Unterleuten

von Juli Zeh 
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Unterleuten
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Positiv (304):
Anna_Barbaras avatar

Super!!!

Kritisch (13):
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Sehr authentische Darstellung des Dorfes - nur das Ende wirkte mir zu dramatisch und gezwungen.

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Inhaltsangabe zu "Unterleuten"

Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh
Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf in Brandenburg wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten. Doch hinter den Fassaden der kleinen Häuser brechen alte Streitigkeiten wieder auf. Und obwohl niemand etwas Böses will, geschieht Schreckliches.
Mit „Unterleuten“ hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442715732
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:656 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:11.09.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 08.03.2016 bei Der Hörverlag erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    rkuehnes avatar
    rkuehnevor 3 Tagen
    Das Dorf und die Windräder

    Ein Krimi? Ein Gesellschaftsroman? Die einen sagen so, die andern so, aber Juli Zeh ist es gelungen, ein wunderbar rundes Bild einer gewachsenen und in sich intrigant verbundenen Dorfgemeinschaft zu zeichnen. Ich hab sehr lange an dem Wälzer gelesen, kompakter gelesen macht „Unterleuten“ sicher noch mehr Spaß. Und… Windräder werde ich wohl nicht mehr sehen können, ohne an Unterleuten zu denken.

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    Buecherspiegels avatar
    Buecherspiegelvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Mikrokosmus Dorf. Vermeintliche Idylle unter der Knechtschaft von Gefallen, Missgunst und alten offenen Rechnungen.
    Vermeintliche Idylle Dorf unter der Knechtschaft von Gefallen und gepachteten Wahrheiten

    „Unterleuten“, das Dorf, das von der Autorin Juli Zeh in ihrem Gesellschaftsroman beschrieben wird, gibt es überall. Im Mehrfamilienhaus, in der Nachbarstraße, im Vorort, selbst in kleineren und größeren Unternehmen. Jedenfalls mehr oder weniger. Dieser Roman ist schon vielfältig analysiert, rezensiert und beschrieben worden, ein Film ist in Arbeit. Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Die Figuren sind alle glaubhaft, nichts ist wirklich übertrieben.

    Ein Ort mit rund zweihundert Seelen, der nach der Wende vieles durchmachen muss, um überhaupt weiter bestehen zu können, spielt die Hauptrolle. Oberflächlich ist alles gut, nur die wunderlichen Dinge, die dort geschehen, zeigen, hier ist absolut nichts, wie es sein soll. Da brennt es in Nachbars Garten ununterbrochen und giftige Schwaden ziehen zum Vogelschützer und seiner Familie hinüber. Zugezogene aus der Hauptstadt, die nun zeigen wollen, welche Macht sie haben. Ein Großgrundbesitzer, der vielen Arbeit gibt in einem Ort, der nur wenig zu bieten hat. Und der glaubt, mit seinen Spenden die vermeintliche Ruhe halten zu können. Eine Pferdenärrin, die ihren Freund unter der Knute hält und mithilfe eines Bodenspekulanten die Ordnung im Dorf ändern möchte. Es gibt noch einige Figuren, die zum Beispiel unter http://unterleuten.de/unterleuten.html bestens beschrieben sind.

    Herrlich ist es, wie sie alle miteinander von sich selbst überzeugt sind. Der beschriebene Wirtschaftskreislauf ohne Geld, Gefälligkeiten, die im Ort und zu Nachbardörfern Menschen aneinander binden. Wer braucht schon Obrigkeiten und Polizei, wenn man untereinander alles regeln kann?

    In sechs Kapiteln und vielen Abschnitten kommen Gegenspieler zu Wort und teilen uns ihre Weisheiten, Wahrheiten und Meinungen mit. Jeder und Jede ist von sich überzeugt, weiß ganz genau, was andere Personen von ihr beziehungsweise ihm hält unter den gegebenen Umständen. Und nun sollen Windräder das Leben aller komplett verändern. Geld spielt wie immer eine große Rolle, denn dort, wo sie aufgestellt werden, fließt es wie dolle und in die Ortskasse sowieso. Doch leider gibt es keinen Eigentümer, der über die gesamte Fläche alleine entscheiden kann. Nun brechen nicht nur alte Geschichten wieder auf und kommen an die Oberfläche, sondern werden mit neuen vermischt. Ob es am Ende Gewinner geben kann?
    Selbst wenn man durch Internetrecherche doch so vieles mitbekommen hat, was im Roman beschrieben wird, es selbst zu lesen ist unterhaltsam, witzig, manchmal sehr traurig und bitter, doch will man so gerne immer mehr. Das liegt an dem Schreibstil, den Drehungen und Wendungen, die nur wenig offen lassen. Aber das wenige, das offen bleibt, ist ein Rätsel, das leider nicht gelöst wird. Welches das ist, mag jeder selbst herausfinden.

    Über das Buch gibt es von Juli Zeh unter www.unterleuten.de noch vieles mehr zu erfahren.


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    wbetty77s avatar
    wbetty77vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Gesellschaftstudie über Generationenkonflikte, ländliche Seilschaften und deren anarchische Strukturen. Ein gelungener Roman.
    Ein gelungener Roman

    Unterleuten, ein kleines Dorf irgendwo im brandenburgischen. Es gibt die Alteingesessenen, deren Familien seit Generationen dieses Dorf bevölkern und dann gibt es die Aussteiger, aus der Stadt, die ihre Vorstellung der dörflichen Idylle leben wollen. Als eine Windkraftanlage gebaut werden soll, regt sich Widerstand. Jahrzehnte lang gepflegte Feindschaften treten zu Tage, ebenso wie Lebenslügen und der Glaube der Zugezogenen, bei all dem mitzumischen zu können. Das Dorf geht alle an! Doch wer sind alle, wenn ständig gegeneinander und nicht miteinander gekämpft wird?

    Unterleuten lebt vor allem von der Landwirtschaft. Nach dem Ende der DDR, wandelten die Unterleutener ihre LPG zu einer GmbH um. Treiben Kraft dabei Gombrowski, der Sohn des letzens Unterleutener Großgrundbesitzers und zu DDR Zeiten Leiter der LPG. Gombrowski setzt sich für sein Dorf und die Bewohner ein, dabei ist die Wahl seiner Mittel nicht immer legal und oftmals fragwürdig. Trotz seines Engagements und seiner Stellung im Dorf, erfreut er sich keiner großen Beliebtheit.
    Sein Widersacher Kron, überzeugter Kommunist und der Querulant im Dorf, lässt nichts aus, um Gombrowski ins schlechte Licht zu rücken.
    Dann sind da die Städter, die auf dem Land einen ruhigen, idyllischen Zufluchtsort suchen. Flies, ehemaliger Uniprofessor, und seine junge Frau Jule mit ihrem Baby. Flies arbeitet für den Vogelschutz und legt jedem Bauvorhaben in der Umgebung Steine in den Weg. Das macht ihn bei manchen Bewohnern wenig beliebt. In Unterleuten regelt man solche Sachen unter sich. Das bekommen Flies und seine Familie deutlich zu spüren.
    Linda Franzen und ihr Freund Frederik haben sich ebenfalls ein renovierungsbedürftiges Anwesen in Unterleuten gekauft. Linda möchte dort eine Pferdezucht gründen. Auch für sie ist es nicht einfach ihr Ziel zu verwirklichen. Zum einen torpediert Flies ihre Umbaugenehmigung für die Pferdeställe und selbst bei den Koppelzäunen erhebt er Einspruch. Zudem weigert sich ein Investor aus dem Westen, ihr die Wiese hinter dem Haus zu verkaufen.
    Als eines Tages bekannt wird, dass Windräder in Unterleuten errichtet werden sollen, ändert sich die Lage. Es regt sich Widerstand, bis einige wenige erkennen, dass die Windräder beschlossene Sache sind und nur die Frage ist, auf welchem Grundstück sie errichtet werden. Durch die großzügige Pacht, wäre derjenige, auf dessen Grundstück die Windräder gebaut werden, saniert. Durch die Windräder kommt Bewegung in das Dorf, alte Fronten brechen wieder auf und lang Vergessenes kommt wieder zu Tage. Nur das dieses Mal die „Neuen“ versuchen in den ganzen verzweigten Seilschaften des Dorfes mitzumischen. Am Ende verlieren einige alles und andere gehen gestärkt aus diesem Umbruch hervor.

    Juli Zehs Roman „Unterleuten“ erzählt von einem Dorf, das um seine Existenz kämpft. Dessen ländliche Machtmechanismen jenseits der Gesetzgebung funktionieren. Der Roman verdeutlicht darüber hinaus denn Generationenkonflikt. Es sind noch immer die „alten Männer“, die das Dorfleben bestimmen sowie schon zu Zeiten der DDR.
    Doch Juli Zeh malt nicht schwarz-weiß, es gibt nicht da die Guten und auf der anderen Seite die Bösen. Sie lässt die Figuren für sich sprechen und erzählt deren Geschichte. Der Leser erfährt, warum sie so handeln, wie sie es tun. Es gibt die tragischen und die von der Gesellschaft abgehängten, die Glücksritter auf der Suche nach ländlichem Frieden. Dem Roman gelingt ein Portrait eines Dorflebens, das Jahrzehnte lang an alten Strukturen festgehalten und an dessen Oberfläche es gebrodelt hat. Nun genügt ein kleiner Funke, um all die alten Geschichten hochkochen zu lassen. Erst die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit macht eine Neuordnung möglich.
    Der Roman ist unterhaltsam geschrieben. Abwechselnd wird aus der Sicht der einzelnen Protagonisten erzählt, so dass der Leser der Handlung gut folgen kann und dabei die Figuren kennenlernt. Man merkt den Charaktere an, dass sie mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail erschaffen worden sind. Die Autorin überzeugt durch eine gute Beobachtungsgabe und durch Menschenkenntnis, die sie in die Figuren einfließen lässt.
    Meiner Ansicht nach ist der Roman lesenswert, weil er einen Blick in gesellschaftliche Strukturen erlaubt, die es in ähnlicher Weise sicher gibt. Sowohl die desillusionierte, ältere Generation als auch die 20-30jährigen sind auf den Punkt beschrieben. Die einzige Kritik meinerseits betrifft das Ende. Den Epilog hätte ich in dieser Art nicht gebraucht. Manches kann man sich denken, anderes hätte man vielleicht nochmal aus der Sicht einer etablierten Figur schreiben können, um nicht am Ende eine weitere hinzufügen zu müssen.

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    Franzip86s avatar
    Franzip86vor 3 Monaten
    Ein Dorf in Brandenburg

    Unterleuten von Juli Zeh

    Inhalt: Wer einen flüchtigen Blick auf den Ort Unterleuten in Brandenburg wirft, ist fasziniert über die Idylle, die Bauten und das Dorf. Eines Tages steht eine Investmentfirma vor der Tür, sie wollen einen Windpark bauen. Daraufhin bricht das Dorf auseinander. Alte Feindschaften stehen plötzlich wieder da und auch neuere werden geschürt. Der Streit geht zum Teil bis zurück zur Wende, wo Wendegewinner und Wendeverlieren sich gegenüber stehen...

    Das Buch ist in mehrere Teile geschrieben. Jedes Kapitel erzählt von einem anderen Charakter. Zum einen Gombrowski der die Ökologika führt; Kron der Gombrowski hasst; Schaller der für Gombrowski alles macht, Herr Fließ der Vogelschützer; seine Frau mit Baby; die Pferdefrau Linda Franzen, die alles dafür tut damit ihr Pferd endlich auch nach Unterleuten kann und einige mehr....

    Meinung: Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. Es ist eine Interessante Thematik. Was mir nicht gefallen hat, sind die Längen die  es leider in dem Buch gab. Zum Teil konnte ich dem geschehen auch nicht richtig folgen, weil es ziemlich wirr durcheinander ging. Viele Dinge wurden nicht richtig aufgelöst und am Ende stehr der Leser mit einigen offenen Fragen da.

    Von mir bekommt das Buch 3 von 5 Sterne.

    Das Buch soll verfilmt werden, als 3 Teiler. Darauf bin ich schon sehr gespannt, ich glaube in einem Film kann man dieses Buch nochmal etwas besser verfolgen, solange es gut verfilmt wird...

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    stachelbeermondvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Buch wie eine Unterströmung - ehe man es bemerkt, wird man mitgerissen
    Ein Buch wie eine Unterströmung - ehe man es bemerkt, wird man mitgerissen

    Mannomann. Das war vielleicht ein Buch. Es gibt manchmal Unterströmungen in Flüssen, und in der einen Sekunde dachte man noch, ach, wie schön, nettes, ruhiges Wasser und in der nächsten Sekunde wird man einfach weggezogen – genauso ging es mir mit Unterleuten. Unterleuten ist ein kleines Dorf mit zweihundert Einwohnern in der ostdeutschen Provinz, etwa eine Autostunde von Berlin entfernt, gefühlt aber etwa einhundert Lichtjahre von Berlin entfernt. Es geht um Einheimische, Zugezogene, Lebensläufe, Verstrickungen, Windräder und um Recht. In diesem Buch weiß jeder, dass er im Recht ist, und aus diesem absoluten Wissen entwickeln sich unentwirrbare Verstrickungen. Anfangs dachte ich noch ganz naiv, ja klar, der hat Recht und das wird im Laufe der Geschichte auch rauskommen, daraus wird sich Gerechtigkeit entwickeln und es wird einigermaßen fair zugehen. Geht es aber nicht. Denn in dieser Geschichte gibt es nur Ahnungen von Wahrheit, niemals Gewissheiten, die Wahrheit dreht und wendet sich mit jeder neuen Person, die der Überzeugung ist, sie sei im Recht.

    Als Leser nimmt man anfangs einfach fasziniert am  Dorfleben und an den Innensichten der zwölf Personen teil, die die Hauptprotagonisten sind. Es entfalten sich komplexe Denkstrukturen, Weltansichten, Überzeugungen und Gründe, und plötzlich schmerzt es, wenn die eigene Welt und diese fremde aufeinandertreffen, man möchte sagen, nein, siehst du, hier liegst du falsch, denn ich habe Recht und prallt zurück, denn genau dasselbe hat die geschriebene Figur gerade auch über ihre Weltsicht und ihr Recht gesagt. Und weil man gerade ganz genau erklärt bekommen hat, warum die fremde Weltsicht die richtige ist, kann man auch nicht mehr einfach behaupten, der andere läge falsch – denn das tut er nicht mit seiner Vorgeschichte, seiner Persönlichkeit und seinen Erfahrungen. Als Leser ist man in diesem Buch im Vorteil, aber in einem schmerzlichen Vorteil: Man möchte ständig in die Handlung hineinschreien, seht ihr denn nicht, warum die Leute tun, was sie tun? Wenn ihr doch nur wüsstet! Aber sie wissen eben nicht. Und so entsteht im Laufe der Handlung ein immer stärkerer Sog, die Ereignisse schrauben sich immer enger zusammen, bis es schmerzhaft wird, und man ahnt, fürchtet, weiß: Es gibt kein Entrinnen. Alle haben Recht, und Leute, die sich im Recht wissen, sind furchtbar. Irgendwo steht es so ähnlich im Buch, und so passiert es auch.

    Die Sprache in diesem Buch ist klar, präzise, nie zu knapp, treffsicher und mitreissend. Es sind 600 Seiten, die man so schnell nicht vergessen wird, ebensowenig wie Schaller, Krohn, Grombrowski, Franzen oder Meiler. Schrecklich und zugleich tragisch fand ich Fließ. Außerordentlich mutig geschrieben war Krohns Enkeltochter, eine Aussensicht auf eine fünfjährige, bei der man nie sicher sein kann, was nun Wahrheit ist, denn es gibt keine Innensicht von ihr in dem Buch. Und das ist es, was für mich bleibt: Solange man in einen Menschen nicht hineinsehen kann, wird man nie wissen, was wirklich passiert ist, nicht einmal dann, wenn er es einem erzählt. Denn – ist das die Wahrheit? Oder nur eine geschönte Version? Oder vielleicht eine alternative Wahrheit? Nur der Mensch selber weiß es. Und das bedeutet, es gibt keine ultimative Wahrheit und niemand kann sich jemals in allen Dingen im Recht wissen. Abseits der Rechtsprechung gibt es Millionen Rechteinhaber auf der Welt. Sie sind viele. Und sie sind unbarmherzig.

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    CarasBuecherwahns avatar
    CarasBuecherwahnvor 3 Monaten
    Da stimmt was nicht....

    Titel: Unterleuten
    Autorin: Juli Zeh
    Verlag: btb

    „Mit dem Dorf stimmt was nicht. Ganz massiv.“

    In einem kleinen – eigentlich unbedeutenden – Dorf in Brandenburg kommt es zu einem heftigen Streit zwischen allen Generationen, Gesellschaftsschichten und Typen als sich etwas verändern soll. Eigentlich ist der Plan in Unterleuten im Zuge der Energiewende ein paar Windräder aufzustellen und so die erneuerbare Energie zu fördern. Während ein paar Dorfbewohner aus Naturschutztechnischen Gründen Bedenken haben, denken andere an die finanzielle Zukunft, die durch den Bau der Windräder für sie abgesichert wäre. Und dann gibt es noch einen ewigen Streit zwischen ein paar speziellen Dorfbewohnern, der durch das Bauvorhaben noch weiter angestachelt wird.
    Juli Zeh beschreibt eine komplizierte Situation einfach und spannend. Es ist interessant zu lesen wie völlig unterschiedliche Menschen auf einander treffen und plötzlich gleiche Ziele haben. Allerdings artet die Situation immer weiter aus. Juli Zeh hat damit einen Gesellschaftsroman geschaffen in dem viele Teile der Menschheit – zwar übertrieben und klischeehaft – mit einander agieren müssen.
    Der Roman ist ruhig und trotzdem wird Spannung aufgebaut, man möchte wissen worauf es hinausläuft. Durch die vielen Hauptfiguren kann man zwar in der Geschichte etwas durch einander kommen, aber man lernt auch viele Sichtweisen kennen, was die Geschichte noch realer wirken lässt. Man kann sich vorstellen, dass sich diese Handlung auch so im echten Leben abspielen würde. Wenn man sich also für Gesellschaftsromane interessiert, der sollte sich auf jeden Fall die Romane von Juli Zeh ansehen.

    Bewertung: ♥♥♥♥

    Vielen Dank an den Verlag, der mir ein Exemplar zum lesen zur Verfügung gestellt hat.

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    steffischultzzzs avatar
    steffischultzzzvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Der ganz normale Wahnsinn halt. Tolle Charakterbeschreibungen und zum nachdenkenanregende Geschichte - hat mir sehr gut gefallen.
    Der ganz normale Wahnsinn

    „Je mehr ich erfuhr, desto stärker erinnerte mich die Geschichte an mein Lieblingsspielzeug aus Kindertagen, ein rotes Kaleidoskop, in dem man Muster aus winzigen bunten Perlen betrachten könnte. Man dreht ein wenig, und alles sah anders aus. Ich konnte stundenlang hineinsehen. Eine Geschichte wird nicht klarer dadurch, dass viele Leute sie erzählen.“ - Seite 629


    Dieses Zitat fasst eigentlich schon ganz gut zusammen, worum dieses Buch im Groben und Ganzen handelt - um Missverständnisse und die Komplexität vieler kleiner Dinge. Die Kapitel sind immer aus der Sicht eines Dorfbewohners von Unterleuten geschrieben und so lernen wir diese zunächst mit all ihren Wünschen, Absichten und Zielen kennen. Ich finde die Charakterbeschreibung von Juli Zeh sehr ausführlich, was mir jedoch sehr gut gefällt. So lernt man auch die Macken kennen, muss ab und zu schmunzeln und hat ein unfassbar einprägsames Bild der Protagonisten. Zu dem vermitteln die einzelnen Protagonisten perfekt dieses Dorfflair. Die Autorin spielt hier zwar mit Klischees, aber wenn man selbst vom Dorf kommt, muss man feststellen wie gut das doch eigentlich zutrifft. Trotz der einprägsamen Charakterbeschreibung ist jedoch auch noch eine Übersichtskarte in der Klappenbroschüre beigefügt, die dazu beiträgt nicht den Überblick zu verlieren. 

    Im Anschluss kommt es zu einer Situation, die sozusagen alles ins Rollen bringt. Es bauen sich neue Beziehungen unter den Bewohnern auf bzw. werden alte Beziehungen im Laufe der Geschichte genauer erläutert. Und so setzt sich ein Puzzle aus Aktion und Reaktion zusammen, was Juli Zeh meiner Meinung nach hervorragend gelungen ist. Sie spielt mit Klischees, lässt Kompromisse entstehen und am Ende artet alles aus. 

    Dieses Buch hat mich super unterhalten, aber auch zum Nachdenken anregt. Es gibt nicht immer nur eine Sicht - man sollte immer versuchen alles zu beleuchten und sich in andere Leute hineinzuversetzen. Empathie und Kommunikation ist das was und allen irgendwie noch fehlt.

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    LimitLesss avatar
    LimitLessvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Puh, was für eine herausragende Geschichte!
    Dorfleben

    Unterleuten ist ein klingender Name für einen Ort, in dem es brodelt und in dem man sich unter Leuten befindet, die einem nicht nur wohlgesinnt sind. Sie spielen alle das Spiel namens Dorfleben. Eine kleine Auswahl von Menschen, die beschlossen haben, am selben Platz zu leben.

    Mit einem ungefälschten Blick auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und für unwissende Zuschauer unverständlichen Dynamiken, die in so einer Gemeinschaft entstehen, schafft es Juli Zeh einen Gesellschaftsroman vorzulegen, der Menschenstudie und
    Krimi zugleich ist. 


    Erzählt wird aus der Sicht unterschiedlicher Dorfbewohner und -bewohnerinnen. Alteingesessene und neuzugezogene, junge, alte, Frauen und Männer. Man muss dranbleiben, um nicht den Überblick zu verlieren, wer jetzt mit wem und warum und was hat das alles im Großen und Ganzen zu bedeuten. Man bekommt einen gutes Gespür dafür, wie unterschiedlich Menschen Gegebenheiten wahrnehmen, wie viele unterschiedliche Gefühle durch Ereignisse hervorgerufen werden können. Die Geschichte ist keine leichte Kost. Viele der Charaktere sind sehr unsympathisch, wurden jedoch komplex aufgebaut und authentisch dargestellt. Die Geschichte ist unangenehm. Man spürt das Brodeln und wartet darauf, dass alles bald explodiert. Wohlfühlen kann man sich dabei nicht, es löst ein inneres Unbehagen aus, das zu keinem Zeitpunkt beim Lesen aufhört. Die Geschichte hinterfragt Einstellungen und Werte. Und nichts bleibt verschont. Dazu gehören Familie, Freundschaften, Politik, Zusammenhalt, Macht, Geld, Liebe. Die Anonymität ist nicht gegeben und viele kennen sich im Dorf seit ihrer Kindheit und das macht es nicht immer einfacher. 

     

    Für mich, als jemand, der im Dorf aufgewachsen ist, war es trotz beklemmendem Thema eine doch auch lustige und unterhaltsame Geschichte, in der ich vieles wieder erkannt habe und die zum Schluss nochmal einen draufsetzt, durch das man das Ganze aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann. Der Blick hinter die Fassade der Menschen war für mich sehr bereichernd, auch wenn ich solchen Machtspielen, wie sie hier dargestellt wurden, nichts abgewinnen kann. Dieses Buch ist für anspruchsvolle Leser eine Traumlektüre!

     

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    CoffeeToGos avatar
    CoffeeToGovor 5 Monaten
    ein Gesellschaftsroman mit überraschendem Ende!

    Inhalt
    In Unterleuten sollen Windräder gebaut werden und das spaltet die Gemeinde. Niemand will die Windräder im Dorf stehen haben, gegen das Extrageld hat jedoch keiner etwas einzuwenden. Als sich dann auch noch der Vogelschützer Gerhard Fließ und die zugezogene Linda Franken einmischen, droht alles zu eskalieren.

    Eigene Meinung
    Unterleuten ist ein kleines Dorf bei Berlin und beherbergt allerlei kuriose Gestalten. In jedem Kapitel geht es um jemand anderen, was mir sehr gut gefallen hat. So bekommen wir die Ansichten von fast allen Dorfbewohnern mit und merken ziemlich schnell, dass Wahrheit und Gerüchte oft weit auseinander liegen.

    Was anfangs noch als scheinbar harmlose Dorffede beginnt, entwickelt sich ziemlich schnell zu einem absurden, aber sehr unterhaltsamen Krimi. Es war traurig zu sehen, wie so eine Bagatelle ein ganzes Dorf spaltet.
    Durch die Kapitelaufteilung konnte man die Beweggründe der involvierten Leute sehr gut nachvollziehen und hat mal mit dem einen und mal mit dem anderen sympathisiert.       

    Fazit
    Mir hat es einfach richtig gut gefallen. Es war total spannend zu sehen, wie sich einzelne Charaktere im Laufe des Buches verändern und wer plötzlich doch nicht mehr so unschuldig ist, wie vermutet.
    Ein Buch voller Überraschungen und Wendungen!

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    once-upon-a-times avatar
    once-upon-a-timevor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Unsympathische Stereotypen, die aufeinanderprallen bis zur Eskalation. Zu extrem für meinen Geschmack.
    Zu extrem

    Man hat ja viel gehört über dieses Buch und nun bin auch ich endlich dazu gekommen, es zu lesen.

    In "Unterleuten" geht es um das Dorfleben in ebendiesem Dorf. Dabei werden Verstrickungen untereinander, Missstimmung und Missverständnisse immer selbstverständlicher, bis es schließlich zur Eskalation kommt - all das vor angespannter Stimmung, die sich über das ganze Buch aufbaut.

    Trotz der Fülle an Charakteren bin ich wirklich selten durcheinander gekommen, das habe ich auch schon anders erlebt. Jede einzelne Figur hatte so sehr ihren eigenen Charakter, dass man den Hinweis zu Beginn des Kapitels, aus welcher Perspektive nun gerade erzählt wird, häufig gar nicht gebraucht hätte.
    Man (also ich) wollte manchmal schreien, wenn man sah, wie unterschiedlich der gleiche Sachverhalt aus verschiedenen Blickrichtungen bewertet wurde, wie unterschiedlich das Verhalten interpretiert wurde und wie auf diese Weise immer mehr das Gefühl von Anspannung deutlich wurde.

    Was mich allerdings davon abhält, diesen Roman großartig zu finden, was mich beim Lesen immer wieder gehemmt und dafür gesorgt hat, dass ich für "Unterleuten" so viel mehr Zeit gebraucht habe als für viele andere Romane in ähnlicher Länge, das waren ebenfalls die Charaktere: So unterschiedlich sie sind, so extrem sind sie auch. Ich hatte stellenweise das Gefühl, das Dorf Unterleuten sei angefüllt von typischen Vertretern ihrer jeweiligen sozialen Nische, die in jeder Ausprägung stereotyp sind. Extrem fiel mir das bei dem nerdigen Programmierer auf, den ich als völlig überzeichnet empfand (als Mathematikerin kann ich mich mit dem aber halt auch am besten identifizieren).

    Unterleuten, sowohl das Dorf als auch der Roman, steckt so voller Konfliktpotential, weil im Grunde keine Figuren, sondern soziale Gruppen aufeinandertreffen. Das ist als Bild eines ganzen Landes nicht uninteressant, machte es mir aber beinahe unmöglich, emotional involviert zu sein. Und diese emotionale Komponente macht für mich ein richtig gutes Buch einfach aus.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    krimielses avatar
    Willkommen zur Leserunde für die Challenge "SuB-Aufbau mit Niveau" von Buchrättin im August mit "Unterleuten" von Juli Zeh

    Jede/r, die/der mitmachen möchte, ist herzlich willkommen! Ach ja: Es gibt keine Bücher zu gewinnen, wir lesen bitte alle mit eigenem Exemplar.

    Die Abschnittseinteilung habe ich anhand meines eBooks vorgenommen, ich hoffe, die Seitenzahlen stimmen mit der gebundenen Ausgabe überein. Wenn nicht, ändere ich das gerne.

    Jetzt wünsche ich viel Vergnügen in Unterleuten und dem dazu gehörenden Mikrokosmos online
    http://www.unterleuten.de/

    Der Link zur Challenge ist hier:
    https://www.lovelybooks.de/thema/SuB-Aufbau-mit-Niveau-Die-literarische-Runde-2017-1354267593/
    Zur Leserunde
    abas avatar


    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.
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    Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!

    Liest du gerne Bücher mit Niveau?
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    15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.

    Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.
    Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.

    Die Regeln:
    1. Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an.
    2. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts.
    3. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein.
    4. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind!
    Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

    Nimmst du die Herausforderung an?

    Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.
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    TheCoonvor 4 Monaten
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