Eine andersartige, hochinteressante und die Sicht auf das Leben und die Verfassung des Menschen in der Welt sehr erweiternd, das ist, was Julian Baggini nach fundierter Recherche und mit viel Wissen vor die Augen von Lesern und Leserinnen legt.
Mit einer solchen Vielfalt der Themen (und dennoch einem klar erkennbaren, roten Faden versehen), dass es mit wenigen Worten gar nicht auf den Punkt zu erklären wäre.
Neben den klassischen „Lehrphilosophien“, die traditionell im Westen weitgehend auf der antiken griechischen Philosophie beruhen und in der Moderne vielfach ergänzt, durchgerüttelt (Existenzialismus), aber immer auch auf den „Klassikern“ beruhend, vor allem in der dualistischen Betrachtung des Menschen als „Seele und Leib“ oder als „Kritische Vernunft und Emotion“, setzt Baggini „Weisheiten“ der Welt aus vielfachen Kulturen.
Ob Asien oder Afrika, ob schriftlich verfasst oder mündlich weitererzählt, Baggini zeigt eine eindeutige Kompetenz. Er versteht es, Menschen (und Texten) zuzuhören.
Und ordnet seine Erkenntnis dies in vier Hauptteile und einen Ergebnis-Abschlussteil.
„Wie die Welt weiß“, auf welchem Wege also „Einsicht“ entsteht, eröffnet die Lektüre und zeigt hier schon auf, dass es nicht nur einen, sondern mehrere Wege gibt, sich dem Wesen des Menschen und dem Sinn von allem zu nähern.
Um dann aus breiter, philosophischer und ethischer Erkenntnis der Kulturen zusammenzufassen, „Wie die Welt ist“.
Sodann fundiert die verschiedenen Ansätze ruhig zu erläutern, „Wer wir in der Welt sind“.
Und aus all dem lässt sich, ebenfalls in verschiedener Weise, teils einander ergänzend (Harmonie und Tugend“, teils schon aneinanderreibend (Moral und Befreiung (auch von der Moral), ableiten, „Wie die Welt lebt“.
In all dem wundert es am Ende nicht, dass es in Bagginis Augen „Einen Sinn für den (jeweiligen) Ort“ benötigt, um teils eherne, philosophische Sätze kulturell so einordnen zu können, dass ein Gesamtverständnis entsteht für das, was den Menschen ausmacht.
Es wäre unaufrichtig, die Tatsache zu leugnen……, dass wir…das Produkt unserer Gesellschaft, Epoche, Familie und örtlicher Umgebung sind“. Jeder und jede.
Sehr intensiv wird dies, wenn Baggini in seine Betrachtung und dem Zusammenbringen der verschiedenen Philosophien dem „Wer wir in der Welt sind“ nachgeht. Und aufzeigt, dass Platons „Dualismus“, der zum Beispiel im christlichen Glauben Einzug gehalten hat, nicht dem christlich-religiösen Fundament entspricht. Denn Jesus ist der Überlieferung nach „leibhaftig“ auferstanden, als „Einheit von Geist und Körper“ und nicht in Trennung der „Seele“ vom „Körper“. Hier zeigt sich exemplarisch mehr als nur die „antike Sichtweise“, hier fließen uralte Grunderfahrungen anderer Kulturen mit ein.
Das westlich geprägte „atomisierte Selbst“, die individuelle Trennung der Menschen voneinander und ein Leben und Kreisen primär „nur um sich selbst“ ist weder alles noch die einzig denkbare Vorstellung vom Menschen. Die Spanne reicht vom „Nicht-Selbst“ zur westlichen Überzeugung vom „essentiellen Selbst“ bis hin zum „relationellen Selbst“.
„Es lässt sich kaum bezweifeln, dass die westliche Denkweise zu sehr auf unsere (individuelle) Kompetenz vertraut“.
Mit praktischen Folgen. In denen die westliche Psychotherapie die „Ergründung des Selbst“ im „Inneren des Individuums“ lange Zeit exklusiv setzte, in Japan aber in der Regel psychische Störungen auf „sozialer Getrenntheit“ beruhend begriffen werden, und diese sozialen Störungen „im Inneren“ durch erneuerte soziale Bindungen aufgelöst werden.
Das beides kein Widerspruch ist, zeigt seit Jahrzehnten die „systemische Therapie“, die einerseits die individuelle Verfasstheit des Menschen aufnimmt, diese aber in ihren möglichen Störungen immer auch in Relation zum „individuellen sozialen Lebenssystem“ setzt.
Ein hochinteressanter, am Ende „die Welt versöhnender“ Ansatz Bagginis, den dieser mit fundiertem Wissen und einer verständlichen Darstellung vor Augen setzt,
Überaus empfehlenswert für und in einer Welt, die durch „nur noch“ Individualisierung an allen Ecken und Enden den Kitt miteinander und zueinander mehr und mehr offenkundig verliert. Und ein Plädoyer gegen irgendeine „Überlegenheit“ irgendeiner Art des Denkens über die Welt, den Menschen und den (möglichen) Sinn hinter allem, was ja alles am Ende prägend für ein gesellschaftliches und soziales Leben ist und bleibt.













