Es liegt etwas zutiefst Anrührendes (und manchmal auch Komisches) im Versuch des Menschen, so etwas wie eine Heimat zu finden. Und damit meine ich kein Land, keine Nation, sondern einen Ort, einen anderen Menschen, eine Berufung, einen Ruf, einen Zustand, irgendetwas, dass uns das Gefühl gibt: wir werden hier verstanden – können hier verstehen, wer wir sind.
Vielleicht ist unser aller Heimat aber wirklich die Einsamkeit. Und was wir erfinden, erdenken, um sie zu überbrücken, stapelt sich letztlich nur zwischen uns auf oder verwandelt sich sogar in eine zusätzliche Distanz. Wir sind nicht allein, auf der Welt, in unseren Häusern, Betten – warum kommt es uns dann manchmal so vor? Warum hängen Spiegel um den Hals der anderen, warum erscheint uns die Freiheit wie eine Sackgasse, eine Wand?
Julia Rüeggers beeindruckendes Debüt versammelt eine ganze Reihe von solchen Momenten, in denen sich Entfernungen manifestieren; zwischen Ich und Ideal, zwischen verschiedenen Zwischenmenschlichkeiten, zwischen Umfeld und (An)Wesenheit, Liebe und Leibhaftigem. Ihre eindrücklichen Bildwelten und die nachhaltige Wucht mancher Zeilen, helfen ihr zu erzählen, wie diese Abstände, Einwände und Widerstände sich auftun oder wie man im Unklaren schwimmt, selbst wenn man eine Spur aufgenommen hat. Wie sich nicht alles fügt, sondern vielmehr Fuge ist.
Sprachlich immer wieder überraschend, lakonisch mitunter, komisch auch, dennoch stets Anteil nehmend – kurzum: ein richtig gutes Buch, das die Leser*innen nicht durchwinkt, sondern an vielen Stellen involviert. Mit solchen Lyriklektüren ins Jahr starten: zu empfehlen!
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