Julian Barnes Am Fenster

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Inhaltsangabe zu „Am Fenster“ von Julian Barnes

Julian Barnes schreibt über U-Bahnfahrten mit Penelope Fitzgerald, über Rudyard Kiplings Leidenschaft für Autos, für Frankreich und für Autofahrten durch Frankreich, er feiert Houellebecqs Kompromisslosigkeit und bricht eine Lanze für seine unterschätzten Kollegen (Sie haben Ford Madox Fords »Das Ende der Paraden« nicht gelesen? Dann aber los!). Barnes hat keine Angst vor Ikonenkritik (George Orwell) und noch weniger vor hymnischem Lob (Lorrie Moore, John Updike). All das ist scharfsinnig beobachtet, mit feinem Humor und manchmal mildem Spott, mit Sinn fürs argumentative Fairplay und mit viel Herzblut. Nebenbei schenkt er uns in einer Short Story überraschende Erkenntnisse über Hemingway und über das Verhältnis von Mythos und Werk dieses Superstars der amerikanischen Literaturgeschichte.

Man möchte alle besprochenen Autoren sofort lesen! Großartig!

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  • Über die Liebe zu Büchern und zur Literatur

    Am Fenster
    BeaMilana

    BeaMilana

    04. April 2016 um 10:12

    Julian Barnes, geb. 1946, erhielt zahlreiche europäische und amerikanische Literaturpreise und wurde 2011 mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet. In seinem neuesten Werk „Am Fenster“ widmet er in sich in 17 Essays den Werken von u.a. Penelope Fitzgerald (die sich als harmlose, Marmelade kochende Großmutter gab und beim Erscheinen ihres ersten Buches 58 Jahre alt war), Ford Madox Ford, Lockwood Kipling, George Orwell, Edith Wharton („Doch im Laufes des Romans (The Reef) wird klar, dass das, was nicht gesagt wird – und die Art, wie es nicht gesagt wird –, so aufschlussreich sein kann wie alle Worte.“), Loorie Moore ("Sie war den Sehnsüchten der anderen nicht gerecht geworden."), Michel Houllebecq („Literarische Unverschämtheit ist ein hochriskantes Unternehmen.“) und John Updicke ("... der Anblick eines Künstlers im Fluge lässt das Herz höherschlagen.") Mit abgeklärtem Blick und persönlichem Gusto konzentriert sich Barnes mal intensiv auf Form und Inhalt eines Werkes, mal auf die Verbindung zur Literaturgeschichte und den gesellschaftlichen Kontext der Zeit, mal pflicht er Anekdoten über persönliche Begegnungen mit dem Schriftsteller ein oder analysiert gleich das Gesamtwerk mit – nie ohne den Blick auf die Person und das Leben des Künstlers zu verlieren. Seine Auswahl bezieht sich auf den englisch- und französischsprachigen Raum. Bereichernd sind außerdem eine sehr interessante Analyse über die Schwierigkeiten des Übersetzens anhand von Madam Bovary, sowie eine äußerst amüsante Short Story „Die Hommage an Hemingway“, in der ein Literaturprofessor versucht, seinen Studenten Hemingway näher zu bringen („Nein, natürlich würde er ihn (den Roman) schreiben. Die Frage war nur: Würde ihn auch jemand verlegen? ... Seine Verkäufe stagnierten schon seit Jahren; er war weiß und nicht mehr der Jüngste und hatte keine andere Identität – als blasierter Dauergast in Fernsehstudios, zum Beispiel – ...“ ). Im Nachwort erzählt er uns, wie die Liebe zu Büchern und zur Literatur im Laufe seines Lebens stetig wuchs und dass sich das Leben und das Lesen nicht auseinander dividieren lassen. „Ich habe in Büchern, für Bücher und mit Büchern gelebt; seit einigen Jahren habe ich sogar das Glück, von Büchern leben zu können.“ „Die Regale meiner Eltern (sowie meiner Großeltern und meines älteren Bruders) begann ich erst zu durchforsten, als mir dämmerte, dass es so etwas wie Sex gab.“ Wie man anhand meiner Zitatauswahl merkt, ist "Am Fenster" alles andere als staubtrocken, seine Betrachtungen folgen persönlichen Maßstäben, nicht den Regeln der Schreibgurus oder Literaturpäpste. Und, sie sind immer gewürzt mit hintergründigem Witz und Anspielungen. Ich habe bei der Lektüre oft lauthals vor Freude gebrüllt oder leise vor mich hingekichert und möchte dieses Werk besonders denjenigen ans Herz legen, die sich für Literatur und das Leben ihrer Urheber interessieren.

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  • Profunder Blick auf Teile der literarischen Welt

    Am Fenster
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    09. February 2016 um 13:56

    Profunder Blick auf Teile der literarischen Welt Es ist gar nicht so sehr nur das „Innere“ der Literatur, was Barnes in dieser Sammlung von Esssays (und einer Kurzgeschichte „auf den Spuren Hemingways) dem Leser im Sinne literaturkritischer Analysen vor Augen stellt. Es ist mehr der Zusammenhang zwischen biographischen Details, Umfeld und Umwelt, kreativem Schaffen und Rezeption desselben an bestimmten Orten, durch deren Darstellung Barnes ein „Gesamtbild“ vor Augen führt und damit genau dem Folge leistet, was er selber im Vorwort als Essenzen der Literatur seinen Betrachtung voranstellt. Dass Literatur eben Weltverstehen in sich trägt (und damit nicht aus dem „luftleeren Raum“ in die Buchstaben fließt). Wie er sich u.a. im Buch mit Rudyard Kiepling in Frankreich in den Kopf der Freiheitsstatue begibt und damit „durch die Augen der Freiheit selbst schaut“, wie Kipling eine innere Beziehung zu Frankreich aufbaut, dass der Autor begeisterter „Autoreisender“ war und Land und Leute erkundete, gipfelnd darin, dass seine Tochter Elsie nach seinem Tod festhielt: „In Frankreich war er immer glücklich“. Verfasst im Sinne eines biographischen Portraits dieser bestimmten Seite an Kiplings Leben, die dem eingefleischten „Briten Kipling“ eben auch „die Welt eröffnete“, das ist anregend, sachlich fundiert und wunderbar im Stil zu lesen. Um dann dabei nicht stehen zu bleiben, sondern das „gesamte Bild“ dahingehend zu liefern, dass Barnes neben „Kiplings Frankreich“ eben auch „Frankreichs Kipling“, die Rezeption, die Wirkung von Bekanntschaften und vieles mehr zu Gehör bringt. Eine Herangehensweise, die noch ausgeprägter bei Ford Madox Ford im Buch zum Tragen kommt. Dessen „allertraurigste Geschichte“ ergänzt wird durch Fords Beziehung zur Provence und zu seinem „anglikanischen Heiligen“. Einem Essay, in dem Barnes differenziert darauf verweist, dass Fords Selbstdarstellungen einer kritischen Reflexion je bedürfen. „Er (Ford) war wunderlich, unzuverlässig und konnte andere zur Verzweiflung bringen. Manche hielten ihn schlicht für einen Lügner“ (was auch zu einfach gedacht wäre, wie Barnes aufweist). In der literarischen Person des Christopher Tietjen, eines „Prototyps des anglikanischen Heiligen“ legt Ford zugleich ein Bild eines Mannes, der versucht, in der Modernität und Unordnung der modernen Welt zurecht zu kommen. In der Vertiefung zur Interpretation des Werks lässt Barnes wiederum vielfach den Autoren hinter dem Roman lebendig werden und dem Leser nahekommen. Wobei, bei einigen der Essays, Grundkenntnisse über Leben und Werk der verschiedenen Autoren wie Houellebecq, Hemingway oder George Orwell doch vorhanden sein sollten, um die Feinheiten der Essays nachvollziehen zu können. Flüssig, kenntnisreich, mit spürbarer Liebe zur Literatur und den konkreten Schriftstellern, denen Barnes sich in diesen Essays zuwendet, bietet die Sammlung eine sehr empfehlenswerte und anregende Lektüre und einen wunderbaren Blick aus dem Fenster hinein in die Welt der (wirkenden) Literatur.

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