Zugvögel wie wir von Julia Dibbern ist ein atmosphärischer Roman über den Selbstfindungstrip einer Frau, die mit dem Fahrrad einem Kranich auf seinem Weg von Schweden nach Frankreich folgt. Das Buch spielt im Spätsommer, insofern passte es perfekt, das Buch jetzt zu lesen.
Eva, 56, besucht ihre beste Freundin Luise in deren Wahlheimat Schweden. Bei ihr läuft es gerade nicht rund: Ihre Tochter Sophie hat den Kontakt abgebrochen, ihr Hund ist gestorben, und obendrein hat sie ihren Job verloren.
Die Kapitel spielen abwechselnd in der Gegenwart und der Vergangenheit. Dazwischen finden sich Kapitel, in denen Eva Versuche unternimmt, ihrer Tochter zu schreiben.
Wir erfahren, wie Evas Leben bisher verlaufen ist, wie sie ihren Ex-Mann und ihre Freundin Luise kennengelernt und was zum Bruch zwischen Mutter und Tochter geführt hatte. Eva hatte bis zur Geburt ihrer Tochter in einem Orchester Klarinette gespielt.
Luise wohnt an einem See, an dem sich jeden Abend Kraniche versammeln. Jetzt im Spätsommer machen sie sich bereit für den Flug in den Süden. Eines Abends fällt Eva ein verletztes Kranichjunges auf, sie informiert Luises Tochter, die sich um die Versorgung des Jungtieres kümmert. Zwei Tage später gesellt sich das genesene Kranichmädchen, dem Eva den Namen Selma gibt, zu seinen Eltern. Selma wurde mit einem Minisender ausgestattet, so dass Eva ihren Flugverlauf über eine App verfolgen kann. Spontan beschließt sie, Selma auf dem Fahrrad zu folgen. Aus den ursprünglich geplanten vierzig Kilometern werden 1.500 bis nach Frankreich.
Evas Reise ist anstrengend, aber auch ereignisreich und heilbringend. Sie ist nie über den Tod ihres Sohnes Daniel hinweggekommen, doch die Natur, die Bewegung und nicht zuletzt die Wiederentdeckung des Spiels auf der Klarinette erweisen sich als die beste Therapie.
Ich konnte mich gut in Eva hineinversetzen, ihre Tochter Sophie hingegen fand ich unsympathisch. Ich habe nicht verstanden, warum sie ihre Mutter so vehement ablehnt und ihr keine Chance zur Wiedergutmachung gibt und hoffe, dass Oma Renate sie wieder zur Vernunft bringt.
Das Cover gefällt mir gut, aber ich hätte mich über eine Zeichnung oder ein Foto von Kranichen und eine Karte mit Evas Reiseroute gefreut. Ich will mir auf jeden Fall den Fahrradweg im belgischen Limburg anschauen, der mitten durch einen See führt. Eine Playlist würde mir auch gefallen, da Eva auf ihrer Reise jeden Tag eine halbe Stunde Klarinette spielt.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen und Eva auf ihrer Reise begleitet. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus und vergebe 4,5 Sterne.
























