Der Lärm der Zeit

von Julian Barnes 
4,2 Sterne bei54 Bewertungen
Der Lärm der Zeit
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Antigone8s avatar

Dieser Roman hat mich sehr beeindruckt und berührt! Sowohl die Sprache als auch die Geschichte entfalten einen ganz besonderen Sog.

Alaiss avatar

Mit der Faszination und der Schwermut der russischen Seele, wer sich gerne durch die russische Literatur liest, wird auch dieses Buch lieben

Alle 54 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Der Lärm der Zeit"

Julian Barnes’ meisterhafter Roman über Dmitri Schostakowitsch
Im Mai 1937 wartet ein Mann jede Nacht neben dem Fahrstuhl seiner Leningrader Wohnung darauf, dass Stalins Schergen kommen und ihn abholen. Der Mann ist der Komponist Schostakowitsch, und er wartet am Lift, um seiner Familie den Anblick seiner Verhaftung zu ersparen.
Die Gunst der Mächtigen zu erlangen, hat zwei Seiten: Stalin, der sich plötzlich für seine Musik zu interessieren scheint, verlässt noch in der Pause die Aufführung seiner Oper 'Lady Macbeth von Mzensk'. Fortan ist Schostakowitsch ein zum Abschuss freigegebener Mann. Durch Glück entgeht er der Säuberung, doch was bedeutet es für einen Künstler, keine Entscheidung frei treffen zu können? In welchem Verhältnis stehen Kunst und Unterdrückung, Diktatur und Kreativität zueinander, und ist es verwerflich, wenn man sich der Macht beugt, um künstlerisch arbeiten zu können?
Im neuen Roman von Julian Barnes wird das von Repressionen geprägte Leben von Schostakowitsch in meisterhafter Knappheit dargestellt – ein großartiger Künstlerroman, der die Frage der Integrität stellt und traurige Aktualität genießt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462048889
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:16.02.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 23.02.2017 bei Argon erschienen.

Videos zum Buch

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,2 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne20
  • 4 Sterne25
  • 3 Sterne8
  • 2 Sterne1
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Giselle74s avatar
    Giselle74vor 22 Tagen
    Die Macht

    1937, Russland zu Zeiten Stalins. Während einer Aufführung von Dmitri Schostakowitschs Oper "Lady Macbeth von Mzensk" verlässt Stalin das Theater. Für uns heute ist das kaum noch vorstellbar, aber das ist Grund genug für den Komponisten um sein Leben zu fürchten. Nacht für Nacht steht er nun mit gepacktem Koffer am Aufzug und wartet auf seine Abholung. Er möchte nicht vor den Augen der Familie aus dem Bett gezerrt werden.
    Es sind Bilder wie diese, die Barnes' Roman unfassbar beklemmend machen. Wie erträgt man das, Nacht für Nacht? Und was macht die Angst um Leben und Familie mit und aus einem Menschen? Ja, auch Angst um die Familie, denn Schostakowitschs Tod könnte dem Diktator noch nicht ausreichend erscheinen, auch das Leben seiner Frau ist in Gefahr und die Zukunft der Kinder. Unfassbar ist das eigentlich, in lebensbedrohender Gefahr zu sein, nur, weil einem anderen ein Musikstil nicht behagt.
    Für dieses Mal geht es gut aus, keine Schergen des Diktators erscheinen, langsam kehrt die Familie in den Alltag zurück. Nur was für ein Alltag ist das, ohne Entwarnung, unter ständiger Anspannung, immer unter Beobachtung der "Macht", die unberechenbar bleibt?
    Wir folgen Schostakowitschs Gedankengängen, die durch sein Leben mäandern, immer wieder verweilen, weiterziehen, zurückkehren. Drei Teile hat der Roman, um drei verschiedene Lebensabschnitte geht es: die Zeit als geächteter Komponist, die Zeit nach einem Amerikabesuch, der ihn weite Teile seiner Selbstachtung kostet und die Zeit des Alters mit Rückblicken auf sein Leben. Immer wollte er eigentlich nur komponieren, doch nie durfte er ein selbstbestimmtes Leben führen. Der Druck von oben, die ständige Angst -  hätte er sich wehren sollen? Müssen? Können? Hätte er sein Leben aufs Spiel setzen sollen, um sein Rückgrat zu bewahren, das Wohlergehen seiner Kinder? Hätte er das Risiko eingehen sollen, dass sie ihr Leben in Waisenhäusern verbringen, den Eltern entzogen und gezwungen, die eigene Familie zu verleugnen und zu verachten? Hätte er damit und mit dem eigenen Tod ein Zeichen gesetzt und wenn ja, für wen?
    Julian Barnes gelingt es, die unsichtbaren Fäden sichtbar zu machen, mit der in einer Diktatur Menschen gefügig gemacht werden. Er zeigt, dass die Angst vor dem, was kommen könnte, den Menschen schlimmer zusetzen kann, als das tatsächliche Ereignis. Aber was viel wichtiger ist, er findet auch deutliche Worte dafür, dass wir in unserer sicheren Welt uns kein Urteil erlauben sollten darüber, was Menschen in einer solchen Situation antreibt. Schostakowitsch ist lange für seine Kooperation mit dem russischen Regime kritisiert worden. Von seinen Kollegen im sicheren Ausland.
    Dieser Roman hat mir streckenweise schlimmere Atemnot bereitet als jeder Thriller, so hervorragend vermittelt er den Freiheitsentzug, das völlige Ausgeliefertsein und die Hoffnungslosigkeit, diesem Käfig zu entkommen. Ein großartiges Buch, beklemmend, realitätsnah und aktuell - denn Diktaturen funktionieren immer und zu allen Zeiten nach den hier beschriebenen Mustern.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    Alaiss avatar
    Alaisvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Mit der Faszination und der Schwermut der russischen Seele, wer sich gerne durch die russische Literatur liest, wird auch dieses Buch lieben
    Kunst schaffen in einer repressiven Welt – aus dem Leben des russischen Komponisten Schostakowitsch

    Julian Barnes erzählt in diesem Roman vom Leben des sowjetischen Komponisten Schostakowitsch im kommunistischen Regime. In einer Gesellschaft, in der es ratsamer erscheint, möglichst unauffällig zu bleiben, haben erfolgreiche Künstler im Rampenlicht es natürlich besonders schwer – und so fühlt Schostakowitsch mehr als einmal das Auge der Macht auf sich ruhen, muss sogar ein Telefongespräch mit Stalin höchstpersönlich bewältigen, wohl wissend, wie gestört und gefährlich dieser ist … Gerade das Beliebige der subjektiven Interpretation künstlerischer Werke kann zur Gefahr werden, da kann ein Komponist noch so überzeugt sein, ein patriotisches Werk geschaffen zu haben - wenn Stalin es anders sieht, gerät nicht nur die berufliche Karriere des Betroffenen in Gefahr ... Und tatsächlich zeigt sich Stalin bei einer Aufführung eines Werks von Schostakowitsch nicht gerade begeistert. Sofort stürzen Kritiker, auch diejenigen, die ihn zuvor gelobt haben, über das Musikgenie her – das Wort Volksverräter fällt und Schostakowitsch beginnt, um sein Leben zu fürchten …
    Julian Barnes' Roman über den begabten Komponisten vermittelt sehr eindringlich das Gefühl, das Menschen haben müssen, wenn sie in einer repressiven Gesellschaft leben, in der sie über jeden kleinen Schritt, jedes kleine Wort, jede kleine Note nachdenken müssen und doch bei allem guten Willen Gefahr laufen, wegen kleiner Fehler oder einfach nur eines mangelnden Verständnisses ihrer Beobachter und Richter, eingesperrt zu werden oder gar ihr Leben zu verlieren. Ganz zu schweigen von der Angst um die Menschen, die man liebt und die man durch eine beabsichtigte oder unabsichtliche Heldentat, einen kleinen ehrlichen, ohne Nachdenken ausgesprochenen Satz, ebenfalls in große Gefahr bringen kann. Eine nervliche Belastung, die ich mir gar nicht vorstellen möchte ... 

    Die Erzählung wirkt sehr authentisch und natürlich kommt gerade deshalb die Frage auf: Was ist Wahrheit, was ist Dichtung? Der Autor gibt in einem Nachwort Hinweise auf seine Quellen, deutet aber auch daraufhin, wie schwierig es ist, verlässliche Quellen zum Leben unter einem solchen Regime der Unterdrückung zu finden. Dies wird auch schon im Roman deutlich, immer wieder muss Schostakowitsch Reden vorlesen und Artikel veröffentlichen, die er nicht geschrieben hat und die er auch nie freiwillig geschrieben hätte ... Andererseits konnte so Julian Barnes verstärkt sein schriftstellerisches Talent zeigen und (nein, keine alternativen Fakten, sondern:) eine tiefere Wahrheit herausarbeiten.
    Ein lesenswerter Roman mit vielen bemerkenswerten Stellen, die mein Notizbuch für Zitate bereichert haben, beispielsweise: "Es gehört zu den vielen Enttäuschungen des Lebens, dass es nie ein Roman war, ob von Maupassant oder sonst jemandem. Höchstens vielleicht eine kurze Satire von Gogol." (S. 55)

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Caro_Lesemauss avatar
    Caro_Lesemausvor einem Jahr
    Kurzmeinung: ein biografisches Zeugnis aus dem stalinistischen Russland
    Ein Komponist unter ständiger Beobachtung

    Julian Barnes schreibt über das Leben des russischen Komponisten Schostakowitsch und dessen ständiger Angst vor einem Fehltritt im stalinistischen Regime. Wir begleiten den Komponisten zunächst, wie er Nacht für Nacht im Flur vor dem Fahrstuhl sitzt und auf seine Festnahme wartet, nachdem Stalin mitten während einer Aufführung seiner Oper den Saal verlassen hatte - quasi ein Todesurteil. Doch niemand kommt. Sie befragen ihn zu den Umtrieben befreundeter politischer Gefangener, doch immer noch kommt niemand, um auch ihn festzunehmen. Was soll er nun tun? Einfach komponieren und hoffen, dass seine Werke irgendwann wieder gespielt werden?


    Der Roman beschreibt insgesamt Schostakowitschs Leben, wobei ein besonderer Fokus auf die Zeit während Stalins Regentschaft liegt. Ich hatte anfangs Schwierigkeiten, in die Geschichte einzusteigen, da es sehr viele Szenenwechsel gibt, die letztlich sicherlich auch die innere Verwirrung des Protagonisten darstellen sollen. Nachdem ich mich an den Stil gewöhnt hatte, ist mir das Buch sehr ans Herz gewachsen. Der Autor beschreibt "die Macht" und wie eine kleine Entscheidung in der damaligen Zeit ganze Leben zerstören konnte. Wie die Leute sich entscheiden mussten zwischen Exil und Hinnahme der Gegebenheiten, immer in der Angst, in Ungnade zu fallen. Schostakowitsch wird irgendwann zur Marionette - ob es ihm schlicht egal ist oder er zu feige ist, darüber kann man spekulieren. Letztlich wäre offener Widerspruch das Todesurteil gewesen, kann man also das passive Fügen tatsächlich als Feigheit bezeichnen? Seine innere Ablehnung und die beängstigenden Umstände hat er schließlich in seiner Musik verarbeitet.


    Fazit:
    Man sollte einigermaßen Interesse für Musik aufbringen, viel wichtiger ist ein Interesse an der Sowjetunion und den Machenschaften des Stalin-Regimes. Das Buch ist in einer wundervollen Sprache geschrieben. Ich habe mit Schostakowitsch mitgelitten und kann dieses Buch weiterempfehlen! Einen Punkt Abzug gibt es für die Startschwierigkeiten wegen der vielen Szenenwechsel.

    Kommentieren0
    6
    Teilen
    Aliknechts avatar
    Aliknechtvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wunderbarer Roman über den russischen Komponisten Schostakowitsch
    Stalins Komponist

    Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch wurde 1906 in Sankt Petersburg geboren und starb 1975 in Moskau. Er war jünger als Prokofjew und Rachmaninow und gehört zu den bedeutendsten  neueren Komponisten. Die Geschichte der Sowjetunion und besonders Stalins Schreckensherrschaft hat sein Leben geprägt. 

    Schostakowitsch feierte mit seinen ersten Sinfonien große Erfolge und wurde bereits in jungen Jahren weltberühmt. Auch seine Oper Lady Macbeth von Mzensk fand zunächst großen Anklang. Als jedoch Stalin eine Aufführung im Bolschoi-Theater besuchte, verließ er  die Regierungsloge vorzeitig. Danach begann die Presse Schostakowitsch massiv zu kritisieren und ihm "Formalismus" vorzuwerfen. Dies konnte 1936 bereits ein Todesurteil bedeuten.

    Stalins große Säuberungen und die Schauprozesse hatten gerade begonnen. Auch sein Freund Michail Tuchatschewski, der junge strahlende Marschall der Sowjetunion, wurde 1937 verhaftet, wegen Spionage angeklagt, verurteilt und hingerichtet. Schostakowitsch war durch den plötzlichen Fall seines mächtigen Förderers völlig erschüttert und verängstigt und stand wegen der engen Beziehungen selbst unter Verdacht. Er lebte in ständiger Angst vor einer Verhaftung. "Sie holten einem immer mitten in der Nacht. Also legte er sich, um nicht im Schlafanzug aus der Wohnung gezerrt zu werden oder sich notgedrungen vor einem verächtlich ungerührten NKWD-Mann anzuziehen, lieber voll bekleidet ins Bett, oben auf der Decke, einen fertig gepackten kleinen Koffer neben sich auf dem Boden". Er wurde zwar verhört, aber man verhaftete ihn nicht.  

    Auch nach den schrecklichsten Zeiten des Stalin-Terrors durfte er zwar in die USA reisen, musste dort aber eine vorgegebene Rede halten. Das Buch zeigt wie brutale Macht im Detail funktioniert. Schön, dass Schostakowitsch unter all dieser Drangsal so wunderbare Musik für uns geschrieben und hinterlassen hat. Legt man die 7. "Leningrader" Sinfonie auf, kann man die bedrängte russische Seele spüren. Der Roman ist gut recherchiert und gut geschrieben. Nur schimmert ein wenig durch, dass ein Brite sich diesen Schrecken gar nicht schrecklich genug vorstellen kann. Ich glaube, es war noch viel schlimmer. 

    Ausgabe: Julian Barnes  Der Lärm der Zeit Aus dem Englischen von Gertrud Krueger Kiepenheuer & Witsch Köln 2017 (gelesen im März 2017)

    Kommentare: 1
    3
    Teilen
    solveigs avatar
    solveigvor 2 Jahren
    "Das Flüstern der Geschichte"

     

    „Kunst ist das Flüstern der Geschichte, das durch den Lärm der Zeit zu hören ist.“ So lautet  Dmitri Schostakowitschs Definition von Kunst und seiner Musik, die sich immer wieder durch Julian Barnes´ biografisches Buch zieht.

    Die drei Abschnitte, in die der Autor seinen Roman unterteilt, stellen Phasen aus Schostakowitschs Leben dar, das er selbst einteilt „in Zwölfjahreszyklen des Unheils“ , die ausgerechnet in Schaltjahren stattfinden. Während in der Stalinära Angst und Terror herrschen,  fällt Schostakowitsch im Jahr 1936 auf lebensbedrohliche Weise in Ungnade. Seither lebt er in ständiger Todesangst, von Stalins Schergen abgeholt zu werden; denn der Tyrann und „die, die Angst auslösten … wussten, dass sie funktioniert, sogar wie sie funktioniert…“  Mit gepacktem Koffer wartet er monatelang  Nacht für Nacht vor dem Aufzug im Treppenhaus auf seine drohende Verhaftung, um der Demütigung zu entgehen, von Stalins Genossen aus dem Bett gezerrt zu werden.

    Im Jahr 1948 wird er von Stalin höchstpersönlich mit einer Delegation zum Kongress für den Weltfrieden nach New York geschickt, ein Unternehmen, das für ihn mit tiefer Demütigung endet.

    Und auch nach Stalins Tod in der Sowjetunion der 60er Jahre ist er nicht sicher vor Repressalien; die Mechanismen der Macht sind feiner geworden, aber sie greifen und der Komponist verliert auch noch seine Selbstachtung, als er gegen seinen Willen zu einem Teil des Staatsapparates wird. Aber wie verachtenswert ist es, sein Leben retten zu wollen? Wie reagieren Menschen, wenn sie die (negative) Aufmerksamkeit der Macht erregen? Eine Frage, die in jeder Zeit aktuell ist.

    In Episoden, beinahe anekdotenhaft, erzählt Barnes aus Schostakowitschs Leben und versetzt den Leser in das Denken und Fühlen des Komponisten. Der Leser taucht in das Wesen des Mannes ein, dessen einziger Wunsch es war, sein Dasein in Ruhe zu verbringen und sich seinen Kompositionen zu widmen  und der dennoch so sehr unter Zensur und Staatswillkür zu leiden hatte. Barnes´ Sprache ist knapp, klar und schlicht und bringt so seine  Botschaft deutlich zum Ausdruck. Er will keineswegs Moral predigen oder über den Komponisten urteilen.

    Nach eigener Aussage hat Schostakowitsch einen großen Teil seiner stets präsenten Furcht in seinen Kompositionen verarbeitet. „ Was konnte man dem Lärm der Zeit entgegensetzen? Nur die Musik, die wir in uns tragen – die Musik unseres Seins – , die von einigen in wirkliche Musik verwandelt wird. Und die sich, wenn sie stark und wahr und rein genug ist, um den Lärm der Zeit zu übertönen, im Laufe der Jahrzehnte in das Flüstern der Geschichte verwandelt.“

    Kommentieren0
    41
    Teilen
    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Trotz 4:0 Sieg im Literarischen Quartett konnte mich der neueste Roman von Julian Barnes nicht begeistern.
    Russlands Zustände

    Russland 1937. Schostakowitsch ist einer der größten Komponisten. Doch das ändert sich, als Stalin anfängt sich für seine Musik zu interessieren und mitten in einer Oper die Aufführung verlässt. Schostakowitsch wird von allen als von der Säuberung zum Opfer gefallener Mann angesehen. Medien und Freunde wenden sich gegen ihn, machen ihn fertig. Irgendwie jedoch übersteht Schostakowitsch die Säuberung und lebt fortan in ständiger Angst, dass es doch bald vorbei sein könnte.
    Ich hatte ziemliche Schwierigkeiten in das Buch reinzukommen. Obwohl ich Szenensprüngen nicht abgeneigt bin, hatte ich doch des öfteren Probleme zu wissen, in welchem Teil der Geschichte ich mich nun befinde. Irgendwann fiel mir dann auf, dass es vielleicht auch um den Komponisten geht, aber vielmehr die Zustände Russlands angeprangert werden. Dadurch konnte das Buch für mich noch ein bisschen retten.
    Positiv möchte ich aber doch hervorheben, dass Julian Barnes tatsächlich eine Biografie auf nicht einmal 250 Seiten gepackt hat. Eine ziemliche Leistung, da es doch viel zu sagen gab und Schostakowitschs Leben mehr und mehr einem Scherbenhaufen glich. Das hat der Autor wirklich gut gemacht.
    Es war mein erster Julian Barnes und ich werde dem Autor auf jeden Fall noch eine Chance geben, da ich denke er hat Bücher geschrieben, mit denen ich deutlich mehr anfangen kann. Vielleicht waren aber auch mal wieder meine Erwartungen nach den hohen Lobpreisungen zu hoch.

    Kommentieren0
    25
    Teilen
    JulesBarroiss avatar
    JulesBarroisvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch das unterhält, gleichzeitig ein Stück Zeitgeschichte ist und uns selbst mit der Frage konfrontiert „Wie würden wir uns verhalten?“
    Wie überlebt ein Künstler in der Diktatur?

    Der Lärm der Zeit - Julian Barnes (Autor), Gertraude Krueger (Übersetzerin) 256 Seiten, Verlag: Kiepenheuer & Witsch (16. Februar 2017), 20 €, ISBN-13: 978-3462048889

     

    Der Komponist Schostakowitsch hat eine Oper geschrieben, Lady Macbeth von Mzensk. Stalin verlässt in der Pause die Aufführung. Ist Schostakowitsch jetzt zum Abschuss freigegeben? Er entgeht der Säuberung.

    Der Lärm der Zeit ist eine Erzählung, in der nichts passiert: ein Mann wartet auf einen Aufzug; Ein Mann sitzt in einem Flugzeug; Ein Mann sitzt im Auto. Die ganze Handlung findet in Schostakowitschs Kopf statt; es sind Reflexionen während dreier großer Krisen, durch Textpassagen dargestellt, die zwischen Erinnerungen und Gegenwart hin und her wechseln.

    In seinem Kopf fühlen wir die Wut und Schuld eines Mannes, der sein ganzes Leben lang "Macht" unterworfen war - ängstlich von seiner übermütigen Mutter, die der Partei, die er verabscheut, gehorcht, Lesungen lesen und Musik produziert, die sich zumindest anzupassen scheint an die sowjetische Ästhetik, auch wenn sie eine verdeckte Subversion beinhaltet. Schostakowitsch betrachtet sich als Feigling - zu erschrocken, um der Autorität zu trotzen, und sobald er gezwungen ist, den Pakt des Teufels mit dem Kommunismus zu feiern, zu feige, um Selbstmord zu begehen.

    „Der Lärm der Zeit“ ist eine fiktionale Biographie über das Leben des sowjetischen Komponisten Dimitri Schostakowitsch. Sein zentrales Thema ist der künstlerische Kompromiss, um den Schostakowitsch unter der Stalin-Herrschaft des Schreckens kämpfte und der tiefe Narben auf seiner Seele hinterließ. Dieser Roman zeigt uns die Breite eines ganzen Lebens in einem schmalen Buch, geschrieben in der dritten Person. Der Leser lernt den Komponisten während drei kritischen Momenten in seinem Leben kennen. Die Jahrzehnte dazwischen werden übersprungen.

    Wir lesen über Schostakowitschs oft selbstkritische, zunehmend selbstsüchtige, selbstmitleidige und selbstbesessene Angst. Mir scheint es eine Konstruktion eines russischen Anti-Helden zu sein. Wir tauchen in die Welt eines obsessiven Protagonisten ein, in die Gedanken über die Anfälligkeit der Kunst, durch die Staatsmacht korrumpiert zu werden oder auch nicht. Doch fast alle seine Gedanken, seine lyrischen Gedankenblasen und -bilder sind gelehrte, abstrakte Gedanken über Musik, Macht und Ethik.

    „Der Lärm der Zeit“ ist ein Beispiel einer hybriden literarischen Form, der wir in den letzten Jahren immer häufiger begegnen - die fiktive Biographie. Dabei geht es um Fragen von universeller Bedeutung: die Macht der Macht über die Kunst, die Grenzen des Mutes und Ausdauer, die manchmal unerträglichen Forderungen der persönlichen Integrität und des Gewissens.

    Das Porträt liest sich wie ein Psychokrimi. Ganz lebendig scheint überall die Angst zu lauern. In einer sehr knappen, schlichten Sprache schildert uns Barnes die Auswirkungen der ständigen Bedrohungen aus der Sicht des Opfers.

    Ein Buch das unterhält, gleichzeitig ein Stück Zeitgeschichte ist und uns selbst mit der Frage konfrontiert „Wie würden wir uns verhalten?“

    Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des KiWi Verlages:

    http://www.kiwi-verlag.de/buch/der-laerm-der-zeit/978-3-462-04888-9/

    Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

    Kommentieren0
    6
    Teilen
    Claris avatar
    Clarivor 2 Jahren
    Ein Künstlerleben unter der Diktatur Stalins.

    Julian Barnes ist in seinem neuen Roman den Spuren des Komponisten Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch (1906 -1975) nachgegangen. Er war ein anerkannter russischer Komponist des 20. Jahrhunderts. Seine Kompositionen umfassten ein reiches Repertoire an sinfonischer, instrumentaler und Filmmusik, bevor er sich an die Komposition von Opern wagte.
    Unter der Diktatur Stalins hatte der Musiker schwer zu leiden. Wer denkt heute noch an die Tyrannei dieses Despoten, der seine Freunde und Feinde erzittern ließ ob seiner Grausamkeit und paranoiden „Säuberungen“, mit denen er Mitte der dreißiger Jahre sein Unwesen trieb?
    Julian Barnes erzählt, wie Schostakowitsch auf die Gunst und Gnade Stalins angewiesen war. Dieser liebte Musik und eben auch Schostakowitsch. Doch als Stalin die Oper „Macbeth von Mzensk“ zwei Jahre nach der Erstaufführung, die 1934 für Furore gesorgt hatte und hoch umjubelt worden war, hörte, brach sein Zorn über den begnadeten Komponisten herein. Stalin mochte die Musik nicht. Nachdem letzterer seine Loge voller Zorn verlassen hat, so berichtet Barnes, wurde aus dem Komponisten ein von Angst überwältigtes Männlein. Er steht jede Nacht mit einem gepackten Köfferchen auf dem Flur vor seiner Wohnung und erwartet die Schergen des Diktators. Seine junge Frau und die gemeinsame Tochter sollen nicht in den Strudel Ereignisse hineingezogen werden. Zu dieser Zeit ist er dreißig Jahre alt.
    Am Beispiel des berühmten Komponisten und seines künstlerischen Wohl und Gedeihens erfahren wir vom Autor etwas über die Dimensionen von Diktaturen damals und heute.
    Lebendig und hautnah kann man erleben, wie die Angst um alle Ecken schaut, und die Unterdrückung zu Depression und Lähmung führen kann.
    Schostakowitsch wird im Roman (wie wohl auch in der Realität) zu Verhören abgeholt, soll Kollegen beschuldigen, wird wieder nach Hause geschickt, mit Drohungen, die Wahrheit zu sagen, neu einbestellt, bis schließlich sogar der Verhörer verschwunden ist. Man ahnt, dass auch ihn die Rache des Diktators zu Fall gebracht haben könnte.
    In diesem Stil und Umfang, präzise und dicht in Wort und Beschreibung geht es weiter. Julian Barnes zeigt uns die „Macht“ und ihre dräuende, einschüchternde Gewalt, die auch stärkere Naturen zum Stürzen bringt. Hier wird Schostakowitsch als sensibler und einfühlender Charakter geschildert, der dieser Macht nicht Herr wird. Er wird hin und her gerissen zwischen Folgsamkeit und Selbstverdammung, stiller Resignation und Niedergeschlagenheit.
    Zitat aus der Besprechung des Romans in der Zeitschrift die „Zeit“ über die Komponisten unter Stalin: «Die einen waren am Leben und hatten Angst, die anderen waren tot.»
    Die Macht des Stärkeren lässt den Schwächeren vergehen. Auf einer Reise nach Amerika wird Schostakowitsch zum Spielball öffentlicher Belobigung, propagandistischen Fehlberichten und seiner heimatlichen Angstzustände. Lug und Trug, Fremd- Selbstbezichtigung und Abwarten kennzeichnen das Leben des Künstlers, der dem Wechselbad von Lob und Tadel ausgeliefert ist. Immer auch wieder gibt es Hinweise auf sein Privatleben, das jedoch ganz unter der Last der alltäglichen äußeren Bedrohung und Not steht.
    Barnes schreibt in seinem gewohnt eindringlichen, poetischen Stil mit psychologisch tiefenscharfen Blick. Es ist nur ein schmales Buch von 240 Seiten. Doch der Inhalt wiegt schwer und konfrontiert den Leser mit Erfahrungen, die kaum zu ertragen sind. Erschütternd sind immer wieder die Verzweiflung und der Strudel der Verleugnungen, in die die Opfer der seelischen und häufig auch physischen Zerstörungen hineingeraten.
    Die Lektüre erfordert Aufmerksamkeit und Konzentration, um der Vielfalt der angeführten Ereignisse und Zustände zu folgen.
    Ein ernstes und nachdenklich stimmendes Buch!

    Kommentieren0
    11
    Teilen
    ralluss avatar
    rallusvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine etwas andere Biographie über einen der wichtigsten russischen Komponisten
    Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch

    „Um die Geschichte unseres Landes zwischen 1930 und 1970 nachzuleben, reicht es aus, die Sinfonien von Schostakowitsch zu hören.“ Russische Wochenzeitung Moskowskije Nowosti

    Es ist eine irrwitzige Situation, in die uns Julian Barnes gleich zu Anfang einführt. Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch sitzt mit gepackten Koffern vor seiner Wohnung und wartet auf die Häscher der Macht. Damit seine Familie nicht aufgeweckt wird, sitzt er jeden Abend dort und wartet dass sie ihn holen. Warum? Ist er nicht ein Begünstigter? Hat er nicht Erfolg mit seinen Werken? Doch der Mächtige, Stalin, hat mitten in der Aufführung seiner Oper die Loge verlassen. Das kommt einem Todesurteil gleich. Schon viele wurden im Haus abgeholt. Und während die Liftnadel zitternd nach oben wandert und Schostakowitsch zitternd im obersten Stock darauf hofft, dass sie stehen bleibt, sinniert er über die Macht und sein Leben mit ihr.

    „… ja, dieser General und jener Politiker waren an dem Komplott beteiligt, ich habe es selbst gehört und gesehen. Aber es würde kein melodramatisches Abhacken von Händen geben, nur eine nüchterne Kugel in den Hinterkopf.“

    So ganz irrwitzig ist diese Situation nicht und genau so hat es sich zugetragen. Russland ist in diesen Jahren ein unsicherer Hafen. Schon ein schräger Blick reicht aus, um über Leben und Tod zu entscheiden. Worte helfen nicht viel. Worte drehen sie Dir im Mund herum.

    „Und an Redensarten hatte die Macht kein Interesse. Die Macht kannte nur Tatsachen, und ihre Sprache bestand aus Phrasen und Euphemismen, die diese Tatsachen wahlweise propagieren oder aber verbergen sollten.[…] Von nun an würde es nur zwei Arten von Komponisten geben: die einen waren am Leben und hatten Angst, die anderen waren tot.“

    Julian Barnes Werk hat 3 Akte. Akte, die aus den verschiedenen Lebenssituationen Schostakowitschs erzählen. Er selbst ist ein ernster Mann, unpolitisch, willensschwach, außer es geht um seine Musik. Da zeigt er Stärke und Tiefe. Wird in der ganzen Welt geliebt und seine Musik ist ein Ebenbild des russischen Charakters.

    „Und obendrein war er selbst willensschwach und unentschlossen – außer in den Fällen, in denen er willensstark und entschlossen war. Doch selbst dann traf er nicht unbedingt die richtigen Entscheidungen. Deshalb war sein Gefühlsleben – wie konnte man es am besten zusammenfassen? Er lächelte trübsinnig in sich hinein. Ja, in der Tat: Chaos statt Musik.“

    Schostakowitsch stellt sich nicht hinter seine Freunde. Denn dann gerät er selber in das Fadenkreuz der Macht. Die Macht bleibt stark, auch wenn die Machthaber wechseln. Schostakowitsch flieht in seine Musik.

    „Lass der Macht die Worte, denn Worte können Musik nicht beflecken. Musik entflieht den Worten: Das ist ihr Zweck, und darin liegt ihre Erhabenheit.“

    Doch auch hier will die Macht ihre Kraft ausüben. Alle Kunst gehört dem Volk, so Lenin, doch Kunst ist für Schostakovich die Möglichkeit, dem Lärm der Zeit zu entfliehen.

    „Kunst gehört allen und niemandem. Kunst gehört jeder Zeit und keiner Zeit. Kunst gehört denen, die sie erschaffen, und denen, die sie genießen. Kunst gehört ebenso wenig dem Volk und der Partei, wie sie einst dem Adel und den Mäzenen gehört hatte. Kunst ist das Flüstern der Geschichte, das durch den Lärm der Zeit zu hören ist. Kunst existiert nicht um der Kunst willen: Sie existiert um der Menschen willen.“

    Man mag dem russischen Künstler, der als Einziger der fünf großen russischen Komponisten seine Werke alle in Russland geschrieben hat, Feigheit nachsagen. Doch ist nicht gerade das Bleiben eines der mutigsten Dinge, die ein Mensch tun kann? Sich dem Grauen und der Angst immer wieder stellen? Strawinski, Prokofiew und Rachmaninow emigrierten und Schostakowitsch musste diese Künstler, die er verehrte, in vorgefassten Reden denunzieren. Doch was sollte er tun? Nur so haben er und seine Kunst, seine Musik überlebt. Und was sagt ein Gedicht im Schatten der Macht?

    „Ein gelehrter Mann zu Galileos Zeit Wusste wie Galileo Bescheid: Die Erde dreht sich, ganz bestimmt. Jedoch er hatte Weib und Kind.“

    Lärm der Zeit ist keine Biographie im eigentlichen Sinne. Barnes beschreibt den inneren Konflikt den Schostakowitsch vermutlich in der Art und Weise so hatte, gestützt auf schon vorhandene Biographien. Es ist der Versuch, den andauernden Albtraum zu beschreiben, dem ein Künstler in Russland, in einer Diktatur, fortwährend ausgesetzt war. Einerseits dem Volk seine Kunst zu schenken, andererseits der Macht keinen Grund zu geben, ihn zu beachten. Barnes bezieht hier keine Stellung, ist wertfrei in seiner Beschreibung, zeigt nur den Konflikt. Und das ist es, was Barnes Bücher ausmachen. Sie setzen sich als Samen in den Kopf des Lesers und lassen so viel Raum und Zeit, um langsam aufzugehen und zu blühen.

    Schostakowitsch hat den Konflikt gelöst, indem er sich entschied, leben zu wollten. Ungeachtet der Widersprüche in seinem Leben. Denn was möchte ein Musiker, ein Komponist, ein Künstler? Natürlich unsterblich werden durch seine Kunst.

    „Was konnte man dem Lärm der Zeit entgegensetzen? Nur die Musik, die wir in uns tragen – die Musik unseres Seins – , die von einigen in wirkliche Musik verwandelt wird. Und die sich, wenn sie stark und wahr und rein genug ist, um den Lärm der Zeit zu übertönen, im Laufe der Jahrzehnte in das Flüstern der Geschichte verwandelt.“

    Ein wunderschönes Buch über die schlimmste Zeit, nein, die allerschlimmste Zeit eines Künstlers in einer menschenverachtenden Diktatur. Es wird Zeit, seine Musik wieder zu hören und gerade da hört man diesen inneren Zwist deutlich heraus. Barnes hat das Buch zur Musik des Schostakowitsch geschrieben.

    Kommentare: 2
    16
    Teilen
    Petriss avatar
    Petrisvor 2 Jahren
    Autoritäre Regime und die Kunst!

    Ich liebe es, Bücher im Original zu lesen. Und auch wenn ich einige Sprachen, unter anderem Englisch, wirklich gut kann und flüssig und mit großem Vergnügen lese, gehen trotzdem oft Details und Kontext verloren. Deshalb liebe ich es, immer wieder mal, ein Buch nochmal in der Übersetzung zu lesen, so wie hier den neuen Barnes. Und ich muss sagen, es hat mich bei der zweiten Lektüre in der Übersetzung wieder genau so begeistert wie beim ersten Mal auf Englisch. Ein Buch ganz nach meinem Geschmack!


    Ein Mann sitzt mit seinem gepackten Koffer vor dem Aufzug. Viele Nächte lang. Er wartet. Darauf, dass man ihn holen kommt. Einsperrt, foltert und tötet. Er will nicht, dass sie ihn aus dem Bett zerren, deshalb ist er bereit. Er will auch nicht, dass seine Frau und das Kind gefährdet werden, deshalb sitzt er vor dem Aufzug.

    In kurzen Abschnitten, fast manisch, so wie die Gedanken laufen, wenn man voller Angst und gleichzeitig total übermüdet ist, wird dieser erste Abschnitt erzählt. Erst viel später lernen wir, dass nicht von irgendeinem Verfolgten der Sowjetmacht die Rede ist, sondern von einer berühmten Persönlichkeit.

    Die Jahre vergehen, niemand kommt, er kann weiter, wenn auch unter schwierigen Bedingungen, seine Kunst ausüben. Doch dann sind er und seine Berufskollegen Stalin ein Dorn im Auge. Am 10. Februar 1948 erlässt er ein Dekret gegen sie. Kunst soll dem Staat gefällig sein, dessen Regeln folgen.

    Sein Leben lang hadert der Künstler mit dem moralischen Dilemma, dass er, um seine Kunst und Familie zu schützen, nie aufbegehrt hat. Er ist nicht ausgewandert, hat aber auch nie revoltiert wie so viele andere.

    Dass es sich hier um Schostakovitch handelt ist ein interessantes Detail, aber für die Geschichte nicht wirklich wichtig. Sie hätte mit einem anonymen, fiktiven genau so gut funktioniert. Sehr schön finde ich auch, dass der Titel einfach eine Übersetzung des Originals ist und das Cover sehr ähnlich dem Original ist. Passt einfach, wozu also unnötig ändern.


    Für alle Klassik-Fans ein Muss, aber auch für alle anderen sehr interessant. Von mir gibt's eine Empfehlung!

    Kommentieren0
    31
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks