Juli Zeh Unterleuten

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Inhaltsangabe zu „Unterleuten“ von Juli Zeh

„Die Geschichte ist wie ein Kaleidoskop. Man dreht ein wenig, und alles sieht anders aus.“ Juli Zeh
Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf „Unterleuten“ irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick darauf wirft, ist bezaubert von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtige aus Berlin gerne kaufen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Kein Wunder, dass schon wenige Tage später im Dorf die Hölle los ist …
Mit "Unterleuten" hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der hochspannend wie ein Thriller ist. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?
(2 mp3-CDs, Laufzeit: 15h 23)

Großartig! Es gibt wenige Bücher, die mich so gepackt haben.

— Nike_Leonhard

Widerwillig und nur aus Neugier habe ich mich für Juli Zeh entschieden. Ich bin begeistert! Was für eine kluge und intelligente Geschichte.

— Snordbruch

Eine köstliche Satire auf vermeintliche Dorfidylle mit einer guten Portion post-DDR-Charme und skurrilen Typen, die alle zwei Seiten haben.

— sursulapitschi

Ein Dorf, seine Menschen und die Windkraft. Ein wunderbar kritischer Gesellschaftsroman, typisch Juli Zeh.

— black_horse

Ein Dorf zerfällt über dem Bau eines Windparks - großartige Charaktere, geschickt zusammengefügt.

— Anja_Lev

Dieses Hörbuch ist das Beste, was ich seit langem gehört habe!

— Vera-Angela

Ein wunderbarer Roman. Unterleuten... ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Schon jetzt mein Buch des Jahres.

— Felidae65

Dieses Dorf spiegelt im Kleinen wider, was gerade in Europa passiert.

— claudiaausgrone

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  • Die Hoffnung ist ein verlogenes, verzogenes Gör

    Unterleuten

    Nike_Leonhard

    15. March 2017 um 08:09

    Um diesen kryptischen Satz zu verstehen, muss man "Unterleuten" vollständig gelesen oder, wie in meinem Fall, gehört haben.Unterleuten ist der Name eines kleinen Dorfs in der brandenburgischen Provinz, irgendwo hinter der Plausitzer Platte. Dort, wo es wenig mehr gibt, als Landschaft. Wo die ehemalige LPG, der einzige Arbeitgeber ist. Wo Berliner ländliches Idyll vermuten und Ruhe vor dem Stress der Großstadt suchen, während unter den Alteingesessenen Fehden ausgetragen werden, deren Wurzeln noch in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg liegen.Aber genauso kann man den Titel als "Unter Leuten" lesen und das wäre genauso richtig, denn Unterleuten erzählt in erster Linie von Beziehungen. Diese Beziehungen haben es in sich. Vom Idyll keine Spur. Das Idyll lebt nur in der Vorstellung der Hinzugezogenen.Die Geschichte beginnt schon dramatisch: Mit zwei Hinzugezogenen, die sich in ihrem Haus einigeln, weil das ebenfalls neu hinzugezogene "Tier" auf dem Nachbarhof Reifen verbrennt. Seit Tagen. Ununterbrochen. Warum bleibt ihnen unverständlich, aber der einzige Ausweg scheint, "das Tier" umzubringen.Dann wechselt die Perspektive. Nach und nach lernt man verschiedene Dorfbewohner kennen und mit jedem neuen Blickwinkel gewinnt das Bild neue Facetten.Das Drama gewinnt an Fahrt, als ein bekannt wird, dass in Unterleuten ein Windpark geplant ist. Alte Feindschaften werden erneuert, neue Koalitionen und Allianzen gegründet - aber es gibt auch neue Brüche. Das Ende ist herzzerreißend und grotesk gleichzeitig, aber vollkommen glaubwürdig.Juli Zeh benutzt eine sehr einfache Sprache, die gut zur Handlung, den Menschen und der Landschaft passt. Keine Übertreibungen und nur selten die Metaphern und Bilder, für die ihre frühen Romane bekannt sind. Trotzdem wirkt diese Sprache nie langweilig, vielmehr trägt ihre Nüchternheit zur Glaubwürdigkeit der Handlung bei.In Unterleuten gibt es keine Identifikationsfigur. Keinen strahlenden Helden, alle wähnen sich im Recht - und gerade daraus bezieht die Handlung ihre Spannung. Ich habe mich beim Hören immer wieder empört, mitgelitten, habe mitgefiebert, Partei ergriffen und beim nächsten Perspektivwechsel gestutzt, weil sich plötzlich ganz anders darstellte. Ich habe geheult, gelacht und hätte ein paar Mal am liebsten geschrien: "Das kannst du nicht tun!"Kurz: Unterleuten hat mich auch emotional gepackt und in seinen Bann gezogen.Unbedingt lesen. Oder hören!

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  • Vom Winde verweht

    Unterleuten

    sursulapitschi

    31. July 2016 um 15:50

    Unterleuten, ein Dorf in Brandenburg. Hier ist es ruhig, die Luft noch rein, die Wiesen grün, die seltenen Kampfläufer heimisch und die Bürger speziell. Mit wunderbar leiser Ironie, führt einen Juli Zeh in das Dorfleben ein. Man hat zunächst einiges an Personal zu verdauen, trifft Typen jeder Couleur mit unterschiedlichsten Ambitionen, die nicht immer zusammenpassen. Aber je näher man sie kennen lernt, desto besser versteht man sie. Irgendwann bedauert man sogar Schaller, „das Tier von nebenan“, das ständig Autoreifen verbrennt und die Luft verpestet. Hier wird der Leser an der langen Leine spazieren geführt und stellt fest, dass in einem anderen Licht besehen, vieles ganz anders aussehen kann. Ist Linda vielleicht nicht nur das nette, pferdeverrückte Naturkind?Der Plan, dort eine Windkraftanlage zu bauen, bringt schon im Vorfeld frischen Wind ins Dorf. Manch einer sieht darin Chancen, während es anderen gar nicht passt. Die Idylle ist dahin. Da verschieben sich Allianzen auf wundersame Weise, bis es nahezu irrwitzig wird.„Was den Menschen vom Tier unterschied war die Fähigkeit, im Angesicht der Katastrophe, „Siehste!“ zu denken.“„Unterleuten“ ist eine köstliche Satire auf vermeintliche Dorfidylle mit einer guten Portion post-DDR-Charme und skurrilen Typen, die alle zwei Seiten haben. Es gibt Rührendes, Überraschendes und auch Bedrohliches, über das man sich amüsiert, manchmal auch wundert.Ich hatte großen Spaß.

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  • Dorfleben als Mikrokosmus

    Unterleuten

    Gwhynwhyfar

    28. June 2016 um 14:23

    "Zugezogene begriffen nicht, dass der Weltuntergang hier bereits stattgefunden hatte. Mehrmals."Ein kleines Dorf in Brandenburg namens Unterleuten, Dörfler mit Vergangenheit der DDR, angekommen in der BRD, zugezogene Westler, Investoren, EU-Förderwahnsinn, Vogelschützer, eine Windparkanlage, die die Finanzen des Dorfs retten könnte, Seilschaften, Feindschaften, Tricksereien, ein nicht ganz geklärter Todesfall aus 1991, Landflucht, jede Menge Ehekrisen, Geschlechter- und Generationenkonflikte, schrullige Dorfmenschen, Städter, die mit rosaroter Brille die Natur betrachten. So könnte man in Kurzform den Inhalt der Geschichte beschreiben, Stadt-Wessi trifft auf Ureinwohner-Ost.Unterleuten ist pleite, aber es besteht die Möglichkeit das Dorf zu retten, indem man mit Windkraft Steuereinnahmen erzielen könnte. Es entsteht ein Streit um den Bau. Die einen sind dafür, die anderen wollen die Natur retten. Alte Seilschaften werden ausgegraben, neue geschlossen. Uralte Freundschaften und Feindschaften, die über die Jahre hochgehalten wurden, werden benutzt. Anfangs meint der Leser, die eine Gruppe kämpft gegen die andere und eine von beiden wird gewinnen. Aber dieser subtile Roman geht ins Detail, in die Tiefe der einzelnen Protagonisten. Irgendwann ist dem Betrachter klar, es gibt keine Gruppen, hier kämpft gegen jeden, für sein kleines Universum, egoistisch, für Macht oder Geld. Es wird getrickst und gelogen, alte Wunden platzen auf, Männer prügeln sich. Es gibt den eingesessenen Kron, ein alter Kommunist, der zur Solidarität gegen den Windpark aufruft, Kron, der Macht ausspielt, ein Choleriker, der gern im Mittelpunkt steht, mit Enkelin Krönchen, die schon jetzt im Kindesalter die fiesen Charakterzüge des Opas zeigt. Sein Erzfeind Gombrowski will den Windpark, um Arbeitsplätze zu erhalten. Gombrowski, der damals die LPG leitete, diese nach der Wende in die Ökologica GmbH umwandelte, ein machtbesessener Typ, dessen Vorväter als Großgrundbesitzer die Ländereien besaßen. Arne Seidel, der Bürgermeister hat nur das Dorf im Sinn, der Diplomat. Seine verstorbene Ehefrau hatte als IM der Stasi einst das gesamte Dorf abgehört, was Arne erst nach ihrem Tod erfuhr. Georg ist zugezogen, der Vogelschützer aus der Stadt, Gegner des Windparks, weil dieser nicht in die Natur gehört, weil er nicht in seine Sicht des Landlebens passt. Georg, ein verkrachter Akademiker, Aussteiger, der im Dorfleben seine Erfüllung sucht, verheiratet mit einer ehemaligen Studentin, die für ihr Kind hier ein Nest bauen möchte, zurück in die Vergangenheit, einfach Mutti sein. Georg hat seine Dozentenstelle an der UNI gekündigt und ist nun verantwortlich für 32 geschützte Kampfläufer-Vögel. Nachbar Schaller, von Georg «das Tier» genannt, entwickelt sich zu seiner persönlichen Kriegsstätte. Schaller betreibt eine illegale Autowerkstatt und verbrennt täglich Gummireifen direkt auf der Grundstücksgrenze. Die Polizei bleibt tatenlos.Und dann haben wir die Pferdeflüsterin Linda Franzen, die für sich und ihr Pferd ein Zuhause sucht und plant mit Pferde-Seminaren für Manager ihr Geld zu verdienen. Sie erweist sich im Lauf der Geschichte als ziemlich hinterlistig. Ein Investor, der für lau gleich nach der Wende ein großes Stück Land ergatterte mischt auch noch mit. Einen Hauptprotagonisten gibt es nicht. Schicksale von Einzelnen, Inneneinsichten in die Protagonisten in ständigem Perspektivwechsel stricken diese Geschichte zusammen. Die Kapitel sind im Wechsel jeweils einer Hauptfigur zugeordnet. In gemächlichem Plauderton entwickelt sich ein Dorfgewitter, Blitze zucken, bis es zum Ende an allen Seiten kracht. Die Städter geben sich Illusionen hin. In einem Gespräch wird dem Bürgermeister geraten, auf der wundervollen Erde mehr auf Bio zu machen. Der weist darauf hin, dass nicht so viel wachse, außer dem Mais für die Biogasanlage und dass die Gesprächspartnerin bestimmt nicht wissen möchte, was man nach der Wende unter der Erde alles vergraben wurde … Obst vergammelt an Bäumen und darunter, während die Dörfler im Supermarkt einkaufen. Die Wirklichkeit von harter Landwirtschaft mit lauem Einkommen trifft auf rosa Brillen von Berlinern. «Er war nicht aufs Land gezogen, um zu erleben, wie der urbane Wahnsinn die Provinz erreichte. Er verzichtete nicht auf Theater, Kino, Kneipe, Bäcker, Zeitungskiosk und Arzt, um durchs Schlafzimmerfenster auf einen Maschinenpark zu schauen, dessen Rotoren die ländliche Idylle zu einer beliebigen strukturschwachen Region verquirlten.»Die Autorin zeigt auf Kommunikationsstrukturen im Dorf: Stufe eins für Zugezogene, Information, Stufe zwei, Fremde, die Vertrauen erlangen können, tiefere Information. Stufe 3, die Eingesessenen, die untereinander alles aushandeln, tiefe Information. Hier schuldet der eine dem anderen etwas, schiebt ihm etwas zu, sieht weg oder tritt auch nochmal drauf, um sich zu rächen.«Wenn sich Datenschützer in der Zeitung wegen Überwachung im Internet ereiferten, musste Kron regelmäßig lachen. Man musste nur ein handelsübliches Dorf besuchen, um zu verstehen, was der gläserne Mensch tatsächlich war.»Egoismus auf allen Seiten. Jeder greift nach dem dicksten Tortenstück, wobei auch große Geschütze aufgefahren werden und kein mieser Trick ausgelassen wird. Menschen demaskieren sich. Die Figuren sind plakativ überzeichnet. Aber das macht den Reiz aus, 600 Seiten des Dorflebens in aller Intensität als Leser mitzuerleben und macht einen guten Schuss Humor aus.Die jüngeren Männer werden als Looser dargestellt, der mürrische Vogelschützer, der es als Akademiker nicht geschafft hat, der langhaarige Informatiker, der Spiele entwirft, sich nicht traut, sich selbstständig zu machen, der den großen Wurf im Kopf hat, aber Angst vorm Scheitern hat. Krons Tochter, Ärztin, verheiratet mit einem Schriftsteller, der nichts auf das Papier bekommt. Die Frauen stehen letztendlich alle ihren Mann. Die Sprache ist einfach, mit viel Symbolik bestückt, immer in gekonnt erzählerischem Ton, keine literarische Meisterleistung. Ein gelungener Gesellschaftsroman über Nachwirkungen des geteilten Deutschlands, Dorfidylle, die keine ist, ein Sumpf mitten im Dorf, gemacht aus den eigenen Unzulänglichkeiten der Einzelnen, Eigennutz und Hinterfotzigkeit, ein voyeuristisches Vergnügen für den Leser. Willkommen auf dem Lande. Manchmal stinkt es gewaltig.

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    • 2
  • Vom Winde verweht

    Unterleuten

    black_horse

    15. June 2016 um 15:50

    Ein Dorf im Nirgendwo, Alteingesessene, Zugezogene, alte Fehden, neue Großgrundbesitzer und die Sache mit der Windkraft. Ist das aureichend für einen großen Roman?Julis Zehs neues Werk ist ein interessanter Spiegel unserer Gesellschaft. Sie zeichnet detailliert die Persönlichkeiten der verschiedenen Dorfbewohner, sowohl der "Neuen", für die die Machenschaften im Dorf noch ein Rätsel sind, als  auch der "Alten", die längst vergangene Ereignisse nicht vergessen wollen.Berlin, die Großstadt, ist nicht weit und doch scheint in Unterleuten die Zeit stehen geblieben zu sein. Ein Idyll für überreizte Städter oder der Ort wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen? Ein Naturschutzgebiet, an dessen Grenzen die Entwicklung nach der Wende Halt gemacht hat? Wer steckt mit wem unter einer Decke? Wem gelingt es am gewieftesten, seine Interessen durchzusetzen? Und dann soll auch noch ein Windpark gebaut werden. Aber das geht nur, wenn Grundstücke zusammengelegt werden. Wer profitiert, wer verliert?Unterleuten - ein anonymer Ort. Und doch mitten unter uns. Unbedingt lesen/hören.

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  • Ein Meisterwerk

    Unterleuten

    Vera-Angela

    24. May 2016 um 10:30

    Ich habe lange nicht mehr so ein gutes Stück Literatur gelesen oder in diesem Fall gehört. Ich bin restlos begeistert. Das Thema ist toll gewählt, die Erzähltechnik trotz ihrer Komplexität nie verwirrend und die Sprache bildreich. Ich liebe die Personenbeschreibungen von Juli Zeh! Was für eine begnadete Autorin!

  • Menschliches und Zwischenmenschliches

    Unterleuten

    walli007

    21. May 2016 um 11:45

    Ein kleines fast vergessenes Örtchen in der Nähe von Berlin ist Unterleuten. Mit seiner relativen Nähe zur Stadt und der gleichzeitigen landschaftlichen Idylle und preisgünstigem Wohnraum bietet das Dörfchen etwas für am Zuzug Interessierte. Genau dieses Angebot haben einige Neu-Unterleutener genutzt. Und sie tun einiges dafür, sich in die Dorfgemeinschaft einzufügen. Dass einigen Plänen Steine in den Weg gelegt werden, erscheint ihnen nicht ganz verständlich. Warum brennt der Nachbar alte Reifen ab? Er müsste doch wissen, dass das der kleinen Tochter von Gerhard Fließ nicht guttun kann. Und wieso hat das Haus von Linda Franzen einen so schlechten Ruf. Allerdings sind auch die Alt-Unterleutener sich gegenseitig nicht grün. Zwischen Gombrowski und Kron herrscht eine ewige Fehde.  Was vorher lediglich unterschwellig spürbar war, bricht ans Tageslicht als eine Investmentgesellschaft plant in Unterleuten einen Windpark zu errichten. Nun beginnt der Kampf Befürworter gegen Gegner der Anlage und gleichzeitig versuchen findige Dorfbewohner das Meiste aus ihrem Grundbesitz herauszuschlagen.  Ruhig erzählt Juli Zeh die Lebensgeschichte jedes Einzelnen der Dorfbewohner. Da wird das Tier beinahe sympathisch, während der Umweltschützer zum Monster mutiert. Dazwischen reiben sich die weiteren Dorfbewohner. Jeder hat einen guten Grund, mit dem er sein Handeln rechtfertigt. Die vielbeschworene Gemeinschaft, von der nach der Wende über das Dasein im Osten geschwärmt wurde, scheint schon lange zerbrochen. Kleinkriege werden mit großer Gründlichkeit geführt. Jeder ist sich selbst der Nächste, sogar wenn er meint, er setze sich für andere ein. Wenn man gerade meint, eine Person verstanden zu haben, begeht diese eine Tat, durch die man vor den Kopf gestoßen wird. Die Sympathiepunkte sind verspielt. Am Ende fragt man sich, für wen das Ganze zu einem guten Schluss geführt haben könnte. So richtig will sich keine Antwort bilden, obwohl die meisten der Beteiligten der Situation mit größeren oder kleineren Blessuren entronnen sind.  Ausgesprochen gut vorgetragen wird die Misere von Helene Grass, die unaufgeregt so manche Seite zum klingen bringt. Wenn Lektüre sei sie gelesen oder vorgelesen Emotionen, Gedanken und Nachdenken auslöst, kann sie nur gut sein. Die fein geschliffenen Worte der Autorin entfalten ihre Wirkung langsam und nachhaltig. Die Strömungen des Dörflichen sind vielleicht etwas überspitzt, wer allerdings selbst vom Lande kommt, wird einiges wieder erkennen. Ob man die ländliche Idylle der Anonymität der Stadt vorzieht, bleibt jedem selbst überlassen. Einem kleinen Teil der Gesellschaft hält Juli Zeh jedenfalls einen äußerst lesenswerten Spiegel vor.

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  • LovelyBooks Hörbuch Challenge 2016

    Die Gestirne

    Ginevra

    Ihr liebt das gesprochene Wort genauso wie das geschriebene? Und Hörbücher und Hörspiele gehören in euer Bücherregal genauso wie das gedruckte Buch? Dann seid ihr bei der LovelyBooks Hörbuch Challenge 2016 genau richtig.  Ziel der Challenge ist, das wir in diesem Jahr 15 Hörbücher/ Hörspiele hören und rezensieren. Ablauf:  1. Melde dich mit einem Sammelbeitrag zu Challenge an. Ich werde unter diesem Text eine Teilnehmerliste anlegen mit allen Teilnehmern und diese mit Eurem Sammelbeitrag verlinken. 2. Zwischen dem 06.01. und 31.12.2016 hörst zu 15 Hörbücher/Hörspiele mit einer Mindestlänge von 3 Stunden, egal aus welchem Genre oder wann erschienen. 3. Wenn du nun ein Hörbuch/Hörspiel gehört und auf LovelyBooks rezensiert hast, schreibe den Link zur Rezension hier in einem Kommentar. Es werden nur rezensierte Hörbücher und Hörspiele gezählt, deren Rezension auf LovelyBooks erschienen sind. Drei Rezensionen dürfen durch Kurzmeinungen ersetzt werden! 4. Die Unterkategorien dienen dem Austausch untereinander - Du darfst natürlich frei wählen, was Du hören möchtest! 5. Trage den Link zu Deinen Rezensionen auch in Deinen Sammelbeitrag ein. 6. Unter allen TeilnehmerInnen, die die Vorgaben erfüllt haben, wird am Ende des Jahres eine kleine Überraschung verlost! Ihr könnt jederzeit einsteigen und mitmachen oder euch wieder abmelden. Denn die Challenge soll vor allen Dingen eins machen: Spaß! Habt Ihr noch Fragen? Dann meldet euch! Ansonsten freue ich mich auf viele Anmeldungen. Falls Eure Links nicht funktionieren sollten, bitte melden!! Teilnehmerliste: AntekAscari0ban-aislingeachblack_horseBücherwurmBuchgespenstbuchjunkie Buchraettin ChrischiDDanni89danielamariaursulaFantworldgemischtetueteglueckGruenenteGinevraIrveJashrinKleine1984KrimielseKuhni77lenikslenisvealesebiene27Lesestunde_mit_MarieLetannalisamLuilineMelEMsChiliMissStrawberrymonerlNele75pardenPucki60robbertaSmilla507StarletStoneheavenTamileinThaliomeeWaylandWedma

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    • 880
  • Dorfgemeinschaft im Streit

    Unterleuten

    Clari

    07. May 2016 um 12:58

    Unterleuten ist der beziehungsreiche Titel eines neuen Romans von Juli Zeh. Unterleuten ist ein kleines Dorf im Brandenburgischen ungefähr 100 km von Berlin entfernt.Worum geht es?In Unterleuten hat sich nach der Wiedervereinigung der zwei Deutschen Staaten ein buntes Völkchen zusammengefunden: ehemalige Dorfbewohner, Arme, Reiche aus dem Westen und aus Berlin Zugezogene, die es in die Idylle der vermeintlich noch unberührten Natur zog. Hier herrschen enge und überschaubare Verhältnisse. In ihnen aber spiegeln sich gesellschaftliche Gegebenheiten, die sich auf die ganze deutsche Wirklichkeit übertragen lassen. Es gibt mehr Feind als Freund und jeder/ jede versucht, den eigenen Wertvorstellungen oder Ideologien nachzustreben. Dabei stößt man sich an allen Ecken und Enden. Der (fast) Professor für Soziologie Gerhard Fließ wandelt sich zum Vogelkundler und Umweltschützer, seine Frau Jule will Gartenbau und Gartenpflege zu ihrem Hobby machen. Die Häuser, anfangs noch verfallen, sind preiswert zu erstehen und werden im gemeinsamen Eifer den eigenen Bedürfnissen angepasst. Da stößt so mancher Gartenzaun an den anderen und die innere Stimmung samt passender Ideologie gleich mit dazu.Von der ersten Zeile an ist man gebannt von der Dynamik, mit der Juli Zeh ihre Geschichte aufbaut. Man spürt die Wut, wenn die Enttäuschung nach dem zuvor angepeilten glücklichen Leben Risse bekommt. Und man erlebt den ehemaligen Gutsbesitzer Gombrowski, der die Kleinbürger von einst mit Verachtung straft. Alle bisherigen Wertvorstellungen geraten nach der Wende ins Wanken. Kommunisten versuchen zu retten, was zu retten ist. Der ehemalige Gutsbesitzer versucht aus der neuen Lage seine alte Herrschaft unter anderen Bedingungen wieder zu erlangen.Es herrscht ein diffiziles Netz von Verschwörungstheorien und persönlichen Kränkbarkeiten, in dem sich nach und nach zahlreiche Dorfbewohner verfangen.Als eines Tages ein Gewinnler aus dem Westen mit Unterstützung einiger Dorfbewohner einen Windpark in der Gegend errichten will, beginnt eine Unruhe, die die ganze Gemeinschaft erfasst. Unterleuten ist nachweisbar Naturschutzgebiet, das mit diesem Vorhaben in seiner ganzen Fauna und besonders dem Vogelreichtum vernichtet würde.Das Dorf Unterleuten ist gewissermaßen mit seinen Einwohnern ein Schmelztiegel, in dem Frust, Lust, Schikane und heile Weltvorstellungen eine ungute Symbiose eingehen. Sie zeigt uns eine Öffentlichkeit, in der Gier, Selbstsucht und Gewinnstreben, auch Eifersucht, Neid und die kleinen Streitereien des Alltags das Leben bestimmen. Hier spiegelt sich am Beispiel der Welt im Kleinen unsere momentane gesellschaftliche Wirklichkeit.Juli Zeh ist nach den Aussagen in einem Epilog einer Zeitungsnotiz nachgegangen, in der es in eben jenem Ort Unterleuten zu einem Verbrechen gekommen sein soll. Anhand von eigenen Recherchen kommt sie als Ergebnis zu dieser umfassenden Sozialstudie.Zuweilen sind die Einzelheiten ihres Berichts ein wenig ermüdend in ihrer ausufernden Detailfreude. Mit diesem Roman gesellt sie sich aber zu den ganz Großen in der Weltliteratur. Sie kann sich messen lassen mit den anerkannten amerikanischen Autoren, die ebenfalls aus einer Kleinstadt ( Elizabeth Strout) oder aus der Lage des Landes ( Richard Ford)ihre Schlüsse mit Blick auf gesellschaftlichen Befindlichkeiten zu ziehen vermögen. Sie schreibt klug, einfallsreich, empathisch und mit Sinn für die kleinen Alltäglichkeiten. Man sollte sich ihren Roman nicht entgehen lassen!

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  • Eine schöne Hörbuchfassung eines genialen Gesellschaftsromanes

    Unterleuten

    EmmaZecka

    10. April 2016 um 17:59

    Ich wollte schon immer mal ein Buch von Juli Zeh lesen. Als mir dann erzählt wurde, dass "Unterleuten" als Hörbuch erscheinen würde, war klar, dass das Exemplar auf meine Wunschliste wanderte.  "Unterleuten" ist eine faszinierende Geschichte. Ich habe wirklich Schwierigkeiten diese Stimmung einigermaßen in Worte zu fassen. Gelesen wird der Roman von Helene Grass. Ihre Stimmfarbe passt wunderbar zu der Geschichte und schafft es diese Stimmung zu untermalen. Denn hier spielt sich sehr viel zwischen den Zeilen ab. Man muss genau hinhören, um die Atmosphäre zu erfassen, ahnt aber, dass es bei weitem nicht so friedlich zugeht, wie gedacht. Allerdings hatte ich etwas Mühe in die Geschichte einzutauchen, weil Helene Grass ganz leicht lispelt und mich das am Anfang ziemlich abgelenkt hat. Als ich dann aber erstmal in der Geschichte drin war, ist mir das gar nicht mehr aufgefallen. Inhaltlich treffen hier verschiedene Parteien aufeinander: Wie beispielsweise ein Vogelschützer, der die Dorfbewohner mit nervigen Briefen über nicht bewilligte Bauprojekte plagt, einzig und allein um die Natur zu schützen. Oder eine Pferdefrau, die sich gerne selbstständig machen möchte, hierbei aber in ein Machtspiel verwickelt wird. Juli Zeh führt hier sehr viele Charaktere ein: Toll finde ich hier, dass jeder aus seiner Perspektive richtig handelt. Allerdings hat das richtige Handeln des einen, böse Konsequenzen für den anderen, sodass schnell eine Kettenreaktion in Gang kommt. Ich hatte aber hin- und wieder Mühe die verschiedenen Charaktere auseinanderzuhalten. Da hätte mir beispielsweise ein Personenverzeichnis am Anfang sehr geholfen. (Das hätte man z.B. als ersten Track gestalten können). Juli Zeh baut einen genialen Spannungsbogen auf. Schon zu Beginn musste ich über die scheinbar ländliche Idylle schmunzeln. Sie transportiert diese typischen Dorf Konflikte, wie beispielsweise die nervige Nachbarschaft, oder das Unangepasst sein einiger Dorfbewohner sehr glaubhaft. Jeder, der in einem Dorf lebt, kann von der ein oder anderen Erzählung ein Liedchen singen. Als dann noch ein Faktor von außen - der geplante Bau eines Windparks - hinzukommt, gerät ein Fass, dass schon sehr lange bis zum Rand gefüllt war, zum Platzen. Auch der Schreibstil von Frau Zeh hat es mir angetan. Sie baut eine wahnsinnig gute Atmosphäre auf, die einem das Thriller Gefühl ganz nahe bringt. Außerdem hat sie die schöne Eigenschaft viel zwischen den Zeilen zu transportieren, ohne hierbei viele Worte zu brauchen. Aber ich glaube, das habe ich schon mal erwähnt... :-) Zusammenfassend kann ich sagen, dass "Unterleuten" definitiv eines meiner Lieblingsbücher von 2016 ist. Der Titel passt einfach perfekt zu der Geschichte. Denn in diesem Dorf ist man "Unter Leuten", die nicht unterschiedlicher sein könnten. Als ich die Rezension vorbereitet habe, rechnete ich fest damit, dass es sich hier um eine ungekürzte Lesung handelte. Die Verlagsseite des Hörverlags belehrte mich da eines Besseren und ich war wirklich fasziniert davon, wie viel Informationen in der Geschichte enthalten waren. Diese typischen Mängel, wie beispielsweise das die Geschichte zu schnell voran kommt, oder manche Handlungsstränge nicht wirklich verstanden werden, sind hier überhaupt nicht aufgetreten. Wer also auf der Suche nach einem guten Thriller ist, der scheinbar leise, aber mit viel Spannung daherkommt, sollte sich Juli Zehs "Unterleuten" einmal genauer anhören, oder schauen. 

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  • Die Einspielung lässt den Hörer quasi zum Mitbewohner von Unterleuten werden

    Unterleuten

    WinfriedStanzick

    01. April 2016 um 15:20

    Sie selbst ist vor vielen Jahren aus der Stadt in ein kleines Dorf in Brandenburg gezogen, die Schriftstellerin Juli Zeh, die für ihren neuen Roman ihren bisherigen kleinen Verlag Schöffling & Co. verlassen hat und unter den großen Schirm eines Randomhouse - Verlages geschlüpft ist. Eine ganze Menge an Erfahrungen, die sie in ihrem Dorf gemacht hat, ist sicher in den Roman „Unterleuten“ eingeflossen. Diesen Namen hat sie dem fiktiven Dorf gegeben und er ist sozusagen die Summe dessen, was über es sagen kann. Denn dort ist man andauernd „unter Leuten“, hier gibt es keine Anonymität, hier kennt jeder jeden. Es gibt eine ganz besondere Währung in diesem Dorf, das sämtliche Umbrüche seit dem Zweiten Weltkrieg seltsam unverändert überstanden hat. Es wird bezahlt mit Hilfestellungen und Dienstleistungen. Dann hat man bei dem oder dem „etwas gut“. Und das kollektive Gedächtnis es Dorfes bilanziert besser als jeder Buchhalter. Das müssen auch die neuen Bewohner des Dorfes erst lernen, so wie es sicher auch die Autorin selbst über die Jahre erfahren hat. Da sind zunächst einmal Jule und Gerhard Fließ. Nach einem eher enttäuschenden Berufsleben als wissenschaftlicher Assistent ist er ausgestiegen und hat die Stelle eines Vogelschützers in der Unterleutner Heide übernommen. Ein Naturschutzgebiet, in dem die letzten 32 geschützten Kampfläufer (einer von Ihnen ziert das Cover des Buches), „fleckige Vögel von Größe und Statur einer Mülltüte“, leben und jährliche tausende von Vogelkundlern anziehen. Den Auseinandersetzungen an der Uni und auch der sonstigen Realität eher nicht gewachsen, versucht Gerhard Fließ mit seiner Frau und dem Baby sich in dem Haus, das sie liebevoll restaurieren, eine Idylle zu schaffen. Doch da gibt es einen skurrilen Nachbarn namens Schaller auf dem Nachbargrundstück, der dort einen Schrottplatz und eine Autowerkstatt betreibt und dessen komplizierte, mit der Geschichte des Dorfes eng verwobene Geschichte Juli Zeh über die 640 Seiten  des Buches langsam aufblättert. Er setzt Juli und Gerhard immer wieder unter Qualm, indem er alte Reifen auf seinem Grundstück verbrennt.Der Zweck ist offensichtlich. Man will Fließ weghaben. Der sucht, ganz der Analytiker, nach Gründen, weil er bald eingesehen hat, dass die Polizei Teil des komplizierten Sozialgeflechtes in Unterleuten ist, das sich ihm und dem Leser langsam aufschlüsselt. Da gibt es alte Streitigkeiten und Feindschaften zwischen den alten Einwohner, die bis weit in die Zeit der Bodenreform in der DDR zurückreichen. Insgesamt elf echte Hauptfiguren hat Juli Zeh in diesem Roman eingeführt und jeder von ihnen bringt Kinder, Verwandte und Freunde mit in die Handlung ein.Frederik, einer der Zugezogenen, sagt an einer Stelle, wenn er unter der Woche in Berlin sei, „verwandele sich das Dorf in einen Dostojewski-Roman, bei dem jede Figur von der Frage begleitet werde: Wer war das denn noch mal?“. Frederik ist der Partner von Linda, einer Frau deren Mover-Qualitäten (davon später noch mehr) es Juli Zeh offenbar besonders angetan haben und die auf dem gekauften Hof eine Pferdezucht begründen will.Den aus dem Bayrischen stammenden Investor Meiler, der, nachdem er eher zufällig etwas zwanzig Hektar Land um Unterleuten herum gesteigert hat, und dann, als dort Windräder gebaut werden sollen, diese auf seinem Land bauen will und dafür zwei Hektar von Linda braucht, lässt Juli am Beispiel von Frederik und Linda seine Sicht eine ganzen Generation beschreiben:.„Die beiden gehörten zu einer fremden Spezies. Nichts an ihnen war gedämpft. Nichts an ihnen war unsicher, zurückhaltend, zweiflerisch oder bescheiden. Diese jungen Menschen, in Meilers Augen halbe Kinder, agierten als Repräsentanten eines neuen Jahrhunderts. Sie arbeiteten nicht mehr für Vorgesetzte. Sie kannten keine überheizten Büros, keine grauhaarigen Sekretärinnen und keine Telefone, die über Kabel mit der Wand verbunden waren (…) Sie waren selbstständig, selbstsicher, selbstsüchtig, wandelnde Selfies, zwei dauerbewegte Selbstporträts. Wenn sich Meiler die neue Genration vorstellte, sah er eine Armee von jungen Leuten mit ausgestrecktem rechten Arm, nicht zum Führergruß, sondern um das eigene Gesicht mit dem Smartphone aufzunehmen.“Solche luziden Beobachtungen und Analysen über Menschen und soziale Phänomene gibt es massenhaft in einem Roman, in dem Juli Zeh im ersten Drittel nicht nur das Thema einführt, um das alles kreist, den geplanten Bau der Windräder, sondern auch kapitelweise die Hauptpersonen und ihre jeweilige Vorgeschichte.Alles kreist um zwei Hauptantipoden, die seit Jahrzehnten einen erbitterten Kampf gegeneinander führen. Der ehemaligen Großgrundbesitzer Gombrowski, der das Land seines Vaters in die neue LPG überführt hat und schon lange vor der Wende davon geträumt hat, es wieder eigenständig zu bewirtschaften. Gegen die Interessen der Treuhandanstalt schafft er es, alle davon zu überzeugen ihr Land in eine GmbH namens „Ökologica“ einzubringen, als deren Geschäftsführer er fungiert bis zum Jahr der Handlung des Buches 2010. Und da ist sein Erzfeind Kron. Er hat damals den Hof des Vater von Gombrowski angezündet und  war Brigadeführer in der LPG, die Gombrowski leitete.Doch was hier durch die vielen Figuren, eine komplizierte und bis in den aktuellen Streit um die Windräder hineinragende vielfach vernetzte Vorgeschichte nach großer Unübersichtlichkeit aussieht, entwickelt sich durch Juli Zeh literarisches und dramaturgisches Geschick zu einem spannenden Thriller, einem packenden Roman über menschliche Konflikte um altes und neues Unrecht, um Untreue, Eifersucht und verpasstes Glück und über Träume und Phantasien von neuem Glück und Idylle.  Für letzteres stehen eher die neu Zugezogenen wie Jule  und Gerhard und Frederik und Linda. Ich halte „Unterleuten“ für einen gelungenen Roman. Als „Gesellschaftsroman über die wichtigsten Fragen unserer Zeit“ wird er im Klappentext beworben. Eher würde ich ihn ein komplexes und sensibles Kaleidoskop menschlicher Konflikte, Hoffnungen und Charaktere in diesen Zeiten beschreiben.Ich konnte mit dem Lesen nicht aufhören. Das Buch hat über drei Tage mein Leben bereichert.Etwas liegt mir allerdings noch auf der Seele zu erwähnen. Schon zu Beginn sozusagen als Prolog zitiert Juli Zeh einen Satz von Manfred Gortz. „Alles ist Wille“. Immer wieder kommt sie in Kapitelüberschriften und im Text auf diesen Manfred Gortz zurück und seine Unterscheidung der Menschen in Killjoys und Mover. Wobei Gerhard Fließ als der idealtypische Killjoy und Linda als echte Moverin beschrieben wird.  Nirgends wird ein Hinweis auf diesen Manfred Gortz gegeben. Ich habe nachgesehen und ein kleines Buch entdeckt mit dem Titel „Dein Erfolg“ (Portobello Verlag 2015), das Juli Zeh wohl sehr genau gelesen hat.Denn dort trifft der Berater Manfred Gortz nicht nur die von Juli Zeh immer wieder zitierte Unterscheidung, sondern sondert auch irritierende Sätze ab wie: „Groß ist es, Großes zu wollen. Und wer nichts will, bekommt auch nichts.“ Oder: „Moral war schon immer ein Herrschaftsmittel, und heute liegt sie in  den Händen von Leuten, die für den echten Erfolg zu faul zu schwach oder zu feige sind.“Als ich „Dein Erfolg“ las, war ich sehr erstaunt, die Vorlage für fast ein halbes Dutzend Hauptfiguren aus Juli Zeh Roman zu finden. Frederik, Linda, Gerhard Fließ und der junge Agent der Windradbetreibergesellschaft sind dort beschrieben. Menschen, von denen sich Juli Zeh hat inspirieren lassen.Dass sie es nicht in einem Nachwort erwähnt hat, hat mich irritiert. Ich weiß nicht, wie ich diesen Vorgang bewerten soll. Der Qualität des Buches jedoch tut das keinen Abbruch.Die hier anzuzeigende Hörbuchfassung wurde von der Schauspielerin Helene Grass (Tochter des Literaturnobelpreisträgers)  auf eine Weise eingespielt, die das Buch, trotz der im Übrigen gelungenen Kürzungen zu einem echten Hörerlebnis macht.  Die Einspielung lässt den Hörer quasi zum Mitbewohner von Unterleuten werden.

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