Julia Albrecht , Corinna Ponto Patentöchter

(14)

Lovelybooks Bewertung

  • 12 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 5 Rezensionen
(10)
(2)
(2)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Patentöchter“ von Julia Albrecht

Der Mord an Jürgen Ponto und die FolgenEin bewegendes Buch aus der Sicht von zwei Frauen, deren Familien einst eng miteinander verbunden waren und die durch den Mord an Jürgen Ponto auseinandergerissen worden sind. Die Autorinnen werfen einen neuen Blick auf die – bis heute hauptsächlich von Außenstehenden gedeutete – Geschichte der RAF, die Rolle der Täter und die Wunden, die ihre Taten geschlagen haben.30. Juli 1977: Jürgen Ponto empfängt Susanne Albrecht, die Tochter seines Jugendfreundes Hans-Christian Albrecht, in seinem Haus in Oberursel. Ihre Begleiter Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar schießen auf Jürgen Ponto. Corinna, seine Tochter, ist zu diesem Zeitpunkt zwanzig Jahre alt, Julia, Susannes Schwester, dreizehn Jahre.Nach dem Mord war das Band zwischen den Familien durchschnitten. 30 Jahre danach nimmt Julia Albrecht – die Patentochter von Jürgen Ponto – Kontakt auf zu Corinna Ponto – der Patentochter von Hans-Christian Albrecht. Ein Briefwechsel entspinnt sich, eine erste Begegnung findet statt. Im Mittelpunkt ihres Buches stehen die Geschichte der RAF und der Umgang damit, die Fragen nach Schuld und den Hintergründen der Täterschaft, nach den Möglichkeiten von Aufarbeitung und Versöhnung. Und beide Frauen tauschen sich darüber aus, wie man mit den eigenen Kindern über diesen Teil der deutschen Geschichte spricht, der doch auch Teil der Geschichte ihrer Familien ist. Täter und Opfer der RAF – der erste Dialog von Angehörigen beider Seiten

Eine neue Perspektive auf Zeitgeschichte. Super geschrieben.

— amfe
amfe

Mein Exemplar ist heute angekommen. Ich bin mit den Taten der RAF aufgewachsen und bin schon sehr gespannt auf das Buch, besonders, nachdem ich mal ein Interview mit beiden gesehen hatte.

— AllesSchwarz
AllesSchwarz

Stöbern in Sachbuch

Homo Deus

Der Autor spannt einen Rahmen von der Vergangenheit bis in die Zukunft. Sein Menschenbild ist gewöhnungsbedürftig.

mabuerele

Hygge! Das neue Wohnglück

Ein inspirierendes Buch, mit vielen Tipps, Interviews, und noch mehr Bildern, die das skandinavische Wohlfühlflair wiederspiegeln

Kinderbuchkiste

Spring in eine Pfütze

Ich muss sagen, ich war positiv überrascht und freue mich nun jeden Tag auf eine neue & kreative Aufgabe.

NeySceatcher

Alles, was mein kleiner Sohn über die Welt wissen muss

Kurzweilige, aber amüsante Lektüre über das Leben mit einem Kleinkind - auf jeden Fall lesenswert.

miah

Das große k. u. k. Mehlspeisenbuch

Das Zauner ist eine Institution in Bad Ischl, hier gibt es die Rezepte der Leckereien, die man dort findet.

Sikal

Wut ist ein Geschenk

Tolles Buch

Pat82

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Patentöchter" von Julia Albrecht

    Patentöchter
    MissGlueck

    MissGlueck

    25. November 2012 um 23:24

    Julia Albrecht und Corinna Ponto in einem gemeinsamen Versuch der Annäherung - ein bewegender Perspektivwechsel. Julia Albrecht – Schwester der RAF-Terroristin Susanne Albrecht Corinna Ponto – Tochter des 1977 erschossenen Bankiers Jürgen Ponto Geschrieben aus der Sicht zweier Frauen, deren Familien eng miteinander verbunden waren, auseinander gerissen durch den Mord an Jürgen Ponto. Die Autorinnen werfen einen neuen Blick auf die Geschichte der RAF. 30. Juli 1977: Jürgen Ponto empfängt Susanne Albrecht, die Tochter seines Jugendfreundes Hans-Christian Albrecht, in seinem Haus in Oberursel. Ihre Begleiter, Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar, schießen auf Jürgen Ponto. Corinna, seine Tochter, ist zu diesem Zeitpunkt zwanzig Jahre alt, Julia, Susannes Schwester, dreizehn Jahre. Nach dem Mord war das Band zwischen den Familien durchschnitten. 30 Jahre danach nimmt Julia Albrecht – die Patentochter von Jürgen Ponto – Kontakt auf zu Corinna Ponto – der Patentochter von Hans-Christian Albrecht. So zaghaft, so unsicher und so voller Schuld, die nicht die ihre ist, nähert sich Julia Albrecht Corinna Ponto. Man möchte sie bei der Hand nehmen und diesen schwierigen und mutigen Weg mit ihr gemeinsam gehen. Zwischen beiden Frauen entsteht ein Briefwechsel, in dessen Verlauf sie sich schließlich treffen. Bemühen und Ablehnung Corinna Pontos sind ebenso nachvollzieh- und spürbar, wie der Wunsch und die Sehnsucht von Julia Albrecht, das Unerklärliche für sich begreifbar machen zu wollen. Das Außergewöhnliche: Die Täterin, Susanne Albrecht, lebt in Bremen und äußert sich bis heute nicht zu ihrem Verbrechen an der Familie Pontos und an dem der eigenen Familie. Das Buch ist ein leises Psychogramm zweier Frauenseelen, die einander so weit entgegen gehen, wie es eben möglich ist. Es liest sich so beklemmend, wie berührend wie versöhnlich. Und nicht zuletzt ist das Buch ein Stück überaus lesenswerter Zeitgeschichte.

    Mehr
  • Rezension zu "Patentöchter" von Julia Albrecht

    Patentöchter
    hproentgen

    hproentgen

    14. April 2012 um 18:58

    Zwei Männer treffen sich kurz nach dem Krieg. Beide studieren Jura, sie werden Freunde, gründen Familien und machen im Wirtschaftswunder Karriere. Viel Karriere, beide gehören zur obersten Etage der Adenauerzeit. Einer der beiden wird Vorstandssprecher der deutschen Bank, berät den Bundeskanzler. Der andere leitet eine bekannte Hamburger Kanzlei und hat eine Tochter, die in den Siebzigern mit dem Vater und der ganzen Gesellschaft im Clinch liegt. Das wäre alles nicht weiter bemerkenswert, solche Geschichten waren für diese Jahre typisch. Aber die Tochter, Susanne Albrecht, geht zur RAF und ermordet mit zwei Komplizen den Freund ihres Vaters. Die Freundschaft der beiden Familien zerbricht daran, dreißig Jahre gibt es keinen Kontakt mehr. Der Vater von Susanne Albrecht stirbt, die Frau des Opfers auch. Doch die Schwester Susanne Albrechts sucht jetzt den Kontakt zu der Tochter des Opfers. Daraus entstehen Briefe, sie erzählen sich, wie ihre Familien mit den Ereignissen umgingen. Die Pontos flohen in die USA, Julia Albrecht durfte viele Jahre die Fotos ihrer Schwester auf den Fahndungsplakaten bewundern. Freunde hatten Hemmungen, mit ihnen über die Ereignisse zu sprechen. Wie erleben die Opfer die Folgen eines terroristischen Mordes? Wie die Familie die Tat eines Familienmitgliedes, eine Tat, die sie nicht billigen, begangen durch jemand, den sie lieben? Das schildert das Buch eindrücklich. Erstmals wird hier die Geschichte der Opfer erzählt. Auch [[ASIN:349225263X Für die RAF war er das System, für mich der Vater: Die andere Geschichte des deutschen Terrorismus]]konnte dies nicht richtig darstellen. Wie sehr Schweigen beide Familien bestimmt. Nicht die Täter schweigen, sondern die Opfer. Das war auch im dritten Reich lange Zeit so, kaum ein General, der nach dem Krieg nicht seine Memoiren schrieb und alle Schuld von sich wies. Kaum ein Opfer für das sich jemand interessierte oder das seine Geschichte erzählen konnte oder wollte. Aber Julia Albrecht und Corinna Ponto erzählen auch vieles mehr aus der Geschichte. Über den Prozess gegen Susanne Albrecht, über den Tathergang, der letztendlich nie vollständig geklärt wurde. War es eine fehlgeschlagene Entführung oder von vorneherein der Mord geplant? Manche Deutungen von Corinna Albrecht sind verständlich, überzeugen mich aber nicht. Sie hat die Unterlagen der Stasi durchgesehen, erstaunlich, wieviel sich dort über die RAF findet. Heute wissen wir, dass die Stasi die Raf duldete, zeitweilig sogar ausbildete. Die Akten des BKA sind leider immer noch nicht freigegeben, auch dort bleiben Fragen offen. Der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts Buback schrieb ein Buch über seinen Verdacht, dass das BKA in der Sache seine Finger drin hatte. Tatsächlich gibt es da noch viel, was wir nicht wissen. Aber stimmt es, was Corinna Ponto sagt, dass die RAF noch lange nicht aufgeklärt sei? Dass Baader, Meinhof und Esslin nur Marionetten an den Fäden der Geheimdienste, der Stasi waren? Dafür sehe ich keinerlei Anzeichen. Die RAF hat getan, was sie tat, aus eigenem Antrieb. Sie wollte terrorisieren und sie hat terrorisiert. Sie wollte morden und sie hat gemordet. Dass diverse Geheimdienste ihre Finger drin hatten oder haben wollten, klingt nach den heutigen Erkenntnissen sehr plausibel, dass viele dieser Finger noch versteckt sind und "ich wars nicht" schwören, auch. Aber dass die RAF quasi entschuldigt werden muss, weil sie ja "nur" an den Fäden mächtiger Organisationen hing, scheint mir sehr unglaubwürdig. Auch wenn Verschwörungstheorien natürlich sehr beliebt sind: Wir wissen viel über die RAF, wir kennen ihre Bekennerschreiben, wir kennen die heutigen Aussagen von RAF-Mitgliedern, die das immer noch verteidigen. Wir wissen, wie sie tickten, wie sie ticken. Dazu bedarf es keiner Geheimdienste. Leseprobe: http://www.amazon.de/gp/reader/3462042777/ref=sib_dp_kd#reader-link Patentöchter: Im Schatten der RAF, Sachbuch, Julia Albrecht, Cornna Ponto, KiWi, März 2011 ISBN-13: 978-3462042771, gebunden, 244 Seiten, Euro 18,99

    Mehr
  • Rezension zu "Patentöchter" von Julia Albrecht

    Patentöchter
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    12. May 2011 um 10:20

    „Im Schatten der RAF“ haben sie beide gelebt und sie werden dies wohl auch ihr ganzes weiteres Leben lang tun. Corinna Ponto ist die Tochter des Bankiers Jürgen Ponto, der 1977 von einem Kommando der RAF ermordet wurde. Susanne Albrecht, eine Mittäterin, war das Patenkind von Jürgen Ponto und hatte ihre Vertrauensstellung missbraucht und ihren Genossen Zugang zu der Villa des Bankiers verschafft. Dort wurde Ponto nach einem missglückten Entführungsversuch erschossen Nach dieser Tat sind die vorher engen Verbindungen der beiden Familie Albrecht und Ponto abgerissen. Jetzt, über drei Jahrzehnte nach dieser Tat, wagen Corinna Ponto und Julia Albrecht, die Schwester der Attentäterin, einen Dialog. Es ist nicht leicht, für beide nicht. Anfangs zurückhaltend und scheu, gehen sie in ihren Briefen aufeinander zu. Viele verdrängte Gefühle kommen wieder hoch, doch für beide, das teilen sie sich immer wieder zwischen den Zeilen mit, bedeutet es auch eine unendliche Erleichterung, endlich über das sprechen und schreiben zu können, was ihr Leben aus der Bahn warf, über den Verrat und den Mord, über die Scham und die Schuld, über die Trauer und die Wut, über ein Leben „im Schatten der RAF“. Es ist ein bewegendes Buch, ein Zeugnis der jüngsten Zeitgeschichte unseres Landes, eine persönliches Dokumentation einer „bleiernen Zeit“ und ihren politischen und persönlichen Folgen. Man muss diesen beiden Frauen danken, dass sie nach so langer Zeit den Mut bewiesen haben, miteinander in einen Dialog zu treten und ihn auch zu veröffentlichen. Sie haben damit nicht für sich selbst eine wichtige Verslöhnungsarbeit geleistet, sondern auch für das Land, in dem der RAF-Terror noch immer nicht ausreichend bearbeitet und verarbeitet ist. Julia Albrecht und Corinna Ponto ringen oft um ihre Worte, sie meinen es ehrlich miteinander und geben so ein nachahmenswertes Beispiel, wie trotz langen Schweigens und Verschweigens auch Tabuthemen bearbeitet, Schuld angesprochen werden kann und Scham nicht verschwiegen werden muss. Die Luft ist reiner und freier danach.

    Mehr
  • Rezension zu "Patentöchter" von Julia Albrecht

    Patentöchter
    AllesSchwarz

    AllesSchwarz

    11. May 2011 um 11:27

    Dieses Buch handelt von der RAF, aber auch und vor allem von dem Mord an Jürgen Ponto und seinen Folgen für die Familie Ponto und für die befreundete Familie Albrecht, deren mittlere Tochter Susanne den Mördern die Tür öffnete, durch Ausnutzung der Freundschaft beider Familien. Jürgen Ponto und Hans-Christian Albrecht kannten sich noch aus Studientagen in Hamburg, es wurde Freundschaft, die auch andauerte als beide eine Familie gründeten. Auch als Jürgen Ponto ein Angebot der Dresdner Bank bekam und nach Oberursel (bei Frankfurt am Main) zog, blieb diese Freundschaft bestehen. Jürgen Ponto war der Patenonkel von Albrechts jüngster Tochter Julia und Hans-Christian Albrecht der von Corinna Ponto. Durch das Attentat von Susanne Albrecht zerbrach die Freundschaft, man konnte nicht mehr miteinander kommunizieren. Julia Albrecht nahm 30 Jahre später ersten brieflichen Kontakt zu Corinna Ponto auf, sie wollte aufarbeiten. Julia war immer nur die kleine Schwester von Susanne und hat sehr darunter gelitten, sie war ja gerade erst 13 Jahre alt, das es passierte und litt sehr unter der Sprachlosigkeit, die um sie war. Und Corinna litt unter allem was folgte... Das Buch, als Dialog der beiden, berichtet nicht nur von der Tat als solche, und wie die beiden es jeweils erlebten, sondern auch über die jeweiligen Familiengeschichten, wie die 2 Männer sich kennenlernten und die insgeheimen Schuldzuweisungen. Gespickt ist das alles mit Briefauszügen von Hans-Christian Albrecht, mit Zeugenaussagen, Gerichtsprotokollen von Susanne Albrechts Prozess in den 90ern und eigenen Ansichten. Ich, zum Zeitpunkt des Ponto-Mordes 11 Jahre alt und nur wenige Kilometer davon entfernt in meinem Elternhaus, wuchs im Schatten der Taten der RAF auf, kann mich an das Attentat nicht erinnern. Meine Erinnerung setzt erst mit der Entführung von Hans-Martin Schleyer ein und der Mord an Alfred Herrhausen passierte ganz nah bei meinen Eltern. Da weiß ich noch, welche Ängste ich einen Tag danach hatte, da meine Eltern und mein Bruder einen Abend vorher genau diese Straße langgefahren sind, wo der Mord geschah. Ich fand es sehr interessant, einmal etwas über die Opferseite zu erfahren, denn auch Julia Albrecht war ja ein Opfer. Ihre Schwester zerstörte ja nicht nur das Leben der Familie Ponto sondern auch das ihrer eigenen Familie und die Betrachtung der Tat aus diesem Blickwinkel. Sehr interessant ist auch die Zeittafel am Ende des Buches. Ich ziehe meinen Hut vor beiden Frauen, dass sie diesen Schritt gewagt haben. Aber als Fazit bleibt dennoch, dass es wirkliche Annäherung der beiden Famiien nie geben kann, da einfach zu viel unterschiedlicher Schmerz immer noch vorhanden ist und auch immer vorhanden sein wird. Denn wie sollte Frau Ponto ihren Söhnen erklären, dass sie mit der Schwester der an dem Attentat beteiligten "Türöffnerin" befreundet sei, die ihrem Großvater das Leben nahmen.... Und es wird auch klar, dass auch Susanne Albrecht nie Reue über die Tat empfunden hat. Alleine ihre Aussagen im Prozeß sind ein Hohn. Ein wichtiges Zeitdokument ist es auf jeden Fall und jeder, der mit den Taten der RAF aufgewachsen ist, sollte es lesen.

    Mehr
  • Rezension zu "Patentöchter" von Julia Albrecht

    Patentöchter
    Clari

    Clari

    12. March 2011 um 23:32

    Dokument über eine bleierne Zeit! Immer noch sind die Geschehnisse um die RAF ( Rote Armee Fraktion), die in den siebziger Jahren unsere Republik aufs Äußerste bewegten, nicht zu verstehen und nur schwer aufzuarbeiten. 1977 ermordete ein RAF Kommando den Bankier Jürgen Ponto. Susanne Albrecht, Tochter eines engen Freundes der Familie Ponto, hatte sich im Juli 1977 unter Missbrauch des Vertrauensverhältnisses, das zwischen den Familien bestand, Zugang zum Hause Ponto verschafft. Sie brachte bei ihrem Besuch zwei Mittäter herein, von denen einer nach einem missglückten Entführungsversuch Jürgen Ponto erschossen hat. Jetzt haben zwei Angehörige der in den Mord an Jürgen Ponto verwickelten Familien einen Versuch zur Annäherung gewagt. Julia Albrecht, die Schwester von Susanne Albrecht, und Corinna Ponto, Tochter des ermordeten Jürgen Ponto, haben dreißig Jahre nach der Tat in einem Dialog die unterschiedlichen Erfahrungen noch einmal lebendig werden lassen. In Briefen, Zeugnissen und bewegenden Erinnerungen schildern sie aus der jeweils eigenen Sicht ihre Wahrnehmung der Tat und der Täter. Dass die kleine Schwester von Susanne, die zur Tatzeit erst 13 Jahre alt war, unter dem Verlust der Schwester litt und sich lange Jahre geschämt hat, wenn sie dem Konterfei ihrer Schwester Susanne an jeder Litfaßsäule begegnete, kann sie glaubhaft schildern. Corinna Ponto, zur Tatzeit schon 20 Jahre alt, berichtet aus ihrer Sicht das Trauma, dem sie vom Tatzeitpunkt an ausgesetzt war. Es geht hier aber nicht nur um den Augenblick der Tat, sondern beide zeichnen ihr Familienleben nach, berichten über Herkunft, Kriegsfolgen und Aufbruchzeiten ihrer Eltern. Die Väter hatten sich im Studium kennen gelernt, wurden erfolgreiche Juristen und lebten ein komfortables Leben nach den Schrecknissen des Krieges, die sie endlich hinter sich lassen konnten. Nach der Heirat und Geburt der Kinder setzten sie ihre Beziehungen als Familienfreundschaft fort. Das furchtbare Attentat auf Jürgen Ponto wog jedoch so schwer, dass die Familienkontakte in der Folge eingestellt wurden. Julia Albrecht war das Patenkind von Jürgen Ponto, Corinna das von Hans-Christian Albrecht. Beide Frauen gehen scheu auf einander zu. Es bedeutet jedoch auch Erleichterung, einmal über alles reden zu können. Stummheit, Schmerz und die unfassbare Heimtücke bei der Tat hatten die Familien entfremdet. Mit Schweigen suchte man das Ereignis zu verdrängen. Besonders Julia bedrückte die Unmöglichkeit, zu reden. Der Gram der Eltern lastete schwer auf ihrer Familie, und sie sah sich mit der Tat der Schwester stigmatisiert. In dem als Dialog bezeichneten Rückblick werden die vorhandenen Zeugnisse, Briefe und Aussagen übergangslos nebeneinander gestellt. Das verdichtet den Bericht zu einem außergewöhnlichen Dokument, in dem die so unterschiedlichen Gefühlslagen der beiden Frauen unabhängig voneinander aufgezeichnet sind. Das Leid der beiden ist tief und schmerzlich. Am Ende bleibt die Einsicht, dass die Dialogpartnerinnen in dem Kummer um den Tod des Vaters und im Bemühen um Verständnis für eine Schwester nicht in Übereinstimmung zu bringen sind. Zu widersprüchlich sind die Gefühlswelten, in denen sich die beiden bewegen. Ein aufrüttelndes Stück Zeitgeschichte liegt mit diesem Buch vor. Man sollte es lesen!

    Mehr