Juri Sternburg Das Nirvana Baby

(1)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(0)
(1)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Das Nirvana Baby“ von Juri Sternburg

„Das Stadion hat sich inzwischen in eine dieser aberwitzigen Rummelattraktionen verwandelt. Es fliegt auf und ab und dreht sich dabei beständig im Kreis, während ein Marktschreier bereits die nächste Runde anpreist. Die Lichter zucken, von irgendwo dringen Schreie an mein Ohr. Paul und ich stehen in der Mitte und gleichen die ruckartigen Bewegungen unserer Umwelt durch gazellengleiches Dahingleiten aus, während wir in Großbuchstaben „Ihr habt uns in Beton geboren, und nun wundert ihr euch, dass wir mit Steinen schmeißen“ auf den Rasen schreiben. Die Spieler halten den weißen Schriftzug für die neuen Außenlinien und versuchen verzweifelt, in dem Labyrinth aus Linien einen ordentlichen Doppelpass zu präsentieren, was ihnen nicht gelingen will. Die Zuschauer fallen um wie beim Domino Day. In der Kurve stehen einige Glatzen und brüllen sich die Seele aus dem Leib: „Nazi-analer Widerstand heißt Doggystyle!“ Jemand klopft mir auf die Schulter. Ich springe auf die Flutlichtanlage und trommle mir wie King Kong auf die Brust.“
Ein junger Mann steht im Fußballstadion und zitiert Ulrike Meinhof. Dann überschlagen sich die Ereignisse und am Ende liegt ein Polizist am Boden—das Blut spritzt. Paul Bakunin hat genug. Seine Freundin ist zwar ganz nett und seine Air Max-Sneakers ziemlich schön, aber Paul will einen Anschlag planen. Irgendwas muss ja endlich passieren.
Das Nirvana Baby riecht nach Ruß und Schwefel. Es weiß nichts und will doch alles. Unterhalten und schockieren, aufwühlen und aufrühren. Es ist ihm ernst. Ernst mit seinem Überdruss, ernst mit dem Mädchen vom Müllberg und ernst mit seiner Abneigung gegen Axel Schulz.
Zwischen linksradikalem Gedankengut und Gangsta Rap-Zitaten pendelnd erzählt „Das Nirvana Baby“ von den letzten Atemzügen einer Gesellschaft, von den Widrigkeiten des Widerstands und von der (Un-)Möglichkeit, dass sich etwas ändert.

Eine rasant erzählte Geschichte mit klug verstrickten Perspektivwechseln, die am Ende vielleicht keine sind. Kurzweilig und konsumkritisch.

— Julino

Stöbern in Romane

Das Papiermädchen

Für mich leider bisher der schlechteste Musso. Es war einfach nur okay. Das Einzige was mir so richtig gefiel, war das Ende. 2,5 - 3 Sterne!

TraumTante

Das Wunder

Hat mich im Laufe der Geschichte immer mehr berührt und bewegt. Sehr beklemmende Atmosphäre

Federzauber

Highway to heaven

Wenn frau achtundreißig und die Tochter aus dem Nest geflogen ist, was tut frau , um zu überleben? Frau lernt Motorradfahren.

lapidar

Die Farbe von Milch

...gerade beendet und ziemlich mitgenommen,ein Jahreshighlight 2017...

Ayda

Mudbound – Die Tränen von Mississippi

Eine Tragödie, die sich immer weiter zuspitzt. Eine Geschichte, die sich vermutlich genau so oder ähnlich schon abgespielt hat.

wunderliteratur

Die Schatten von Ashdown House

Ein tolles Buch! Absolut mystisch, spannend und liebevoll...

SandysBunteBuecherwelt

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Juri Sternburg: Das NIrvana Baby

    Das Nirvana Baby

    Julino

    20. April 2016 um 09:15

    Kleines, hübsches Buch – große Wirkung. So würde ich Juri Sternburgs Debütwerk Das Nirvana Baby (Korbinian Verlag) beschreiben. Es gibt viel Besonderes an diesem Büchlein. Die Entstehungsgeschichte zählt dazu, aber auch der Stil und vor allem die Gestaltung. Meine Klebezetteldichte (ein Klebezettel = ein spezielles Zitat) in diesem 75-seitigen Büchlein ist enorm und spricht für sich. Das Nirvana Baby erschien Mitte letzten Jahres und mit ihm auch der Korbinian Verlag. Ein Verlag mit nur einem Titel im Programm, das klingt zunächst unüberlegt, wenn nicht sogar irrsinnig. Dem Verlag ist bewusst, dass es eine Anmaßung und auch ein Wagnis ist, einen Verlag auf eine Publikation zu gründen. Kein Programm, keine langfristigen Pläne. Aber: ein toller Text, für den es sich lohnt, ein Risiko einzugehen und einfach mal einen eigenen Verlag zu gründen. Alles andere wird sich schon fügen. Ich mag diese Zuversicht und den Enthusiasmus, der hinter diesem ersten Titel steht. Viel zu selten setzen Menschen sich zusammen und realisieren ihre Traumprojekte. Allein das war Grund genug für mich, mir Das Nirvana Baby mal genauer anzuschauen. In Sternburgs erstem Buch geht es um Paul, der genervt ist von den superreflektierten und doch total angepassten Mitte-Zwanzig-Jährigen unserer Zeit. Kritik findet im Theater statt, Performances wollen die Welt verändern, am Ende bewegt sich aber doch nichts. Deshalb würde Paul gern Amok laufen, ein wirkliches Zeichen setzen. Doch irgendwie scheitert er schon daran, überhaupt ein Bekennerschreiben zu verfassen. Also läuft er weiter genervt durch Berlin und übt sich im Kritisieren. Konsumkritik, Kritik an der Doppelmoral seiner Generation, Kritik an den Medien – alles da. Und tatsächlich schafft Paul es, im Endeffekt das alles selbst zu bedienen: "Manchmal versuchte er tiefgründige Gedanken zu formulieren, aber seine einzige Erkenntnis blieb, dass er seine neuen AirMax-Sneakers schön fand. Er liebte sie beinah. […] Und obwohl er wusste, wie falsch, oberflächlich und egoistisch das war, wollte er dennoch daran nichts ändern." Zwischen Tinder, schlimmen Fernsehsendungen und ab und an einem Fußballspiel von Eisern Union bewegt sich Pauls Leben. Bei letzterem kann er dann mal wieder so richtig gepflegt ausrasten, sich im Rausch prügeln oder auch nur eine Fantasie davon entwickeln. Über die gesamte Länge des Buches wurde mir nämlich nie ganz klar, welche Perspektiven hier eigentlich aufgezeigt werden. Figuren scheinen miteinander zu verschwimmen. Spricht hier ein vielleicht schizophrener Protagonist oder gibt es tatsächlich mehrere Figuren? Am Ende bin ich mir nicht mehr sicher und umso mehr interessiert am Re-Reading. Das Nirvana Baby provoziert, und genau das soll es laut Verlag auch. Nicht nur der Plot, auch die Gestaltung ist auffällig. Verschiedene Schriftarten und -größen, türkisfarbene Überschriften und eine sehr schöne Illustration zu Beginn des Buches. Das Cover, ebenfalls in Türkis, ist sehr schlicht und modern gehalten. Ich halte da also ein sehr kleines Büchlein in den Händen, das allerdings so liebevoll und durchdacht gestaltet wurde, dass ich mich wieder bestätigt fühle, in der Annahme, das E-Book könne das gebundene Buch auf keinen Fall verdrängen. Das Nirvana Baby erinnert mich an vielen Stellen an Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz. Allein der kleine Prolog, der auf den folgenden Inhalt verweist, gleicht für mich den Kapiteleinleitungen in Döblins Roman. Aber auch die beiden Hauptcharaktere, Paul Bakunin in Das Nirvana Baby und Franz Biberkopf aus Berlin Alexanderplatz weisen für mich gewisse Parallelen auf. Beide irren durch ein lautes, schnelllebiges Berlin. Beide würden so gern etwas bewirken und erreichen. Beiden bleibt dies am Ende verwehrt. Dieses Büchlein ist eine harsche Kritik an unsere konsumorientierte, neoliberale Gesellschaft. Aus dieser könnte sich eine Ansage an dieses System herauskristallisieren. Aber das Bekennerschreiben lässt auf sich warten und das Subjekt verschwindet dorthin, wo es herkam: in den neoliberalen Einheitsbrei.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks