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Lilabella

vor 6 Jahren

(16)

„Erbarmen“ – genau das ging mir beim Lesen dieses Buches immer wieder im Kopf herum. Ich hatte zwischendurch die allergrößten Probleme damit, mich davon abzuhalten, das Buch einfach in die nächste Ecke zu schmeißen und darauf herumzutrampeln. Nicht etwa, dass mir die Idee zur Story nicht gefallen hätte, im Gegenteil: Dieser Einfall hatte durchaus Potential. Das Problem an der Sache war dann allerdings die Umsetzung.
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Ich habe in bin in bisher noch keinem Buch einem Protagonisten begegnet, der mich auf eine solche Weise abstößt wie Carl Mørk. Er ist, man kann es nicht anders sagen, ein absolutes Arschloch. Er macht seinen Kollegen im Revier das Leben schwer, wo er nur kann, hat regelmäßig cholerische Anfälle und scheint sich in seinem Leben noch nie um Regeln gekümmert zu haben – geschweige denn daran gehalten. Für mich einfach ein Charakter mit zu vielen „Ecken und Kanten“, was es mir extrem schwer machte, in irgendeiner Weise empathisch auf diese Figur einzugehen, egal ob Privat- oder Berufsleben… Ich hab den Kerl einfach nicht verstanden und wollte es auch nicht. Zudem musste er dann auch immer noch irgendwie Recht behalten, was mich natürlich durch die mangelnde Sympathie manchmal ziemlich auf die Palme brachte. UND dazu noch seine sexuelle Frustration. Außerdem ist er zu faul, seine eigene Arbeit zu machen und lässt das natürlich alles an seinem Assistenten aus, den ich weitaus sympatischer fand, als den Vize-Kommissar selbst.
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Der Schreibstil war ziemlich einfach, meist handelte es sich hier (zumindest am Anfang) um einzelne Haupsätze und das Lesen an sich war wenig anspruchsvoll (da kann man sich jetzt drüber streiten, ob der Übersetzer oder der Autor daran Schuld haben)… man musste nur aufpassen, dass man vor Ermüdung nicht mit den Gedanken abschweifte. In der Handlung ist nämlich meiner Meinung nach viel zu wenig Spannung, der einzige Anstieg findet sich vielleicht in den letzten 60 Seiten oder in den Episoden, in denen wir bei Merete Lynggaard sind – ansonsten handelt es sich weitestgehen um lahme Ermittlungsarbeiten. Schade fand ich auch, dass der Mörder und die Motive für mich relativ zügig feststanden und der Rest des Buches meinen Verdacht immer nur ergänzt hat: keine Dead-Ends, keine Widersprüche… das ging mir alles ein bisschen zu gerade.
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Das einzige, was ich positiv bewerten möchte, ist das Ende des Buches: Die Luft war zwar raus, aber alles wurde mir wie auf dem Silbertablett noch einmal vorgeführt und den generellen Ausgang des Falles fand ich auch zufriedenstellend. Trotzdem wird dieses Buch wohl nie mein Lieblingsbuch werden.

Autor: Jussi Adler-Olsen
Buch: Erbarmen
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