Jurica Pavicic

 3,9 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor von Die Zeugen, Blut und Wasser und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Jurica Pavicic

Jurica Pavičić, 1965 in Split geboren. Er ist einer der renommiertesten Autoren und engagiertesten Journalisten Kroatiens, wurde außerdem als Film- und Literaturkritiker mehrfach ausgezeichnet und lehrt an der Filmhochschule. Pavičić schrieb als Erster unverhohlen kritisch über den Krieg in den 1990er Jahren in Kroatien. Die Verfilmung „Die Zeugen“ seines ersten Romans über eine Soldateska in Split erhielt 2004 den Friedenspreis der Berlinale.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jurica Pavicic

Cover des Buches Die Zeugen (ISBN: 9783944359441)

Die Zeugen

 (11)
Erschienen am 11.02.2019
Cover des Buches Blut und Wasser (ISBN: 9783944359496)

Blut und Wasser

 (3)
Erschienen am 01.11.2020
Cover des Buches Fremde Helden (ISBN: 9783944359526)

Fremde Helden

 (2)
Erschienen am 19.10.2020
Cover des Buches Helden (ISBN: 9783944359083)

Helden

 (1)
Erschienen am 15.12.2015
Cover des Buches Verrat (ISBN: 9783944359427)

Verrat

 (0)
Erschienen am 11.02.2019
Cover des Buches Ein Tod für ein Leben (ISBN: 9783944359236)

Ein Tod für ein Leben

 (0)
Erschienen am 01.02.2017

Neue Rezensionen zu Jurica Pavicic

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Cover des Buches Blut und Wasser (ISBN: 9783944359496)Thomas_Lawalls avatar

Rezension zu "Blut und Wasser" von Jurica Pavicic

Gegenentwurf zur massenkompatiblen Kriminalliteratur.
Thomas_Lawallvor 3 Monaten

Ende September 1989 sieht alles aus wie immer. Veränderte Vorzeichen gibt es nicht. Vesna und Jakob, achtzehn Jahre verheiratet, deren Kinder Silva und Mate, siebzehnjährige Zwillinge, sitzen zusammen: "Ein ganz gewöhnliches Abendessen wie viele zuvor."

Ein ganz normales Leben im kleinen Ort "Misto" an der kroatischen Adria. Jakob fristet seine ungeliebte berufliche Laufbahn als Buchhalter, während Vesna als Grundschullehrerin vergeblich nach ihrem verloren gegangenen Enthusiasmus sucht. Vierzehn Jahre Schuldienst ließen in ihr den Eindruck wachsen, "dass Kinder in ihrem Wesen nicht gut sind".

Doch man richtet sich in der Gewöhnlichkeit des Alltags ebenso ein, wie in der "ruhigen, aber auch langweiligen Ehe". Immerhin reicht es für wenige Momente einer trauten Zweisamkeit und das Großziehen der Kinder. Alles wäre weiterhin einem vorgezeichneten Weg gefolgt, wenn da nicht jenes Fischerfest gewesen wäre. Jener Abend, an dem Silva nicht mehr nach Hause kommen sollte. Die Suche beginnt. Und ein Alptraum.

Nüchtern und in fast sachlicher Genauigkeit schildert Jurica Pavičić das Leben "normaler" Leute, welches völlig aus dem Ruder läuft. Erstaunlich die Erkenntnis, wie sehr sich der vermeintlich einfache Lebensentwurf der Familie im Nachhinein ändert und selbst die kleinsten Nebensächlichkeiten an Gewicht und Wert gewinnen, wenn der gegebene Rahmen durch Verlust plötzlich wie ein aus der Bahn geworfener Planet durchs All taumelt.

Verzweiflung greift wie eine Seuche um sich, als die Polizei mit ihrem Latein am Ende ist, und Georg und Mate sich selbst und ebenso vergeblich um die Suche nach Silva bemühen. Diesen Ausnahmezustand weiß der Autor weiter zu dramatisieren, indem er ihn in größere Zusammenhänge stellt. Die bescheidene Gedankenwelt der Dorfgemeinschaft entwickelt in dieser Sache eine unglückselige Eigendynamik, die alle Einigkeit nachhaltig zerstört.

Den noch größeren Rahmen auf der fast schon überladenen Bühne bilden politische Umwälzungen, die an ebenso erfreuliche wie ungemütliche Kapitel der Geschichte erinnern. Ostdeutschland wird im Oktober 1989 um den Rücktritt Honeckers bereichert, während wenige Monate später in Jugoslawien der wirtschaftliche und politische Zerfall beginnt, der den Weg in die Jugoslawienkriege bereiten sollte.

Diesen skizziert der Autor aber nur am Rande, auch wenn die Auswirkungen im weiteren Verlauf der Handlung ständig präsent sind und mit der Handlung verwoben werden. Die Hauptpersonen interessiert dies jedoch wenig, allen voran Silvas Mutter. Ihr eigenes Leid könnte nicht größer sein, weshalb sie sich für den Kummer der anderen nicht interessiert. Zudem gibt es, wie in jedem Krieg, auch in diesem keine Sieger, "nur aufgeschobene Niederlagen".

Mate hält als letzter durch, und gibt auch nach vielen Jahren die Suche nach seiner Schwester zunächst nicht auf, auch als er schließlich verheiratet ist und selbst eine Tochter hat. Ergreifend, wie es Jurica Pavičić schafft, den Spagat zwischen der Normalität des Alltags und tiefster Verzweiflung darzustellen, wenn sich nach weiteren, sich europaweit ausdehnenden Suchaktionen, wieder ein Hinweis in Luft auflöst.

Alles was man tut oder auch nicht tut, hat Folgen. Das Miteinander und Gegeneinander sind oft nur eine Handbreit voneinander entfernt. In unmissverständlicher Klarheit führt der Autor Leserinnen und Leser durch gescheiterte Lebensentwürfe und zeichnet Psychogramme von Menschen in Ausnahmesituationen.

Ein Roman aus "Blut und Wasser", ein Puzzle aus Ursache, Wirkung und zwischenmenschlichen Gräben. Eine erfundene Geschichte, und doch die reale eines Landes. Wie eine Blaupause des Lebens. Der Gegenentwurf zur massenkompatiblen Kriminalliteratur.

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Cover des Buches Blut und Wasser (ISBN: 9783944359496)Knigaljubs avatar

Rezension zu "Blut und Wasser" von Jurica Pavicic

Ein Mädchen verschwindet und hinterlässt Spuren...
Knigaljubvor 5 Monaten

Kroatien 1989. Ein 17jähriges Mädchen verschwindet. Spurlos? Nicht ganz. Nach und nach, über einen Zeitraum von fast 30 Jahren, wird die Geschichte vom Verschwinden der Tochter und Zwillingsschwester rekonstruiert und aufgedeckt. Man erfährt, wie es den Angehörigen und Nachbarn im Laufe der Jahren geht. Was macht es mit einer Dorfgemeinde, wenn jemand aus deren Mitte plötzlich nicht mehr auftaucht? Und was ist mit Silva geschehen?

Anfangs fühlte ich mich wie in einen True-Crime-Fall versetzt, bei dem Stück für Stück die Fakten zum Verschwinden auf den Tisch kommen, aus denen ich - zusammen mit Silvas Bruder und Eltern - immer weitere Schlüsse ziehen konnte. Warum? Wie? Lange beschäftigen einen Fragen solcher Art, auch wenn mit fortlaufender Zeit Silvas Verschwinden nicht mehr für jeden der Protagonisten eine primäre Rolle zu spielen und zwischendurch etwas in den Hintergrund zu geraten scheint.

Allmählich zeigt sich, dass der Roman mehr als nur die (true-crime-ähnliche) Schilderung eines Verbrechens ist. Pavičić nimmt sich Zeit, die Umgebung, die gesellschaftlichen Verflechtungen und vor allem die familiären Auswirkungen ausführlich zu beleuchten und schafft so das Panorama eines kleinen kroatischen Küstenortes. Und er tut dies, ohne dabei in langweilige Beschreibungen abzudriften, denn durch die chronologische Aufdeckung immer neuer Indizien zu Silvas Verschwinden bleibt die Lektüre spannend.

"Blut und Wasser" ist aber nicht nur ein (ziemlich unblutiger, daher wohl zurecht als "Roman" betitelter) Krimi, der atmosphärisch durch seinen Schauplatz an der kroatischen Adria punktet, sondern zeigt auch die verheerenden Folgen eines Krieges auf polizeiliche Ermittlungsarbeiten, gibt Einblicke in die gesellschaftlichen Umbrüche Jugoslawiens/Kroatiens und offenbart letztlich die mehrdimensionale Tragik des geschilderten Falles.

Ein wenig haben mich die Tempuswechsel gestört, denn es wird des Öfteren ins historische Präsens gewechselt, worüber ich ziemlich oft gestolpert bin. Außerdem fand ich die Auflösung zwar (krimitypisch) stimmig und durchaus überraschend, aber auf dem Weg dahin hätte Pavičić mir nicht jeden Gedankengang einzeln servieren und mich auch gern ein paar mehr Schlüsse selbst ziehen lassen können.

Alles in allem handelt es sich aber um eine kurzweilige, bereichernde Lektüre eines preisgekrönten, mir bis dato leider unbekannten kroatischen Autoren, für deren Übersetzung und deutsche Ausgabe dem Verlag schruf&stipetic Dank gebührt und die ich gerne empfehle.

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Cover des Buches Die Zeugen (ISBN: 9783944359441)_jamii_s avatar

Rezension zu "Die Zeugen" von Jurica Pavicic

Die Zeugen
_jamii_vor 2 Jahren

Kroatien im Krieg 1992: In einem Vorort von Split wird ein serbischer Unternehmer ermordet. Womit die Täter nicht gerechnet haben: Die Tochter des Mannes wird Zeugin des Verbrechens. Die Männer entführen sie. Zunächst wird das Verbrechen erfolgreich vertuscht, denn die Täter verfügen über gute Beziehungen zu einflussreichen Personen. Doch immer mehr Leute werden in den Fall hineingezogen.
Krešo will das Mädchen retten. Seine Kriegskameraden wollen sie umbringen. Krešos Schwester Lidija will den Fall an die Öffentlichkeit bringen. Der Arzt Matić will einem Verwandten helfen und der Journalist Galjer nur eine bessere medizinische Behandlung für seine Frau. Und das Mädchen kann nur darauf warten, umgebracht oder gerettet zu werden.
Die Geschichte hat mich leider gar nicht überzeugt. Es ist sehr eintönig geschrieben, sehr viel beschrieben, es gibt nicht sehr oft Dialoge. Die Geschichte kommt auch nur sehr langsam in Fahrt, erst gegen Ende kommt ein bisschen Spannung auf. Zudem gibt es für meinen Geschmack zu viele eher wenige wichtige Nebenhandlungen, welche teilweise die Geschichte ebenfalls bremsen.
In die Geschichte sind sehr viele Personen mehr oder weniger involviert. Dies sorgte das eine oder andere Mal für Verwirrung bei mir, da ich die Figuren und ihre Nebengeschichten und Bekanntschaften nicht immer auseinanderhalten konnte.
Alles in allem leider nicht mein Fall.  

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