Jutta Reichelt

 4.1 Sterne bei 12 Bewertungen
Jutta Reichelt

Lebenslauf von Jutta Reichelt

Jutta Reichelt (1967) studierte Jura und Soziologie in Bonn und Bremen. Sie lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin in Bremen, unterrichtet »Literarisches Schreiben«, leitet diverse Literaturwerkstätten und gehört dem Masken-Ensemble des Bremer Blaumeier-Ateliers an. Jutta Reichelt erhielt mehrere renommierte Auszeichnungen, u. a. war sie Stipendiatin der »Bremer Romanwerkstatt«, Preisträgerin des Tübinger Würth-Literaturpreises (Laudatio Herta Müller) sowie des Irseer Pegasus. 2008 erschien der Roman "Nebenfolgen" im Heinrich-Verlag, 2015 "Wiederholte Verdächtigungen" bei Klöpfer & Meyer.

Alle Bücher von Jutta Reichelt

Wiederholte Verdächtigungen

Wiederholte Verdächtigungen

 (11)
Erschienen am 09.02.2015
Nebenfolgen

Nebenfolgen

 (1)
Erschienen am 01.08.2008

Neue Rezensionen zu Jutta Reichelt

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Lesemaus_im_Schafspelzs avatar

Rezension zu "Wiederholte Verdächtigungen" von Jutta Reichelt

Außergewöhnlich durchdacht mit viel Interpretationsspielraum
Lesemaus_im_Schafspelzvor 4 Jahren


~~~ 4,5 Sterne ~~~

Christoph ist verschwunden. Eigentlich wollte er nach ein paar Stunden wieder da sein, aber dann erhält seine Freundin eine SMS, er habe sich da „idiotisch in etwas verrannt“. Beunruhigt über sein Wegbleiben beginnt Katharina zu spekulieren.

Da ich eigentlich nicht gerne einfach nur den Klappentext abtippe, fasse ich normalerweise den Inhalt selbst kurz zusammen. Ich muss sagen, es gibt mehrere Gründe, dies hier nicht getan zu haben: Zum einen gefiel mir keine der Formulierungen, die ich finden konnte, zum anderen ist allein der Klappentext ein kleiner Hinweis darauf, was den Leser Besonderes in diesem kleinen Buch erwartet.

Autorin Jutta Reichelt arbeitete 6 Jahre an diesem Werk, was sich in jeder einzelnen Zeile bemerkbar macht. Jeder Satz, jede Formulierung, jeder Interpretationsspielraum ist sorgfältig ausgewählt und bis ins kleinste Detail durchdacht.
Wo ich einen Roman über das rätselhafte Verschwinden des Protagonisten und die Auflösung dessen erwartet habe, habe ich so viel mehr erhalten:
Gekonnt spiegelt sie Emotionen und Gedanken Kathrins wieder, perfekt formuliert sie Dinge, die den Leser zum anregen – müssen –!
„Vielleicht versteckt sich Christoph schon seit Langem und ist nun verschwunden, um sein ständiges Verstecktsein erst sichtbar zu machen“ (S. 42).
Aussagen wie diese – mal subtil, mal mit dem „Vorschlaghammer“ der Deutlichkeit reißen mich als Leser absolut mit, lassen mich eintauchen in die Gedankenwelt der Protagonisten.
Doch bleiben auch viele Fragen offen: Warum ist die Unfähigkeit miteinander zu kommunizieren hier so stark ausgeprägt? Ist es in anderen Beziehungen anders? Ganz heimlich und leise beginnt man, die Fragen auf die eigenen zwischenmenschlichen Beziehungen zu projizieren und legt das Buch immer wieder weg, um darüber nachzudenken, das Gelesene wirken zu lassen.
Inhaltlich sei so viel verraten: Christoph taucht wieder auf! Doch ob uns verraten wird, wo er gesteckt hat und warum er verschwunden ist? Wer erwartet, die Antworten darauf hier auf dem Silbertablett serviert zu bekommen, wird enttäuscht sein. Wer hingegen selbst seine Hirnwindungen anstrengt, wird seine Freude haben ob der Interpretationsmöglichkeiten.
„Lass uns erst einmal eine Weile so tun, als sei alles in Ordnung.“ (S. 91) – eine Aussage, die wie ein Damoklesschwert über dem gesamten Buch schwebt.

Lange habe ich über diese Rezension gegrübelt, das Buch nachwirken lassen, es auch nach dem Lesen noch hier und da zur Hand genommen – was allein schon Beweis genug ist, was es in mir in Bewegung gebracht hat!
Ganz bewusst möchte ich hier nicht näher auf den offensichtlichen Inhalt, die Charakterisierung der Protagonisten und die typischen „Merkmale“ eingehen.
Hier ist es vielmehr der Zauber zwischen den Zeilen, die in der Leserunde mehrfach erwähnten Leerstellen – besser kann man es nicht ausdrücken! –, die dieses Buch zu einem wirklich besonderen Leseerlebnis gemacht haben.

In der Leserunde mit der Autorin gab es noch den einen oder anderen Denkanstoß on top, den ich auf mich habe wirken lassen.
Einzig ein Gedankengang erschloss sich mir tatsächlich nicht ganz beim Lesen (nach der Erklärung selbstredend schon, doch kam mir das im Buch selbst nicht deutlich genug heraus), nämlich der auslösende Moment zu Christophs Verschwinden. Auch wenn man natürlich seine Thesen dazu bilden kann, ein kleines bisschen mehr wäre hier für meinen persönlichen Geschmack optimal gewesen.

Ein herzliches Dankeschön geht natürlich insbesondere an Jutta Reichelt, die in der Leserunde geduldig die Fragen und Anmerkungen der Leser beantwortet hat!
Eine klare Leseempfehlung für alle aktiven Leser, die sich nicht nur „berieseln“ lassen möchten, sondern auch mal über das Geschriebene – sowie das Nicht-Geschriebene! – nachdenken möchten!

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Schumi_HBs avatar

Rezension zu "Wiederholte Verdächtigungen" von Jutta Reichelt

Wie gut kennen wir unsere Nächsten wirklich?
Schumi_HBvor 4 Jahren

Katharina ist verzweifelt. Sie kann es nicht glauben: Ihr Freund Christoph ist aus heiterem Himmel verschwunden. Nach einer kurzen, nichtssagenden SMS, dass er sich in etwas verrannt hätte, lässt er seine nach Antworten suchende Freundin in ihrer Verzweiflung zurück. Freunde, die zu ihm wollen, muss sie mit Ausreden vertrösten. Als seine Eltern überraschend zu Besuch kommen, kann sie seine Abwesenheit nicht länger verbergen. Neben Selbstvorwürfen muss sie sich nun auch zu ihrer Beziehung rechtfertigen. Was war geschehen?

Für Katharina scheint Christophs Familie der Schlüssel zur Lösung des Mysteriums zu sein. Mühsam verfolgt sie einen verschlungen Pfad zu Christophs Vergangenheit und versucht die Hintergründe seines Verhaltens aufzudecken. Stück für Stück fügt sich das Mosaik eines lange verschwiegenen Geheimnisses zu einem Ganzen.

Bei Lesen wird die Phantasie angeregt und man versucht unweigerlich, sich die Gründe für Christophs Verschwinden zusammenzureimen. Gelingt es uns immer, alle Geheimnisse eines Menschen wirklich zu kennen und gelingt es uns dann auch, mit den "blind-Spots" der Vergangenheit umzugehen? Ohne dass man ahnt, wie sich der Knoten auflösen wird, bleibt es spannend bis zum Schluss.

Aufgelockert durch amüsante Alltäglichkeiten, ist der Roman in einer ruhigen Sprache ohne dramatische Ausschmückungen kompakt geschrieben, ohne dabei langweilig zu wirken.
Den Text ohne Verwendung der wörtlichen Rede lebendig wirken zu lassen ist für mich eine hohe Kunst des Schreibens, die ich bewundere.

Fazit:
Es hat mich gefreut, mit diesem Roman eine Perle im Haufen bunter Murmeln gefunden zu haben!

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Rezension zu "Wiederholte Verdächtigungen" von Jutta Reichelt

Jede Seite lohnt sich.
Steph86vor 4 Jahren

Buchbeschreibung

Christoph ist verschwunden. Eigentlich wollte er nach ein paar Stunden wieder da sein, aber dann erhält seine Freundin eine SMS, er habe sich da "idiotisch in etwas verrannt...". Beruhigt über sein Fernbleiben beginnt Katharina über die möglichen Ursachen zu spekulieren.

Ihre Nachforschungen beginnen im Bremer Stadtteil Walle und reichen zurück bis in Christophs Kindheit. Verlief diese vielleicht anders, als er bisher angenommen hatte? Katharina und Christoph geraten immer mehr in den Strudel einer Entwicklung, die sie nicht mehr aufhalten, nicht mehr kontrollieren können...

Jutta Reichelt erzählt in ihrem schmalen, aber gewichtigen Roman (an dem sie gut sechs Jahre arbeitete) ganz unaufgeregt, fast beiläufig von Menschen, die sich oder anderen keine Auskunft geben, keine Antwort geben können - über sich selbst. Weil sie ihre eigene Geschichte nicht kennen. Weil ihnen die Worte fehlen oder weil sie den erlebten Schrecken niemanden zumuten wollen.

Jutta Reichelt: eine einfühlsame, eine "hintergründige" Wahrnehmerin. Eine Erzählerin mit Tiefgang. Und trotzdem nicht "schwer". Und ja doch: eine richtige literarische Entdeckung.

 

Leseeindruck

Diese Buchbeschreibung schraubt die Erwartungen des Lesers an das Buch sehr hoch. Aber ich muss sagen, dass die Erwartungen voll erfüllt werden. Der direkte Einstieg ist super gewählt und spätestens ab der dritten Zeile ist man mitten drin in der Handlung.

Man kann sich dank der liebevollen Art zu schreiben, super in die Akteure hineinversetzen. Auf keiner Seite hatte ich das Gefühl, dass es langweilig wird. Im Gegenteil man musste immer gespannt sein, wie es jetzt weiter geht, weil eigentlich vorhersehbar war.

Genau das Ende. Bis kurz vor Schluss konnte man nicht ahnen in welche Richtung es läuft und gerade aus diesem Grund finde ich das offene Ende gut. Es regt zum Nachdenken an und man wird sich noch lang an dieses Buch zurückerinnern.

Ich habe das Buch in weniger als einen Tag gelesen, weil ich es einfach nicht geschafft habe, es aus der Hand zu legen. Was kann man da anderes geben, als eine Bewertung mit 5 Sternen.

 

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Gespräche aus der Community

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JuttaReichelts avatar
Liebe Leserinnen und Leser,

gemeinsam mit meinem Verlag Klöpfer & Meyer, möchte ich Euch zu einer Leserunde meines neuen Romans „Wiederholte Verdächtigungen“ einladen:

Christoph ist verschwunden. Eigentlich wollte er nach ein paar Stunden wieder da sein, aber dann erhält seine Freundin eine SMS, er habe sich da »idiotisch in etwas verrannt ...«. Beunruhigt über sein Fernbleiben beginnt Katharina über die möglichen Ursachen zu spekulieren.

Ihre Nachforschungen beginnen im Bremer Stadtteil Walle und reichen zurück bis in Christophs Kindheit. Verlief diese vielleicht anders, als er bisher angenommen hatte? Katharina und Christoph geraten immer mehr in den Strudel einer Entwicklung, die sie nicht mehr aufhalten, nicht mehr kontrollieren können ...

Alle, die dabei sein wollen, bitte ich um erste Leseeindrücke (Leseprobe).

Ich werde vermutlich nicht jeden Beitrag kommentieren können, freue mich aber über regen Austausch, auf Fragen und Anmerkungen!


Hier habe ich auf meinem Blog "Über das Schreiben von Geschichten" erste Reaktionen und Rezensionen zusammengestellt.
Zur Leserunde

Zusätzliche Informationen

Jutta Reichelt wurde am 04. September 1967 in Bonn (Deutschland) geboren.

Community-Statistik

in 13 Bibliotheken

von 1 Lesern aktuell gelesen

von 5 Lesern gefolgt

Worüber schreibt Jutta Reichelt?

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