Julia Leeb North Korea

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Inhaltsangabe zu „North Korea“ von Julia Leeb

Ein spektakulärer Blick auf ein unbekanntes Land:§§Beeindruckende kulturelle Großereignisse treffen auf ruhige Alltagsaufnahmen§Die Fotojournalistin Julia Leeb schafft es, verschiedenste Facetten des nordkoreanischen Lebens abzubilden§Exklusives Vorwort von Star-Künstler JR§Enthält 15 interaktive Features unterlegt mit eigens komponierter Musik von Xenia Maculan.§§Nordkorea steht sicher nicht an erster Stelle allgemeiner Wunschdestinationen. Dennoch strahlt das Land eine unheimliche Faszination aus. Es ist ein Mysterium, ein anonymes Land, abgeschottet vom Rest der Welt. Die Fotojournalistin Julia Leeb hat sich mit zwei Freundinnen auf die Reise gemacht, um Land und Leute besser kennenzulernen. Herausgekommen ist ein spektakulärer Bildband, der einen fesselnden Blick auf Architektur, Kultur und Bevölkerung bietet. Er lässt uns in eine unbekannte Welt eintauchen. So haben wir Teil an den Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung und verfolgen wie tausende Nordkoreaner das Synchrontanzspektakel Arirang vorführen. Aber auch "leisere" Aufnahmen wecken Emotionen im Betrachter. Eine aufgeregte Braut, eine Mutter mit Kind, eigentlich ganz alltägliche Szenen und doch ist alles anders. Diese vielschichtigen Bilder wirken noch lange nach, selbst wenn man das Buch schon zur Seite gelegt hat.
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  • Nordkorea – ein Paradies des werktätigen Volkes?

    North Korea
    R_Manthey

    R_Manthey

    11. August 2015 um 09:52

    Man sollte angesichts der Weltgeschichte inzwischen glauben, dass das Streben nach Sozialismus genug Ungemach entfaltet hat. Aber irgendwie ist dieses Streben nicht totzukriegen. Wahrscheinlich wird auch ein kleiner Ausflug nach Nordkorea daran nichts ändern. Wenn man sich vorher informieren möchte, dann hilft dieser sehr gelungene Bildband dabei ohne Zweifel. Eigentlich kann man sich nach dessen ausführlicher Betrachtung die Reise auch sparen, denn mehr als in diesem Buch gezeigt wird, bekommt man garantiert auch vor Ort nicht zu sehen. So interessant die Bilder und die wenigen Textstellen für Menschen seien mögen, die noch niemals einen sozialistischen Staat von innen kennengelernt haben, so bekannt kommt denen, die im Osten Deutschlands aufwuchsen, hier eigentlich alles vor. Sicher, in dieser stalinistischen Dynastie kann man davon ausgehen, dass die ärmlichen Lebensumstände, die Unfreiheit und die allgegenwärtige Gehirnwäsche noch ganz andere und unvorstellbare Dimensionen erreichen als sie es im ersten deutschen Arbeiter-und-Bauern-Staat schon taten. Nordkorea ist völlig abgeschottet, es gibt keinerlei wenigstens teilweise objektiven Informationen über das Geschehen im Rest der Welt, der Alltag wird militärisch durchorganisiert und jedes Aus-der Reihe-tanzen wird mit Sicherheit streng bestraft. Wenn schon das Falten einer Zeitung gefährlich wird, weil man das Antlitz des geliebten Führers virtuell knickt, dann kann man wohl erahnen, was bei schlimmeren Vergehen droht. Was man in diesem Bildband zu sehen bekommt, ist natürlich allenfalls die Oberfläche, die man zu zeigen bereit ist. Man sieht weder die Provinz (auch wenn das in einer Überschrift suggeriert wird), noch weiß man, wie die Menschen tatsächlich leben oder unter welchen Umständen sie arbeiten (müssen). Zu sehen sind nur ausgewählte Objekte, ausgewählte Orte, eben das, was man zeigen möchte, um ein falsches Bild zu erzeugen. Natürlich ist das nicht die Schuld der Autorin. Man muss im Gegenteil ihren Mut bewundern, dass sie auch Motive mit nach Deutschland brachte, die nicht unbedingt gewollt waren. Sensationell sind sie aber auch nicht. Niemand wird als Ausländer unter diesem Regime je dahin kommen, wo es wirklich interessant und echt wird. Aber selbst wenn man die in diesem Band enthaltenen Aufnahmen aufmerksam und im Detail betrachtet, kann man interessante Einzelheiten entdecken. Riesige Straßen ohne Verkehr, plötzlich ein fetter Mercedes, in dem die besonders Gleichen herumkutschiert werden, die schreckliche Uniformität, die völlig ins Absurde getriebene architektonische Gigantonomie, die zu fast allen sozialistischen Diktaturen gehört (auch zu den beiden in Deutschland). Den bereits zu sehenden Zerfall von kürzlich erst errichteten Plattenbauten, deren unterste Etage vergittert ist, obwohl natürlich alle Menschen unter der Führung der ruhmreichen Partei der Arbeit Koreas nach den höchsten Idealen streben. Und die überall herrschende Ordnung und Sauberkeit. Ungewollt komisch wirkt die kindliche Naivität der Autorin, wenn sie sich überrascht zeigt, dass die Menschen in Nordkorea über dieselben Dingen lachen können wie auch sie selbst. Solche Äußerungen zeugen von einem Unverständnis, das man ihr verzeihen muss, weil sie sich einfach mangels eigener Erfahrungen nicht in die Lage dieser Menschen versetzen kann. Natürlich sind Nordkoreaner Menschen wie wir. Aber sie kennen nur ihr irrwitziges Universum. Wenn man sie daraus entlässt wird man zwei Reaktionen beobachten können: Offenheit bei denen, die intelligent und charakterstark genug sind, um sich der täglichen Gehirnwäsche nicht völlig zu unterwerfen, und schroffe Ablehnung bei den meisten anderen. Man steht in solchen Regimen unter ständiger Beobachtung. Das prägt das Verhalten und geht den Menschen in Fleisch und Blut über. Sie passen sich auf verschiedene Weise an. Eigentlich muss man dazu nicht nach Nordkorea fahren, sondern nur in die deutsche Geschichte zurückgehen. Denn das, was in Nordkorea in ausgewählten Situationen zu betrachten ist, findet man bis in den Alltag heruntergebrochen in der deutschen Geschichte viel detaillierter. Der einzige, aber gravierende Unterschied besteht nur darin, dass Nordkorea völlig zugemauert und isoliert ist. Da funktionieren alle Methoden solcher Regime auf geradezu ideale Weise. Wenn Menschen nicht mehr nach Freiheit und Selbständigkeit streben, weil sie einen solchen Zustand nie kennengelernt haben und folglich auch nicht wissen, was das ist und wie es sich anfühlt, dann ist man im perfekten Sozialismus gelandet. Wer das anstrebt, sollte es sich ruhig einmal vorher ansehen. Nordkorea ist so etwas wie die ideale sozialistische Welt. Und dieser Bildband öffnet ein kleines Fenster zu den aus Sicht des Regimes zeigenswerten Stellen dieses makabren Universums.

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