«Dann blickte Sam aus dem Fenster, und da war ein Bär. Er hockte vor der Haustür, direkt vor dem Gehweg, und hatte den Blick abgewandt. Sein Rumpf war riesig, das Fell dicht, goldblond, braun und schwarz.»
Auf einer Insel vor der Küste des Bundesstaates Washington im äußersten Nordwesten der USA lebt Sam mit ihrer Schwester Elena und der schwerkranken Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Sam arbeitet auf der Fähre, die die wohlhabenden Urlauber zu ihren Feriendomizilen bringt, während Elena im Golfclub kellnert. Das meiste Geld geht für die medizinische Versorgung der Mutter drauf. Sie beide träumen von einem besseren Leben, davon, woanders neu anzufangen. Dann, eines Morgens erblickt Sam einen Bären direkt vor ihrer Haustür. Zwei Schwestern, die immer zusammengehalten haben, driften völlig auseinander. Die eine bleibt in den Kinderträumen verwachsen, die andere stellt sich der Realität.
«Er war eine Majestät im Pelzgewand. Ohne ihn wüsste Elena nicht, was sie machen sollten. Der Bär war das einzig Gute, das sie hatten: ein Spuk, ein Gespenst, ein außergewöhnliches wildes Tier. Ein Besucher aus einem verzauberten Reich, eine Vision aus einer geheimnisvollen Welt.»
Der Bär als Metapha. Der Roman wird als Grimm-Märchen bezeichnet. Wegen des Bären, Schneeweißchen und Rosenrot? Das kam mir nicht in den Sinn. Letztendlich ist es eine ziemlich lang ausufernde Geschichte, die im Schneckentempo dahingleitet, so langweilig, dass ich an einigen Stellen nach vorn gespult habe. Ein uraltes Haus, das die Großmutter einst kaufte, auf einer Insel im Urlaubsgebiet, eine Mutter, die pflegebedürftig an einer Lungenerkrankung langsam stirbt. Zwei Schwestern, die jeder ein eigenes Leben führen, die eine verträumt mit einem Arbeitskollegen, mit dem sie Sex in leeren Kabinen auf der Fähre hat, der ihr aber nichts bedeutet, dessen private Einladungen sie ständig ablehnt. Die andere, Elena, vernünftig, scheint keine Beziehung zu haben. Das rollt vor sich hin – zwischendurch der Bär, der scheinbar immer wieder vor dem Haus gesichtet wird. Monotonie des Alltags – und dann taucht der Bär auf, kratzt am Haus, schubbert sich den Rücken. Ob er danach wirklich nochmal zum Haus zurückkommt, sei dahingestellt. Elena sieht ihn immer wieder – real oder in ihrer Fantasie, das ist nicht klar. «Das Träumen half.» Interessant wird für mich der Roman erst am Ende, als die Mutter stirbt, und es klar wird, dass die Schwestern keine gemeinsame Vorstellung vom Leben teilen. Genau diesen Traum führte Elena – geplatzt wie eine Seifenblase.
Ein Geschichte, die mich nicht abgeholt hat, weil lediglich Belangloses passiert und mir keine Message klar wird. Auch schriftstellerisch war dies für mich kein hervorragender Roman. Die Story ist für mich inhaltlich nicht immer nachvollziehbar und das Ende fand ich ziemlich blöd. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Familie lieber sterben würde, als Obama-Car in Anspruch zu nehmen, sie wären das typische Clientel dafür. Drum ist es nicht ganz nachzuvollziehen, warum die Mädchen jede einzelne Rechnung der Mutter selbst tragen müssen. Langeweile – das ist Geschmackssache. Die entsteht bei mir, wenn die Geschichte keinen Spannungsbogen besitzt und inhaltlich mich das Buch nicht tragen kann, mir keine neuen Erkenntnisse bringt, die Figuren nicht reizen. Denn auch die empfand ich langweilig. Letztendlich ist die Icherzählerin Sam die Antagonistin, die von allem angeödet ist. Die Beziehung der Schwestern funktioniert, solange sich alles um die Mutter dreht. Nach ihrem Tod geht es um Entscheidungen, Realitäten zu akzeptieren. Wenn man das Buch nicht gelesen hat, hat man eindeutig rein gar nichts verpasst.













