Juliane Breinl Graue Wolken im Kopf

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Inhaltsangabe zu „Graue Wolken im Kopf“ von Juliane Breinl

Ausgerechnet die Party zu ihrem sechzehnten Geburtstag stürzt Tiziana in eine heftige Krise. Sie verändert sich komplett, zieht sich vor ihren Freunden zurück, kommt nicht mehr zur Schule und verliert das Interesse an allem. Ihre beste Freundin Vivian fragt sich, ob Tiziana Drogen nimmt. Neuerdings hängt sie viel mit dem seltsamen Punker Louis rum. Dass Tiziana die Symptome einer Depression zeigt, bemerkt zunächst keiner. Ausgerechnet Louis ist es, der die Zeichen richtig deutet. Aber kann er Tiziana auch helfen? Nicht nur ihr Schulabschluss steht auf dem Spiel ...

Ein Buch, das wichtige Themen, besonders jedoch das Krankheitsbild Depression großartig verarbeitet! Absolut lesenswert!

— Benni_Cullen
Benni_Cullen

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  • Ein Gänsehautbuch, das Depression sehr gut thematisiert

    Graue Wolken im Kopf
    Benni_Cullen

    Benni_Cullen

    23. July 2017 um 20:14

    Dieses Buch wurde mir auf der Leipziger Buchmesse ans Herz gelegt und ich war sofort angetan von der Metapher: "Graue Wolken im Kopf" als Sinnbild für Depression. Einfach und dennoch wirkungsvoll. Gleichzeitig aber auch seht tiefgründig, denn Wolken sind ja Dinge, die irgendwann weg gehen können. Kann das eine Depression auch? Oder hat man sie sein ganzes Leben lang? Dann würde es ja auch passen, denn Wolken kehren ja auch immer mal wieder zurück. Toll, wenn allein ein Titel schon so philosophisch ist. Ich war sehr gespannt, wie dann die Geschichte ist und ob solche sprachlichen Bilder auch den Schreibstil der Autorin bestimmen.Und gleich zu Beginn war ich sehr überrascht, denn ich stellte mich eigentlich auf die sofortige Thematisierung der Krankheit ein, doch es sollte anders kommen: Bevor die Thematik wirklich behandelt wird, nimmt sich die Autorin Zeit, die Figuren und deren Leben zu präsentieren. So lernen wir Tiziana und Vivan kennen, zwei beste Freundinnen, die gerade im letzten Schuljahr an der Realschule sind und sich allmählich auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten. Dabei ist Tiziana das Vorbild aller: Sie ist gut in der Schule, eine talentierte Volleyball-Spielerin, führt die Schülerzeitung und ist sogar so ambitioniert, dass sie freiwillig ein Projekt über Obdachlosigkeit auf sich nimmt. Vivian dagegen möchte eigentlich nur Spaß haben und lernt lieber für ihren Rollerführerschein als für die Abschlussprüfungen. Nach einem schrecklichen Ereignis verändert sich Tiziana jedoch stark und Vivian setzt alles daran, ihrer besten Freundin zu helfen. Doch kann man jemanden helfen, der gar keine Hilfe will?Das Buch verarbeitet zu Beginn das Thema Obdachlosigkeit und nutzt dieses, um den Leser über Vorurteile und Meinungen nachdenken zu lassen, die sich die Gesellschaft zu einem Zeitpunkt über bestimmte Gruppen gemacht hat. Dabei schafft es die Autorin die verschiedenen Sichtweisen auf verschiedene Figuren zu münzen, die ihre Meinung klar aussprechen und so den Leser ganz automatisch dazu bringen, für eine Figur Partei zu ergreifen. Durch das Reflektieren der Figuren oder deren Gespräche untereinander findet dann eine Diskussion innerhalb des Buches statt, die sofort auch die Realität des Lesers beeinflusst. Das führte auch dazu, dass ich persönlich sogar sofort über das Thema recherchiert habe und so wirklich über das Thema reflektierte. Großartig und ein ganz toller Effekt, der hoffentlich bei vielen Lesern einsetzen wird.Im Anschluss beginnt jedoch die eigentliche Thematik: Tiziana kapselt sich nach einem unglücklichen Vorfall komplett von ihrer Außenwelt ab, ist antriebslos und erschöpft, gleichzeitig kriegt sie in der Nacht jedoch kein Auge zu und hat das Gefühl, ihre Gedanken würden ständig rasen. Hinzu kommen körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, ein generelles Unwohlgefühl und Appetitlosigkeit. All diese Symptome werden im Buch wirklich gut aufeinander aufgebaut und so eingesetzt, dass sie immer schlimmer werden und immer schwerer auszuhalten sind. Als Leser spürt man die Hilflosigkeit von Tiziana, gleichzeitig fragt man sich ständig, wie man ihr helfen könnte, da immer wieder auch Vivians Sichtweise eine Rolle spielt. Durch den Aufbau, der einen möglichen Verlauf von Depression darstellt, schafft die Autorin Spannung, zeigt aber auch, wie unterschiedlich die Nebencharaktere auf die Symptome reagieren und wie wichtig es deshalb ist, über Anzeichen einer Depression Bescheid zu wissen, damit man schlussendlich richtig damit umgehen kann.Auch wenn die Geschichte nur 200 Seiten lang ist, hat sie mich doch beeindruckt. Natürlich, und das möchte ich klar stellen, bin ich mir über die Tatsache bewusst, dass nicht jede Depression genau so abläuft. Und auch bin ich mir bewusst, dass es unterschiedliche Formen von Depression gibt. Dennoch finde ich das Buch für den ersten Kontakt mit der Krankheit wirklich passend, denn es zeigt Verlauf und Symptome gut auf, gleichzeitig berühren die Personen aber durch ihre Geschichte und den Verhaltensweisen. So gibt es mehrere Zugänge zu dem Thema: Eine sachliche, die auf alle Fälle mit einer Recherche zu den verschiedenen Themen ergänzt werden sollte, und eine emotionale, die den Leser darüber nachdenken lässt, wie man selbst mit diesen Symptomen umgehen würde oder wie man Personen helfen würde, bei denen man solche Symptome erkennt. Auch hier sollte wieder darüber nachgedacht werden, welche Anlaufstellen es gibt und wer einem helfen könnte.Einziger Kritikpunkt ist für mich das Ende. Hier hätte man deutlicher herausarbeiten können, dass die Behandlung von Depression ein langwieriger Prozess mit den unterschiedlichsten Höhen und Tiefen ist. Gleichzeitig hätte ich mir gewünscht, dass man aufzeigt, wie die Therapie abläuft, zumindest in einigen Aspekten. Leider hat man sich hier dazu entschieden ein Ende zu liefern, welches zwar typisch für das Genre ist, aber mich etwas unzufrieden zurückgelassen hat. Dennoch tut es der Tatsache keinen Abbruch, dass das Buch sehr gut mit der Thematik arbeitet und ein wichtiges Tabuthema der Gesellschaft anspricht.Mein Fazit:Ich kann nur jedem empfehlen, dieses Buch zu lesen, selbst den Lesern, die jetzt sagen: "Eigentlich ist das nichts für mich". Egal, tut es! Denn sich mit einem solchen Thema zu beschäftigen, ist wirklich wichtig und führt dazu, dass man über einige Dinge reflektiert, die wirklich bedeutend sein könnten. Vielleicht nicht für die eigene Gesundheit, aber vielleicht für die eines Freundes oder des Freundes eines Freundes. Egal, wie sehr man selbst davon betroffen ist, es lohnt sich sich damit zu beschäftigen. Und dabei ist "Graue Wolken im Kopf" ein wirklich guter Anfang, denn man wird nicht erschlagen von Informationen, sondern auf gefühlvolle, aber auch eindringliche Art und Weise herangeführt. Deshalb gibt es von mir auch 4 Sterne und damit eine klare Leseempfehlung - die diesmal nicht nur literarisch, sondern auch menschlich ist.

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