Julia Zange Realitätsgewitter

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Inhaltsangabe zu „Realitätsgewitter“ von Julia Zange

»Das kann nur Julia Zange: Alle zehn Jahre ein Buch schreiben, das man nicht mehr vergisst!« Maxim Biller Marlas Leben ist ein einziges Realitätsgewitter. Wenig Sex, viel iPhone. Viel Bewegung, wenig Sicherheit. Sehr globalisiert, aber immer noch ganz schön deutsch. Marla funktioniert perfekt. Sie hat immer die richtige Maske auf. Doch plötzlich bekommt ihr hochglänzender Panzer kleine Brüche. Plötzlich ist da eine schwere Traurigkeit, die langsam von ihrem Bauch nach oben spült. Um nicht zu ertrinken, macht sie sich auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf. Und landet schließlich auf Sylt. Eine Reise ins Erwachsenwerden und zu sich selbst. „‘In der Nordsee ist nichts gefährlich!‘, sagt er. Und rennt Richtung Strandkörbe. Ich ziehe mich ganz aus und gehe vorsichtig ins Wasser. Die Wellen werfen mich fast um.“

Keine spannende Storyline, aber für Personen die auf Geschichten stehen, die direkt aus dem Leben gegriffen sind könnte es etwas sein.

— bubbles007
bubbles007

Dieses Buch ist wahrlich wie ein Gewitter: Kurz, stürmisch und intensiv.

— Linsenliebe
Linsenliebe

Während dem lesen, hab' ich wieder gemerkt, wie gut mein Leben ist und wie wichtig wahre Freundschaft ist...

— DangerDan
DangerDan

Ein Spiegel der Kälte wird dem einen oder anderen seine Oberflächlichkeit und Ignoranz offenbaren.... http://irveliest.wordpress.com

— Irve
Irve

erschreckend, real? , zu einem gewissen Anteil muss sich wohl jeder den Schuh anziehen.

— Kodabaer
Kodabaer

Das Leben einer jungen Frau von vielen: ziellos zwischen all den Möglichkeiten, einsam in der Masse, immer online, aber nie glücklich

— Lainybelle
Lainybelle

Herausfordernd und interessant

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

Schade - war so gar nicht meins und hat mich nach dem Lesen eher ratlos zurückgelassen, interessanter Stil, aber durchweg recht langweilig

— Julitraum
Julitraum

Aktueller Berlin Roman! Spiegelt perfekt die Situation in Berlin 2016! Dieser hippen Party-Stadt.

— Bücherwurm
Bücherwurm

Eine kurzweilige Momentaufnahme, aber kein richtiger Roman, eher eine Erzählung. Kann man lessen, muss man aber nicht.

— eulenmatz
eulenmatz

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    Realitätsgewitter
    leserattebremen

    leserattebremen

    15. August 2017 um 14:06

    Marla ist einsam. Einsam auf Partys, einsam in Mitten von Facebook-Freunden und Dating-Apps. Obwohl sie immer unterwegs ist und in einer WG wohnt, scheint sie niemandem etwas zu bedeuten. Und niemand bedeutet ihr etwas. Immer trauriger wird sie und driftet ab, bis sie nach einer missglückten Familienfeier am Strand von Sylt landet. Und wieder nur jemanden sucht, der gegen ihre Einsamkeit hilft. Doch nichts hilft.Julia Zange hat mit „Realitätsgewitter“ einen sehr eindringlichen Roman geschrieben, der einen mitten ins moderne Berlin führt. Eine Großstadt, in der immer was passiert und man jederzeit Leute treffen kann, ein echtes Realitätsgewitter, das auf Marla einprasselt. Sie zeigt aber auch die unglaubliche Einsamkeit einer Generation, die sich über Facebook-Freunde definiert und abhängig ist vom Klingeln des Handys, das die eigene Existenzberechtigung darstellt. Mein Handy klingelt, also bin ich. Marla kämpft sehr bewegend gegen die damit einhergehende Traurigkeit an, das Fehlen jeglicher konstanter und emotionaler Beziehung, ohne einen richtigen Ansatzpunkt zu finden. „Realitätsgewitter“ von Julia Zange ist ein Roman, der perfekt in die Zeit passt und das Leben und Empfinden vieler Personen diese Generation wiederspiegelt. Enttäuscht hat mich der Schluss, der meiner Meinung nach simpel und nicht konsequent genug war, um diesen Text gerecht zu werden. 

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  • Realitätsgewitter

    Realitätsgewitter
    ErinaSchnabu

    ErinaSchnabu

    09. May 2017 um 14:33

    Von "Realitätsgewitter" erfuhr ich durch einen anderen Blog. Ich hatte eine Rezension gelesen, welche mein Interesse für diesen Roman weckte. "Realitätsgewitter" wird dem Genre der Popliteratur zugerechnet, für welches ich mich momentan sehr interessiere, vor allem, wenn es sich dabei um zeitgenössische Popliteratur handelt.Inhalt Marla ist 22, kommt aus der nordrhein-westfälischen Provinz, lebt in Berlin, hat 1675 Facebook Freunde und fühlt sich trotzdem einsam. Sie hat einige Bekannte, Kosmopoliten aus aller Welt, die sich in der Kunst- und Medienwelt herumtreiben, mit denen sie oberflächliche Gespräche führt. Ihr Philosophiestudium hat sie abgebrochen und ihre Eltern haben ihr den Geldhahn zugedreht. Während Marla uns daran teilhaben lässt, wie junge Menschen ihrer Generation so denken und fühlen, was sie in ihrer Freizeit machen und welches Lebensgefühl ihnen inne wohnt, muss sie auf einer Reise in die Heimat und nach Sylt lernen, erwachsen zu werden.Meine MeinungMarla ist ein Vorzeigeexemplar der Generation Y. Eine Generation, die nicht weiß, wohin, die keine tiefer gehenden Beziehungen und Freundschaften führt, sich nicht festlegen mag und dadurch eine innere Zerrissenheit und Unzufriedenheit spürt, obwohl sie sonst alles hat. Ich habe vieles, was Marla beschreibt, fühlt, sieht, wieder erkannt, nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Angehörigen dieser Generation. Marla fungiert als Sprachrohr dieser Generation und zeigt auf, wie oberflächlich dieses Leben ist, was wir führen und wie leer die Herzen und Köpfe dieser jungen Menschen sind. Mediale und gesellschaftliche Ereignisse rauschen an Marla vorbei, ohne dass sie sich eine Meinung darüber bildet; lustige Tiervideos auf YouTube statt politischer Debatten.Die Autorin Julia Zange verpackt dies in einen lockeren Stil, wird nicht kitschig und lässt ihren Roman auch nicht wie eine Persiflage aussehen, was nämlich leicht passieren kann, wenn man versucht, eine Generation, eine Zeit, eine Gruppe von Menschen zu charakterisieren. Zange scheint außerdem ein gutes Gehör für die Nonsens-Gespräche zu haben, die allerorts so geführt werden, sie gibt Gespräche wider, die keine Gespräche sind, sondern Worthüllen, die dazu dienen, sich zu präsentieren und den oberflächlichen Kontakt gerade so zu halten.Die Authentizität, die den Roman umgibt, wird Zange auch zum Verhängnis: Ihre Eltern legten eine einstweilige Verfügung ein, da sie sich in dem Roman wieder erkannten. Eine Erfahrung, die auch der Autor Maxim Biller gemacht hat, dessen Exfreundin sich in seinem Roman "Esra" wieder erkannte und somit gerichtlich durchsetzte, den Roman nicht mehr vertreiben zu dürfen. Und gerade Maxim Biller ist es passenderweise, der auf dem Rücken des Buches zu Wort kommt: "Das kann nur Julia Zange: Alle zehn Jahre ein Buch schreiben, das man nicht mehr vergisst!"Hoffen wir, dass es keine zehn Jahre dauern wird, bis Julia Zange ihren nächsten Roman veröffentlicht. An "Realitätsgewitter" habe ich nämlich großen Gefallen gefunden!4 von 5 SternenIch bedanke mich herzlich beim aufbau-Verlag über das Rezensionsexemplar!

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  • Das Buch hat mich tief berührt

    Realitätsgewitter
    Linsenliebe

    Linsenliebe

    27. March 2017 um 16:55

    Marla ist eine junge Frau, mit der sich sicherlich sehr viele junge Frauen gut identifizieren können. Sie steckt voller Widersprüche, gefangen zwischen Ängsten und Hoffnung, zwischen Liebe und Hass. Sie gibt sich wie eine junge Erwachsene, stetig auf der Suche nach menschlicher Nähe, die sie meist nur durch Sex erhält. Dabei sieht ihr Innenleben zumeist ganz anders aus und lässt sie eher wirken wie ein Kind. Marla lässt sich mehr oder weniger durch ihr Leben treiben und so kommt sie in ihrem Heimatdorf an, wo sie nach langer Zeit mal wieder auf ihre Familie trifft. Dieses Treffen weckt unschöne Gefühle in ihr und ist der letzte Tropfen, der ihr emotionales Fass zum überlaufen bringt. Erschöpft und ausgebrannt fährt sie nach Sylt um zu sich selbst zu finden. Der Titel „Realitätsgewitter“ passt einfach SO gut zu diesem Buch! Marlas Innenleben gleicht einem Gewitter sehr – es stürmt und blitzt und donnert in ihr, dass sie oft nicht weiß, wo ihr der Kopf steht. Die Dinge, die sie tut, und die Menschen, mit denen sie sich umgibt, sind selbstzerstörerisch und das scheint Marla auch zu wissen. Trotzdem hängt sie an jedem menschlichen Kontakt, den sie bekommen kann und entwickelt Gefühle für einen Kerl, der sie behandelt wie den letzten Dreck. Ihre Freunde sind keine wahren Freunde sondern allerhöchstens Party-Bekannte und Affären und auch familiär erfährt die junge Frau überhaupt keinen Halt. Im Gegenteil stellt sich auch ihre Mutter extrem gegen sie als Marla diese zu Hause besucht. Einzig und allein ihre Mitbewohnerin scheint etwas für Marla übrig zu haben, was wirklich traurig ist. Traurig ist ein Wort, was Marlas Leben sehr gut umfasst.Beim Lesen hab ich wirklich mit ihr gelitten und ich hätte sie so gerne geschüttelt oder wahlweise auch an die Hand genommen und ihr einen Weg aus ihrer Dunkelheit gezeigt. Andererseits hab ich mich auch wahnsinnig gut in sie hineinversetzen können. Diese destruktive Art, die sie an den Tag legt, kenne ich und glücklicherweise hab ich sie schon einige Zeit lang überwunden. Aber es schmerzte doch so manches Mal, „Realitätsgewitter“ zu lesen. Ich hatte während des Lesens aber auch gleichzeitig die Hoffnung, dass Marla schon irgendwann aus diesem Dschungel an Gefühlen ausbrechen wird, wenn sie nur ihre aktuelle Situation durchhält. Dass ich mir eine bessere Zukunft für eine Protagonistin wünsche und ihr gerne helfen würde, kommt nicht so häufig bei mir vor. Das ist ein Punkt, der mich sehr berührt und gefesselt hat. Julia Zange hat mit „Realitätsgewitter“ wirklich ein grandioses Buch geschrieben, das mich mitten ins Herz traf. Zu Beginn des Buchs dachte ich noch es sei nur eine belanglose Aneinanderreihung von Szenen und Beschreibungen, die nicht wirklich einfallsreich und zumeist unnötig kritisch sind. Doch je weiter ich las desto mehr hab ich verstanden, dass das extrem gut Marlas Unzugehörigkeitsgefühl auszudrücken vermag. Sie hat eine unbestimmte Leere in sich, die sie durch nichts und niemand füllen kann und die sich nur noch mehr vergrößert, je mehr Gefühle sie zulässt. Oft fragte ich mich auch, wie viel von der Geschichte autobiographisch sein mag.Empfehlen kann ich dieses Buch für Leser von Lilly Lindner. Auch das Ende hat mich sehr berührt, generell hab ich das ein oder andere Mal ein Tränchen verdrückt. Ich bin begeistert von diesem viel zu kurzen Buch und ich hoffe, Julia Zange braucht nicht wieder fast 10 Jahre, um ein neues Buch zu veröffentlichen. Ich vergebe für diesen kurzen aber intensiven Sturm 5 von 5 Sternen.

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  • Die Realität und Marla

    Realitätsgewitter
    DangerDan

    DangerDan

    21. February 2017 um 13:05

    Am Anfang fand ich die Protagonistin Marla einfach nur nervig, überheblich und gar nicht sympathisch. Doch je mehr Seiten ich gelesen habe, desto schneller hat sich diese Meinung geändert und ich wollte sie am liebsten an die Hand nehmen und ihr zeigen dass das Leben auch wunderbar und voller Sternenmomente sein kann... Schreibstil fand ich spitze nur leider habe ich ein paar Schreibfehler entdeckt... Auf meinen Blog könnt ihr mehr über dieses Buch lesen: https://buecherela.wordpress.com/

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  • Realitätsgewitter

    Realitätsgewitter
    christiane_brokate

    christiane_brokate

    06. February 2017 um 06:32

    Der Roman spiegelt denn Umbruch zum Erwachsenen leben der meisten Jugendlichen wieder. Die Hautproganistin ist 20 und weiss nicht was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Was soll sie machen, für was brennt sie. Ihre Eltern helfen ihr finanzell weiter. Sie hat aber ein sehr schlechtes Verhältnis zu ihnen. Sie versucht durch Partys aus ihrer Einsamkeit zu fliehen , in der sie immer mehr leidet. Marla ist sehr verwöhnt, verlasst sich auf ihre Eltern . Doch die wollen nicht mehr für ihre Tochter aufkommen. Sie muss nun selber zusehen wie ihr Leben weitergeht. Marla wirkt zickig und verwöhnt, ich hatte sehr Probleme Bezug zu ihr zu bekommen. Dennoch ist sie sehr real beschrieben und zeigt eben denn Typ von Menschen auf denn es oft genug in deutschland gibt. Die Thematik der neuen Generation hat die Autorin sehr gut wiedergespiegelt und der Leser konnte einen Einblick in diese Welt bekommen. In der Mitte des Buches geschieht aber ein Umbruch , Marla muss nun für sich selber Sorgen und versucht aus dieser Krise raus zukommen, zu wachsen. Was ihr auch gelingt, sie stellt sich endlich ihren Problemen und Ängsten , die sie hat und arbeitet damit. Ab der Mitte des Buches wird sie mir immer sympathischer sie versucht nun alles um ihr Leben in denn Griff zu bekommen und dazu gehört Mut und durchhalte vermögen. Julia Zange schreibt Marlas Geschichte , aus einer Art Distanz, die aber auch die Hauptproganistin im ganzen Buch zeigt. Aber sie schreibt nicht oberflächlich, sie schreibt genau so wie man sich Marla vorstellt, es ist ja auch ihre Geschichte. Ich war überrascht über das Buch und hatte was anderes erwartet, dennoch habe ich es gerne gelesen. Der Leser merkte die Ängste die Protagonistin , sie hat im Laufe des Buches eine sehr starke Entwicklung durchgemacht. Das Buch zeigt ein Thema auf was in Deutschland aktuell ist , die Planlosigkeit nach der Schule oder Ausbildung. Sowie das Erwachsen werden, was die Jugendliche für Ängste und Sorgen haben und wie sie damit umgehen.

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  • *+* Julia Zange: "Realitätsgewitter" *+*

    Realitätsgewitter
    Irve

    Irve

    31. January 2017 um 12:28

    Marlas Leben ist ein einziges Realitätsgewitter. Wenig Sex, viel iPhone. Viel Bewegung, wenig Sicherheit. Sehr globalisiert, aber immer noch ganz schön deutsch. Marla funktioniert perfekt. Sie hat immer die richtige Maske auf. Doch plötzlich bekommt ihr hochglänzender Panzer kleine Brüche. Plötzlich ist da eine schwere Traurigkeit, die langsam von ihrem Bauch nach oben spült. Um nicht zu ertrinken, macht sie sich auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf. Und landet schließlich auf Sylt. Eine Reise ins Erwachsenwerden und zu sich selbst. (Quelle: Aufbau Verlag) Man ahnt es schon, leichte Kost wird dieses Buch nicht sein. Und obwohl ich innerlich gewappnet war – zumindest glaubte ich das – waren die ersten Seiten wie ein Kulturschock, ein Absturz in tiefe, dunkle, verborgene Welten nahe am Abgrund. Ist das „junge Berlin“ wirklich so? Drogen, Sex, Orientierungslosigkeit? Gemeinsam einsam, die innere Kälte ist spürbar und der Wunsch nach Nähe wird mit jeder sich bietenden Gelegenheit zu erfüllen versucht. Erfolglos, was Marla mit jedem Mal in ihrer Teufelsspirale ein Stück weiter nach unten beförderte. Die Folgen waren dementsprechend, mehr möchte ich dazu gar nicht sagen. Abgestoßen, aber dennoch mitleidig fasziniert von der Protagonistin verfolgte ich weiterhin ihr Schicksal, hoffend, dass wir hier nur der shocking Kreativität einer Autorin ausgesetzt sind. Je weiter ich im Buch vorankam, umso mehr begriff ich, dass hier nicht die Phantasie der Vater des Gedanken war, sondern die Realität selbst die Verantwortung für die Worte der Autorin trug. Seien es nun ihre eigenen autobiographischen Schilderungen, oder die eines anderen Menschen – das tut eigentlich nichts zur Sache. Denn so, wie das Buch verfasst ist, so wie die Figuren ihre Rollen spielen, ist schnell klar: Marla ist anonym in der großen Masse, sie scheint austauschbar, sowohl in ihrem Beziehungsgeflecht, das oberflächlicher fast nicht sein könnte, als auch vom Schicksal her. Denn dieses teilen offenbar viele mit ihr und zumindest diejenigen, die wir im Roman kennenlernen, wählen denselben erfolglosen Weg. Sie wollen doch nur Liebe, Anerkennung, etwas Wärme und Persönlichkeit, und gehen dabei in den meisten Fällen sang- und klanglos unter. „Wenn man ein gutes Mädchen ist, lernt man irgendwann, sich auszuschalten.“ Marla jedoch wagt den Quantensprung in ein mögliches, individuelles Leben. Sie macht ihre persönliche Wurzel des Übels aus und versucht, sich davon loszusagen. Dass dieser Weg weder ein leichter noch ein schneller ist, leuchtet ein. Ich gebe zu, ich tat mich lange Zeit sehr schwer, „meinen“ Sinn des Buches zu erfassen, eine für mich greifbare Aussage und Intention zu finden. Zum Schluss hin, als Marla sich zu ändern beginnt und ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt, sah ich, was mir der Roman zeigen wollte. Eine sehr eigenwillige, gewöhnungsbedürftige Erzählung übt versteckte und offene Kritik an Marlas gesellschaftlichen Berührungspunkten. Sowohl die erste soziale Station, das Elternhaus, als auch andere Menschen in ihrer Gleichgültigkeit und Fokussiertheit auf sich selbst, so genannte Freunde, die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit, die im Schlepptau Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit mit sich zieht und noch vieles, vieles mehr, all das bezieht eine ordentliche literarische Tracht Prügel von der Autorin. Die Darstellung der Charaktere und die Wahl der sprachlichen Mittel unterstreichen dies für mich sehr eindrucksvoll. Wer sich von einer intensiven, ungeschönten, teils abgewrackten Erzählmelodie einer gefühlt völlig anderen Welt nicht abschrecken lässt, dem wird es möglicherweise wie mir gehen… Zuerst habe ich mich mit dem Gedanken getragen, das Buch abzubrechen. Aber ich spürte, dass da noch mehr kommen würde….und so war es auch. Zum Schluss konnte ich den Roman nicht mehr aus der Hand legen und war in einer Art Hassliebe, gepaart mit Faszination und Abscheu, aber auch Mitleid und Hoffnung, den Worten Julia Zanges völlig ausgeliefert. Inhalt Marlas Leben ist ein einziges Realitätsgewitter. Wenig Sex, viel iPhone. Viel Bewegung, wenig Sicherheit. Sehr globalisiert, aber immer noch ganz schön deutsch. Marla funktioniert perfekt. Sie hat immer die richtige Maske auf. Doch plötzlich bekommt ihr hochglänzender Panzer kleine Brüche. Plötzlich ist da eine schwere Traurigkeit, die langsam von ihrem Bauch nach oben spült. Um nicht zu ertrinken, macht sie sich auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf. Und landet schließlich auf Sylt. Eine Reise ins Erwachsenwerden und zu sich selbst. Autorin Julia Zange, geboren 1983, lebt und arbeitet seit 2006 in Berlin. 2005 gewann sie den Literaturwettbewerb Open-Mike, 2008 veröffentlichte sie ihren ersten Roman mit dem Titel Die Anstalt der besseren Mädchen. Sie ist Teil der Web-Serie Translantics. Sie arbeitet als Redakteurin bei L’Officiel und schreibt regelmäßig für Zeit Online und Fräulein. In Philip Grönings Film Mein Bruder Robert, der 2017 Kino-Premiere feiert, hat sie als Hauptdarstellerin debütiert. Außerdem organisiert sie regelmäßig die Veranstaltungsreihe Dead Poets Society im Soho House Berlin. Quelle: Aufbau Verlag

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  • Realitätsgewitter

    Realitätsgewitter
    Kodabaer

    Kodabaer

    28. January 2017 um 16:49

    Das Thema des Buches hat mich brennend interessiert, weil ich denke, dass bei jedem von uns sich ein wenig von diesem in dem Buch beschriebenen Leben widerspiegelt. Natürlich nicht in der extremen Form wie Marla es erlebt.In Marlas Kindheit und Jugend liegt wohl auch der Grundstein für ihr Verhalten. Der Besuch bei ihren Eltern war für mich sehr befremdlich und erschreckend. So macht jeder seine Erfahrungen und wird jeder sein Leben und die Vernetztheit unterschiedlich in sein Leben einfließen lassen. Es liegt an einem selbst wie sehr man es zulässt. Die Einsamkeit und Oberflächlichkeit, die Marla erlebt ist erschreckend und ich muss sagen für mich persönlich auch unvorstellbar. Der kurzweilige Roman enthält alles was er braucht um uns als Leser nachdenklich zu stimmen. Für einen Roman, in dem ich mit der Protagonistin mit fiebern kann und mich in sie hineinversetzen kann fehlte mir einfach noch ein wenig Hintergrundwissen. Die Familiengeschichte wird nur kurz angerissen. Auf den erstem 100 von 150 Seiten erlebt man erst mal das Leben, so wie Marla es in Berlin lebt. Der Wandel und Hintergrund des ganzen spielt sich dann erst im letzten Drittel ab. Das ist mir etwas zu kurz geraten.Trotz allem stimmt einen das Buch nachdenklich und wer die Einsamkeit, Oberflächlichkeit und Traurigkeit ertragen kann in der Marla lebt, der sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen. Für Zartbesaitete ist es eher nichts.

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  • Toll geschrieben und sehr nachdenklich stimmend

    Realitätsgewitter
    raven1711

    raven1711

    11. January 2017 um 16:11

    Klappentext:Marlas Leben ist ein einziges Realitätsgewitter. Wenig Sex, viel iPhone. Viel Bewegung, wenig Sicherheit. Sehr globalisiert, aber immer noch ganz schön deutsch. Marla funktioniert perfekt. Sie hat immer die richtige Maske auf. Doch plötzlich bekommt ihr hochglänzender Panzer kleine Brüche. Plötzlich ist da eine schwere Traurigkeit, die langsam von ihrem Bauch nach oben spült. Um nicht zu ertrinken, macht sie sich auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf. Und landet schließlich auf Sylt. Eine Reise ins Erwachsenwerden und zu sich selbst.Meinung:Was hält das Leben für einen bereit? Marla ist Mitte Zwanzig und treibt durch Berlin. Das Studium hat sie abgebrochen, von ihren Eltern erhält sie immer noch finanzielle Unterstützung. Statt einem festen Beruf geht Marla lieber auf Partys. Auf Facebook hat sie über 1000 Freunde, doch wenn sie jemanden braucht, ist keiner für sie da. Doch dann entziehen ihre Eltern ihr die Unterstützung und Marla muss für ihren Unterhalt selbst aufkommen. Marla sieht sich gezwungen, sich mit sich selber und ihrer Familie auseinander zu setzen.Marla war für mich kein einfacher Charakter. Oft mochte ich sie nicht, ist sie doch sehr selbstbezogen, klammert und jammert, nervt mit ihrem Gehabe und ihrer Einstellung zum Leben. Doch je näher ich Marla kennen lernte, umso mehr tat sie mir doch leid, denn Marla ist ein sehr verlorener Mensch. Ihr fehlt der Rückhalt im Leben durch Freunde und Familie. Und je mehr ich über sie erfuhr, umso klarer wurde mir, wie sie so werden konnte, wie sie ist. Marla polarisiert und stellt somit eine Symbolfigur für eine ganze Generation dar. Die Nebenfiguren im Buch geben Marla den nötigen Rahmen, um sie plastischer darzustellen, ihr Tiefe zu verleihen und ihre Rolle im Buch abzurunden.Julia Zange nimmt in ihrem Roman viele Themen unters Korn und setzt in klaren, kurzen Sätzen ein Statement zur heutigen Gesellschaft, zu Normen und Sachverhalten. Und sie bringt ihre Ansichten direkt auf den Punkt, ohne groß drum herum zu reden. Überhaupt ist der Erzählstil minimalistisch, aber pointiert. Kein Wort zu viel oder zu wenig. Selten habe ich so gute, treffende Sätze gelesen. Julia Zange hält der Gesellschaft einen Spiegel vor und überlässt es dem Leser, darüber zu entscheiden, was er in diesem sieht.Die Handlung selber ist straff erzählt, hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf und so passiert doch recht viel auf den wenigen Seiten. Manchmal war es fast schon zu schnell, wie Marlas Leben hier an einem vorbei zieht. Die recht kurzen Kapitel, in denen Marla in der Ich-Perspektive erzählt, was in ihr vorgeht, machen das Buch zu einer sehr kurzweiligen, aber intensiven Lektüre.Fazit:Selten ist es mir so schwer gefallen, eine Buchbesprechung zu erstellen und die richtigen Worte zu finden. Realitätsgewitter ist intensiv, kurzweilig und auch schockierend. Kurze, prägnante Sätze und treffende Aussagen, Julia Zange weiß, wie sie den Leser erreicht.Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar.

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  • Nicht unbedingt schön, aber schonungslos und echt

    Realitätsgewitter
    Lainybelle

    Lainybelle

    27. December 2016 um 21:16

    Worum geht's? "Weißt du, Marla, das Problem ist, wenn man verzweifelt ist, dann kann man nicht präsent sein. Weil man so sehr auf der Suche ist, dann ist man eigentlich gar nicht richtig da." (S. 91) Marla ist ein Mädchen aus Berlin, wo sie ein Leben führt wie viele andere ihrer Generation - ziellos im Wald der Möglichkeiten, einsam in der Masse, immer online, aber nie glücklich. Die Beziehungen zu den Menschen, die sie kennt, sind oberflächlich und immer von mindestens einer Seite eigennützig. Tief im Inneren spürt sie Traurigkeit und Leere. Ob es einen Weg gibt, in alldem für ein neues Gefühl Platz zu schaffen? Was mich neugierig gemacht hat: Es war die Thematik des Buches, die mich dazu gereizt hat, mich bei einer Verlosung des Verlags zu beteiligen, und ich hatte Glück. Ich bin immer offen für Bücher, die sich mit Fassaden von Menschen und Tendenzen unserer Zeit und meiner Generation befassen, und habe hier auf eine authentische und tiefsinnige Geschichte gehofft. Cover und Titel finde ich persönlich auch sehr ansprechend. Wie es mir gefallen hat: Sollte ich dieses Buch mit einem Adjektiv beschreiben, würde ich vermutlich am ehesten "speziell" wählen. "Realitätsgewitter" ist keine schöne Geschichte, aber eine, die schonungslos die Orientierungslosigkeit vieler Menschen in unserer modernen Gesellschaft beleuchtet, Menschen wie Marla. Es werden Wahrheiten formuliert, die oft erschreckend sind, und emotionale Kälte dringt immer wieder zwischen den Zeilen hindurch. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich mit Marlas Lebensstil identifizieren kann, aber ich habe Menschen erlebt, von denen ich glaube, sie könnten ihr ähnlich sein, und es war interessant, meine Beobachtungen bei dieser Protagonistin wiederzufinden. Das Buch hat keinen großen Umfang und ist in einem klaren, direkten Stil geschrieben, der sehr echt wirkt. Man hat den Eindruck, sich wirklich unmittelbar in Marlas Gedanken- und Gefühlswelt zu befinden, auch wenn man sich selbst nicht immer dort zurechtfinden mag. Mit den bisher genannten Punkten hat dieses Buch es geschafft, mich zu beeindrucken und ins Grübeln zu bringen. Es ist eine Art Kunstwerk, das man während des Lesens zu verstehen versucht. Ab dem Punkt, an dem Marla in ihr Heimatdorf zurückreist (und dann, wie schon der Klappentext verrät, nach Sylt) bin ich leider ein wenig ausgestiegen. Marlas familiäre Hintergründe bringen die Geschichte auf eine andere Schiene. Ich hätte es ehrlich gesagt besser gefunden, wenn es auf einer weniger persönlichen, individuellen Ebene geblieben wäre. So hatte ich den Eindruck, dass Marlas private Vorgeschichte als Erklärung für Dinge dienen soll, die auch viel banalere Ursachen haben können. Das Ende fand ich passend, den Weg dorthin aber nicht bis ins Detail überzeugend und nachvollziehbar. (Für wen) Lohnt es sich? "Realitätsgewitter" ist sicherlich kein Buch für jeden. Man muss sich auf einen ungeschönten Blick auf das Leben einer nicht einfachen Protagonistin einlassen können. Gelingt einem das, kann man aber einiges an Stoff zum Nachdenken mitnehmen. Ich vermute, dass es, je älter man ist, desto schwieriger wird, der Geschichte etwas abzugewinnen, da die Sicht auf Marla sehr eng damit verknüpft ist, ob man die Lebensumstände junger Menschen heute nachempfinden kann. In einem Satz: Ich sehe "Realitätsgewitter" in einer Funktion als Spiegel einer bestimmten Problematik unserer Zeit als durchaus aussagekräftig und authentisch, hätte mir den Verlauf der Geschichte aber etwas anders vorgestellt und gewünscht. Herzlichen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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  • Sind wir nicht alle ein bisschen Marla

    Realitätsgewitter
    Eva-Maria_Obermann

    Eva-Maria_Obermann

    20. December 2016 um 22:10

    Ein Buch, auf das ich tierisch gespannt war, ist Realitätsgewitter von Julia Zange. Auf NetGalley habe ich den berührenden Roman gefunden, von dem Sogar Maxim Biller sagt: „Das kann nur Julia Zange: Alle zehn Jahre ein Buch schreiben, das man nicht mehr vergisst. Danke an NetGalley und den Aufbau Verlag für die 157 Seiten, die noch gar nicht so lange zu haben sind. Marla lebt in Berlin und hat das Studium abgebrochen. Sie jobbt sich durch die Tage, als ihre Eltern ihr die Unterstützung streichen. Richtig erwachsen fühlt sie sich dabei nicht, eher auf der Suche. Nach was, kann sie nicht festhalten. Nach Halt? Liebe? Zu Hause? Zwischen Männern und Sehnsucht, Medien und einer schicksalshaften Heimreise versucht Marla sich selbst zu finden. Und das merkt sie noch nicht mal, bis es fast zu spät ist. So kurz der Roman ist, so tief und schwer ist er. Von Anfang an ist da eine kühle Distanz, mit der Marla als Ich-Erzählerin ihr Leben betrachtet. So vollkommen unreflektiert und teilnahmslos lässt sie sich treiben. Von einem Mann zum anderen, von Bekannten zu Jobs. Es sind aneinandergereihte Augenblicke, die das große Ganze nicht etwa vermissen lassen, sondern die Lächerlichkeit zeigen, es zu suchen. Marla packt eine unerklärbare Sehnsucht nach irgendwas. Zwischen Ablehnung und Pseudo-Leben verliert Marla sich selbst. Egal wie viele Freunde sie auf Facebook hat, sie können die Momente der Einsamkeit nicht verhindern. Und egal, wie sehr sie sich an einen Mann hängt, seine Zurückweisung trifft sie immer wieder. Marla will gar nicht erst erwachsen werden. Sie will stagnieren, immer so bleiben, wie sie gerade ist, in einer nimmerlandartigen Zwischenwelt gefangen. Doch die fehlende finanzielle Unterstützung treibt sie zu einem Broterwerb. Ohne, dass es sofort klar wird, schleichen sich Anzeichen der Veränderung ein. Ein neuer Rhythmus, der nach langen Abenden in Tageroutinen besteht. Ein Realitätsgewitter, dass auf sie niedergeht. Die verschiedenen Stränge in Marlas Leben und Psyche laufen dabei in einem grotesken Moment zusammen, wenn sie ihre Eltern besucht. Psychologisierung. Marla, die eben noch so distanziert war und eine jugendliche Ignoranz gezeigt hat, gewinnt rasant Tiefe. Alles erscheint in einem anderen Licht und wird einfach mehr. Auch für Marla nicht leicht zu ertragen. Die Realität verwirrt sie. Sie kommt in ihr nicht zurecht. Ein grandioser Roman, der virtuelle Freundschaften neben reale Begegnungen stellt. Einsamkeit neben dutzende Freunde, eine belebte Unterhaltung neben starres Schweigen. So sehr Marla es leicht fällt, im einen zu bestehen, so haltlos fühlt sie sich im anderen. Die Figurenentwicklung ist dabei nuancenhaft und doch unverkennbar. Sehr realistisch zeigt sich Marlas Suche nach sich selbst wischen den Hürden der Realität. Realitätsgewitter ist deswegen so unschlagbar, weil es detailliert und glaubwürdig ist, bis zum letzten Wort. Das Marla als zentrale Figur, die einzige bleibt, die wirklich charakterisierbar ist, stört dabei nicht, denn die aufgezeigten Stereotype entstehen ja erst durch ihren Blick. Marla ist keine vorsichtige Beobachterin, sondern urteilt schnell und handelt dann trotzdem anders. Sie ist keine sympathische Figur der Literatur, ist aber so unheimlich menschlich, dass trotz allem eine Identifizierung mit ihr möglich ist. Sind wir nicht alle ein bisschen Marla?

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  • Realitätsgewitter

    Realitätsgewitter
    twentytwo

    twentytwo

    19. December 2016 um 18:33

    Marla, die vom Land geflohen, zum Studium nach Berlin gezogen ist, flattert wie ein desorientierter Schmetterling durch ihr Leben. Das Studium hat sie längstgeschmissen und jobbt seitdem für eine Modezeitschrift, die ihr eigentlich vollkommen egal ist. In ihrer Einsamkeit, die sie trotz vieler Facebookfreunde zu erdrücken scheint, führt sie ein plan- und zielloses Leben, das ihr mehr Qual als Freude bereitet. Doch ihre daraus resultierende Zerrissenheit und Leere treiben sie unaufhaltsam weiter. Als auch ihr Heimatbesuch zum neunzigsten Geburtstag ihrer Großmutter im Chaos endet, ergreift sie frustriert die Flucht und fährt aus einem spontanen Impuls heraus nach Sylt. Zurück in Berlin, glaubt Marla endlich verstanden zu haben worauf es im Leben ankommt …FazitEine unstrukturierte Aneinanderreihung von kurzen Episoden, die größtenteils irreal wirken und nicht nachvollziehbar sind.

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  • Realitätsgewitter

    Realitätsgewitter
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    12. December 2016 um 09:43

    Marla ist in der Provinz aufgewachsen und kommt nach Berlin, um dort zu studieren. Doch schnell bricht sie ihr Studium ab. Sie bekommt einen Job bei einer Modezeitschrift, doch fällt es ihr schwer, diszipliniert ihren Job durchzuziehen. Sie fängt an, sich treiben zu lassen. Und geht nachts lieber auf Partys. Marla sucht Freunde, Menschen, die sie „sehen" und ihr nahe stehen, einfach Nähe. Sie wünscht sich einen Mann an ihrer Seite, der ihre Gefühle erwidert. Marla hat viele Kontakte, aber es gibt niemanden, dem sie nahe steht. Sie findet nur Oberflächlichkeit, mehr Schein als Sein, sie geht auf Partys, findet zwar Sexpartner, aber ist trotzdem allein. Trotz 1475 Freunden auf Facebook steht ihr Telefon still. An Weihnachten fährt sie nach Hause zu ihren Eltern, wo bekannte Konflikte wieder auftauchen und sie plötzlich vieles mit anderen Augen sieht. Die Autorin versteht es, dem Leser die heutige Smartphone-Zeit realistisch rüberzubringen. Jeder hat unheimlich viele Kontakte, wer mehr Freunde auf Facebook hat als die anderen, hat gewonnen. Alle oberflächlich, in Selbstinszenierungen bestens geübt, bloß keine engen Beziehungen eingehen sondern immer schön auf Distanz bleiben. Oberflächlichkeit pur, kein Tiefgang erlaubt. Schon gar nicht mit Freunden oder Verwandten tiefergehende oder emotionale Gespräche führen, ohne dass ausgebildetes therapeutisches Fachpersonal das Gespräch begleitet. Leider kenne ich Berlin nicht persönlich, kann mir kein eigenes Bild davon machen. Aber leicht scheint es in dieser Stadt nun wirklich nicht zu sein, sich heimisch zu fühlen, anzukommen. Nicht nur bei ihrem Studium ist Marla nicht angekommen, sondern auch ansonsten ist ihr diese Stadt nicht hilfreich dabei, sich einzufinden, enge Freundschaften zu schließen und glücklich zu sein. Nur denke ich nicht, dass es nur in Berlin so zugeht, denn dadurch wie Julia Zange die heutige Smartphone-Generation beschreibt, wird es in anderen Städten nicht viel besser sein, als junger Mensch „echte" Bekanntschaften zu machen. Melancholisch beschreibt Julia Zange den Weg von Marla, die mir als Leserin nicht unbedingt sympathisch erscheint. Marla hat es nicht leicht, sie hat Selbstzweifel, Selbstmitleid, fühlt sich traurig und einsam, erscheint gleichgültig. Man glaubt, sie würde nun endgültig abrutschen, doch sie findet einen Weg aus diesem desolat erscheinenden Zustand heraus. Fazit: Keine leichte Lektüre, die Melancholie zieht sich durch den ganzen Roman, die Protagonistin ist schwierig. Trotzdem hat mir das Buch sehr gut gefallen. Gerade weil es sich nicht um eine leichte, lockere und positive Geschichte handelt, sondern es um reale und angesagte Themen und Probleme geht, fand ich diesen Roman herausfordernd und sehr interessant.

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  • Generationenroman

    Realitätsgewitter
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    08. December 2016 um 14:15

    Generationenroman„Ich wünschte, ich könnte mich selbst in die Hand nehmen und zerschmettern. Und dann erlöst aus dem eigenen Scherbenhaufen wieder heraustreten…Ich gehe wie ein kleiner Roboter nach Hause. Dort schneide ich eine dünne Linie in meinen Unterarm. Mein Atem kommt zurück“.Dabei ist Marla keine klassische Borderline-Persönlichkeit, nicht unrettbar tief depressiv, sondern lebt einfach ein Leben als junger Mensch in Berlin zu unserer Zeit. Und möchte einfach „gesehen“, wahrgenommen, angefasst, gemocht, geliebt werden.Aber das moderne Leben, das kann, wie Julia Zange ein- um das andere Mal wunderbar kühl-melancholisch beschreibt, einem schon das Gefühl geben, einfach nicht wirklich gesehen, nicht als Person wahrgenommen zu werden, nicht „in echt“ dazu sein.Ist man da, ist man eben da (wie auf einer Party, die Marla nur besucht, um Dylan hoffentlich zu treffen), ist man nicht da, ist man eben nicht da (1475 Freunde auf Facebook und keiner meldet sich, wenn Marla am dringendsten darauf hofft).Zudem vergibt Zange ihre Marla Eltern, die, wie nicht wenige Personen im Roman, als Symbole für eine „moderne“ Lebensweise stehen. Kühl, glatt, schick, so das Haus. Effizient der Vater, allein mit sich und ihrem esoterischen Interesse beschäftigter Mutter.Wie Zange hier den Gegensatz zwischen Großeltern und Elternhaus zutiefst treffend schon im äußeren Eindruck setzt, wie zugleich klar wird, dass das eine „nicht mehr da“ und das andere zwar „Realität“, aber nicht liebens- oder lebenswert wäre, das sind Schlüsselszenen (wie dann auch jene, in der das innere Verhältnis von Mutter und Tochter pointiert bis zur Schmerzgrenze dargelegt wird). Szenen, die die Atmosphäre des gesamten Romans in sich fangen und mit ständigem Druck auf die schmerzhaften Stellen den Leser nicht auslässt.Eine Welt, in der jeder ausschließlich und alleine mit sich beschäftigt ist, in der Bekannte (und Marla hat viele in Berlin) primär als „Publikum“ der Selbstdarstellung genutzt werden oder für eher „funktionale“ Begegnungen zwischendurch (wie jener Freund und Gelegenheits-Bettgefährte, der „danach“ umgehend den blütenweißen Zustand seines Bettes wieder herstellt und Marla rasch verabschiedet (jedes Mal).Eine Marla, die nichts anderes sucht, als Nähe. Echte Zuneigung. Vielleicht die Chance auf „Mehr“ mit einem Mann. Die aber, jeder für sich, mit ihrer „Szene“, mit Drogen, mit Modeljobs, mit irgendwelcher, eher dubiosen Kunst beschäftigt sind und mit all dem die Tage eher gedämpft an sich verstreichen lassen.Ob bei Leuten, die Marla oft trifft, ob bei Zufallsbekanntschaften im Zug oder ganz am anderen Zufluchtsort, ob in der eigenen, engen Familie samt Bruder, das Leben kommt Marla vor, wie ein „Boxsack aus Watte“, in dem alles versinkt und verpufft, was sie als „Hallo, Hier bin ich“ versucht, der Welt mitzuteilen. Da gibt es nur diesen portugiesischen Nachbarn. Der als „analoge“ Person mit seiner Familie im Haus lebt.„Ich finde das ganz schlimm, dass die Leute alle hinter diesem I-Phone verschwinden…Wo niemand reagiert. Alles betäubt“. Und Marla? Hier wäre doch eine Chance zum „realen echten Kontakt“. Aber die junge Praktikantin kennt noch nicht einmal den Namen des Nachbarn. Sie ist nicht anders als die anderen in deren und ihrer Welt. Und wird sich, wie gestrandet, zum Ende des Romans hin aufmachen, den Kopf freizubekommen. Was in gänzlich anderer, unerwarteter Weise geschieht, nämlich ganz unprätentiös, ohne Donner und Paukenschlag, langsam, einfach so. Die „Realität“ sehen, annehmen, und sich darin (vielleicht, das bleibt offen), allgemein ganz anders positionieren ´können.Melancholisch, mit großem Sprachschatz und nah und dicht an den Personen des Buches, Julia Zange öffnet den Blick auf die „Generation Smartphone“ mit ihren Praktikas, den ständig gepflegten Spleens, dem „dahin treiben“ in der der Großstadt, aber auch auf dem Land, im Elternhaus. Eine Welt, in der alles nur noch provisorisch wirkt und selbst nahe Bezugspersonen „emotionale und tiefgehende Gespräche“ am besten nur unter Aufsicht eines Therapeuten halten wollen.Vielfache Bilder der zunehmenden Distanz im Kontakt, der Unfähigkeit, die eigenen Gefühle durch all die Filter hindurch finden zu können und dann damit auch etwas anfangen zu können.Eine sehr empfehlenswerte Lektüre. Die mit einerseits kühler Distanz zur Welt und andererseits fast schmerzhafter Nähe zur Hauptperson den Leser nicht auslässt.

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  • Schade - war so gar nicht meins: Landweilig und der tiefere Sinn konnte sich mir nicht offenbaren

    Realitätsgewitter
    Julitraum

    Julitraum

    08. December 2016 um 12:07

    Die junge Marla lebt in Berlin. Eigentlich kommt sie vom Land. Das Abi hat sie erfolgreich abgeschlossen, Vorlesewettbewerbe gewonnen und ein vielversprechendes Studium begonnen, das sie dann jedoch schon schnell wieder abgebrochen hat. Seitdem lebt sie in den Tag, feiert, pflegt Facebook und sonstige Kontakte in der hippen und schnellebigen Großstadt. Viele Bekanntschaften hat sie, doch echte Freunde eher nicht. Als die Eltern den Geldhahn zudrehen ist Marla auf sich allein gestellt und muß feststellen, daß sie gar nicht so recht weiß, was sie eigentlich vom Leben will. Bisher hat sie nur perfekt funktioniert, auch im Elternhaus, das keineswegs einfach war. Marla kehrt schließlich in ihr Heimatdorf zurück, doch dort bleibt sie nur kurz. Auch hier fällt nicht die bleierne Leere und Traurigkeit von ihr ab. Marla landet schließlich auf Sylt, wo sie die Gedanken treiben lässt und klarer sieht. Ein Aufbruch ins Erwachsenwerden.Dieses Buch, daß von einigen Stellen so hochgelobt wurde, hat mir leider gar nicht gefallen. Der Schreibstil ist recht interessant, doch je länger ich las, so ungeduldig wurde ich auf den Kern der Handlung. Die Person der Marla war mir nicht wirklich sympathisch und sie konnte sich mir auch nicht erschließen. Als man endlich zu ihren Wurzeln zurückkehrte, erhoffte ich hier ein wenig Einblick in ihr familäres Umfeld zu bekommen und den Ursprung ihrer Probleme zu finden, doch das Rätsel wurde nicht gelöst. Auch am Ende des Buches sah ich nicht klarer und konnte keine wirklich große Entwicklung bei Marla feststellen. Wie sie nun weiterlebt oder welchen Entschluß sie gefasst hat, blieb relativ offen. Die Handlung an sich war meist sehr belanglos und nicht fesselnd. Das ganze Drumherum in Berlin mit Partys, Drogen und Sex konnte nur langweilen. Sehr schade, wer Tiefgründiges erhoffte, wird hier enttäuscht.

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  • Unvergessliche Langeweile

    Realitätsgewitter
    Tischtennis

    Tischtennis

    07. December 2016 um 17:53

    Es ist zwar ganz gut geschrieben und hat ein paar nette Einfälle, aber die Erzählung hat keinen Drive. Das Selbstmitleid der Ich Erzählerin empfand ich als nervig, und nur die Oberflächlichkeit oberflächlich zu spiegeln - dafür reicht mir eine Kurzgeschichte. Das Beste am Buch ist das Cover.



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