Remarques Emigrantenroman erschien kurz nach dem 2. WK, noch hatte er die Ereignisse und eigenen Erlebnisse vor Augen. Sein Held Ravic und die tragische Liebe verschmelzen zu einen Epos. Remarques Erinnerungen an Paris, an seine Geliebte Marlene Dietrich, an das gefahrvolle Leben von Flüchtlingen ohne Heimat und Pass sind einfach hinreißend! Manchmal ist seine sentimentale Art etwas ermüdend, aber es hat sich gelohnt bis zum Ende zuzuhören.
Jutta Seifert
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Neue Rezensionen zu Jutta Seifert
1984 ist ein absoluter Klassiker und das nicht ohne Grund. George Orwell thematisiert hier wie Kommunikation und Information als Waffe genutzt werden kann. Dabei geht es einerseits darum, was als Wahrheit verkauft wird, und andererseits um eine ständige Überwachung der Bürger. Beides zusammen sorgt dafür, dass der Staat die Bürger unterdrücken und kontrollieren kann.
Leider können wir immer wieder Ansätze dieser Probleme an verschiedenen Stellen unserer aktuellen Welt finden. Das 1984 schon ein älteres Buch ist, merkt man daher nicht an den Themen, sondern an der teilweise ungewohnten Sprache. Trotzdem ist der Schreibstil gut verständlich.
Die Geschichte an sich ist eine klassische Dystopie und sehr spannend. Unsere Hauptperson Winston Smith lebt und arbeitet, ohne seine Welt in Frage zu stellen. Nach und nach findet er aber immer mehr Ungereimtheiten. Er stellt sich gegen die Regierung und bringt sich damit in Gefahr.
Ich finde 1984 ist ein Buch, dass vielleicht nicht jeder gelesen haben muss, aber dessen Botschaft jeder verstehen muss. Wer dystopische Settings mag, wird, so wie ich, die Geschichte aber wahrscheinlich gespannt verfolgen.
IN EINEM RUSSISCHEN DORF UM 1918...
Ein russisches Dorf um das Jahr 1918. Die Revolution hat bereits stattgefunden, der Bürgerkrieg ist in vollem Gange, aber die Bewohner haben von den historischen Ereignissen noch nichts erfahren. Das untergehende Zarenreich ist groß, die Informationen fließen langsam. Doch selbst an einem Ort wie diesem steht die Zeit nicht still: Der Dorfälteste Ilja, zum Beispiel, trifft seine Wettervorhersagen neuerdings mit Hilfe eines gläsernen Röhrchens, das er hütet wie seinen Augapfel. Der alte Pjotr dagegen belauscht lieber den nahegelegenen Fluss und dessen Geister. Aber noch scheinen die Fronten beweglich. Nun ist ausgerechnet Iljas Frau, Inna Nikolajewna, so abergläubisch wie Pjotr. Als ihr ein Messer herunterfällt, taucht ein Fremder im Dorf auf. Der viel zu junge Mann trägt keine Stiefel, aber eine fadenscheinige Offiziersuniform, und wenn er muss, erzählt er jedem eine andere Geschichte. Man beäugt ihn, bedrängt ihn, bald nicht mehr nur mit Fragen - und doch kommt nicht einmal die junge Annuschka dahinter, weshalb er ins Dorf gekommen ist. Und vor allem: warum er bleibt... (Verlagsbeschreibung)
Pjotr und Ilja sind die ältesten Männer in dem kleinen, vollkommen abgeschiedenen russischen Dorf um 1918 und stehen für die Gegensätze Tradtion und Fortschritt. Während Pjotr jeden Morgen zum Fluss geht und die Zeichen der Natur deutet, um das Wetter zu bestimmen, setzt Ilja auf ein gläsernes Quecksilber-Röhrchen, das er ohne Unterlass beobachtet und hütet wie einen Schatz. Im Dorf gibt es Anhänger beider Fraktionen, doch ergeben sie trotz aller Gegensätzlichkeit wie Yin und Yang die Dorfgemeinschaft.
Das empfindliche Gleichgewicht wird gestört, als Iljas Frau ein Messer herunterfällt. Denn wie jeder weiß: "Fällt ein Messer herunter, kommt ein Mann ins Haus." Tatsächlich bewahrheitet sich das Sprichwort: ein Fremder kommt ins Dorf, in zerschlissener Uniform und sehr wortkarg. Er wohnt fortan beim Dorfältesten Ilja, beobachtet und wird beobachtet, wird schließlich sogar in den Umgang mit dem empfindlichen Röhrchen eingewiesen. Niemand weiß, weshalb der Fremde gekommen ist oder woher er stammt, und er schweigt dazu, deutet nach einiger Zeit jedoch an, dass Ideen ins Dorf kommen würden.
Was jedoch kommt, sind Realitäten. Realitäten, die das Leben im Dorf aus den Fugen geraten lassen. Und die - bestenfalls - wieder verschwinden müssen. Aber wie nur?
Ein kleiner feiner Roman ist Yulia Marfutova da gelungen, ein Debüt noch dazu, das es gleich auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2021 geschafft hat. Handlungsarm aber stimmungsvoll - und vieles, das zwischen den Zeilen steht, gespickt mit einem feinen Humor. Der Autorin gelingt es, einen atmosphärisch in jenes Dorf um 1918 zu versetzen, neben die kauzigen, neugierigen, ungebildeten, naiven und abergläubischen Bewohner:innen, die vom Weltgeschehen oder auch von der Revolution im eigenen Land nichts mitbekommen, außer dass alle jungen Männer aus dem Dorf eingezogen wurden und meist verschwunden blieben. Doch die herandrängenden Realitäten lassen erahnen, dass nun wohl andere Zeiten anbrechen.
Ein leiser, poetisch verdichteter Schreibstil ließ mich tief eintauchen ins Dorfgeschehen, in die von Armut und Hunger geprägte Gemeinschaft, den verschiedenen Charakteren folgen, der unaufgeregten Geschichte lauschen. Dafür sorgte auch Jutta Seifert mit ihrem versierten Vortrag des ungekürzten Hörbuchs (4 Stunden und 24 Minuten).
Ein wirklich gelungenes Debüt!
© Parden
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