Ich durfte das Manuskript von Julia Theek schon vor dem offiziellen Erscheinungstermin des Buches lesen, da mich das Thema Upcycling sowohl beruflich als auch privat interessiert und ich den Brückenschlag zur Kunst für interessant und eindrücklich halte. Ich kann es Leser+innen, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen nur empfehlen, da es eine neue, unerwartete, geistreiche, häufig auch unvergesslich humorvolle Sicht auf die Dinge, die uns umgeben und die wir als Menschheit geschaffen haben eröffnet.
Upcycling "ist die Transformation von bereits Genutztem in etwas möglichst Höherwertiges - im Unterschied zu Recycling, wo das Material zurück im Produktions-Prozess Eigenschaften einbüßt" - so definiert sich der Gegenstand der Betrachtung gleich am Anfang. Interessant sind dann die unendlich vielen Fragen, die sich Julia Theek selbst und den Leser+innen stellt: "Kann ich ein Haus als Materiallager denken, dessen einzeln erfasste Baumaterialien wieder verwendet würden, wenn aus dem Eigenheim ein Altersheim würde?" "Wann sind die Dinge Gedächtnisspeicher...?" "Warum ist Hitlers Pullover nicht mehr tragbar?"
Beim Lesen des Buches und beim Betrachten der hochwertigen Abbildungen als Repräsentanten der neuen Richtung Upcycling Kunst, als deren Wegbereiterin sich Julia Theek mit diesem Buch manifestiert, wird man mitgenommen durch eine Kulturgeschichte der westlich zivilisierten Menschheit. Man begegnet altvertrauten Gedanken von Heidegger und Baudrillard, denkt über die Dinge als Fetisch nach und ertappt sich dabei selbst, geht den Dingen auf den Grund, spielt mit ihnen, lässt ihnen ihren Lauf und staunt, auf welch vielfältige Weise das Ding an sich von uns und der Welt Besitz ergriffen hat.
Es ist ein Buch fürs Leben, für ein Jetzt und für ein Morgen. Es macht einen zu einem besseren Menschen. Vielleicht.

