Jurica Pavičić

 3.8 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor von Die Zeugen, Fremde Helden und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Jurica Pavičić

Jurica Pavičić, 1965 in Split geboren, ist einer der renommiertesten Autoren Kroatiens und mehrfach ausgezeichneter Journalist und Filmkritiker. Kurz nach Ende der Jugoslawienkriege erschien 1998 sein erster Roman: "Ovce od gipsa", die Geschichte einer kroatischen Soldateska, die an einem serbischen Unternehmer Vergeltung übt und dessen Tochter, die Zeugin der Tat wird, entführt. In Kroatien sorgte Pavičićs kritische Auseinandersetzung mit den Auswüchsen des Nationalismus für rege Diskussionen. Sein Roman wurde von Vinko Brešan verfilmt, der Film „Die Zeugen“ erhielt 2004 den Friedensfilmspreis der Berlinale. Pavičićs hat etliche weitere Romane und zwei Erzählbände geschrieben, dazu unzählige Artikel veröffentlicht, die sich mit den gesellschaftlichen Umbrüchen in Kroatien nach dem Krieg, seit der staatlichen Unabhängigkeit und dem Beitritt zur EU beschäftigen. Der Autor beobachtet Individuen und Beziehungen, schildert wie Familien zerbrechen, Existenzen scheitern und hinter der touristischen Idylle an der dalmatinischen Küste Korruption und Arbeitslosigkeit grassieren.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jurica Pavičić

Cover des Buches Die Zeugen (ISBN: 9783944359441)

Die Zeugen

 (11)
Erschienen am 11.02.2019
Cover des Buches Fremde Helden (ISBN: 9783944359458)

Fremde Helden

 (2)
Erschienen am 19.03.2019
Cover des Buches Verrat (ISBN: 9783944359427)

Verrat

 (0)
Erschienen am 11.02.2019
Cover des Buches Ein Tod für ein Leben (ISBN: 9783944359236)

Ein Tod für ein Leben

 (0)
Erschienen am 01.02.2017

Neue Rezensionen zu Jurica Pavičić

Neu

Rezension zu "Fremde Helden" von Jurica Pavičić

Erzählungen aus Kroatien
Buecherschmausvor einem Jahr

Jurica Pavičić, 1965 geboren in Split/Dalmatien, ist in seinem Heimatland Kroatien ein renommierter Kolumnist, Journalist und Autor. Er veröffentlicht Essays und Romane und seit 2008 vermehrt Short Stories. Beim kleinen Berliner Verlag Schruf & Stipetic sind bislang neun dieser Geschichten in drei Bänden als ebooks erhältlich gewesen. Nun ist ein Sammelband in gebundener Form erschienen: Jurica Pavičić – Fremde Helden.
Die zehn Erzählungen könnte man entsprechend den ursprünglichen Zusammenstellungen thematisch gruppieren, einiges ist ihnen aber allen gemeinsam. Da ist zum einen der Handlungsort, der immer die Gegend im Süden Kroatien umfasst, mal eine karge Gegend an der Grenze zu Bosnien, mal die Adriaküste nördlich von Split, mal eine der dalmatischen Inseln. Zum anderen ist es der Jugoslawienkrieg, der 1991 in den Gebieten des ehemaligen Vielvölkerstaates auusbrach, nachdem die Spannungen zwischen den verschiedenen Ethnien nach dem Tod des langjährigen diktatorischen Staatschef Jugoslawiens Tito 1980 immer mehr zugenommen hatten. Es gibt Geschichten direkt aus dem Kriegsgeschehen oder solche, in denen es nur noch ein fernes Dröhnen ist, immer aber haben der Krieg und seine Auswirkungen Anteil am Geschehen, an den Schicksalen der Menschen, an ihren Gedanken und Erinnerungen. Schließlich ist da noch die Bora, jener klare, kalte Fallwind aus dem Norden, der die Geschichten durchweht.
Helden ist eine der Zusammenstellungen der Geschichten betitelt. Sie umfasst die Stories „Der Schlangentöter“, „Der Schutzengel“ und „Der Held“. Erstere führt direkt ins Kriegsgeschehen, zu den zermürbenden Scharmützeln im dalmatischen Hinterland, zu den „Maljutka-Kriegern“. Die Maljutka ist eine Panzerabwehrlenkrakete, blutjunge Computernerds wurden bevorzugt an ihr eingesetzt, da sie Meister am Joystick sind. Sehr bald müssen aber auch sie den Unterschied zwischen Krieg und Computerspiel erfahren.
Ganz andere „heldenhafte“ Aufträge verfolgen der Landvermesser Robert in „Der Held“ und Niko, „der Schutzengel“, der die Mission fühlt, auf die Witwe seines getöteten Kriegskameraden „aufzupassen“. Und auch der Polizist in „Nachtstreife“ ist so ein seltsamer Held, im Konflikt mit der Loyalität zu seinem Beruf und dem Recht und der zu seinem immer unverhohlener schmuggelnden Bruder.
Die Geschichten rund um „Das Tabernakel“ drehen sich um Wohnorte, Häuser und Wohnungen, die den Menschen sehr viel bedeuten, und die auf die eine oder andere Art abhandenkommen.
Und schließlich gibt es noch die Erzählungen, die sich um einen „Verrat“ drehen. Am eigenen korrupten Onkel oder sogar am eigenen verlassenen Kind.
Die Erzählungen von Jurica Pavičić in Fremde Helden sind perfekt komponiert, sehr gut geschrieben, in einer klaren, präzisen Sprache. Pavičić bewahrt ein Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz zu den Figuren und weiß auf eine schlichte Art tief zu berühren. Es sind die Narben, die die Menschen tragen, ihr Wissen um die Schuld, ihr Ringen um den richtigen Weg, ihre Hoffnungen, die lange nachhallen. Zudem wird ein Blick auf kroatische und jugoslawische Zeitgeschichte geworfen.
Fremde Helden von Jurica Pavičić war für mich eine der größten Überraschungen dieses Lesesommers und ich werde den Autor sicher im Auge behalten. Sein Thriller „Die Zeugen“ ist ebenfalls bei Schruf & Stipetic erschienen.

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Rezension zu "Die Zeugen" von Jurica Pavičić

Die Zeugen
_jamii_vor einem Jahr

Kroatien im Krieg 1992: In einem Vorort von Split wird ein serbischer Unternehmer ermordet. Womit die Täter nicht gerechnet haben: Die Tochter des Mannes wird Zeugin des Verbrechens. Die Männer entführen sie. Zunächst wird das Verbrechen erfolgreich vertuscht, denn die Täter verfügen über gute Beziehungen zu einflussreichen Personen. Doch immer mehr Leute werden in den Fall hineingezogen.
Krešo will das Mädchen retten. Seine Kriegskameraden wollen sie umbringen. Krešos Schwester Lidija will den Fall an die Öffentlichkeit bringen. Der Arzt Matić will einem Verwandten helfen und der Journalist Galjer nur eine bessere medizinische Behandlung für seine Frau. Und das Mädchen kann nur darauf warten, umgebracht oder gerettet zu werden.
Die Geschichte hat mich leider gar nicht überzeugt. Es ist sehr eintönig geschrieben, sehr viel beschrieben, es gibt nicht sehr oft Dialoge. Die Geschichte kommt auch nur sehr langsam in Fahrt, erst gegen Ende kommt ein bisschen Spannung auf. Zudem gibt es für meinen Geschmack zu viele eher wenige wichtige Nebenhandlungen, welche teilweise die Geschichte ebenfalls bremsen.
In die Geschichte sind sehr viele Personen mehr oder weniger involviert. Dies sorgte das eine oder andere Mal für Verwirrung bei mir, da ich die Figuren und ihre Nebengeschichten und Bekanntschaften nicht immer auseinanderhalten konnte.
Alles in allem leider nicht mein Fall.  

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Rezension zu "Die Zeugen" von Jurica Pavičić

Es ist Krieg.
Gulanvor einem Jahr

Während des Kroatienkriegs im Juni 1992 führt Kreso seinen kleinen Trupp versehentlich durch ein von ihm selbst gelegtes Minenfeld. Zwei Männer sterben, Kreso selbst verliert ein Bein. Kurz bevor Kreso aus der Rehabilitation zurückkehrt, begehen einige seiner Kameraden aus Wut, Frust und Hass einen Mord an einem serbischen Unternehmer. Die 12-jährige Tochter wird Zeugin des Mordes, die Täter entführen und verstecken sie. Über Beziehungen zum angesehenen Arzt Matić gelingt es ihnen zunächst, die Tat zu vertuschen. Doch was sollen sie mit dem Mädchen machen? Kreso und auch seine Schwester, die Journalistin Lidija, werden auf den Fall aufmerksam.

Die Jugoslawienkriege waren der letzte bewaffnete Konflikt in der Mitte Europas. Ein brutaler Konflikt, dessen traumatische Ereignisse bis heute in der Region nachwirken. Die Zeugen spielt 1992 überwiegend in Split, dessen Hinterland zwischen Kroaten und Serben noch umkämpft war. Eine beengte, fast kleinstädtische Szenerie, ständig weht der Wind. Korruption und Vetternwirtschaft. Von den Bergen grollt der Krieg herunter. Der Roman ist ein aus verschiedenen Perspektiven erzählter Gesellschaftsroman, gleichwohl spannend. Sehr überzeugend ist der Blick auf die verschiedenen Figuren. Vor allem die Sicht auf die Reservisten, die perspektivlos und traumatisiert sich den niederen Instinkten ergeben, dabei aber in Kriegszeiten auf Rückendeckung von oben hoffen dürfen.

„Seit der Granatsplitter Luka umgebracht hatte, waren sie zu unbarmherzigen, männlichen Hass verurteilt. […] Sie mussten entschlossen und unbeirrbar sein, ihrem Zorn ergeben. Für andere mochte Hass eine Tugend sein, für sie war er eine Pflicht.“ Auszug Seite 40

Ein lesenswerter Roman über Hass, Wut, Scham, Schuld und Sühne, der sich aber der völligen Schwärze verweigert, sondern auch ein wenig Hoffnung verbreitet. Die Verfilmung, Svjedoci, gewann 2004 den Friedenspreis der Berlinale.

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Die Zeugen

Jurica Pavičićs Thriller spielt vor einem Vierteljahrhundert, während des Kriegs auf dem Balkan. Der Roman wurde ver­filmt, der Film „Die Zeugen“ erhielt auf der Berlinale 2004 den Friedensfilmpreis. 15 Jahre später, zur diesjährigen Berlinale, präsentieren wir eine neu aufgelegte deutsche Ausgabe und verlosen aus diesem Anlass

3 Taschenbücher und

10 E-Books (epub oder mobi)

des Romans.  

 

Die Zeugen

Kroatien im Krieg 1992: In einem Vorort von Split wird ein serbischer Unternehmer ermordet. Womit die Täter nicht gerechnet haben: Die Tochter des Mannes wird Zeugin des Verbrechens. Die Männer entführen sie. Zunächst wird das Verbrechen erfolgreich vertuscht, denn die Täter verfügen über gute Beziehungen zu einflussreichen Personen. Doch immer mehr Leute werden in den Fall hineingezogen.
Krešo will das Mädchen retten. Seine Kriegskameraden wollen sie umbringen. Krešos Schwester Lidija will den Fall an die Öffentlichkeit bringen. Der Arzt Matić will einem Verwandten helfen und der Journalist Galjer nur eine bessere medizinische Behandlung für seine Frau. Und das Mädchen kann nur darauf warten, umgebracht oder gerettet zu werden.

Habt ihr Lust, dieses Buch zu lesen und rezensieren? Dann schreibt uns, warum ihr euch dafür interessiert und ob ihr lieber ein Taschenbuch oder E-Book gewinnen möchtet.

 

Viel Glück!

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