Juri Sternburg

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Autor von Das Nirvana Baby.

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Das Nirvana Baby

Das Nirvana Baby

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Erschienen am 15.10.2015

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Rezension zu "Das Nirvana Baby" von Juri Sternburg

Juri Sternburg: Das NIrvana Baby
Julinovor 3 Jahren

Kleines, hübsches Buch – große Wirkung. So würde ich Juri Sternburgs Debütwerk Das Nirvana Baby (Korbinian Verlag) beschreiben. Es gibt viel Besonderes an diesem Büchlein. Die Entstehungsgeschichte zählt dazu, aber auch der Stil und vor allem die Gestaltung. Meine Klebezetteldichte (ein Klebezettel = ein spezielles Zitat) in diesem 75-seitigen Büchlein ist enorm und spricht für sich.

Das Nirvana Baby erschien Mitte letzten Jahres und mit ihm auch der Korbinian Verlag. Ein Verlag mit nur einem Titel im Programm, das klingt zunächst unüberlegt, wenn nicht sogar irrsinnig. Dem Verlag ist bewusst, dass es eine Anmaßung und auch ein Wagnis ist, einen Verlag auf eine Publikation zu gründen. Kein Programm, keine langfristigen Pläne. Aber: ein toller Text, für den es sich lohnt, ein Risiko einzugehen und einfach mal einen eigenen Verlag zu gründen. Alles andere wird sich schon fügen. Ich mag diese Zuversicht und den Enthusiasmus, der hinter diesem ersten Titel steht. Viel zu selten setzen Menschen sich zusammen und realisieren ihre Traumprojekte. Allein das war Grund genug für mich, mir Das Nirvana Baby mal genauer anzuschauen.

In Sternburgs erstem Buch geht es um Paul, der genervt ist von den superreflektierten und doch total angepassten Mitte-Zwanzig-Jährigen unserer Zeit. Kritik findet im Theater statt, Performances wollen die Welt verändern, am Ende bewegt sich aber doch nichts. Deshalb würde Paul gern Amok laufen, ein wirkliches Zeichen setzen. Doch irgendwie scheitert er schon daran, überhaupt ein Bekennerschreiben zu verfassen. Also läuft er weiter genervt durch Berlin und übt sich im Kritisieren. Konsumkritik, Kritik an der Doppelmoral seiner Generation, Kritik an den Medien – alles da. Und tatsächlich schafft Paul es, im Endeffekt das alles selbst zu bedienen:

"Manchmal versuchte er tiefgründige Gedanken zu formulieren, aber seine einzige Erkenntnis blieb, dass er seine neuen AirMax-Sneakers schön fand. Er liebte sie beinah. […] Und obwohl er wusste, wie falsch, oberflächlich und egoistisch das war, wollte er dennoch daran nichts ändern."

Zwischen Tinder, schlimmen Fernsehsendungen und ab und an einem Fußballspiel von Eisern Union bewegt sich Pauls Leben. Bei letzterem kann er dann mal wieder so richtig gepflegt ausrasten, sich im Rausch prügeln oder auch nur eine Fantasie davon entwickeln. Über die gesamte Länge des Buches wurde mir nämlich nie ganz klar, welche Perspektiven hier eigentlich aufgezeigt werden. Figuren scheinen miteinander zu verschwimmen. Spricht hier ein vielleicht schizophrener Protagonist oder gibt es tatsächlich mehrere Figuren? Am Ende bin ich mir nicht mehr sicher und umso mehr interessiert am Re-Reading.

Das Nirvana Baby provoziert, und genau das soll es laut Verlag auch. Nicht nur der Plot, auch die Gestaltung ist auffällig. Verschiedene Schriftarten und -größen, türkisfarbene Überschriften und eine sehr schöne Illustration zu Beginn des Buches. Das Cover, ebenfalls in Türkis, ist sehr schlicht und modern gehalten. Ich halte da also ein sehr kleines Büchlein in den Händen, das allerdings so liebevoll und durchdacht gestaltet wurde, dass ich mich wieder bestätigt fühle, in der Annahme, das E-Book könne das gebundene Buch auf keinen Fall verdrängen.

Das Nirvana Baby erinnert mich an vielen Stellen an Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz. Allein der kleine Prolog, der auf den folgenden Inhalt verweist, gleicht für mich den Kapiteleinleitungen in Döblins Roman. Aber auch die beiden Hauptcharaktere, Paul Bakunin in Das Nirvana Baby und Franz Biberkopf aus Berlin Alexanderplatz weisen für mich gewisse Parallelen auf. Beide irren durch ein lautes, schnelllebiges Berlin. Beide würden so gern etwas bewirken und erreichen. Beiden bleibt dies am Ende verwehrt.

Dieses Büchlein ist eine harsche Kritik an unsere konsumorientierte, neoliberale Gesellschaft. Aus dieser könnte sich eine Ansage an dieses System herauskristallisieren. Aber das Bekennerschreiben lässt auf sich warten und das Subjekt verschwindet dorthin, wo es herkam: in den neoliberalen Einheitsbrei.

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