was es ist

von Julia Willmann 
3,8 Sterne bei12 Bewertungen
was es ist
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Lainybelles avatar

Eine kunstvoll erzählte, tiefgehende, zeitweise bedrückende Geschichte, die einen drängt, sich intensiv mit ihr auseinanderzusetzen

Larissa_Schiras avatar

Emotionsgeladen, kraftvoll, poetisch

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Inhaltsangabe zu "was es ist"

Violas Erfolg im Beruf fühlt sich an wie eine kugelsichere Weste. In ihrem gläsernen Büro entwickelt sie Marketingstrategien für Stofftiere und sieht ihrem Assistenten dabei zu, wie er für sie das Telefon abnimmt. Die Feierabende bieten ein anderes Bild. Da steht Viola am Fenster ihrer Loft-Wohnung und bügelt sich ins gedankliche Nichts. Weg von den Jahren zuhause. Weg von der Zeit mit Yannick, den sie geliebt hat, so mutig sie konnte. Als ihre Mutter erkrankt und ins Koma fällt, verliert Viola die Waffe, die sie geschützt hat: Kontrolle. Die Zugreisen zwischen Elternhaus und Wohnort, zwischen damals und heute, führen sie an unerwartete Orte. Zurück in ein Leben, mit dem sie nicht mehr gerechnet hat.

"Was es ist" erzählt von der Zeit einer inneren Wende – in kraftvollen Bildern und einer Sprache, die kein Wort zu viel sagt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783038481065
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:230 Seiten
Verlag:Fontis
Erscheinungsdatum:07.02.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Lainybelles avatar
    Lainybellevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine kunstvoll erzählte, tiefgehende, zeitweise bedrückende Geschichte, die einen drängt, sich intensiv mit ihr auseinanderzusetzen
    Eine stille und doch bahnbrechende Veränderung

    Hinweis vorab:

    Um sich ein Bild vom Buch zu machen, lohnt sich ein Blick in den Buchtrailer: https://vimeo.com/196354314

    Was mich neugierig gemacht hat:


    Zum einen war es der erste Eindruck von dem prägnanten Titel und dem so schlichten und sich gerade dadurch so ausdrucksstark entfaltenden Cover, zum anderen vor allem das Grundthema, das mich angezogen hat. Eine innere Entwicklung, die Suche nach sich selbst und dem Leben, das man führen will, das Verhältnis zu den älter werdenden Eltern und die Bewältigung von einer schweren Lebensphase - all das hat mich sehr neugierig auf die Umsetzung von "Was es ist" gemacht.

    Wie es mir gefallen hat:


    Literatur ist Kunst - das hat mir "Was es ist" noch einmal neu bewusst gemacht.
    Es gibt so viele Spielarten, Geschichten zu erzählen. Dieses Buch hat eine ganz besondere.

    Als Leser begleitet man Viola durch viele Szenen ihres Lebens - oft nur kurze Begebenheiten, die sich aneinanderreihen und insgesamt ein Puzzlebild ergeben, das der Leser zusammensetzen kann, um in Violas Situation und Stück für Stück auch ihre Vergangenheit hineinzufinden.
    Durch die Kürze der Abschnitte und den Schreibstil, der ohne Ausschmückungen und in knappen Beschreibungen funktioniert, wird die kühle, oft bedrückende Atmosphäre der Geschichte noch verstärkt. Violas Seelenzustand wird praktisch in der Art des Erzählens widergespiegelt.

    "Was es ist" ist keine leichte Kost, sondern sehr anspruchsvoll zu lesen, da es gilt, auf Details zu achten und viel zu interpretieren und sich selbst zu erschließen. Selbst kleine nebensächlich scheinende Dinge kann man als Metaphern oder Stimmungsfänger auffassen, wenn man sie eingehender betrachtet.
    Obwohl man das Verhalten der Figuren (besonders natürlich der Protagonistin) beobachten kann, erhält man keinen direkten Zugang zu ihrem Wesen, sondern muss selbst deuten und zu verstehen versuchen.
    Die Autorin erzählt zwischen den Zeilen noch weit mehr als die 230 Seiten selbst fassen könnten. Ein Stück weit lässt sie den Leser damit allein, und das mag nicht jedermanns Sache sein. Ich persönlich fand das Leseerlebnis sehr faszinierend, auch wenn ich an einigen Stellen ein bisschen ratlos war oder gern noch Konkretes über Viola erfahren hätte. Über das eine oder andere werde ich sicher noch nachzudenken haben
    Man muss sich bei diesem Buch damit abfinden, dass man nicht so viele Erklärungen bekommt, wie man sich das vielleicht manchmal wünschen würde - wenn man das erkannt hat, entspinnt sich die ganz eigene Wirkung des Textes.

    Für ein Buch wie dieses eine Bewertung zu finden, die sich in Sternen oder einer Note ausdrückt, ist fast unmöglich. Es ist ein Meisterwerk, aber es setzt beim Leser vieles voraus - vor allem die Bereitschaft, sich auf die vielen Zwischentöne einzulassen. Daher wird es vielleicht nicht den Geschmack einer breiten Masse treffen, aber ich denke, genau das will und muss es auch gar nicht.
    Ich vergebe gern die volle Punktzahl für dieses Buch, aber mit der kleinen Einschränkung, dass es den Zugang nicht für jeden leicht macht. Außerdem ist für mich ein kleiner Minuspunkt, dass das Thema Glaube sich nur hinter der Geschichte erahnen lässt. Wie Viola selbst oder z.B. auch ihre Eltern dazu stehen, wird nie explizit thematisiert. Ich hatte bei der "inneren Wende" durchaus damit gerechnet, dass Gott hier eine unmittelbare Rolle spielen würde, und aufgrund des Erscheinens in einem christlichen Verlag hätte ich selbst mir noch einen stärkeren Bezug in diese Richtung gewünscht.

    (Für wen) Lohnt es sich?


    "Was es ist" kann sich sehr lohnen und bereichernde Gedankenimpulse zu Themen wie Identität, Lebenskrisen, Familie, Selbsttäuschung und Davonlaufen, Sinnsuche, ... geben, wenn man vor der recht außergewöhnlichen Umsetzung und einer Tendenz zur Melancholie nicht zurückschreckt. Der Text fordert von einem, dass man sich auch über das, was schwarz auf weiß zu lesen ist, hinaus damit auseinandersetzt und in Eigenleistung Fäden weiterspinnt.

    In einem Satz:


    "Was es ist" ist kein leichtes Buch für nebenbei, sondern eine kunstvoll erzählte, tiefgehende, zeitweise bedrückende Geschichte, die einen drängt, sich intensiv mit ihr auseinanderzusetzen, um ihre Lebensweisheit für sich entdecken zu können. 

     
    Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag

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    Traeumerin109s avatar
    Traeumerin109vor einem Jahr
    Was es ist

    In Violas Leben geht es vor allem um eines: Kontrolle. Sie führt ein ziemlich einsames Leben. Aber dann fällt ihre Mutter ins Koma und nun kann sie sich nicht länger aus allem raushalten.

    Dies ist auf jeden Fall ein sehr interessantes Buch. Ich finde es gelungen, kann aber auch bisher geäußerte Kritik nachvollziehen. Der Schreibstil der Autorin ist gewöhnungsbedürftig und fordert den Leser heraus, zwischen den Zeilen zu lesen. Teilweise sind die Sätze sehr kurz und abgehackt, was dem Ganzen eine gewisse Härte verleiht. Trotzdem ist das Buch auch sehr feinfühlig und tiefgründig. Aber es sind eher leise Töne, die mehr indirekt anklingen. An manchen Stellen sind diese knappen Sätze auch genau richtig und viel treffender als umständliche.

    Es kann auch sein, dass ich Teile der Geschichte nicht verstanden habe, weil außerdem Gegenwart mit Vergangenheit gemischt wird, aber beides immer nur bruchstückhaft. Erst nach und nach ergibt sich überhaupt ein Bild. Aber es ist eine tragische und sehr traurige Geschichte, die zum Vorschein kommt. Deshalb ist die Atmosphäre im Buch auch ein wenig bedrückend. Nichtsdestotrotz muss ich noch einmal betonen, dass ich das Buch gut finde. Es thematisiert Einsamkeit und vieles andere, ohne die traurigen und negativen Seiten zu verschweigen oder schönzureden. Das ist etwas sehr Wertvolles. Viola als Protagonistin bleibt ein wenig verschwommen, sie ist nicht leicht zu durchschauen. Es wird eher distanziert geschildert, was passiert. Vielleicht ist das so, weil Teile der Geschichte fehlen. Viel wird angedeutet, aber nicht weiter ausgeführt. Das ist natürlich auch ungewohnt, aber nicht schlecht. Gerade in den Andeutungen kann man so viel herauslesen. Auch der Titel ist sehr poetisch und schön.

    Fazit: Ein sehr sanftes und ruhiges Buch, das man nicht einfach so zwischendurch lesen kann. Man sollte es auf keinen Fall zur Seite legen, nur weil der Einstieg ungewohnt ist. Es lohnt sich!


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    pallass avatar
    pallasvor einem Jahr
    Ein nachdenklich stimmendes Buch

    Viola ist eine sehr ergeizige Frau, für die der berufliche Erfolg an erster Stelle im Leben steht. Um möglichst viel zu erreichen setzt sie ihre volle Energie ein. In Folge verhungert ihr Liebesleben auf dem Abstellgleis und die Beziehung zu den Eltern ist abgekühlt. Zwar war sie mit Yannick gute sieben Jahre zusammen und hat ihn wohl auch geliebt; dennoch beendete sie von sich aus die Beziehung und fand seither keinen geeigneten Mann mehr für ihr Leben. Als ihre Mutter einen Schlaganfall erleidet denkt Viola über die Zeit nach, als sie noch als Kind bei ihren Eltern lebte.

    Die Lektüre dieses Romans gestaltete sich für mich recht schwierig. Zum einen empfand ich den Fluß den die Story durch den Roman nahm recht verwirrend, der Schreibstil sagte mir ebenfalls nicht besonders zu und so gelang es mir folglich nur sehr schwer mich in die Story hineinzudenken. Streckenweise ist mir bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht ganz klar, was die Autorin mit dem einen oder anderen Aspekt der Geschichte gemeint hat oder welche Intention dahinter verborgen wäre.
    Das Buch erzeugte in mir eine recht traurige, oft schon melancholische Stimmung, die mir gehörige Pausen während der Lektüre auferlegten. Die schon als bedrückend zu bezeichnende Atmosphäre empfinde ich auch jetzt noch als recht schwierig - ein Gefühl, das von der keineswegs sympathischen und verschlossen erscheinenden Protagonistin noch verstärkt wird.
    Die großen Themen, derer sich das Buch anzunehmen versucht sind "Vergebung und Neubeginn".
    Der Roman endet obendrein Ergebnis offen und so wünschte ich mir zu erfahren wie denn nun die Story für Viola letztendlich ausgehen würde

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    vielleser18s avatar
    vielleser18vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Buch über Vergangenheit und Zukunft einer kleinen Familie - knapper, ausdrucksstarker Stil, der nachdenklich macht und gefühlsstark ist
    Was war und was es ist...

    Viola ist über 30, alleinstehend, erfolgreich im Beruf und....ja, und anfangs wirkt sie farblos. Doch es gibt vieles, was man über sie schreiben kann.
    Sie ist einsam, in ihrer steril wirkenden Wohnung, belastet mit ihren Erinnerungen an eine nicht so schöne Kind- und Jugendzeit. In der Wärme, Liebe und Geborgenheit fehlte. Trotz allelm gebunden an ihre Eltern, die inzwischen alt und von Krankheit getroffen sind. Und da ist auch noch eine alte Liebe, Yannik, für den sie es nicht gewagt hat mutig genug zu sein um über ihren Schatten zu springen.

    Auf diese Erzählung muss man sich einlassen. Muss auch die kleinen Hinweise in diesem knappen und doch eingängigen Stil bemerken.
    Es wird nicht linear erzählt, Erinnerungseinschübe bringen erst nach und nach mehr ans Licht.
    Meines Erachtens hat es die Autorin geschafft, mit ihrer ausdrucksstarken Erzählweise, die anfangs sehr kühl und vielleicht spröde klingt, sehr gefühlsstark die Kälte, die Einsamkeit, die  anfängliche Leere der Protagonistin wiederzugeben.

    Es ist eine Geschichte, die auch beim Leser Fantasie, Verstehen, Emphatie und vor allem Verständnis erfordert. Erst im Laufe der Geschichte merkt man, wie viel mehr in der Vergangenheit liegt, die die Zukunft behindert.
    Die Protagonistin Viola muss sich erst von ihrer Vergangenheit lösen um nach vorne schauen zu können. Doch im Buch ist sie erst auf der Suche nach Antworten nachdem sie die Nachricht einer lebensbedrohliche Erkrankung ihrer Mutter erhält. Es beginnt das erste Aufbrechen alter Strukturen. Eine Verschiebung der Abhänigkeiten, die manche Antworten liefert oder andere Prozesse in Gang setzt.

    Es ist die Frage nach dem "was war" und dem "was es ist". Dabei bewirkt der Titel des Buches schon ein Nachsinnen. Ist es eine Frage, eine Aussage, betrifft es die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft ? Ein Interpretationsspielraum für den Leser.  Den es auch bei manchen anderen Szenen im Buch zu geben scheint, aber dennoch bin ich der Überzeugung, die kleinen Hinweise der Autorin lassen sich entdecken und auslegen.

    Es ist keine heitere Geschichte, aber eine, die sicher nicht abwegig, sondern im Gegenteil, in unserer heutigen Gesellschaft viel öfters vorkommt als man meint.
    Viola ist ein Spiegelbild manch einer einsamen Frau, mit einer nicht glücklichen Kindheit, die Bindungsängste hat, die sich in Erfolg flüchtet. Viola muss sich ihrer Vergangenheit stellen, ihren Eltern, ihren Beziehungen innerhalb dieser Familie und deren Auswirkungen auf ihre eigene Zukunft.
    Nichts scheint einfach schwarz oder weiß, vieles, dass der Leser selbst bewerten muss. Manches wirkt nebulös, aber dass ist es gerade, was mir so gefallen hat. Man bekommt manches "vorgesetzt", manches muss man sich selbst erarbeiten, selbst bewerten.

    Julia Willlmann hat mich mit diesem Buch gefesselt. Der ausdrucksstarke, niveauvolle Stil und die knappe und doch so aussgekräftige Erzählweise hat mich überzeugen können, hat mich berührt und mir Stoff zum Nachdenken beim Lesen gegeben. Mir gefällt es, wenn man beim Lesen auch selber Mit- und Weiterdenken muss, so wie hier !

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    Larissa_Schiras avatar
    Larissa_Schiravor einem Jahr
    Kurzmeinung: Emotionsgeladen, kraftvoll, poetisch
    Emotionsgeladener, kraftvoller Roman

    Violas Leben ist in Ordnung und sie schätzt es so, wie es ist: Erfolg im Job, ein einsames, aber ordentliches und geregeltes Privatleben. Als Violas Mutter plötzlich ins Krankenhaus muss, gerät alles durcheinander. Sie kann sich nicht länger an ihrem kontrollierten Leben festhalten, sondern muss sich mit der problematischen Situation und ihrer schwierigen Kindheit auseinandersetzen....


    Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Roman keineswegs einfache, leichte Unterhaltungsliteratur darstellt. Der Leser wird in eine Geschichte hineingeworfen, die zunächst verwirrt, und auch über die Dauer des Buches hinweg nie ganz offensichtlich und klar, sondern eher offen konstruiert ist. Hier ist viel Interpretationsspielraum geboten, wer es tiefgründig mag und beim Lesen gerne mitgrübelt, ist hier genau richtig.
    Die Protagonistin Viola wird auf subtile Weise sehr intensiv dargestellt. Man befindet sich als Leser direkt in ihrer eigenen Verwirrung, spürt ihre Bedrückung, ihre Verzweiflung. Das Ganze ging mir so nahe, dass ich teilweise kurz aufhören musste zu lesen uns mich mit etwas Positivem ablenken. Selten hat mich ein Buch emotional so mitgenommen. Das zeugt von großem Können seitens der Autorin. 
    Auch ihr Schreibstil ist perfekt für die Geschichte, die sie erzählt. Kurz und knapp, aber dennoch bildlich und lebendig, teilweise aber auch an die Situation angepasst etwas ausführlicher.


    Im Großen und Ganzen war ich sehr angetan von diesem Roman. Allerdings fand ich gerade den Beginn doch etwas zu verwirrend - ich habe recht lange gebraucht, um wirklich voll in die Geschichte einsteigen zu können. Deshalb ein Sternchen Abzug.


    Als ich das Buch beendet hatte, habe ich einige Abschnitte erneut gelesen und viel über das Buch nachgedacht. Auch das Ende ist recht offen gehalten, für mich allerdings perfekt gelöst. Deshalb fällt es mir auch schwer, eine präzise Rezension zu schreiben - dieses Buch ist einzigartig und alles andere als eindeutig. 




    Deshalb werde ich auch nichts weiter verraten - lest selbst, wenn ihr tiefgründige Romane mögt und euch an einem offenen Ende nicht stört, wird euch dieser Roman begeistern!

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    JDaizys avatar
    JDaizyvor einem Jahr
    eine ganz neue Perspektive auf Wendepunkte in unserem Leben

    "Aus ihrer Kindheit erinnerte sie sich an Margarete als eine Frau mit einem weichen Rücken und geflochtenem Zopf. Eine Lieblingstante, die sich nicht wehrte, wenn man ihr ein Salatsieb über den Kopf stülpte und unter der Kaffeetafel die Schuhe auszog. Als Viola acht Jahre alt war, hatte Margarete mit dem Rauchen aufgehört und sich von ihrem Verlobten getrennt. Sie begann sich um kranke Menschen zu kümmern und allein in den Bergen wandern zu gehen. Sie schnitt ihr Haar kurz. In den Jahren, die folgten, wurde es weiß. Ihr Blick veränderte sich. Ihre feine Gestalt wurde noch feiner, es sah aus, als würde sie wachsen. Zu Violas Erstaunen schien ihre Tante mit den Jahren jünger zu werden."


    Viola Leben wird von ihrer Arbeit bestimmt. In ihrem Büro über den Dächern der Stadt entwickelt sie Marketingstrategien für Stofftiere und hat sogar einen eigenen Assistenten. Doch abends fühlt sie sich oft allein. Darüber kann auch ihre wunderschöne Loftwohnung nicht hinwegtrösten. Gedankenverloren bügelt Viola stundenlang, um zu Vergessen. Doch dann steht ihr Leben Kopf als ihre Mutter einen Schlaganfall erleidet und ins Koma fällt. Mit dem Zug pendelt Viola nun zwischen ihrer Wohnung und ihrem Elternhaus, zwischen ihrem neuen und ihren alten Leben, zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Doch wo liegt ihre Zukunft?

    Die Autorin Julia Willmann schafft mit "Was es ist" eine ganz neue Perspektive auf das Thema "Wendepunkte". Was passiert, wenn die Welt plötzlich still steht? Wenn alles um einen herum zusammenbricht? Wenn man nur noch dasitzt, nichts mehr fühlt. Wenn man keine Pflichten, aber auch keine Wünsche mehr hat?
    Oft wird in diesen Zeiten von einem "Davor" und einem "Danach" gesprochen. Doch was passiert genau in diesem Momenten; was passiert "währenddessen"? Es geht in diesem Buch nicht vorrangig um ein Ergebnis, nicht (nur) darum was danach kommt. Und so verwundert es nicht, dass das Ende eher offen daherkommt. Zuerst war ich ein bisschen überrascht. Ich hatte so sehr auf ein Happy End gehofft. Viele Fragen bleiben offen und es bleibt damit dem Leser überlassen, was er daraus macht. Und doch bleibt dem aufmerksamen Leser nicht verborgen, dass die Autorin auch das "Danach" nicht ganz dem Zufall überlassen hat. Es lohnt sich also durchaus, die Geschichte ein zweites Mal zu lesen.

    "Mehr als alles hüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus." Ich mag diesen Einstieg ins Buch und muss sofort an eine ganz bestimmte Figur im Buch denken: an Margarete, Violas Tante. Sie ist das krasse Gegenteil zu Violas Mutter, ein Gegenpol. Auch wenn es sicher nicht der Schwerpunkt des Buches ist, zeigt sich in der Geschichte, welchen Einfluss das System Familie auf die Entwicklung eines Kindes haben kann. Und zwar in beide Richtungen.
    Eine Szene an die ich mich, mit Erschrecken UND mit Freude erinnere, ist das Modellhaus von Viola und ihr Gespräch mit Bernard und seiner Plätzchentüte. Auch die sich entwickelnde Vater-Tochter-Beziehung hat mich sehr berührt. Gern würde ich meine Gefühle mit euch teilen. Aber ich möchte nicht spoilern.

    Das Buch wurde 2017 als kleines Hardcover mit Schutzumschlag im Fontis-Verlag veröffentlicht. Es ist hochwertig verarbeitet, und was mir besonders gut gefällt, ist die angenehm große Schriftgröße und der raue, griffige Einband unter dem Schutzumschlag. 16 Euro sind aber auch ein stolzer Preis. Ich hoffe, dass das potentielle Neuleser nicht abschreckt. Das wäre wirlich schade.
    Das Cover wirkt auf den ersten Blick einfach und unauffällig. Doch nach dem Lesen finde ich es passend. Ich empfinde es als ein Fenster oder eine Glastür, durch die man hinausschaut. Es könnte regnen? Auf jeden Fall sieht man nicht zu viel. Man müsste den Fokus, den Blick erst schärfen.
    Der Schreibstil der Autorin ist eingängig, direkt und sehr intensiv. Ihre Worte lassen kraftvolle Bilder entstehen, obwohl nicht zu viel gesagt wird. Man sollte als Leser bereit sein, sich auf dieses Buch unvoreingenommen einzulassen. Denn irgendwie ist es anders.


    Fazit:
    Ein wunderschönes, kurzweiliges Buch, dass viel Fragen - auch um die eigene Verletzlichkeit - aufwirft und nicht auf alles eine Antwort hat. Eine (meist) unaufgeregte, nicht wertende Geschichte, die nachdenklich stimmt, aber trotzdem - oder gerade deshalb - anregt, sich auf die Suche zu machen und sein eigenes Leben immer wieder einmal zur Diskussion zu stellen und zu hinterfragen. 


    Ich möchte euch auch den Buchtrailer ans Herz legen, der wirklich sehenswert ist und die Stimmung im Buch gut einfängt: https://vimeo.com/196354314 

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    dieschmitts avatar
    dieschmittvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein sehr lesenswertes Buch über das Leben und die anstehenden Entscheidungen mit Nachwirkung.
    Ein sehr lesenswertes Buch über das Leben und die anstehenden Entscheidungen mit Nachwirkung.

    Zum Inhalt:

    Viola ist sehr erfolgreich im Beruf, sie arbeitet im Marketing für Stofftiere. Neben dem Beruf hat sie wenig, Abend begnügt sie sich damit in ihrer Wohnung zu sein und alltäglichen Hausarbeiten nachzugehen um nicht zu viel nachdenken zu müssen. Ihr Leben ist in gewisser Weise eine Flucht von ihrem alten Leben bei ihren Eltern und ihrem Freund.

    Ihre mühsam geschaffene Welt gerät ins Wanken als ihre Mutter krank wird und sie muss sich mit ihrer Welt und ihren Gedanken auseinandersetzen.

    Meine Meinung:

    Ein vom Grundsatz her eher leises Buch, das sehr viel Berührendes beinhaltet. Es beschäftigt sich vom Grundsatz her mit den Bedürfnissen und Ängsten von Menschen die Leben und in ihrem Leben sehr viel erleben, das sie mit sich herumtragen.

    Es geht um Entscheidungen, Kontakt mit Freunden, Familie aber auch Fremden. Um Prioritätensetzung und ein bisschen auch um Gelassenheit, Dinge zulassen zu können und nicht unter Kontrolle zu haben.

    Die Autorin findet sehr treffende Worte, die einem dennoch Raum für eigene Gedanken lassen. Der Schreibstil ist klar und intensiv. Er war für mich sehr gut lesbar und ich habe ich nach kurzer Zeit mitten im Buch gefunden und bin mit Viola durch die Geschichte gegangen, habe ihre Zweifel und Gefühle gut nachvollziehen können.

    Fazit:

    Ein sehr lesenswertes Buch über das Leben und die anstehenden Entscheidungen mit Nachwirkung. Ich habe danach noch des Öfteren über mein eigenes Leben und meine eigenen Entscheidungen nachgedacht und darüber was meine Vergangenheit wohl für Auswirkungen auf diese hatte.

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    Petra1984s avatar
    Petra1984vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Teilweise verwirrend und ein zu offenes Ende
    Teilweise verwirrend und ein zu offenes Ende

    Ich kam mit dem Schreibstil nicht ganz so klar. Teilweise war es echt verwirrend für mich und dann wieder waren Phasen wieder einfach super. Kurze knackige Dialoge mit dem Bezug aufs Wesentliche.

    Die Geschichte an sich fand ich sehr berührend und die Emotionen kamen echt gut rüber, obwohl ich sagen muss, dass mir Viola vonm Anfang an nicht sehr sympathisch war und es hat sich auch bis zum Schluss nicht geändert.

    Das Ende fand ich viel zu offen. Man erfährt eigentlich so gut wir gar nichts.

     

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    marpijes avatar
    marpijevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wichtige Fragen über unsere Leben warten hier auf uns , sprachlich brillant nur die Protagonistin bleibt mir ein bisschen fremd
    Was ist wichtig ?


    Viola ist einsam, unglaublich einsam, auf ihre eigene Wunsch....tagsüber sie arbeitet im Büro wo sie entwickelt Marketingstrategie für die Stofftiere, am Abend sie steht in ihren Wohnung und schaut aus Fenster auf das Welt, ihr beste Freund am Abend ist der Bügelbrett...
    Durch Krankheit ihrer Mutter Viola muss aus diesen bequemen , unsichtbaren Leben raus, sie muss nach Hause fahren und sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen , mit den alten Schmerz und die nie geheilten Wunden....
    Julia  Willmann hat ein Buch geschrieben welche berührt und bringt viel Stoff zum nachdenken, sie schreibt über Einsamkeit, Verziehen, Zweifeln, Zerrissenheit zwischen Arbeit und das Kindsein, Verstehen, Vertrauen und die Liebe. Was ich wichtiger Arbeit oder pflegebedürftige Eltern, soll Viola ihre Leben hinter sich lassen und um ihre Eltern sich kümmern ? , die Entscheidungen sie muss treffen und das nicht leicht ist , weil früher in der Familie nichts alles perfekt war. Viola muss auch wegen sich selber entschieden, leben oder weiter sich verstecken ? Die nächste große Frage Liebe oder Arbeit ? Sie hat die Arbeit gewählt und ihre Wahl hat sie von die anderen Leuten abgetrennt ....
    Der Schreibstil ist sehr gut, deutlich, stark und  intensiv , die Sätze sind kurz, emotional und Inhaltreich , die niesten sich im Kopf und suchen auf die Antworten. Die ganze Geschichte ist ruhig und fast melancholisch geschrieben , die Protagonistin tut mir Leid aber ganz sympathisch ist mir nicht.


    Sehr lesenswert !!!

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    heaven4us avatar
    heaven4uvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sprachlich toll aber ich hatte etwas ganz anderes erwartet. Schade!
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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Arwen10s avatar
    Neu im fontis Verlag ist auch dieser Roman. Ich danke dem Verlag für die Unterstützung der Leserunde.

    Julia Willmann Was es ist




    Zum Inhalt:


    Violas Erfolg im Beruf fühlt sich an wie eine kugelsichere Weste. In ihrem gläsernen Büro entwickelt sie Marketingstrategien für Stofftiere und sieht ihrem Assistenten dabei zu, wie er für sie das Telefon abnimmt. Die Feierabende bieten ein anderes Bild. Da steht Viola am Fenster ihrer Loft-Wohnung und bügelt sich ins gedankliche Nichts. Weg von den Jahren zuhause. Weg von der Zeit mit Yannick, den sie geliebt hat, so mutig sie konnte. Als ihre Mutter erkrankt und ins Koma fällt, verliert Viola die Waffe, die sie geschützt hat: Kontrolle. Die Zugreisen zwischen Elternhaus und Wohnort, zwischen damals und heute, führen sie an unerwartete Orte. Sie kommt zurück in ein Leben, mit dem sie nicht mehr gerechnet hat.
    „was es ist“ erzählt die Geschichte einer inneren Wende – in kraftvollen Bildern und einer Sprache, die kein Wort zu viel sagt.

    „Julia Willmann erzählt von der Überwältigung der Gefühle, klar, knapp, und zwischen den Worten fängt sie das Unsagbare ein.“ Maria Schrader

    „Julia Willmann ist eine großartige Erzählerin. Ihre Schilderung einer gefrorenen Seele, die auftaut, hat mich tief berührt und außerdem grandios unterhalten. Ein zutiefst wahres und wunderschönes Buch.“ Markus Spieke



    Zur Leseprobe:

    https://www.fontis-verlag.com/buch/julia-willmann-was-es-ist/




    Falls ihr eines der 5 Exemplare gewinnen wollt, bewerbt euch bis zum 5. April 2017, 24 Uhr hier im Thread mit der Antwort auf die Frage: Warum möchtet ihr mitlesen ?






    Wichtige Hinweise zu eurer Bewerbung:



    Ein Gewinn verpflichtet innerhalb von ca 4 Wochen nach Erhalt des Buches zum Austausch in der LR mit den anderen Teilnehmern über alle Leseabschnitte sowie zur Veröffentlichung einer Rezension, die möglichst breit gestreut werden soll.
    Bewerber mit privatem Profil , erwiesene Nichtleser , sowie jene ohne Rezensionen werden nicht berücksichtigt.




    Ich freue mich auf eure Bewerbungen.

    Wer mit einem eigenen Exemplar bei dieser Leserunde mitlesen möchte, ist natürlich herzlich willkommen.


    ACHTUNG : ES GIBT EIN NEUES BEWERBUNGSVERFAHREN VON LOVELYBOOKS. NUR WER SICH UNTER BEWERBUNG EINTRÄGT KANN NACHHER AUSGEWÄHLT WERDEN !!! BEI MIR FUNKTIONIERT DAS MIT DEN ADRESSEN NICHT: ICH BRAUCHE VON DAHER DIE ADRESSEN NACH DER AUSLOSUNG !!




    Zur Leserunde

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