Justine Lévy Schlechte Tochter

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Inhaltsangabe zu „Schlechte Tochter“ von Justine Lévy

Louise ist schwanger, eine Überraschung, ein Glück. Doch beinahe gleichzeitig erfährt sie, dass ihre Mutter im Sterben liegt. Bis zum Tod wird Louise sie begleiten, ihre Launen und Ängste ertragen, den körperlichen Verfall. Gleichzeitig hofft sie, vieles zu klären: Wie kann man selbst eine gute Mutter werden, wenn die eigene versagt hat? Wieso meint man noch als Erwachsene, an allem selbst schuld und als Tochter nie gut genug zu sein? Mit ihrer ratlos offenen Beschreibung einer komplexen Mutter-Tochter-Beziehung ist Justine Lévy ein tief berührender Roman gelungen.

Eine schonungslose Abrechnung mit der sterbenden Mutter, die dennoch viele Zweifel und Liebe, der schwangeren Tochter, in sich trägt.

— dicketilla
dicketilla

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  • Rezension zu "Schlechte Tochter" von Justine Lévy

    Schlechte Tochter
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    29. March 2012 um 15:09

    Die in Frankreich sehr bekannte Autorin des vorliegenden Buches ist die Tochter des Großphilosophen Bernhard Henry Levy, unter den Intellektuellen Frankreichs nur BHL genannt, und von Isabelle Doutreluigne, einer in den siebziger Jahren berühmten Frau, die es mehrmals auf das Cover der Vogue schaffte. Die Ehe mit BHL allerdings hielt nur einige Jahre, danach trennte sie sich von ihm und ihrer Tochter, um fortan in zahllosen Liebschaften mit Frauen und Männern, auf fast jeder Party tanzend, immer mehr dem Alkohol und verschiedenen Drogen zu verfallen. 2004 ist sie gestorben, genau in dem Jahr, als ihre Tochter zum zweiten Mal schwanger wird, nachdem sie Jahre zuvor ihr erstes Kind verloren hatte. Der autobiographische Roman "Schlechte Tochter" erzählt von dieser Mutter- Tochter- Beziehung, wie man sie sich schwieriger nicht vorstellen könnte. Selbst wieder Leben in sich heranwachsen spürend, muss sich Justine, alias Louise, mit der sterbenden Mutter auseinandersetzen. Ihr ganzes Leben zieht vorbei, die Gefühle der Verlassenheit, der oft abwesende Vater, bei dem sie ihre ganze Kindheit und Jugend verbringt und der vieles mit seinem Geld überdeckt, die Eskapaden seiner Frau immer wieder ausbügelt. Louise möchte ihrer Mutter so gern sagen, dass sie ein Kind in sich trägt, doch als sie es endlich schafft, ist ihre Mutter schon ins Koma gefallen. Der Roman hat mich sehr berührt hat, nicht selten auch wütend gemacht über die Impertinenz, mit der hier eine Mutter das Leben ihrer Tochter zu ruinieren droht, indem sie ihr eigenes zerstört. Es ist ein ehrliches Buch, ein echter Frauenroman, weil er erzählt von genuinen Frauenerfahrungen. Der schwierigen Beziehung zu eigenen Mutter, dem bis zu Ende und auch nach ihrem Tod vorherrschenden Gefühl, eine "schlechte Tochter" zu sein, den Ambivalenzen von Schwangerschaft und Mutteridentität. Justine Levy meistert das schwere elterliche Erbe gut. Sie hat vom Vater die Kunst der Sprache, auch der Selbstinszenierung gelernt und dem schwierigen mütterlichen Ballast geht sie unter anderem zu Leibe, in dem sie dieses Buch vorlegt, einen großartigen Roman, der in vielem an den zeitgleich in Deutschland erschienenen Roman von Georg Diez "Der Tod meiner Mutter" erinnert. "Die Zeremonie des Abschieds" hat Simone de Beauvoir das vor vielen Jahren in ihrem sehr persönlichen Buch über Beziehung zu Sartre genannt, was sowohl Levy als auch Diez dem Publikum präsentieren, nachdem sie es selbst durchgearbeitet haben: die Erkundung letzter Fragen, die sie nicht mehr so beantworten können, wie viele Generationen vorher und die Entdeckung vieler Erkenntnisse über das eigene Leben bei der Beschäftigung mit dem Tod und dem Leben der Mutter. Ich kann beide Bücher sehr empfehlen. Sie sind nicht nur eine bewegende und anspruchsvolle Lektüre, sondern sie leisten das, was gute Literatur tun sollte: sie konfrontieren dich mit dir selbst.

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  • Rezension zu "Schlechte Tochter" von Justine Lévy

    Schlechte Tochter
    Clari

    Clari

    24. March 2010 um 17:41

    Geburt und Tod als Antipoden. Als Tochter berühmter Eltern lebt es sich nicht immer leicht und als Tochter eines berühmten französischen Philosophen erst recht nicht. Dennoch zeigt Justine Lévy, die Tochter von Bernhard-Henri Lévy, in ihrem Roman "Schlechte Tochter_", dass sie eine eigenständig denkende hervorragende Autorin ist. Sie schreibt ihre Bücher auf dem Hintergrund der eigenen Biographie und hat sich in diesem Fall das Verhältnis von Müttern und Töchtern zum Thema genommen. Ihr Text ist eigenwillig, assoziativ, emotional und von eindringlicher Kraft. Worum geht es? Als die Mutter von Louise im Roman an Brustkrebs erkrankt, weicht die Tochter erschocken vor dem Leiden zurück, das ambivalente Gefühle in ihr weckt. Sie flieht mit ihrem Mann Pablo nach Rom, wo sie bald bemerkt, dass sie schwanger ist. In wechselnden emotionalen Gefühlen behält Louise ihre Schwangerschaft für sich, weil sie tief im Innern Schuld und Scham empfindet,denn sie vermutet, dass sie mit ihrer Schwangerschaft für die sterbende Mutter eine Zumutung ist. Hier wächst Leben heran, dort vergeht eine anderes in qualvollem Leid. In ihrem langen Monolog, der von tiefer Ambivalenz getragen ist, drückt Louise Ärger, Wut, Verzweiflung und Zorn aus, dass die so schöne und nun erkrankte Frau mit ihrem Leiden in ihr Glück und Wohlgefühl einbricht. Der kurze Text zeigt den krassen Wechsel von Leben und Vergehen in offenen, ehrlichen und sarkastischen Worten. Zugleich sieht man die häufig zu beobachtende Ambivalenz zwischen einer Mutter, die erst noch eine werden will und der anderen, die ihr Muttersein bereits hinter sich hat. Insbesondere Mütter und Töchter leben in wechselnden Stimmungen von Liebe, Wohlwollen, Neid und Argwohn zu einander. Diesen Zwiespalt hat Justine Levy gut erkannt und sieht sich wie zwischen allen Stühlen sitzend einmal als Tochter, dann wieder als werdende Mutter einer Tochter. Sie birst beinahe über vor Wut und Verzweiflung über das unglückliche Leben der Mutter, und dass diese gehen muss, bevor sie mit ihr die Geburt ihrer Tochter erleben kann. Die Rebellion bricht sich allenthalben Bahn und lässt den Leser betroffen zurück. Kreatürlich und laut sind die Empfindungen, in die sich immer auch Liebe und Vertrauen zum Vater mischt gepaart mit der Sehnsucht nach einer liebenden Mutter . Sie war nicht immer da, und sie war nicht immer gut zu ihr. „Ach könnte man die Geschichte doch neu schreiben“ klingt als Tenor durch die Erzählung! Der Text ist von einnehmender Stärke und Aussagekraft. Gerade die Form der Assoziation lässt tiefe Einblicke in das innerer Empfinden zu. Man kann sich dem Sog der damit erzeugten Spannung nicht entziehen.

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