Juri Andruchowytsch

 3,8 Sterne bei 39 Bewertungen
Autor von Moscoviada, Zwölf Ringe und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Klassiker der ukrainischen Gegenwartsliteratur: Juri Andruchowytsch, geboren 1960 in Iwano-Frankiwsk/Westukraine, ist ein ukrainischer Schriftsteller. Er studierte Journalistik und veröffentlichte zu dieser Zeit einige Gedichte. Heute schreibt er überwiegend Essays und Romane. Er wird als einer der bekanntesten europäischen Autoren der Gegenwart, und ist durch über 20 Überstzungen internationel bekannt. 1985 war er Mitbegründer der legendären literarischen Performance-Gruppe Bu-Ba-Bu. Mit seinen drei Romanen Rekreacij , Moscoviada und Perverzija, die unter anderem ins Englische, Spanische, Französische und Italienische übersetzt wurden, wurde er zum Klassiker der ukrainischen Gegenwartsliteratur. Heute lebt der Autor weiterhin in der Ukraine.

Alle Bücher von Juri Andruchowytsch

Cover des Buches Moscoviada (ISBN: 9783518463123)

Moscoviada

 (14)
Erschienen am 22.01.2012
Cover des Buches Zwölf Ringe (ISBN: 9783518458402)

Zwölf Ringe

 (7)
Erschienen am 25.02.2007
Cover des Buches Mein Europa (ISBN: 9783518123706)

Mein Europa

 (4)
Erschienen am 25.04.2004
Cover des Buches Die Lieblinge der Justiz (ISBN: 9783518429068)

Die Lieblinge der Justiz

 (3)
Erschienen am 22.03.2020
Cover des Buches Kleines Lexikon intimer Städte (ISBN: 9783458176794)

Kleines Lexikon intimer Städte

 (2)
Erschienen am 10.09.2016
Cover des Buches Perversion (ISBN: 9783518464090)

Perversion

 (2)
Erschienen am 20.01.2013
Cover des Buches Das letzte Territorium (ISBN: 9783518124468)

Das letzte Territorium

 (1)
Erschienen am 29.06.2003
Cover des Buches Engel und Dämonen der Peripherie (ISBN: 9783518125137)

Engel und Dämonen der Peripherie

 (1)
Erschienen am 30.09.2007

Videos

Neue Rezensionen zu Juri Andruchowytsch

Cover des Buches Zwölf Ringe (ISBN: 9783518458402)
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Rezension zu "Zwölf Ringe" von Juri Andruchowytsch

Eine kulturelle Verortung der Ukraine
Timo_Jancavor 3 Monaten

Zwölf Ringe spielt inmitten der Berge mit seinem Figuren durch, zu welchem Kulturkreis sich die Ukraine zugehörig fühlt. Kein Wunder, dass die Ukrainierin Roma zwischen dem Russen Artur und dem Österreicher Karl-Josef hin- und hergerissen ist. Letzterer findet sich auf einem Irrweg zwischen Huzulen und letztlicher Selbstauflösung. Der Roman verlangt vom Leser Vorwissen, damit er die Handlung richtig einordnen kann. Dann sind die karnevalesken Ausbrüche und metaphysischen Momente verständlich und verdeutlichen, wie die Ukraine zum Zeitpunkt des Erscheinens des Romans mit ihrer Selbstfindung zwischen zwei Polen, Westeuropa und Russland, gerungen hat.  

Cover des Buches Die Lieblinge der Justiz (ISBN: 9783518429068)
otegamis avatar

Rezension zu "Die Lieblinge der Justiz" von Juri Andruchowytsch

Anspruchsvolle Kriminalepisoden + die Frage nach Gerechtigkeit
otegamivor 2 Jahren

‚Seit die beiden Besatzungsmächte, die rote und die braune, seine Familie in vereinter Anstrengung auf ein Minimum reduziert hatten, konzentrierte er sich auf das Wesentliche‘, (Achter Teil: „Sansara“ oder Der Aufruhr der Engel, S. 240) war einer jener Sätze, bei denen ich erstmal tief durchschnaufen musste! Ironie? Sarkasmus? Oder schon Zynismus? Oder eine Mischung aus allem? Ich weiß es nicht und will mich auch nicht entscheiden!

Das Buch mit ‚8 1/2‘ Geschichten spielt in Galizien, der historischen Landschaft mit seinen wechselvollen Zugehörigkeiten mit Lemberg als Hauptstadt, in Mitteleuropa. Anhand spektakulärer Verbrechen, 'bei denen Fiktion und historisch aktenkundige Kriminalfälle miteinander verwoben sind', lernt der interessierte Leser auch einen Teil dessen abwechslungsreiche Geschichte kennen. 

Wir lesen von einem ‚Molfar‘ (Person mit angeblich magischen Fähigkeiten), von Strafen wie das Erklären zum ‚Infamus‘ oder (die nächste Stufe) ‚Gesetzlosen‘, vom passenden Hinrichten zu den Jahreszeiten im 17. Jahrhundert (im Herbst z.B. wurde der Delinquent verbrannt, weil das Feuer ‚zum herbstlichen Farbspektrum der Bäume und Sträucher passte‘) oder dem Rädern (im 18. Jahrhundert sehr verbreitet) und natürlich die Erschießungen im letzten Jahrhundert.

Neben der kraftvollen, anspruchsvollen Sprache, die auch hohe Konzentration erforderte, gefiel mir vor allem die Suche nach der ‚Wahrheit‘: wo wären mehr Nachforschungen nötig gewesen? Welche Urteile waren der Bequemlichkeit geschuldet? Wo war es nur Unkenntnis der Richter? Wurde bei manchen Urteilen die Vollstreckung nicht auch zu lasch gehandhabt? Auch die Schilderungen der Beweggründe und Motivationen für die Verbrechen fand ich äußerst gelungen!

Wer Interesse an einer Mischung von Kriminalgeschichten, die zum Denken anregen, an Geschichte und einer beeindruckenden Sprache hat, dem drücke ich dieses Buch wärmstens an Herz! 5 Sterne vergebe ich aus voller Überzeugung!

 

 

Cover des Buches Die Lieblinge der Justiz (ISBN: 9783518429068)
Sikals avatar

Rezension zu "Die Lieblinge der Justiz" von Juri Andruchowytsch

Anspruchsvolle Sprache
Sikalvor 4 Jahren

Der ukrainische Autor Juri Andruchowytsch erzählt in seinem „parahistorischen Roman in achteinhalb Kapiteln“ über Kriminalfälle, die breit über die Jahrhunderte gestreut sind und doch miteinander verbunden werden.

Beispielsweise wird ein KGB-Agent, der ein Auftragskiller ist zum Helden eines imaginären Filmprojektes, der tatsächlich den Ukrainer Bandera ermordet hat und danach durch Liebe zu einer Frau auf „Abwege“ gerät und gegen ein System rebelliert…

 

Juri Andruchowytsch schafft es, die schlimmsten Ereignisse mit Humor zu ummanteln und lässt durch das Verbinden der einzelnen Elemente (durch diese imaginäre Geschichte) trotz Schrecken so manches Kopfschütteln oder Schmunzeln zurück. Mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor erzählt er von Mord, Verrat, von der Liebe und hauptsächlich von Recht bzw. Gerechtigkeit.

 

Mit enormer Sprachgewalt lässt er uns eintauchen in ein System, wo die Justiz zu einem unrechten System mutiert. Er verbindet Fallgeschichten von Verbrechen über diesen langen Zeitraum und wirft etliche Fragen auf: Wer entscheidet über Recht und Verbrechen? Was ist Gerechtigkeit? Er zeigt uns die Schere zwischen Recht und Unrecht auf und die öffentliche Meinung als Urteil. Wer ist nun eher zum Verurteilen – der Verbrecher, die Gesellschaft, das System? Der Autor regt dazu an, sich Gedanken zu machen und gibt uns mit diesem Buch eine Diskussionsgrundlage in die Hand.

 

Literarisch anspruchsvoll mit ziemlich langen Schachtelsätzen ist das Buch oft schwierig zu lesen und erfordert enorme Konzentration.

 

Es gibt auf der Website des Literaturhauses Berlin ein Interview mit dem Autor, in dem der über die Beweggründe und die „Geburt“ dieses Buches erzählt. Das Gespräch ist sehr zu empfehlen und ergänzend zum Buch sehr aufschlussreich. Da erzählt er beispielsweise auch was der Quellenlage entspricht und welche Teile seiner Fabulierkunst geschuldet sind. Der Schreibprozess war über 27 Jahre aufgeteilt …

Gerne vergebe ich 5 Sterne für dieses interessante Buch.

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