Wovon wir träumten

von Julie Otsuka 
4,3 Sterne bei139 Bewertungen
Wovon wir träumten
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (113):
Nymphes avatar

Ein wunderschön geschriebenes Buch über japanische Einwanderer in den USA, inkl. der Camps nach Pearl Harbor.

Kritisch (8):
Lia48s avatar

Die Erzählung in der Wir-Form ist anstrengend und lässt keinen Bezug zu den Protagonisten zu. Dazu die vielen Aufzählungen.

Alle 139 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Wovon wir träumten"

Die bewegende Geschichte einer Gruppe von Frauen auf einer Reise ins Ungewisse ...

Mit leiser Wehmut, vielen Fragen und großen Hoffnungen im Gepäck überqueren sie den Ozean: junge Japanerinnen, die Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Heimat verlassen, um in Kalifornien japanische Einwanderer zu heiraten. Bis zu ihrer Ankunft kennen die Frauen ihre zukünftigen Männer nur von den strahlenden Fotos der Heiratsvermittler, und auch sonst haben sie äußerst vage Vorstellungen von Amerika. Die Überfahrt wird zu einer seltsamen, oft traumartigen Passage zwischen zwei Welten – und die Ankunft in Amerika zu einem abrupten Erwachen in der Fremde, in der kaum etwas so ist wie erwartet ...

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442479689
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:160 Seiten
Verlag:Goldmann
Erscheinungsdatum:17.03.2014
Das aktuelle Hörbuch ist am 30.11.2012 bei steinbach sprechende bücher erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,3 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne70
  • 4 Sterne43
  • 3 Sterne18
  • 2 Sterne7
  • 1 Stern1
  • Sortieren:
    GrauerVogels avatar
    GrauerVogelvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ungewöhnliche aber gelungene Abbildung der damaligen Schicksale
    Viele Schicksale, eine Geschichte

    Ein Schiff voller japanischer Frauen steuert auf die amerikanische Westküste zu, wo sie ihre Ehemänner treffen werden - die sie bisher noch nie gesehen haben. Die meisten erwartet ein hartes, entbehrungsreiches Leben, sei es in der Landwirtschaft oder in der Stadt. 


    Das Besondere an diesem kurzen Buch ist, dass es konsequent in der Wir-Form gehalten ist. Es gibt nicht die eine Protagonistin, sondern alle Frauen erzählen die Geschichte als eine Gruppe. Vereinzelt fallen einmal Namen, immer wieder gibt es Zitate, aber nie hebt sich eine dominant aus der Gruppe hervor. Weite Teile des Buches sind Aufzählungen, die verschiedene Entwicklungen zusammenfassen.

    Die meisten Frauen landen nach ihrer Ankunft in einer unglücklichen Ehe. Sie schuften in der Landwirtschaft und leben in Armut, einige leben im japanischen Viertel irgendeiner Großstadt und haben kleine Läden oder sind als Hausangestellte beschäftigt. Ringsum begegnet ihnen Rassismus, jedoch fällt auf, dass sie auch selbst einen gewissen Rassismus mitbringen, beispielsweise gegenüber Chinesen. Später bekommen die meisten viele Kinder, die sich dann einem eher amerikanischen Lebensstil zuwenden, von denen manche jung sterben oder die selbst Erfahrungen mit Rassismus in der Schule sammeln müssen.

    Schließlich kommt der zweite Weltkrieg und alle japanischen Einwanderer fallen unter Generalverdacht Spione zu sein. Sie werden noch stärker ausgegrenzt und diskriminiert und schließlich zu tausenden von der Westküste deportiert. Von letzterem hatte ich vor dem Lesen dieses Buches noch nie etwas gehört und war darüber sehr schockiert.

    All diese Schicksale erwecken in einem viel Mitleid und Mitgefühl, aber auch Bewunderung dafür, das alles aushalten und durchstehen zu können.

    An den Wir-Schreibstil und die endlosen Aufzählungen muss man sich gewöhnen und sie sind sicherlich nicht für jeden etwas. Dies ist wieder so ein Buch, das man wegen des Inhalts liest, aus Interesse an der Thematik, aber nicht zur reinen Unterhaltung.

    Ungewöhnliche aber gelungene Umsetzung, die auf wenig Seiten viele Einblicke ermöglicht. Phasenweise ist es vielleicht etwas langatmig, aber wer sich für das Einwanderer-Thema und/oder die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts in Amerika interessiert, der wird hierin eine interessante und lesenswerte Abbildung des Zeitgeschehens vorfinden. 

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Nymphes avatar
    Nymphevor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein wunderschön geschriebenes Buch über das Schicksal von Japanern, die in die USA eingewandert sind.
    Japanische Schicksale in den USA

    Inhalt:
    Das Buch erzählt von japanischen Einwanderinnen am Anfang des 20. Jahrhunderts, die über Heiratsvermittler an Japaner vermittelt wurden, die in den USA leben. Während auf dem Schiff noch große Aufregung herrscht, folgt an Land die große Ernüchterung. Die Männer sind alle älter als auf ihrem Bildern und die meisten Frauen haben ein Leben voller harter Arbeit vor sich. Das Buch berichtet von der weiteren Entwicklung der Frauen: Kinder, Erfolge und Niederlagen und endet mit der Internierung nach Pearl Harbor. Dabei ist stets der (unterschwellige oder auch sehr offensichtliche) Rassismus in dieser Zeit ein Thema.


    Bewertung:
    Das Buch ist immer aus der Perspektive mehrerer Frauen geschrieben, wie in diesem kurzen Ausschnitt:
    „Auf dem Schiff waren die meisten von uns Jungfrauen. Wir hatten langes schwarzes Haar und flache, breite Füße, und wir waren nicht sehr groß. Einige von uns hatten als junge Mädchen nichts als Reisbrei gegessen und hatten leicht krumme Beine, und einige von uns waren erst vier zehn Jahre alt und selbst noch junge Mädchen.“
    Die Sprache des Buches ist unheimlich schön. Ich konnte zwar die Namen nicht alle auseinander halten, aber da hier eine Art kollektives Schicksal geschildert wird, störte mich das auch nicht. Der Text ist trotzdem unheimlich ergreifend. Das Buch regt dazu an, sich weiter mit den Frauen und ihren Familien zu beschäftigen. Ich habe jetzt schon viel über die realen Verhältnisse zu dieser Zeit nachgelesen und werde mich auch weiter informieren.


    Fazit: Ein wunderschönes Buch mit echten Schicksalen --> Unbedingte Leseempfehlung

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    SharonBakers avatar
    SharonBakervor einem Jahr
    Wenn Träume, Schäume sind ...


    Anfang
    des 20. Jahrhunderts machen sich viele japanische Frauen auf den Weg
    nach Amerika, um dort japanische Einwanderer zu heiraten. Sie kennen
    ihre Ehemänner nicht und auch diese Männer haben sich ihre Frauen über
    einen Heiratsvermittler ausgesucht. Unter den Frauen herrscht ein großes
    Bangen auf der Überfahrt, aber auch die Hoffnung auf ein gutes Leben.
    Ihre Ankunft ist ernüchternd, denn ihre Männer sehen selten, wie die auf
    dem Foto aus und statt Wohlstand, erwartet sie harte Arbeit. Welche
    Schicksale werden sie erwarten? Wird es besser werden? Oder hat die
    Zukunft noch schlimmer Dinge mit ihnen vor?




    Wovon
    wir träumten, hatte mich damals angesprochen, einmal wegen des
    wunderschönen Buchcovers und auch weil das Thema Japan eine Rolle
    spielte. Aber war ich damals wirklich darauf vorbereitet, dass dieses
    Büchlein über Epochen geht und das Schicksal vieler Frauen wiedergibt?
    Ich glaube nicht wirklich, obwohl es ja klar und deutlich auf dem
    Buchrücken steht, hatte ich irgendwie eine andere Vorstellung. Nun habe
    ich es Jahre später endlich zur Hand genommen und gelesen.

    Ich
    glaube, was sofort beim Lesen auffällt, ist die gewählte Sprache der
    Autorin. Sie gibt nicht einer Frau eine Stimme, sondern allen, wie in
    einem kleinen Mikrokosmos kommt jede zu Wort, ohne wirklich zu sprechen.
    Die Autorin fängt ziemlich gelungen jedes Schicksal ein und gibt ihren
    Kapiteln immer ein übergreifendes Thema, wie, die Überfahrt, die
    Ankunft, das Einleben, Kinder und so weiter. Dabei erzählt sie nicht nur
    das Geschehene, sondern zählt endlos jedes Schicksal der Frauen auf.
    Was mich am Anfang allerdings unglaublich beeindruckte, wirkte bei mir
    mit jeder Seite abstumpfender, denn wenn man nur noch Schlechtes und
    Grausames liest, kann man es selber nicht mehr ertragen und verschließt
    sein Inneres. So konnte ich nicht jedes Schicksal tragen und ratterte
    nur noch die Zeilen bis Kapitelende runter. Es ist unglaublich
    schmerzvoll, was diese Zeit mit den Frauen gemacht hat.

    Was mich
    immer wieder noch schockt und wütend macht, ist die historische
    Geschichte von Amerika. Der Befreiungsstaat, wo träume wahr werden und
    man alles Erreichen kann und dann erfährt man, was sie mit ihren eigenen
    Einwanderern gemacht haben. Natürlich wird dieses Thema schön ruhig
    gehalten und die Vorwürfe auf andere Nationen gerichtet, ohne sich
    selbst an die Nase zu packen. Deshalb finde ich solche Bücher gut und
    fand diesen Leidensweg einer ganzen Generation wichtig, auch wenn die
    Schicksale nicht leicht zu verdauen sind.

    Diese Frauen wurden von
    ihren Träumen bitter enttäuscht und mussten einen schweren Leidensweg
    gehen. Durch ihre Traditionen geprägt fiel ihnen der Anschluss und das
    Leben in der neuen Welt schwer, selbst ihre Kinder verleugneten später
    ihre Herkunft und trotzdem haben sie ihr Schicksal ertragen und sind
    ihren Weg durch viele schwere Hürden gegangen, um dann doch leise zu
    verschwinden. Eine unglaublich mutige, aber auch traurige und berührende
    Geschichte.

    Kommentieren0
    7
    Teilen
    sydneysider47s avatar
    sydneysider47vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein kurzes, aber sehr gut geschriebenes und erschütterndes Buch über japanische Einwanderinnen, die ihr Glück in den USA suchen.
    Überaus lesenswertes Buch über Japanerinnen in den USA

    Auch das Buch

     „Wovon wir träumten“

     der Autorin Julie Otsuka habe ich schon vor einigen Jahren gelesen.

     

     Die Handlung: Was Japanerinnen in den USA erwarteten – und was sie bekamen

     Anfang des 20. Jahrhunderts reisen junge Japanerinnen auf einem Schiff in die USA. Nur wenige Habseligkeiten haben sie als Gepäck dabei. Aber sie hoffen, in den USA das große Glück zu finden – Männer, die sie heiraten werden. Japanische Männer, die sie nur von Fotos kennen. Japanische Männer – jung, gesund und fit. Männer, mit denen sie eine Familie gründen wollen, Männer, denen sie zur Hand gehen werden. Männer, denen sie treu sein werden bis an ihr Lebensende.

     Männer, die ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben erfüllen werden.

     Doch die Realität ist anders. Sie ist hart. Die Männer sind älter als auf den Fotos. Die Japanerinnen sind Arbeiterinnen auf Feldern. Sie schuften. Sie werden von der amerikanischen Gesellschaft oft nicht akzeptiert. Sie werden diskriminiert – beispielsweise in Restaurants und bei Friseuren.

     Nebenher bekommen einige von ihnen Kinder. Kinder, die schon bei der Geburt sterben. Kinder, die an Krankheiten sterben. Aber auch Kinder, die überleben – die aufwachsen, amerikanische Schulen besuchen und sehr gute Noten schreiben. Aber auch Kinder, die sich Gangs anschlossen und sich prügelten. Gehorsame Kinder und ungehorsame Kinder.

     Japanerinnen in den USA – ihr Sehnen nach Glück in den USA scheint sich nicht zu erfüllen…

     

     Interpretierungswürdige Lektüre – oder: meine Leseerfahrung

    Die Handlung ist ergreifend, zu Herzen gehend. Schon beim Lesen der ersten Seiten war ich gepackt von den Wünschen, den Hoffnungen der Japanerinnen auf dem Schiff. Ihre Gedanken sind sehr gut dargestellt – und ich hoffte als Leserin mit, dass die Japanerinnen in den USA glücklich werden.

    Das Buch ist weder aus der Ich-Perspektive, noch aus der Perspektive des auktorialen Erzählers (kein Ich-Erzähler) geschrieben. Die Perspektive, die hier vorliegt, finde ich interessant. Es ist die Wir-Perspektive. Die Japanerinnen erzählen, wie es ihnen allen erging: auf dem Schiff, in den USA, auf dem Feld beim Arbeiten, mit ihren Kindern und so weiter. So sah ich als Leserin nicht nur eine Person vor meinem geistigen Auge – sondern viele. Und gerade das machte das Leseerlebnis für mich so beeindruckend und somit das Buch umso glaubwürdiger.

    Würde hier nur von einer einzigen Japanerin erzählt werden, würde ich denken, dass sie die Ausnahme war/ist und es den restlichen Japanerinnen gut ging. Aber es ist so, dass alle Japanerinnen in den USA nicht ihr Glück fanden – sie fügten sich in ihre jeweilige Situation oder sie schlossen mit ihrem Leben ab. Aber Glück sieht anders aus. Nicht so, wie in diesem Buch geschildert.

    Wer denkt, dass man hier schnell zu lesende Lektüre bekommt, irrt. Das Buch ist in einer lyrischen, poetischen Sprache verfasst – und aus den Ereignissen in jedem Kapitel könnte man bereits ein eigenes Buch gestalten.

    Als Beispiel nehme ich das Kapitel „Die Kinder“ (ab Seite 77). Hier könnte man fast jeden Satz interpretieren. Man könnte über fast jeden Satz ein eigenes Kapitel verfassen – es stecken so viele Menschenschicksale darin! Die Japanerinnen legten ihre Babys in Gräben und Ackerfurchen, während sie arbeiteten, und riefen ihnen immer etwas zu. Erziehungs- und Mutterschaftsurlaub gab es nicht. Die Kinder wuchsen „nebenher“ auf. Manche von ihnen gehorchten nicht und machten das, was sie wollten. Andere von ihnen waren sehr ruhig und unproblematisch. Sie lernten sehr schnell, sich alleine zu beschäftigen, denn die Mütter hatten ja kaum Zeit für sie. Natürlich gibt es noch viel mehr über die Kinder der Japanerinnen in diesem Kapitel zu erfahren.

    Ich will nicht zuviel verraten – denn es sollen ja viele Leser und Leserinnen das Buch lesen. Auch wenn es nur aus Sicht von Frauen geschrieben ist, würde ich es dennoch Männern ebenso zum Lesen empfehlen. Denn es beinhaltet viel Geschichtliches. Geschichte, wie man sie im Geschichtsunterricht in Deutschland nie gelernt hat. Erschütternde und bewegende Geschichte über Auswanderinnen in einem fremden Land. Ein zivilisiertes Land, dessen Gesellschaft japanische Einwanderinnen ausgrenzt…

     

    Mein Fazit

    „Wovon wir träumten“ ist ein kurzes, aber sehr gut geschriebenes und erschütterndes Buch über japanische Einwanderinnen, die ihr Glück in den USA suchen.

    Den Preis finde ich ziemlich hoch – ich bin allerdings der Meinung, dass solch ein Buch in Schulen gelesen werden sollte, da man hier sehr gut das Interpretieren von Texten üben kann.

    Ich vergebe 5 Sterne und eine Leseempfehlung. Mit dem Kauf würde ich allerdings warten, bis das Buch als günstigere Taschenbuchausgabe erhältlich ist. Ich hatte das Glück, das Buch aus einer Bücherei zum Lesen ausleihen zu können.

    P.S.: Diese Rezension erschien in ähnlicher Form bereits im Jahre 2013 bei Ciao.de.

     

    Kommentieren0
    37
    Teilen
    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Berührende Frauenschicksale in bemerkenswerter Erzählform

    In "Wovon wir träumten" wird die reale Geschichte junger Japanerinnen erzählt, die in den 1920er Jahren ihre Heimat in Scharen verließen, um in Amerika ein neues, vermeintlich besseres Leben zu beginnen. Bis hin zu den rund 25 Jahre später stattfindenden und nicht weniger dramatischen Ereignissen, die der Angriff auf Pearl Harbor für die japanische Bevölkerung der USA mit sich brachte.

    Die Art und Weise wie die Autorin dies umgesetzt hat, ist bemerkenswert. Sie bemächtigt sich einer Wir-Form, in der quasi zeitgleich jedes persönliche Einzelschicksal dieser vielen, vielen Frauen zur Sprache kommt, ohne dabei jedoch einzelne Personen ganz gezielt in den Mittelpunkt der Erzählung zu stellen. Auf diese Weise bleibt das Geschilderte auf der einen Seite sehr neutral, wirkt aber zeitgleich eben genau deswegen auf den Leser sehr emotional und berührend.

    Mich hat dieses nur 160 Seiten zählende Büchlein tief beeindruckt und bewegt. 

    Kommentieren0
    19
    Teilen
    UteSeiberths avatar
    UteSeiberthvor 3 Jahren
    Japanische Flüchtlingsschicksale

    Die Autorin schildert in diesem Buch die Situation japanischer Frauen die am Anfang des letzten Jahrhunderts nach Amerika fuhren, um dort mit bereits ansässigen Japanern verheiratet zu werden.Daher wohl der Titel,wovon die ausreisenden Frauen geträumt haben,wenn sie in Amerika angekommen sind.Ich finde es ja gut,dass die Autorin diese geschichtliche Situaition in einem Buch aufgreift,mich stört es allerdings,dass die Erlebnisse immer nur einzelne Gruppen der Frauen beschreiben und keine einzelne Person ihre Situation schildert.Das kommt mir eher wie eine Aufzählung vor und nicht wie ein Roman und das hat mich leider ermüdet!

    Kommentieren0
    15
    Teilen
    letusreadsomebookss avatar
    letusreadsomebooksvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Spannendes und emotionales Porträt einer ganzen Generation - durch die besondere Erzählperspektive entfaltet es erst seine Wirkung.
    Tausendundeine Stimme vereint

    Julie Otsukas Buch Wovon wir träumten ist kein Roman im klassischen Sinne. Statt einer stringenten Handlung finden wir vielmehr Beobachtungen über das Leben und Schicksal hunderter oder gar tausender japanischer Frauen, die am Anfang des 20. Jahrhunderts mit Hilfe von Heiratsvermittlern in die USA reisten, um dort ein besseres Leben zu führen. Otsuka berichtet über Frauen, die in ihrer Heimat keine Zukunft für sich sahen. Über Frauen, die nicht länger wie Tiere auf den Feldern schuften wollten. Über Frauen, die von ihrer Familie verstoßen wurden und ein neues Zuhause suchen. Über Frauen, die hoffnungsvoll aufbrechen um dann maßlos enttäuscht zu werden.

    Wir erfahren von Frauen, deren Männer nicht die sind, die sie von den Fotos kennen und auch keinen anständigen Beruf ausüben. Von Frauen, die wie Sklavinnen für die Amerikaner arbeiten, auf ihren Feldern arbeiten und ihre Häuser putzen. Von Frauen, die belogen werden. Betrogen. Ignoriert. Von Frauen, die ein Kind nach dem anderen bekommen. Von Frauen, die ein Kind nach dem anderen verlieren. Wir lernen Frauen kennen, die ihr Schicksal akzeptieren. Frauen, die die Hoffnung nicht aufgeben. Frauen, die gegen alle Widerstände kämpfen. Frauen, die wortlos alles hinnehmen. Frauen, die zurück in ihre Heimat wollen. Die ihr Leben beenden. Die trotz allen Umständen irgendwie glücklich sind.

    All diese Schicksale gehen dem Leser nah, was unter anderem daran liegt, dass Otsuka aus der Wir-Perspektive schreibt. Obwohl wir keine konkreten Personen kennenlernen und keine direkten Protagonisten haben, ist gerade diese Verallgemeinerung erschreckend, da sie zeigt, dass es unzählige Frauen waren, denen es so erging. Die schlichte aber dennoch poetische Sprache der Autorin hilft dabei, trotz dieser Distanz Mitgefühl und Betroffenheit zu erwecken. Deprimierend ist das Buch jedoch nie, da auch einige Momente und Beschreibungen herzerwärmend oder zum Schmunzeln sind.

    Wovon wir träumten beruht auf wahren Ereignissen. Es zeigt uns nicht nur die Unterdrückung der Frauen, sondern auch die Ausbeutung von Immigranten und die damals wie heute bestehende Kluft zwischen Kulturen, welche nicht immer leicht zu überwinden ist. Otsukas Roman befasst sich mit Immigration, funktionierender und fehlschlagender Integration, mit Abgrenzung, Ausgrenzung, Abschiebung, Staatswillkür und mit einer Gesellschaft, die die Augen verschließt.


    Julie Otsuka ist mit Wovon wir träumten ein spannendes und emotionales Porträt einer ganzen Generation gelungen. Durch die besondere Perspektive und die schöne Sprache ist es vor allem eines: anders. Und dabei absolut lesenswert.

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    Canems avatar
    Canemvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein berührendes Buch über die verlorenen Hoffnungen und Träume der Japanischen Migrantinnen in Amerika.
    Ein Buch mit tausend Stimmen...

    "Wovon wir träumten" hat einen unglaublich einzigartigen und poetischen Schreibstil, der mich sofort in den Bann gezogen hat.
    Es geht nicht um eine, nicht um zwei, drei, vier oder fünf Japanerinnen; es geht um Tausende. Und sie alle erzählen ihre Geschichten; gleichzeitig.

    Als Leser ist man berührt, traurig und mitgerissen zugleich. Obwohl dieses Buch sehr dünn ist, hat es auf mich einen stärkeren Effekt gehabt als manch dicker Wälzer.

    Julie Otsuka erzählt hier eine wahre und traurige Geschichte über Schicksale von vielen Japanern, die einfach vergessen wurden.
     
    Dieses Buch ist für jeden nur zu empfehlen!

    Kommentieren0
    14
    Teilen
    BadWolfs avatar
    BadWolfvor 3 Jahren
    Wovon wir träumten

    Inhalt

    Der Roman erzählt die Geschichte von vielen jungen Japanerinnen, die sich kurz nach dem ersten Weltkrieg, Anfang des 20. Jahrhunderts mit Hilfe von Heiratsvermittlern auf den Weg nach Amerika machen. Sie hoffen und träumen von einem besseren Leben fernab der Heimat. Ihre Ehemänner kennen sie ausschließlich von Fotos die sie durch die Heiratsvermittler bekommen haben. Es sind gut aussehende junge Männer mit dunklen Augen, vollem Haar und makelloser Haut. Einige von ihnen stehen im edlen Gehrock, vor Holzhäusern mit weißem Lattenzaun oder einem neuen Auto. Und allesamt sind sie ebenfalls ehemalige Einwanderer die es in den USA geschafft haben ihrem einstigen ärmlichen Leben in Japan Lebewohl zu sagen und nun eine Frau suchen. Zu den Fotos gab es auch verführerische Briefe.
    Ich habe ein schönes Haus gekauft. Du kannst Tulpen pflanzen, Osterglocken. Was immer du willst. Ich besitze eine Farm. Ich führe ein Hotel. Ich bin der Vorsitzende einer großen Bank. Ich habe Japan vor mehreren Jahren verlassen, um meine eigene Firma zu gründen, und kann gut für Dich sorgen.

    Auf der langen beschwerlichen Überfahrt die drei Wochen dauern sollte, beginnen die Mädchen nun zu träumen von ihrem neuen Leben. Werden sie ihren Ehemännern gerecht? Würden sie ihnen gefallen?`Werden sie die Männer lieben? Wie wird das erste mal sein? Wie wird es sich leben in so einem großen Haus? Sind die Sitten und Gebräuche dort tatsächlich anders als in Japan? Hoffnungen, Ängste, Heimweh und Sorgen plagten die jungen Frauen von Tag zu Tag. Nachdem sie nun endlich das Pier erreichten, war der Schock für die Mädchen groß, als sie mit der Realität konfrontiert wurden. Das Leben der jungen Japanerinnen entwickelt sich zu einer harten Lebensprobe voller Enttäuschungen, Qualen und Opfer, die sie bringen um nicht wieder zurückgeschickt zu werden und obwohl ihr bleiben auch ein harter Kampf ums Überleben darstellt, geben sie bis zum Schluss nicht auf. Lebensabschnitt um Lebensabschnitt schlängelt sich nun das traurige Schicksal der einstigen unschuldigen Mädchen durch das Buch.
    Meinung

    Mit „Wovon wir träumten“ hat Julie Otsuka in der Tat ein wahres Meisterwerk geschaffen. Es ist ein Roman der mich sehr berührt und nachdenklich gemacht hat. Die Geschichte wird in Wir-Form erzählt. Ich habe noch nie ein Buch gelesen in der es nicht mindestens einen Protagonisten gibt um den sich die Handlung dreht. In diesem Roman erfahren wir, ohne wirklich Namen genannt zu bekommen, gleich mehrere wenn nicht hunderte von Schicksalen. Zwar wird man zu Anfang des Buches mit mehreren Namen von Mädchen bombardiert, sowie auch die Ortschaften aus denen sie kommen, aber das ist kein wesentlicher Bestandteil der Geschichte. Ich bin mir nicht sicher ob ich diesen Schreibstil mag. Sicherlich wäre es reine Verschwendung gewesen hätte man sich ausschließlich eine Protagonistin herausgepickt und ihre Geschichte erzählt. Vermutlich wäre das Buch nicht ganz so emotionsgeladen geworden und nicht zu Letzt, hätte man nie erfahren mit welchen Grausamkeiten die Frauen damals noch alles konfrontiert wurden, als lediglich eine Person. Ich persönlich mag es wenn mich eine oder mehrere Protagonisten so sehr fesseln das ich eine Sympathie oder Antipathie entwickle. Das klappt trotzdem bei „Wovon wir träumten“, denn trotz der Mehrzahl an Schicksalen baut man eine gewisse Nähe zu den Frauen auf ohne sie zu fälschlicherweise zu bemitleiden. Obgleich es einem Leid tut was ihnen widerfährt. Die Autorin besitzt einen gefühlvollen Schreibstil, der unter die Haut geht. Anfangs dachte ich noch das 160 Seiten mal eben schnell gelesen sind. Ein Buch für quasi Zwischendurch. Weit gefehlt, wie ich selbst erfahren musste. Vieles von den schrecklichen Gegebenheiten muss man erst einmal verdauen oder sacken lassen. Und wenn man irgendwann denkt, jetzt haben sie es geschafft sich als Außenseiter in dem fremden Land ein wenig zu etablieren, kommt der japanischen Angriff auf die Flotte Pearl Harbour. Ich kann dieses fantastische Buch wirklich nur jedem empfehlen.

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    Lesegenusss avatar
    Lesegenussvor 4 Jahren
    Ein Ausnahmeroman, wunderschön geschrieben

    Achtung Spoiler im Text:
    Julie Otsukas Roman "Wovon wir träumten" erzählt die Geschichten von jungen Japanerinnen, die in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihre Heimat verließen. Ihr Ziel war Kalifornien. Über einen Heiratsvermittler waren sie Männern versprochen worden. Kalifornien, das Land der Träume, dort lebten ihre Zukünftigen und warteten auf sie. Wie groß muss der Schock für die jungen Mädchen gewesen sein, als sie mit der Realität konfrontiert wurden. Verführerisch klingende Briefe hatten sie in der Heimat von ihrem Zukünftigen erhalten, gutaussehende Männer auf den Fotos. Doch es wurde nicht das Leben, wovon sie geträumt hatten.
    Einzelne Protagonisten aufzuführen, geht nicht, denn Julie Otsuka hat allen Frauen eine Stimme gegeben und zwar durch das Wort "Wir" und in dieser Form ist es auch geschrieben.
    Zitat S. 50
    "Wir arbeiteten einfach, das war alles.
    Wir machten jeden Abend für sie unsere Beine breit, aber wir waren so erschöpft, dass wir oft einschliefen, bevor sie fertig waren.
    Wir wuschen einmal in der Wochen in Wannen mit siedend heißem Wasser ihre Kleidung.
    Wir kochten für sie.
    Wir putzten für sie.
    Wir halfen ihnen beim Holzhacken. …"

    Und mit jedem Tag, so sagen sie, veränderten sie sich. Sie waren nicht mehr die, als sie ihre Heimat verließen.

    War ich anfangs etwas irritiert durch die Wiedergabe der Sprache, legte sich das ganz schnell. Je länger man die Geschichte, das Geschriebene aufnimmt, stellt man fest, es hätte nicht anders geschrieben sein dürfen.
    Träume und Hoffnungen hatten sie bei ihrer Auswanderung, Schicksale, die in diesen 160 Seiten umfassenden wahren Meisterwerk eine Stimme erhielten. Und jedes Kapitel beschreibt ihren Weg bis hin zum Zweiten Weltkrieg, dem Angriff der Japaner auf Perl Harbour.

    Mit ihrem Buch hat die Autorin den Frauen, die als junge Mädchen in ein unbekanntes Land, mit einer fremden Sprache und Kultur ein unvergessliches geistiges Denkmal geschaffen. Aber es ist auch eine Ermahnung an das Vergessen - der Erinnerungen. Durch ihre zeitweise poetische Sprache und dann wieder klaren Sprache berührt sie den Leser. Jeder Satz erzählt dir eine Geschichte.

    Ich bedanke mich bei Nicole für dieses wahre Leseschätzchen. Ohne sie hätte ich es bestimmt nicht gelesen.
    "Wovon wir träumten" ist ein Ausnahmeroman, der sich durch die leisen Töne und doch mahnenden Stimme hervorhebt.

    Kommentieren0
    7
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks