Julya Rabinowich Die Erdfresserin

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Inhaltsangabe zu „Die Erdfresserin“ von Julya Rabinowich

Diana ist eine von vielen Frauen, die ihr Zuhause in Osteuropa verlassen, um anstelle eines männlichen Ernährers für die Familie zu sorgen. Ihr Vater ist längst verschwunden, zurück bleiben ihr behinderter Sohn, die strenge Mutter und die verbitterte Schwester. Ihren ursprünglichen Traumberuf Regisseurin gibt sie bald auf und wird Teil jener illegalen Ausländer, die im „goldenen Westen“ an Raststätten und in Rotlichtvierteln gefangen sind. Erst als sie in Wien Leo trifft, einen abergläubischen und schwerkranken Polizisten, der sie vor der Abschiebung aus Österreich rettet, scheint es, als könnte Diana ihr Schicksal nun endlich selbst in die Hand nehmen.

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  • Rezension zu "Die Erdfresserin" von Julya Rabinowich

    Die Erdfresserin

    WinfriedStanzick

    17. January 2013 um 10:12

    Julya Rabinowich, 1970 in St. Petersburg geboren und 1977 mit ihrer Familie nach Wien geflüchtet, wurde dort schon mit ihrem Debüt „Spaltkopf“ von der Kritik gefeiert und mit Preisen überhäuft. Auch ihr zweites Buch „Herznovelle“, einer immer wieder von Traumsequenzen und lyrischen Passagen unterbrochenen Erzählung, die nicht anderes tut, als in dramatischen Worten die große Sehnsucht zu formulieren nach einem glücklichen und sinnvollen Leben vor dem Tod, wurde sehr gelobt, auch wenn es etliche eher abfällige Kritiken gab, die die Novelle mit einem literarisch etwas höherwertigen Arztroman verglichen haben. Diesen Kritikern antwortet sie an einer Stelle in ihrem neuen hier vorliegenden Roman „Die Erdfresserin“, der die Geschichte einer jungen, sehr gebildeten Frau aus der ehemaligen Sowjetunion erzählt, die ihre Heimat verlässt, um im Westen in Österreich als Sexarbeiterin Geld für ihre Familien zu Hause zu verdienen und sich selbst solange ausbeutet, bis sie zusammenbricht. „Ich will nicht schon wieder als Spiegel herhalten müssen“, lässt sie ihre Ich-Erzählerin Diana sagen. „Das ist etwas, das den Einheimischen scheinbar sehr wichtig ist - diese vielen, drängenden Fremden erst gehörig abzuwerten, sich dann aber von einer seltsamen, fast masochistischen Regung mit Lust von ihnen beobachten und erklären zu lassen, sich in dem Blick des zuvor Erniedrigten zu sonnen und sich vermutlich besser und heiler zu fühlen, als sichere, bequeme Bewohner eines sicheren, bequemen Landes, das mit Neid belagert wird, um es irgendwann doch noch zu besetzen. Das bedeutet, dass auch dieser illustrative Blick nur kurz geduldet wird, bevor er aus besagten Sicherheitsgründen wieder abgewehrt werden muss und die Entwertung weitergehen kann.“ Mit einer reichen und poetischen Sprache lässt Julya Rabinowich ihre Hauptfigur ihre Geschichte erzählen, hin- und hergerissen zwischen ihren Träumen (sie würde gerne ihrem Studium entsprechend als Regisseurin arbeiten, liebt Shakespeare und hat immer eine Ausgabe von Dostojewskis „Idiot“ bei sich) und der nackten Notwendigkeit für ihren behinderten Sohn zu Hause und den Rest der Familie Geld beizuschaffen für Medikamente und Nahrung, beutet sie sich selbst aus und lässt sich ausbeuten bis zum tragischen Zusammenbruch, den die Autorin eindringlich beschreibt. Auch ein Ausweg, der sich zwischenzeitlich auftut, als sie in Wien den abergläubischen und schwerkranken Polizisten Leo trifft, zeigt sich als Sackgasse. Julya Rabinowich hat in ihren verschiedenen beruflichen Tätigkeiten, bevor sie zu schreiben begann, viele solcher Dianas getroffen. Und obwohl sie sich selbst nie als ein Flüchtling gefühlt hat in Österreich, ist ihre Identifikation und Solidarität mit Menschen wie Diana hoch. So einen Schluss kann so dicht und überzeugend nur schreiben, wer selbst fürchtet, die Bürde der Fremden im eigenen Land irgendwann nicht mehr tragen zu können (vgl. das Zitat oben.) Ein poetischer und gleichwohl politischer Roman, der seinen Leser vermittelt, wie sich die „Festung Europa“ von außen anfühlt.

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  • Rezension zu "Die Erdfresserin" von Julya Rabinowich

    Die Erdfresserin

    Wolkenatlas

    12. September 2012 um 11:13

    Porträt einer eigenartigen Frau Mit einem anfangs sonderbaren Prolog, dessen Logik sich am Ende herausstellt, beginnt dieser Roman über eine Frau aus dem Osten, die im Westen ihren Weg sucht. Die angehende Theaterregisseurin und Mutter eines offensichtlich behinderten Kindes Diana hat zumindest einen illegalen Sprung nach Europa geschafft. Im Rotlichtmilieu arbeitend, lässt sie sich eines Abends zu einem tätlichen Angriff auf einen Kunden hinreißen und wird von der Polizei vernommen. Dianas Glück ist, dass der sie verhörende Polizist abergläubisch ist und, auch wenn er schon zehn Minuten spät dran ist, meint, eine gute Tat vollbringen zu müssen. Er lässt Diana laufen und lädt sie sogar auf ein Mittagessen ein. Aus dieser Begegnung heraus spinnt die Protagonistin eine Beziehung, teilweise zusammen mit ihrer Freundin, die sich als Wahrsagerin ausgibt und Leo gute Tipps gibt, wie er mit seinem Geld über Diana gutes Karma erlangen kann. So zieht Diana beim inzwischen offensichtlich frühpensionierten und kranken, bald auch ans Bett gefesselten Leo ein und teilt auf besonders eigenartige und abartige Weise sein Quartier mit ihm. Das geht so weit gut, bis Leo ins Krankenhaus eingeliefert wird und die Verwandten und Bekannten Leos dem Treiben von Diana ein Ende bereiten. Das alles erfährt man in einer Art Interview, wobei die Fragen und Antworten nur ganz kurz gehalten sind, von denen die Protagonistin dann in ihre Gedanken abschweift. Dabei erfährt man auch von ihrer desaströsen Beziehung zu ihrer Mutter, zu ihrer Schwester und ihrem behinderten Sohn, der, in der Ukraine bei der Mutter abgestellt, nur eine Belastung für Diana darstellt. Als Gegenleistung für die Beaufsichtigung des Sohnes rackert Diana im Westen illegal und schickt Mutter und Schwester in regelmäßigen Abständen die zum Leben notwendige Unterstützung ins Dorf. Als der sicheren Bleibe bei Leo ein Ende gemacht wird, dreht Diana durch und wird offensichtlich in eine Nervenklinik eingeliefert, wodurch das Interviewsystem von vorher sinngemäß als Gespräch zwischen dem leitenden Arzt und seiner Patientin zu verstehen ist. In der Klinik bemerkt Diana die katastrophale Lage, in der sie sich befindet, in der sie nur dann ein Dach über dem Kopf hat, wenn sie krank in der Klinik ist. Sobald sie gesund ist und entlassen wird, wird sie abgeschoben. Sie reißt aus und schlägt sich bis Italien durch, wo sich der Kreis zum Anfang schließt. Eine starke Idee, die Julya Rabinowich hier in eine literarische Form zu bringen versucht. Ebenso wie die Entwicklung der Idee, ist auch der formale Aufbau ausgezeichnet geglückt. Die Prosa der Autorin ist möglicherweise teilweise etwas zu gestelzt und abgehoben, passt allerdings gut zu den immer stärker in den Wahn abgleitenden Erinnerungen und Gedanken der Protagonistin. Leider gibt es immer wieder Stellen, an denen sich Rabinowich in Kleinkram verzettelt und in Befindlichkeitsprosa verkommt, statt einfach mehr Freiraum für die Erzählung per se zu erlauben. Dadurch ist das Weiterkommen in diesem eigentlich sehr brisanten und potenziell sehr spannenden Roman ab ungefähr der Mitte des Textes teilweise doch recht anstrengend. Alles in allem aber könnte das, im Zweifel für die Autorin, als völlige Hingabe in die Gedankenwelt der Protagonistin verstanden werden und somit auch als voller Erfolg verbucht werden. Warum soll man als Leser beim Lesen nicht ähnliche, wenn auch ganz andere Mühen als die Protagonistin erfahren. Beim Versuch, die moralische und ethische Motivation hinter diesem Roman zu verstehen, scheitert der Rezensent jedoch leider. Diana ist eine gefühlskalte, berechnende und unsympathische Frau, die keine ethischen und moralischen Grenzen zu kennen scheint. Erklärt wird dieses Verhalten hauptsächlich durch die unterkühlte Beziehung zu ihrer Mutter und das ungeklärte Verschwinden ihres Vaters während ihrer Kindheit, durch die krankhafte Beziehung zur Schwester und das Sowjetregime, durch die Armut in ihrem Herkunftsland und durch die mangelhaften und unmenschlichen Einwanderungs- und Asylverfahren in unserem Land. Die widerliche Art und Weise, mit der sie Leo ausnimmt und auf egozentrische Art und Weise, "überleben ist alles", behandelt; egal wie einfältig, dumm, krankhaft und primitiv er auch sein mag, und ihn damit immer rascher in seinen Abgrund treibt, nimmt dem Leser, zumindest diesem Rezensenten, jegliche Empathie für die Protagonistin. Als Beispiel sei nur eine Szene genannt, in der Leo Diana Eis holen schickt und Diana Leos Mobiltelefon versteckt und das Festnetztelefon aussteckt, während Leo, unfähig, sich zu bewegen, im Bett liegt. Durch dieses Verhalten der Protagonistin geht leider das Interesse am Verlauf von Dianas wirklich tragischem Leidensweg, symbolisch für den vieler Frauen aus dem ehemaligen Osten, die im Westen ihr Glück auf legale und illegale Art versuchen, komplett verloren, und der Roman führt sich selbst ad absurdum. Krankhafte, bösartige und faule Protagonisten sind ja noch kein Grund zur Sorge, ja schon gar nicht für Kritik, man siehe, um ein Beispiel in der österreichischen Literatur der letzten Jahre zu nennen, Lydia Mischkulnigs grandios bösartigen Roman "Schwestern der Angst", (siehe Buchtipp am Seitenende), solange man des Autors Interesse an seinen, wenn auch noch so fehlerhaften Leidenden spürt. Moral und Ethik ist auch nicht unbedingt ein Kriterium für einen guten Roman. In "Die Erdfresserin" spürt man jedoch, wie der ohnehin am Boden liegende Leo nicht ernst genommen wird, seine Figur ist zu sehr auf seine negativen Seiten konzentriert, zu sehr wird er als Symbol für das Schlechte, Verachtenswerte zur Schau gestellt. Dadurch ist das Verhalten der Protagonistin nicht automatisch sakrosankt, im Gegenteil. Möglicherweise hat die Autorin auch kein Interesse an der Empathie ihrer Leser für Diana. In diesem Fall geht das Konzept perfekt auf. Die stärksten Momente hat das Buch im dritten Teil, in der Flucht, der wahnhaften Flucht aus allem, was davor gewesen ist, wenn endlich die Grenzen zwischen Realität und Wahn soweit verschwimmen, dass das Grausame, das Schlechte aus dem Blickfeld verschwindet. Da gibt es plötzlich so etwas wie Hoffnung, vielleicht auch auf einen Ausweg, wenn er auch nur aus dem eigenen Verschwinden besteht. (Roland Freisitzer; 07/2012) (erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at)

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