Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao

von Junot Díaz 
4,0 Sterne bei80 Bewertungen
Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao
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Brutal, rasant, romantisch - die Chronik einer zerbrochenen dominikanischen Familie und ihres letzten Nachkommen. Lesenswert!

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Sehr authentische, lebensnah erzählte Geschichte mit skurrilen Charakteren, die mich aber leider nicht ganz überzeugen konnte.

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Inhaltsangabe zu "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao"

Eine Familie zwischen den Welten und zwischen den Zeiten: Junot Díaz erzählt von dem liebenswürdigen Nerd Oscar und seiner toughen Schwester Lola. Beide sind in New Jersey groß geworden, aber ihre Wurzeln liegen in der Karibik. Und dorthin verschlägt es sie immer wieder, wenn das Leben das mühsam zusammengekratzte Glück gerade wieder einmal wegwischt. Hier finden sie im Haus der Großtante Zuflucht – genau wie ihre Mutter vor vielen Jahren, deren düstere Vergangenheit auf ihnen lastet wie ein Fluch. Bis Oscar sich eines Tages aufmacht, den Fluch zu bannen. 'Eine brillant erzählte Sehnsuchtsgeschichte.' Simone von Büren, NZZ

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596188628
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.11.2010
Das aktuelle Hörbuch ist am 11.03.2009 bei Argon erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Ginevras avatar
    Ginevravor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Brutal, rasant, romantisch - die Chronik einer zerbrochenen dominikanischen Familie und ihres letzten Nachkommen. Lesenswert!
    Brutalität und Romantik im karibischen Paradies

    Auf dieses Buch mit dem ungewöhnlichen Titel war ich schon lange gespannt, denn schließlich erhielt es 2008 den Pulitzer-Preis und wird auf dem Umschlag angekündigt als: "Gabriel García Márquez auf Speed" - brilliant erzählt, erschütternd traurig, usw. usf. ... 

    Zu Beginn dieser rasanten, tragischen und bissigen Familienchronik lernen wir unseren Helden Oscar kennen, einen echten Nerd auf einer US-amerikanischen High School. Sein Zimmerkollege Yuniór ist total genervt von seinen ständigen Zitaten aus seinen Superhelden-Comics. Oscar schreibt seitenweise Science Fiction und möchte der dominikanische Tolkien werden. Doch zuvor muss er noch eins: seine Unschuld verlieren.

    Doch Oscar steht unter einem seltsamen Fluch, dem "fukú", der ihn und seine Ahnen seit Jahrzehnten zu verfolgen scheint. Oder wie sollte man sonst die unbändige Wut seiner Mama Béli, verschwundene Männer und Rückkehrer mit brutalen Verletzungen erklären? Etwa mit der Willkür des Diktators Trujillo, der die Dominikanische Republik von 1930 - 1961 beherrschte? 

    Durch Oscars Familie zieht "El Jefe" Trujillo eine blutige Schneise, denn die Offiziere und der Diktator selbst nehmen sich alles, was sie wollen, besonders junge Frauen. Sie zerstören ihre Seelen und damit auch die nachfolgenden Generationen. Doch darüber offen zu sprechen kann auch heute immer noch gefährlich sein. Das muss unser Held am eigenen, unschuldigen Leib erfahren...

    Fazit: eine außergewöhnlich erzählte Familienchronik, fesselnd, politisch engagiert, erschütternd und berührend. Mich haben die Ankündigungen jedenfalls nicht enttäuscht, deshalb: 5 von 5 Sternen!

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    Charleas avatar
    Charleavor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein verwirrendes Buch - selten habe ich so lange gebraucht, um zu einer Bewertung zu kommen.....
    Ein wahrer furchtbarer Geniestreich

    Achtung - Spoileranteil


    Umschlaggestaltung / Cover/ Klappentext

    Das Cover gefällt mir wirklich gut, es ist außergewöhnlich und ich weiß noch, dass das Buch unter anderem wegen des Covers, das mich ein wenig an einen Werbeslogan aus den 60ern für Waschmittel erinnert hat.


    Inhalt

    Oscar und Lola – zwei Geschwister wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Oscar, der den Begriff eines Nerds hätte erfinden können und die selbstbewusste Lola wachsen in New Jersey auf, jedoch haben die karibischen Wurzeln immer wieder Bedeutung in ihrem Leben. Das Haus der Großtante in der Karibik wird daher nicht nur Fluchtpunkt, sondern auch auch zum eigentlichen Fluch, der die Familie scheinbar verfolgt. Oscar hat das Bedürfnis, diesem Fluch zu entgehen und wagt den großen Schritt. Doch er ist kein Held, ist kein mutiger Mann und ein Nerd als Held scheint wohl auch dem Autor seltsam – so erschafft er einen nicht zu fassenden Anti-Helden.


    Wertung
    Es ist wahrscheinlich eins der seltsamsten Bücher gewesen, dass ich in den letzten Jahren gelesen habe - so seltsam, dass ich beim Lesen stets in einem inneren Konflikt war: Wahnsinn oder Genie? Mag ich das Buch? Stößt es mich ab?

    Da Wahnsinn und Genie bekanntlich mit einander verwandt sind, habe ich mich dann letztendlich für beides entschieden.


    Zunächst empfand ich die teilweise vulgäre Sprache des Autors abschreckend - aber das sollte sie auch sein. Was mich darüber hinaus auch vor allem Anfang regelrecht am Lesen gehindert und deshalb genervt hat waren zum einen die vielen spanischen Ausdrücke, mit denen ich nur schwer etwas anfangen konnte und daher fleissig im Glossar am Ende des Buches am Blättern war, zum anderen der ebenso umfangreiche Fußnotenapparat, der manchmal mehr Text einnahm wie der Fließtext. Ich fühlte mich an Hausarbeiten für die Uni erinnert und wenn mich das nicht allein schon abgeschreckt hätte - der Roman verlor partiell seine Berechtigung, als Roman bezeichnet zu werden. Aber auch das erweist sich für mich im Nachhinein als absoluter Clou, der sowohl aus dem plot, der Schreibe aber vor aller auch aus dem Autor eine übergeordnete Zuordnung möglich macht - gerade WEIL eine genaue Zuordnung in ein bestimmtes genre z.B. schwer fällt, gewinnt dieses Buch an Charakter für mich. Es ist keine Geschichte, die man schnell verdaut - aber auch eine, die man sehr lange mit sich herumträgt wie ein Taschenbuch, dass nach dem x-ten Lesen keineswegs hässlicher wird, sondern an Charme gewinnt, wird auch diese Erzählung, ihre Charaktere (und damit meine ich nicht nur den im Titel des Buches festgehaltenen Oscar) und auch der Autor mir noch sehr lange im Gedächtnis haften bleiben. Es ist keine leichte Kost und wir haben hier keine Geschichte, die man mal eben in der Straßenbahn lesen kann, während man gleichzeitig nach dem Portemonaie für den Fahrkartenkontrolleur kramt, den heißen Kaffee in der anderen Hand verzweifelt balanciert und einer Kollegen vom letzten Meeting erzählt. Im Nachhinein habe ich gelesen, dass der Autor 11 Jahre (hoffe, ich täusche mich hier nicht) für dieses Werk gebraucht hat - irgendwie habe ich das Gefühl, dass es genau die gleiche Zeit braucht, bis das Buch bei mir vollends angekommen ist.


    Ein wahres Meisterwerk.

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    Zwischen-den-Zeilens avatar
    Zwischen-den-Zeilenvor 6 Jahren
    Rezension zu "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" von Junot Díaz

    Junot Diaz erzählt in Das kurze wundersame Leben des Ocar Wao die Generationen übergreifende Geschichte einer Familie, die aus der dominikanischen Republik in die USA auswandert ist. Eine Geschichte vom Anderssein, von Außenseitern und von der Suche einer farbigen Einwandererfamilie nach einem Platz im weißen Amerika.

    Die Handlung setzt sich aus mehreren Episoden zusammen, die die Familienmitglieder nacheinander zu Wort kommen lassen. So setzt sich Stück für Stück aus den Lebensgeschichten der verschiedenen Generationen ein komplexes und facettenreiches Bild dieser dominikanischen Familie zusammen.

    Hauptcharakter ist der junge Oscar, ein Nerd und Außenseiter, der überzeugt ist, seine Familie sei von einem "Fuku", einem karibischen Fluch belegt, der ihnen immer wieder Unglück bringt - also setzt er sich zum Ziel, diesen Fluch zu brechen. Die Geschichte von Oscars und Lolas Mutter Beli entführt uns in die Dominikanische Republik der 1930er bis 1960er Jahre, einem Land gebeutelt vom gnadenlosen Diktator Trujillo, dessen Schatten bis in die Gegenwart des Romans reichen. Außerdem erfahren wir hier, weshalb die Familie aud der Heimat fliehen musste.

    Jeder der Charaktere im Buch ist auf seine Art etwas ganz besonderes, doch insbesondere Oscar hat mich als Held überzeugt, denn er hat Ecken und Kanten, Schwächen und Sehnsüchte, was ihn absolut menschlich und daher liebenswert gemacht hat, und seine Gedankenwelt spiegelt sehr gut die Zweifel eines Jugendlichen wider, der nicht genau weiß, was er mit sich und seinem Leben anfangen soll.

    Trotz der Rückblicke auf das Leben von Oscars Vorfahren in der Karibik bleibt der Oscar der Gegenwart im Fokus der Handlung - sein Streben, seine Wünsche und Träume sind es, die die Geschichte atemlos vorantreiben und schliesslich auch den Höhepunkt einläuten.

    Junot Díaz' Roman strotzt von unglaublicher Sprachgewalt, Humor, Ironie und einer Menge karibischem Temperament. Die Sprache, durchsetzt von spanischen Einwürfen - keine Sorge, es gibt ein Glossar - wirkt absolut authentisch und spiegelt die Lebensverhältnisse der dominikanischen Einwanderer in den USA glaubhaft wider. Der Schreibstil war sehr angenehm und gleichzeitig spannend. Man ist gebannt von der Handlung und will unbedingt wissen, wie es ausgeht. Es hat großen Spaß gemacht, diesen tiefsinnigen und vielschichtigen Roman zu lesen, zu verfolgen, wie sich die Erzählstränge zusammenfinden und Geheimnisse gelüftet werden.

    Ich freue mich schon sehr auf weitere Bücher von diesem talentierten Autor!

    Fazit: Ein interessantes, spannendes und nachdenklich machendes Buch über das Leben einer karibischen Familie zwischen zwei Ländern und das Finden des eigenen Platzes im Leben.

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    ralluss avatar
    rallusvor 6 Jahren
    Rezension zu "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" von Junot Díaz

    Was habe ich gekämpft.
    Das Buch nach der Hälfte weggelegt und wieder eingetaucht.
    Und am Schluss, ja am Schluss kam dann doch dieses Gefühl was Außergewöhnliches gelesen zu haben.
    Was sage ich am Schluß: "Am Ende? Nichts endet, Adrian. Niemals"
    Das Zitat ist aus Watchmen und Junot Diaz zitiert verdammt viel aus den neuen Medien, meist aus Tolkiens Herr der Ringe, aber auch aus vielen Comics und Songtexten.
    Erzählt wird die Geschichte der Familie de Leon in einzelnen Kapiteln und verschiedenen Zeiten, Personen.
    Doch die Hauptperson ist Oscar, der einsame, dicke Nerd, der im Unterschied zu seinen Dominikanischen Mitbürgern einfach kein Glück bei Frauen und beim Sex hat.
    Er ist in der hitzigen Dominkanischen Republik noch Jungfrau. Das soll man sich mal vorstellen!!!
    Er redet von Science Fiction, Comics und seinem Lieblingsbuch "Der Herr der Ringe"
    Wer soll das bitteschön kapieren?
    Erzählt wird aber auch die Geschichte der Dominikanischen Republik, die Greueltaten des Rafael Trujillo und wie unsere Familienfiguren darunter leiden und mit ihm in Kontakt kommen.
    Doch gerade die Frauenfiguren sind Kämpfernaturen und überleben mit ihrem zähem Willen.
    Junot Diaz übertreibt es aber meiner Meinung, manchmal zu gewollt und angestrengt sind seine Vergleiche, seine direkte Sprache seine etwas ermüdende Wiederholungen.
    Angestrengt hat auch das ewige Umblättern zu den spanischen Begriffen, die ich leider in der Form noch nicht kannte, dafür gab es ein umfangreiches Glossar.
    Doch überwogen hat bei mir das Gefühl am Schluss wieder am Anfang zu sein und das Gefühl gehabt zu haben das die Geschichte des Oscar Wao vollendet war.
    Ach was sage ich am Schluss. Nichts endet und so gehen die Geschichten immer weiter.
    Und ich nehme die Gesamtausgabe von Watchmen und beginne am Anfang!

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    Ritjas avatar
    Ritjavor 7 Jahren
    Rezension zu "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" von Junot Díaz

    "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" war von spannend bis interessant und durcheinander alles. Junot Díaz`s Geschichte hat ein hohes Tempo und manchmal hat man als Leser das Gefühl, das man hinunter fällt bzw. etwas überliest (in der Eile). Denn Díaz rennt durch die Jahre und phasenweise springt er zwischen den Jahren und den Ländern hin und her, so dass man fast schon Probleme hat, ihm zu folgen.

    Die Geschichte an sich ist interessant und auch gut zu lesen. Oscar, die Hauptfigur, hat kein so leichtes Leben. Er ist fett und ein Nerd. Er interessiert sich für die anderen Wesen, spielt ewig Computerspiele und versteckt sich hinter seinen Fantasyfiguren. Mädchen anzusprechen, schafft er meistens nicht ohne Blamage und er ist der Einzige in der Klasse (wenn nicht sogar von der Schule), der noch geküsst wurde - vom Sex ganz zu schweigen. Seine Mutter ist etwas verrückt und kümmert sich kaum um ihn, seine Schwester Lola liebt ihn sehr, kann ihm aber kaum helfen. Und dann ist da noch der Fluch der Vergangenheit, der die Familie gefangen hält. Denn eigentlich stammt Oscar aus der Karibik und nicht aus New Jersey. Doch der Fluch folgt jeden überallhin...und so muss Oscar um jedes noch so kleine Stückchen Glück kämpfen, um es am Ende doch wieder zu verlieren. Siegt immer der Fluch der Vergangenheit oder kann irgendwann Oscar diesen Fluch besiegen? Das kurze wundersame Leben....

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    Jaris avatar
    Jarivor 8 Jahren
    Rezension zu "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" von Junot Díaz

    Inhalt:

    Fukú, so nennen es die Alten. Die Jungen glauben heutzutage nicht mehr daran, aber auch sie werden davon heimgesucht. Früher oder später findet es sie. Fukú, der Fluch einer ganzen Generation und der Generation danach.

    Oscar hat es nicht leicht. Er ist übergewichtig, verliebt sich viel zu schnell viel zu fest und ausserdem ist er ein ausgemachter Nerd mit allem Drum und Dran. Natürlich kriegt er nie ein Mädchen ab, aber aufgeben tut Oscar trotzdem nicht.
    So kämpft er sich mit seinen Pfunden durch sein Leben und steckt eine Enttäuschung nach der anderen ein. Kann es sein, dass er der einzige Dominikaner ist, der als Jungfrau sterben wird? Doch was heisst es überhaupt, ein Dominikaner zu sein, der in New Jersey lebt? Und irgendwann wird auch der gutmütige Oscar vom Fukú eingeholt. Bis er eines Tages jemanden findet, für den es sich zu kämpfen lohnt...

    Meine Meinung:

    "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" von Junot Díaz hat mich von der ersten Seite an gefangen genommen und nicht mehr losgelassen. Es hat mir den Atem geraubt, mich zum Lachen gebracht und mir die Tränen in die Augen getrieben.

    Das Buch ist vor allem eines: ehrlich. Man erhält ein glaubhaftes Bild, wie es einer Einwandererfamilie im heutigen New Jersey ergeht. Ebenso ehrlich ist das Bild, das Junot von der Dominikanischen Republik aufzeigt: Grausam und wunderschön zugleich, Traum und Alptraum in einem. Das echte Leben eben.
    In diesem Buch kommt man um Mord, Prügel und Vergewaltigungen nicht herum, aber gibt es auch Zeilen, die einen zum Lachen bringen, wenn unser ungebundener Erzähler sich frei von der Leber weg über Nerd Oscar auslässt.

    Yunior, den Erzähler dieser Geschichte, lernen wir erst etwa ab der Mitte des Buches kennen. Bis dorthin müssen wir mit einem namen- und gesichtslosen Freund Oscars rechnen. Dennoch springt auch die Erzählperspektive ganz plötzlich um, denn auch Lola hat ihren Teil beizutragen.
    Und so erfahren wir mehr und mehr über die Familie "Oscar Waos", wir lernen ihre Mutter besser kennen, Lola und auch die Grosseltern der beiden. Jedoch wird die Geschichte sehr unkontinuierlich erzählt, sodass man am Ende die Teile selber noch zusammensetzen muss.

    Da dies ein ehrliches Buch ist, wird auch in einer ehrlichen Sprache geschrieben und da es sich hier um spanischsprechende Dominikaner handelt, trifft man in Díaz' Werk auf praktisch jeder Seite auf spanische Ausdrücke. Leider ist das Glossar am Ende des Buches nicht ganz komplett, sodass es sich für Neugierige lohnt, nebenher noch Google Translator o.ä. zu benutzen. Manche Wörter tauchen jedoch derart häufig auf, dass man sie mit der Zeit kennt und dann plötzlich auf Spanisch fluchen kann, denn geflucht und geschimpft wird hier im seitentakt.
    Dies trägt meiner Ansicht nach jedoch umso mehr dazu bei, dass man Junot Díaz und sein Buch um den dominikanischen Nerd ernst nimmt und nicht als Möchtegern-Werk abtut.

    Neben dem Blättern, um spanische Worte zu übersetzen, muss man auch mit den Fussnoten rechnen, die Díaz eingeschoben hat, um uns die Geschichte der Dom. Republik näher zu bringen. Somit erzählt uns "Oscar Wao" nicht nur die Geschichte Oscars, sondern auch die Geschichte der Dominikanischen Republik.

    Fazit:

    "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" ist ein Werk, das einen zu fesseln vermag, sofern man sich auf die eigensinnige Erzählform einlässt. Für ungeübte Leser wird das Buch überaus anstrengend sein, da Díaz nicht nur mit spanischen Fluchwörtern und Fussnoten aufwartet, sondern auch sonst über eine gewöhnungsbedürftige Art des Erzählens verfügt.
    Wer sich darauf einlässt, findet sich in einer harten Welt wider, gemeinsam mit einem sympatischen, aber verlorenen Helden, den man am liebsten mal in die Arme schliessen würde. Ausserdem erfährt man sehr viel über die Dominikanische Republik und die Zustände in denen sich das Land auch heute noch befindet.
    Wer gerne Literatur liest, die einem auch noch etwas lehrt, und wer Familiengeschichten mag, sollte sich das Buch mal genauer anschauen. Meiner Ansicht nach lohnt es sich auf jeden Fall!

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    Babschas avatar
    Babschavor 8 Jahren
    Rezension zu "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" von Junot Díaz

    Fukú, die Vorsehung, das Unheil, der Familienfluch. Ist es diese Heimsuchung, die sich wie ein roter Faden schicksalhaft und von Generation zu Generation durch das Leben ganzer Familien, also auch der von Oskar, zieht und deren Geschicke unausweichlich bestimmt? So scheint es wirklich. Oskar de Léon, ein Junge, zusammen mit seiner fest im Leben stehenden älteren Schwester Lola und der allein erziehenden Mutter im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts aus der Dominikanischen Republik nach New Jersey emigriert, ein Nerd, ein Einzelgänger, fett, hässlich, von allen verlacht, ein Leben in Büchern und PC-Spielen, einsam, zutiefst sensibel, intelligent, mit goldenem Herzen und immer, immer auf der Suche nach der großen Liebe, die sich aber beim besten Willen nie einstellen will. Und die Zeit vergeht…

    In seinem wunderbaren, aufwühlenden und fesselnden Familienepos entführt Diaz, selbst gebürtiger Dominikaner, den Leser in eine karibische, vom Glauben an Magie und höhere Mächte beherrschte Welt, aber auch in die erschreckenden Niederungen eines schon immer bettelarmen, von despotischen Machthabern unterdrückten und ausgebeuteten Inselstaats, in dem Menschenleben nicht viel zählen. In geschickt verschachtelter Erzählung lässt er uns abtauchen in die über Jahrzehnte und Generationen hinweg erzählte Geschichte der vom Schicksal geschlagenen Familien Cabral und de Léon und fügt bis zum unausweichlichen Ende gekonnt alle Mosaiksteine nach und nach zu einem so stimmigen Gesamtbild, dass trotz aller Schrecken, die das Buch bietet, nach den letzten Seiten –zumindest war es bei mir so- eine Zufriedenheit, ja geradezu ein Hochgefühl, verbleibt, wie ich es lange Zeit nicht mehr beim Zuklappen eines Romans verspürt habe.

    Der Clou des Buches liegt eindeutig in der Herausarbeitung der Gegenpole einer Rückzugsidylle der Karibik und ihrer Menschen voller Fukú einerseits und dem gerade für Oskar hammerharten Überlebenskampf in der Welt der amerikanischen Gegenwart andererseits, ebenso in den ideenreich und sorgfältig ausgearbeiteten, nach und nach in Rückblenden vorgestellten Geschichten der einzelnen Familienmitglieder, eingebettet in die tatsächlichen politischen Geschehnisse in dem Inselstaat vor allem unter der Trujillo-Diktatur Mitte des letzten Jahrhunderts.
    Und natürlich im brillanten Sprachvermögen des Autors, der sich an diversen Stellen des Buches über Fußnoten mit seiner ganz persönlichen Sicht der Dinge direkt in den Kontext einbringt. Unzählige unauffällig in den Text eingestreute Zitate aus neuzeitlicher Literatur und aus Filmen tragen das ihre zum Sprachwitz bei.

    Absolute Leseempfehlung.

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    The iron butterflys avatar
    The iron butterflyvor 8 Jahren
    Rezension zu "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" von Junot Díaz

    Oscar liebt Comics, Monster, Raumschiffe, Mutanten, apokalyptische Waffen, Magie, boshafte Schurken. Er liebt Tolkien, Lovecraft, Wells, Burroughs, Howard, Asimov, und Heinlein. Seine Heldin ist Raistlin und für Rollenspiele lässt er alles stehen und liegen. Oscar liebt auch schöne Mädchen und ist unentwegt in Gefahr sich von jetzt auf nachher zu verlieben. Er sehnt sich nach Liebe, Zuneigung, Verlangen, Lust und dem ersten Kuss.
    Oscar ist ein Dominikaner, aber leider nicht der typische Latino, der die Herzen der Latinas mit einem schmelzenden Blick im Sturm erobert. Oscar ist stark übergewichtig und nicht der attraktivste Junge, er ist der, der übersehen wird, über den gelacht wird, der über den sich jeder einen Scherz erlaubt, Oscar ist ein totaler Nerd.
    Oscar und seine Schwester Lola leben in New Jersey, hier sind sie groß geworden, aber ihre Wurzeln liegen in der Karibik. Die Dominikanische Republik ist die Heimat der Familie.
    Junot Díaz erzählt hier Oscars Geschichte und weil zu Oscars Leben auch das seiner Schwester Lola, seiner Mutter Beli und seiner Vorfahren gehört, erfahre ich als Leser viel mehr als ich zuerst erwartet habe. Äußerst interessant baut Díaz die Geschichte auf, schwenkt von Oscar, zu Lola, zu Beli, erzählt aus Yuniors Sicht, er ist der Ex von Lola und immer bleibt der Spannungsbogen gespannt, gespannt bis zum Äußersten, denn der Titel verrät ja bereits ein unheilvolles frühes Ende von Oscars Leben. Aber alle Protagonisten erleben ihre persönliche Tragödie, müssen Schicksalsschläge, Enttäuschungen, Demütigungen über sich ergehen lassen.
    In seine Geschichte bindet Díaz die politische Vergangenheit der Dominikanischen Republik mit ein. Er berichtet von Trujillos Schreckensherrschaft, die mir persönlich bisher nicht bekannt war. Trujillo ist für ihn Sauron, das eine Auge, das alles sieht. Die Einwohner fürchteten unter seiner Herrschaft nicht nur das fukú, den Fluch, sie fürchteten auch die unerbittliche Maschinerie hinter der Diktatur Trujillos.
    Mit diesem realistischen Hintergrund gewinnt die Geschichte zusätzlich an Gehalt und alles wird schließlich zu einem Ganzen. Hier wird nicht nur von Statisten in einer starren Kulisse erzählt, dieses Buch lebt.
    Immer wieder streut Díaz spanische Begrifflichkeiten ein, die die Atmosphäre wundervoll ausschmücken. Schade finde ich nur, dass ich viel zu spät entdeckt habe, dass es auf den letzten Seiten die Übersetzung dazu gibt.
    Hier hätte ich es persönlich praktischer gefunden, wenn eventuell ein Hinweis im vorderen Teil aufgenommen worden wäre bzw. hätte man die Übersetzungen als Fußnoten auf den jeweiligen Seiten platzieren können. So hätte ich mir auch das Hin- und Herblättern sowie die Suche in der Liste sparen können. Aber dies ist nur ein klitzekleines Manko in diesem überzeugenden Buch.
    Junot Díaz hat übrigens für „Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao“ 2008 den Pulitzer Preis erhalten.
    Jeder der auf Bücher ohne Happy endings, aber mit Gefühl für Außenseiter steht, ist hier genau richtig.
    „Das ist eure Chance. Mit der blauen Pille geht es weiter. Mit der roten Pille geht es zurück in die Matrix.“

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    lilamonalisas avatar
    lilamonalisavor 9 Jahren
    Rezension zu "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" von Junot Díaz

    wundervoll geschriebenes buch.nicht immer leicht durch viele sprünge,teils wechseln perspektive,teils zeiten.aber immer herrlich lakonisch. der rote faden ist die geschichte des oskar wao, ein amerikaner mit wurzeln in der dominikanischen republik, der zeit seines lebens nach der grossen liebe sucht oder zumindest doch einmal mit einer frau schlafen möchte. äusserlich hässlich,innerlich voller sehnsucht wird er nie den eigenen und den erwartungen seines umfeldes ( ein heissblütiger verführer zu sein) gerecht.er führt ein durchschnittlich amerikanisches leben,nebenbei werde die spannenden geschichten seiner mutter,grosseltern und der schwester erzählt,der niedergang eines einst herrschaftlichen hauses in der zeit einer der schlimmsten diktaturen der karibik. das buch verwöhnt die seele und den verstand gleichermassen.grossartig.die vielen spanischen,oder portugiesischen wörter verwirren etwas.ich habe sie einfach überlesen,um den fluss nicht zu unterbrechen.man versteht auch aus dem kontext,worum es geht.erst am ende habe ich das glossar,mit allen übersetzungen, entdeckt.

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    *Arienette*s avatar
    *Arienette*vor 9 Jahren
    Rezension zu "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" von Junot Díaz

    Klappentext:
    Eine Familie zwischen den Welten und zwischen den Zeiten: Junot Díaz erzählt von dem liebenswürdigen Nerd Oscar und seiner toughen Schwester Lola. Beide sind in New Jersey groß geworden, aber ihre Wurzeln liegen in der Karibik. Und dorthin verschlägt es sie immer wieder, wenn das Leben ihr mühsam zusammengekratztes Glück gerade wieder einmal wegwischt. Hier finden sie im Haus der Großtante Zuflucht - genauso wie ihre Mutter vor vielen Jahren, von deren düsterer Vergangenheit sie allerdings nichts ahnen. Dabei wirkt die Vergangenheit wie ein Fluch. In einem letzten, verzweifelten Akt riskiert Oscar eines Tages alles für sein Glück. Den Fluch zu bannen wird sein letztes Abenteuer.

    Der Autor:
    Junot Díaz wurde 1968 in der Dominikanischen Republik geboren und kam als Kind in die Vereinigten Staaten. Er lebt in New York. Bereits sein Erzählungsband Abtauchen wurde hymnisch gefeiert und mit dem PEN/Malamud-Preis für Kurzgeschichten ausgezeichnet. Für "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" erhielt Junot Díaz 2008 den Pulitzer-Preis.

    Meine Meinung:
    Erzählt wird die Geschichte von einer Familie, die aus der Dominikanischen Republik nach New Jersey eingewandert ist.
    Dabei wechselt Diaz die Erzählperspektiven, sowie auch die Zeitebenen - so wird von Oscar berichtet, dem übergewichtigen Nerd, der Sci-Fi-Romane liest und schreibt, der intelligent ist, aber keine Freunde hat und auch kein Glück in der Liebe.
    Dann wird über seine Schwester Lola berichtet, die ihren Bruder liebt und ihn umsorgt.
    Sehr interessant ist das Leben der Mutter Beli, deren Leben beleuchtet wird, als sie noch jung war. Sie wurde misshandelt und musste fliehen.(Zeitraum:1955 bis 1962)
    Beli hat eine schlimme Vergangenheit hinter sich - sie wuchs in der Zeit Trujillos auf - ein Diktator, der von 1930 bis 1961 brutal über die dominikanische Bevölkerung geherrscht hat.
    Ein Kapitel erzählt von der Geschichte Abelards, Oscars und Lolas Großvater.
    Die Familie ist von "Fukú" verfolgt, "Fukú" bedeutet drohendes Unheil, Fluch.

    Die Sprache ist lebendig und fesselnd.
    Die Protagonisten mit all ihren Schwächen sind liebenswert und lebendig beschrieben.
    Man lernt einiges von der Dominikanischen Republick und von Trujillo.
    Das Buch ist durchsetzt mit spanischen Ausdrücken und Sätzen, die man im Glossar nachlesen kann.
    Damit sollte sicher Authentizität geschaffen werden.

    Das Buch hat zu Recht den Pulitzer- Preis 2008 erhalten

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