafenen Lebens wiedererweckt...Der Schulalltag könnte authentischer nicht gezeichnet sein. Sehr lobenswert, großes Kino, auch ohne Verfilmung!!! "Der blaue Himmel war zum farbigen Pappdeckel einer Spielesammlung geworden. Wenn das alles ein Spiel ist, sind wir verloren. Wenn nicht - erst recht." Seite 10 Charaktere: Auch bei der Wahl der Charaktere punktet die Autorin Juli Zeh weiter haushoch. Hier hat sie wirklich sagenhaft beklemmende Psychogramme für die Protagonisten erstellt und wiedergegeben. Gerade Ada sorgt für Bewunderung, Missverständnis, Kopfschütteln, Sympathie, Antipathie, Entsetzen, Hoffnung und Stärke. Diese Jugendliche ist einfach zu allem bereit, ...nur die ehrlichen Gefühle kann sie nicht erkennen, sie besitzt keine Seele, wie sie sagt. Auch Alev beeindruckt durch seine perfiden Vorhaben und Denkweisen. Er besitzt die Macht zur Manipulation und Durchsetzung. Smutek ist ein Lehrer, der eigendlich glücklich zu sein scheint....dennoch scheint auf der Suche nach mehr und kann sich gegen seine männlichen Triebe nicht wehren.  Dieses ungleiche und dennoch gleiche Trio wird sich in die Herzen der Leser brennen und wären da nicht die dunklen Schatten des eigendlichen Spiels, so würde man liebend gerne auf eine Hoffnungsvolle Wendung warten. Autorin Juli Zeh schafft hier ein stimmiges Bild der Persönlichkeiten und formt das passende Umfeld der Charaktere gleich dazu. Eine sehr runde und feine Mischung aus Hauptprotagonisten und wichtigen Nebenrollen aus Eltern, Bezugspersonen, Familie und dem Gericht (allem voran die kalte Sophie). Alevs Freunde aus dem Internat, Olaf der heavy Metaler und seine Band die Ohren, Adas Mutter und der Brigardegenerall, Lehrer Höfi, Direktor Teuter, Alev und seine Multikulti Eltern, Frau Smutek das Schneefittchen,....Juli Zeh hat Protagonisten erschaffen, die alltäglicher und realer nicht wirken können und dennoch jeder für sich so einzigartig und besonders ist. Gleich zu Beginn ermöglicht sie ihren Lesern ein klares Bild der einzelnen Persönlichkeiten. Oder ist es nur der Anschein eines klaren Bildes? Die Charaktere werden und nach und nach noch mit vielerlei Verborgenen überraschen. "...Ada war das Gegenteil einer Prinzessin, sofern Prinzessinnen ein Gegenteil besitzen". Seite 12 Gerade das Seelenleben und die Gedankenwelt von Ada und Alev und Smutek lassen den Leser nicht mehr los. Tief und eindringlich werden hier diese Charaktere vorgestellt. Gekoppelt mit einer strafbaren Liebe und einer dramatischen Tragödie, wirken alle Personen sehr gut geschildert und verkörpern ihren Part im Roman gekonnt. Man identifiziert sich schnell mit einzelnen und findet Eindrücke aus der eigenen Jugend wieder. Eine hervorragende Auswahl der Protagonisten. "...ich bin einfach sterblich, wie andere Menschen erkältet sind. In jeder Sekunde spüre ich die Symptome." Seite 175 Meinung: Zu erst möchte ich die vielen versteckten dennoch offensichtlichen Botschaften loben, die die Autorin in diesem Buch sehr gewissenhaft bedacht hat. Hier ist einmal der Umgang mit dem Wissen, der eigenen Würde, der Manipulation, die Ausgrenzung, das anders sein, das Zulassen von Gefühlen, das Denken und Handeln, die Folgen daraus, der Gewalt, die Gefahr der Abhängigkeit, die Wichtigkeit der Wahrheit und Offenheit, der eigene Schatten der überwunden werden muss, und auch der sensible Umgang mit Sex und die wichtige Bedeutung des Geschlechtsverkehrs und der Liebe. Hier hat die Autorin sehr genau auf das Ausmass geachtet und ich finde es ist ihr sehr galant gelungen. Was mich besonders an diesem Roman beeindruckt hat, ist der hohe Intellekt und der niveauvolle Anspruch. Das ist ein Buch, dass anders ist. Manches wirkte auf mich im Geschehen sehr beklemmend und ich musste beim Lesen häufig meinen Blickwinkel verstellen, das hat mir wirklich gut gefallen und für Abwechslung gesorgt im Sog der Wortgewalt. Ein grandioser Jugendroman, der auch mir als Erwachsene zusagt. Ich wurde unterhalten, durfte gespannt die Dinge verfolgen, wurde in die Irre geführt und fühlte mich in das Geschehen der Schullandschaft und der Spielregeln und "Liebes"geschichte(n) eingebunden. Ich wurde Teil des Buches. Die Autorin versteht ihr Können und taucht gekonnt in die Welt derpubertierenden Jugend ein. Ein mutiger und andersartiger Roman, der Jung und Alt gleichermaßen erreicht! Autorin Juli Zeh bedient viele Emotionen, jongliert mit den Facetten der deutschen Sprache, bricht Tabus und Überrascht und glänzt mit Spannung und Begebenheiten und den vielen Familienproblemen und auch den Problemen auf den Weg des Erwachsenwerdens. Einziger Kritikpunkt an dem Buch sind die zwischenzeitlichen Längen in wenigen Kapiteln des Buches, wo ich als Leserin überhaupt nicht erahnen konnte, wohin mich dieses Spiel, bzw. dieser Spieltrieb leiten möchte... Diese Längen waren für meinen Geschmack etwas zu träge, aber sind mir aufgrund des wundervollen Gesamtkonzepts keinen Sternabzug wert. Die Autorin: "Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Studium des Europa- und Völkerrechts. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Sie ist vermutlich die erste Juristin Deutschlands, die nach ihrem zweiten Staatsexamen bereits auf eine erfolgreiche literarische Karriere zurückblicken kann. Ihr Roman „Adler und Engel” (2001) wurde zu einem Welterfolg und ist mittlerweile in 24 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk, darunter die Romane "Spieltrieb", "Corpus Delicti" und "Schilf", vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Bücherpreis (2002), dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009) und dem Thomas-Mann-Preis (2013)." Zum Cover: Ich habe den Roman zum Film gelesen, also die besondere Filmromanausgabe mit anderem Cover. Dort sieht man vermutlich Alev, der mit seiner Kamera Beweisbilder schießt, und scheinbar die Frau Smutek, das Schneewitchen, die schonungslos die Folgen des Spiels ertragen und verarbeiten muss. Das Cover gefällt mir eher nicht, ich denke es passt auch nicht ganz zur Darstellung und Aussehen der Protagonisten im Buch. Aber dennoch ist ja der Inhalt was zählt, und der begeistert und überzeugt mich einfach sehr! Fazit: Das Buch lässt mich zurück, mit einem wirklich faszinierenden Gefühl und völliger Überzeugung. Daher gibt es von mir natürlich eine Leseempfehlung für Jung, jung geblieben und Alt! Und die volle Punktzahl! Die große Kunst im Umgang mit der Sprache!

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    • 22
  • Nichts für schwache Nerven

    Spieltrieb

    Frau_Antje

    Ada und Alev. Zwei Schüler an einem Bonner Gymnasium. Die eine Tochter einer alleinerziehenden Mutter auf der Suche nach Befreiung aus der elterlichen Fürsorge und der eigenen Identität. Der andere gutaussehender Internatsschüler. Mädchenschwarm und dennoch auch er - wie Ada - Aussenseiter - irgendwie. Beide finden sich. Es entwickelt sich eine Geschichte über obsessive Abhängigkeit. Über Macht, Sex und Verführung. Und Erpressung. Im Mittelpunkt der polnische Lehrer Smutek, der als ambitionierter junger Mann doch alles so anders und besser machen wollte als seine Kollegen. Ein mitreissendes Buch. Ein verstörendes Buch. Ein Buch über die Abgründe der menschlichen Seele. Zunächst am Rande der normierten Moralvorstellungen kratzend, später die Grenzen weit überschreitend. Als Leser empfindet man Ekel, Abscheu, Verständnis und Mitgefühl für die Hauptdarsteller zugleich. Juli Zehs nüchterner Sprachstil bietet in seiner Klarheit umso mehr Raum für eigene Emotionen. Und die werden beim Leser freigesetzt. Ein verstörendes Buch. Ein hervorragendes Buch!

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    • 2
  • Wer siegt?

    Spieltrieb

    Janine2610

    Der Klappentext: Alev ist neu in der Klasse und gewinnt sofort Adas volle Aufmerksamkeit. Er ist schön, intelligent und arrogant. Zwischen den beiden entwickelt sich eine obsessive Abhängigkeit, eine leidenschaftliche Hassliebe. Daraus ergibt sich erst die Bereitschaft, dann der Zwang zu Taten, die alle Grenzen der Moral, des menschlichen Mitgefühls und des vorhersehbaren Verhaltens überschreiten. Sie haben nicht nur ihre Mitschüler im Griff, sondern machen auch noch ihren hilflosen Lehrer Smutek zum Opfer einer ausgeklügelten Erpressung. Es beginnt ein perfides Spiel um Sex, Verführung, Macht und Liebe ... Meine Meinung: Für diese anspruchsvolle und intelligente Lektüre nimmt man sich am besten die nötige Zeit, um sie auf sich wirken zu lassen. Und dabei ist auf jeden Fall das Beisein eines Wörterbuchs von großem Vorteil, denn die Autorin wirft mit den "exotischsten" Fremdwörtern nur so um sich. Die Hauptcharaktere des Buches stellen Ada, Alev und den Deutschlehrer Smutek dar. Alev ist mir seit seinem ersten Auftritt als ein unsympathischer, eingebildeter Besserwisser erschienen und dieses Bild hat er bis zum Schluss aufrecht erhalten. Selbst als er in eine Situation gerät, die mehr als bedauerlich für ihn ausgeht, hat er seine selbstgefällige Art nicht abgelegt - und sowas wie Mitleid konnte ich für ihn nicht empfinden. Smutek, der arme Smutek - so ist er mir jedenfalls immer vorgekommen. Klug, aber ein armes Würstchen, das sich von seinen Trieben steuern lässt, die ihm in besagtem Spiel scheinbar zum Verhängnis werden. Ada ist eine Sache für sich. Die 15-Jährige ist das intelligenteste Mädchen am Ernst-Bloch-Gymnasium in Bonn und eine schnelle Läuferin. Sie ist ein Wesen, das mir weder viel Sympathie noch Antipathie abringen konnte. Vorgekommen ist sie mir immer wie eine von sich überzeugte Intelligenzbestie, der nichts etwas ausmacht. Allzu viel über "das Spiel" mit den unausgesprochenen, aber doch ziemlich klaren Regeln möchte ich jetzt nicht verraten, aber soviel sei gesagt: mindestens einer der drei Spieler hat am Ende verloren. - Dabei war ich mir bis zum Schluss unklar darüber, wer das sein wird... Die Buchbeschreibung von Spieltrieb hat gerade soviel verraten, dass ich im richtigen Grade neugierig geworden bin und unbedingt in die "Spielwelt" eintauchen wollte. Feststellen musste ich dann, dass der Beginn des Spiels doch einige Seiten auf sich warten hat lassen, obwohl auch das Vorspiel für alle Protagonisten von Wichtigkeit war. Durchzogen ist das komplette Buch mit einer hochintelligenten Sprache, die einem fast die Sprache verschlägt.^^ Kluge und teils erkenntnisreiche Aussagen runden das Ganze ab. Also wenn das Lesen dieses Buches nicht bildet, dann weiß ich auch nicht. ;-)

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    • 9
  • Deprimierende Aussichten

    Spieltrieb

    Xirxe

    Puh, wenn Frau Zeh hier das Wesen künftiger Generationen beschreibt, dann bin ich ausgesprochen froh, bereits mindestens die Hälfte meines Lebens (oder sogar mehr) hinter mich gebracht zu haben. Ada, eine hochintelligente 14jährige, der scheinbar jegliche Empathie fehlt, trifft auf den kosmopoliten 16jährigen Alev, den die Macht über andere Menschen mehr als alles zu reizen scheint. Auch ihm ist offenbar jedes Einfühlungsvermögen fremd und andere Menschen benutzt er als Mittel zum Zwecke der Befriedigung der eigenen Wünsche. In Ada sieht er eine verwandte Seele und gewinnt sie für ein Spiel, in dem ein Lehrer das Objekt einer Erpressung wird. Es ist eine illusions- und wertefreie Generation, die Juli Zeh hier stellvertretend mit Ada und Alev porträtiert. Eine Generation, die so nicht auf die Welt kam, sondern durch Heuchelei und Lügen jeden Glauben an etwas verlor sofern sie überhaupt einen besaß. Wie sagt Ada so schön: 'Wir sind der banalen und kleinkrämerischen Reglementierungen müde, die uns bei Strafe zwingen, ein Licht an unser Fahrrad zu schrauben...und unsere Autos für zwei Euro pro Stunde in ein Kästchen zu stellen, das irgendjemand fein säuberlich auf den Boden gemalt hat, während wenige Flugstunden entfernt ganze Welten verbrennen, vertrocknen, ersaufen, explodieren, verbluten.' Nicht nur wegen dieses düsteren Themas ist es ein eher anstrengendes Buch. Juli Zeh schreibt in einem anspruchsvollen Stil mit teilweise verschlungenen Sätzen und nicht wenigen Fremdworten ('Er wollte nicht wissen, ob diese rätselhaften jungen Menschen, ihrem apollinischem Auftreten zum Trotz, die neuen décadents waren und jene verhängnisvolle Neigung zur Entwicklung dionysischer Süchte besaßen, die sich beinahe auf jeden Gegenstand richten konnte und rasante Steigerungen verlangte - und was ihm bevorstand, wenn dies zutreffen sollte.'), sodass man ohne Konzentration recht schnell den Faden verliert. Dennoch lässt es sich wie ein Unterhaltungsroman lesen und ehe man es sich versieht, ist bereits die halbe Nacht vorbei ;-) 'Nur' vier Sterne gab es, weil mir Manches zu sehr im Unklaren blieb: Adas Verhältnis zum Stiefvater oder die Herkunft ihrer Glücksgefühle. Trotzdem: Dieses Buch sollte man lesen!

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    • 3
  • Positiv geplättet

    Spieltrieb

    Argent

    25. April 2013 um 08:09

    Das Buch hat mir ein Bekannter empfohlen, der mich vorgewarnt hat, es sei keine leichte Kost. Womit er durchaus recht hatte. Ich war von der ersten Seite an gefangen und begeistert vom Schreibstil von Juli Zeh. Sie verwendet aussergewöhnlich viele Metaphern und Fremdwörter. Immer wieder stiess ich im Verlauf der Geschichte auf Aussagen die zum Nachdenken anregen oder die einfach so wundervoll formuliert sind, dass ich sie am liebsten mit Leuchtstift angezeichnet hätte. Jeder einzelne Charakter wurde sorgfältig ausgearbeitet, selbst die Richterin wurde zu einer klar fassbaren Persönlichkeit. Die Geschichte an sich hat mir ebebenfalls sehr gut gefallen, obwohl das Spiel von Alev und Ada eigentlich sehr simpel ist: Sex und Erpressung. Mein Fazit: Spannende Unterhaltung auf sprachlich sehr hohem Niveau mit interessanten Charakteren und einem philosophischen Touche. Ich werde gerne wieder einen Roman von Juli Zeh lesen.

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  • Rezension zu "Spieltrieb" von Juli Zeh

    Spieltrieb

    Petruscha

    12. February 2013 um 12:32

    JZ beschreibt in blumiger und bisweilen in ausufernder Sprache die Ablösung von Moral und Zuversicht durch reine Effizienz in der Generation der ab den 90ern Geborenen. Hier wird Effizienz als ungestörtes Sein beschrieben, das nicht durch Scham, Furcht, Reue oder Gewissen gestört wird. Die Protagonisten Ada und Alev manipulieren Mitschüler und Lehrer durch ihre auch gegen sich selbst gerichtete Kaltschnäuzigkeit und leider auch lange Monologe. Der Roman ist dennoch sehr spannend und wird auf keinem Nachttisch lange gammeln bevor er fertiggelesen wird. Allein diese selbstgefälligen Weltansichten haben mich gestört, weil sich erstens kein Erwachsener derart von pubertären Redeergüssen überschütten lässt, selbst wenn sie eloquent sind und zweitens auch mal den Drang verspüren würde, eine Gedankenwirrung geraderücken zu wollen. In diesem Roman lauschen alle Erwachsenen und alle Schüler mit offenen Mündern den beiden Teenagern, die sich als die erste Generation der Wertelosen vorstellen. Interessant dabei ist, dass beide Schlaubischlümpfe ausschließlich die Errungenschaften der Aufkärung als überholt und gleichgültig abtun. Ihren Nihilismus aber genau durch die philosophische Aufklärung mit den daraus resultierenden gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen kultivieren konnten und können. Also kann man der gelangweilten Jugend den Nihilismus entreißen, wenn man die satten kulturellen und sozialen Grundlagen zerstört? Oder: Der Roman zeichnet ein Bild der absulten Verblödung der Bewohner der bis zur Unkenntlichkeit liberalisierten westlichen Welt. Beide Lesarten sind vorstellbar.

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  • Rezension zu "Spieltrieb" von Juli Zeh

    Spieltrieb

    Geisterhoernchen

    28. January 2013 um 21:11

    Absolut perfekt und hochintelligent geschrieben. Zeh ist ein Wahnsinn!

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