Julian Barnes The Noise of Time

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Inhaltsangabe zu „The Noise of Time“ von Julian Barnes

In May 1937 a man in his early thirties waits by the lift of a Leningrad apartment block. He waits all through the night, expecting to be taken away to the Big House. Any celebrity he has known in the previous decade is no use to him now. And few who are taken to the Big House ever return. So begins Julian Barnes’s first novel since his Booker-winning The Sense of an Ending. A story about the collision of Art and Power, about human compromise, human cowardice and human courage, it is the work of a true master. (Quelle:'E-Buch Text/28.01.2016')

Das Buch zeigt in wunderbarer Prosa das Dilemma eines Komponisten und die Auswirkungen eines unmenschlichen Regimes. Keine leichte Kost!

— vanessabln
vanessabln

Menschen leiden unter der Willkürherrschaft eines Regimes und versuchen trotzdem Würde zu bewahren. Wer darf dabei verurteilen ?

— pageturner211
pageturner211

Keine leichte Lektüre. Das Leben Shostakovich im sowjetischen Tyrannen Regime. Sehr tiefgründig und komplex.

— Lesestunde_mit_Marie
Lesestunde_mit_Marie

Brilliant und mit fantastischer Sprache schildert Barnes das Leben in einem furchtbaren System. Wahnsinnig gut!

— LeonoraVonToffiefee
LeonoraVonToffiefee

Julian Barnes gelingt ein sehr lesenswertes Porträt eines bedeutenden Komponisten und seiner Zeit.

— klaraelisa
klaraelisa

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  • The noise of Time

    The Noise of Time
    conneling

    conneling

    25. May 2016 um 23:57

    Klappentext Original: In May 1937 a man in his early thirties waits by the lift of a Leningrad apartment block. He waits all through the night, expecting to be taken away to the Big House. Any celebrity he has known in the previous decade is no use to him now. And few who are taken to the Big House ever return. So begins Julian Barnes’s first novel since his Booker-winning The Sense of an Ending. A story about the collision of Art and Power, about human compromise, human cowardice and human courage, it is the work of a true master. (Quelle:'E-Buch Text/28.01.2016') Ich habe das Buch im englischen Original gelesen und habe anfänglich etwas gebraucht um zu wissen, dass es sich bei dem Mann um den russischen Komponisten Dmitri Dmitrijewitsch Shostakovich handelt. Es ist eine wahre Geschichte, welche als Roman in Ich-Perspektive geschrieben ist. Er hatte kein einfaches Leben, er war in der Öffentlichkeit, er wurde beobachtet und musste erfüllen, was von ihm verlangt wurde, er musste sich fügen um seine Familie und sich selber zu schützen. Seine Musik war sein Ein und Alles, musste aber zusagen, sonst war es nicht möglich diese aufzuführen. Ein Leben unter ständiger Beobachtung, Sorge um die Familie und in Angst, er entscheidet sich dafür bereit zu sein und wartet jede Nacht mit gepackten Koffern darauf von der Polizei abgeholt zu werden. Er versucht sich so gut es geht zu fügen und so zu leben wie es ihm möglich ist. Voller Angst, düster, verzweifelt, sein Loslassen in seiner Musik, die jeweilige Stimmung ist sehr deutlich zu spüren und beschrieben. Nicht einfach zu lesen aber ein Buch welches mich auch nach der Lektüre noch lange beschäftigt hat.

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  • Eine unerwartete, geschichtsträchtige, biographische Beleuchtung

    The Noise of Time
    Lesestunde_mit_Marie

    Lesestunde_mit_Marie

    Der Roman „The Noise of Time“ von Julian Barnes, den ich im englischen Original lesen durfte, ist ein Stück anspruchsvoller Literatur. Besonders spannend empfinde ich, dass der Protagonist dieses Buches eine geschichtsträchtige Persönlichkeit des russischen kulturellen Lebens war, es sich also um einen Roman mit biographischen Hintergrund handelt, dieses aber im Klappentext überhaupt nicht zum Ausdruck kommt. Hier heißt es vielmehr schlicht:„In May 1937 a man in his early thirties waits by the lift of a Leningrad apartment block. …”Für mich ist das ein klares Understatement, handelt es sich bei dem Mann nicht einfach um irgendjemand, sondern um einen der bedeutendsten russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Mit diesem Wissen wäre ich sicher mit einer völlig anderen Erwartungshaltung an das Buch herangegangen. Ob dies nun besser oder schlechter gewesen wäre, sei dahingestellt.Aufgrund des Klappentextes und der im ersten der drei Teile des Buches immer und immer wieder beschriebenen Situation des auf den Aufzug wartenden Mannes ging ich von einem teilweise surrealen Buch à la „Warten auf Godot“ aus. Erst nach und nach wurden mir die wahren Beweggründe für dieses Warten klar.„Men who left home with a case in their hands traditionally returned. Men dragged from their beds in their night-clothes often did not.”Nach dem Prolog, der eine Szene an einem Bahnhof beschreibt, startet die eigentliche Erzählung mit dem wartenden Mann, der Nacht für Nacht mit einem Koffer am Aufzug steht und mit Gedanken an vergangene Erlebnisse und bösen Vorahnungen wartet. Zunächst dachte ich, er wartet einfach nur auf den Aufzug, jedoch wartet er darauf, abgeholt zu werden. Anfangs erscheint die Situation äußerst merkwürdig, geheimnisvoll, mysteriös und obskur. Durch den personalen Erzählstil darf der Leser an der Gedankenwelt des Protagonisten teilhaben und liest von Personen, die eine Bedeutung im Leben des Mannes haben, die man aber zunächst gar nicht zuordnen kann. Zudem gibt es Hinweise auf das beängstigende totalitäres Regime Russlands, beziehungsweise der Sowjetunion, das schlicht als „The Power“ bezeichnet wird. Nur durch den Klappentext weiß man zu Beginn, dass es sich beim Schauplatz um das kommunistische Russland handeln muss.Als dann irgendwann der Name des Protagonisten genannt wird, ist mir gar nicht direkt klar geworden, dass es sich um einen bedeutenden Komponisten handelt. Dies liegt zum einen wahrscheinlich daran, dass die Bedeutung des Mannes im Buch zunächst gar nicht betont wird und zum anderen, dass Dmitri Dmitrievich Shostakovich im Westen trotz seiner Bedeutung für die russische Musik längst nicht so bekannt ist wie beispielsweise sein Zeitgenosse Stravinski, der aber im Gegensatz zu Shostakovich in die U.S.A. emigrierte und dadurch sicher mehr westliche Aufmerksamkeit genießen durfte.Erschienen mir die beschriebenen Ängste und verstörenden Regimeauswirkungen ohne dieses Wissen zunächst als fiktive Erzählung, nahmen sie durch das allmählich gewonnene Wissen und den Bezug zur realen Person nach und nach ungleich erschreckendere und beängstigendere Züge an.Der simple und doch so einleuchtende iterative Satz …„Art belongs to everybody and nobody.“… gewinnt vor dem Hintergrund der in Russland und der Sowjetunion wechselnden kommunistischen Machthaber eine ganz andere Kraft und Bedeutung. Denn hier wird die Kunst der Musik für politische Zwecke missbraucht und der Komponist wider Willen instrumentalisiert.Julian Barnes ist es meines Erachtens geglückt, das Schicksal dieses außerordentlich begabten Musikers und Komponisten entlang der geschichtlich-biographisch belegten Ereignisse in eine Prosa zu gießen, die einem die innere Zerrissenheit des Komponisten aufgrund dieser regiden Einflüsse und seines Schaffenswillens gleichwohl einfühlsam, als auch schonungslos brutal nahe bringt. Der Leser wird hierbei allerdings sehr gefordert, denn so zerrissen wie der Komponist, ist auch das Buch aus einer Art Fragmenten von Gefühlswelten, geschichtlich belegten Ereignissen, persönlichen Erinnerungen oder einfachen Gedankengängen zusammengesetzt, die aber am Ende ein großes Ganzes ergeben. Dachte ich ausgangs die knapp 200 Seiten eben mal nebenher lesen zu können, hatte ich daher weit gefehlt. Um bis zum Ende durchzuhalten bedarf es also einiger Anstrengung, die sich für mich aber ganz und gar gelohnt hat!Julian Barnes versteht es depressive Stimmungen und ironische Betrachtungen gepaart mit einem Blick hinter den „eisernen Vorhang“ so gekonnt darzustellen, dass er dem Leser einen regelrechten Blick in eine russische Künstlerseele ermöglicht.„It was Stalin´s fault because he would have inspired and approved the Pravda editorial – perhaps even written it himself: there were enough grammatical errors to suggest the pen of one whose mistakes could never be corrected.”Denn eigentlich ist Shostakovich überhaupt nicht politisch. Er möchte nur musizieren und komponieren. Seiner Neigung und Leidenschaft kann er aber nur nachgehen, wenn er sich regimetreu zeigt und die politische Flagge nach oben hält. Im Buch wird deutlich, wie ihm das zu wider ist und er sich in einem dauernden Gewissenskonflikt befindet. Dieser innere Konflikt geht so weit, dass der sensible Künstler Todesgedanken pflegt, wäre da nicht seine Familie, die es zu schützen gilt. Er schämt sich vor sich selber und hält sich für einen Feigling.„A soul could be destroyed in one of three ways; by what others did to you; by what others made to do to yourself; and by what you voluntarily chose to do to yourself. Any single method was sufficient; though if all three were present, the outcome was irresistible.”Neben dem persönliche Problem des Komponisten und seinem Wirken in jener Zeit, erfährt der Leser auch eine Menge über die wichtigsten russischen Machthaber und deren Machenschaften zu Lebzeiten des Komponisten sowie weitere zeitgenössische Künstler Russlands.„Nowadays Stalin was out of favour but Lenin was back in favour. A few more turns of the wheel an Nikita the Corncob would be out of favour; a few more after that and perhaps Stalin and Stalinism would be back.”Fazit:Dieses Buch war ein echtes Lese-Highlight, das für mich die Bezeichnung höhere Literatur verdient! Äußerst dezidiert und vielschichtig - keine einfache Lektüre. Im englischen Original könnte dieses Buch auch gut eine künftige Oberstufenlektüre für den Englischleistungskurs werden. Wer Herausforderungen liebt, ist hier richtig! Ein Stück außergewöhnlich betrachteter russischer Geschichte des 20. Jahrhunderts.

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    • 6
  • Leserunde zu "The Noise of Time" von Julian Barnes

    The Noise of Time
    PenguinRandomHouseUK

    PenguinRandomHouseUK

    Liebe Leser, Diesen Monat gibt es gleich zwei Leserunden bei uns. Neben unserer Jahreschallenge würden wir gerne auch mit euch das neue Buch von Julian Barnes lesen und besprechen. Passend zu seinem 70. Geburtstag erscheint bei uns sein nächstes Buch THE NOISE OF TIME.  Wir verlosen 15 Bücher im englischen Original. DAS BUCH In May 1937 a man in his early thirties waits by the lift of a Leningrad apartment block. He waits all through the night, expecting to be taken away to the Big House. Any celebrity he has known in the previous decade is no use to him now. And few who are taken to the Big House ever return. So begins Julian Barnes’s first novel since his Booker-winning The Sense of an Ending. A story about the collision of Art and Power, about human compromise, human cowardice and human courage, it is the work of a true master. DER AUTOR Julian Barnes is the author of twelve novels, including The Sense of an Ending, which won the 2011 Man Booker Prize for Fiction. He has also written three books of short stories, Cross Channel, The Lemon Table and Pulse; four collections of essays; and two books of non-fiction, Nothing to be Frightened Of and the Sunday Times Number One bestseller Levels of Life. He lives in London. Undoubtedly one of Barnes’s best novels, and a great way to start the literary year. - Sunday Times [Barnes is] a master of the narrative sidestep… Not just a novel about music, but something more like a musical novel… The story itself is structured in three parts that come together like a broken chord. It is a simple but brilliant device, and one that goes right to the heart of this novel. - The Times A series of elegant insights into the mind of a brilliant artist… Throughout, Barnes offers a surety of touch that few writers can match. - Independent on Sunday HIER GEHT ES ZUR LESEPROBE Wie immer wird der Lostopf entscheiden. Ich freue mich auf eure Bewerbungen! Viel Erfolg und liebe Grüße aus dem schneelosen London, Svenja

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    • 214
  • Zeitlos aber nicht einfach zu lesen

    The Noise of Time
    kruemelhino

    kruemelhino

    08. March 2016 um 11:09

    Die Sowjetunion unter den diktatorischen Fesseln Stalins. Die Gesellschaft erleidet 'politische Säuberungen'. Mittendrin – der russische Komponist und Pianist Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch. Schostakowitsch, der diese Fesseln selbst an sich und seiner Arbeit erlebt, durchlebt eine Zeit der Ungnade und Angst. Barnes neustes Werk 'The Noise of Time' ist in diesem Fall kein rein fiktives Buch. Im Mittelpunkt stehen drei Hauptstationen aus dem Leben des russischen Pianisten, um welche Barnes seine fiktive Gedanken platziert hat. Der Erzählstil findet dabei in der dritten Person statt. Der Beginn der Geschichte gestaltet sich durchaus als schwierig: zusammenhanglose Fragmente, die zunächst überhaupt keinen Sinn ergeben. Beim Lesen tauschen so zunächst Verwirrungen auf und man läuft Gefahr zu überlesen, dass sich bei dieser Geschichte tatsächlich um eine reale Person gehandelt hat. Lässt man sich allerdings auf den sehr speziellen Schreibstil ein, so kommt man nach und nach in die Geschichte hinein. Einzig für mich größerer Minuspunkt ist das Auftauchen von unzähligen weiteren Namen, so dass man als Nicht-Kenner der russischen Künstler viel Zeit mit dem Googlen der Namen verbringt. Julian Barnes 'The Noise of Time' hat das Zeug zu einem zeitlosen Klassiker, da es sich mit essentiellen philosophischen Fragen auseinandersetzt, die die Gesellschaft an sich betreffen. Allerdings sollte man als Leser ein Stück weit historisches Interesse bei diesem Buch mit einbringen. 4,5/5 Punkte

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  • Great!

    The Noise of Time
    JessicaLiest

    JessicaLiest

    06. March 2016 um 22:05

    Inhalt im englischen Original: In May 1937 a man in his early thirties waits by the lift of a Leningrad apartment block. He waits all through the night, expecting to be taken away to the Big House. Any celebrity he has known in the previous decade is no use to him now. And few who are taken to the Big House ever return. Cover: Das Cover finde ich klasse. Es ist in ruhigen Farben gehalten und wirkt auf den ersten Blick etwas dezenter als so manch anderes Buch. Was ich in diesem Fall wirklich klasse finde und sehr gelungen. Der Titel des Buches springt einem einfach ins Auge. Schreibstil: Das Buch war einfach wundervoll und sehr angenehm zu lesen. Ein paar Wörter musste ich allerdings doch nachschlagen, aber ansonsten war dieses Buch für mich leicht zu lesen. Shostakovich war ein wirklich interessanter Charakter. Es hat Spaß gemacht von ihm zu lesen und ihn begleiten zu dürfen. Seinen Ängsten, seinen Erlebnissen, es war einfach spannend. Das Buch war wirklich beeindruckend. Ich kann es nur empfehlen!

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  • Leben unter Lenin, Stalin und Chruschtschow

    The Noise of Time
    Tsubame

    Tsubame

    28. February 2016 um 17:09

    Wenn man über das Leben eines 100jährigen spricht, so heißt es oft, dass dieser zwei Weltkriege miterlebt habe. Julian Barnes hat in seinem neuesten Werk "The Noise of Time" nun das Leben des russischen Komponisten Dmitri Dmitrievich Shostakovich portraitiert, bei dem man sagen könnte, dass er drei Diktaturen miterlebte, die er alle überlebte. Zu Beginn des 180 Seiten umfassenden Buches weiß man als Leser noch nicht, um wen es sich bei dem Mann handelt, der Tag für Tag nachts mit einem Köfferchen am Aufzug steht und auf seine Verhaftung wartet. Anhand von Rückblenden und Gedankenfetzen gewährt uns Barnes einen Einblick in das Leben des Mannes, der als einer der größten Komponisten seiner Zeit gilt und doch immer wieder mit den Mächtigen in Konflikt geriet, denen seine Musik ein Dorn im Auge bzw. ein Missklang im Ohr war. "Lenin found music depressing. Stalin thought he understood and appreciated music. Krushchev despised music. Which is the worst for a composer?" Als Shostakovich 1939 mit seiner Oper Lady Macbeth von Mzensk bei Stalin in Ungnade fällt, der hinter einem Vorhang verborgen, in der Regierungsloge direkt über dem Orchestergraben der Aufführung beiwohnte, wandelt sich sein Bild in der Öffentlichkeit auf einen Schlag. Von nun an steht er unter Beobachtung, muss sich diversen Verhören unterziehen und entgeht nur durch Zufall der Deportation oder gar Schlimmerem. Die Angst wird Shostakovichs ständiger Begleiter und da er nicht im Schlaf überrascht werden will, wenn man ihn holen kommt und überdies seine Familie schützen möchte, steht er Nacht für Nacht am Fahrstuhl und wartet. Wir begleiten Shostakovich durch sein Leben, lauschen seinen Ängsten, Zweifeln und seiner Selbstverachtung und erfahren was es für einen namhaften Künstler bedeutete, in einem totalitären System zu leben und zu arbeiten. Ein großartiges Buch! Unbedingt lesenswert!

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  • The Noise of Time

    The Noise of Time
    Blaustern

    Blaustern

    26. February 2016 um 14:36

    Leningrad im Jahre 1936: Vor dem Aufzug seines Wohnkomplexes steht ein Mann mit gepackten Koffern. Er wartet. Er wartet jede Nacht, dass die Polizei ihn abholt. Ihn ins Gefängnis steckt und schlimmer wie einen Schwerverbrecher behandelt. Er will seine Familie aus dem Spiel halten, deshalb wartet er dort. Und während er wartet, gehen ihm wilde Gedanken durch den Kopf. Alles, was die Sowjetunion aus und mit ihm gemacht hat. Erst viel später erfahren wir, dass es sich um keine fiktive Person handelt, sondern um den Komponisten Dmitri Dmitrijewitsch Shostakovich und eine wahre Geschichte, wenn es auch nicht als Biographie geschrieben ist, sondern als Roman in der Ich-Perspektive mit all seinen Gedanken und Gefühlen, die immer wieder hin- und herspringen, so wie es sich gewöhnlich auch in jeden Kopf abspielt. Die Zeit unter der diktatorischen Herrschaft Stalins war grausam. Da Shostakovich im öffentlichen Leben stand, hatte er sich zu fügen und zu parieren. Eigenes Denken und dessen Ausführung war nicht erwünscht und wurde streng überwacht. Fehltritte wurden mit Androhung seiner Familie und Freunden das Leben zu ruinieren, geahndet und ihm die Musik zu nehmen. Sein Lebenselixier. Seine Werke mussten der Obrigkeit zusagen, sonst durften sie nicht mehr aufgeführt werden. Und vor der Welt sollte er als gefeierter russischer Weltstar auftreten mit einem hundertprozentigen Glauben an die russische Regierung. Mit der Zeit wurde ihm alles zu viel, er überlegte, lieber zu sterben, als diese Art von Leben fortzuführen. Doch was würde dann sein? Alle Welt würde ein falsches Bild von ihm erhalten und seine Familie darunter leiden müssen. Sie haben ihm praktisch längst das Leben genommen. So fügt er sich notgedrungen und pariert und bringt trotzdem erstaunliche Kompositionen zutage. Der Schreibstil ist genau den Gedanken und Gefühlen angepasst, der jeweiligen Stimmung zugeordnet und doch poetisch; mal besonnen, sachlich, belastend und beunruhigend, verzweifelt, und immer ist diese Angst und Hilflosigkeit zu spüren. Es ist ein sehr bewegendes Buch, worüber man noch lange nachdenkt. Auch ist es nicht so einfach, dieses in der englischen Sprache zu lesen. Immer wieder muss man im Wörterbuch nachschlagen. Aber es ist großartig.

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  • Das Dilemma eines Komponisten

    The Noise of Time
    vanessabln

    vanessabln

    26. February 2016 um 09:30

    Das Buch war für mich eine große Überraschung, denn die Erwartungen gingen in eine andere Richtung. Die Inhaltsangabe deutete eher auf surreale Elemente hin. Jemand steht Nacht für Nacht mit einem Koffer am Aufzug und wartet mit bösen Vorahnungen darauf, dass man ihn abholt. Alles erscheint anfangs sehr mysteriös, auf ein beängstigendes totalitäres System („The Power“ genannt) wird hingedeutet, so dass es fast etwas Utopisches hat. Obwohl das Buch im Jahr 1937 beginnt, wäre ich nicht darauf gekommen, dass es im kommunistischen Russland spielt. Eher zufällig habe ich dann gelesen, dass es sich bei dem Protagonisten um eine reale Person, nämlich Dmitri Dmitrijewitsch Shostakovich handeln soll. Da ich mich bisher weder mit klassischer Musik noch mit der Geschichte Russlands wirklich beschäftigt habe, kannte ich diesen Komponisten vorher nicht. Nach etwas Recherche wurde mir klar, dass die Dinge im Buch, die man für so erschreckend hält, dass sie erfunden sein müssen, tatsächlich geschehen sind. Das ändert noch einmal die Sicht. Julian Barnes hat aber keine klassische Biographie geschrieben, sondern das Schicksal Shostakovichs in eine wunderbare Prosa gefasst, die viel mehr verdeutlicht als jedes Sachbuch zum Thema. „The Noice of Time“ besteht durchgehend mehr oder weniger aus Bruchstücken - Erinnerungen, Gedanken, Gefühlen. Anfangs wusste ich nicht so recht, wo es hinführt. Wenn dann der Durchblick kommt, muss man einfach weiterlesen, auch wenn es immer wieder bedrückend ist. Das Buch im englischen Original ist keine leichte Kost, aber es wert, sich drauf einzulassen. Es gibt Sätze, wo man mit dem normalen Schulenglisch ausgestattet im Wörterbuch nachschlagen muss. Dann gibt es wieder einfach zu verstehende Sätze, die es aber in sich haben. Durch die knapp 200 Seiten ziehen sich durchgehend Melancholie und Ironie, aber auch viel Sachwissen. Der Autor muss gut recherchiert und sich auch intensiv mit der „russischen Seele“ befasst haben. Das persönliche Dilemma des Komponisten wirkt nach, außerdem erfährt der Leser viel über die jeweiligen Machthaber, die Kunst und die Künstler Russlands. Zum Schluss wird auch klar, dass es mit gutem Grund drei Kapitel sind. Die Überschriften fand ich anfangs fast zu banal, aber es hat alles seine Bedeutung. Das Buch zeigt das Überleben eines eher zart besaiteten Künstlers, der einfach nur so gut wie möglich komponieren möchte, aber ständig Kompromisse machen muss, und wie es ihm damit ergeht. Auch wenn es im alten Russland spielt, ist es gut übertragbar auf die Auswirkungen von unmenschlichen Machthabern zu jeder Zeit und überall auf der Welt.

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  • Bewegend

    The Noise of Time
    Fornika

    Fornika

    21. February 2016 um 15:48

    Ein Mann wartet. Jede Nacht. Allein, verlassen, nach außen hin völlig ruhig. In seinem Inneren sieht es ganz anders aus. Er wartet auf seinen Abtransport, auf die Polizei, die Hände der Oberen. Er ist Shostakovich, ein berühmter und begnadeter Komponist. Und er weiß nicht, ob er den Aufenthalt im Gefängnis überleben wird, ob er seine Familie wiedersehen wird, ob er zu seiner großen Liebe – der Musik – zurückkehren kann. Und ob er das überhaupt will.  Julian Barnes hat sich für seinen eindringlichen Roman das Leben eines großen Künstlers ausgesucht. Dmitri Shostakovich lebt in einer schwierigen Situation. In der Sowjetunion darf man nicht frei handeln, frei denken schon gar nicht. Als Person des öffentlichen Lebens landet er trotzdem immer wieder im Fokus der Obrigkeit, sein Werk steht unter permanenter Beobachtung. Deren Meinung bestimmt sein Leben, gefällt sein Werk nicht, droht Arbeitslosigkeit - im günstigsten Fall. Gleichzeitig muss er als Aushängeschild für den Westen fungieren, seine eigenen Gedanken verdrängen, die Meinung des Systems im Brustton der Überzeugung von sich geben. Barnes schildert diese Zerrissenheit Shostakovichs nüchtern, beklemmend und doch sehr bewegend. Obwohl man dessen Gedanken auf dem Silbertablett präsentiert bekommt - oftmals in einem wirren, hin- und herspringenden Gedankengewusel - bleibt dem Leser Shostakovich ein wenig fremd. Vielleicht auch, weil der sich immer anders geben muss als er wirklich ist. Im Laufe der Jahre hadert er immer wieder mit seinem Schicksal, möchte nicht mehr weiterleben. Und muss selbst erkennen, dass sein Tod vom System für deren Zwecke ausgeschlachtet würde. Inmitten dieser Selbstzweifel, diesen Drucks findet der Komponist doch einen Weg für die Kunst und schafft Großes. Auch wenn Barnes nicht streng Shostakovichs Biografie erzählt, erfährt man als Leser viel über den Komponisten. Und kann nach der Lektüre nicht anders als ihm großen Respekt zu zollen, für die Tatsache unter welchen Bedingungen er großartige Musik erschaffen hat. Barnes findet immer den richtigen Ton, harte kritische Worte oder auch leise poetische Zeilen. The noise of time klingt oft verzweifelt, melancholisch, machtlos. Und ist trotzdem eines meiner größten Lesevergnügen der letzten Zeit.

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  • Eine russische Seele

    The Noise of Time
    pageturner211

    pageturner211

    21. February 2016 um 14:39

    the noise of time   Zu Beginn wirkt der Text ungewohnt zerstückelt und sprunghaft. Wo ist der Zusammenhang? Erst nach und nach erschließt sich die eigentliche Situation. Die Wartezeit am Aufzug. Mich beeindruckt die schonungslose Ehrlichkeit des Protagonisten mit sich selbst. Erst später wird klar, dass es sich bei dem Protagonisten um den Komponisten Schostakowitsch handelt. Die Textfragmente stellen gut dar, wie ein auf Hochtouren laufender, aber beschäftigungsloser Geist beim Warten umherwandert. Warten kennt jeder. Beim Arzt, am Bahnsteig, oder eben am Aufzug. Der Blick kann sich nach außen oder innen richten. Sieht das Türschloss nicht aus, wie bei einem früheren Nachbarn? Der, der sich beim Fleischer immer vordrängelte? Oder das Geländer? Hatte ich mir an solch einem Geländer als Kind während eines Besuches bei Opa nicht den Finger geklemmt?  Die drei Leerzeilen zur Trennung zwischen den Gedanken stellen auch gut die inhaltlichen Sprünge dar. Dieser Schreibstil regt an zum Nachdenken, nicht über einen möglichen Mörder, sondern über das eigene Leben. Wir nennen das bei uns privat einen "langsam geschriebenen" Text, wenn er Zeit lässt für eigene Gedanken, ( wie würde ich..., in dieser Situation . . . als ständiger Spielball des nicht Greifbaren ) Ganz ohne den sonst oft entstehenden Eindruck, etwas spannendes zu verpassen, bzw. schnell erfahren zu wollen und deshalb vermeintlich keine Zeit zu haben. Hier lädt er ein zu verweilen, entschleunigen. Ganze Passagen erinnern mich im Stil an Solschenizyn. Besonders an Ivan Denissowitsch oder Das Rote Rad. Schon dadurch tut mir dieses Buch gut. Die seit Jahrhunderten vorherrschende Melancholie, teils schon in der "russischen Seele" vorhanden und teils aufgezwungen, wird gut dargestellt. Die ständige Angst als Funktionsbasis für Staat und Leben. Sich selbst Trugschlüsse einzureden wie z.B. dass Ironie einen scheinbar wie gewünscht reagieren lassen könnte und innerlich trotzdem das erhalten, was einem etwas bedeutet und einen damit so lassen, wie man wirklich sei. Selbst dann, wenn: "the noise of time became loud enough to knock out window-panes". Aber was hätte es für einen Sinn, wenn er sich selbst durch Ironie schützen könnte, aber nicht seine Familie ? Schöne Sätze wie "art is a whisper of history, heard above the noise of time" können mich immer wieder begeistern. Schaltjahre bringen Unglück. 1936 wurde er als Opernkomponist öffentlich zerstört. Um seine Familie zu schützen, wartet er schon vor der Aufzugstür auf die Staatsmacht, damit sie ihn nicht in der Wohnung bei seiner Familie aufsucht. 1948 hat er nichts mehr zu verlieren und widerspricht am Telefon sogar Stalin. Er erreicht dadurch, dass seine Musik wieder gespielt werden darf. Er beobachtet die Widersprüche in der Prawda bei der Beurteilung seiner Musik und muss erleben, wie sein Sohn in der Schule gezwungen wird, den eigenen Vater in seiner Eigenschaft als Komponisten zu kritisieren, schlecht zu reden. Die Liebe. Staatsliebe. Wertvoller als die individuelle Liebe?  Die Menschen werden dadurch verdreht, reduziert. Die allgemeine russische Liebe zu Shakespeare. Besonders Lear und Macbeth. Es verwundert nicht, dass Stalin Macbeth nicht ausstehen kann. Kunst hat keinen Selbstzweck, sondern ist für die Menschen da. Für alle Menschen. Es wird eine vielfältige, interessante Gedankenwelt geschildert. Kleine philosophische Betrachtungen im Stillen. Als prominenter Teil einer Reisedelegation in die USA muss der Protagonist mit politischen Aufpassern und vorgefertigten diffamierenden und agitatorischen Reden, die er verlesen soll, klar kommen. Aber er liest dort nur die erste Seite der vorbereiteten Rede und setzt sich dann demonstrativ hin, während die englische Übersetzung der ganzen Rede erklingt. Als er einmal Schmerztabletten kauft, steht kurz danach ein Schild im Schaufenster mit der Aufschrift: "Shostakovich shops here". In der Heimat wird er ungefragt politisch ausgenutzt und beim großen ideologischen Feind ungefragt kommerziell. Er verstand nicht viel von visueller Kunst, aber er verachtete Picasso und ähnlich denkende Menschen. Denn wie einfach war es, in Sicherheit und finanzieller Unabhängigkeit, zu behaupten, man sei Kommunist und der russische Weg der einzig wahre. Sie hatten überhaupt keine Ahnung. Ebenso Satre', der nach einem Auftritt in aller Öffentlichkeit seine dicken Rubelbündel nachzählte, dabei ignorierend, was er damit bei den zusehenden Russen anrichtete, die sich nichts kaufen konnten oder durften, weil kapitalistischer Privatbesitz dem Geist des allgemeinen Volkseigentums widersprach. Er bewunderte einerseits, wie viele andere auch,die Helden, die weiterhin die Wahrheit sagten und hatte gleichzeitig Angst, dass seine Familie und die Freunde dann genau so sterben müssten, wie er selbst, obwohl nur er selbst sich den Tod wünschte. Er bezeichnete sich selbst als Feigling. Er rechtfertigte sich, dass Mut nur den richtigen, aber eben auch nur einen einzigen Moment erforderte. Ein Feigling zu sein erforderte eine viel größere Ausdauer. Vielleicht war aber auch das Gewissen für die weitere Evolution nicht mehr notwendig und wurde deshalb als dadurch überflüssig weggezüchtet?  Oder war Mut so wie die Schönheit? Die alte Frau sieht an sich nur die verlorene Schönheit, während andere nur sehen, wie schön sie noch immer ist. Einige beglückwünschten ihn zu seinem Mut, sich nicht zu beugen, aber sein langjähriger Versuch einer Parteimitgliedschaft auszuweichen, scheiterte. Nach Stalins Tod erwartete er nicht mehr, dass er getötet würde, aber er hatte nicht erkannt, dass die neuen Machthaber nach seiner Seele trachteten. Er war deshalb unvorbereitet und wurde zur Parteimitglied überredet. Sie hatten ihn nicht getötet. Aber indem sie ihn nicht umgebracht hatten, hatten sie ihn getötet. Sein Sohn sah ihn zwei Mal weinen. Einmal beim Tod seiner großen Liebe, der Mutter seiner Kinder, und bei seinem erzwungenen Parteieintritt. Seiner Meinung nach waren die Selbstzweifel der Jugend nichts gegen die Selbstzweifel des Alters. Die für ihn geschriebenen Redemanuskripte veränderten sich bei den darin diffamierten Namen, bleiben dabei inhaltlich gleich. Nur wurden auch Sacharow, Solschenizyn und Tschechow hinzu gefügt. Namen, die ihm etwas bedeuteten. Er hatte keine Chance, stellte das aber anders dar. Er bekam bewiesen, dass die Leute, sogar Freunde, trotz ihres gegenteiligen Wissens, wirklich glaubten, was in der Prawda abgedruckt wurde. Auch "seine" Reden und Artikel. Sie wandten sich von ihm ab. Anscheinend wohl Feiglinge wie er selbst, weil auch sie einfach nur überleben wollten, auch so wie er. Sie waren eben keine wirklich Wissenden, wie er vorher angenommen hatte. Er hielt immer Ordnung. Auch dann, wenn andere es für sinnlos hielten, denn er war der Meinung wenn alles um dich herum im Chaos versinkt, versuche, wenigstens dein direktes Umfeld zu ordnen. Er wurde nicht eifersüchtig, weil seine Frau fremd ging, sondern neidisch, weil ihr Freund ein amerikanisches Auto fahren durfte und er selbst nicht. Erst bei diesen Überlegungen stellte er fest, dass er, trotz seiner Bekenntnisse zur freien Liebe, sehr wohl doch auch eifersüchtig war. Um ihn herum verschwanden so viele andere, also musste er nach Ansicht der Beobachter zwangsläufig Schutz genießen. War er so nah dran, oder warum hatte er überlebt, obwohl er mehrfach negativ aufgefallen war? Überleben setzte ihn nicht nur weiterhin dem Staatsterror aus, sondern auch dem des Volkes. Shostakowitsch erlebte die Welt hauptsächlich als Geräuschkulisse. Harmonisch, melodiös, disharmonisch. Selbst beim Anstoßen mit Wodkagläsern konnte er einen perfekten Dreiklang erkennen. So glaubte er bis zum Schluss, dass wahre, gute Musik alle Unbilden der Zeit, unabhängig von den beteiligten Menschen, wie Komponisten, Sänger, Musikanten, also den jeweiligen Geräuschen der Zeit, überstehen würde. Das war es, an das er sich klammerte, weil ihm alles andere entglitten war. Mit dem vorliegenden Buch wurde die russische Seele gut eingefangen, obwohl der Autor nicht einmal Russe ist. Diese besondere Art der Melancholie hat schon immer ganz tief in mir ein Echo ausgelöst. Ich habe sie immer verstanden Auch ohne Erklärungen. Als ich in den USA gelebt habe, war ich fasziniert. Vieles war fremd, unverständlich, schön und auch mal abschreckend. Aber nichts davon hat mich in der Art dieser Melancholie berührt. Wie bei den alten russischen Autoren. Danke dafür.

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  • Kunst und Verfolgung in der Sowjetunion

    The Noise of Time
    Petris

    Petris

    Ein Mann sitzt mit seinem gepackten Koffer vor dem Aufzug. Viele Nächte lang. Er wartet. Darauf, dass „Die Macht“ ihn holen kommt. Einsperrt, foltert und tötet. Er will nicht, dass sie ihn aus dem Bett zerren, deshalb ist er bereit. Er will auch nicht, dass seine Frau und das Kind gefährdet werden, deshalb sitzt er vor dem Aufzug. In kurzen Abschnitten, fast manisch, so wie die Gedanken laufen, wenn man voller Angst und gleichzeitig total übermüdet ist, wird dieser erste Abschnitt erzählt. Erst viel später lernen wir, dass nicht von irgendeinem Verfolgten der Sowjetmacht die Rede ist, sondern von einer berühmten Persönlichkeit. Die Jahre vergehen, „Die Macht“ kommt nicht, er kann weiter, wenn auch unter schwierigen Bedingungen, seine Kunst ausüben. Doch dann sind er und seine Berufskollegen Stalin ein Dorn im Auge. Am 10. Februar 1948 erlässt er ein Dekret gegen sie. Kunst soll dem Staat gefällig sein, dessen Regeln folgen. Sein Leben lang hadert der Künstler mit dem moralischen Dilemma, dass er, um seine Kunst und Familie zu schützen, nie aufbegehrt hat. Er ist nicht ausgewandert, hat aber auch nie revoltiert wie so viele andere. "If you saved yourself, you might also save those around you, those you loved. And since you would do anything in the world to syve those you loved, you did anything in the world to save yourself. And because there was no choice, equally there was no possibility of avoiding moral corruption." S. 110 Ein großartiger, sehr dichter Roman. Sprache wird präzise eingesetzt, um Stimmungen, Emotionen und Ambiente zu zeichnen. Wunderschön und sehr hochwertig auch die Aufmachung und der Schutzumschlag. Treffender könnte das Cover nicht sein! Ein Roman ganz nach meinem Geschmack, von dem ich viel erwartet hatte, der mich aber noch mehr begeistert hat, als gedacht! Unbedingt lesen! Wenn es die gäbe, würde ich 6 Sterne vergeben, so bleibt es bei den maximalen 5!

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  • "Tell be, whom does art belong to?"

    The Noise of Time
    wolkenbruch

    wolkenbruch

    16. February 2016 um 11:55

    In his latest novel "The Noise of Time", Julian Barnes deals with life and work of the famous Soviet composer Dmitri Dmitrievich Shostakovich. Starting with the probably most prominent story of Shostakovichs life, the novel describes how the composer, after the newspaper Pravda published slating reviews of his opera Lady Macbeth of Mtsensk, waits by the lift of his apartment block every night, expecting to be taken away by "Power". Thus, the novel negotiates the relationship of art and politics, or rather art and power in the totalitarian regime under Stalin. Narrated in a stream of consciousness-like technique, the reader is allowed to dive into the inner life of the composer as constructed by Barnes. I felt deeply impressed by the way Barnes portrays Shostakovich, always struggling with on the one hand, trying to protect his family, and on the other, trying not to betray his music and principles to the regime. Written in a clear, yet poetic style, we learn how broken the artist must have felt despite his eventually successful career. "The Noise of Time" is a unique, powerful and thought-provoking read which I can warmly recommend. Although Stalin died decades ago, the issues presented in the novel have barely declined in actuality until today.

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  • Wer ist der Mann am Aufzug?

    The Noise of Time
    LeonoraVonToffiefee

    LeonoraVonToffiefee

    Leningrad 1936: Ein Mann steht im Flur seines Wohnblocks vor dem Aufzug und wartet darauf, dass er von der Polizei abgeholt wird. In der Zwischenzeit raucht er eine Zigarette nach der anderen und denkt über sein Leben nach. Das ist alles was der Leser am Anfang des Buches weiß. Und natürlich stellen sich Fragen: Worüber denkt der Mann genau nach, warum wartet er, worauf wartet er, was hat ihn in diese Situation gebracht, was erwartet er? Und natürlich: Wer ist dieser Mann? All das erfährt der Leser stückweise nach zahlreichen Zeit- und Gedankensprügen. Schrittweise taucht der Leser tief in das Leben und die Gedanken des Mannes ein und wird erschlagen: Von Angst, Hilflosigkeit, dem Wunsch zu Leben und gleichzeitig zu sterben, von der Ungewissheit. Die Fragen bleiben eigentlich das ganze Buch, besonders die Frage nach der eigenen Identität bleibt bis zum Ende bestehen. Denn die eigenen Identität ist mehr als nur ein Name und ein passendes Gesicht. Nur ganz langsam geht die Geschichte voran, nur zentimeterweise klärt sich das Bild, doch das was sich offenbart ist gewaltig: Ein Leben und Schaffen in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit zu erregen das Todesurteil sein konnte, in der man nicht selbst denken durfte, in der man dem System entsprechen musste oder ausgemustert wurde. Die Herrschaft Stalins - eine Zeit voller Angst und Unterdrückung, ohne Meinung- und Gedankenfreiheit. Unser Protagonist ist ein Opfer seiner Zeit und wird immer weiter in den Sumpf der Hilflosigkeit getrieben. Gleichzeitig ist er schonungslos mit sich selbst und seiner Welt, wirft einen klaren und ehrlichen Blick auf sein Land. Er ist machtlos in seinem eigenen Leben. Julian Barnes portraitiert und kritisiert eine Zeit durch die Augen eines einzelnen Mannes. Er zeigt dem Leser die Machtlosigkeit der Menschen und die totalitäre Herrschaft Stalins. Dieses Sinnieren über die eigenen Existenz ist in brillante Worte gekleidet, manchmal bitterböse, manchmal triefend sarkastisch, manchmal herrlich selbstironisch. Das Buch ist ein Genuss. Hart, ehrlich, traurig und manchmal auch einsam, aber gleichzeitig wunderschön poetisch mit sehr weisen und philosophischen Worten. Es ist wie Musik zwischen den Zeilen. Kraftvoll und böse, traurig und schonungslos. Trotz der geringen Seitenzahl habe ich lange gebraucht, weil das Buch sehr intensiv ist und man sich an manchen Stellen leicht verirren kann. Auch die Sprache ist nicht immer ganz einfach zu verstehen. Aber es lohnt sich! Es ist wirklich großartig!

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • das Leben des Schostakowitsch

    The Noise of Time
    Mrs. Dalloway

    Mrs. Dalloway

    15. February 2016 um 15:57

    Ohne es zu wissen las ich mit diesem Buch einen Roman über den Pianisten und Komponisten Schostakowitsch. Alles fängt damit an, dass er im Jahr 1937 darauf wartet, abgeholt und zum "Big House" gebracht zu werden. Auf gerade einmal 180 Seiten schenkt uns Autor Julian Barnes, den ich bis dato gar nicht kannte, eine unglaublich intensive Beschreibung des Leben und Leidens des Dmitri Schostakowitsch und wie es ist, in einem beengten und freiheitsraubenden politischem System zu leben und arbeiten. Auch wenn ich viele Wörter nachgeschlagen habe ist das Englisch dieses Buch relativ gut verständlich. Ein gewisser Wortschatz sollte aber vorausgesetzt sein. Die Absätze sind relativ kurz und so kommt man doch einigermaßen flott durch das Buch, wenn man einmal drin ist. Ein unglaublich starkes und wortgewaltiges Porträt über einen berühmten Komponisten und Pianisten. Ich empfehle es vor allem LeserInnen, die Schostakowitsch kennen oder die mal wieder ein anspruchsvolles Buch auf Englisch lesen möchten.

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