Wie lebt man mit dem Tod, den Toten? Es war die große Mascha Kaléko, die einst schrieb, dass man den eigenen Tod "nur" stürbe, mit dem Tod der anderen müsse man dagegen leben.
Doch nicht nur mit dem Tod - auch mit dem Leid der anderen, nah und fern. Zusätzlich mit den Mördern und Peinigern, mit der allgegenwärtigen Gewalt & Unterdrückung.
Julia Cimafiejeva lebt seit Ende 2020 als writer in exile in Graz. Vorher hatte sie zusammen mit ihrem Mann monatelang an den Protesten in Weißrussland teilgenommen; ein Bericht von dieser Zeit erschien ebenfalls in der edition fototapeta.
Ihr Lyrikband (der 2te bei edition fototapeta) ist ein Dokument Ihres Exils und zugleich eine Auslotung der oben angestoßenen Fragen. Auch Schuldgefühle flirren dann und wann durchs Bild, ebenso Wut und Dankbarkeit. Generell beherrscht Cimafiejeva eine große Bandbreite an Tönen und Stimmungen, von anklagend bis melancholisch, von ruhig bis emphatisch. Wenn Ihre Texte etwas gemein haben, dann das sie dahin gehen, wo es wehtut, wo die Angst unter den Füßen knirscht und der Schrecken der Bilder nah ist.
Ebenfalls enthalten (und lesenswert) ist ein Essay der Autorin mit dem Titel "Als ich meinen Zunge löste - Meine sprachliche Kurzbioraphie".
Lyristix




