Julia Encke Charisma und Politik

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Inhaltsangabe zu „Charisma und Politik“ von Julia Encke

Charisma ist eine archaische Kraft: ein Mensch verkörpert die Hoffnung auf eine bessere Welt. In der Politik dagegen hat sie einen zweifelhaften Ruf, weil charismatische Führer ihre Länder oft genug ins Unglück gestürzt haben. Kann aber eine Demokratie mit Politikern funktionieren, die nur nüchterne Techniker der Macht sind? Helmut Schmidt verkörpert eine beruhigende Zuverlässigkeit, Petra Kelly machte die Themen der Grünen zu den Themen aller, und mit Marina Weisband wäre die Geschichte der Piraten vielleicht anders verlaufen. Julia Encke zeigt in ihrem ungewöhnlichen Gang durch die jüngste Geschichte, dass unsere Demokratie erstarren könnte ohne Charismatiker, die die Bürger für Politik begeistern.

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  • Charisma ist eine nötige Kraft

    Charisma und Politik
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    16. April 2014 um 14:10

    Charisma ist eine nötige Kraft Im ursprünglichen Sinne waren mit „Charismen“ „gnädige Geistesgaben“, „Gnadengaben“ gemeint. Begabungen, die einen Menschen wie „zum Leuchten“ brachten und die gottgegeben vorlagen als „besondere, zu erkennende, Beauftragung“. Im Lauf der Zeit ist der Begriff im konkreten Sinne nicht mehr wirklich zu fassen, er bezeichnet eine Form der „Aura der Hoffnung“, eine Person, die auf sich und in sich Erwartungen, Sehnsüchte und Hoffnungen vieler konzentriert und der man in irgendeiner kaum näher bestimmten Weise die Kraft für diese Hoffnung abnimmt. Real allerdings ist dies durchaus. Wer einmal ein Rolling Stones Konzert besucht hat und dabei im Vorfeld die ein oder andere Band verloren auf der riesigen Bühne gesehen hat, um dann zu erleben, wie der schmale Körper Mick Jaggers fast im Alleingang diese gesamte Bühne „füllt“, der ahnt, dass gewisse Menschen über eine besondere Ausstrahlung verfügen, die viele andere in den Bann zieht. Wobei auch Diktatoren, Verführer, manipulative Menschen über ein gerütteltes Maß an Charisma verfügen können, das dann durch Image-Training gezielt ausgebaut werden kann. So haben vielfach Menschen zunächst ein Problem mit „charismatischen Persönlichkeiten“. Zu sehr eilt der Ruf voraus, hier von einem egozentrischen Verführer allein durch Charme übertölpelt zu werden. Andererseits ist wenig mehr überzeugender als eine charismatische Person in erkennbarer Leidenschaft für etwas, das „über sie hinausgeht“. Eine Seite des Charisma ist diese „Kraft zur Verführung“. Aber, durchaus, kann ja auch „zum Guten“ verführt werden. Können „Lichtgestalten“ große Gruppen von Menschen sehr konstruktiv auf Wege bringen. Vielfach setzen sich wichtige Impulse erst dann breit um, wenn glaubwürdige Persönlichkeiten als „corporate identity“ die aktuellen Hoffnungen der Menschen „in sich sammeln“ und zur Handlung anstoßen. Geradezu eine „Sucht nach Charisma“ macht Julia Encke in diesem Sinne auch für die Gegenwart in Deutschland aus, beispielhaft fest gemacht am „Altkanzler der Nation“. Dem fast das ganze Volk immer wieder an den Lippen hängt (auch wenn nicht alles immer treffend und belastbar von Helmut Schmidt argumentiert vorliegt). Charisma ist wichtig, ist eine entscheidende Größe, um Menschen zu mobilisieren. Willy Brandt hat auch deswegen Wahlen gewonnen, weil viele damals wählen gingen, die ohne sein Charisma eher zu Hause geblieben wären. Wie sich aktuell nun gerade bei Wahlen feststellen lässt, reicht der moderne technokratische und / oder intellektuelle Typ des Politikers in vielerlei Hinsicht nicht aus, um in Menschen innerlich zu erreichen und zu motivieren. An konkreten, politischen Persönlichkeiten in konkreten Situationen vollzieht Encke im Buch ihre Untersuchung des Charismas und zieht ihre Schlüsse der Notwendigkeit, gerade und dringend solcher Persönlichkeiten für die Politik zu bedürfen, dabei aber sehr gut differenzieren zu müssen (siehe Guttenberg). Helmut Schmidt, Petra Kelly, Marina Weisband, Guttenberg, Joschka Fischer, Gerhard Schröder und Obama hebt sie dabei u.a. hervor und dekliniert an diesen Personen das „Talent“, den „Verlust“, das „Missverständnis“ und, in Teilen, auch die „Technik des Charisma“ durch, das sich in ganz verschiedener, äußerer Weise zeigen und wirken kann, das aber immer mit einer teils auch hohen, persönlichen Risikobereitschaft einhergeht. Wobei bei der Lektüre mehr und mehr deutlich wird, das Menschen nun einmal am ehesten und „liebsten“ anderen, überzeugenden Menschen folgen und nicht allein „logischen Überzeugungen“. Dass charismatische Menschen wichtige Träger von Hoffnungen und Zielen sind, aber dass man durchaus mit kritischem Abstand versuchen muss, den reinen „Verführern" nicht auf den Leim zu gehen. Es ist keine einfache Sache, mit dem Charisma, aber es ist eine Realität und zudem eine notwendige Realität für größere Bewegungen der Gesellschaft. Eine interessante, politische Lektüre, die den Zusammenhang zwischen (wünschenswerter) Leidenschaft für die Politik und daraus sich entfaltender charismatischer Wirkung aufzeigt. Die wiederum stark mit der Funktion und Rolle einhergeht (wie an Fischer aufgezeigt wird).

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