Jutta Reichelt Wiederholte Verdächtigungen

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Inhaltsangabe zu „Wiederholte Verdächtigungen“ von Jutta Reichelt

Jutta Reichelt erzählt in ihrem schmalen, aber gewichtigen Roman (an dem sie gut sechs Jahre arbeitete) ganz unaufgeregt, fast beiläufig von Menschen, die sich oder anderen keine Auskunft geben, keine Antwort geben können über sich selbst. Weil sie ihre eigene Geschichte nicht kennen. Weil ihnen die Worte fehlen oder weil sie den erlebten Schrecken niemandem zumuten wollen.§Jutta Reichelt: eine einfühlsame, eine "hintergründige" Wahrnehmerin. Eine Erzählerin mit Tiefgang. Und trotzdem nicht "schwer". Und ja doch: eine richtige literarische Entdeckung.

Wunderbar durchdacht, jede Zeile ein Genuss, mitdenken wünschenswert! :-)

— Lesemaus_im_Schafspelz

Ein Buch was man im Bücherregal stehen haben muss.

— Steph86

Regt zum Nachdenken an

— Julitraum

Außergewöhnlicher Roman um ein Familiengeheimnis: fesselnde Geschichte, herausragende Sprache - absolut lesenswert!

— Polly_liest

Ein dramatisches, emotionales Highlight, das den Leser komplett in seinen Bann zieht.

— SzenarioLicht

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  • Leserunde zu "Wiederholte Verdächtigungen" von Jutta Reichelt

    Wiederholte Verdächtigungen

    JuttaReichelt

    Liebe Leserinnen und Leser, gemeinsam mit meinem Verlag Klöpfer & Meyer, möchte ich Euch zu einer Leserunde meines neuen Romans „Wiederholte Verdächtigungen“ einladen: Christoph ist verschwunden. Eigentlich wollte er nach ein paar Stunden wieder da sein, aber dann erhält seine Freundin eine SMS, er habe sich da »idiotisch in etwas verrannt ...«. Beunruhigt über sein Fernbleiben beginnt Katharina über die möglichen Ursachen zu spekulieren. Ihre Nachforschungen beginnen im Bremer Stadtteil Walle und reichen zurück bis in Christophs Kindheit. Verlief diese vielleicht anders, als er bisher angenommen hatte? Katharina und Christoph geraten immer mehr in den Strudel einer Entwicklung, die sie nicht mehr aufhalten, nicht mehr kontrollieren können ... Alle, die dabei sein wollen, bitte ich um erste Leseeindrücke (Leseprobe). Ich werde vermutlich nicht jeden Beitrag kommentieren können, freue mich aber über regen Austausch, auf Fragen und Anmerkungen! Hier habe ich auf meinem Blog "Über das Schreiben von Geschichten" erste Reaktionen und Rezensionen zusammengestellt.

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  • Außergewöhnlich durchdacht mit viel Interpretationsspielraum

    Wiederholte Verdächtigungen

    Lesemaus_im_Schafspelz

    13. May 2015 um 13:49

    ~~~ 4,5 Sterne ~~~ Christoph ist verschwunden. Eigentlich wollte er nach ein paar Stunden wieder da sein, aber dann erhält seine Freundin eine SMS, er habe sich da „idiotisch in etwas verrannt“. Beunruhigt über sein Wegbleiben beginnt Katharina zu spekulieren. Da ich eigentlich nicht gerne einfach nur den Klappentext abtippe, fasse ich normalerweise den Inhalt selbst kurz zusammen. Ich muss sagen, es gibt mehrere Gründe, dies hier nicht getan zu haben: Zum einen gefiel mir keine der Formulierungen, die ich finden konnte, zum anderen ist allein der Klappentext ein kleiner Hinweis darauf, was den Leser Besonderes in diesem kleinen Buch erwartet. Autorin Jutta Reichelt arbeitete 6 Jahre an diesem Werk, was sich in jeder einzelnen Zeile bemerkbar macht. Jeder Satz, jede Formulierung, jeder Interpretationsspielraum ist sorgfältig ausgewählt und bis ins kleinste Detail durchdacht. Wo ich einen Roman über das rätselhafte Verschwinden des Protagonisten und die Auflösung dessen erwartet habe, habe ich so viel mehr erhalten: Gekonnt spiegelt sie Emotionen und Gedanken Kathrins wieder, perfekt formuliert sie Dinge, die den Leser zum anregen – müssen –! „Vielleicht versteckt sich Christoph schon seit Langem und ist nun verschwunden, um sein ständiges Verstecktsein erst sichtbar zu machen“ (S. 42). Aussagen wie diese – mal subtil, mal mit dem „Vorschlaghammer“ der Deutlichkeit reißen mich als Leser absolut mit, lassen mich eintauchen in die Gedankenwelt der Protagonisten. Doch bleiben auch viele Fragen offen: Warum ist die Unfähigkeit miteinander zu kommunizieren hier so stark ausgeprägt? Ist es in anderen Beziehungen anders? Ganz heimlich und leise beginnt man, die Fragen auf die eigenen zwischenmenschlichen Beziehungen zu projizieren und legt das Buch immer wieder weg, um darüber nachzudenken, das Gelesene wirken zu lassen. Inhaltlich sei so viel verraten: Christoph taucht wieder auf! Doch ob uns verraten wird, wo er gesteckt hat und warum er verschwunden ist? Wer erwartet, die Antworten darauf hier auf dem Silbertablett serviert zu bekommen, wird enttäuscht sein. Wer hingegen selbst seine Hirnwindungen anstrengt, wird seine Freude haben ob der Interpretationsmöglichkeiten. „Lass uns erst einmal eine Weile so tun, als sei alles in Ordnung.“ (S. 91) – eine Aussage, die wie ein Damoklesschwert über dem gesamten Buch schwebt. Lange habe ich über diese Rezension gegrübelt, das Buch nachwirken lassen, es auch nach dem Lesen noch hier und da zur Hand genommen – was allein schon Beweis genug ist, was es in mir in Bewegung gebracht hat! Ganz bewusst möchte ich hier nicht näher auf den offensichtlichen Inhalt, die Charakterisierung der Protagonisten und die typischen „Merkmale“ eingehen. Hier ist es vielmehr der Zauber zwischen den Zeilen, die in der Leserunde mehrfach erwähnten Leerstellen – besser kann man es nicht ausdrücken! –, die dieses Buch zu einem wirklich besonderen Leseerlebnis gemacht haben. In der Leserunde mit der Autorin gab es noch den einen oder anderen Denkanstoß on top, den ich auf mich habe wirken lassen. Einzig ein Gedankengang erschloss sich mir tatsächlich nicht ganz beim Lesen (nach der Erklärung selbstredend schon, doch kam mir das im Buch selbst nicht deutlich genug heraus), nämlich der auslösende Moment zu Christophs Verschwinden. Auch wenn man natürlich seine Thesen dazu bilden kann, ein kleines bisschen mehr wäre hier für meinen persönlichen Geschmack optimal gewesen. Ein herzliches Dankeschön geht natürlich insbesondere an Jutta Reichelt, die in der Leserunde geduldig die Fragen und Anmerkungen der Leser beantwortet hat! Eine klare Leseempfehlung für alle aktiven Leser, die sich nicht nur „berieseln“ lassen möchten, sondern auch mal über das Geschriebene – sowie das Nicht-Geschriebene! – nachdenken möchten!

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  • Wie gut kennen wir unsere Nächsten wirklich?

    Wiederholte Verdächtigungen

    Schumi_HB

    12. May 2015 um 10:08

    Katharina ist verzweifelt. Sie kann es nicht glauben: Ihr Freund Christoph ist aus heiterem Himmel verschwunden. Nach einer kurzen, nichtssagenden SMS, dass er sich in etwas verrannt hätte, lässt er seine nach Antworten suchende Freundin in ihrer Verzweiflung zurück. Freunde, die zu ihm wollen, muss sie mit Ausreden vertrösten. Als seine Eltern überraschend zu Besuch kommen, kann sie seine Abwesenheit nicht länger verbergen. Neben Selbstvorwürfen muss sie sich nun auch zu ihrer Beziehung rechtfertigen. Was war geschehen? Für Katharina scheint Christophs Familie der Schlüssel zur Lösung des Mysteriums zu sein. Mühsam verfolgt sie einen verschlungen Pfad zu Christophs Vergangenheit und versucht die Hintergründe seines Verhaltens aufzudecken. Stück für Stück fügt sich das Mosaik eines lange verschwiegenen Geheimnisses zu einem Ganzen. Bei Lesen wird die Phantasie angeregt und man versucht unweigerlich, sich die Gründe für Christophs Verschwinden zusammenzureimen. Gelingt es uns immer, alle Geheimnisse eines Menschen wirklich zu kennen und gelingt es uns dann auch, mit den "blind-Spots" der Vergangenheit umzugehen? Ohne dass man ahnt, wie sich der Knoten auflösen wird, bleibt es spannend bis zum Schluss. Aufgelockert durch amüsante Alltäglichkeiten, ist der Roman in einer ruhigen Sprache ohne dramatische Ausschmückungen kompakt geschrieben, ohne dabei langweilig zu wirken. Den Text ohne Verwendung der wörtlichen Rede lebendig wirken zu lassen ist für mich eine hohe Kunst des Schreibens, die ich bewundere. Fazit: Es hat mich gefreut, mit diesem Roman eine Perle im Haufen bunter Murmeln gefunden zu haben!

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  • Jede Seite lohnt sich.

    Wiederholte Verdächtigungen

    Steph86

    28. April 2015 um 15:53

    Buchbeschreibung Christoph ist verschwunden. Eigentlich wollte er nach ein paar Stunden wieder da sein, aber dann erhält seine Freundin eine SMS, er habe sich da "idiotisch in etwas verrannt...". Beruhigt über sein Fernbleiben beginnt Katharina über die möglichen Ursachen zu spekulieren. Ihre Nachforschungen beginnen im Bremer Stadtteil Walle und reichen zurück bis in Christophs Kindheit. Verlief diese vielleicht anders, als er bisher angenommen hatte? Katharina und Christoph geraten immer mehr in den Strudel einer Entwicklung, die sie nicht mehr aufhalten, nicht mehr kontrollieren können... Jutta Reichelt erzählt in ihrem schmalen, aber gewichtigen Roman (an dem sie gut sechs Jahre arbeitete) ganz unaufgeregt, fast beiläufig von Menschen, die sich oder anderen keine Auskunft geben, keine Antwort geben können - über sich selbst. Weil sie ihre eigene Geschichte nicht kennen. Weil ihnen die Worte fehlen oder weil sie den erlebten Schrecken niemanden zumuten wollen. Jutta Reichelt: eine einfühlsame, eine "hintergründige" Wahrnehmerin. Eine Erzählerin mit Tiefgang. Und trotzdem nicht "schwer". Und ja doch: eine richtige literarische Entdeckung.   Leseeindruck Diese Buchbeschreibung schraubt die Erwartungen des Lesers an das Buch sehr hoch. Aber ich muss sagen, dass die Erwartungen voll erfüllt werden. Der direkte Einstieg ist super gewählt und spätestens ab der dritten Zeile ist man mitten drin in der Handlung. Man kann sich dank der liebevollen Art zu schreiben, super in die Akteure hineinversetzen. Auf keiner Seite hatte ich das Gefühl, dass es langweilig wird. Im Gegenteil man musste immer gespannt sein, wie es jetzt weiter geht, weil eigentlich vorhersehbar war. Genau das Ende. Bis kurz vor Schluss konnte man nicht ahnen in welche Richtung es läuft und gerade aus diesem Grund finde ich das offene Ende gut. Es regt zum Nachdenken an und man wird sich noch lang an dieses Buch zurückerinnern. Ich habe das Buch in weniger als einen Tag gelesen, weil ich es einfach nicht geschafft habe, es aus der Hand zu legen. Was kann man da anderes geben, als eine Bewertung mit 5 Sternen.  

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  • Verborgene Symmetrien und schwarze Flecken

    Wiederholte Verdächtigungen

    BluevanMeer

    27. April 2015 um 13:23

    Katharinas Freund Christoph ist verschwunden. Einfach so, ohne offensichtlichen Grund. Morgens ist er noch da, dann kommt er nicht mehr zurück. Katharina erhält eine SMS, dass er sich in irgendeine Aktion "idiotisch verrannt" habe, das war's. Katharina bleibt nichts anderes übrig als zu warten und zu rätseln und sich zu fragen, ob sie vielleicht schon von Anfang an Christoph nicht richtig verstanden hat. Auch seine Schwester Anne hat keine Ahnung, was hinter Christophs Verschwinden stecken könnte. Dabei hat Anne viel mit Christoph zu tun, der sich regelmäßig auch um ihren Sohn Finn kümmert. Auch Christophs Eltern verhalten sich rätselhaft und seine Freunde wissen auch nicht weiter. Katharina versucht mit der schwierigen Situation so rational wie möglich umzugehen. Sie ist Schriftstellerin und versucht sich der Situation und Christoph wieder zu nähern, indem sie auf Distanz geht, ihre Analysekompetenzen nutzt, mit den realen Bedingungen so umgeht, als würde sie an einem Roman arbeiten: "Wenn Katharina über die Figuren in ihren Texten nachdenkt, wenn sie den Überblick verliert über die Themen, die Orte, die Gegenstände und Erzählstränge, dann nimmt sie ein großes Blatt Papier und versucht alles, was wichtig ist, auf diesem Blatt unterzubringen. Figuren, Themen, Gegenstände, Fragen. Es sind nur vorläufige Skizzen, in denen sie ständig Veränderungen vornimmt und mit dicken Pfeilen Verbindungen kennzeichnet. Manchmal erkennt sie auf diese Weise Zusammenhänge oder Symmetrien, die ihr bis dahin verborgen geblieben waren." (S. 25) Als Leser_in geht es mir hier genau wie Katharina. Ich weiß nicht, was eigentlich mit Christoph passiert ist und beginne sofort zu spekulieren. Stimmt es, dass in der Beziehung zu Katharina alles in Ordnung war oder stimmt das nicht? Läuft sein Dissertationsprojekt vielleicht doch nicht so rund? Ist er mit seinem Wohnort nicht zufrieden? Was hat Anne mit Christophs Verschwinden zu tun und liegt es am Ende an den roten Pünktchen auf Finns Haut, die dafür gesorgt haben, dass Christoph untergetaucht ist? Als Christoph dann nach vier Tagen wieder da ist, haben sich die vielen Fragen aber keinesfalls aufgelöst. Jutta Reichelt hat einen feinsinnig komponierten Roman geschrieben, der an keiner Stelle schwer oder schwierig wirkt. Schon das Motto des Textes, ein Zitat von Herta Müller ("Das Schweigen ist keine Pause zwischen dem Reden, sondern eine Sache für sich."), sprach mich sofort an und die Begeisterung für den Text ließ nicht nach. Es geht um Familiengeheimnisse und vergangene Ereignisse, die ihre langen Schatten bis in die Gegenwart werfen. Nicht alle Geheimnisse werden aufgelöst, einiges bleibt Leerstelle und lässt mir viel Interpretationsspielraum. Das gefällt mir sehr, denn hier muss ich akzeptieren, dass es Gründe gibt, die ich mir nur erschließen kann, die nicht explizit gemacht, mir nicht auf dem Silbertablett präsentiert werden. Vielleicht habe ich deshalb so gerne und so lange an diesem Text gelesen, mich mit ihm beschäftigt und auseinandergesetzt. Die Geschichte bleibt so spannend bis zum Schluss und wird nur durch kleine alltägliche Begebenheiten aufgelockert, die doch immer wieder auf das große Ganze verweisen. So beginnt Katharina mit einigen handwerklichen Arbeiten um sich abzulenken, um das ständige Fragen vielleicht etwas abzubremsen. Sie beginnt alte Möbel zu restaurieren. "Wie schon bei der Treppe kommt es ihr jetzt wieder fast wie ein Zaubertrick vor, dass der gerade noch so harte Lack innerhalb von Sekunden Blasen wirft, wenn er einem Strahl heißer Luft ausgesetzt ist. Aber es funktioniert nicht immer. Manchmal bleibt der Lack, wie er war, nur dass auf einmal das Holz zu kokeln beginnt. Schwarze Flecken, die dann mühsam abgeschliffen werden müssen." (S. 58) Die Beziehung von Katharina und Christoph wird ebenfalls einer riesigen Belastungsprobe ausgesetzt. Die Ereignisse der Vergangenheit wirken wie ein unaufhörlicher Schwelbrand, wie ein gefährliches Kokeln im Hintergrund, dass von den Beteiligten zunächst gar nicht richtig erkannt werden kann. Jeder Mensch reagiert anders auf so eine unterschwellige Bedrohung. In Wiederholte Verdächtigungen wird gekonnt die große Frage gestellt, ob es uns überhaupt gelingen kann, einen Menschen wirklich zu kennen. Was macht unser Ich aus? Werden wir zu anderen Menschen, wenn wir Geheimnisse erfahren, von denen wir nichts ahnen konnten? Wann beginnt eine Geschichte? Ist es überhaupt möglich, mit den schwarzen Flecken oder verborgenen Symmetrien der Vergangenheit umzugehen? Der Roman ist nicht nur fesselnd geschrieben, er beschäftigte mich auch über die schmalen 182 Seiten hinaus. Er lässt mich nachdenklich zurück, weil mich dieser schwarze Fleck von Christopher doch viel mehr berührt hat, als ich anfänglich gedacht habe. Wiederholte Verdächtigungen ist ein wirklich starker Roman, den ich euch nur ans Herz legen kann.

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  • Wiederholte Verdächtigungen

    Wiederholte Verdächtigungen

    Pixibuch

    21. April 2015 um 18:07

    Ein Buch, das zum Nachdenken anregt, welches man immer wieder auf die Seite legen muß, um sich das Gelesene zu Gemüte zu führen.  Jutta Reichelt zwingt praktisch den Menschen dazu, nachzudenken, über sich und den Anderen, dort, wo Worte nicht mehr ankommen. Ein  Buch mit Tiefgang. Ruhig und fließend geschrieben, obwohl die Situation alles andere als einfach ist.  Man merkt, dass sich die Autorin mit dem Schreiben Zeit gelassen hat, alles genau durchdacht hat. Auf den Inhalt will ich kurz hinweisen: Christoph und Katharina leben schon länger als Paar zusammen. Alles scheint in Ordnung zu sein, aber später merkt man dann die Oberflächlichkeit. Und eines Tages kommt Christoph nicht mehr nachhause. Katharina wartet erst ab, dann schreibt sie SMS, ruft ihn an. Keine Reaktion. Er wollte doch nur seinen kleinen Neffe, an dem er mit großer Liebe hängt, zu seiner Schwester zurückbringen. Vielleicht hat er einen Unfall, aber auch dies ist nicht der Fall. Beruhigend oder wohltuend ist das tägliche Ritual von Katharina. In aller Ruhe räumt sie die Spülmaschine aus, putzt. Aber in dieser Zeit trinkt sie ziemlich viel Wein und raucht und raucht  und raucht. Als Christophs Eltern bei ihr Vorbeischauen, erfährt sie so nebenbei von einer Schwester des Vater. Und dann ist Christoph wieder da, einfach so. Dan n dringt Licht in das Dunkel der Familienverhältnisse. Hat das alles Christoph im Unterbewußtsein belastet. Wußte er, dass er einen Bruder hatte, der gestorben ist. Im ganzen Roman ist keine wörtliche Rede zu finden, es wird nur aus der Sicht von Katharina erzählt. Diese gibt dem Roman eine gewisse Sprödheit, was ganz toll und gut in das Schema paßt. Die Sprache ist sehr  vorbildlich, hat Sinn und gibt alles wieder, was zu sagen ist. Auch der Einband mit den verschiedenen Gläsern, die in unterschiedlichen gedeckten Farben sind, paßt einwandfrei zum Thema. Ich habe das Buch ausgelesen, möchte es mir aber noch einmal wirklich in aller Ruhe zu Gemüte führen. Ein dünner Band, aber darin wurde alles gesagt, was zu sagen war. Dieser Autorin muß man im Auge behalten. Ich muß alle Sterne vergeben.  

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  • Regt zum Nachdenken und Hinterfragen an

    Wiederholte Verdächtigungen

    Julitraum

    18. April 2015 um 14:18

    Katharina und Christoph sind ein junges Paar, das seit einigen Jahren zusammenlebt. Regelmäßig holt Christoph seinen Neffen Finn für einige Tage zu sich und bringt ihn später wieder zurück zu seiner Schwester Anne. Als er wieder einmal Finn zurückbringt, kommt es Anne komisch vor, daß Christoph immer noch nicht wieder zu Hause ist. Die Zeit vergeht und er taucht nicht auf. Katharina beginnt sich zu sorgen und zu grübeln, was passiert sein könnte. Als sie schließlich eine SMS von Christoph liest, in der er ihr mitteilt, daß er erst einmal eine Zeit für sich braucht und sich in irgendetwas "verrannt hat", ist Katharina mehr als irritiert. Sie stellt allerhand Mutmaßungen an, was geschehen sein könnte. Auch seine Schwester Anne oder Freunde und Bekannte können das Rätsel um Christophs Verschwinden nicht lösen. Christoph bleibt verschwunden.  Als seine Eltern unerwartet auf einen Besuch bei Anne vorbeikommen, wird die Situation auch nicht besser. Die Eltern sind irritiert bis alarmiert. Seine Mutter reagiert ein wenig verstörter als es normal ist. Eine unbekannte Tante wird erwähnt. Schließlich taucht Christoph nach einigen Tagen wieder auf. Er kann den Grund seines Verschwindens selbst nicht erklären. Irgendetwas gibt ihm Rätsel auf. Es geht um seinen Neffen Finn, aber er kann sein Gefühl sich und anderen nicht beschreiben. Man wartet ab, man lebt weiter wie bisher, aber nichts ist mehr wie vorher. Katharina belastet die Situation sehr, sie hinterfragt ihre bisherige Beziehung und Christophs Verhalten. Auch seine Schwester macht sich Gedanken, vielmehr interessiert sie jedoch die von den Eltern bisher verschwiegene Tante. Nach und nach lichtet sich der Nebel. Des Rätsels Lösung liegt in der Vergangenheit der Familie, im Verschweigen und unterbewußten Verdächtigungen, die sich jetzt an Licht drängen. Der Erzählstil ist ungewöhnlich, aber interessant. Der Leser erfährt über das Geschehen nur aus Katharinas Sicht, er nimmt teil an ihren Gedanken und Mutmaßungen und beginnt selbst vieles zu hinterfragen und zu analysieren. Was weiß man tatsächlich vom Partner, auch nach vielen Jahren des Zusammenlebens, was von der eigenen Familie? Einige Lücken in der Geschichte hätten für mich gerne noch gefüllt werden können und einige Protagonisten hätte ich mir etwas mehr beschrieben werden können, aber das ist schließlich Geschmackssache. Es ist auf jeden Fall ein interessanter Roman, der Fragen aufwirft und zum Nachdenken anregt.

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  • Fesselnde Geschichte und herausragende Sprache

    Wiederholte Verdächtigungen

    Polly_liest

    Die Hauptfigur in Jutta Reichelts Roman "Wiederholte Verdächtigungen" ist Katharina, eine Bremer Schriftstellerin, die der/die Leser/in in dem Moment kennenlernt, als ihr Freund verschwunden ist. Ihre Hinweise über Christophs Verbleib beschränken sich auf eine kurze SMS, er habe sich idiotisch in etwas verrannt. Katharina beginnt sich zu fragen, was los ist mit Christoph, mit ihrer Beziehung, warum Menschen generell verschwinden... Je mehr sie in Christophs Umfeld nachforscht, desto rätselhafter wird die Sache. Insbesondere seine Familie zeigt verstörende Reaktionen und ganz langsam offenbart sich im Verlauf des Romans, dass ein Familiengeheimnis unter der Oberfläche brodelt. Ich halte den Roman aus mehreren Gründen für sehr lesenswert: Zum einen ist die Handlung tatsächlich sehr fesselnd, man möchte unbedingt wissen, wie es weiter geht und was dahinter steckt. Auch die Charaktere sind wirklich interessant und insbesondere von Katharinas Innenleben erfährt man eine Menge, sie ist sehr sympathisch. Zum anderen regt der Roman zum nachdenken an: Wie gut kann man einen anderen Menschen überhaupt kennen? Welchen Einfluss haben Ereignisse, an die man sich nicht erinnern kann, auf eine Person? Ist es möglich, eine wichtige Sache vor einer anderen Person geheim zu halten, so dass diese gar nichts bemerkt (nicht einmal ein seltsames Gefühl hat)? Darüber hinaus ist der Roman aus meiner Sicht wirklich ganz wunderbar geschrieben. Die Sprache ist präzise und klug, keine ausscheifenden Erklärungen. Dafür ist der Text gespickt von einer Reihe treffender Bilder (z.B. "Wie an einem Pokertisch wandern plötzlich die Blicke hin und her") und kleiner witziger Momente. Diese schöne und gleichzeitig kluge Sprache macht den Roman wirklich zu einem besonderen Buch.

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    • 2
  • Gut geschrieben, die Auflösung konnte mich aber leider nicht überzeugen

    Wiederholte Verdächtigungen

    MagicMoment

    09. April 2015 um 18:54

    In dem Roman „Wiederholte Verdächtigungen“ geht es in erster Linie um das Paar Katharina und Christoph. Christoph kommt von einem Besuch bei seiner Schwester nicht nach Hause zurück und schickt seiner Freundin Katharina nur eine SMS, in der er schreibt, dass er sich in etwas verrannt hat und ein wenig Zeit für sich braucht. Nun beginnt Katharina über vieles nachzudenken, versucht sich zu erklären, warum Christoph nicht zurück kommt. Sie kommt zwar zu der Erkenntnis, dass Christoph sich in letzter Zeit verändert hat, kann sich aber nicht erklären, woran das liegen könnte. Als dann Christophs Eltern überraschend vor der Tür stehen und Katharina sich mit ihnen über Christoph unterhält, wird ihr langsam bewusst, dass sie um Christophs Verhalten verstehen zu können, viel weiter in der Vergangenheit suchen muss, als sie zunächst angenommen hatte. Der Roman beschreibt die Dinge aus der Sicht von Katharina, auf die Ich-Perspektive wurde jedoch verzichtet. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Der Text ist sehr flüssig und kompakt geschrieben, Dialoge, Gedanken und Erzähltes gehen direkt ineinander über, so dass der Leser sehr aufmerksam lesen muss, da in nahezu jedem Satz eine wichtige Information steckt. Auf ausufernde Beschreibungen und langweiliges Rumgeplänkel wurde verzichtet, was mir persönlich gut gefallen hat. Die Charaktere, insbesondere natürlich die Hauptperson Katharina, wurden sehr gut ausgearbeitet. Katharina war mir sehr sympathisch, man kann ihre Gedanken und Verhaltensweisen sehr gut nachvollziehen. Mir hat der Roman eigentlich ganz gut gefallen, ich war bis zum Schluss gespannt, was die Auflösung des Ganzen sein würde. Leider passten dann am Ende die Auflösung des Familiengeheimnisses und Christophs Verhalten am Anfang für mich nicht zusammen. Es war für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, warum Christoph sich aufgrund vergangener Ereignisse so verhält. Allerdings möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht zu viel verraten. Insgesamt ein gut geschriebener, kurzweiliger Roman, den man gut an einem Nachmittag durchlesen kann. Lediglich die Auflösung war für mich leider gar nicht schlüssig, so dass ich auf 3,5 Sterne komme, die ich auf 3 Sterne abrunde.

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  • Eine Familiengeschichte mit einer duklen Vergangenheit

    Wiederholte Verdächtigungen

    Adlerauge

    Ein raffiniert - subtiler Familien -und Seelenkrimi . Christoph ist verschwunden. Eigentlich wollte er nach ein paar Stunden wieder da sein,aber dann erhält seine Freundin eine SMS ,er habe sich da "idiotisch in etwas verrannt ". Beunruhigt über sein Wegbleiben beginnt Katharina zu spekulieren. Meine Meinung : Eine Geschichte wie im tatsächlichen Leben ! Ein Familiengeheimnis wird nach 30 Jahren entlüftet (ans Licht gebracht ! ) Und wie bei "Yenga "( Holzturmspiel -Geschicklichkeit ) stürtzt der Turm irgendwann zusammen -fand dieses Beispiel ,dass die Autorin ( Jutta Reichelt ) hier angesprochen und erwähnt hat ,passend zu dieser Geschichte - einfach genial ! Der Erzählstil ist recht flüssig (gefiel mir ) und dadurch merkt man garnicht ,wie schnell man mit dem Buch fertig ist (180 Seiten ) Bis auf eine Nebengeschichte (Der Quizmaster ) ,die man sich vielleicht auch schenken konnte ,hat mir das Buch sehr gut gefallen ! Kurz ,präzise und sehr intensiv geschrieben - keine langatmigen Sätze ,die den Lesegenuss nur erschweren würden ! Fazit : Ein rundum empfehlenwertes Buch ,dass zum Nachdenken anregt !

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    • 2
  • Dramatisch, spannend, realistisch *** Ein Buch der Extraklasse, das unter die Haut geht ***

    Wiederholte Verdächtigungen

    SzenarioLicht

    06. April 2015 um 13:15

    Klapptext: Jutta Reichelt erzählt in ihrem schmalen, aber gewichtigen Roman (an dem sie gut sechs Jahre arbeitete) ganz unaufgeregt, fast beiläufig von Menschen, die sich oder anderen keine Auskunft geben, keine Antwort geben können - über sich selbst. Weil sie ihre eigene Geschichte nicht kennen. Weil ihnen die Worte fehlen oder weil sie den erlebten Schrecken niemandem zumuten wollen. Jutta Reichelt: eine einfühlsame, eine »hintergründige« Wahrnehmerin. Eine Erzählerin mit Tiefgang. Und trotzdem nicht »schwer«. Und ja doch: eine richtige literarische Entdeckung. Mein Leseeindruck: Klar, direkt, ungeschönt und schnörkellos. Ein Buch das den Leser direkt teilhaben lässt. Durch die realistischen Reaktionen der Protagonisten, die zum jeweiligen Charakter, die ausgefeilt, durch Handlungen und Bemerkungen des Selbigen, dargestellt sind, findet man schnell in die Geschichte hinein und fühlt sich nicht außen vor sondern emotional beteiligt. Die Dramatik die hier genutzt wird und die Verbindung mit den unterschiedlichsten Emotionen, die teilweise wie Fontänen aus den Handelnden heraussprudeln, machen das Buch aus. Neben Ängsten ist von Vertrauen, Zuneigung und nicht zuletzt einem in sich gekehrten aber arbeitenden Gewissen ausreichend Stoff vorhanden, der das Familiengeheimnis, das den Leser nicht nur mitreißt sondern immer wieder zum Grübeln und Spekulieren bewegt über den gesamten Roman ein sauberer Spannungsbogen gelegt. Zudem schafft es Jutta Reichelt die Atmosphäre immer wieder aufzulockern und durch alltägliche Handlungen zu garnieren, die sich perfekt in den Roman einfügen. Durch die Art von Katharina und die Erzählperspektive der Autorin wird man als Leser zudem an der einen oder anderen Stelle immer wieder mit Gegebenheiten und Fragen konfrontiert, die man sonst von sich schiebt und im Alltag wenig betrachtet sondern als gegeben hinnimmt. Hier beginnt man selbst zu hinterfragen und sein Umfeld zu beleuchten. Mein Fazit: Von mir glatte 5 Sterne für ein überaus nachdenkliches Buch das viel mehr zu bieten hat als nur ein totgeschwiegenes Geheimnis.

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