Julian Baggini

 3,9 Sterne bei 26 Bewertungen
Autor*in von 100 philosophische Gedankenspiele, Der Sinn des Lebens und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Julian Baggini ist ein britischer Philosoph, Journalist und Autor von über zwanzig Büchern, die für ein großes Publikum geschrieben wurden darunter der Bestseller "How the World Thinks" sowie "How to Think Like a Philosopher". Er ist akademischer Direktor des Royal Institute of Philosophy und Honorary Research Fellow an der University of Kent. Er war zudem Mitbegründer des Philosophers Magazine und veröffentlicht in zahlreichen internationalen Zeitungen und Medien.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Denke selbst, aber nicht allein (ISBN: 9783406852626)

Denke selbst, aber nicht allein

Erscheint am 24.09.2026 als Gebundenes Buch bei C.H.Beck.
Cover des Buches Das Buch vom Kaffee (ISBN: 9783965846708)

Das Buch vom Kaffee

Erscheint am 07.10.2026 als Gebundenes Buch bei ZS - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe.

Alle Bücher von Julian Baggini

Cover des Buches 100 philosophische Gedankenspiele (ISBN: 9783492252744)

100 philosophische Gedankenspiele

(8)
Erschienen am 01.06.2011
Cover des Buches Der Sinn des Lebens (ISBN: 9783492247054)

Der Sinn des Lebens

(8)
Erschienen am 01.11.2010
Cover des Buches Der kleine Denkverführer (ISBN: 9783492254878)

Der kleine Denkverführer

(3)
Erschienen am 24.08.2009
Cover des Buches Wie die Welt denkt (ISBN: 9783406830945)

Wie die Welt denkt

(3)
Erschienen am 20.03.2025
Cover des Buches Die großen Fragen - Ethik (ISBN: 9783642363719)

Die großen Fragen - Ethik

(1)
Erschienen am 07.04.2015
Cover des Buches Das Buch vom Kaffee (ISBN: 9783965846708)

Das Buch vom Kaffee

(0)
Erscheint am 07.10.2026
Cover des Buches Denke selbst, aber nicht allein (ISBN: 9783406852626)

Denke selbst, aber nicht allein

(0)
Erscheint am 24.09.2026

Neue Rezensionen zu Julian Baggini

Cover des Buches Wie die Welt denkt (ISBN: 9783406830945)
M

Rezension zu "Wie die Welt denkt" von Julian Baggini

M.Lehmann-Pape
Die Breite menschlichen Denkens über den Menschen

Eine andersartige, hochinteressante und die Sicht auf das Leben und die Verfassung des Menschen in der Welt sehr erweiternd, das ist, was Julian Baggini nach fundierter Recherche und mit viel Wissen vor die Augen von Lesern und Leserinnen legt.

 

Mit einer solchen Vielfalt der Themen (und dennoch einem klar erkennbaren, roten Faden versehen), dass es mit wenigen Worten gar nicht auf den Punkt zu erklären wäre.

 

Neben den klassischen „Lehrphilosophien“, die traditionell im Westen weitgehend auf der antiken griechischen Philosophie beruhen und in der Moderne vielfach ergänzt, durchgerüttelt (Existenzialismus), aber immer auch auf den „Klassikern“ beruhend, vor allem in der dualistischen Betrachtung des Menschen als „Seele und Leib“ oder als „Kritische Vernunft und Emotion“, setzt Baggini „Weisheiten“ der Welt aus vielfachen Kulturen. 

 

Ob Asien oder Afrika, ob schriftlich verfasst oder mündlich weitererzählt, Baggini zeigt eine eindeutige Kompetenz. Er versteht es, Menschen (und Texten) zuzuhören. 

 

Und ordnet seine Erkenntnis dies in vier Hauptteile und einen Ergebnis-Abschlussteil.

 

„Wie die Welt weiß“, auf welchem Wege also „Einsicht“ entsteht, eröffnet die Lektüre und zeigt hier schon auf, dass es nicht nur einen, sondern mehrere Wege gibt, sich dem Wesen des Menschen und dem Sinn von allem zu nähern. 

Um dann aus breiter, philosophischer und ethischer Erkenntnis der Kulturen zusammenzufassen, „Wie die Welt ist“.

Sodann fundiert die verschiedenen Ansätze ruhig zu erläutern, „Wer wir in der Welt sind“.

Und aus all dem lässt sich, ebenfalls in verschiedener Weise, teils einander ergänzend (Harmonie und Tugend“, teils schon aneinanderreibend (Moral und Befreiung (auch von der Moral), ableiten, „Wie die Welt lebt“.

 

In all dem wundert es am Ende nicht, dass es in Bagginis Augen „Einen Sinn für den (jeweiligen) Ort“ benötigt, um teils eherne, philosophische Sätze kulturell so einordnen zu können, dass ein Gesamtverständnis entsteht für das, was den Menschen ausmacht.

 

Es wäre unaufrichtig, die Tatsache zu leugnen……, dass wir…das Produkt unserer Gesellschaft, Epoche, Familie und örtlicher Umgebung sind“. Jeder und jede.

 

Sehr intensiv wird dies, wenn Baggini in seine Betrachtung und dem Zusammenbringen der verschiedenen Philosophien dem „Wer wir in der Welt sind“ nachgeht. Und aufzeigt, dass Platons „Dualismus“, der zum Beispiel im christlichen Glauben Einzug gehalten hat, nicht dem christlich-religiösen Fundament entspricht. Denn Jesus ist der Überlieferung nach „leibhaftig“ auferstanden, als „Einheit von Geist und Körper“ und nicht in Trennung der „Seele“ vom „Körper“. Hier zeigt sich exemplarisch mehr als nur die „antike Sichtweise“, hier fließen uralte Grunderfahrungen anderer Kulturen mit ein.

 

Das westlich geprägte „atomisierte Selbst“, die individuelle Trennung der Menschen voneinander und ein Leben und Kreisen primär „nur um sich selbst“ ist weder alles noch die einzig denkbare Vorstellung vom Menschen. Die Spanne reicht vom „Nicht-Selbst“ zur westlichen Überzeugung vom „essentiellen Selbst“ bis hin zum „relationellen Selbst“.

„Es lässt sich kaum bezweifeln, dass die westliche Denkweise zu sehr auf unsere (individuelle) Kompetenz vertraut“.

 

Mit praktischen Folgen. In denen die westliche Psychotherapie die „Ergründung des Selbst“ im „Inneren des Individuums“ lange Zeit exklusiv setzte, in Japan aber in der Regel psychische Störungen auf „sozialer Getrenntheit“ beruhend begriffen werden, und diese sozialen Störungen „im Inneren“ durch erneuerte soziale Bindungen aufgelöst werden.

 

Das beides kein Widerspruch ist, zeigt seit Jahrzehnten die „systemische Therapie“, die einerseits die individuelle Verfasstheit des Menschen aufnimmt, diese aber in ihren möglichen Störungen immer auch in Relation zum „individuellen sozialen Lebenssystem“ setzt.

 

Ein hochinteressanter, am Ende „die Welt versöhnender“ Ansatz Bagginis, den dieser mit fundiertem Wissen und einer verständlichen Darstellung vor Augen setzt,

 

Überaus empfehlenswert für und in einer Welt, die durch „nur noch“ Individualisierung an allen Ecken und Enden den Kitt miteinander und zueinander mehr und mehr offenkundig verliert. Und ein Plädoyer gegen irgendeine „Überlegenheit“ irgendeiner Art des Denkens über die Welt, den Menschen und den (möglichen) Sinn hinter allem, was ja alles am Ende prägend für ein gesellschaftliches und soziales Leben ist und bleibt.

Cover des Buches Wie die Welt denkt (ISBN: 9783406830945)
Alriks avatar

Rezension zu "Wie die Welt denkt" von Julian Baggini

Alrik
Wenn der Kopf um die Welt fliegt

Ich dachte, ich kenn mich aus. Aristoteles, Kant, bisschen Descartes zum Angeben – reicht doch, oder? Falsch gedacht. Baggini hat mir mit diesem Buch eine philosophische Weltreise serviert, die mir mehr als einmal den Kompass verdreht hat – im besten Sinne. Statt sich nur im Abendland die Weisheiten um die Ohren zu hauen, hebt er ab nach China, Indien, Japan, Afrika, Australien und in die arabische Welt. Und das nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit einer Neugier, die ansteckender ist als Philosophie-Kaffeehausgeplauder am Samstagabend.


Was ich besonders mochte: Es ist keine staubige Professorenvorlesung zwischen Buchdeckeln, sondern eher wie ein intellektueller Backpackertrip mit einem Typen, der gerne fragt, statt alles besser zu wissen. Dabei stolpert man von Konfuzius zu den Vedanta-Lehren, von Sufis zu Aborigines – und merkt plötzlich, wie sehr man selbst eigentlich in seinem westlichen Denkzelt hockt.


Klar, manchmal wird’s ein bisschen holprig, vor allem wenn Baggini versucht, komplexe Konzepte in wenigen Sätzen zu erklären – da kriegt das Hirn dann eine leichte Seitenlage. Aber hey, ein bisschen Denksport schadet ja nicht. Besonders cool: Seine Gespräche mit echten, lebenden Philosophen – kein Elfenbeinturm, sondern echte Stimmen mit echten Fragen.


Ich hab gelacht, gestaunt, manchmal auch geblinzelt wie ein Esel vorm Berg, aber selten so sympathisch global gedacht. Wer Philosophie mag, aber keine Angst vor neuen Denkrichtungen hat, sollte sich diesen Ritt nicht entgehen lassen. Ein Stern Abzug, weil ich mir noch mehr Tiefe bei manchen Themen gewünscht hätte. Aber sonst: starkes Ding – und definitiv ein Buch, das man nicht ins Regal stellt, sondern weiterempfiehlt.

Cover des Buches Ich denke, also will ich (ISBN: 9783423280839)
M

Rezension zu "Ich denke, also will ich" von Julian Baggini

M.Lehmann-Pape
Geprägt oder frei oder beides?

Geprägt oder frei oder beides?

Philosophie ist „in Mode“. Zumindest, was die doch erkleckliche Zahl an Veröffentlichungen in den letzten Monat direkt oder im weiteren Sinne zu philosophischen Themen (wie z.B. der Wirtschaftsethik oder der allgemeinen Ethik) angeht. Sei es das großangelegte Projekt der „Welterkenntnis“ von Precht, sei es das „Sokrates Prinzip“, seien es vielfache andere Veröffentlichungen.

Schon der Titel dieses Werkes, eine Spielerei mit dem bekannten „Ich denke, also bin ich“ von Descartes zeigt auch hier die philosophische Ausrichtung und konkrete Thematik des Buches an.

Die Frage nach dem „freien Willen“ steht im Mittelpunkt der Erläuterungen von Baggini, die in flüssigem Stil und gut verständlich vorgelegt werden.

Ausgehend von aktuellen fast „Schicksal-Gläubigkeiten“, wie im Denken Stephen Hawkings („….sodass schwer einzusehen ist, wie wir unseres Schicksals Meister sein können“), dem stringenten Denken im „Ursache-Wirkung-System“, in dem es nur um die Frage nach der letzten, der „eigentlichen“ Ursache geht und nicht nach den Entscheidungsfreiheiten für morgen. Eine Tendenz, die Baggini zusammenfasst im Satz: „Der freie Wille ist eine Illusion“.

So die eine Seite eines sich verfestigenden Denkens. Andererseits gilt landläufig natürlich in der Breite immer noch „jeder ist seines Glückes Schmied“ und die feste Überzeugung, dass nur die eigene Person mit den eigenen Entscheidungen das Leben bestimmt.

Zwischen diesen beiden Polen arbeitet Baggini sich im Folgenden im Buch mit interessanten Einsichten und hier und da einem anregenden „Querdenken“ hindurch. In einem Denkmuster, das eben zwischen den Polen „ins Schwimmen“ gerät. Verantwortung stärken einerseits, damit Menschen bewusst ihre Freiheit gestalten können, Fatalismus andererseits als eine Determination durch Gene, Kindheit und Umwelt.

Wobei Baggini von vorherein klarstellt, dass er auf der Seite jener steht, die den freien Willen postulieren, im weiteren Verlauf aber ebenso differenziert darstellt, dass dies nicht „vom Himmel fällt“, sondern sich vom Menschen in gewissen Hinsichten und da, wo starke Prägungen vorhanden sind, auch hart erarbeitet werden muss.

In fünf Teilen führt Baggini durch diese Denkmuster hin zur möglichen Entfaltung des freien Willens. Stellt zunächst die Entwicklung des Gedankens in der westlichen Philosophie dar und geht dann sehr verständlich auf den Begriff der Freiheit an sich ein, den aus Erfahrungsperspektive her entfaltet und nicht aus dem eher abstrakten wissenschaftlichem Diskurs herleitet. Was gerade auch der Verständlichkeit des Buches (nicht nur an dieser Stelle) äußerst guttut.

Dass es kein Denken in Polen ist, das den freien Willen begleitet, sondern letztlich Abstufungen von persönlicher Freiheit sind (unter graduell möglichen Einschränkungen des freien Willens) öffnet dann den Blick des Lesers für die abschließende Betrachtung, nicht wie ein freier Wille entsteht, sondern welche Art von freiem Willen erstrebenswert ist. Denn auch hier kehrt Baggini ein stückweit der „reinen Lehre“ den Rücken (dem „idealen freien Willen“) und sucht pragmatisch und praktisch die „realistische Ausgabe des freien Willens“. Das einerseits dem Individuum eben nicht unendliche Wahlmöglichkeiten gegeben sind, sondern dass durch Vererbung, Umwelt, Bildung, Umfeld je verschiedene Möglichkeiten nur zur Verfügung gestellt werden. Innerhalb derer aber durch „geschulte Intuition“ und ein „darüber hinaus träumen“ durchaus eigene, freie Wegabschnitte eröffnet und gegangen werden können.

Ein das Denken anregendes Buch, dass eine der Kernfragen der Philosophie aus der Ecke der reinen wissenschaftlichen Diskussion herausholt und in den ganz praktischen Lebensvollzug zu stellen versteht. Eine empfehlenswerte Lektüre.

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