Juli Zeh Unterleuten

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Inhaltsangabe zu „Unterleuten“ von Juli Zeh

Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist … Mit „Unterleuten“ hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?

Mit beeindruckendem Detailreichtum erzählt die Autorin amüsant und sehr komplex von den Eigenheiten der menschlichen Psyche!

— ZeilenSprung
ZeilenSprung

Ein Geschichte, die sich immer mehr steigert und in deren Strudel der Leser gefangen wird-geniale Figurengestaltung- absolute Leseempfehlung

— Buchraettin
Buchraettin

Ein sehr ironisches und in seiner Authentizität schon etwas beängstigendes Porträt eines Dorfes und seiner Bewohner. Sehr gelungen!

— Code-between-lines
Code-between-lines

Ich habe mich lange nicht mehr so unterhalten gefühlt. Ganz großes Kino!

— Nimmer_Satt
Nimmer_Satt

Wahnsinnig faszinierender Roman über ein ganz normales Dorf und die Machenschaften darin! Genial!

— Mari08
Mari08

Einfach nur "Wow". Eine beeindruckende Geschichte.

— swanny
swanny

Ich war ganze 600 Seiten in Unterleuten und ich war sehr traurig es wieder verlassen zu müssen. Ein wunderbares Buch. Sehr gut geschrieben !

— Cinderella11k
Cinderella11k

Großartiger Blick auf die Gesellschaft anhand des Mikrokosmos eines winzigen Dorfes

— Lilith79
Lilith79

Landleben ist nicht immer idyllisch und schöne Sprache beschreibt nicht immer schöne Dinge.

— Nina2401
Nina2401

An den Windrädern kumuliert sich das dörfliche Chaos, winkt mit finanziellem Segen für den einen und überrollt den anderen. Lesen!

— fluffywordsblog
fluffywordsblog

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  • Unterleuten von Juli Zeh

    Unterleuten
    consoul

    consoul

    21. August 2017 um 14:51

    Ich gebe es zu, obwohl das Buch vom Stil her gut zu mir passt und angenehm zu lesen war, brauchte ich doch erheblich lange, um wirklich voranzukommen. Immer wieder habe ich andere Bücher dazwischen geschoben und mal pausiert. Aber nun habe ich "Unterleuten" von Juli Zeh beendet und muss sagen: ein tolles Buch, das aus sehr unterschiedlichen Perspektiven eine Geschichte über gewinnende Verlierer und verlorene Gewinner erzählt. Es geht um Wendegewinner und -verlierer, es geht um Liebe und Macht, es geht um Spießigkeit und Kleingeistigkeit, es geht um Menschen. Da gab es diejenigen, die ich lieben und hassen und dann wieder lieben konnte und dann auch die, die mir von Anfang an unsympathisch waren. Einfach gut. Juli Zeh ist es gelungen, eine Geschichte zu erzählen, obwohl jedes Kapitel von einer anderen Person erzählt wird. Das ist wirklich beeindruckend gewesen und machte den Roman facettenreich. Zugegebenermaßen war ich über den Epilog sehr dankbar. Ich empfehle dieses Buch allen, die Gesellschaftsstudien spannend finden, die sich für Intrigen, Dorfklatsch und olle Kamellen begeistern können und die einmal ostdeutsche Landluft schnuppern wollen.Von mir gibt es 4 von 5 Sternen, weil das Buch doch etwas brauchte, um an Fahrt aufzunehmen, aber das ist Nörgeln auf hohem Niveau."Wenn ich in Unterleuten eins gelernt habe, dann dass jeder Mensch ein eigenes Universum bewohnt, in dem er von morgens bis abends recht hat." (Zitat, Seite 555)

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareen anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesmuqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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  • Leserunde zu "Unterleuten" von Juli Zeh

    Unterleuten
    krimielse

    krimielse

    Willkommen zur Leserunde für die Challenge "SuB-Aufbau mit Niveau" von Buchrättin im August mit "Unterleuten" von Juli Zeh Jede/r, die/der mitmachen möchte, ist herzlich willkommen! Ach ja: Es gibt keine Bücher zu gewinnen, wir lesen bitte alle mit eigenem Exemplar. Die Abschnittseinteilung habe ich anhand meines eBooks vorgenommen, ich hoffe, die Seitenzahlen stimmen mit der gebundenen Ausgabe überein. Wenn nicht, ändere ich das gerne. Jetzt wünsche ich viel Vergnügen in Unterleuten und dem dazu gehörenden Mikrokosmos online http://www.unterleuten.de/ Der Link zur Challenge ist hier: https://www.lovelybooks.de/thema/SuB-Aufbau-mit-Niveau-Die-literarische-Runde-2017-1354267593/

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    • 159
    aba

    aba

    20. August 2017 um 13:33
    Buchraettin schreibt Jule ist auch nicht so gegen die Windräder.“ Ich bin ein Tal von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft“ S. 328.

    Na ja, sie ist gegen nichts, sie ist auch nur für nichts. Sie möchte in Ruhe mit ihrem Baby sein. Das Goethe-Zitat bezieht sich aber auf Gombrowski.

  • [Kurzrezension] Unterleuten von Juli Zeh

    Unterleuten
    ZeilenSprung

    ZeilenSprung

    20. August 2017 um 12:51

    Diese Rezension wurde von Saskia auf ZeilenSprung - Literatur erleben verfasst.PRODUKTDETAILS:Titel: UnterleutenReihe: -Autor: Juli ZehGelesene Sprache: DeutschGenre: RomanHerausgeber: Luchterhand VerlagErscheinungstermin: 08. März 2016ISBN: 978-3-630-87487-6Format: HardcoverPreis: EUR 24,99PRODUKTINFORMATIONEN:Kurzbeschreibung:Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist …Der Verlag über das Buch:Mit „Unterleuten“ hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?Über die Autorin:Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre preisgekrönten Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman "Unterleuten" (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.DIE BEWERTUNGMeinung:Mit beeindruckendem Detailreichtum erzählt die Autorin amüsant und sehr komplex von den Eigenheiten der menschlichen Psyche!Kurzrezension:Als bekennende Juli Zeh Verehrerin war dieser Roman ein Fest, aber auch gleichzeitig sehr herausfordernd für mich. Dieser Roman wird oft als Gesellschaftsroman verstanden, aber ich finde, er ist gleichzeitig mehr und weniger davon. Dieser Roman zeigt nicht nur gegenwärtige gesellschaftliche Brüche auf, sondern viel mehr die Grundzüge aller menschlicher Existenz.Das Cover ist sehr zurückhaltend gestaltet, nur ein Vogel ist zu sehen, während dem Namen der Autorin sowie dem Titel deutlich mehr Präsenz zukommt. Der Vogel ist eine Andeutung auf den Vogelschutzbund, der Titel wird in Großbuchstaben auf zwei Zeilen präsentiert. Hier lässt sich noch nicht erkennen, ob es sich um zwei oder nur ein Wort handelt. Dass es um ein zusammengesetztes Wort und ein Dorf geht, kann der unwissende Leser erst auf den ersten Seiten des Buches erfahren.Unglaublich beeindruckend an dem Buch ist, wie Juli Zeh es schafft, ihre Figuren so lebendig sein und agieren zu lassen. Alle Protagonisten der Handlung haben Geheimnisse, die sie verstecken, Probleme, die sie nicht wahrhaben wollen und Schwierigkeiten, die an die Oberfläche gelangen, als der Konflikt im Dorf Gestalt in Form von einem erst entstehenden Windpark annimmt. Zeh stellt die brachiale Gewalt der Emotionen in den Raum, sodass von Beginn an klar ist, es muss auf eine gewalttätige Eskalation folgen. Und der Leser wird dabei nicht enttäuscht.Das Buch ist sehr überlegt aufgebaut und die einzelnen Kapitel sowie die Perspektivwechsel tragen dazu bei, dass die schwelenden Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden können. Wie auf dem Seziertisch verfolgt man die Figuren mit ihren eigennützigen Plänen und ahnt bereits, wie diese Egozentrik Unterleuten zum Untergang verdammt.Die Perspektivwechsel sind die Grundlage für die unglaubliche Sogwirkung des Romans. Je mehr Personen für sich sprechen, desto interessanter wird die Handlung. Es ist wie ein Puzzle, welches der Leser zusammensetzen soll. Gleichzeitig spielen diese Perspektivwechsel mit den Erwartungen des Lesers. An einigen Stellen erfährt er, etwas Wichtiges, wenn eine Figur spricht, an anderer Stelle, wenn sie nicht mehr spricht und „abgeht“, wird ihm Wissen verweigert.Trotz der auktorialen Erzählerin, die erst zum Ende hin als Figur eingeführt wird und somit als Chronistin der Handlung dient, sind die einzelnen Perspektiven extrem subjektiv. Dadurch werden in dem als großen Gesellschaftsroman weniger Fragen beantwortet als aufgeworfen. Zudem spielt der Roman mit den Grenzen von Imagination und Realität, denn all unsere Handlungen gründen schließlich auf Imagination, wie all die Figuren im Roman beweisen.Sprachlich gesehen bleibt Unterleuten eher hinter Zehs anderen Werken zurück. Das liegt vor allem an dem schnellen Tempo des Geschehens und der Sätze selbst. Alles ist auf den überspitzten Konflikt hin komponiert, die Sprache ist glatt und liest sich schnell und ohne Stolperfallen. Sie ist so gut durchkomponiert, dass es immer weitergehen muss bis zum unweigerlichen Cliffhänger des Kapitels. Ein Spiel mit realer Lesezeit und imaginierter Zeitwahrnehmung im Handlungsgeschehen.Um das Ganze noch auf die Spitze zu treiben, entstand eine Homepage, die sich mit genau dem Thema Metafiktion beschäftigt. Hier werden der Roman, das Dorf und die Menschen darin vorgestellt. Zudem gibt es echte Internetadressen der Buchinhalte wie beispielsweise der Internetauftritt des Vogelschutzbunds aus Unterleuten. Ein Phänomen, welches nicht so häufig bei Gesellschaftsromanen oder belletristischen, dafür aber bei publikumswirksamen Büchern umso verbreiteter ist. Hier spiegelt sich die Realität in der Fiktion und umgekehrt. Wessen Egozentrik liegt dann eigentlich auf dem Seziertisch?Fazit:„Unterleuten“ zu lesen macht trotz der schnelllebigen Sprache richtig Spaß. Gleichzeitig bringt es den Leser zum Nachdenken und versucht ihn zu fragen, was die wichtigen Dinge und Fragen im Leben sind. Denn Zeh zeigt sehr offen durch ihre handelnden Figuren, wie unsere Zeit, unsere Gesellschaft gestrickt ist.Ein Lesevergnügen, das 4,5/5,0 Punkten verdient.An dieser Stelle bedanke ich mich bei der Verlagsgruppe Random House, für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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  • Ein Geschichte, die sich immer mehr steigert und in deren Strudel der Leser gefangen wird.

    Unterleuten
    Buchraettin

    Buchraettin

    18. August 2017 um 08:39

    Ein Dorf. In der Nähe von Berlin. Figuren, die in dieser Geschichte zum Leben erweckt werden und immer mehr an Tiefe einnehmen.Es ist mein erstes Buch der Autorin und ich war begeistert, wie realistisch die Figuren aufgebaut werden und welche Tiefe sie in der Erzählung erreichen. Was mir fehlte, war eine Personenübersicht, das hätte ich schon gern im Buch gehabt, auch die Homepage wirklich toll gestaltet finde, die es zum Buch und dem Dorf gibt.Gut gefallen hat mir, das in jedem Kapitel Personen/ Figuren vorgestellt werden. Ich bekomme ein Bild von ihnen, ihrem Leben im Dorf, ein wenig werden die Zusammenhänge klar, mit dieses Dorf und seine Bewohner verknüpft sind. Sympathien bilden sich bei mir als Leser. Das gefällt mir sehr gut, wenn ein Buch und seine Geschichte es schafft, bei mir Emotionen zu wecken. Dann wechselt das Kapitel und eine neue Figur erscheint. Wieder werden aber auch die anderen Figuren, die schon vorgestellt wurden, Thema und es wird klar, dass sie nicht nur positive Seiten haben, sondern auch eine Art Verknüpfung bilden mit den anderen Figuren und auch ihr Verhalten nicht nur positiv und sympathisch ist. Mir gefallen die vielen verschiedenen Seiten, die die Figuren hier haben, Auch bei mir als Leser bewirkt das ein Wechselspiel zwischen Sympathie und Ablehnung. Das ist wirklich sehr gelungen.Der Stil ist flüssig zu lesen. Es klingt auch Kritik an der Gesellschaft, Vergangenheit an. Probleme von Dörfern werden angesprochen, ebenso wie dunkle Geheimnisse in der Vergangenheit. Es ist wirklich fesselnd zu lesen, da ich als Leser immer mehr in dieses Dorfleben und seine Geheimnisse und Verknüpfungen eintauchen kann. Die Kapitel enden auch meistens so, dass ich als Leser unbedingt weiter lesen möchte, um zu erfahren, was steckt da noch dahinter. Ich muss auch sagen, im Laufe des Buches gleicht die Geschichte immer mehr einer Art Krimi. Verdächtigungen, Zweifel werden gesät, der Leser gerät mit in diesen Strudel und wird da hineingezogen und ich wollte unbedingt wissen, wie wird das enden. Ein Buch zum Verschlingen mit einer fesselnden Geschichte und sich immer wieder verändernden Figuren. Ein Geschichte, die sich immer mehr steigert und in deren Strudel der Leser gefangen wird.

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht
    GrOtEsQuE

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 18.08.2017: _Jassi                                           ---  73 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   208,5 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   81 Punkte Bellis-Perennis                          ---  564 Punkte Beust                                          ---   260 Punkte Bibliomania                               ---   184 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  350 Punkte ChattysBuecherblog                --- 210 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   103,5 Punkte Code-between-lines                ---  127 Punkte eilatan123                                 ---   46 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   109 Punkte Frenx51                                     ---  72,5 Punkte glanzente                                  ---   75 Punkte GrOtEsQuE                               ---   78 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   135 Punkte Hortensia13                             ---   113 Punkte Igelchen                                    ---   21 Punkte Igelmanu66                              ---  151 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    79 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   105 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte katha_strophe                        ---   53 Punkte Kattii                                         ---   77 Punkte Katykate                                  ---   94 Punkte Kerdie                                      ---   190 Punkte Kleine1984                              ---   130 Punkte Kuhni77                                   ---   105 Punkte KymLuca                                  ---   100 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   211 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   190 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   82 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  52 Punkte mistellor                                   ---   149 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  115 Punkte Nelebooks                               ---  183 Punkte niknak                                       ----  268 Punkte nordfrau                                   ---   97 Punkte PMelittaM                                 ---   180 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   93 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   48 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 57 PunkteSandkuchen                              ---   172 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   153 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   245 Punkte SomeBody                                ---   157,5 Punkte Sommerleser                           ---   168 Punkte StefanieFreigericht                  ---   190,5 Punkte tlow                                            ---   135 Punkte Veritas666                                 ---   117 Punkteverruecktnachbuechern         ---   34 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   64 Punkte Wolly                                          ---   163 Punkte Yolande                                       --   150 Punkte

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  • Unterleuten, ein Dorf, dessen Bewohner die Nerven verlieren

    Unterleuten
    Nimmer_Satt

    Nimmer_Satt

    04. August 2017 um 13:47
  • Großartiger Blick auf die Gesellschaft anhand des Mikrokosmos eines winzigen Dorfes

    Unterleuten
    Lilith79

    Lilith79

    30. May 2017 um 17:41

    "Unterleuten" (sicher nicht unabsichtlich genauso zu Lesen wie "Unter Leuten") ist ein kleines fiktives Dorf in Brandenburg mit ca. 200 Einwohnern, in dem auf den ersten Blick die Welt noch in Ordnung ist. Dort lebt im Jahr 2010 (daran erkennbar, dass einige reale Ereignisse aus diesem Jahr aufgegriffen werden) eine interessante Mischung aus alten Dorfbewohnern, die schon ihr ganzes Leben in dem kleinen Dorf verbracht haben und zugezogenen Menschen aus Berlin oder Westdeutschland, die versuchen dem hektischen Leben der Großstadt durch die Flucht in das ländliche Idyll zu entfliehen. Der Anfang des Buches lässt sich viel Zeit die verschiedenen Charaktere vorzustellen, jedes Kapitel ist durchgängig durchs ganze Buch immer abwechselnd aus Sicht eines anderen Charakters erzählt. Dies bedingt natürlich viele Perspektivenwechsel, mich hat das aber überhaupt nicht gestört, ich mag diese Erzählweise generell sehr gerne. Die Charaktere sind dabei einerseits herrlich aus dem Leben gegriffen und gleichzeitig überzeichnet, der wutbürgerliche Dauermotzer Kron, der sich in einer jahrzehntelangem Dauerstreit mit dem einerseits abstoßenden, andererseits trotzdem erschreckend menschlichem Dorf-Tycoon befindet. Hinzu kommen unter anderem der opportunistische Bürgermeister, eine westdeutsche Pferdeflüsterin, der es vom großen Gestüt für ihre große Liebe (ihr Pferd) träumt, ihr etwas verweichlichter IT-Freund, der neben dem Pferd immer die Nebenrolle spielt, der militante Möchtegern-Tierschützer und seine junge Frau mit Baby, der prollige Automechaniker der scheinbar grundlos seine Nachbarn schikaniert, der gewissenlose aber einsame reiche Immobilienhai aus Bayern, der das halbe Land rund um Unterleuten gekauft hat, nur weil er es konnte...alle verfolgen in diesem kleinen Dorf ihre eigene Agenda oder möchten einfach nur in Ruhe leben. Schon bevor etwas passiert ist der idyllische Frieden im Dorf wohl nur ein oberflächlicher Schein, doch richtig Leben in die Bude kommt als ein (Wortspiel :P ) windiger junger Business-Schnösel bei einer Gemeindeversammlung von den Plänen seiner Firma fürs Dorf berichtet, ein Windpark mit 10 Windrädern soll errichtet werden, auf einem der wenigen Grundstücke, die dafür in Frage kommen.In Folge dessen brechen die in Unterleuten schwelenden Konflikte erst so richtig auf, Intrigen und Eigeninteressen führen zu immer mehr Mißtrauen und auch lange verborgene Geheimnisse der Dorfgeschichte werden wieder an die Oberfläche gespült. Die Geschichte ist für mich ein bisschen im Stil einer Groteske erzählt, wirkt aber keineswegs überzogen und unglaubwürdig. Die Ereignisse im Dorf ergeben ein fast perfektes Abbild der heute (gefühlt etwas aus den Fugen geratenen) globalisierten Welt des Raubtier-Kapitalismus in der sich jeder selbst der Nächste ist, während er entweder so tut als wolle er nur Gutes oder es vielleicht sogar noch tragischer vielleicht selbst glaubt. Das Buch funktioniert deswegen zweigleisig, einmal tatsächlich als Roman über die abgeschiedene Welt einer winzigen Dorfgemeinschaft, andererseits als Gesellschaftskritik. Für mich ein wirklich hervorragender Roman.

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  • Ein Blick hinter die Idylle

    Unterleuten
    Nina2401

    Nina2401

    28. May 2017 um 19:32

    Ein kleines Dorf in Ostdeutschland hat sich Juli Zeh für ihre Gesellschaftsanalyse ausgesucht und ihm den treffenden Namen „Unterleuten“ gegeben. Schon an diesem Titel erkennt man, wie geschickt sie mit Sprache umgeht. Juli Zeh hat ihren Roman in sechs Teile gegliedert und lässt in 62 Kapiteln ein knappes Dutzend der Dorfbewohner zu Wort kommen. Und so schwappt nicht nur die Vergangenheit allmählich ans Tageslicht, sondern ich als Leser betrachte das Ganze ständig aus einem anderen Blickwinkel. Das macht die Faszination dieses Dramas aus, denn genau das ist es für mich. An dieser kleinen Dorfgemeinschaft stellt Juli Zeh sehr anschaulich dar, wie jeder nur an seinen Vorteil denkt und sich dabei auch noch im Recht fühlt, wie jeder gegen jeden intrigiert und die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Die Handlung bewegt sich dabei kontinuierlich weiter und kann auch mit einigen Thrillerelementen aufwarten. Denn mit Cliffhangern geizt Juli Zeh absolut nicht. Die Personen waren mir allesamt zunächst unsympathisch, das muss man auch mal schaffen. Und je mehr ich über jeden einzelnen erfahren habe, um so mehr verschwammen die Grenzen zwischen Antipathie und Sympathie. Sprachlich finde ich Unterleuten absolut brillant, der Schreibstil ist zweideutig, sarkastisch, humorvoll und auch spannend und bei all der Vielseitigkeit doch gut zu lesen. Ich mag schöne Sprache, aber ich muss passen, wenn es zu kompliziert oder zu abgehoben wird. Das ist es hier ganz und gar nicht der Fall. Ich bin beeindruckt von so viel Zweideutigkeit, von so vielen Sätzen, bei denen ich erstaunt die Augenbraue hebt um dann beim zweiten oder dritten Lesen das gesamte Zwischenspiel zu erfassen. Das ist schon genial und mir in dieser Form noch nicht bewusst begegnet. Vordergründig geht es natürlich um den geplanten Windpark und wie jeder am besten seinen Vorteil daraus zieht. Aber gleichzeitig hat Juli Zeh noch viele andere Themen angesprochen wie die Stadtflucht, Ehekrisen, Schuld und Sühne und die Verarbeitung der DDR Geschichte. Mir ging es beim Lesen nicht immer gut, manches zog sich, einige Figuren blieben etwas blass und manchmal waren mir die gemeinen Intrigen einfach zu viel. Unterleuten ist alles andere als ein Wohlfühlroman und hat das Potential, romantische Vorstellungen vom Landleben zu zerstören. Aber über allem steht dann doch die brillante Sprache, die ich in vollen Zügen genossen habe und eine Story, die man nicht so schnell vergisst. Fazit: Landleben ist nicht immer idyllisch und schöne Sprache beschreibt nicht immer schöne Dinge. Mit Unterleuten hat Juli Zeh mir einen Blick hinter die Idylle gewährt und ein Gesellschaftsbild gezeichnet, das mich sehr nachdenklich gemacht hat.

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  • Windige Zeiten in Juli Zehs Unterleuten

    Unterleuten
    fluffywordsblog

    fluffywordsblog

    17. May 2017 um 22:45

    Gerhard Fließ schaut bestimmt, aber freundlich in die Kamera. Er hat ein Anliegen, das wird beim Betrachten seines Gesichtsausdrucks bereits deutlich. Der umgebende Text erklärt, dass Fließ sich für den Vogelschutz engagiert, wobei ihm die rare Gattung der Kampfläufer besonders am Herzen liegt. Der Tierschützer ist einer von vielen Bewohnern des Dorfs Unterleuten, durch deren unterschiedliche Perspektiven Juli Zeh ihren gleichnamigen Roman zum Leben erweckt. In Unterleuten, das Zeh in Brandenburg, gerade weit genug weg und nah genug dran am brodelnden Berlin, situiert, wohnen neben dem frisch aus der Hauptstadt zugezogenen Fließ die alteingesessene Crazy-Cat-Lady Hilde Kessler, die Erzfeinde Gombrowski und Kron oder die Pferdenärrin und Jungunternehmerin Linda Franzen. Die Liste ist lang, genau wie Juli Zehs Roman. Auch nach seinen 640 Seiten will dieser kein Ende nehmen; stattdessen hat Juli Zeh ein Gesamtkunstwerk komponiert, das ihren Figuren eigene Facebook- oder Xingprofile zukommen lässt sowie dem Dorfrestaurant und eben auch dem Vogelschutzverein, inklusive Foto des Vorsitzenden, eine eigene Homepage einräumt. Es gibt Newsletter, Tagesgerichte oder Hintergrundinformationen zur alten LPG „Gute Hoffnung“, die das Dorf und ihre Bewohner entzweit hat, als die BRD und DDR sich hingegen von der Mauer verabschiedeten. Während jedoch die virtuelle Variante heimelig wirkt, konfrontiert Juli Zeh ihr Figurenensemble zwischen den Buchdeckeln mit lauten Rasenmähern am Sonntagmorgen und der Frage nach dem Stellenwert des Gemeinwohls gegenüber den eigenen Bedürfnissen. Wie auch schon bei „Adler und Engel“ oder „Spieltrieb“ bleibt Zeh nicht dabei, zu informieren, sondern sie betrifft und zieht den Leser mit hinein in psychische Untiefen der Dorfbewohner und in den Untergrund von Unterleuten. Zehn Jahre hat die studierte Juristin, die selbst gerade die Stadtresidenz gegen ein Landhaus getauscht hat, voller Akribie und laut eigener Aussage mit gelegentlichem Realitätsverlust an ,,Unterleuten“ gearbeitet. Online ist sie dabei zu beobachten, wie sie vor einer eigens angefertigten Flurkarte ihres Romanschauplatzes steht. Jedes Grundstück der Bewohner Unterleutens ist eingezeichnet, ebenso wie ein Windpark, der, Fortschritt und saubere Energie versprechend, in Unterleuten entstehen soll. An den Windrädern kumuliert sich das dörfliche Chaos, winkt mit finanziellem Segen für den einen und überrollt den anderen. Nicht zuletzt sieht auch Neu-Unterleutner und Vogelfreund Gerhard Fließ sich und die Kampfläufer bedroht und beginnt zu verstehen, wie Unterleuten funktioniert: „Er hatte gerade eins der großen Rätsel der Menschheit gelöst, nämlich die Frage, warum es so viel Gewalt auf der Welt gab. Die Antwort lautete: Weil Gewalt verdammt einfach war.“

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  • Facettenreiche und gut geschriebene Gesellschaftsstudie

    Unterleuten
    ConnyKathsBooks

    ConnyKathsBooks

    03. May 2017 um 11:04

    "Macht ist die Antwort auf die Frage, wer wen bewegt." (Manfred Gortz, S. 129)Unterleuten im Jahr 2010, ein auf den ersten Blick beschauliches 200-Seelen-Dorf in Brandenburg. Doch die Fassade trügt, denn es brodelt an allen Ecken und Enden. Durch den geplanten Bau einer Windkraftanlage brechen alte Streitigkeiten und Feindschaften wieder auf, an denen die Dorfgemeinschaft langsam zerbricht. "Unterleuten" stammt aus der Feder von Juli Zeh. Der Buchtitel passt einfach perfekt, denn alles dreht sich um die teils recht skurrilen Leute im Dorf Unterleuten. Ein studierter Landwirt, eine Pathologin, ein ehemaliger Soziologieprofessor, der jetzt als Vogelschützer arbeitet, ein Waldbesitzer mit steifem Bein, eine Pferdeflüsterin, ein Autoschrotthändler mit Amnesie oder ein reicher Immobilienspekulant - all diese Schickale und noch mehr entfalten sich hier vor dem Leser und verflechten sich in einer facettenreichen Handlung. Es geht um Wendegewinner und -verlierer, Ost-West-Konflikte, Naturschutz, gescheiterte Aussteigerträume und moralische Fragen. Eine überzeugende Gesellschaftsstudie; zwar durchaus anspruchsvoll, aber toll geschrieben, amüsant zu lesen und mit vielen abwechselnden Perspektiven. Die Seiten fliegen nur so dahin und es wird auch immer spannender. Denn der Streit um die Windräder sorgt dafür, dass aus dem dörflichen Idyll bald die Hölle wird, dunkle Geheimnisse ans Tageslicht kommen und sich die Ereignisse immer weiter dramatisch zuspitzen; bis zum überraschenden und recht unappetlichen Ende. Ein Epilog mit interessantem Blick in die Zukunft rundet die Geschichte dann gelungen ab.Allerdings fand ich zu den meisten Dorfbewohnern keinen Bezug und abgesehen vom traurigen Schicksal eines Hundes berührten mich die Geschehnisse kaum. Zwar sind die Protagonisten vielschichtig und man erfährt nach und nach mehr Hintergründe über sie, was Sympathien und Antipathien im Laufe des Romans öfter mal verändert, dennoch bleiben die meisten für mich nur wenig greifbar. Wie eine der handelnden Figuren habe auch ich mich oft gefragt: Wer war das denn noch mal? Dazu werden manche Charaktere nur namentlich erwähnt, was die Sache nicht leichter macht.Ein netter Einfall ist aber, dass der fiktive Roman in der echten Welt weitergesponnen wird. So gibt es eine sehr informative Website, wo man einen virtuellen Rundgang durch das Dorf machen kann. Auch der "Vogelschutzbund Unterleuten e.V." und die Kneipe "Märkischer Landmann" haben ihre eigene Internetpräsenz. Einige der Figuren sind zudem mit ihrem Profil auf einer bekannten Plattform vertreten. Nicht zu vergessen das in der Geschichte häufig zitierte und tatsächlich erhältliche Buch "Dein Erfolg" von Manfred Gortz, was Juli Zeh wohl sogar selbst geschrieben haben soll. Insgesamt kann ich daher "Unterleuten" empfehlen. Ein unterhaltsamer und gut konstruierter Gesellschaftsroman, für den ich insgesamt 4 Sterne vergebe.

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  • ‚Mit dem Dorf stimmt was nicht. Ganz massiv.‘

    Unterleuten
    sabatayn76

    sabatayn76

    18. March 2017 um 11:48

    Das brandenburgische 200-Seelen-Dorf Unterleuten wirkt auf den ersten Blick wie die perfekte Idylle: Obstbäume, eine Dorfgemeinschaft, die sich schon lange kennt, Natur pur. Doch unter der Oberfläche brodeln Konflikte, die weit zurück in die Vergangenheit der Dorfbewohner führen und die sich dramatisch verstärken, als ein Windpark in unmittelbarer Nähe des Dorfes errichtet werden soll. Bald machen sich die verschiedenen Konfliktparteien gegenseitig das Leben schwer, und das idyllische Unterleuten wird immer mehr zur Hölle. Juli Zeh hat mit ‚Unterleuten‘ einen Gesellschaftsroman über das 21. Jahrhundert geschrieben, in dem nur noch der Einzelne zählt und die Gemeinschaft immer mehr zerfällt. Dabei gelingt es ihr hervorragend, dem Leser das Leben in Unterleuten nahe zu bringen, indem sie ihre Protagonisten detailreich und lebensnah zeichnet und die Beziehungen zueinander mit viel Feingefühl herausarbeitet. Auch wenn der Roman im Verlauf bisweilen Längen aufweist, fand ich die Art und Weise, wie Zeh ihren Protagonisten Leben einhaucht, beeindruckend, denn jede einzelne Figur wurde komplex gezeichnet und beschrieben, wobei man anfangs sympathische Personen im Verlauf bisweilen für abstoßend hält und initial widerwärtige Menschen nach und nach besser verstehen und akzeptieren kann. Diese vielschichtigen Protagonisten empfand ich als extrem spannend und zusammen mit den verflochtenen Beziehungen zwischen ihnen als Höhepunkt des Romans. Auch die Schilderungen der Handlungsorte sind Zeh außerordentlich gut gelungen, und beim Lesen fühlt man sich des Öfteren nach Brandenburg versetzt. Sprachlich empfand ich ‚Unterleuten‘ als anspruchsvoll, ohne dass sich der Roman sperrig lesen ließ. Vielmehr handelt es sich um ein flüssig lesbares Buch, das sprachlich sehr natürlich wirkt und inhaltlich packend ist.

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  • Unterleuten = Unter Leuten

    Unterleuten
    Kristall86

    Kristall86

    16. March 2017 um 09:02

    Wunderbar geschrieben, kurzweilig, spannend, fesseln, jede Person ist ein Kapitel das immer wieder sich wiederholt und die Geschichte am Laufen hält. Am Anfang etwas verwirrend aber nach 50 Seiten hat man den Dreh raus und "lebt" förmlich mit. Intrigen, Lügen, Liebe und die Erkenntniss sich nicht selbst zu belügen. An einigen Stellen war es etwas langatmig aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Als ich dieses Buch gelesen habe, musste ich immer wieder feststellen wie viele Parallelen es mit dem realen Dorfleben gibt, und meine Erkenntniss war und ist erschreckend. Auch ich wohne auf dem Land, bin vor 8 Jahren in ein anderes Bundesland gezogen, Dorfidylle pur. Aber man muss sich Mühe geben akzeptiert zu werden, offen und ehrlich zu sein auch manchmal sich in Zurückhaltung zu üben, nie zu übertreiben und sich nicht überall einzumischen. Wie der Buchtitel so wunderbar zweideutig sagt ist das Dorf Unterleuten voller Leute die unter Leuten ihres Gleichen sein wollen - am besten ohne Streit, ohne Veränderung und ohne Lügen aber das funktioniert nirgendwo. Und so kommen Konflikte ans Tageslicht die schon seit vielen Jahren an der Oberfläche schweelen und dann ausbrechen und dann gibt es die große Veränderung. Juli Zeh hat es geschafft, das man dieses Buch bis zum Schluss lesen muss mit Spannung und vielen eigenen Gedanken. Denn am Ende kommt die Überraschung die man sich nicht vorgestellt hat... Bemerkenswerte Analyse eines wahren Dorflebens!

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  • "Unterleuten" von Juli Zeh

    Unterleuten
    beerenbücher

    beerenbücher

    04. February 2017 um 13:47

    Autorin: Juli Zeh Titel: Unterleuten Gattung: Roman, Erzählung, Gesellschaftsstudie Erschienen: 2016 Gelesene Ausgabe: Luchterhand, 2016 ISBN: 978-3-630-87487-6 Gelesen auf: Deutsch Gelesen im: Januar 2017   Zum Buch:10 Jahre schrieb Juli Zeh an ihrem Roman "Unterleuten", es gibt Websiten, Facebookprofile und Emailadressen. Das Dorf Unterleuten scheint nicht nur durch das Buch entstanden zu sein. Auf stolzen 600 Seiten schildert Zeh die Geschichte eines Dorfes und seiner Bewohner. Nahe bei Berlin, in der ehemaligen DDR, liegt das Klischeebild einer Dorfgemeinschaft. Verbunden durch Streitereien, uralte Feindschaften, Liebschaften, Gefälligkeiten und Freundschaften leben die Bewohner seit Jahrzehnten zusammen, es gibt schrullige Alteingesessene, Zugezogene, Vogelschützer, Großgrundbesitzer, Versager und Altkommunisten. Ein neues Bauprojekt für ein Windkraftwerk, bringen eine neue Ebene der Uneinigkeit in die Gemeinschaft. Thrillerartig spannt sich das Schicksal des Dorfes durch verschiedene Erzählperspektiven.Mir hat der Roman wahnsinnig gut gefallen, gerade weil Zeh das ganze so detailreich durchdacht hat und damit die Charaktere und die Handlung eine besondere Tiefe besitzen. Ein paar der LieblingsstellenZitat 1: "Hätte man die Beziehungsfäden sichtbar machen können, welche zwischen den Anwesenden hin und her liefen, wäre für den Uneingeweihten ein undurchschaubares Knäuel zum Vorschein gekommen. Ein Experte wie Kron hingegen sah ein logisches System, klar strukturiert wie ein Spinnennetz. Verwandtschaft, Bekanntschaft, Nachbarschaft, Freundschaft, Feindschaft. Liebe, Hass, Schuld, Neid, Abhängigkeit. Kron besaß ein gutes Gedächtnis, was eher Strafe als Segen war. Ein gutes Gedächtnis arbeitete als ständiger Protokollant der Ungerechtigkeit."[1] Zitat 2:"Ein Universitätssystem auf das die ganze Welt neidisch gewesen war? Abgeschafft für ein paar Credits und Exzellenziniativen!"[2] Zitat 3:"Frederik hätte gern gewusst, ob es normal war, dass groe Liebe nur durch eine dünne Membran von großem Hass getrennt wurde. Leider konnte er niemanden fragen, weil er niemanden kannte, der seine Freundin aufrichtig liebte."[3] Stil und Sprache: Präzise und auf den Punkt, ohne ihren Zauber zu verlieren.Zitat: "Sie selbst musste nur eine beliebige Nachrichtenseite im Internet öffnen, um von einem lähmenden Schwindel erfasst zu werden. Jede Information verwies auf viele weitere Informationen, alles hing mit allem zusammen, und sicher war nur, dass es Jule besser ging als fast allen anderen Menschen auf der Welt."[4] Schlüssigkeit der Handlung: Durch die vielen verschiedenen Perspektiven braucht man ein wenig Konzentration, um das Gefüge zusammenzufügen. Das hat mir besonders gefallen: Vielschichtige Charaktere, Gesellschaftsbeobachtungen. In One Sentence: Großer Gesellschaftsroman voller skuriller Charaktere und einem komplizierten Sozialgefüge! Große Kunst!Sterne: 5   [1] S.104[2] S.19[3] S.240[4] S.123

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  • Unterleuten - Ein Dorf voller Geheimnisse

    Unterleuten
    -nicole-

    -nicole-

    02. February 2017 um 18:10

    Wenn die Idylle trügt... Das kleine Dorf Unterleuten liegt mitten in Brandenburg, etwa eine Stunde von Berlin entfernt. Auf den ersten Blick findet man hier alles, was man sich unter einem idyllischen Dorfleben vorstellt: Weitläufige Grundstücke, schöne Häuschen, ländliche Ruhe, unberührte Natur mit einer seltenen Vogelart und eine Gemeinschaft, die zusammenhält. Doch diese anscheinend so friedliche Idylle trügt, denn unter der Oberfläche brodelt es gewaltig: Egal ob die Alteingesessenen oder die neu zugezogenen "Großstadtaussteiger", die sich den Traum vom eigenen Haus auf dem Land erfüllen wollen - überall gibt es den ein oder anderen Konflikt, hier und da kleine und große Probleme. Als schließlich eine Investmentfirma plant, in Unterleuten einen Windpark zu errichten, ist kurz darauf die Hölle los im Dorf- die Ereignisse überschlagen sich, lang Verschwiegenes kommt an die Oberfläche... "Er drehte sich um und stieg in den Roadster. Der gekühlte Innenraum empfing ihn mit jener sterilen Anonymität, die er so schätzte. Plötzlich hatte er den Eindruck, dass es ein Fehler war, hierherzukommen." -Seite 54, eBook Mit Unterleuten hat Juli Zeh einen beeindruckenden Roman geschrieben. Im Mittelpunkt steht das Dorf Unterleuten in Brandenburg - ein Ort in dem jeder jeden kennt - oder dieses zumindest glaubt. Die Geschichte beginnt ruhig, nach und nach lernt man die Bewohner kennen. Man erhält einen detailreichen Einblick in deren Leben. Ob es Sorgen, Ängste oder große Zukunftspläne sind - jeder ist mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt und glaubt, das Richtige zu machen. Dieses jedoch entwickelt sich in manchen Fällen völlig anders als geplant. Auch gibt es immer wieder kleine Rückblicke in die Vergangenheit. Gerade hier erfährt man, wie manches zusammenhängt und warum die manchmal angespannten Situationen bis heute so festgefahren sind. Was von Anfang an klar ist: Die Idylle trügt - das Dorf gleicht einem Hexenkessel. Die Autorin schildert mit packender Schreibweise, wie die Maske des Ortes fällt und dahinter einiges zutage kommt... Neben den vielen so unterschiedlichen Charakteren, die hier aufeinandertreffen, ist das fiktive Dorf Unterleuten mit seinen vielen Handlungsorten unheimlich gut beschrieben. Auf der Website www.unterleuten.de gibt es neben einer Skizze vom Dorf auch alle wichtigen Infos zu dessen Bewohnern. "Ich bin gekommen, damit du mir etwas versprichst. Halt dich aus diesen Unterleuten-Geschichten heraus. Mit dem Dorf stimmt was nicht. Ganz massiv." (Miriam) - Seite 354, eBook Mein Fazit: Ein gelungener Roman mit einem speziellen Thema. In der Inhaltsangabe stand geschrieben, dass sich Unterleuten so spannend liest wie ein Thriller - dieser Aussage kann ich voll und ganz zustimmen. Es ist unheimlich interessant zu verfolgen, wie die einzelnen Fäden im Laufe der Geschichte zusammenkommen und das große Drama schließlich seinen Lauf nimmt. Das Besondere und Spannende hier: Es ist völlig unvorhersehbar, wie die Geschichte zu Ende gehen könnte. Das Ende hält dann Überraschungen bereit, mit denen man so nicht gerechnet hätte... Ein sehr lesenswerter und packender Roman, der mit seinem detaillierten Schreibstil überzeugt!

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