Julian Baggini Ich denke, also will ich

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Inhaltsangabe zu „Ich denke, also will ich“ von Julian Baggini

Wir sind nicht die Sklaven von Genen und ErziehungIst der Mensch für sein Handeln verantwortlich oder nur ein willenloses Produkt von Biologie und Umfeld? Da wir fähig sind zu denken, ist es unsere Aufgabe, unser Gehirn für unsere Freiheit einzusetzen. Haben wir also einen freien Willen? – Auf jeden Fall, sagt Julian Baggini, wir müssen ihn nur richtig verstehen und nutzen. Können wir an unserem freien Willen arbeiten? – Ja, ein gutentwickelter freier Wille ist keine universelle Gabe von Geburt an, sondern eine Errungenschaft, die wir uns erarbeiten müssen. Die Frage nach dem freien Willen ist einer der größten Streitpunkte der Wissenschaften. Für Baggini handelt es sich dabei nicht um eine rein metaphysische Frage, sondern vor allem um ein Problem der Moral. Auch wenn sich angesichts fortschreitender naturwissenschaftlicher Erkenntnisse zeigt, in welchem Maße die Menschen beeinflusst und beeinflussbar sind, dürfen sie sich ihre Freiheit nicht nehmen lassen.

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    Ich denke, also will ich
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    04. July 2016 um 16:19

    Geprägt oder frei oder beides?Philosophie ist „in Mode“. Zumindest, was die doch erkleckliche Zahl an Veröffentlichungen in den letzten Monat direkt oder im weiteren Sinne zu philosophischen Themen (wie z.B. der Wirtschaftsethik oder der allgemeinen Ethik) angeht. Sei es das großangelegte Projekt der „Welterkenntnis“ von Precht, sei es das „Sokrates Prinzip“, seien es vielfache andere Veröffentlichungen.Schon der Titel dieses Werkes, eine Spielerei mit dem bekannten „Ich denke, also bin ich“ von Descartes zeigt auch hier die philosophische Ausrichtung und konkrete Thematik des Buches an.Die Frage nach dem „freien Willen“ steht im Mittelpunkt der Erläuterungen von Baggini, die in flüssigem Stil und gut verständlich vorgelegt werden.Ausgehend von aktuellen fast „Schicksal-Gläubigkeiten“, wie im Denken Stephen Hawkings („….sodass schwer einzusehen ist, wie wir unseres Schicksals Meister sein können“), dem stringenten Denken im „Ursache-Wirkung-System“, in dem es nur um die Frage nach der letzten, der „eigentlichen“ Ursache geht und nicht nach den Entscheidungsfreiheiten für morgen. Eine Tendenz, die Baggini zusammenfasst im Satz: „Der freie Wille ist eine Illusion“.So die eine Seite eines sich verfestigenden Denkens. Andererseits gilt landläufig natürlich in der Breite immer noch „jeder ist seines Glückes Schmied“ und die feste Überzeugung, dass nur die eigene Person mit den eigenen Entscheidungen das Leben bestimmt.Zwischen diesen beiden Polen arbeitet Baggini sich im Folgenden im Buch mit interessanten Einsichten und hier und da einem anregenden „Querdenken“ hindurch. In einem Denkmuster, das eben zwischen den Polen „ins Schwimmen“ gerät. Verantwortung stärken einerseits, damit Menschen bewusst ihre Freiheit gestalten können, Fatalismus andererseits als eine Determination durch Gene, Kindheit und Umwelt.Wobei Baggini von vorherein klarstellt, dass er auf der Seite jener steht, die den freien Willen postulieren, im weiteren Verlauf aber ebenso differenziert darstellt, dass dies nicht „vom Himmel fällt“, sondern sich vom Menschen in gewissen Hinsichten und da, wo starke Prägungen vorhanden sind, auch hart erarbeitet werden muss.In fünf Teilen führt Baggini durch diese Denkmuster hin zur möglichen Entfaltung des freien Willens. Stellt zunächst die Entwicklung des Gedankens in der westlichen Philosophie dar und geht dann sehr verständlich auf den Begriff der Freiheit an sich ein, den aus Erfahrungsperspektive her entfaltet und nicht aus dem eher abstrakten wissenschaftlichem Diskurs herleitet. Was gerade auch der Verständlichkeit des Buches (nicht nur an dieser Stelle) äußerst guttut.Dass es kein Denken in Polen ist, das den freien Willen begleitet, sondern letztlich Abstufungen von persönlicher Freiheit sind (unter graduell möglichen Einschränkungen des freien Willens) öffnet dann den Blick des Lesers für die abschließende Betrachtung, nicht wie ein freier Wille entsteht, sondern welche Art von freiem Willen erstrebenswert ist. Denn auch hier kehrt Baggini ein stückweit der „reinen Lehre“ den Rücken (dem „idealen freien Willen“) und sucht pragmatisch und praktisch die „realistische Ausgabe des freien Willens“. Das einerseits dem Individuum eben nicht unendliche Wahlmöglichkeiten gegeben sind, sondern dass durch Vererbung, Umwelt, Bildung, Umfeld je verschiedene Möglichkeiten nur zur Verfügung gestellt werden. Innerhalb derer aber durch „geschulte Intuition“ und ein „darüber hinaus träumen“ durchaus eigene, freie Wegabschnitte eröffnet und gegangen werden können.Ein das Denken anregendes Buch, dass eine der Kernfragen der Philosophie aus der Ecke der reinen wissenschaftlichen Diskussion herausholt und in den ganz praktischen Lebensvollzug zu stellen versteht. Eine empfehlenswerte Lektüre.

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