Juli Zeh Unterleuten

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Inhaltsangabe zu „Unterleuten“ von Juli Zeh

Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh
Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf in Brandenburg wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten. Doch hinter den Fassaden der kleinen Häuser brechen alte Streitigkeiten wieder auf. Und obwohl niemand etwas Böses will, geschieht Schreckliches.
Mit „Unterleuten“ hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?

Fiktive Idylle!

— Cornelia_Ruoff

Sprachlich ein Meisterwerk

— literat

Gut geschrieben und aufgebaut, aber sehr deprimierende Stimmung von Anfang bis Ende – muss man mögen...

— 20Morgen

Mein Buch 2015! Fesselnd wie ein Krimi, wahr, komplex und aufwühlend. Eine Menschenstudie, die zeigt, wozu wir im Stande sind.

— sarah_elise

Interessante Geschichte, locker leicht erzählt mit guten Lesefluss. Leider bin ich doch immer mal in der Handlung „stecken“ geblieben.

— Missili

Gesellschaftskritische Dorfstudie

— Sabine_Hartmann

Fiktives Dorf Unterleuten als Abbild unserer Gesellschaft, das negativ gezeichnet ist - brillant und akribisch ausgearbeitet

— schnaeppchenjaegerin

Würde 0 Sterne geben, wenn möglich

— nickg

Der Kampf gegen Windmühlen - ein Meisterwerk!

— wasichgelesenhabe

Brillant, Frau Zehs Entwurf eines kleinen und gemeinen Dorfs. Lauter Don Quichotes im Kampf gegen Windmühlen - nein, Windräder!

— TochterAlice

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  • Fiktive Idylle!

    Unterleuten

    Cornelia_Ruoff

    18. April 2018 um 10:26

    „Unterleuten“ von Juli Zeh 1. Klappentext Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf in Brandenburg wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten. Doch hinter den Fassaden der kleinen Häuser brechen alte Streitigkeiten wieder auf. Und obwohl niemand etwas Böses will, geschieht Schreckliches. Mit „Unterleuten“ hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende, trotzdem Schreckliches passiert? 2. Zum Inhalt Juli Zeh stellt uns ein fiktives Dorf vor: Unterleuten im Jahr 2010. In ständig wechselnden Perspektiven lernt der Leser die Dorfgemeinschaft mit ihren unterschiedlichen Bewohnern und deren Ziele dahinter kennen.  Ein Teil ist aus dem Westen zugezogen, ein anderer Teil sind Alteingesessene. Alle wollen nur das Beste für das Dorf. Der Roman ist in sechs Teile mit jeweils 13 Kapiteln gegliedert. Die Teile tragen die Überschrift der Person, aus deren Blickwinkel bzw. Perspektive erzählt wird. Zur Orientierung kann der Leser auf das Personenglossar oder die Internetseite zurückgreifen. Der Investor aus dem Westen weckt viele Konflikte. Es geht um Familiengeheimnisse, DDR-Vergangenheit, Ehekrisen, persönliche Probleme. „Die Wahrheit war das, was die Leute erzählen. Und immer wieder stellt sich die Frage, was ist die Wahrheit?“ Zwei Männer polarisieren das Dorf Unterleuten in zwei Lager. Und schon wird aus der idyllischen Gemeinde ein Kampfplatz der Lokalmatadore. Wie weit gehen die Eigeninteressen? Es ist eine Gesellschaftsstudie, die eine vorgetäuschte Realität durch Facebook, Xing Account und Homepages entwickelt. Rache, kriminelle Aktionen, Selbstjustiz, Tratsch und Verleumdung, soziale Verstrickungen, Abhängigkeiten beeinflussen mögliche Investoren genauso, wie Dorfbewohner, die einen Gewinn aus dem Landverkauf ziehen möchten. Bei diesen Nachbarn braucht man keine Feinde. Alles das, was in der Großstadt geschieht, passiert auch hier in der Anonymität des Dorfes, die für die meisten so transparent ist, dass diejenigen nicht selten am Pranger enden. Eine Gemeinschaft, die ihrer Gemeinschaft selbst das Ende bereitet. 5/5 Punkten 3. Protagonisten Linda Franzen war mit Frederic Wachs zusammen, liebt aber Bergamotte, einen Oldenburger Hengst. Sie verehrt die Schriften von Manfred Gortz. Besondere Merkmale: blond, hübsch, knallhart. Sie ist Stolz darauf eine Rolle in Unterleuten innezuhaben. Sie strebt danach, das eigene Schicksal zu optimieren. Das Prinzip des unbewegten Bewegers Rudolf Gombrowski war Landwirt und Geschäftsführer der Ökologica GmbH. Auf den ersten Blick wirkt er ungeschickt, auf den zweiten Blick ist er ziemlich schlau. Sein Motto: „Der größte Vorteil entsteht, wenn jeder bekommt, was er sich wünscht – dieser Satz war für Gombrowski keine Masche, sondern eine Philosophie. Wenn alle zufrieden seien, sagte Gombrowski, hätten am Ende auch alle den größten Nutzen. Das sei das Schöne in Unterleuten. Man schaffe es immer, sich gütlich zu einigen.“ Sein größtes Vermögen war, dass ihm jeder im Dorf etwas schuldete. Bodo schaller ist Automechaniker und Kleinkrimineller. Seine besonderen Merkmale: dick und dubios. Kron ist ein ehemaliger Brigadeführer und schon immer Gombrowskis Erzfeind. Die Rollen der Protagonisten sind ständig im Wandel. Sie entwickeln sich und reagieren auf jedes Ereignis. 5/5 Punkten 4. Sprachliche Gestaltung Juli erzählt humorvoll, ironisch, manchmal auch mit Untertönen - bisweilen gar sarkastisch. Helene Grass moduliert mit ihrer Sprache und setzt die Untertöne, die bei Juli Zeh fast immer fast immer mitklingen. Die wechselnden Erzählperspektiven offenbaren dem Leser die unterschiedlichen Beweggründe der Parteien. 5/5 Punkten 5. Cover und äußere Erscheinung „Unterleuten“ von Juli Zeh hat 656 Seiten, einen flexiblen Einband und ist am 11.09.2017 unter der ISBN  9783442715732 bei btb im Genre Romane erschienen. 5/5 Punkten 6. Fazit Zwanzig Hauptakteure zeigen auf 600 Seiten ein Abbild der Gesellschaft. Es ist ein Roman, der digitale Komponenten hat, eine Art gesellschaftliches Rollenspiel. Die Leser sind herzlich eingeladen, einzusteigen. @btb Ich bedanke mich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares. Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.

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  • Alles andere als ein beschauliches Provinzörtchen

    Unterleuten

    uli123

    05. April 2018 um 18:08

    Der Buchtitel bezieht sich auf den Namen eines fiktiven, um sein Überleben kämpfenden Dorfes im Brandenburgischen, eine Autostunde von Berlin entfernt, und ist treffend gewählt, befindet man sich dort nämlich tatsächlich „unter Leuten“ – übrigens recht merkwürdigen -, aus deren abwechselnder Perspektive die Geschichte erzählt wird. Als da u.a. wären: zwei aus dem Westen zugezogene Aussteigerpaare; der alteingesessene Landwirt, dessen Familie zu DDR-Zeiten zwangskollektiviert wurde und der nach der Wende die LPG in eine GmbH überführt hat und eigentlich nur das Dorf retten will; sein Erzfeind, ein zu DDR-Zeiten linientreuer Kommunist; ein Unternehmensberater aus dem Westen, der nach der Wende hektarweise Land um Unterleuten herum aufgekauft hat. Die Orientierung bei den Romanfiguren erleichtert ein am Ende des Buches abgedrucktes Personenglossar. Recht schnell brechen alte und neue Konflikte auf, als ein Investor aus dem Westen im Dorf einen Windpark errichten will. Fortan dreht sich alles um Fragen wie, wer Land für den Windpark verkauft und wer dieses kauft, wer welche Interessen und Überzeugungen verfolgt und diese verrät, wer welche Intrigen spinnt. Das Ganze spielt während zweier Sommermonate im Jahr 2010 und am Ende ist keine Romanfigur mehr die, als die sie eingeführt wurde, was das Lesen ziemlich spannend macht.

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  • Sprachlich ein Meisterwerk

    Unterleuten

    literat

    29. March 2018 um 12:24

    Ich geb's zu, durch die ersten 100 Seiten musste ich mich schon etwas durchquälen. Aber es lohnt sich durchzuhalten und in die eigene, von der Außenwelt abgeschotteten Welt von Unterleuten abzutauchen. Was ich vor allem sehr gelungen fand, war die unterschiedliche Erzählperspektive in jedem Kapitel. Kapitelweise sind die Protagonisten nämlich selbst zu Wort gekommen und dürfen ihre Sicht der Dinge erläutern. So kommt es ddazu, daß es zu jedem Protagonisten.

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  • Landidylle?

    Unterleuten

    Sabine_Hartmann

    26. February 2018 um 11:53

    Unterleuten ist ein imaginäres Dorf in Ostdeutschland. In 62 Kapiteln kommen einige der Einwohner zu Wort und erzählen, ganz aus ihrer Perspektive, was so abgeht. Dabei sind die einzelnen Perspektiven sehr persönlich gefärbt, und die Protagonisten wirken auf den ersten Blick eher unsympathisch. Das gibt sich im Laufe der Zeit, wenn man sie besser kennenlernt, ein wenig (aber nicht vollständig). Doch genau das macht den Mikrokosmos, den Juli Zeh gewohnt sprachgewandt, erzeugt, so einzigartig, so anrührend, so erbärmlich – mit einem Wort so interessant. Oben auf geht es um den geplanten Windpark und wer daraus welche Vorteile ziehen kann, unten drunter geht es jedoch um ganz andere Themen, da spielt die Familiengeschichte genauso eine große Rolle wie die DDR-Vergangenheit, Ehekrisen oder persönliche Probleme. Dabei erzählt Juli Zeh humorvoll, immer mit Untertönen, Seitenhieben und durch ihren Sarkasmus eben auch oft mit der Wahrheit einer zweiten Ebene, einer anderen Lesart verknüpft. Insgesamt entsteht ein Bild von einem ostdeutschen Dorf, das sicher exemplarisch für viele Dörfer und ihre Strukturen stehen kann und den Blick auf die Gesellschaft durchaus verändert.

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  • Fiktives Dorf Unterleuten als ein Abbild unserer Gesellschaft, das sehr negativ gezeichnet ist

    Unterleuten

    schnaeppchenjaegerin

    16. February 2018 um 15:18

    "Unterleuten" ist ein Roman, der in einem fiktiven 200-Seelen-Dorf in Brandenburg, unweit von Berlin, im Sommer 2010 spielt. In Unterleuten soll eine Windkraftanlage gebaut werden, die dem Dorf durch die erhobenen Gewerbesteuern zugute kommen soll. Jeder einzelne Dorfbewohner hat im Gegensatz zu Bürgermeister Arne Seidel ein ganz eigenes Interesse daran, dass die Windräder nicht errichtet werden dürfen. Nach einer öffentlichen Gemeindeversammlung im "Märkischen Landmann", in welchem das Projekt von Herrn Pilz, einem Angestellten der Windkraftfirma "Vento Direct" vorgestellt wurde, werden Ereignisse in Gang gesetzt, die über verbale Attacken hinaus in gewalttätige Handlungen münden. Es sind wirtschaftliche Eigeninteressen, Gründe des Naturschutzes im Vogelschutzgebiet von Unterleuten und insbesondere auch alte Fehden der Bewohner, die eine Spirale der Gewalt hervorrufen. Es geht um die Auseinandersetzung um die "Schiefe Kappe", den Flurabschnitt, der für die Windkraftanlage in Frage kommt, jedoch im Besitz mehrere Eigentümer ist. "Unterleuten" ist als Name für das Dorf brillant gewählt und die Mühe und Akribie, mit der die einzelnen Protagonisten der Dorfgemeinschaft herausgearbeitet worden sind, lassen diesen anschaulichen, wenn auch komplexen Roman zu einer Gesellschaftsstudie werden. Hilfreich ist der am Ende des Buches abgebildete Dorfplan sowie das Personenverzeichnis, in welchem die handelnden Personen kurz beschrieben werden. Die Ergänzungen zum Roman wie das Facebook-Profil der Journalistin Lucy Finkbeiner, das Xing-Profil von Herrn Pilz oder auch die Homepages von "Vento Direct" oder des "Märkischen Landmann" lassen das Dorf real erscheinen. Alle Links sind auf www.unterleuten.de zu finden. Der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive eines der Bewohner erzählt. Zu nennen sind der cholerische Inhaber der ortsansässigen Firma "Ökologica GmbH", Rudolf Gombrowski, dessen Erzfeind Kron, der gewalttätige Automechaniker Bodo Schaller, die Pferdenärrin Linda Franzen in der Villa Kunterbunt und der Vogelschützer Gerhard Fließ. Es werden die Gegensätze von fortschrittlichen Städtern, die aufs Land gezogen sind und den ewig rückständischen Dorfbewohnern sowie Ost- und Westdeutschen gezeichnet. Jeder kämpft gegen jeden. Es ist grundsätzlich niemandem zu trauen, auch wenn Versuche einer Zusammenarbeit unternommen werden, um andere zu übervorteilen. Spannend ist zu lesen, wie die Konflikte in dem kleinen Dorf eskalieren und zu welchen Maßnahmen der einzelne bereit ist, um sich und seine Familie oder nur seinen eigenen Besitz und Wert der Immobilie zu schützen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Umkehr des "Faust"-Zitats in "Die Kraft, die stets das Gute will und das Böse schafft", wenn die Maßnahmen des einzelnen schließlich zur Katastrophe führen. Während das für die ein oder andere bedeutet, Unterleuten verlassen zu müssen, wird der/ die andere körperlich verletzt oder muss am Ende sogar sein Leben lassen. "Unterleuten" stellt das Abbild unserer Gesellschaft dar, das sehr negativ gezeichnet wird. Es ist ein sprachlich sehr treffend geschriebener und bis ins Detail ausgeklügelter Roman, der sich vor allem auf die Charaktere, deren Eigenheiten und Psyche konzentriert, so dass das Thema Windkraftanlage in den Hintergrund zu treten scheint. Letztlich werden durch dieses EU-Projekt nur Konflikte geschürt, die seit Jahren im Dorf brodelten. Sehr neutral, fast schon wie im Epilog aus Sicht der Journalisten Lucy Finkbeiner formuliert, wird das Scheitern jedes einzelnen nach der Wende bzw. die Enttäuschung, mit der Städter und/ oder Wessis in Unterleuten gelandet sind, beschrieben. Trotz des Umfangs von über 600 Seiten und der über 20 wesentlichen Akteure lässt sich der Roman flüssig lesen, ohne dass man nach einem Einstieg in das Dorfleben immer wieder im Personenverzeichnis blättern müsste. Aufgrund der großen Anzahl an Personen und der durchweg negativen Eigenschaften kann man sich als Leser mit niemandem wirklich identifizieren und so gibt es am Ende auch keinen Helden oder Profiteur der Geschichte, was den Roman etwas einseitig negativ und düster nachwirken lässt. 

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  • Hervorragende Gesellschaftsstudie

    Unterleuten

    wasichgelesenhabe

    12. February 2018 um 10:57

    Der Roman erzählt die Geschichte des fiktiven brandenburgischen Dorfs "Unterleuten". Hier leben alteingesessene Dorfbewohner und neuzugezogene "Stadtflüchtliche" mehr oder wenig einträchtig nebeneinander. Ohne große Einmischung von außen regelt die Dorfgemeinschaft ihre Probleme und Auseinandersetzungen untereinander...dieses System funktioniert perfekt, bis eines Tages in unmittelbarer Nähe ein Windpark errichtet werden soll und das Unheil seinen Lauf nimmt.Die Geschichte wird dabei aus den Perspektiven ausgewählter Dorfbewohner erzählt. Da gibt es den rauen Landwirt, der nach der Wende die Flächen der LPG privatisiert hat, den überzeugten Kommunisten, zugezogene "Neu-Unterleutener", den Investor aus dem "Westen". Die Erzähltperspektiven wechseln dabei zwischen den Dorfbewohnern mit jedem Kapitel. Nach dem ersten Teil des Romans, in dem die Protagonisten vorgestellt werden und die Schilderungen dadurch etwas langatmiger ausfallen, nimmt die Handlung an Fahrt auf. Durch die unterschiedlichen Perspektiven tritt die Geschichte zwischenzeitlich häufiger auf die "Vollbremse", da an den spannendsten Stellen das Kapitel endet und die Perspektive wieder wechselt. Das lässt den Leser atemlos in der Geschichte weiterhasten und hält den Spannungsbogen oben.Insgesamt werden die Zusammenhänge immer verworrener und der Leser muss sich das ein oder andere Mal schütteln und fragt sich: "Wie jetzt?". Das macht aber auch den Reiz des Buches aus...nichts ist, wie es scheint und die tatsächliche Wahrheit liegt am Ende wohl im Auge des Betrachters/Lesers. Im Epilog wird passenderweise geschrieben: "Eine Geschichte wird nicht verständlicher, wenn sie aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird." Das Großartige dieses Buches ist, dass es nicht nur hervorragend unterhält, sondern gleichzeitig eine erschreckend zutreffende Beschreibung unserer Gesellschaft am Beispiel dieses kleinen Mikrokosmos "Unterleuten" darstellt. Ein jeder Dorfbewohner denkt ausschließlich an sich und seinen persönlichen Vorteil und wohin das Dorf dadurch steuert, ist schon angsteinflößend. Natürlich ist das Finale schon reichlich skurril, als Stilmittel für das Auseinanderbrechen des Dorfes aber passend.Ein Meisterwerk, in dem sprachlich und inhaltlich so viel steckt, dass man es eigentlich zeitnah noch einmal lesen müsste, um ihm gerecht zu werden.

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  • Unterleuten

    Unterleuten

    BeaSwissgirl

    12. February 2018 um 09:27

    Mein Leseeindruck subjektiv aber spoilerfrei ;)Da ich das Buch grösstenteils in der ungekürzten Hörbuchvariante gehört habe möchte ich zuerst auf dieses eingehen.Die Sprecherin Helene Grass war mir bis anhin unbekannt, jedoch habe ich ihre Stimme als sehr angenehm empfunden, weshalb ich sicher noch andere Interpretationen von ihr hören werde.Die Stimmlage ist eher tief und ihre Art zu lesen unaufdringlich aber überhaupt nicht langweilig oder monoton. Ebenfalls liessen sich die verschiedenen Personen gut unterscheiden, ohne dass total übertrieben mit der Stimme variert wurde.Das Buch enthält übrigens am Ende eine Karte des Dorfes inkl. eines Personenregister was ich zeitweise immer wieder mal zur Hand genommen habe....Der Schreibstil ist wortgewandt, flüssig, zynisch, humorvoll, enthält das richtige Mass an Beschreibungen und lässt sich trotz der hohen Anzahl Seiten recht schnell lesen.Erzählt wird aus verschiedenen Blickwinkeln im personalen Stil immer am Anfang des Kapitels mit dem jeweiligen Namen klar deklariert. Ausser der Epilog, da wurde die ICH- Perspektive gewählt, was ich so als Abschluss irgendwie genial fand.Bei dieser Erzählweise wimmelt es natürlich nur so von Charakteren und gerade in der Hörbuchvariante war es für mich Anfangs doch sehr schwierig hier alle zuordnen zu können.Jedoch sind die Personen so unterschiedlich und teilweise überspitzt dargestellt, dass es mir mit der Zeit überhaupt nicht mehr schwergefallen ist sie mir zu merken.Klar wird hier recht stark mit Klischees oder Vorurteilen gespielt, aber irgendwie auf eine humorvolle und unterhaltsame Art, so dass es mich überhaupt nicht störte.Ich selber bin auf dem Land aufgewachsen und nach fünfzehn Jahren in der Stadt wieder an meinen Geburtsort zurückgekehrt und kann bestätigen, dass es so oder ähnlich tatsächlich abläuft!!Die Personen waren mir mehr oder weniger sympathisch, so richtig in Beziehung treten war aber nicht möglich und wahrscheinlich von der Autorin auch gar nicht gewollt ;) Die ganze Geschichte ist gut recherchiert, durchdacht, strukturiert, intelligent, scharfsinnig, Gesellschaftskritisch ohne sich irgendwie aufzudrängen, aber dennoch einfach total amüsant und unterhaltend.Ich vergebe 4 Sterne   

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  • Alle Welten verstehen

    Unterleuten

    Duffy

    30. January 2018 um 13:03

    Unterleuten ist ein kleines Dorf in Brandenburg, nur eine Stunde entfernt von Berlin, aber dennoch eine vollkommen andere Welt. Das Dorf ist so von der Außenwelt abgeschirmt, dass es eine Idylle für Aussteiger darstellt, die sich der Großstadt entziehen wollen. Zwei dieser Pärchen trifft man auch tatsächlich hier, die jedoch ganz schnell feststellen müssen, dass in dieser Abgeschiedenheit eigene Gesetze gelten und das vor allem dem Dorfgefüge ein langer Entwicklungsprozess zugrunde liegt, dem von außen und mit Logik nicht beizukommen ist. Als eine Investmentfirma am Dorfrand einen Windpark errichten will, brechen alle Gräben auf. Nicht nur die verschiedenen Interessen der Zuzügler mit den Dorfbewohnern kollidieren, auch die schwelenden Brände zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern brechen aus und eine ganz alte Feindschaft eskaliert. Neid, Vertrauensverluste und Missverständnisse bestimmen fortan das Geschehen im Dorf. Die Idylle wird zur Hölle und das Miteinander zu einem unkontrollierbaren Gemenge von Interessen und Gefühlen.Juli Zeh hat einen profunden Gesellschaftsroman geschrieben, dessen großer Verdienst es ist, klar und deutlich eine Standortbestimmung unserer heutigen Gesellschaft zu definieren. Dass diese weder positiv noch schmeichelhaft ausfällt, verwundert nicht. Zehs Analyse ist treffend, kurz und glasklar formuliert. Dafür braucht sie im Buchkontext nur drei bis vier kurze Passagen, in denen die Analyse eingestreut wird, so machtvoll und nachhaltig, dass man ob der Deutlichkeit und Plausibilität fast erschrecken kann.Inhalt, Handlung und Personen sind meisterhaft aufeinander abgestimmt, die gesamte Struktur des Romans ist schlüssig und einfach aufgebaut und lässt keine Minute Langeweile aufkommen. Zeh kommt ohne Kunstgriffe aus, den Spannungsbogen zu halten, der Roman selbst ist ein einziger Spannungsmoment, der Leser will das Geschehen keine Minute verlassen.Mit diesem Roman hält die Autorin unserer unselbstständig gewordenen Gesellschaft einen Spiegel vor, der nicht kommentiert werden muss, weil er die Realität 1 : 1 wiedergibt. Spätestens jetzt dürfte sich Juli Zeh in die Spitze der wichtigen Gegenwartsautoren geschrieben haben und es ist, sieht man ihr bisheriges Werk, nicht zu erwarten, dass sie diesem Druck nicht standhalten kann.

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  • Herausragender Gesellschaftsroman

    Unterleuten

    AnnaCastronovo

    29. January 2018 um 12:41

    Unterleuten ist wunderschön geschrieben, spannend und trifft es voll auf den Punkt. Genau so sind manche von diesen Dörfern ... und auch ihre Bewohner. Sehr erfrischender Gesellschaftsroman über Ossis und Wessis. Absolut empfehlenswert.

  • der ganz normale Wahnsinn

    Unterleuten

    itwt69

    25. January 2018 um 20:20

    Die Provinzposse um ein thüringisches Dorf zeichnet sich vor allem durch Klischees aus, es wird kaum etwas ausgelassen. Für mich war das Ganze eindeutig zu übertrieben, dass es in einem kleinen Dorf eine derartige Ansammlung von Kuriositäten gibt, erscheint mir aberwitzig. Deshalb gerade so 2,5 🌟, da es zuweilen ganz lustig zuging.

  • spannend erzählt

    Unterleuten

    katze102

    12. January 2018 um 15:02

    Juli Zeh beschreibt in ihrem 640 seitigen Roman den Wandel eines brandenburgischen Dorfes namens „Unterleuten“ seit der Wende, wobei vorhergehende Ereignisse ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen.Anhand von Erlebnissen Alteingesessener und nach der Wende Zugezogener erlebt der Leser den Wandel von der Plan-, über die Unterleutener Tausch- zu der um sich greifenden Marktwirtschaft samt dem großen Ausverkauf, bei dem nahezu jeder das Beste für sich herausholen will. Schon seit jeher scheint Unterleuten ein Dorf gewesen zu sein, das nicht mit Behörden zusammengearbeitet hat und stolz darauf war, alles selber zu regeln; da fallen eigene Rachefeldzüge, kriminelle Aktionen und Selbstjustiz, Tratsch und Verleumdung gar nicht wirklich auf, sondern gehören zum ganz normalen Alltag dieses Dorfes. Soziale Verstrickungen und Abhängigkeiten beeinflussen das Taktieren seit jeher und nun, während der Planung eines Windparks, stellen sie die Gegenspieler zu skrupellosen Investoren dar, beim Wettlauf um die eigenen Vorteile, bei denen auch Zugezogene alles geben.Die Bewohner Unterleutens werden eher klischeehaft dargestellt; im Laufe des Romans lernt man sie ein wenig kennen, erfährt von ihren Schicksalschlägen, Beweggründen, Überzeugungen, von Situationen, die sie sprachlos oder gedemütigt zurückließen und veränderten, von Treue und Verrat und von Familienfehden, die sich über Jahrzehnte erstrecken. Trotz der Einblicke in ihr Leben hinterläßt keiner von ihnen einen wirklich bleibenden Eindruck bei mir. Das ist vielleicht auch gar nicht nötig, um über ihre und die eigene Moral nachzudenken und sich zum Schluß mit ihnen gemeinsam zu fragen: Hat es sich dafür gelohnt?Insgesamt wurde der Roman spannend und facettenreich erzählt; dennoch fand ich einiges schon deutlich zu langatmig und überzeichnet.

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  • Gesellschaftskritik mit Charme

    Unterleuten

    mrsmisery

    07. January 2018 um 22:12

    Ein kleines Dorf mit dem Namen „Unterleuten“ in Brandenburg: Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Einfamilienhäuser und Nachbarn, die sich auf der Straße grüßen, prägen das Bild. Doch der Ortsname ist von Zeh nicht zufällig gewählt. Aus „Unterleuten“ ein „Unter Leuten“ zu formen, liegt nahe und bringt wohl auf den Punkt, warum dieser Roman ein Bestseller geworden ist. Denn in diesem verschlafenen Örtchen, will eine Investorenfirma einen Windpark bauen. Klingt nicht sonderlich spektakulär, ist für eine derartige Provinz jedoch kaum vorstellbar. Dass das nicht auf einheitliche Zustimmung stößt, ist vorherzusehen - was hinter den Fassaden der Anwohner steckt, jedoch nicht. Dieses Szenario dient als Ausgangslage des Romans. Fortan werden die BewohnerInnen des Dorfes nacheinander beschrieben - sie selbst und ihre Beziehungen zu einander. An diesem Gerüst hangelt sich der Plot entlang, welcher jedoch hauptsächlich auf der Figurenentwicklung basiert. Eine kurze Inhaltsangabe ist dadurch kaum möglich, wenn wir sprechen hier von über 20 Figuren, die tatsächlich auch wichtig für die Handlung, für das Dorf sind. Nun kannst du dich fragen, was wohl die Moral der Geschichte sein mag, wenn es weniger um den Tatverlauf, als viel mehr um die BürgerInnen geht. Schließlich ist „Unterleuten“ doch ein relativ unspektakulärer Ort, mitsamt seinen Bewohnern, die zugegebenermaßen alle ihr Päckchen zu tragen haben. Doch genau DAS ist wohl des Pudels Kern. Wir haben ALLE unser Päckchen zu tragen und können uns mit den Figuren des Ortes identifizieren. Doch dabei bleibt es nicht. Leider kann man sich auch allzuoft in ihren negativen Attitüden wiedererkennen - wir bekommen einen Spiegel vorgehalten. Halt dir nur einmal Kommentare in den sozialen Netzwerken vor Augen oder erinnere dich an ein paar Gespräche auf dem letzten Wochenmarkt oder im Bus - fast schon lächerlich, für wie wichtig wir uns halten und wie uninteressant unsere Äußerungen doch in Wahrheit sind. Der Umgang miteinander, geprägt von Missgunst und Wut, ist doch nichts anderes als die eigene Unsicherheit, die auf andere zu projizieren versucht wird. Und genau so sind eben auch die BewohnerInnen des fiktiven Ortes Unterleuten: Obwohl die BürgerInnen teilweise kaum etwas über das Gegenüber wissen, wird vermutet, geredet und verurteilt. JedeR hält sich selbst für den Nabel der Welt und seine eigenen Probleme für die wichtigsten. „Unterleuten“ ist eine hervorragende Kritik an der Gesellschaft, ohne selbige dabei mit erhobenem Zeigefinger zu richten. Vielmehr passiert all das vorrangig zwischen den Zeilen. Subtil lässt Zeh eine sarkastische Ader einfließen, die teilweise auch nur auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Eingeschlagen wie eine Bombe, kann man sich manchmal nicht entscheiden, ob man lachen oder weinen soll. Vermutlich ist beides richtig. Der Schreibstil ist m.E. besonders gelungen. Die genutzte Sprachebene ist nicht einfach, sondern geprägt von einigen Fremdwörtern und einer allgemein gehobenen Sprache. Das wird nicht jedem gefallen, ist bei einer solchen Abhandlung jedoch vonnöten. „Unterleuten“ ist kein netter Jugendkrimi für zwischendurch, sondern eine Würdigung und der gleichzeitige Verriss unserer Gesellschaft. Dennoch überfordert die Sprache nicht. Obschon ein „Überfliegen“ kaum möglich sein wird um alles in Gänze zu verstehen, finden wir auch keine unnötig kompliziert konstruierten Schachtelsätze, die den Spaß am Lesen zunichte machen. Neben Themen wie Weltschmerz (der doch nichts anderes als die Verwechslung mit dem alltäglichen Frust zu sein scheint), Gentrifizierung, Verurteilung oder der Generation Y, finden auch Elemente wie Feminismus, Helikopter-Eltern und Tod ihren Platz. Alles Themen, die nach wie vor hochaktuell sind und gerade deswegen einer kontroversen Diskussion bedürfen. Pointiert bringt die Autorin jedes Klischee auf den Punkt, ohne dabei in eine plakative Ebene zu rutschen. Der Aufbau des Romans kommt uns LeserInnen sehr entgegen. Gegliedert in sechs Teile, sind die jeweiligen Unterkapitel recht kurz, sodass man nicht von der Anzahl der Seiten „erschlagen“ wird. Außerdem sind die Kapitelüberschriften mit den jeweiligen Namen des Bewohners versehen, sodass auch hier eine übersichtliche Struktur gegeben ist, da sofort ersichtlich wird, aus welcher Perspektive die folgenden Seiten geschrieben sind. Am Ende des Romans ist für die LeserInnen ein Namenregister angehängt. So kannst du noch einmal schnell nachsehen, wenn dich die verschiedenen Namen etwas verwirrt haben. Zu jeder Figur sind dort ein paar wenige Sätze vermerkt, die dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen. Außerdem befindet sich ebenfalls im Anhang das Inhaltsverzeichnis. So ist es jederzeit möglich, ein bestimmtes Kapitel wiederzufinden beziehungsweise sich zunächst erst einmal einen Überblick über dieses Buch zu verschaffen. Trotz oder aufgrund der hohen Informationsdichte, ist der Roman m.E. teilweise sehr zäh zu lesen. Eine Spannung aufzubauen, war vermutlich von vornherein nicht der Anspruch, ist jedoch für mich der fehlende Faktor, um ein Buch nicht aus der Hand legen zu wollen. Die Detailverliebtheit der Autorin, ihre Eloquenz und die präzise formulierten Habitus, machen definitiv den Charme des Buches aus, ersetzen für mich jedoch nicht fehlende Geschehnisse - fernab der rein deskriptiven Entwicklungen der Protagonisten.  

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  • Intelligent erzählte Demontage einer Dorfgemeinschaft

    Unterleuten

    Lilli33

    05. January 2018 um 09:57

    Taschenbuch: 643 Seiten Verlag: btb Verlag (11. September 2017) ISBN-13: 978-3442715732 Preis: 12,00€ auch als Hardcover, als E-Book und als Hörbuch erhältlich Intelligent erzählte Demontage einer Dorfgemeinschaft Inhalt: Unterleuten, ein kleines, fiktives Dorf in Brandenburg, Sommer 2010. Die Vento Direct will einen kleinen Windpark in Unterleuten bauen. Je nach Grundbesitz und sonstigen Eigeninteressen sind die Dorfbewohner dafür oder dagegen. Es wird paktiert und gemauschelt, alte Rechnungen kommen auf den Tisch. Kann das idyllisch gelegene Dorf die Querelen überstehen? Meine Meinung: Mit „Unterleuten“ ist Juli Zeh ein großartiger Gesellschaftsroman gelungen. Trotz der hohen Seitenzahl ist das Buch gut zu lesen, da es in „mundgerechte Häppchen“ eingeteilt ist. Sechs große Teile sind untergliedert in kürzere Kapitel, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden. So lernt man die wichtigsten Einwohner Unterleutens kennen. Durch den Perspektivwechsel wird auch meist sofort klar, dass das Bild, das jeder vom anderen hat, nicht der Realität entspricht. Man lebt schon lange unter falschen Voraussetzungen zusammen, bekriegt sich, obwohl nicht immer ein Grund dafür vorliegt, nur aufgrund eines Gerüchts oder einer falschen Annahme.  Vor allem die erst kürzlich Zugezogenen tun sich schwer, die Strukturen der Dorfgemeinschaft zu durchschauen. Teils wollen sie sich anpassen und schlagen sich auf eine Seite, ohne die Folgen abschätzen zu können. Teils verfolgen sie eigene Interessen und bringen damit alles aus dem  labilen Gleichgewicht.  Juli Zeh hat die unterschiedlichsten Charaktere „erfunden“, und doch wirken sie sehr authentisch. Das kleine Dorf erwacht vor dem inneren Auge des Lesers zum Leben, und wer auf dem Dorf großgeworden ist, weiß, dass es dort genau so zugehen kann, wie die Autorin es beschreibt. Jeder kennt jeden, oft besser als sich selbst, auch wenn die Hälfte davon erfunden ist.  Gerade bei der Entwicklung ihrer Figuren beweist Juli Zeh sehr viel Feingefühl. Die verschiedenen Eigenschaften, die Interaktionen, die sozialen Abhängigkeiten werden extrem detailliert unter die Lupe genommen. Vor allem wie man sein Gegenüber manipulieren kann, ist ein wiederkehrendes Thema. Durch eine der Protagonist*innen, die als Pferdeflüsterin arbeitet, wird immer wieder aufgezeigt, was Handlungen bewirken. Sie nimmt ihr Wissen aus dem Ratgeber „Dein Erfolg“ eines gewissen Manfred Gortz. Diesen Ratgeber gibt es auch tatsächlich, geschrieben von Juli Zeh unter dem Pseudonym Manfred Gortz. Auch eine Homepage von Unterleuten gibt es sowie eine Seite des Unterleutner Vogelschutzbundes, der im Roman eine Rolle spielt. So verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität.  Fazit: „Unterleuten“ ist ein intelligenter Gesellschaftsroman, großartig konstruiert und fesselnd erzählt. Die Handlung ist logisch durchdacht und vielschichtig. Dabei kann man kaum vorhersehen, wie sich alles entwickelt. Ich habe mich köstlich amüsiert und war von Anfang bis Ende mit Spannung dabei. ★★★★★ Ich bedanke mich beim btb Verlag und dem Bloggerportal ganz herzlich für das Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise zugeschickt wurde.

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    In 80 Buchhandlungen um die Welt

    Ginevra

    Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr (wieder) Lust auf eine große literarische Weltreise im Jahr 2018? Dann lasst uns gemeinsam durch 20 verschiedene Lese- Regionen reisen! Die Aufgabe besteht darin... - 12 Bücher in einem Jahr zu lesen; - Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen); - Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen. - Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen; - Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen; - Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen, dabei sind 2 Kurzmeinungen erlaubt. - Eure Beiträge werde ich verlinken; - Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich; - Genre und Erscheinungsjahr sind egal: - Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt! Diese Challenge eignet sich für Neuerscheinungen aller Kategorien, um den SuB endlich mal weiter abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren. Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlost Lovelybooks am Ende des Jahres ein kleines Buchpaket! Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Viele tolle Tipps und Empfehlungen findet ihr auf der Seite der Literarischen Weltreise 2017:  https://www.lovelybooks.de/autor/Mark-Twain/Reise-um-die-Welt-144251180-w/leserunde/1402610451/ Dann heißt es wieder einmal: Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездки Счастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! - 旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。- Gute Reise!  TeilnehmerInnen: AglayaAischaAischaAkanthaAleidaAmilynandimichihellianna_manna_mArbutusban-aislingeachBellisPerennisBeustBibliomaniablack_horseBluevanMeerbuchfeemelaniebuchjunkieBuchraettinc_awards_ya_sinCaillean79caratisCaro_LesemausChattysBuecherblogClaraChristina16Code-between-linesCorsicanaDajobamadanielamariaursulaDieBertaElkeEllMariaEmotionenfaanieFadenchaosfasersprosseFederfeeFornikafredhelGinevraGruenenteGwenliestgsthisterikerHortensia13ika17IraWirakassandra1010Kleine1984kleinechaotinkokardkalekrimielseKompassquallekruemelmonster798lesebiene27leseleaLeseratz_8leukoryxLilli33LillySjLos_AngelesMagicsunset Mary2 Merijan MilaW miss_mesmerized monerl naninka Napally niknak OliverBaierPagina86 papaverorosso pardenPetris PMelittaM Ritjarenee sansol ScheckTinaSchlehenfeeschokolokoseschatSikalSommerlese StefanieFreigericht sursulapitschi TaluziTamiraSTanyBee taumelndundtanzendTine13 ulrikerabeValabevanessabln wandablue Waschbaerin Wedma Wickie72 Wiebke_Schmidt-Reyer Xirxe Yolandezessi79

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  • Ein kleines Dorf mit großen Geheimnissen...

    Unterleuten

    KristinSchoellkopf

    23. December 2017 um 13:13

    Was ist interessanter, als die Analyse von Menschen? Wer mag wohl etwas zu verbergen haben oder ein Geheimnis hüten?Juli Zeh widmet sich diesem Thema in ihrem Roman, der einen passenderen Titel nicht tragen könnte, als „Unterleuten“. In dem Roman blickt der Leser auf ein kleines Dorf, das auf den ersten Blick nicht außergewöhnlich scheint. Doch je mehr der Leser sich mit den einzelnen Figuren beschäftigt, umso misstrauischer wird er. Was genau, verbergen die Menschen in diesem Dorf? Im Leseprozess wird der Leser selbst zu einem Gesellschaftskritiker und analysiert das Verhalten der Charaktere fast schon fachmännisch. Einen zuvor womöglich nicht allzu kritischen Leser zu einem aktiven zu machen, ist eine wahre Kunst, die Juli Zeh glänzend beherrscht. Die Autorin weiß, wie viel Bedeutung sie jedem Wort zuschreibt, tendiert allerdings dazu, Szenen zu genau zu beschreiben. Ich persönlich konnte mir die Szenen sehr gut vorstellen, wie auch die Akteure in ihnen, und empfand einige Erläuterungen als überflüssig. Sie sorgten nämlich auch dafür, dass die eigene Interpretation zu weit gefasst wurde und ich Details Wert zugeschrieben habe, die nur einer sehr genauen Darstellung einer Szene dienten. Dennoch finde ich die Art und Weise, wie die Autorin den Leser in das Werk einbindet, einzigartig und „Unterleuten“ kann ich nur weiterempfehlen.Denn wer weiß, ob im eigenen Dorf nicht eine Leiche im Keller versteckt ist und man sie nur noch nicht entdeckt hat?

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