Es treffen im wahrsten Sinne des Wortes zwei Welten aufeinander, als Vittoria Vianello, die Tochter einer der bekanntesten Adelsfamilien Venedigs im 18ten Jahrhundert, und Benito, ein Küchenjunge aus der Unterschicht, einander durch schicksalshafte Umstände begegnen. Doch er gibt sich als der jahrelang verschollene Alleinerbe einer Eismanufaktur aus, wovon sie wiederum keinen blassen Schimmer hat. Doch auf beiden Seiten gibt es Geheimnisse, und nicht nur bei den Protagonisten. Stellt sich nur die Frage, wer seine am längsten wahren kann.
Ich durfte das Buch im Rahmen einer Leserunde lesen und bedanke mich hiermit noch einmal herzlichst bei der Autorin für das Rezensionsexemplar!
Das Cover gefällt mir richtig gut, wenngleich es bei näherem Hinsehen etwas gruselig ist, dass unter der Maske nur ein Auge hervorschaut. Aber bald ist ja Halloween und auch in der Geschichte gibt es die ein oder andere angsteinflößende Szene im Nebel, daher passt dieses Detail. Ebenso spiegelt die Schrift mit den eingearbeiteten Symbolen vieles aus dem Setting wieder. Sehr genial. Mit dem Titelbegriff selbst konnte ich zuerst nichts anfangen, aber dieser erklärt sich im Laufe der Handlung.
Schon zu Beginn geholfen hat mir das Personenverzeichnis, das ich VOR der Geschichte perfekt platziert fand. Das könnte man in anderen Büchern auch so übernehmen. Dadurch wusste ich nämlich sofort etwas mit den Charakteren anzufangen und hatte einen leichten Einstieg ins Geschehen.
Auch schnell überzeugt - und zum Lachen gebracht - hat mich die Rolle des Erzählers, welcher aus heutiger Zeitperspektive und von außen auf das Geschehen blickt. Ein bisschen so als gäbe es einen Moderator, der zwischen den Akten eines Theaterstücks seinen Senf dazugibt und die Umstände erläutert, bevor es mit der nächsten Szene weitergeht. Und gleichzeitig, als hätte man jemanden, mit dem man sich auf einer Ebene über die Geschehnisse austauschen könnte. Eine klasse Idee, die ich auch gut umgesetzt fand. Zum Ende hin schwächelte es dann ein wenig.
Was mich - trotz Übersicht über die Charaktere - aber irgendwann schier in den Wahnsinn getrieben hat, waren die völlig verschiedenen Wissensstände der einzelnen Figuren. Davon wurden es mit der Zeit nämlich leider nicht weniger, sondern im Gegenteil. Zum Höhepunkt der Geschichte, an dem ich auf Klarheit gehofft habe, wurde es gefühlt noch schlimmer und plötzlich konnte ich nicht einmal mehr sagen, wo manche Personen herkamen, die dann auch noch eine relevante Rolle spielten. In meinen Augen hätte es davor noch einiger Szenen bedurft, in denen vielleicht auch andere Charaktere als Vittoria und Benito mal zu Wort kommen, um ihren Stand der Dinge zu schildern.
Am Meisten enttäuscht hat mich vermutlich, dass nicht vollständig aufgeklärt wurde, was mit dem eigentlichen Aurelio passiert ist. Um diesen wurde ein solches Rätsel gemacht - und dann war er nicht in einmal ein richtiger Teil der Geschichte.
Hingegen begeistert hat mich die Lovestory. Sie war zwar voller Klischees und mit viel Drama, aber dennoch irgendwie so, dass sie mein Herz erreicht hat. Vermutlich, weil ich mit den betreffenden Personen über die Handlung hinweg sehr mitgefühlt habe. Weil sie sich als gute Seelen erwiesen haben. Über so etwas freut sich mein romantisches Herz, hihi.
Und Venedig, tja, ist und bleibt einfach eines meiner liebsten Settings für mystische Romane. Und dieses Buch hat auch seinen Teil dazu beigetragen. Ich konnte mir gut vorstellen, wie ich die Charaktere per Gondel durch die Kanäle und über die Brücken und Plätze begleite.
Fazit: Wie in Benito streiten sich in mir verschiedene Gefühle. Manches fand ich super schön, aber es haben mir auch wesentliche Teile der Erzählung gefehlt. Darum werden es 3,5 Sterne. Sehr lieb gemeinte, denn ich habe großen Respekt vor allen, die den Schritt ins Selfpublishing wagen. Und zudem war die Geschichte voll kreativer Ideen, die mir so noch in keinem anderen Buch zuvor begegnet sind. Wer also etwas Außergewöhnliches lesen möchte, ist hier richtig.

