Julia Franck

 3.8 Sterne bei 548 Bewertungen
Autorin von Die Mittagsfrau, Liebediener und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Julia Franck

Die deutsche Schriftstellerin Julia Franck kommt am 20.02.1970 in Berlin-Lichtenberg zur Welt. 1978 verlässt sie mit ihrer Mutter und ihren drei Schwester die DDR und sie ziehen ins schleswig-holsteinische Rendsburg. Ab 1983 lebt Julia Franck bei Freunden in Berlin, wo sie im Jahr 1991 nachträglich ihr Abitur absolviert. Es folgt ein Studium Fächer Jura, Altamerikanistik, Neuere deutsche Literatur und Philosophie an der FU Berlin. Nebenbei schlägt sie sich mit diversen Nebenjobs durch und hält sich einige Monate in den USA, Mexiko sowie Guatemala auf. 1997 erscheint ihr Romandebüt "Der neue Koch". Es folgen weitere Veröffentlichungen und viele Auszeichnungen. Seit 2001 ist Franck Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland. 2005 verbrachte sie als Stipendiatin an der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. 2007 wird Julia Francks Roman "Die Mittagsfrau" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Die Schriftstellerin lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Kindern in Berlin-Friedenau. Julia Franck zählt zu den prägendsten und talentiertesten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart und ihre Werke wurden in 34 Sprachen übersetzt. Im Oktober 2011 erscheint ihr aktuelles Buch "Rücken an Rücken".

Alle Bücher von Julia Franck

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Buchformat:
Die Mittagsfrau

Die Mittagsfrau

 (370)
Erschienen am 01.04.2009
Bauchlandung

Bauchlandung

 (37)
Erschienen am 15.05.2012
Liebediener

Liebediener

 (45)
Erschienen am 01.02.2009
Rücken an Rücken

Rücken an Rücken

 (32)
Erschienen am 16.05.2013
Lagerfeuer

Lagerfeuer

 (33)
Erschienen am 15.05.2012
Der neue Koch

Der neue Koch

 (17)
Erschienen am 20.09.2001
Grenzübergänge

Grenzübergänge

 (4)
Erschienen am 11.03.2009
Bauchlandung: Geschichten zum Anfassen

Bauchlandung: Geschichten zum Anfassen

 (0)
Erschienen am 08.03.2012

Neue Rezensionen zu Julia Franck

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Fortis avatar

Rezension zu "Bauchlandung" von Julia Franck

Mir fehlte irgendwas
Fortivor 10 Monaten

Alle der acht kurzen Geschichten werden von Ich-Erzählerinnen erzählt. Hierbei hat jede ihre eigene Sprache, was ich interessant fand. Die Protagonistinnen, das Setting und die Handlung unterscheiden sich stark. Es gibt absurde Momente, etwas Erotik, Zwiespalte und einiges mehr. Viele Geschichten handeln von einem (potentiellen) Wendepunkt im Leben der Ich-Erzählerinnen, lassen hierbei am Ende aber meist viel offen.

Ich habe die Geschichten interessiert gelesen, aber hundertprozentig haben sie mich nicht überzeugt - ich hätte mir mehr Ergebnisse und/oder Überraschungsmomente gewünscht.

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Rezension zu "Die Mittagsfrau" von Julia Franck

Julia Franck | DIE MITTAGSFRAU
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Stettin 1945, Peter ist mit seiner Mutter auf der Flucht vor der Roten Armee Richtung Westen. Auf einem Bahnhof in Pasewalk setzt sie ihn auf eine Bank und sagt ihm, er solle sitzen bleiben und auf sie warten, sie sei gleich wieder da. Er wartet und wartet, vergebens, sie kehrt nie zu ihm zurück. Was eine Frau dazu bewegt, ihren Jungen in den Wirren der Nachkriegszeit und der Flucht allein zurückzulassen, wird nach diesem bitteren Epilog in Form einer Rückblende über die letzten dreißig Jahre ergründet.

Die junge Helene, schön und begabt, wächst mit ihrer Schwester Martha in Bautzen als Tochter der psychisch labilen Selma auf, die mit zunehmendem Alter immer neurotischer und paranoider wird. Selma beginnt sich einzuigeln und begegnet ihrer Umwelt, insbesondere ihren Töchtern, mit emotionaler Kälte und offener Feindseligkeit. Als der Vater schwer versehrt aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrt und nach langem Kampf seinen Verletzungen erliegt, zerbricht die Familie gänzlich. Helene und ihre Schwester nutzen einen glücklichen Umstand zu ihrer wohlhabenden Tante nach Berlin überzusiedeln. Dort erleben sie die brodelnde Metropole der Golden Twenties, ein Leben voller Spaß und Rausch, dem sich Martha nur schwer entziehen kann und auf der Strecke bleibt, während Helene in Carl ihren Mann fürs Leben findet. Doch das Schicksal schlägt abermals zu und Carl kommt kurz vor der gemeinsamen Hochzeit bei einem Unfall ums Leben. Daraufhin erstarrt Helene innerlich, etwas in ihr geht kaputt und sie gerät in genau den glück- und freudlosen Zustand, an den sie ihre Mutter verlor. Auch die spätere Ehe mit Wilhelm, einem erfolgreichen Ingenieur, der sich als sadistischer Tyrann entpuppt, und die Geburt ihres Sohnes ändern nichts an ihrer inneren Kälte. Dann bricht der Zweite Weltkrieg aus und alles scheint verloren…

FORM: Julia Franck schreibt sehr dicht, komplex und verschachtelt – kunstvoll aber nicht gekünstelt. Die Sprache wirkt leicht antiquiert, was gut zur beschriebenen Zeit passt. Zwar brauchte ich ein paar Kapitel, um mich vollends auf diesen Stil einzulassen, konnte ihm dann aber sehr viel abgewinnen. Parallel zur zunehmenden Kälte Helenes wird auch Francks Sprache kälter und emotionsloser, beschränkt sich zum Ende hin nur noch auf äußerliche Beschreibungen, ohne dabei ihre Figuren zu verlassen, und lässt den Leser bewusst mit den notwendigen Deutungen allein. Das alles durchweg auf hohem sprachlichen Niveau.

FAZIT: Nach ein paar Startschwierigkeiten und ohne dass ich vorher viel von diesem Roman gehört oder erwartet hatte, packte es mich wie selten ein Buch. Eine zutiefst erschütternde und traurige Geschichte, die ich so schnell nicht vergessen werde. Ganz große Literatur – Fünf Sterne.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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Yoyomauss avatar

Rezension zu "Die Mittagsfrau" von Julia Franck

Dieses Buch hat mich einfach nur gefesselt
Yoyomausvor einem Jahr

Zum Inhalt:
1945. Flucht aus Stettin in Richtung Westen. Ein kleiner Bahnhof irgendwo in Vorpommern. Helene hat ihren siebenjährigen Sohn durch die schweren Kriegsjahre gebracht. Nun, wo alles überstanden, alles möglich scheint, lässt sie ihn allein am Bahnsteig zurück und kehrt nie wieder. Julia Franck erzählt das Leben einer Frau in einer dramatischen Zeit - und schafft zugleich einen großen Familienroman und ein eindringliches Zeitepos.

Helene und ihre Schwester leben ein gutes Leben. Zwar ist die Mutter psychisch instabil, aber auf den Vater können sie sich verlassen. Als dieser jedoch für den Dienst im ersten Weltkrieg eingezogen wird, ändert sich das Leben der Schwestern schlagartig. Während die Große sich als Krankenschwester ausbilden lässt, ist die Kleine noch mitten in ihrer jugendlichen Entwicklung. Sie ist fasziniert von der guten Freundin der Großen und wünscht sich auch ein bisschen so zu sein wie sie. Als der Vater wieder aus dem Krieg zurück kommt ist er verwundet. Die Große übernimmt seine Pflege, versucht ihn mit Morphium über die Schmerzen zu helfen. Doch bald muss die erkennen, dass die Große das Morphium für sich selbst nimmt und es kommt wie es kommen muss, der Vater stirbt. Fortan beginnt für die Schwestern eine turbulente Reise. Die Große nimmt die Kleine mit zu der reichen Tante in die Stadt, wo sie das Leben in vollen Zügen genießen. Es scheint keine Grenzen mehr zu geben und die Kleine - Helene - verliebt sich und verlobt sich schließlich. Doch es sind die Wirren des zweiten Weltkrieges die immer mehr um sich greifen. Ihre Mutter kommt in ein Zuchthaus und ihr Verlobter wird auf offener Straße von einem Auto angefahren. Helene ist hoffnungslos. Doch da taucht ein neuer Mann in ihrem Leben auf. Eine Chance für ein gesichertes Leben? Und was wird aus der großen Schwester, wenn sie weg zieht? Kann sie sie mit ihrer Lebensgefährtin allein lassen? Das Schicksal um Helene meint es wirklich nicht gut mit ihr und so muss sie sich schließlich entscheiden, was wirklich wichtig ist.


Die Mittagsfrau hatte ich zufällig im Regal entdeckt und mir das Buch eher auf Verdacht gekauft. Ich bin nicht enttäuscht worden. Die Geschichte ist ergreifend, fesselnd, schockierend. Sie ist emotional und man muss sich oft die Frage stellen, wie man sich selbst wohl in dieser Situation verhalten hätte. Helene ist wirklich ein armes Kind. Die Mutter hat psychische Störungen und so können die Kinder sie nur an den guten Tagen sehen. Mit der Verletzung des Vaters verschwindet er quasi ganz aus der Bildfläche. Er ist zwar da, aber immer wenn Helene ihn sieht scheint es ihm schlechter zu gehen, bis er schließlich dahin siecht. Die Schwester hingegen, die man erst bewundert hat, verurteilt man dann als Leser, wenn man begreift, dass diese die Schmerzmittel selbst als Drogen für sich genommen hat. Mit dem Umzug in die Stadt geht das Leben für Helene bergauf. Eine Ausbildung als Krankenschwester, bei der sie aber unter anderem bald miterleben muss, wie man behinderte Frauen zwangssterilisiert, da diese nicht mit in das System passen. Wer die Geschichte aufmerksam liest, der erkennt auch bald, dass die Mutter schlicht und einfach verloren ist, nachdem man sie in eine Anstalt einweist und man kann sich wohl auch zusammen reimen, was wirklich mit ihr passiert. Genauso verhält es sich mit Helenes Verlobten der auf offener Straße einem "Verkehrsunfall" zum Opfer fällt. Zufall? In meinen Augen keinesfalls. Auch muss Helene nun auch auf sich selbst achten und auch die große Schwester, wohnen sie bei ihrer Tante die Jüdin ist und stinkreich - somit rutschen sie selbst auch in den Fokus. Helene muss sich etwas einfallen lassen und endlich, als man denkt, dass sie einen sicheren Hafen gefunden hat, da passiert das nächste Unglück.


Empfehlen möchte ich das Buch allen, die einen Schicksalsroman suchen. Ihr kommt hier voll und ganz auf eure Kosten. Die Story ist leicht geschrieben und beginnt mit dem Ende, bevor Helenes Geschichte wirklich aufgerollt wird. Das Buch spricht alle Tabuthemen der damaligen Zeit an, ohne sich nur an einem Thema festzubeißen. Es geht um Sex vor der Ehe, lesbische Beziehungen, Drogenmissbrauch, Abtreibung, die Wirren des ersten und des zweiten Weltkriegs und die Folgen. Es ist wirklich interessant die Geschichte aus solch einem Blickwinkel präsentiert zu bekommen. Dabei schreibt die Autorin detailliert, was ich persönlich richtig gut finde. Dieses Buch ist nicht nur einfach zum lesen, sondern es regt auch zum nachdenken an. Gut gemacht.


Idee: 5/5
Spannung: 5/5
Emotionen: 5/5
Details: 5/5


Gesamt: 5/5



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Gespräche aus der Community

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L
Hallo, ich suche ein ähnliches Buch wie "Die Mittagsfrau" von Julia Franck. Könnt Ihr mir etwas empfehlen, das in diese Richtung geht? Darf ruhig literarisch sein. Es sollte aber trotzdem gut lesbar sein. Vielen Dank.
Zum Thema

Zusätzliche Informationen

Julia Franck wurde am 20. Februar 1970 in Ost-Berlin (Deutschland) geboren.

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von 18 Lesern aktuell gelesen

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