Julie von Kessel Altenstein

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Inhaltsangabe zu „Altenstein“ von Julie von Kessel

Die Geschichte einer alten Adelsfamilie, die an ihrem Erbe fast zerbricht. Im Winter 1945 sitzt ein Kind in einem überfüllten Personenzug von Königsberg nach Westen. Sehnsüchtig blickt der kleine Konni hinaus in den Schnee - seine Mutter ist nicht mitgekommen. Gräfin Agnes von Kolberg wird ihren zehn Kindern erst später auf das Gut Altenstein in Brandenburg folgen, der Vater fällt im Kampf um Ostpreußen. Doch auch ihren Sommersitz muss die Familie auf der Flucht vor der Front verlassen. Die Geschwister wachsen in ärmlichen Verhältnissen bei Bonn auf. Die traumatischen Ereignisse ihrer frühen Kindheit und der Umgang mit der selbstherrlichen Matriarchin Agnes schweißt sie eng zusammen. Besonders Konni und seine nächstältere Schwester Nona unterstützen sich lebenslang, durch die Höhen und Tiefen ihrer Ehen, Scheidungen, Geldnöte und Beziehungen hindurch. Doch dann kommt die Wende - und Konni wittert seine Chance. Er möchte Gut Altenstein in den Familienbesitz zurückholen. Das Geld dafür muss er sich bei einer seiner Schwestern leihen. Zwischen den Geschwistern entbrennt ein erbitterter Streit um das Gut, der viele Fragen aufwirft: politische, gesellschaftliche, Fragen nach alten Wunden und Loyalitäten, Fragen nach dem eigenen Selbstverständnis. Altenstein handelt vom Zerfall einer adligen Familie und einem exemplarischen Stück deutscher Geschichte. In klarer Sprache und mit großer Unmittelbarkeit erzählt Julie von Kessel von Charakteren, die so ungewöhnlich und lebendig sind, dass man sie lange nicht vergisst.

Brandenburg, Herrensitz, Familienroman, Geschwister, Vertriebene

— Ancareen
Ancareen

Richtig gut geschrieben - für mich trotz der vermeintlichen Distanziertheit unheimlich nah am Geschehen und packend!

— Isaopera
Isaopera

Spannende Familiengeschichte mit kleinen Schwächen, aber einem großartigen Schreibstil

— jutscha
jutscha

Heimat und Familie

— Schnuck59
Schnuck59

Heimat viel mehr als ein Gefühl

— Sporchie
Sporchie

Hat mich nur bedingt überzeugt.

— IlonGerMon
IlonGerMon

Toller Familienroman mit authentischen Protagonisten

— Anja_Pilz
Anja_Pilz

Eine spannende Familiengeschichte aus der jüngsten Vergangenheit. Konnte mich aber nicht in allen Punkten überzeugen.

— Aleida
Aleida

Ein Mosaik über die familiären Auseinandersetzungen in einer Adelsfamilie

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

Eine unterhaltsame deutsche Nachkriegsgeschichte über eine Familie die alles verliert und sich neu erfinden muss!

— Tine13
Tine13

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  • Kampf um Gutshaus

    Altenstein
    KerstinTh

    KerstinTh

    02. August 2017 um 09:26

    Erzählt wird die Geschichte von Konrad Graf von Kolberg. Er wurde als zehntes Kind von Agnes und Kuno in Ostpreußen während des zweiten Weltkrieges geboren. Konrad ist der langersehnte Sohn der Familie und deshalb der Liebling. Ihm wird später auch nahegelegt das alte Familienanwesen „Altenstein“ wieder zurückzuholen. Mich hat der Klappentext neugierig gemacht und ich habe eine spannende Familiengeschichte erwartet. Bekommen habe ich leider eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die anfangs sehr verwirrend waren. Es gibt viele handelnde Personen, die der Leser erst nach und nach kennenlernt. Auf den ersten 100 Seiten hatte ich deshalb noch Probleme sie richtig zuzuordnen und die Zusammenhänge zu finden (falls es welche gab).  Hilfreich ist hier die Auflistung der Personen zu Beginn des Buches. Die Handlungen finden zu unterschiedlichen Zeiten statt. Die einen noch während des zweiten Weltkrieges, andere in der Gegenwart zur Zeit der Wende und zwischen den Jahren 2000 und 2005. Durch diesen Wechsel in der Zeit erlebt der Leser die Vergangenheit selbst mit. Die Zeitsprünge waren gut eingebaut und haben thematisch sehr gut zueinander gepasst. Beispielweise erinnert sich eine Person im Jetzt an die Vergangenheit und schon beginnt ein neues Kapitel, das 1945 spielt. Oder wenn der Leser Hintergrundwissen braucht wird ein Vergangenheitskapitel dazwischen geschoben. Enttäuscht hat mich in diesem Buch, dass es für mich keinen Leseanreiz gab. Es war nicht spannend. Es wurde lediglich die Geschichte der Familie erzählt. Von Anfang an war klar, dass die Familie ihr Haus wiederbekommt, da hier die Geschichte beginnt. Somit konnte man lediglich die Charaktere kennenlernen und erfahren, wie das Leben damals war. Ich hätte mir mehr Spannung und Handlung gewünscht. Die Charaktere sind relativ gut ausgearbeitet. Jeder hat seine Eigenarten und man kann sie charakterlich unterscheiden. Konrad scheint die Hauptrolle in diesem Buch einzunehmen. Er ist das jüngste von zehn Geschwistern, wird aber als erstes sterben. Auch wenn er als Kind schon einiges durchgestanden hat. Wirklich sympathisch war er mir nicht – er wirkte ein wenig verrückt. Die meisten seiner Geschwister leider auch. Der Schreibstil ist allerdings sehr angenehm und lässt sich gut lesen! Zusammenfassend hat mir das Buch leider nicht so gut gefallen und es hat mich nicht sonderlich unterhalten, da es aber gut geschrieben ist vergebe ich drei von fünf Sternen.

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  • Ein Gut in Brandenburg und ein Bild

    Altenstein
    Ancareen

    Ancareen

    22. June 2017 um 16:31

    Die Kriegszeiten sind schwer und Agnes muss für alle Kinder und das Gut sorgen. Nach der Flucht leben sie in Hersel und auch hier ist Agnes für alles allein verantwortlich. Sie selbst kommt im ganzen Roman nicht zu Wort. Nur indirekt erfährt man viel über ihr Tun und mögliche Beweggründe. Der Roman ist aus der Perspektive der Kinder Konrad und Nona geschrieben. Konrad, ihr letztgeborener Sohn ist ihr Liebling. Sein Wort hat Gewicht, auch wenn er nicht ihren Vorstellungen von seinem Leben folgt. Auch Nona geht eigene Wege. Moritz, Bobby und Konrad unterstützen Nona, die sich von Ake, ihrem Mann, getrennt hat und in den späten 70igern und 80igern mit ihrer Tochter allein in Köln lebt. Moritz ist der Überzeugung, dass das Gut in Altenstein einzig ihm zusteht. Er beruft sich auf ein Testament, das der Vater verfasst hat, mit dessen Inhalt die Mutter aber keines Falls einverstanden war. Keiner weiß wirklich genau, was darin steht. Die Mutter lies es verschwinden und hatte ein Testament, das alle gleich begünstigte. Doch es kommt ganz anders, als man annehmen könnte. Die Zeitsprünge öffnen für mich Räume zum Denken und Nachspüren. Es fällt mir schwer hintereinander weg zu lesen. Die Atmosphäre, die die einzelnen Kapitel entfalten, hallen nach. Die Abschnitte der neunziger und später lassen die Vergangenheit aufblitzen und man ahnt, dass da ganz viel dahinter steckt, was meine Neugier weckt. Die vierziger Jahre - eine längst vergangene Gesellschaft, vertraut durch den Geschichtsunterricht, Bücher, die ich las, Museumsbesuche, Gemälde, schwarzweiß Fotos. Alte Familiengeschichten fallen mir ein. Wunderbar geschrieben. Ich hab das Buch gerne gelesen.

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  • Irgendwie großartig!

    Altenstein
    Isaopera

    Isaopera

    01. June 2017 um 16:20

    "Altenstein" ist der Debütroman von Julie von Kessel und der Name der Autorin passt sehr gut zum Inhalt des Romans, da die Protagonisten (ebenfalls?) adelig sind. Bei den von Kolbergs gibt es allerdings einerseits Familienmitglieder, die das sehr begrüßen und auch zu nutzen wissen, aber auch Figuren, die mit dem alteingesessenen Namen gar nicht mehr viel zu tun haben möchten.Was ist "Altenstein" für ein Roman? Für mich ist es eine Familiengeschichte, die aber wirklich gute Recherche und eine besondere Authentizität mitbringt, und sich dadurch abhebt. Ich fand das Buch sehr spannend, wollte es nicht mehr aus der Hand legen. Dies geschieht aber weniger dadurch, dass man mit den Figuren so sehr mitfiebert, da das Buch insgesamt recht neutral bis emotionslos geschrieben ist. Für mich war es eher die Atmosphäre und auch die Entwicklung der Figuren. Jede einzelne Person hat eine wichtige Rolle in dem Gefüge und da die Handlungsstränge so individuell sind, lässt sich der Inhalt sehr schwer beschreiben. Es kommt in jedem Fall immer wieder anders, als man denkt...das mochte ich! Wirklich hervorzuheben ist für mich der großartige Schreibstil der Autorin. Das Buch ist unaufgeregt, aber irgendwie trotzdem sehr nah am Geschehen und wechselt immer wieder die Perspektive. Verschiedene Zeitebenen und Blickwinkel werden verwoben und irgendwie habe ich wirklich ein rundes Bild der Familie bekommen - ich kann mich in fast jeden hineinversetzen und eigentlich kann ich über keine Person sagen, dass ich sie nicht mag, obwohl es weiß Gott kein Sonnenschein-Roman ist.Das Ende hätte für mich noch ein paar Details mehr haben können - vielleicht wollte ich aber einfach nicht, dass es endet ;)Ein Roman, der nicht jedem gefallen wird, sich aber meiner Meinung nach unheimlich lohnt. Ich bin begeistert!

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  • Zwiespältig

    Altenstein
    Chirise

    Chirise

    28. May 2017 um 09:45

    Agnes von Kolberg muss mitsamt ihren 10 Kindern während des zweiten Weltkrieges den Familiensitz Altenstein zurücklassen und aus Brandenburg fliehen.  Der Krieg, die Flucht, das Zurücklassen des Familienbesitzes hinterlässt seine Spuren bei den Kindern. Jahre später, nach der Wende versucht der Sohn Konrad das alte Gut seiner Familie wieder zurück zu erhalten..  Angezogen von dem wundervollen Cover war ich gleich gespannt, welche Geschichte sich dahinter verbirgt.  Julie von Kessels Schreibstil ist wunderbar und zieht einen sofort in den Bann. Die Erzählung wechselt zwischen den Zeiten und den Charakteren hin und her, sodass man einen Einblick in viele verschiedene Aspekte erhält und sich so nach und nach sein eigenes Bild über eine Person zusammensetzen kann. Dabei muss ich sagen, dass eigentlich keiner der Geschwister ein Sympathieträger für mich war und ich es teilweise als sehr bedrückend empfand, wie sie miteinander umgehen. So fehlte mir leider etwas der Zugang zu ihnen und ihre Schicksale konnten nicht wirklich Emotionen in mir erwecken. An manchen Stellen haben mir da einfach noch mehr Details gefehlt, um Verständnis aufzubringen (z.B. bei der Beziehung zwischen Nona und John). In die Nachfolgegeneration (Alex und Charlotte) konnte ich mich schon besser hineinversetzen, aber sie spielen ja nur eine Nebenrolle. Ich hatte erwartet, dass die Handlung in eine andere Richtung verlaufen wird, in der das Gut Altenstein eine größere Rolle spielen wird. Der Konflikt, der sich entfaltet, als es darum geht, das Gut zurück zu erhalten, fand ich sehr spannend, aber für mich unzufrieden stellend gelöst, da hat mir noch etwas die zwischenmenschliche Konfliktlösung gefehlt.    Fazit: Ein toller Schreibstil, spannende Rückblicke in die Kriegs- und Nachkriegszeit, jedoch konnte ich mit der Familie, um die es ging nicht so ganz warm werden, aber das ist auf jeden Fall Geschmackssache. Ich bereue es nicht, das Buch gelesen zu haben, aber es lässt mich doch sehr zwiespältig zurück.

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  • Altenstein

    Altenstein
    MarleneMaikind

    MarleneMaikind

    22. May 2017 um 13:24

    Bei Altenstein von Julie Kessel handelt es sich um einen Roman, der quer durch die Erlebnisse einer Großfamilie im letzten Jahrhundert führt. Dabei wird nicht chronologisch vorgegangen, die Autorin springt zwischen den Jahren und Personen hin und her, was am Anfang zu leichten Verwirrungen führt und den Einstieg ins Buch erschwert. Im Verlauf des Buches habe ich mich allerdings daran gewöhnt und außerdem gefallen an diesem Schreibstil gefunden.  Während des Lesens fiel es mir schwer, den großen Zusammenhang zwischen den Kapiteln zu erkennen. Im Endeffekt ergibt sich zwar eine schlüssige und vollkommene Geschichte, die auch über einen roten Faden verfügt, aber bei einigen Ereignissen fehlt mir der Zusammenhang zum großen Ganzen, während ich mir bei anderen mehr Hintergrundinformationen oder Weiterführendes gewünscht hätte. Am meisten haben mir die Charaktere des Buches gefallen. Sie sind authentisch und könnten tatsächlich so gelebt haben. Auch die Familie als ganzes ist absolut glaubwürdig. Es wirkt teilweise wie eine Art „Familienbiographie“. Eine große Bereicherung ist ein Personenregister gleich zu Beginn des Buches, auf das ich bis zum Schluss auch immer wieder zurückgreifen musste. Tatsächlich lebt das Buch von eben dieser Authentizität, mit der uns ein Stück Zeitgeschichte erzählt wird. Die Familie erfährt viel Leid, vom Krieg, bis hin zur Trennung in Ost und West wird viel angesprochen. Doch auch hier fehlen mir einige weiterführende Informationen, gerade für die etwas jüngeren Generationen wird es hier schwer alles nachzuvollziehen.  Dennoch wird ein gutes Stimmungsbild, erzeugt an dem Geschichtsliebhaber großen Gefallen finden sollten. Ein eindeutiges Fazit zum Roman zu finden fällt mir schwer. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, auch wenn ich so einiges vermisst habe. Auch der niveauvolle Schreibstil hat mir absolut zugesagt. Es ist mit Sicherheit kein Buch für Jedermann, aber ein Buch für jeden Geschichtsliebhaber unserer jüngeren Vergangenheit.

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  • Adel verpflichtet

    Altenstein
    Girdie

    Girdie

    26. April 2017 um 22:34

    „Altenstein“ ist der Debütroman von Julie von Kessel. Ihre Geschichte dreht sich um den Verlust und die spätere Enteignung von Hab und Gut einer fiktiven alten Adelsfamilie in Ostpreußen. „Altenstein“, der Sommersitz der gräflichen Familie von Kolberg, gehört dazu. Hier geht es nicht nur um Gebäude, sondern vor allem um wertvolle weitläufige Bodenflächen. Eine der Protagonisten ist Agnes von Kolberg, die zweite Frau von Kuno, dem Erben und Oberhaupt der Familie. Sie sieht sich gern als Blume und ihre Kinder als Blütenblätter die sie ausschmücken. So ist denn sinnbildlich die Blume auf dem Cover zu verstehen mit den drei Blütenblättern auf der linken Seite, die für die drei Töchter von Agnes aus erster Ehe stehen und fünf auf der rechten Seite, die ihre zwei Töchter und drei Söhne, von denen einer bereits bei der Geburt verstorben ist, aus der Ehe mit Kuno symbolisieren. Auch Kuno hat aus seiner ersten Ehe drei Töchter. Konrad ist der jüngste der Geschwister. Er ist ein letztes, von Agnes ertrotztes Kind und wird mitten im Krieg geboren. Neben Agnes ist er es und die nächst geborene ältere Schwester Marie Elisabeth, genannt Nona, auf denen der Fokus der Erzählung vor allem ruht. Nachdem nicht nur die Heimat in Ostpreußen verloren ist, sondern auch der Besitz von Altenstein in Brandenburg aufgegeben werden musste, findet die inzwischen verwitwete Agnes mit ihren Kindern im rheinischen Bonn eine neue Bleibe. Zwar hat sie nur noch wenig Geld zur Verfügung, legt aber weiter bei der Erziehung ihrer Kinder Wert auf Anstand und Standesbewusstsein und Respekt ihr selbst gegenüber. Nona und Konrad jedoch widersetzen sich immer wieder. Sie sind es auch die nach der Wende nach Altenstein fahren und dann nach einer Möglichkeit suchen, das Anwesen zurück zu erhalten.Julie von Kessel stammt selbst aus einer Adelsfamilie wie sie sie im Roman beschreibt. Daher gelingt es ihr, die Charaktere im Roman authentisch zu gestalten. Bereits beim Lesen ist mir aufgefallen, dass ungewöhnlich viele Mitglieder der Familie von Kolberg im diplomatischen Umfeld arbeiten und so ist es auch in der Familiengeschichte der Autorin selbst. Diese von Beginn an weltgewandten Menschen haben auf ihren Landgütern immer eine beständige Heimat gehabt und dadurch die Möglichkeit in den „Schoss der Familie“ zurück zu kehren. Die Häuser waren groß genug um etliche Personen zusätzlich aufzunehmen. Die Güter warfen genügend Lebensmittel ab, um ohne Not weitere Familienangehörige zu ernähren. So wie die Familie von Kolberg standen viele Adelsfamilien aus Ostpreußen vor dem Nichts. Ihren Stolz und ihre Weltoffenheit haben viele dabei behalten und in neuer Form versucht, sich zu verwirklichen. Mit Konrad bringt die Autorin auch ein Beispiel dafür, dass nicht jeder seiner Rolle gerecht wird. Nona bricht bewusst aus dem für sie durch Agnes vorgesehenen Lebensweg aus; sie wechselt den Beruf und den Ehemann. Eigentlich zählten Mädchen in der Erbfolge wenig und der Besitz fiel grundsätzlich an den ältesten Sohn. Doch Agnes hat für ihre Kinder eine andere Aufteilung vorgesehen. Als nun Hoffnung auf eine Rückgabe des Anwesens beziehungsweise einen finanziellen Ausgleich aufkeimt, kann der älteste Sohn seinen Unmut über testamentarisch Festgelegte Teilung des Erbes zurück halten. Selbst über den Tod von Agnes hinaus behalten die Geschwister mit wenigen Ausnahmen ihr Klassendenken. Konrad gibt sich auch nach außen hin immer noch gerne als Graf. Untereinander herrscht ein freundlicher Umgangston, der jedoch im Detail gesehen ruppig wird. Vor klaren Ansagen scheint keiner zurück zu schrecken. Obwohl die Hilfsbereitschaft von jedem für seine Familienangehörigen da ist, hört sie wohl bei finanziellen Angelegenheiten auf. Julie von Kessel konfrontierte mich in ihrem Roman mit einer Familie die einen Teil deutscher Geschichte gelebt hat. Zu den geschichtlichen Hintergründen hätte ich mir an einigen Stellen mehr Informationen gewünscht. Zu Beginn des Buchs findet der Leser eine Auflistung der einzelnen Kapitel mit örtlichen Gegebenheiten und eine Aufzählung der Familienmitglieder. Doch die zeitlichen Sprünge von Kapitel zu Kapitel verbunden mit wechselnden Personengruppen forderten meine Aufmerksamkeit und störten immer wieder meinen Lesefluss. Die Charaktere im Buch sind abwechslungsreich gestaltet, die Schauplätze manchmal ungewöhnlich und interessant. Für die Erzählung, die glaubwürdig konstruiert ist, gebe ich gerne eine Leseempfehlung.

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  • Antiquam servabo fidem – Ich will die alte Treue bewahren

    Altenstein
    Aspasia

    Aspasia

    24. April 2017 um 04:34

    ..ist der Wappenspruch der Familie von Heyking, Herren über das ostpreußischen Rittergut Truntlack, hätte aber sicher auch der Herrin über das Titel gebende Gut Altenstein gut gefallen.Ostpreußen, Sehnsuchtsland. Jene ehemalige Provinz fern im östlichsten Zipfel des Deutschen Reiches, bevölkert von Trakehnern, Störchen und namenhaften adeligen Gutsfamilien, wie die zu Dohna, die Finckensteins und von Döhnhoffs. Die Gefolgsleute aus dem preußischen Stammlande sind nicht nur dem preußischen Kaiser ohne Preußen noch inniglich verbunden, sondern haben auch eine besondere Beziehung zum Literaturbetrieb unserer Tage, weil ihre mehr oder minder fiktionalen „Nachbilder“ gern gelesene Protagonisten, aber noch lieber Protagonistinnen, der bestverkauften Unterhaltungsromane sind.Wunderschöne Landschaften, noch schönere Heldinnen, eine schreckliche Flucht, zwischendrin ganz viel Romantik.Eine solche ist auch Agnes und doch ganz anders. Frisch verwitwet, von einehmender Schönheit, kraftvoll, aber auch selbstbezogen, eine manipulative Menschendompteuse. Als sie mit ihren Töchtern zur Sommerfrische ihre ätherisch anmutende Cousine und deren Mann, den Grafen Kuno von Kolberg besucht, nimmt sie sich ohne jeden Skrupel was sie will: deren Mann. Die angestammte Hausherrin, wenn auch Familie, muss das Feld räumen. Ihre wenig beachtete Tochter, Bobby, bleibt im Haus des Vaters und dient der Stiefmutter von nun an als treu ergebene, kritiklose Tochter.Im Debutroman „Altenstein“ von Julie von Kessel bemüht jene adelige Mutter zur Selbstbeschreibung das Bild der blühenden Blume mit ihr selbst im Mittelpunkt und ihren zehn Kindern als sie umringende, sie schmückende Blüten.Der Leser nähert sich der Familie durch den jüngsten Sohn Konrad, dessen Abreise die allwissende Erzählstimme im Prolog schildert und den Leser gleich gegen die herzlose Mutter aufbringt. Er verlässt als Kleinkind alleine, nur in Begleitung eines ihm unbekannten von Agnes wenige Tage zuvor angeworbenen jungen Mädchens in einem der letzten Personenzüge die ostpreußische Heimat. Agnes schickt ihn, trotz Durchhalteparolen der Nazis und Evakuierungsverbot für die Zivilbevölkerung, als die Soldaten der Roten Armee ab Oktober 1944 immer näher kommen, endlich auch gen Westen den älteren Kindern hinterher. Diese sind Monate zuvor nur unter Bobbys und der Aufsicht eines Kindermädchens mit einem der zahlreichen Wagentrecks auf die gefährliche Reise nach Brandenburg aufgebrochen. Dort auf Gut Altenstein, dem Sommersitz der Familie, wollen sich alle wiedertreffen. Agnes selbst trotzt noch der Gefahr, will nicht aufgeben, folgt dann aber später mit nichts als dem Ölgemälde Kunos nach.In Altenstein sind sie nicht die einzige Familie. Es gibt viele Kinder, sie sind sich oft selbst überlassen, weniger Personal ist im Haus, die Mütter beschäftigt, so dass Dinge geschehen können, die unbemerkt von den Erwachsenen, unvergessen für das Opfer bleiben werden.Von Brandenburg zieht die Familie weiter in die Nähe von Bonn, wo sie gezwungenermaßen ein fast kleinbürgerliches Leben mit Selbstversorgung im heimischen Garten führt. Agnes, ein zweites Mal verwitwet, regiert ihre Kinder mit harter Hand, denn, wenn sie schon alles verloren haben, die adelige Geburt zeichnet sie aus, erhebt sie über andere. Der Titel und das Erbe sind aber auch eine Verpflichtung im Leben Besonderes zu leisten, es nicht einfach durch ein gewöhnliches Leben zu verschwenden. Nicht alle Kinder sind diesem Druck gewachsen.So sehr mir gefällt wie die Autorin die Psychologie ihrer Figuren herausarbeitet, fehlt mir gerade in Bezug auf die „Großartigkeit per Geburt“ die politische Komponente. Ich finde nicht, dass die nationalsozialistische Ideologie, der über 70 % der Ostpreußen begeistert anhingen, die auch von den Adelsfamilien getragen wurde, völlig unerwähnt bleiben kann.Die Geschichte dieser Familie wird in verschachtelten Rückblicken aus der Perspektive jener schmückender Blütenblätter erzählt, drei ihrer Kinder. Da ist Bobby, die Stieftochter, die Mamas Lebensplan brav befolgt hat. Die bohemienhafte Nona, Agnes Tochter aus erster Ehe, der als einziger die späte Abnabelung von der Mutter gelungen scheint, und das geliebtes Nesthäckchen Konrad, den die Erwartung der Mutter, denen er sein Leben lang verzweifelt versucht gerecht zu werden, auffressen.Der Leser begleitet die Kolberg Kinder durch die Traumata ihrer Kindheit, auf der Flucht, ohne ihre Mutter, beim Neuanfang im Westen, durch ihre Ehen, Scheidungen und Todesfälle. Doch die wirklich große Wende bringen die Ereignisse 1989. Aus dem Untergang der DDR soll eine Auferstehung zu alter Größe folgen, jetzt wo alles wieder möglich scheint. Konrad, der stolzeste der beiden jungen Kolberg Grafen, wittert die Chance das Gut der Vorväter im nun freien Brandenburg in den Schoß der Familie zurück zu holen. Nur ist die Begeisterung an diesem Unterfangen nicht bei allen Geschwistern gleich groß, ein Streit entbrennt, der alte Verletzungen an die Oberfläche spült.Altensteins Plot ist vielschichtig, die Figuren lebendig gezeichnet, die Sprache sehr klar. Vor dem Hintergrund von 50 Jahren deutscher Geschichte erzählt von Kessel auf den ersten Blick, die Geschichte des verzweifelten Kampfes um das eigene Selbstverständnis einer adeligen Familie, deren Titel nur noch Schmuckwerk ist, aber auf den zweiten eine gewöhnliche Familiengeschichte und das macht dieses Buch so spannend. Denn in jeder Familie gibt es diese Kämpfe, um den Platz im Gefüge, gibt es alte, unverheilte Wunden, gibt es unausgesprochene Wahrheiten und in jeder Familie geht es um genug Liebe für alle.Ich finde ein wirklich gelungenes Debut.

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  • Leserunde zu "Altenstein" von Julie von Kessel

    Altenstein
    aba

    aba

    Eine alte Adelsfamilie, ein schweres Erbe, ein Stück deutsche Geschichte Fans von historischen Romanen mit starken und mutigen Figuren aufgepasst! Am 10. März erscheint "Altenstein", die große Saga um eine adlige Familie aus Brandenburg. Von authentischen historischen Ereignissen inspiriert, hat Julie von Kessel einen Familienroman geschrieben, der seine Leser nicht mehr loslässt. Charakterstarke Persönlichkeiten, turbulente Zeiten, Machtkämpfe - wer den Debütroman von Julie von Kessel liest, wird ihn nicht vergessen. Möchtet ihr eine willensstarke Familie kennenlernen? Dann dürft ihr diese Leserunde nicht verpassen! Zum Inhalt Im Winter 1945 sitzt ein Kind in einem überfüllten Personenzug von Königsberg nach Westen. Sehnsüchtig blickt der kleine Konni hinaus in den Schnee - seine Mutter ist nicht mitgekommen. Gräfin Agnes von Kolberg wird ihren zehn Kindern erst später auf das Gut Altenstein in Brandenburg folgen, der Vater fällt im Kampf um Ostpreußen. Doch auch ihren Sommersitz muss die Familie auf der Flucht vor der Front verlassen.Die Geschwister wachsen in ärmlichen Verhältnissen bei Bonn auf. Die traumatischen Ereignisse ihrer frühen Kindheit und der Umgang mit der selbstherrlichen Matriarchin Agnes schweißt sie eng zusammen. Besonders Konni und seine nächstältere Schwester Nona unterstützen sich lebenslang, durch die Höhen und Tiefen ihrer Ehen, Scheidungen, Geldnöte und Beziehungen hindurch.Doch dann kommt die Wende - und Konni wittert seine Chance. Er möchte Gut Altenstein in den Familienbesitz zurückholen. Das Geld dafür muss er sich bei einer seiner Schwestern leihen. Zwischen den Geschwistern entbrennt ein erbitterter Streit um das Gut, der viele Fragen aufwirft: politische, gesellschaftliche, Fragen nach alten Wunden und Loyalitäten, Fragen nach dem eigenen Selbstverständnis.Altenstein handelt vom Zerfall einer adligen Familie und einem exemplarischen Stück deutscher Geschichte. In klarer Sprache und mit großer Unmittelbarkeit erzählt Julie von Kessel von Charakteren, die so ungewöhnlich und lebendig sind, dass man sie lange nicht vergisst. Zur Autorin Julie von Kessel ist Journalistin und arbeitet seit mehr als zehn Jahren beim ZDF. Sie wuchs in Helsinki, Wien, Zagreb, Bonn und Washington D.C. auf und lebt mit ihrer Familie in Berlin. Rechtzeitig vor dem Erscheinungstermin verlosen wir zusammen mit Rowohlt 25 Exemplare von "Altenstein". Möchtet ihr mehr über die Geschwister von Kolberg erfahren? Glaubt ihr, dass es ihnen gelingt, eine friedliche Lösung zu finden? Wenn ihr Lust habt, euch im Rahmen einer Leserunde über diesen Roman auszutauschen und im Anschluss eine Rezension zu schreiben, solltet ihr euch über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bis zum 05.03. bewerben * und auf folgende Frage antworten: Machtkämpfe in der eigenen Familie scheinen oft die verheerendsten zu sein.Was glaubt ihr, könnte der Grund dafür sein? Ich freue mich jetzt schon auf eure Antworten und wünsche euch viel Glück! * Bitte beachtet vor deiner Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.

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    • 568
    Lissy

    Lissy

    18. April 2017 um 21:19
  • Altenstein. Wer wir waren. Wer wir sind.

    Altenstein
    Martinchen

    Martinchen

    14. April 2017 um 15:13

    "1945 ist das Leben in Ostpreußen zu Ende. Agnes von Kolberg hat ihren Mann verloren, zwei Güter, aber nicht ihren pragmatischen Lebensmut. Sie beginnt mit ihren zehn Kindern im Westen neu. In der wenig glamourösen Bundesrepublik finden alle Kinder ihren Platz, nur die beiden jüngsten machen Sorgen: Nona, die Schöne, bricht aus und bietet der selbstherrlichen Mutter die Stirn. Konrad, Agnes' Augapfel, kämpft lange um einen Lebensentwurf. Er sieht in der Wiedervereinigung die Chance, das Land seines Vaters in Brandenburg wiederzubekommen. Mit Gut Altenstein möchte er endlich an die vermeintlich glorreiche Zeit der Familie anknüpfen. Die großen Geschwister sind entsetzt. Nur in Nona findet er eine Verbündete." - soweit der Klappentext. Julie von Kessel ist Journalistin, arbeitet beim ZDF und lebt in Berlin. Das Cover zeigt eine Blüte, in ihre Bestandteile zerlegt. Der Zusammenhang mit dem Roman erschließt sich jedoch in den ersten Kapiteln. Dieses Bild empfinde ich als ungewöhnlich und es hat mich neugierig auf den Roman gemacht. Nicht unerwähnt lassen möchte ich das Lesebändchen, dass die hochwertige Ausstattung unterstreicht. Der Roman, der die Zeitspanne von 1943 bis 2005 umfasst, ist in acht Kapiteln mit mehreren Unterkapiteln gegliedert. Dabei springt die Autorin in den Jahrzehnten, was jedoch immer deutlich gekennzeichnet ist. Eine Übersicht der Familie von Kolberg erleichtert die Zuordnung. Allerdings ist diese Übersicht nicht vollständig, denn es wird von zehn Kindern gesprochen, aufgelistet sind jedoch nur sechs. Hinzu kommt ein bei der Geburt verstorbener Sohn, der für die Mutter Agnes eine große Rolle spielt. Der Roman konzentriert sich im wesentlichen auf drei der Kinder: die beiden jüngsten Nona und Konrad sowie auf die Halbschwester Bobby, eine Tochter aus der ersten Ehe des Vaters, was mehr als genug Stoff für diese Familiengeschichte bietet. Julie von Kessel schreibt einen gut lesbaren, sachlichen und nüchternen Stil, der vom Verlag zurecht als "schnörkellos" beschrieben wird. Allerdings bleiben dadurch die großen Emotionen aus, die Protagonisten bleiben in Distanz zum Leser. Dennoch habe ich das Buch mit großem Vergnügen gelesen. Die Zeitsprünge gefallen mir sehr gut, denn so setzt sich nach und nach ein Puzzle zusammen, weil in jedem Kapitel ein neues Teil des Ganzen zu finden ist. Freilich bleiben am Ende viele Fragen offen. Fazit: ein Familiengeschichte, die ich sehr gern empfehle.

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  • Spannende Familiengeschichte mit kleinen Schwächen, aber einem großartigen Schreibstil

    Altenstein
    jutscha

    jutscha

    10. April 2017 um 19:29

    Agnes von Kolberg ist eine strenge Frau von Adel, die sich nimmt, was sie glaubt, dass es ihr zusteht. Zielgerichtet und mit starkem Willen bringt sie es zu einem Mann, mit dem sie sich schmückt, 2 Gütern in Ostpreußen und 10 Kindern. Der Krieg nimmt ihr Mann und Besitz, aber nicht ihren Lebensmut. Sie zieht mit ihren Kindern in die Nähe von Bonn und beginnt dort ein neues Leben.Der Roman erzählt die Geschichte des Familienbesitzes Altenstein und seinen Bewohnern. Alle Kinder bis auf 2 gehorchen der Mutter und führen ein Leben, wie sie es sich für sie vorgestellt hat. Konrad und Nona, die beiden jüngsten, machen ihr dagegen Sorgen. Konrad ist ihr Augenstern, ihr Wunschkind, das sie vergöttert und verhätschelt. Doch er sucht vergeblich seinen Platz im Leben. In der Wiedervereinigung Deutschlands sieht er die Chance, Altenstein zurück zu bekommen und an das frühere glorreiche Leben der Familie anzuknüpfen. Nona, die schöne, die der Mutter stets die Stirn bietet, unterstützt ihn dabei. Die anderen Geschwister können Konrads Wunsch nicht verstehen. Die Familie zerbricht.Der Roman erzählt die Familiengeschichte in teilweise schonungsloser und schockierender Art und Weise, aber mit einem unglaublich tollen Schreibstil. Das Buch polarisiert, aber ich gehöre zweifellos zu den Lesern, denen die Geschichte wirklich gefällt. Es gibt große Zeitsprünge, aus denen sich der Leser wie in einem Mosaik die einzelnen Steinchen zu einem großen Bild zusammensetzt. Auch werden in den Kapiteln nach und nach die meisten Personen der Familie in den Mittelpunkt gestellt, so dass man die einzelnen Charaktere kennen lernt und versteht, wer welche Rädchen dreht und wer die Familie als solche sieht und wer nicht.Vieles wird schonungslos berichtet, so dass ich teilweise echt schockiert war über die Art der Mutter, mit ihren Kindern umzugehen, und einiges bleibt in der Geschichte ungeklärt. Das finde ich jedoch nicht schlimm. Der Leser bekommt einen guten Eindruck von den meisten Familienmitgliedern, so dass es seiner Phantasie überlassen bleiben kann, wie sich die ungeklärten Dinge entwickeln. IIch war von der Geschichte wirklich gefesselt, auch wenn sie einige wenige Schwächen hat. Der Spannungsbogen hielt sich bis zum Schluss und es wurde mir keinen Moment langweilig. Die einzelnen Charaktere sind wunderbar herausgearbeitet. Lediglich von Altenstein selbst hätte ich gerne etwas mehr erfahren.Ich kann für das Buch eine klare Leseempfehlung aussprechen und bewerte es mit guten 4 von 5 Sternen.

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  • Altenstein -

    Altenstein
    Sporchie

    Sporchie

    10. April 2017 um 19:04

    Der Roman von Julia von Kessel beschreibt das Leben der adligen Familie von Kolberg.Gemeinsam in leider zu vielen Rückblenden erfahren wir von den vielen Stationen auf ihren Weg in die Zukunft.Zum Ende des zweiten Weltkrieges muss Gräfin Agnes ihr Gut in Ostpreußen verlassen.Ihre Kinder hat sie bereits vorausgeschickt nur den Jüngsten, an dem sie besonders hängt vertraut sie in letzter Minuten einem Nachbars-mädchen an.  Auch ihr Besitz in Brandenburg Altenstein erweist sich nicht als ihre neue Heimat.Da ihr Mann im Krieg gefallen ist liegt es nun in ihren Händen für ihr weiteres Geschick und das ihrer 10 Kinder zu sorgen.Sie, die schon früher hart und oftmals unnachgiebig war strebt für ihre Kinder so wie früher hohe Ziele an, die diese überfordern und verdriesslich machen.Besonders Konrad ihr jüngster Sohn leidet sehr darunter und scheitert nicht nur einmal an diesen hohen Erwartungen.Als das Gut Altenstein nach der Wiedervereinigung wieder in den Familienbesitz zurück gelangen könnte sieht er seine letzte Chance gekommen.Er will beweisen das er imstande ist für die Familie zu einem neuen Mittelpunkt zu werden und seine Mutter stolz zu machen.Doch lediglich seine Schwester Nona unterstützt ihn bei seinem Vorhaben.Das Auseinanderbrechen dieser Familie ist zum Ende der Geschichte keine Überraschung.  Vielleicht gelingt es der nächsten Generation dieses Erbe besser zu verwalten ... und Familienbande wieder neu zu knüpfen Julie von Kessel beschreibt ziemlich schnörkellos und geradlinig das Leben dieser Adelsfamilie. Der Kampf der Familie ums Überleben ihre Entbehrung während des Krieges und der Flucht, aber auch Mißbrauch und körperliche Übergriffe werden durch ihren Schreibstil, oder gerade deswegen besonders spürbar.Leider konnte mich auch bis zum Ende des Romans mit den Zeitsprüngen nicht anfreunden.Fazit:Ein durchaus gelungenes Debüt  das bestimmt noch viele Leser erreichen wird Und vielleicht strebt sie es an, die fehlenden Puzzleteile der Geschichte in einem Folgeband nachzuliefern, das wäre schön 

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  • Alte Heimat

    Altenstein
    UlrikeG-K

    UlrikeG-K

    09. April 2017 um 21:38

     Julie von Kessel skizziert in ihrem Roman die Geschichte einer adligen Familie, die ihre Heimat Ostpreußen in den letzten Kriegswochen verlassen muss und über einen weiteren Familienbesitz, Altenstein in Brandenburg, schließlich in den Westen gelangt und im Rheinland ansässig wird.Der Erzählbogen spannt sich vom Jahr 1943 bis 2005, doch geschieht dies nicht chronologisch, sondern findet auf mehreren unterschiedlichen Zeitebenen in ungeordneter Reihenfolge statt.So ungewöhnlich der Aufbau des Romans ist, was den Lesefluss behindert und dem Leser ein gewisses Maß an geistiger Flexibilität abverlangt und durchaus zu manchen Verwirrungen und Unklarheiten führt, so klar und gewählt ist jedoch die Sprache der Autorin, die sich auf hohem Niveau bewegt.Nie verliert sie sich im Dramatischen, nie in dessen Gegenteil. Dadurch wird es dem Leser nicht leicht gemacht, sich den Charakteren des Buches zu nähern. Diese bleiben seltsam blass....Und sie sind überdies von komplizierter, sperriger Natur, allen voran Agnes, das Oberhaupt der Familie von Kolberg, die die Flucht tatkräftig und effizient organisiert wie auch den Neubeginn im Westen. Sie nötigt dem Leser Respekt ab, gewinnt aber kaum seine Zuneigung, da sie von rigoroser Natur ist und trotz aller Bemühungen für ihre Kinder sich selbst immer am nächsten ist.Die Kinder selbst sind natürlich durch diese dominante Mutter und all die Erlebnisse auf der Flucht geprägt und ihr Leben als Erwachsene nimmt Verläufe, die von Zerrissenheit sprechen.Julie von Kessel konzentriert sich hauptsächlich auf die beiden jüngsten Sprösslinge der Kolbergs, längst nicht auf alle, was auch in Ordnung ist, denn deren Lebensläufe bewegen sich in weniger dramatischen Bahnen...Viel Schweres und Trauriges kommt zur Sprache, das manchmal beinahe unerträglich wird.So geschieht es, dass Konrad, das jüngste Kind der Familie, der eigentlich nie richtig ins Leben gefunden hat, der Vieles ausprobiert, aber im Grunde untüchtig ist, beschließt, nach der Wende den Besitz in Brandenburg, Altenstein, zurückzuerhalten.Dabei schätzt er nicht nur die Gesetzeslage zur Rückgabe konfiszierter Ländereien und Besitze falsch ein, sondern auch die Bereitschaft seiner Geschwister, seine Bemühungen mitzutragen oder zu unterstützen...Und so kommt es, wie es kommen muss - und der Leser muss mitansehen, wie eine Familie, die so viel Schweres miteinander durchgestanden hat, langsam auseinanderfällt....Nein, ein leichtes Buch ist "Altenstein" gewiss nicht! Und auch keines, das man nach dem Lesen befriedigt beiseite legt. Der Roman beunruhigt und macht betroffen - ob man ihn mag oder nicht.Er wird den Leser weiterbeschäftigen.Und, so frage ich mich, ist das nicht genau der Effekt, den ein Buch von Qualität beim Leser hinterlassen sollte?

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  • Familiengeschichte prägt

    Altenstein
    Schnuck59

    Schnuck59

    07. April 2017 um 17:02

    Julie von Kessel erzählt uns in ihrem Roman „Altenstein“ über die Verbundenheit, aber auch über die Konflikte in einer alten Adelsfamilie. Julia von Kessel ist Journalistin und arbeitet beim ZDF. 1945 hat Agnes von Kolberg ihren Mann verloren und muss mit ihren 10 Kindern aus Brandenburg fliehen. Nach der Wende wollen diese sich das alte Gut Altenstein zurückholen. Schon bei der Inhaltsangabe kann man erkennen, dass es unterschiedliche, nicht chronologische Zeitsprünge zwischen 1943 und 2005 gibt. Das Personenregister der großen Familie von Kolberg steht direkt am Anfang und erweist sich später als sehr hilfreich. Nach und nach fügen sich die sehr vielen Puzzleteile nur schwer zusammen. Im Laufe der einzelnen Kapitel gibt es unterschiedliche Zeitsprünge, verschiedene Themenschwerpunkte und Wechsel in der Erzählperspektive. Der ansonsten flüssige Schreibstil schafft es bei mir allerdings nicht, dass sich mir die Zusammenhänge gut erschließen und sich ein roter Faden entwickelt. Die einzelnen Charaktere sind gut ausgearbeitet und man erkennt eine Art Familiengefüge, das nicht immer alle zusammenhält. Durch das Bemühen das alte Gut zurückzubekommen brechen alte Konflikte wieder auf. Alte Regeln und Konventionen werden auch mit einem Stück deutscher Geschichte im Hintergrund zu einem schwierigen Erbe. Ich empfinde diesen Roman als eine zerstückelte Geschichte, die man nicht mehr richtig zusammensetzen kann und sich dadurch kein Gesamtbild erschließt. Den Kern der Aussage auf dem Cover „Wer wir waren. Wer wir sind.“ kann ich insgesamt allerdings nachvollziehen. 

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  • Mehr Mosaik als Panorama

    Altenstein
    Corsicana

    Corsicana

    07. April 2017 um 14:44

    Adel verpflichtet - so könnte man wohl ein Resüme des Buches bezeichnen.Die adelige Familie von Kolberg hat zwei Güter. Eins in Ostpreußen (Mohrungen), das nach dem 2 Weltkrieg unwiderruflich verloren ist. Eins in Brandenburg (Altenstein), das von der DDR enteignet wird.Nach der Deutschen Wiedervereinigung gibt es Überlegungen in der Familie, das Gut in Brandenburg wieder in Familienbesitz zu bringen. Aber in dieser Hinsicht ist sich die Familie alles andere als einig. Zu viel ist inzwischen passiert.Da ist zunächst die Flucht aus Ostpreußen, die das weibliche Oberhaupt der Familie, Agnes von Kolberg, erst in letzter Minute antritt. Die älteren Kinder hat sie schon vorher nach Altenstein geschickt, ihr jüngstes Kind, den erst 1943 geborenen Konrad, hat sie erst kürzlich alleine mit einem Kindermädchen auf Reisen geschickt. Diese Reise entwickelt sich zu einem Alptraum, was aber nicht ausführlich beschrieben wird. Sondern der Schwerpunkt des Romans liegt auf den Geschehnissen nach dem Krieg, nicht auf der Flucht. Aus Altenstein muss die Familie weiter flüchten zu Verwandten und nach dem Krieg wird die Familie in der Nähe von Bonn sesshaft. Agnes von Kolberg ist inzwischen Kriegerwitwe und die mageren Einkünfte werden durch Verkauf von Früchten aus dem eigenen Garten aufgestockt.Aber egal, wie ärmlich die Verhältnisse auch sind: Agnes von Kolberg hält an den strikten Regeln des Adels fest. Die Erziehung ist hart und unnachgiebig. Und Abitur muss sein. Und geheiratet wird möglichst im Stand - oder zumindest jemanden mit Vermögen.Man hält stand und man hält aus. Auch Agnes von Kolberg hat einiges ausgehalten in ihrem Leben. Und sie hat sich zielstrebig einiges erkämpft im Leben. Und sie erwartet viel von ihren Kindern. Denn sie ist die Blüte. Und ihre Kinder sind die Blütenblätter (was im Titelbild übrigens sehr schön illustriert wird).Nur die jüngsten Kinder widersetzen sich dem Erziehungsstil der Mutter: Nona flüchtet aus einer unglücklichen Ehe mit einem adeligen Diplomaten und lebt danach recht unkonventionell als allein-erziehende Mutter und Studentin, heiratet danach wieder einen Diplomaten. Konrad, der jüngste Sohn, scheitert auf ganzer Linie in seiner Schullaufbahn und schwankt auch später im Leben immer zwischen Erfolgen und Misserfolgen als Immobilienmakler oder Autoverkäufer. Wenig adelige Berufe. Die Geschwister dagegen bleiben im vertrauten, standesgemäßen Umfeld als Mitarbeiter in der UN oder eben als Ehefrau eines reichen Mannes.Wird die Enkelgeneration es schaffen, sich aus den starren Anforderungen zu befreien?Julie von Kessel stammt selbst aus einer adeligen Familien (ihre Schwester ist die Schauspielerin Sophie von Kessel) und wuchs als Diplomatentochter auf. Sie hat einen (für ein Debüt) sprachlich sehr ausgereiften Familienroman geschrieben.Allerdings gefiel mir persönlich die Konstruktion nicht. Der Roman besteht aus recht kurzen Abschnitten - und mit jedem Abschnitt wird in der Zeit gesprungen und zwischen den Personen. Das macht das Lesen anstrengend und verhindert leider, dass der Leser den Protagonisten näher kommen kann.  Nach einem Drittel des Romans hatte ich mich zwar etwas daran gewöhnt, den Personen näher gekommen bin ich aber nicht . Die Sprünge wirkten auf mich zu wahllos. Normalerweise lese ich gerne Romane, die auf mehreren Ebene spielen, normalerweise macht es die Lektüre spannender. Hier ist es aber so konzipiert, dass ich es einfach nur anstrengend fand. Und mir insgesamt kein Gesamtbild vermittelt wurde.Daher leider: Schöne Familiengeschichte, guter Schreibstil  - aber leider mehr Mosaik als Panorama.

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  • Die Höhen und Tiefen einer Familie

    Altenstein
    Lissy

    Lissy

    03. April 2017 um 13:33

    Die Familie von Kolberg lebte auf dem Gut Altenstein. In den 1940er Jahren verlieren sie zuerst ihren Hauptsitz Mohrungen und müssen später auch Altenstein verlassen. Diese Flucht und Erinnerungen an die Kindheit in der alten Heimat prägen oftmals das Leben der betroffenen Menschen, auch wenn die Flucht in ganz jungen Kindheitsjahren stattgefunden hat. Von diesem Buch habe ich also erwartet, dass anhand der Familie Zeitgeschichte erzählt wird, dass Hintergründe der Flucht geschildert werden und dass ich ganz nebenbei mehr darüber erfahre, wie das damals so aus Sicht der Betroffenen war. Julie von Kessel hat eine tolle Art zu schreiben und es hat mir Spaß gemacht, die präzise gezeichneten Charaktere zu erlesen. Leider hat mir der Aufbau des Buches nicht gefallen die Zeitsprünge waren mir persönlich zu groß und die entsprechenden Kapitel zu kurz. Außerdem hätte ich mir einen größeren Anteil an historischen Kapiteln und weniger Gegenwart gewünscht. Auch sind viele Fragen offen geblieben, deren Antworten mich wirklich interessiert hätten. Leider ist der Bereich der Rückerlangung von Besitz, der durch die Vertreibung verloren wurde, nur kurz angerissen worden. Auch dazu wären mehr zeitgeschichtliche Informationen nach meinem Geschmack gewesen. Vermutlich lege ich bei Julie von Kessel eine höhere Messlatte an, als ich es bei anderen Autoren tun würde. Da sie aber als Journalistin tätig ist, habe ich mir ein Buch erhofft, das neben Unterhaltung auch Hintergründe liefert. Das Frau von Kessel das Zeug dazu hat, beweist sie mit Altenstein. Altenstein ist ein lesenswerter Roman, Julie von Kessel legt damit ein ordentliches Debüt vor. Für  mich waren der Aufbau und die Auswahl der Bereiche, die erzählt worden sind, nicht optimal gewählt. Trotzdem warte ich auf eine Fortsetzung des Buchs, das die offenen Fragen beantwortet werden. 

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