Juli Zeh Unterleuten

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Inhaltsangabe zu „Unterleuten“ von Juli Zeh

Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh
Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf in Brandenburg wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten. Doch hinter den Fassaden der kleinen Häuser brechen alte Streitigkeiten wieder auf. Und obwohl niemand etwas Böses will, geschieht Schreckliches.
Mit „Unterleuten“ hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?

Ein sehr kurzweiliges Lesevergnügen.

— Book-worm

Ein wunderbar kurzweiliges Buch

— Galladan

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  • Dörfliches Idyll

    Unterleuten

    Giselle74

    11. December 2017 um 11:45

    Unterleuten ist ein fiktives Dorf irgendwo in Brandenburg. Idyllisch gelegen, nicht zu weit entfernt von Berlin. Alteingesessene und nach der Wende Neuzugezogene bilden die Dorfgemeinschaft. Wobei Gemeinschaft hier sicherlich das falsche Wort ist. Und wie in jedem Dorf gibt es Wortführer und Mitläufer, Neuerer und Wahrer des Althergebrachten. Da wären Gerhard Fließ mit Frau Jule, ein ehemaliger Dozent der Humboldt-Universität, der eine seiner Studentinnen geheiratet und in einem Anflug von Lebenserneuerung eine Stelle als Vogelwart angenommen hat, um auf das entschleunigte und unverbrauchte Land zu ziehen. Dann Linda Franzen, ebenfalls neu zugezogen, die mit ihrem Freund eine alte Villa renoviert, ein Pferdemädchen mit etwas naivem Machtwillen. Schaller, der nach einem schweren Unfall sein Leben neu aufbaut und mühsam versucht, seine Vergangenheit zu rekonstruieren. Gombrowski, der Leithengst des Ortes, dessen Eltern vor der Enteignung das Land ringsum gehörte, und der mit Land und Dorf verwachsen, patriarchalisch seine Entscheidungen trifft und durchsetzt. Kron, der ewige Verlierer und Gegenspieler von Gombrowski, ebenso verwurzelt im Dorf. Arne Seidel, Bürgermeister von Gombrowskis Gnaden, der aber sein Bestes für das Dorf zu geben versucht. Und noch weitere Personen, die im Dorfgeflecht größere und kleinere Rollen spielen. Nachdem wir nun also das Personal kennen, brauchen wir einen Stein des Anstoßes, um das Dorf  in Aktion zu erleben: ein geplanter Windpark vor den Toren und zwar in unmittelbarer Sichtweite. Auf dieser Grundlage nun seziert Juli Zeh das Dorfleben, fürchtet dabei kein Klischee und keine Zuspitzung. Sie läßt die Bewohner nacheinander zu Wort kommen und ihre Weltsicht und Meinung kundtun. Dabei schafft sie das eigentlich Unmögliche: jeder Einzelne hat, wenn man seine Sicht der Dinge erst einmal kennt, nachvollziehbare Gründe für sein Handeln, jeder Einzelne hat sympathische Züge und vor allem hat jeder Einzelne seine eigenen blinden Stellen, seine beschönigten Erinnerungen, seine passend verdrehten Tatsachen und Entschuldigungen. Juli Zeh schont ihre Charaktere nicht. Sie zeigt das ganze kleinliche, eigensüchtige, egozentrische Denken der Dorfbewohner, die Versuche, hehre Ideen auf schlicht neidische oder egoistische Handlungen aufzupfropfen, die Versuche, die Vergangenheit dem eigenen Wunschdenken anzupassen und dem Gegenüber als alleinige Wahrheit aufzudrängen, und sie zeigt, dass eine kollektive Erinnerung trotzdem die Summe der Erinnerungssplitter eines jeden Einzelnen ist. Und wer sich dabei an sein eigenes Umfeld erinnert fühlt, hat den Sinn des Romans wohl erkannt. Denn unter Leuten ist man überall, jedes Dorf, jeder Verein, jede Gemeinschaft oder Versammlung funktioniert so. Weil Menschen eben so sind, weil eben jeder seine egoistischen kleinen Ideen gerne mit einem höheren Sinn verbrämt, weil das Gras auf der anderen Seite des Zaunes meistens grüner ist und die Bäume dort mehr Äpfel tragen, weil man selbst gerne am besten weiß, wie die Dinge laufen müssten, damit die Welt ein schönerer Ort ist und ebenso gerne vergisst, dass ein „schönerer Ort“ von jedem anders definiert wird. Neben all dem ist „Unterleuten“ aber auch ein unterhaltsam geschriebener Roman, der trotz seiner immerhin 640 Seiten spannend bleibt bis zum Schluß. Ein Roman, der zwar Klischees nicht scheut, aber niemals auf „Gartenzwerge“-Niveau fällt, der Idylle zwar zeigt, aber nur um sie danach zu dekonstruieren. Ein definitiv lesenswertes Buch für alle, die „Unter Leuten“ leben.

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  • Der LovelyBooks Advent - Buchverlosung bis zum 24.12.2017 zu euren Wunschbüchern

    LovelyBooks Spezial

    Marina_Nordbreze

    Süßer die Bücher nie klingen! Die Plätzchen stehen neben dem liebsten Heißgetränk, im Kerzenschein erstrahlt die Leseecke – Und während wir unsere Wohnung winterlich einrichten, sollte das Bücherregal nicht leer ausgehen. Das ruft nach neuen Büchern, oder?Deswegen freuen wir uns, euch beim LovelyBooks Advent buchige Geschenke machen zu können!Vom 01.12. bis zum 24.12. öffnen wir jeden Tag unser Bücherregal für euch und ihr habt die Chance euch selbst zu beschenken.Am 24.12. entscheidet ihr, welches Buch wir verlosen! Und damit ihr genügend Zeit für die Entscheidung habt, könnt ihr euch bereits jetzt dafür bewerben!Ihr habt ein Buch, welches schon viel zu lange auf eurer Wunschliste steht? Dann verratet uns, welches Buch ihr euch wünscht und mit etwas Glück schenken wir euch genau dieses Buch!Ihr braucht Inspiration? Dann guckt doch bei unserem Geschenkefinder vorbei!Bewerbt euch bis einschließlich 24.12.2017 direkt über den blauen "Jetzt bewerben"-Button und verratet uns euer Wunschbuch! Fünf glückliche Gewinner dürfen sich dann schon bald über Buchpost freuen! Habt ihr eure Wunschbuch über den Geschenkefinder gefunden? Dann freuen wir uns über einen Hinweis dazu in eurem Bewerbungsbeitrag!Mitmachen lohnt sich! Wer an mindestens 10 Verlosungen im LovelyBooks Advent teilnimmt, hat die Chance auf ein riesiges Buchpaket mit allen 24 Büchern aus dem LovelyBooks Advent! Auf der Suche nach Geschenken? Dann guckt direkt bei unserem Geschenkefinder vorbei, um das richtige Geschenk für eure Liebsten zu finden! Bitte beachte vor deine Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen!

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    • 710
    • 24. December 2017 um 23:59
  • Kommunalpolitik extrem ;)

    Unterleuten

    SenfKorn1993

    20. November 2017 um 18:06

    Der Klappentext verrät:Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist.Was für ein Roman! Jeder der sich ein bisschen für Kommunalpolitik interessiert oder auch sich politisch engagiert, kann sich sehr gut in dieses Buch hineinversetzen. Aber nicht nur diese Problematik und wie sie geschildert wird, ist spannend, sondern auch die Konflikt rund um und im Dorf Unterleuten. Die Sprache hat mir auch sehr gut gefallen. Zwar manchmal etwas nüchtern, aber dennoch sehr klar in der Aussage.Alles in Allem mein zweites Jahreshighlight!

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  • Ellbogengesellschaft

    Unterleuten

    Galladan

    09. November 2017 um 17:17

    Unterleuten von Juli Zeh, erschienen im Luchterhand Literaturverlag am 8. März 2016Ein kleines Dorf irgendwo in Brandenburg. Eine wirkliche Idylle für den flüchtigen Besucher. Unterschwellig gärt es. Die Alteingesessenen halten nicht viel von den Zugezogenen, die Zugezogenen haben sich das alles etwas einfacher auf dem Land vorgestellt.Zu dem ganz normalen Kleinkrieg der unter den Bewohnern herrscht, kommt noch richtig eine Schueppe drauf als eine Investmentfirma einen Windpark errichten will. Sofort spaltet sich die Bevölkerung in verschiedene Gruppen und man versucht sich gegenseitig das lukrative Bauvorhaben vor der Nase weg zu schnappen.Juli Zeh ist ein großer Gesellschaftsroman innerhalb kleiner Grenzen gelungen. Zählt der Satz „Das Wohl von Vielen, es wiegt schwerer als das Wohl von Wenigen oder eines Einzelnen.“ im 21. Jahrhundert noch? Ist unsere Spaßgesellschaft noch fähig den Blick über den eigenen Tellerrand zu erheben und das eigene Glück zugunsten Vieler zurück zu stellen? Dabei ist ihr ein herrlich bissiger Roman gelungen. Wenn Literatur doch immer so leicht lesbar, so unterhaltsam und spannend geschrieben würde. Die Protagonisten werden im Laufe des Buchs natürlich ausführlich behandelt und facettenreich beschrieben, nicht immer trügt der erste Eindruck, aber manchmal schon. So hatte ich viele vergnügliche Lesezeit mit diesem Buch, welches ich allen Stadtkindern ans Herz legen möchte bevor ihr aufs Land auswandert und allen Dorfbewohnern um denen zu zeigen, dass die Spinner aus der Stadt sich auch nicht so sehr von euch unterscheiden. Klare Leseempfehlung.

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  • Wir sind ein Teil von jener großen Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft

    Unterleuten

    Leseratt

    29. October 2017 um 17:12

    Zunächst: Das Buch ist genial!Etwas detaillierter: Die Geschichte spielt größtenteils in dem kleinen Dorf Unterleuten in der Nähe von Berlin. Durch ein geplantes, kontroverses Bauvorhaben brechen alte und neue Konflikte wieder auf. "Ureinwohner" und Zugezogene, Wendegewinner und Wendeverlierer, Eltern und Kinder stehen dabei auf verschiedenen Seiten und jeder ist der Meinung, dass er selbst im Recht ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Gewalt ausbricht. Dabei gibt es keine langweilige Gut-Böse-Aufteilung, alles hat zwei Seiten und nichts ist so einfach, wie es zunächst aussieht.Die entstandene Situation und die wichtigsten Figuren mit ihren Ansichten und Handlungen betrachtet man dabei aus verschiedenen Perspektiven, da jedes Kapitel aus der Sicht einer anderen Person geschildert wird. So entstehen vielschichtige und tiefgreifende Charaktere mit Fehlern und Stärken und man fängt an, die eigene Sicht der Dinge zu hinterfragen. Anhand dieses beispielhaften Dorfes betrachtet Juli Zeh menschliche Eigenarten und Ansichten und das Zusammenleben. Damit regt sie zum Nachdenken an und stellt subtil die großen Fragen, ohne jedoch belehrend zu wirken oder den moralischen Zeigefinger zu heben. Sie verurteilt ihre Charaktere und deren Handlungen nicht und scheint keine eigene Ansicht zu haben - sie schildert die Vorkommnisse lediglich aus der Sichtweise der gerade erzählenden Person.Die Perspektivwechsel an strategisch günstigen (oder für den Leser eher ungünstigen) Stellen bauen bald Spannung auf und erzeugen eine Art Sog, sodass man sich immer wieder beim Vorblättern erwischt. Das Ende ist größtenteils überraschend und auf seine Art etwas unheimlich.Spannend ist auch das Spiel mit der Realität; dazu sei an dieser Stelle nur auf das Nachwort und die vielen Internet-Adressen im Buch hingewiesen.Einzige Kritikpunkte: Einige der Figuren sind etwas "extrem" angelegt, sodass ein Zusammenstoß unvermeidlich ist. Stellenweise wirkt das etwas künstlich. Zudem ist es schwierig, sich mit den Figuren zu identifzieren - manchmal scheinen die sich alle gegenseitig so wenig ausstehen zu können, dass man sie selbst nicht mag.Trotzdem kann ich guten Gewissens volle fünf Sterne für dieses interessante, spannende, überraschende, unheimliche,  nachdenkliche, grandiose Buch vergeben!

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  • Unterleuten – ein besonderes Dorf

    Unterleuten

    Penelope1

    13. October 2017 um 22:23

    Inhalt:Unterleuten ist ein kleines, beschauliches Dorf in Brandenburg, weit genug weg von der Stadt, um günstigen – und ruhigen - Wohnraum und Land zu bieten, doch nah genug, um bei Bedarf die Annehmlichkeiten des Stadtlebens genießen zu können. Ideale Bedingungen also, um z.B. ein friedliches und ruhiges Leben mit Familie und Kindern zu führen oder so manchen Traum zu verwirklichen wie z.B. die einer Pferdefarm.Wie gesagt : Eigentlich . Wäre da nicht „Das Tier“ und gäbe es nicht das Projekt „Windpark“. Schaut man genauer hin – und das tut Juli Zeh – lernt man die einzelnen Einwohner näher kennen, sowohl der „Alteingesessenen“, als auch der „Zugezogenen“. Und schon bald ahnt man, dass es mit der erwartenden Idylle nicht weit her ist – es gibt weit mehr Probleme als ein paar Windräder und einen Nachbarn, der mit dem Verbrennen von Altreifen die Luft vergiftet. Die dörfliche Gemeinschaft muss sich beweisen, muss zeigen, ob sie alte – und neue – Feindschaften überwinden kann. Dies ist keine einfache Aufgabe, denn die Vergangenheit und „die Wende“ haben ihre Spuren hinterlassen, das müssen auch die neuen Mitbürger erfahren und aushalten...Meine Meinung:Juli Zeh beschreibt ein -fiktives- Dorf mit fiktiven Menschen – und zieht den Leser gleichzeitig mitten hinein ins teilweise abenteuerliche Dorfleben. Sie beschreibt die Einwohner, ihre jeweiligen Motive, in Unterleuten zu wohnen – und schon bald hat man als Leser ein Straßenbild vor Augen, wer wohnt hier, wer dort, wer ist der Nachbar von diesem oder jenem ? Auch die Beziehungen untereinander werden nach und nach deutlich, alte Fehden, alte Geheimnisse, neue Spannungen. Und als wäre das nicht genug, kommt dann noch die „Operation Windpark“ hinzu, die das Dorf spaltet – Unruhe stiftet, Neid und Misstrauen sät. Ich konnte mich recht gut in die eine oder andere Person und ihre Verhaltensweisen hineinversetzen, in andere wiederum gar nicht – genauso wie im persönlichen Leben. Die Kapitel sind angenehm kurz, spiegeln die Situationen aus der Sicht jeweils eines oder mehrerer Bewohner und geben somit einen prägnanten Einblick in die Hintergründe, sodass man nach und nach immer mehr zu verstehen scheint... Die Autorin versteht es, sogar die Stimmung der Charaktere in die einzelnen Leseabschnitte zu übertragen, d.h. Eine lebhafte Linda sorgt dafür, dass man diese Passagen quasi genauso lebhaft sprich schnell liest, während eine ruhige Person auch eine Beruhigung des Leseflusses fördert. Insgesamt empfand ich dieses Buch und den Schreibstil spannend und die recht kurzen Kapitel sorgten dafür, dass ich immer wieder dachte: „Nur noch eins, dann lege ich es beiseite“. Vielleicht liegt die Magie der Geschichte darin, dass die Bewohner und das Dorf Unterleuten so „real“ erscheinen, einige Personen natürlich auch etwas übertrieben oder gar „abgedreht“, aber so ist es doch auch im „echten Leben“, auch wenn wir es oft nicht wahrhaben wollen. Umso mehr kann man also „mitreden“, mitfühlen und lesen, wie sich Personen und Windpark weiterentwickeln, Überraschungen und Cliffhänger eingeschlossen. Eine Mischung quasi aus Gesellschaftsroman und kleinem Krimi.Fazit: „Unterleuten“ beschreibt auf anschauliche Weise ein kleines Dort mit völlig unterschiedlichen Menschen, die sich anhand eines gemeinsamen Projektes miteinander auseinandersetzen müssen – ob sie wollen oder nicht. Flüssig zu lesen, unterhaltsam und dabei spannend – empfehlenswert also !

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  • Vom (Über)Leben auf dem Land

    Unterleuten

    ulrikerabe

    11. October 2017 um 16:02

    Unterleuten ist eine Gemeinde, nur etwa ein Fahrstunde von Berlin entfernt. Auf den ersten Blick wirkt das Dorf unbedeutend und beschaulich, bei näherer Betrachtung trügt jedoch der Eindruck. Hier sind alle versammelt, die Alteingesessenen, die Ewiggestrigen, die selbsternannten Heilsbringer, die Zugezogenen, die Weltverbesserer, Spekulanten, Intriganten. Als in dem Dorf ein Windräderprojekt errichtet werden soll, schlagen die Emotionen hoch, Seilschaften werden gebildet, alte Feindschaften wiederbelebt, neue Freundschaften gebildet. In diesem Dorf möchte ich niemandem den Rücken zudrehen, es wird paktiert, versprochen, gelogen, gedroht.  Bis die Situation in einem recht unerwarteten Ende eskaliert. Mit ihrer begnadeten Beobachtungsgabe und scharfzüngigen Sprache hat Juli Zeh ein großartiges Sittenbild gezeichnet. Die Hauptprotagonisten erhalten in jedem Kapitel eine Stimme. Die Sympathie für oder Antipathie gegen die Personen dreht und wendet sich oft nach neuer Perspektive. Ich liebte das Bild der Windräder, den quijotemäßige Kampf dagegen, die windigen Typen, das Fähnchen in den Wind hängen. Schonungslos mokiert sich die Autorin gegen das unsägliche Neusprech, erfindet einen NLP Guru, den man sogar für echt halten könnte. Das Buch jedenfalls hat mich bestens unterhalten, es bestärkt wohl alle Misanthropen und Heile-Welt-Verweigerer, nie, niemals aufs Land ziehen zu wollen.

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    • 2
  • Rezension zu "Unterleuten" von Juli Zeh

    Unterleuten

    aba

    Grausam und rachsüchtigWährend des Lesens von "Unterleuten" von Juli Zeh habe ich mir oft gedacht: "Hoffentlich lesen meine bösen Nachbarn dieses Buch nicht!". Sie würden nämlich auf super Ideen kommen, um mich zu quälen. Dieses Buch, dessen Romanfiguren hauptsächlich damit beschäftigt sind, sich miteinander zu bekriegen und sich das Leben unmöglich zu machen, ist eine wahre Anleitung zur erfolgreichen Tortur von Nachbarn.Unterleuten ist ein kleines Dorf, in dem sich alle kennen, und in dem neue Bewohner so eine Art Mutprobe durchlaufen müssen (davon merken sie auch nichts), um sich so ihr Recht zu erkämpfen und verdienen, würdige Unterleutner zu sein. Das Sagen hat der Dorf-Häuptling, der alle Geheimnisse kennt und alle Fäden in der Hand hält. Juli Zeh beleuchtet Unterleuten und dessen Bewohner aus unterschiedlichen Perspektiven. Jeder kommt zu Wort, jeder zeigt sein eigenes Elend und relativiert somit das Elend der anderen. Die Gefühle der Leser schwanken dadurch, die Sympathie, die man anfangs für jemanden empfunden hat, verwandelt sich im nächsten Kapitel in Mitleid oder Abneigung.Das Ende ist eine große Überraschung, gleichzeitig das einzig denkbare Ende für diese Geschichte: grausam und rachsüchtig. Das war der Tenor des Romans."Unterleuten" zu lesen hat Spaß gemacht. Es ist eine gute Geschichte mit guten Dialogen, brisanten Konflikten und einem unerwarteten Ende. Ab und zu, vor allem im letzten Drittel, ließ die Spannung etwas nach, trotzdem hat sich die Lektüre gelohnt.Wer Lust auf Landleben hat, bei dem man Harmonie und Bukolik in der Lust spürt, sollte lieber nicht Unterleuten besuchen, noch weniger sollte es als Wohnsitz auswählen.Darüber zu lesen ist aber viel besser!

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    • 4
  • Die dörfliche Idylle trügt

    Unterleuten

    gst

    12. September 2017 um 14:58

    „Für Kathrin waren die Abende Zeiten des Glücks. Sie liebte Bücher, besonders Romane , und unter Romanen vor allem die dicken. In allen Büchern, die Kathrin kannte, war die Welt auf wunderbare Weise in Ordnung. Selbst wenn das Leben der Figuren auf katastrophale Weise schief ging, selbst wenn nach allen Regeln der Kunst gequält und gelitten wurde, so besaßen Qual und Leiden doch immer einen Sinn, und wenn keinen Sinn, dann immerhin Zusammenhang und folglich Bedeutung.“ (Seite 355) Ich bin überzeugt davon, dass Kathrin dieser Roman gefallen hätte. Er ist über 600 Seiten dick, und zumindest anfangs hat man das Gefühl, dass die Welt in diesem kleinen brandenburgischen Dorf in Ordnung ist. Erst nach und nach erschließt sich die Wirklichkeit und der Leser entdeckt, wie Intrigen die Menschen quälen und leiden lassen. Juli Zeh erzählt mit herrlicher Ironie von Menschen, die ihre Träume leben wollen und von anderen daran gehindert werden. Gelungen fand ich die Einführung der Figuren, die nach und nach stattfindet, so dass der Leser nicht von allen gleichzeitig überfallen wird. Auch das Zusammenspiel der (neuen und alten) Dorfbewohner entwickelt sich langsam und nachvollziehbar. Erinnerungen an das Leben in der DDR zeigen deutlich, wie sich die Welt für die Alteingesessenen verändert hat, obwohl der eine oder andere mühsam versucht, alte Strukturen aufrecht zu erhalten.„Zugezogene begriffen nicht, dass der Weltuntergang hier bereits stattgefunden hatte. Mehrmals. Durch die Bomben des zweiten Weltkriegs, die bei schlechtem Wetter wahllos über dem Berliner Umland abgeworfen wurden. Durch Rot-Armisten während des Vormarsches auf die Hauptstadt. Durch die Ankunft der Vertriebenen aus Ostpreußen, die sich auf Scheunen, Ställe und halb zerstörte Häuser verteilten. Durch die Errichtung der Mauer und durch das Einreißen der Mauer.“ (Seite 613)Leider hat meine Begeisterung für diesen Roman nicht bis zum Schluss angehalten. Manches wurde mir zu weitschweifig erzählt, so dass meine Konzentration auf das dörfliche Geschehen in der zweiten Hälfte des Buches deutlich nachließ. Aus diesem Grund vergebe ich auch nur 3 Sterne. 

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    • 10
  • Leserunde zu "Unterleuten" von Juli Zeh

    Unterleuten

    krimielse

    Willkommen zur Leserunde für die Challenge "SuB-Aufbau mit Niveau" von Buchrättin im August mit "Unterleuten" von Juli Zeh Jede/r, die/der mitmachen möchte, ist herzlich willkommen! Ach ja: Es gibt keine Bücher zu gewinnen, wir lesen bitte alle mit eigenem Exemplar. Die Abschnittseinteilung habe ich anhand meines eBooks vorgenommen, ich hoffe, die Seitenzahlen stimmen mit der gebundenen Ausgabe überein. Wenn nicht, ändere ich das gerne. Jetzt wünsche ich viel Vergnügen in Unterleuten und dem dazu gehörenden Mikrokosmos online http://www.unterleuten.de/ Der Link zur Challenge ist hier: https://www.lovelybooks.de/thema/SuB-Aufbau-mit-Niveau-Die-literarische-Runde-2017-1354267593/

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    • 217
  • Ein Dorf und seine Bewohner sagen sich den Kampf an

    Unterleuten

    Filzblume

    29. August 2017 um 17:52

    Lange stand das Buch im SuB und nun habe ich es im Rahmen einer Leserunde lesen und diskutieren können. Das fiktive kleine Dorf Unterleuten, in Brandenburg, ist Schauplatz von Tratsch, Intrigen, Lügen, und vor allem Selbstbetrug. Das Dorf und seine Mitbewohner, ortsansässige und Zugezogene müssen sich mit den Problemen der heutigen Gesellschaft auseinandersetzen. Das Projekt „Windpark“ spaltet das Dorf und seine Bewohner zerstört Pläne der Stadtflüchter, die denken, das sie Anrecht auf eine Landidylle haben, so wie sie es aus Magazinen kennen. Doch die Realität in Unterleuten, wo ein seltener Vogel der „Kampfläufer“ lebt, sich keine Gehwege befinden, jedes Haus eine Klärgrube hat, sich Seilschaften aus DDR- Zeiten durch den Kapitalismus ziehen, sieht anders aus. Dieser Roman bietet eine Vielzahl an Personen, die im Dorf leben, jeder mit seinen Eigenheiten, seiner Vergangenheit und seinen Träumen. Diese werden von der Autorin meisterhaft, psychologisch in das Geschehen gebracht.  Ich verstehe den Roman als gesellschaftskritisch, jedoch nicht bis zum Ende. Hierhätte ich mir für die Personen eine andere Zukunft gewünscht. Ein lesenswerter Roman. Es gibt wirklich sehr gute Zitate, viele davon treffen den Nerv der Zeit. „Wenn ich in Unterleuten eins gelernt habe, dann dass jeder Mensch ein eigenes Universum bewohnt, in dem er von morgens bis abends recht hat.“ ….“und Menschen, die den lieben langen Tag auf ihre Smartphones starrten, um jene ungesunde Mischung aus Panik und Langeweile nicht zu spüren, die für den aktuellen Zeitgeist typisch war.“ Wer kennt sie nicht und sieht sie täglich auf das Handy starren?Ich hätte mir eine Liste der Personen gewünscht, die im Roman mitgespielt haben.Diese habe ich mir dann angelegt, um anfangs den Überblick zu behalten.

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  • Unterleuten von Juli Zeh

    Unterleuten

    consoul

    21. August 2017 um 14:51

    Ich gebe es zu, obwohl das Buch vom Stil her gut zu mir passt und angenehm zu lesen war, brauchte ich doch erheblich lange, um wirklich voranzukommen. Immer wieder habe ich andere Bücher dazwischen geschoben und mal pausiert. Aber nun habe ich "Unterleuten" von Juli Zeh beendet und muss sagen: ein tolles Buch, das aus sehr unterschiedlichen Perspektiven eine Geschichte über gewinnende Verlierer und verlorene Gewinner erzählt. Es geht um Wendegewinner und -verlierer, es geht um Liebe und Macht, es geht um Spießigkeit und Kleingeistigkeit, es geht um Menschen. Da gab es diejenigen, die ich lieben und hassen und dann wieder lieben konnte und dann auch die, die mir von Anfang an unsympathisch waren. Einfach gut. Juli Zeh ist es gelungen, eine Geschichte zu erzählen, obwohl jedes Kapitel von einer anderen Person erzählt wird. Das ist wirklich beeindruckend gewesen und machte den Roman facettenreich. Zugegebenermaßen war ich über den Epilog sehr dankbar. Ich empfehle dieses Buch allen, die Gesellschaftsstudien spannend finden, die sich für Intrigen, Dorfklatsch und olle Kamellen begeistern können und die einmal ostdeutsche Landluft schnuppern wollen.Von mir gibt es 4 von 5 Sternen, weil das Buch doch etwas brauchte, um an Fahrt aufzunehmen, aber das ist Nörgeln auf hohem Niveau."Wenn ich in Unterleuten eins gelernt habe, dann dass jeder Mensch ein eigenes Universum bewohnt, in dem er von morgens bis abends recht hat." (Zitat, Seite 555)

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1926
  • [Kurzrezension] Unterleuten von Juli Zeh

    Unterleuten

    ZeilenSprung

    20. August 2017 um 12:51

    Diese Rezension wurde von Saskia auf ZeilenSprung - Literatur erleben verfasst.PRODUKTDETAILS:Titel: UnterleutenReihe: -Autor: Juli ZehGelesene Sprache: DeutschGenre: RomanHerausgeber: Luchterhand VerlagErscheinungstermin: 08. März 2016ISBN: 978-3-630-87487-6Format: HardcoverPreis: EUR 24,99PRODUKTINFORMATIONEN:Kurzbeschreibung:Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist …Der Verlag über das Buch:Mit „Unterleuten“ hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?Über die Autorin:Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre preisgekrönten Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman "Unterleuten" (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.DIE BEWERTUNGMeinung:Mit beeindruckendem Detailreichtum erzählt die Autorin amüsant und sehr komplex von den Eigenheiten der menschlichen Psyche!Kurzrezension:Als bekennende Juli Zeh Verehrerin war dieser Roman ein Fest, aber auch gleichzeitig sehr herausfordernd für mich. Dieser Roman wird oft als Gesellschaftsroman verstanden, aber ich finde, er ist gleichzeitig mehr und weniger davon. Dieser Roman zeigt nicht nur gegenwärtige gesellschaftliche Brüche auf, sondern viel mehr die Grundzüge aller menschlicher Existenz.Das Cover ist sehr zurückhaltend gestaltet, nur ein Vogel ist zu sehen, während dem Namen der Autorin sowie dem Titel deutlich mehr Präsenz zukommt. Der Vogel ist eine Andeutung auf den Vogelschutzbund, der Titel wird in Großbuchstaben auf zwei Zeilen präsentiert. Hier lässt sich noch nicht erkennen, ob es sich um zwei oder nur ein Wort handelt. Dass es um ein zusammengesetztes Wort und ein Dorf geht, kann der unwissende Leser erst auf den ersten Seiten des Buches erfahren.Unglaublich beeindruckend an dem Buch ist, wie Juli Zeh es schafft, ihre Figuren so lebendig sein und agieren zu lassen. Alle Protagonisten der Handlung haben Geheimnisse, die sie verstecken, Probleme, die sie nicht wahrhaben wollen und Schwierigkeiten, die an die Oberfläche gelangen, als der Konflikt im Dorf Gestalt in Form von einem erst entstehenden Windpark annimmt. Zeh stellt die brachiale Gewalt der Emotionen in den Raum, sodass von Beginn an klar ist, es muss auf eine gewalttätige Eskalation folgen. Und der Leser wird dabei nicht enttäuscht.Das Buch ist sehr überlegt aufgebaut und die einzelnen Kapitel sowie die Perspektivwechsel tragen dazu bei, dass die schwelenden Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden können. Wie auf dem Seziertisch verfolgt man die Figuren mit ihren eigennützigen Plänen und ahnt bereits, wie diese Egozentrik Unterleuten zum Untergang verdammt.Die Perspektivwechsel sind die Grundlage für die unglaubliche Sogwirkung des Romans. Je mehr Personen für sich sprechen, desto interessanter wird die Handlung. Es ist wie ein Puzzle, welches der Leser zusammensetzen soll. Gleichzeitig spielen diese Perspektivwechsel mit den Erwartungen des Lesers. An einigen Stellen erfährt er, etwas Wichtiges, wenn eine Figur spricht, an anderer Stelle, wenn sie nicht mehr spricht und „abgeht“, wird ihm Wissen verweigert.Trotz der auktorialen Erzählerin, die erst zum Ende hin als Figur eingeführt wird und somit als Chronistin der Handlung dient, sind die einzelnen Perspektiven extrem subjektiv. Dadurch werden in dem als großen Gesellschaftsroman weniger Fragen beantwortet als aufgeworfen. Zudem spielt der Roman mit den Grenzen von Imagination und Realität, denn all unsere Handlungen gründen schließlich auf Imagination, wie all die Figuren im Roman beweisen.Sprachlich gesehen bleibt Unterleuten eher hinter Zehs anderen Werken zurück. Das liegt vor allem an dem schnellen Tempo des Geschehens und der Sätze selbst. Alles ist auf den überspitzten Konflikt hin komponiert, die Sprache ist glatt und liest sich schnell und ohne Stolperfallen. Sie ist so gut durchkomponiert, dass es immer weitergehen muss bis zum unweigerlichen Cliffhänger des Kapitels. Ein Spiel mit realer Lesezeit und imaginierter Zeitwahrnehmung im Handlungsgeschehen.Um das Ganze noch auf die Spitze zu treiben, entstand eine Homepage, die sich mit genau dem Thema Metafiktion beschäftigt. Hier werden der Roman, das Dorf und die Menschen darin vorgestellt. Zudem gibt es echte Internetadressen der Buchinhalte wie beispielsweise der Internetauftritt des Vogelschutzbunds aus Unterleuten. Ein Phänomen, welches nicht so häufig bei Gesellschaftsromanen oder belletristischen, dafür aber bei publikumswirksamen Büchern umso verbreiteter ist. Hier spiegelt sich die Realität in der Fiktion und umgekehrt. Wessen Egozentrik liegt dann eigentlich auf dem Seziertisch?Fazit:„Unterleuten“ zu lesen macht trotz der schnelllebigen Sprache richtig Spaß. Gleichzeitig bringt es den Leser zum Nachdenken und versucht ihn zu fragen, was die wichtigen Dinge und Fragen im Leben sind. Denn Zeh zeigt sehr offen durch ihre handelnden Figuren, wie unsere Zeit, unsere Gesellschaft gestrickt ist.Ein Lesevergnügen, das 4,5/5,0 Punkten verdient.An dieser Stelle bedanke ich mich bei der Verlagsgruppe Random House, für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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  • Ein Geschichte, die sich immer mehr steigert und in deren Strudel der Leser gefangen wird.

    Unterleuten

    Buchraettin

    18. August 2017 um 08:39

    Ein Dorf. In der Nähe von Berlin. Figuren, die in dieser Geschichte zum Leben erweckt werden und immer mehr an Tiefe einnehmen.Es ist mein erstes Buch der Autorin und ich war begeistert, wie realistisch die Figuren aufgebaut werden und welche Tiefe sie in der Erzählung erreichen. Was mir fehlte, war eine Personenübersicht, das hätte ich schon gern im Buch gehabt, auch die Homepage wirklich toll gestaltet finde, die es zum Buch und dem Dorf gibt.Gut gefallen hat mir, das in jedem Kapitel Personen/ Figuren vorgestellt werden. Ich bekomme ein Bild von ihnen, ihrem Leben im Dorf, ein wenig werden die Zusammenhänge klar, mit dieses Dorf und seine Bewohner verknüpft sind. Sympathien bilden sich bei mir als Leser. Das gefällt mir sehr gut, wenn ein Buch und seine Geschichte es schafft, bei mir Emotionen zu wecken. Dann wechselt das Kapitel und eine neue Figur erscheint. Wieder werden aber auch die anderen Figuren, die schon vorgestellt wurden, Thema und es wird klar, dass sie nicht nur positive Seiten haben, sondern auch eine Art Verknüpfung bilden mit den anderen Figuren und auch ihr Verhalten nicht nur positiv und sympathisch ist. Mir gefallen die vielen verschiedenen Seiten, die die Figuren hier haben, Auch bei mir als Leser bewirkt das ein Wechselspiel zwischen Sympathie und Ablehnung. Das ist wirklich sehr gelungen.Der Stil ist flüssig zu lesen. Es klingt auch Kritik an der Gesellschaft, Vergangenheit an. Probleme von Dörfern werden angesprochen, ebenso wie dunkle Geheimnisse in der Vergangenheit. Es ist wirklich fesselnd zu lesen, da ich als Leser immer mehr in dieses Dorfleben und seine Geheimnisse und Verknüpfungen eintauchen kann. Die Kapitel enden auch meistens so, dass ich als Leser unbedingt weiter lesen möchte, um zu erfahren, was steckt da noch dahinter. Ich muss auch sagen, im Laufe des Buches gleicht die Geschichte immer mehr einer Art Krimi. Verdächtigungen, Zweifel werden gesät, der Leser gerät mit in diesen Strudel und wird da hineingezogen und ich wollte unbedingt wissen, wie wird das enden. Ein Buch zum Verschlingen mit einer fesselnden Geschichte und sich immer wieder verändernden Figuren. Ein Geschichte, die sich immer mehr steigert und in deren Strudel der Leser gefangen wird.

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