Jurek Becker

 3,9 Sterne bei 500 Bewertungen
Autor von Jakob der Lügner, Bronsteins Kinder und weiteren Büchern.
Autorenbild von Jurek Becker (© Leon Becker )

Lebenslauf

Jurek Becker wurde in Polen geboren. Wann genau ist unklar. Da sein Vater ihn im Ghetto älter machte um ihn vor einer Deportation zu bewahren. Becker selbst kann sich nicht mehr an sein richtiges Geburtsdatum erinnern. Beckers gesamte Familie waren Juden, wie er selbst. Nur sein Vater und er überlebten den zweiten Weltkrieg in getrennten KZs, sein Vater fand ihn nach dem Krieg jedoch wieder. Gemeinsam zogen sie nach Ost-Berlin. In Berlin machte Becker sein Abitur nach und trat der Volksarmee bei. Sein Vater wollte, dass er Medizin studierte, doch Becker entschied sich dagegen und studierte sechs Semester lang Philosophie. Er trat der SED bei und wurde von der Universität ausgeschlossen. Da er bereits erste Erfolge als Schriftsteller verzeichnen konnte, wurde er freier Schriftsteller. Er begann ein Studium an der Babelsberger Filmhochschule. Hier lernte er die Dekoratörin Erika Hüttig kennen und heiratete sie. Gemeinsam haben sie zwei Söhne. Er erhielt zahlreiche Preise in der DDR, lehnt sich dennoch gegen das Regime auf, vor allem gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Daraufhin wird er aus der SED und dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen. Er ging für mehrere Jahre nach Amerika, wo er als Universitätsproffessor arbeitete. Von seiner Frau Erika liess er sich später scheiden und heiratete die Studentin Christine Harsch-Niemeyer, auch mit ihr hat der Autor einen Sohn. 1995 wird bei Becker Darmkrebs diagnostiziert und bekämpft diesen zwei Jahre lang. Am 14. März 1997 stirbt er in Schleswig Holstein.

Alle Bücher von Jurek Becker

Cover des Buches Jakob der Lügner (ISBN: 9783518468098)

Jakob der Lügner

 (308)
Erschienen am 10.09.2017
Cover des Buches Bronsteins Kinder (ISBN: 9783518731307)

Bronsteins Kinder

 (88)
Erschienen am 11.12.2016
Cover des Buches Amanda herzlos (ISBN: 9783518750551)

Amanda herzlos

 (19)
Erschienen am 13.11.2016
Cover des Buches Schlaflose Tage (ISBN: 9783518021125)

Schlaflose Tage

 (17)
Erschienen am 01.12.1997
Cover des Buches Der Boxer (ISBN: 9783518394540)

Der Boxer

 (13)
Erschienen am 19.10.1998
Cover des Buches Irreführung der Behörden (ISBN: 9783518020852)

Irreführung der Behörden

 (13)
Erschienen am 01.12.1979
Cover des Buches Aller Welt Freund (ISBN: 9783518376515)

Aller Welt Freund

 (7)
Erschienen am 23.04.1985

Neue Rezensionen zu Jurek Becker

Cover des Buches Jakob der Lügner (ISBN: 9783518468098)
Gotjes avatar

Rezension zu "Jakob der Lügner" von Jurek Becker

Wenn nur Hoffnung bleibt
Gotjevor einem Jahr

Inhalt: Unverhofft kommt Jakob Heym, ein Jude aus einem polnischen Ghetto, an eine Information über den Aufenthalt der lang erwarteten russischen Armee. Die frohe Botschaft will er gleich am nächsten Tag seinen Arbeitskollegen unterbreiten. Doch die glauben ihm kein Wort und so greift Jakob zu einer Notlüge, die bald das ganze Ghetto in Atem - und am Leben - hält

Meine Meinung: Jakob der Lügner ist keine sehr spannende Geschichte, aber das muss sie auch gar nicht sein. Sie ist emotional und authentisch, sie bildet das wahre Leben vieler, vieler Menschen wider und zeigt die damalige Zeit aus einem völlig anderen Blickwinkel. Jurek Becker war selbst KZ-Insasse, dennoch hat er sich dazu entschieden, eine Geschichte zu erzählen, die auf den Straßen, in den Wohnungen, mitten unter den Leuten spielt, zu erzählen und ich bin darüber sehr froh. 

Cover des Buches Jakob der Lügner (ISBN: 9783940018236)
pardens avatar

Rezension zu "Jakob der Lügner" von Jurek Becker

Das Radio...
pardenvor einem Jahr

DAS RADIO...

Die Rote Armee ist nur noch wenige hundert Kilometer entfernt, diese Meldung hat Jakob zufällig vernommen. Mit der Aussicht auf baldige Befreiung wird ein Morgen wieder vorstellbar, deshalb will Jakob die frohe Botschaft mit seinen Mitgefangenen teilen. Damit sie ihm glauben, behauptet er, ein Radio zu besitzen. Weil die Ghettobewohner nun täglich mehr erfahren möchten, bleibt Jakob nichts anderes übrig, als weitere gute Nachrichten zu erfinden – was eine Reihe tragisch-komischer Ereignisse provoziert. (Klappentext)

Der Ich-Erzähler, Überlebender eines polnischen Ghettos, schildert die Geschichte des ihm bekannten Ghettobewohners Jakob Heym, der durch Zufall im deutschen Polizeirevier aus dem Radio Satzfetzen einer Meldung vernimmt, die fortan das Leben im Ghetto verändern sollte: 


"In einer erbitterten Abwehrschlacht gelang es unseren heldenhaft kämpfenden Truppen, den bolschewistischen Angriff 20 km vor Bezanika zum Stehen zu bringen." 


Jakob kennt diesen Ort nur vom Hörensagen, doch weiß er, dass Bezanika nicht weit vom Ghetto entfernt liegt. Zugleich wird ihm bewusst, dass diese Nachricht den Ghettobewohnern einen konkreten Anlass zum Durchhalten geben würde. Um die Glaubwürdigkeit seiner Informationen zu erhöhen, behauptet Jakob, über ein Radio zu verfügen, dessen Besitz natürlich verboten ist. Durch diese Notlüge gerät er in die Zwangslage, ständig neue Nachrichten erfinden zu müssen. Sein Lügengeflecht führt zu tragikomischen Situationen und das technische Medium wird zum Symbol von Verheißung und Gefahr. Einerseits schöpfen die Ghettobewohner wieder Hoffnung; sie schmieden Pläne, die Selbstmordrate geht gegen Null. Andererseits befürchten einige seiner Leidensgenossen, dass die Entdeckung des Radios durch die deutschen Besatzer alle gefährden könnte... 

Dies ist keine Geschichte vom Widerstand, sondern eine von einem Heldentum ganz anderer Art: eine melancholisch-heitere, leise, eine kunstvoll komponierte Erzählung ist es, die ohne Fantasie und Menschlichkeit nicht denkbar wäre und deren Held Jakob ein "Lügner aus Barmherzigkeit" ist. Brutalität, Transporte, Menschenverachtung, Angst und Hoffnungslosigkeit - diese furchtbaren Aspekte werden hier durchaus angerissen, stehen aber nicht derart im Mittelpunkt wie andere Erzählungen, die das Leben in einem jüdischen Ghetto während des Zweiten Weltkrieges thematisieren. Hier steht ganz im Gegenteil das Schöpfen von Hoffnung im Zentrum, der Traum von einem (Über-)Leben, das Denken einer Zukunft...

Durch den im Nachhinein berichtenden Ich-Erzähler wirkt der Roman eher distanziert, selbst heftige Ereignisse werden dadurch erträglich, und doch gibt es einzelne berührende Szenen, die die Distanz durchberchen. Die Bedeutung von Hoffnung, Fantasie und Menschlichkeit gerade auch in furchtbaren Zeiten wird hier leise aber eindringlich vor Augen geführt... Die verschiedenen Menschentypen werden hier in wenigen Strichen skizziert, die Mutigen und die Verzagten, die Loyalen und diejenigen, die sich heraushalten und wegsehen, diejenigen, denen Menschlichkeit und Würde wichtig sind und die anderen, denen alles egal ist. Wie im normalen Leben eben auch, nur hier auf eine beklemmende Situation zugeschnitten und dadurch um so deutlicher zutage tretend.

Das Ende dann - doch halt. Es gibt hier nicht "das Ende". Sondern es gibt zwei mögliche Enden. Und es ist an den Lesenden zu entscheiden, welche Version wohl die passendere sein mag. Ich hätte mir vielleicht noch ein drittes Ende gewünscht - aber wie wir sehr wohl wissen: das Leben ist kein Wunschkonzert. Leider.

Jurek Becker, der von 1939 bis 1945 im Ghetto in Lodz aufwuchs und später in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen inhaftiert wurde, weiß ganz sicher, wovon er hier schreibt. Um so schöner, dass er hier in seinem 1969 erstmals erschienenen Debüt nicht das Unmenschliche und die Gräuel in den Vordergrund stellt, sondern die verbleibenden positiven Möglichkeiten. Die wundervolle Verfilmung von 1999 mit Robin Williams und Armin Müller-Stahl weist im Vergleich zum Roman einige künstlerische Freiheiten und Veränderungen auf, vermittelt die wesentliche Botschaft aber ebenso gut.

August Diehl liest die hier vorliegende ungekürzte Hörbuchfassung (8 Stunden und 28 Minuten) nuanciert und transportiert die Gefühle und die Situationen mit angenehmer Stimme punktgenau. Diese Stimme führt durch die Geschichte und erzeugt an den richtigen Stellen Gänsehaut. 

Ein unbedingt empfehlenswerter Roman auch gegen das Vergessen!


© Parden

Cover des Buches Jakob der Lügner (ISBN: 9783940018236)
B

Rezension zu "Jakob der Lügner" von Jurek Becker

Jakob der Lügner - Rezension
BM2TE22avor einem Jahr

"Jakob der Lügner" von Jurek Becker ist ein interessantes Buch, das den Leser in die schreckliche Welt des Holocausts entführt. Das Buch erzählt die Geschichte eines jüdischen Mannes namens Jakob, der während des Zweiten Weltkriegs in einem Ghetto lebt. Die grausamen Bedingungen, unter denen die Juden leben mussten, werden ausführlich beschrieben.

Jakob hörte zufällig, dass sich Rote Armee in der Nähe des Ghettos befindet und erzählte es seinen Freunden, welche dadurch Hoffnung und Kraft schöpften. Dies führte dazu, dass Jakob immer mehr angebliche Funksprüche erfand, um die Hoffnung aufrechtzuerhalten. Die Geschichte regt den Leser zum Nachdenken über die Wirkung von Lügen und die Macht der Hoffnung an.

Insgesamt ist "Jakob der Lügner" ein gutes Buch, das einen Einblick in die brutale Geschichte des Holocausts gibt. Sehr erwähnenswert sind ausserdem die detaillierten Beschreibungen der verschiedenen Charaktere. Grundsätzlich würde ich dieses Buch jedem empfehlen, der sich für die Geschichte des Holocausts interessiert.

R.U

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Zusätzliche Informationen

Jurek Becker wurde am 30. September 1937 in Lodz (Polen) geboren.

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auf 27 Merkzettel

von 13 Leser*innen aktuell gelesen

von 6 Leser*innen gefolgt

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