Julie Schwietert Collazo

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So denkt Papst Franziskus

So denkt Papst Franziskus

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Erschienen am 01.07.2013

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Rezension zu "So denkt Papst Franziskus" von Julie Schwietert Collazo

Begrenzte Einblicke
R_Mantheyvor 3 Jahren

Sicher ohne es wirklich zu wollen hat sich Papst Franziskus mehr Aufmerksamkeit gesichert als ihm selbst wohl lieb ist. Er stellt sich anders dar als sein Vorgänger, eben auch weil er Jesuit ist: den Armen zugewandt, mit Prunk und höfischem Gehabe mehr als fremdelnd und mit mehr Mut zum Anderssein als Benedikt, der vielleicht im Geiste ähnliche Züge besitzt, aber doch eher ein Intellektueller als ein Mann des einfachen Volkes ist.

Die beiden Autorinnen dieses Buches versuchen den Drang nach Klarheit über den zukünftigen Weg des neuen Papstes mit dieser Zitatensammlung zu befriedigen. Für einen wahrscheinlich weltweiten Verkaufserfolg mussten sie dazu nur alle verfügbaren Dokumente wie Predigten oder anderen Verlautbarungen des ehemaligen Kardinals Bergoglio und heutigen Papstes Franziskus nach bestimmten Begriffen durchforsten und dann die entsprechenden Zitate auswählen.

Ob man daraus wirklich Schlüsse über die Denkweise des Papstes ziehen kann, sei einmal dahingestellt. Viele dieser Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissen, einige ziemlich banal und manche wiederum durchaus aussagekräftig.

Die 300 Zitate passen auf 150 Seiten. Den Rest des Buches besetzen Quellenangaben und ein kurzer Werdegang des Papstes. Im Vorwort liest man, dass Benedikt XVI. als ein "eher strenger und rückwärtsgewandter" Papst empfunden wurde, während der neue Papst "durch seine umgängliche Art" erfreue. Bei dieser tiefschürfenden Analyse scheinen den Autorinnen einige Zitate aus diesem Buch wohl entfallen zu sein, denn sie zeugen von einer ganz ähnlichen Strenge im Glauben, wie man sie bei Benedikt beobachtete. Die beiden Päpste mögen im äußeren Erscheinungsbild und in ihrem Habitus völlig unterschiedlich sein. Ihre geistige Nähe wird jedoch noch so manchen überraschen.

Natürlich ist es das Recht jedes Glaubens, ihn für den einzig möglichen zu halten. Manchem wird dieser göttliche Alleinvertretungsanspruch allerdings weniger gefallen. "Wer nicht zu Christus betet, der betet zum Teufel.", heißt es in diesem Buch.

Andere Aussagen zu praktischen Fragen deuten auf einen gesunden Menschenverstand und klare Anweisungen hin, etwa, wenn Franziskus pädophile Priester nicht einfach nur versetzen will, wie dies bisher wohl besonders in den USA der Fall war. Schließlich würden diese Leute dann nur ihre Veranlagungen mitnehmen. Ein Reformer wird dieser Papst dagegen nicht werden. Jedenfalls kann man in diesem Buch kein Zitat finden, was in diese Richtung geht. Eher neigt er zur Fixierung bewährter Traditionen.

Papst sein bedeutet mehr als nur auf die Menschen zuzugehen und sich besonders den Armen zu widmen. Papst sein heißt auch den schwer durchschaubaren römischen Kirchenstaat zu regieren. Ob Franziskus das besser kann als seine Vorgänger, hängt nicht davon ab, ob er mit den anderen in den Bus steigt oder bescheiden wohnt. Es hat auch nichts damit zu tun, ob man rote Papstschuhe oder einfache und bequeme Treter bevorzugt. Man darf also gespannt sein, wie Franziskus sich auf dieser Ebene schlägt.

Für Gläubige mag dieses Buch interessanter sein als für abseits stehende Menschen. Es bietet einen gewissen, aber sehr begrenzten Einblick in die Gedankenwelt des neuen Papstes. Mehr nicht. Wer mehr erfahren möchte, sollte sich die Originale besorgen, aus denen in diesem Buch zitiert wird. Aber selbst dann wird man noch rätseln, denn die meisten Dokumente entstanden vor oder erst kurz nach Bergoglios Wahl zum Papst. Sein neues Amt wird wie jede neue Erfahrung, die ein Mensch macht, auch ihn und bestimmte seiner Ansichten vielleicht verändern.

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