Schöne Seelen und Komplizen

von Julia Schoch 
3,4 Sterne bei5 Bewertungen
Schöne Seelen und Komplizen
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K

Es zeigt, dass das Leben keine gerade Linie ist, sondern in UPS und Downs verläuft.

Kritisch (1):
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So verwirrend, dass ich mit den philosophischen Gedanken leider nicht viel anfangen konnte - was will dieses Buch mir sagen?

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Inhaltsangabe zu "Schöne Seelen und Komplizen"

Lydia, Alexander, Ruppert, Kati. Sie alle sind Schüler eines Elitegymnasiums der DDR. Während die einen mit glühendem Blick im »Reimanns« subversive Gedanken diskutieren, sehen die anderen unschuldig einer sozialistischen Zukunft entgegen. Der Mauerfall trennt sie schlagartig von ihrer Vergangenheit. Schwankend zwischen Hass, Verweigerung und Euphorie hören sie die Beteuerungen ihrer Eltern, dass alles ganz normal sei. Dabei sieht jeder die Explosion 1989 mit anderen Augen. Dreißig Jahre später zieht jeder der Helden Bilanz. Und sieht sich vor große Fragen gestellt: Wie lange verfolgt uns die Vergangenheit, oder verfolgen wir sie? Wie viel sind ihre Erfahrungen wert? Damals sind sie davongekommen, aber sie alle jagen einer Freiheit nach, noch immer. Julia Schoch macht den historischen Umbruch in privaten Leben erfahrbar. Und schreibt damit einen beeindruckenden Gesellschaftsroman für unsere Zeit.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492057738
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:01.02.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    K
    Klaus_Jürgen_Dilewskyvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Es zeigt, dass das Leben keine gerade Linie ist, sondern in UPS und Downs verläuft.
    Gibt es eine Schuld, hervorgebracht durch Seelenverwandtschaft?

    Der Verlag:

     

    »Ich gehe auf jedes Buch zu, als könnte es ein guter Freund werden«: Mit diesem leidenschaftlichen Bekenntnis zur Literatur schlägt Piper-Verlegerin Felicitas von Lovenberg einen Bogen zu den Anfängen des traditionsreichen Verlags. 1904 aus Liebe zum Buch und zu den Lesern Reinhard Piper gegründet, leitet die profilierte Journalistin, u.A. lesenswert SWR Fernsehen bis zur Übernahme der Verlagsleitung, Sachbuch-Autorin und »große Leserin« (DIE ZEIT) Felicitas von Lovenberg den Verlag als glaubwürdige Instanz für Autoren und Leser – ein breit aufgestelltes Haus mit rund einhundert Mitarbeitern. Deren engagierte interne Auseinandersetzung mit Schriftstellern, Manuskripten und Themen bringt seit Jahrzehnten ein authentisches Produkt hervor – wenn man die Werke so verschiedener Autoren

     

    Die Autorin:

    Julia Schoch wurde 1974 in Bad Saarow geboren und wuchs in Mecklenburg auf. Seit 1986 wohnt sie in Potsdam. Mehrere Jahre arbeitete sie als Filmvorführerin. In den neunziger Jahren studierte sie Germanistik und Romanistik. Sie lebte längere Zeit in Paris, Bukarest und Kaliningrad. Von 2000 bis 2003 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin für französische Literatur an der Universität Potsdam. Seit 2003 ist sie freiberufliche Autorin und Übersetzerin. Ein beredtes Beispiel zeigt ihr neustes Projekt: Von Isabelle Eberhardt: Nomadin war ich schon als Kind / Tagebücher - übersetzt und mit einem Vorwort von Julia Schoch. Aus dem Verlag: edition erdmann ein Imprint von Verlagshaus Römerweg  ( Juni 2018).

    Das Cover: Es zeigt, dass das Leben keine gerade Linie ist, sondern in UPS und Downs verläuft.

     

    Nun aber erst einmal zum Inhalt der Geschichte; die Buchbeschreibung des Romans "Schöne Seelen und Komplizen":

     

    Inhalt Teil 1 um es mit Johannes Oerding - Hundert Leben zu sagen:

     

    Der erste Zigarettenrauch dicht gefolgt vom Whiskey-Rausch
    Und die Große Liebe, die man nie vergisst
    Am Anfang wollte keiner weg
    Doch dann haben auch wir entdeckt
    Dass Leben hinterm Ortsschild ist
    Die Lehrer waren stehts bemüht
    Freitags wurde vorgeglüht
    Nein, damals gab es keine Einsamkeit
    Nie auf Nummer sicher geh'n
    Tag für Tag Geschwister seh'n
    Jedes Alter hat auch seine Zeit

    Wir haben viel erlebt
    'ne Geschichte, die uns ewig bleibt
    Und haben viel geseh'n
    Dass es gut für hundert Leben reicht
    Und ohne unser gestern
    Würd' ich mich heut nicht so auf morgen freu'n
    Ist es nicht das, was zählt
    Eine Zeit, die gut für hundert Leben reicht
    Die gut für hundert Leben reicht

     

     

     

    Inhalt Teil 2:

     

    Unsere alten Straßen seh'n aus, als blieb die Zeit hier stehen
    Ich fahr' noch mal bei euch allen vorbei
    Melle ist schon lange weg
    Christian bringt sein'n Sohn ins Bett
    Und Ben und ich haben eigentlich wenig Zeit
    Kurz reingeschaut und viel gelacht
    Und einer meiner Freunde sagt
    Ich seh' aus wie mein Vater nur mit Bart
    Alles so wie immer, so als wär'n wir wieder Kinder
    Hier weg zu gehen war richtig, doch auch hart
                                                                                                                                                                                Wir haben viel erlebt
    'ne Geschichte, die uns ewig bleibt

     

    Nun zu meiner Meinung   / Mein Fazit:

     

    „Wenigstens bleiben uns die Erinnerungen, so ist die Vergangenheit nie tot.“ , und „In der Vergangenheit ist alles einfacher.“ , heißt es im Roman Julia Schoch erzählt in ihrem Roman "Schöne Seelen und Komplizen" „Die meisten Menschen gehen daran zugrunde, dass sie den Anfang und das Ende nicht zusammenbringen können. “, an einer Dritten.

     

    Und um es erneut mit Johannes Oerding - Hundert Leben zu sagen:

     

    Wir haben viel erlebt
    'ne Geschichte, die uns ewig bleibt
    Und haben viel geseh'n
    Dass es gut für hundert Leben reicht
    Und ohne unser gestern
    Würd' ich mich heut nicht so auf morgen freu'n
    Ist es nicht das, was zählt
    Eine Zeit, die gut für hundert Leben reicht
    Die gut für hundert Leben reicht:

    Eine Zeit, die gut für hundert Leben reicht
    Wir wissen nicht, was kommt
    Wir wissen nur, was ewig bleibt, hey!

     

    Die bibliographischen Angaben zu diesem Titel lauten: Produktinformationen:

     

      Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

      Verlag: Piper ( Februar 2018)

      Sprache: Deutsch

      Preis: 20 €

      ISBN-13: 978-3492057738

     

    Dr. Dilewsky ist seit 20 Jahren, an unterschiedlichen Schulformen, als Studienrat tätig. Aktuell arbeitet er seit 04.10.2011 am Weiterbildungs-Köln-Kolleg, einer Schulform, die es Menschen ermöglicht, ihr Abitur auf dem 2. Bildungsweg zu erreichen. Letztendlich möchte er mit seiner Arbeit ein Umdenken im System Schule einleiten. In seiner Freizeit unterstützt er junge Musiker. Mittelfristig möchte er    die Richard Istel Stiftung für junge Musiker gründen, die jungen Künstlern, über Stipendien, ihre Ausbildung und erste CD Produktionen ermöglicht. Seit Dezember 2014 gibt es das 4. Buch von                                                            Dr. Klaus Jürgen Dilewsky, welches beide Arbeitsbereiche sinnvoll miteinander  verknüpft:
    Erziehung  heute Auswirkungen auf die Schule: Reihe Unterrichtsmaterialien

    Bd. 1, 408 S., 44.90 EUR, br., ISBN 978-3-643-12883-6                                                                             Meine Rezensionen erscheinen seit 1989, je nach Thema: bei JuLit, der Deutschunterricht, Pädagogik, Seite der Stadtbibliothek Köln, auf Verlagsseiten, meiner fb-Seite, bei Amazon: https://www.amazon.de/gp/profile/A2C6AA9ZLFQ5NA?ie=UTF8&ref_=sv_ys_4

    und auf den Seiten anderer Buchhandlungen. Autoren und Verlag erhalten 1 Exemplar der Besprechung per Mail.

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    Nilvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Zu viele Personen in die wir als Leser eintauchen. Der erste Teil ist weitaus besser als der zweite Teil, aber eine bestechend gute Prosa!
    bestechend gute Prosa, aber zu großes Figurenkabinett

    'Schöne Seelen und Komplizen' war ein Roman der mich sehr gereizt hat und denn ich nach einem gehörten Interview mit der Autorin Julia Schoch sofort lesen wollte.

    Die Idee ist klasse, wir lernen eine Menge Abiturienten zur Wendezeit 1989 kennen und dann fast forward und wir treffen sie 25-30 Jahre später wieder.

    So weit so gut. Der Roman ist in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten lernen wir ganze 16 Personen kennen. Hier kommt in kurzen Kapiteln jeder zu Wort, vereinzelt auch mehrfach.

    Jeder berichtetet aus seiner persönlichen Ich-Perspektive über die Ist-Situation rund um 1989. Charmant ist, dass der Erzähler wechselt, aber die Zeit voranschreitet. Das ist gut gemacht.

    Was mich aber total überfordert hat, sind 16 verschiedene Charaktere die alle paar Seiten wechseln und alle aus der Ich-Perspektive berichten. Ich war froh diesen Roman fast am Stück gelesen zu haben. Definitiv nichts was man mal zur Hand nimmt für ein paar Seiten und dann wieder weglegt und beim nächsten Mal genau weiß wer da gerade denkt und agiert.

    Dann folgt der zweite Teil in dem wir das gleiche Figurenkabinett antreffen, wieder kommen die einzelnen Personen als Ich-Erzähler zu Wort. Wir tauchen als Leser ab wie die jungen Idealisten nun leben und was sie treibt. Im zweiten Teil gibt es aber zwangsläufig keine so stringente Handlung durch die Geschichten hinweg. Nur ein loser Strang: das Klassentreffen. Auffällig sind die vielen negativen Gegenwartsportraits bzw. gescheiterten Persönlichkeiten, nur wenige hinterlassen einen frohen, gar einen glücklichen Eindruck. Das hat bei der Lektüre etwas irritiert und scheint mir auch eine etwas zu traurige Bilanz dieses Jahrgangs.

    Für meinen Geschmack zu komplex, aber eine wunderbare Prosa. Ein Grund warum ich den Roman überhaupt zu Ende las. Wirklich schön kann Julia Schock schreiben. Da kann man richtig in die Seiten einsinken. Nun wünsch ich ihr noch einen treffenderen Inhalt zur Verarbeitung. Hier zwei gute Zitate: 'Das Bewusstsein für die eigene Einsamkeit überfällt einen blitzartig.' auf Seite 168 und 'Erzeugt nicht Euphorie oft zugleich Blindheit?' auf Seite 155.

    Übrigens habe ich noch kein literarisches Werk gelesen wo so oft das Wort Flunsch vorkommt.

    Fazit: Zu viele Personen in die wir als Leser eintauchen, der erste Teil ist weitaus besser als der zweite Teil, aber dennoch eine bestechend gute Prosa!

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    M
    michael_lehmann-papevor 7 Monaten
    Wie das Leben unveränderlich prägt

    Wie das Leben unveränderlich prägt

    Wer als Leser dazu neigt, sich zitierfähige Sätze, existenzielle Sätze, Anmerkungen zum menschlichen Sein und zur Bedeutung der eigenen Jugend-Geschichte für das gesamte weitere Leben gerne zu notieren, der sollte bei der Lektüre dieses Werkes einen ausreichend dimensionierten Block samt Stift bereitlegen.

    Zwar nicht jeder Satz und nicht auf unbedingt jeder Seite, doch in ungewöhnlich hoher Dichte und Vielfalt bietet Julia Schoch in einer klaren, präzisen und immer genau auf den Punkt treffenden Sprache ein Kaleidoskop des Lebens, dass sie ihren diversen, miteinander enger bis lose verbundenen Protagonisten je aus ganz individueller, persönlicher Erfahrung heraus in den Mund legt.

    Wobei der Anfang, der Rahmen des Werkes relativ einfach geklärt ist und dennoch in sich bereits kompliziertes Geschehen vereint. Wenn man um die Jahre der Wendezeit 1989 in genau jener prägenden Lebensphase der Jugend ein Gymnasium besucht, dass elitär und damit DDR-linientreu war, vom gesamten Alltag des Lebens und Umfeld bereits ja sich „in ein Leben gewöhnt hat“ und dann eine doch umwälzende Veränderung der Werte, Öffnung des eigenen Lebenswegs und einen zeitlich gedrängten, raschen äußeren Perspektivwechsel zu verkraften hat.

    Neben den, gerade in diesen jungen Jahren, ja auch wichtigen „Kleinigkeiten“ des Lebens wie Freundschaft, Konkurrenz, Verliebtheit, Nähe und Distanz.

    Es sind einige Personen, die Schoch in dieser Zeit im Buch begleitet und dann dieselben Personen Jahrzehnte später in ihrem persönlichen Rückblick auf das Leben vor Augen führt. Nicht in ellenlangen Monologen oder reflektierten Betrachtungen, sondern in dem, was diese Personen aus diesen Wurzeln heraus geworden sind und mit sich und miteinander erlebt haben.
    Und gerade weil die 16 handelnden Personen im Roman so verschieden sind, von der „Paris verbundenen Romantikeren“ bis zum „in der Spielhalle sein Leben gelangweilt dahingleiten lassenden“ Lebensentwurf, bildet sich im Roman nicht nur die spezielle Geschichte von „DDR-Jugendlichen“ mit ihrer ganz eigenen Prägung ab, sondern ein Gutteil der gesellschaftlichen Gegenwart findet sich auf den Seiten des Romans wunderbar illustriert wieder.

    „Ich müsste noch etwas Großes wagen. Eine Art Aufbäumen. Unbeholfen, stürmisch, nah an der Verzweiflung!“….Das zog mich runter, machte mich sogar regelrecht fertig“. Auf diesem Konzert in der Gegenwart, mit dem eigenen Sohn im gleichen Alter, wie man selbst damals.

    „Ich bin abgeschnitten, was mal wichtig war, hat keine Bedeutung mehr…..auch nicht für mich selbst“. Was nicht nur auf das „abgeschnitten sein“ in der eigenen Jugend zutrifft, sondern einfach auch das Lebensgefühl nicht weniger Angehöriger einer Generation widerspiegelt. Die ihre netten, höflichen, netzwerkenden Kinder betrachtet und sich ernsthaft fragt, wo denn der eigene Kampf, der eigene Beitrag zum Leben eigentlich war.

    „Vielleicht habe ich den Anschluss verpasst. Frage ist nur, den Abschluss woran“?
    Fragt sich Ruppert auf seine Weise, wie auch die anderen, wie auch Lydia, nur aus ganz anderer Perspektive, im Blick auf den Schulfreund, mit dem sie inzwischen seit langer Zeit liiert ist.

    „Wie der hinterhältige Ehemann in Gaslicht schafft er es jedes Mal, mich glauben zu lassen, ich sei unzurechnungsfähig“. Was das allgemein menschliche in starken Worten über lange Lieben und manche Beziehungen ist, demgegenüber das Spezielle an erlebter Geschichte schal schmeckt, die Fluchtversuche (nach Argentinien, damals, zumindest geplant) nicht umgesetzt wurden und nun die Vergangenheit, „sie pappt mir an wie Grieß“.

    Lästig, unschön, aber nicht abzuschütteln.

    Eine intensive Lektüre, die vielfach auf den Punkt trifft, die Prägungen und deren Folgen offenlegt, die zeigt, wie die Gegenwart wenig klare Orientierung bietet und wie schwierig es ist, sich von jetzt auf gleich dauerhaft in einer „neuen Welt“ zurecht zu finden. Bei der aber auch Längen nicht ganz vermieden werden können und nicht alle Handlungsweisen völlig überzeugend erscheinen.

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    once-upon-a-times avatar
    once-upon-a-timevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: So verwirrend, dass ich mit den philosophischen Gedanken leider nicht viel anfangen konnte - was will dieses Buch mir sagen?
    Unheimlich kompliziert

    „Ich blättere darin herum, ich bleibe an einzelnen Wörtern hängen, ich muss das nicht verstehen.“ (S. 244)

    Eine Schulklasse um die Zeit der Wende führt uns in diesem Roman vor Augen, wie sehr die Änderungen des politischen Systems jeden einzelnen persönlich beeinflusste. Dabei begleiten wir die einzelnen Schüler zunächst in der Zeit der politischen Umbrüche, um sie dann im zweiten Teil in unserer Zeit wieder zu treffen. Besonders dort wird deutlich, wie sehr der ein oder andere mit den Umständen zu knapsen hatte.

    Ich will nicht sagen, dass mir dieses Buch nicht gefallen hat, dafür habe ich zu wenig davon verstanden. Und dabei fing es so gut an: Eine Schulklasse um die Zeit der Wende, ganz unterschiedliche Figuren, die ganz unterschiedliche Einstellungen zum System haben, und plötzlich wird alles anders. Die politischen Auswirkungen sind uns allen hinlänglich bekannt, doch einen Blick auf die persönlichen Auswirkungen zu erhaschen, das fand ich ziemlich reizvoll.

    Leider fiel es mir so schwer, dem Buch zu folgen, dass es für mich keinen Lesegenuss bot. Die Schulklasse scheint nahezu vollständig aus Philosophen zu bestehen, den Eindruck erwecken jedenfalls die vielen tiefsinnigen Gedanken, doch abgesehen davon?
    Jedes Kapitel ist aus der Sicht eines anderen (ehemaligen) Schülers geschrieben, die sich keine Mühe geben, ihre Handlungen und Gedanken mit Hintergrund zu unterfüttern. Schon klar, für die Personen ergibt das auch keinen Sinn, und mich nerven übertriebene Nebensätze im Sinne von „Der Hans, der ja letzten Monat seine Frau verloren hat…“, die nur der Erklärung für den Leser dienen, im Normalfall auch. Aber dass ich mir Zeitsprünge selbst überlegen muss, ebenso den Fall der Mauer (sie können problemlos in den Westen fahren, also wird das jetzt wohl schon passiert sein), warum irgendjemand eine Alibibeziehung braucht (lesbisch? Wer weiß das schon…), das wird auf fast dreißig Seiten dann doch anstrengend.
    Hinzu kommt die Fülle an Figuren, zu denen ich durch den Aufbau einfach keine Bindung aufbauen konnte, und der Sätze wir „Ellen rief mich an“ kompliziert macht. Wer war Ellen noch gleich?

    „Vielleicht ist alles ganz einfach, wenn etwas tatsächlich passiert. Vielleicht ist das Schreckliche immer nur die Vorstellung.“ (S. 35)
    „[…] die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte wandernder Grenzzäune, jedes Mal mit viel Natur dazwischen.“ (S. 85)
    „Das Scheißsystem macht sich vom Acker, aber das Schlechte lässt es da, findest du das nicht ungerecht?“ (S. 108)


    All das sorgte leider dafür, dass ich keinen Spaß daran hatte, dieses Buch zu lesen. Es lief nebenher mit, wenn ich mich zwischendurch mal überwinden konnte, weiter zu lesen, und machte mir ansonsten eher ein schlechtes Gewissen. Ich hoffe jedoch sehr, dass es Menschen gibt, die meine Kritikpunkte eher reizvoll finden und diesem Roman die Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen, die ich ihm durchaus gönne.

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    TochterAlices avatar
    TochterAlicevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ganz interessant und mit vielen sehr treffenden und tief greifenden Zitaten - vor allem aber sehr verwirrend!
    Wer sie waren, wer sie sind

    Damals und Heute - in diesem Roman kommen Menschen zu Wort, Menschen gleichen Alters. Zunächst ganz jung, dann - in der Gegenwart - mittelalt. Es sind ehemalige Schüler eines Potsdamer Elitegymnasiums, die gemeinsam die Wende erlebt haben. Eine Wende, die vielfach von Privatem überlagert wurde - denn als junger Mensch hat man doch so viel mehr im Kopf als den Lauf der Welt. Was mit einem selbst passiert, ist doch so viel spannender! Nicht immer, aber doch sehr, sehr oft.

    Julia Schoch schildert diese Zeit aus vielerlei Perspektiven: es sind eine Menge junger Menschen, die hier zu Wort kommen Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre, so viele, dass sie mich verwirrt haben. Wofür stand nochmal Lydia, wofür Ellen oder Britta, war jetzt Alexander oder Tomas oder gar Martin der Mädchenschwarm oder habe ich es sogar verwechselt? Und vor allem: was bedeutete die Wende für sie alle, die damaligen (teilweise noch heutigen) Potsdamer, die die Wege der Zeit, des Lebens vielfach auseinander gebracht, teilweise jedoch auch zusammengehalten haben.

    Julia Schoch hat einen aus Blitzlichtern, Momentaufnahmen verschiedener Protagonisten zusammengefügten Roman auf zwei Zeitebenen geschaffen, der durchaus interessant ist, mich jedoch äußerst verwirrt zurückgelassen hat. Die Einzelschicksale und die jeweils damit verbundenen Charaktere waren zu wenig akzentuiert, setzten sich zu wenig voneinander ab, verschwammen teilweise aus meiner Sicht sogar ineinander und vermischten sich. Ein gutes, spannendes Potential, das nicht ganz ausgeschöpft wurde aus meiner Sicht, das teilweise sogar im Sande verlief. Und das, obwohl Julia Schoch wirklich schön schreibt, passende Sätze findet, die bis ins Mark treffen. Zum Beispiel "ich glaube, die Erinnerungen sterben später als die Menschen." (S.122) Das sagt eine der Protagonistinnen, Vivien, zu Alexander - eine Verbindung, die über Jahrzehnte erhalten bleibt.

    Doch das Problem der Autorin (kenne ich auch), also auch "Mein Fehler ist, dass ich davon ausgehe, andere Leute würden die Dinge genauso sehen wie ich." (128) Geht mir auch oft so und gerade dies ist mit ein Grund, dass ich ihr und ihrem - insgesamt duchaus sympathischen - Buch stellenweise leider nur Unverständnis entgegenbringe.


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