Kübra Gümüsay

 4.1 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Sprache und Sein.

Lebenslauf von Kübra Gümüsay

Kübra Gümüsay, geboren 1988 in Hamburg, ist eine der einflussreichsten Journalistinnen und politischen Aktivistinnen unseres Landes. Sie studierte Politikwissenschaften in Hamburg und an der Londoner School of Oriental and African Studies. 2011 wurde ihr Blog Ein Fremdwörterbuch für den Grimme Online Award nominiert. Sie war Kolumnistin der tageszeitung und stand mehrfach auf der TEDx-Bühne. Die von ihr mitbegründete Kampagne #ausnahmslos wurde 2016 mit dem Clara-Zetkin-Frauenpreis ausgezeichnet. Nach Jahren in Oxford lebt sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn wieder in Hamburg.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Kübra Gümüsay

Cover des Buches Sprache und Sein (ISBN:9783446265950)

Sprache und Sein

 (7)
Erschienen am 27.01.2020

Neue Rezensionen zu Kübra Gümüsay

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Rezension zu "Sprache und Sein" von Kübra Gümüsay

Jeder möge sich durch dieses wichtige Buch bereichern lassen!
Paperboatvor 6 Tagen

Die Worte und alle entstehenden Gedanken drehen sich in meinem Kopf. Immer wieder musste ich zwischen den Absätzen innehalten, um einem aufkommenden Gedanken nachzugehen.
Kübea Gümüsays Buch "Sprache und Sein" sensibilisiert für die Macht der Worte. Worte können eine Waffe sein und als solche politisch instrumentalisiert werden. Aber spätestens, seit Politik nicht mehr nur in Berlin gemacht wird, sondern in jeder Kommentarsektion unter einer Kolumne, beeinflusst Sprache viel öfter unser Denken. Es ist ein Plädoyer gegen Verrohung, Rassismus und Hass.

Auch, wenn ich nicht zu den"Ich bin ja kein Rassist, aber"- oder "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen"-Menschen gehören, schäme ich mich, als wären es meine hasserfüllten und realitätsverdrehenden Worte, die auf solche Einleitungen in aller Regel folgen. Ich schäme mich für das, was in meinem Land täglich verbal Menschen angetan wird, die in zweiter, dritter Generation hier leben und de facto Deutsch sind, Menschen, die ihre Länder aufgrund von Kriegen verlassen mussten.
Dieses Buch ist in der Lage verständlich zu machen, dass wir die Welt jeden Tag nur durch unsere Perspektive wahrnehmen und Filme, Zeitungsartikel usw. lediglich eine andere Perspektive sind. Eine Geschichte kann aus vielen Augen betrachtet und mit unterschiedlichen Worten beschrieben werden. Mir hat Kübra Gümüsays Buch nah am Herzen aufgezeigt wie wichtig es ist die eigene Perspektive zu hinterfragen und manchmal einen Perspektivwechsel zu betreiben, um sich in andere Blickwinkel hineinversetzen zu können.
Eine (Ab-)Handlung, die ich jedem nahelegen kann!

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Rezension zu "Sprache und Sein" von Kübra Gümüsay

Auf den Punkt getroffen!
E-Tunavor 6 Tagen

Kübra Gümüsay spricht in ihrem neuen Werk davon wie Sprache unser Sein und unsere Wahrnehmung bestimmt. Wie sie den Horizont und die Welt von Menschen beeinflusst. Jede einzelne Seite und jeder Punkt den sie anführt berührte mich auf eine ganz besondere Art und Weise, da ich alles worüber sie spricht schon selbst erlebt habe. Rassistische Bemerkungen, das Gefühl eine Fremde zu sein, diese Dinge bestimmen den Alltag von zu vielen Menschen. Und es ist Zeit etwas daran zu ändern. Genau das will Kübra Gümüsay erreichen, die Augen der Menschen für die Dinge öffnen, die man schon garnicht mehr bemerkt. Ich hoffe, dass dieses Buch so viele Menschen wie möglich lesen und auf ihren Apell hören. Pluralität, Gleichberechtigung und Demokratie sind Ziele, die noch lange nicht erreicht sind.

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Rezension zu "Sprache und Sein" von Kübra Gümüsay

Über das Nicht-Sein-Dürfen und das Benanntwerden
Knigaljubvor 19 Tagen

Vorweg: Dieses Buch ist lesenswert und genauso wichtig wie alle anderen Bücher, die gegen Verrohung und Hass geschrieben werden. Es ist ein Plädoyer für die Individualität eines jeden Menschen sowie die Ermutigung, Du zu sein mit all deinen Facetten und unabhängig davon, welchen gesellschaftlichen Kategorien du zugeordnet wirst bzw. welchen Rollen du eigentlich gerecht werden müsstest. Insbesondere, wenn man mit den von Gümüşay geschilderten alltäglichen Reduktionen und Diskriminierungen zu kämpfen hat, kann allein diese Aussage sicherlich wie ein Befreiungsschlag wirken.


Allein: Es ist mehr ein Buch über das Sein als über die Sprache. Ein Buch, das vor allem um gesellschaftliche Vorurteile, Diskriminierungen und Stereotype kreist. Ein Buch, das – nach meinem Gefühl – mehr damit zu tun hat, wofür unter anderem, aber nicht nur, die Sprache verwendet wird als über die Sprache selbst. Es ist selbstverständlich unmöglich, Sprache von Gesellschaft und Denken genauestens zu trennen. Aber Gümüşays Buch ist einfach keine genaue Auseinandersetzung mit bestimmten Wort- und Ausdrucksformen wie es etwa in Elisabeth Wehlings „Politisches Framing‟, Robert Habecks „Wer wir sein könnten‟ oder auch Heinrich Deterings „Was heißt hier ‚wir‛?‟ (die ich allesamt für sehr lesenswert halte) der Fall ist. Aufgrund des Buchtitels war ich allerdings davon ausgegangen und entsprechend zwischendurch auf der Suche nach der (genaueren) Auseinandersetzung mit Sprache an sich. 


Ein linguistisches Buch ist „Sprache und Sein‟ also nicht unbedingt.


Aber was ist es denn dann?


- Es ist Autobiographie und Biographie, denn Gümüşay erzählt von sich, ihrer eigenen Mehrsprachigkeit und den Erfahrungen anderer Menschen, die in gesellschaftliche Schubladen – oder „Käfige‟, wie Gümüşay es verbildlicht – gesteckt werden und was das mit ihnen macht (bzw. was es verhindert). 


- Es ist eine sich mehrerer Quellen bedienende Denkschrift, denn neben eigenen Gedankengängen haben zahlreiche Zitate und Verweise auf andere Autoren und Denker Platz in diesem Buch gefunden.


- Es ist Polemik, denn es werden allgemeingültige Aussagen getroffen, die aufregen und Widerwillen erzeugen können, die wahrscheinlich bewusst so provokativ gewählt sind, damit sie mit dem Leser etwas  anstellen. („Wir haben die AfD so groß gemacht, wie sie heute ist.." (S.121))


- Es ist an manchen Stellen ein Stück Poesie, denn es gibt aphoristisch anmutende Formulierungen, die alles nochmal auf einen zitierwürdigen, manchmal wirklich poetisch klingenden Punkt bringen. Ich habe mir wirklich so manche Textstelle markiert.


- Es ist der Versuch, durch sog. geschlechtergerechte Sprache ins     Bewusstsein zu rufen, dass Menschen (und Geschlechter) vielfältig sind – was dann u.a. Wörter wie „Freund*innenkreis‟ zur Folge hat. (Eine Bewertung dessen möchte ich hier nicht vornehmen, allerdings darauf     hinweisen, dass das Gendern an mindestens fünf Stellen offensichtlich vergessen wurde, siehe unten.)


- Es ist zumindest (und leider nur) ein kleiner Einblick in Mehrsprachigkeit und sprachliche Unterschiede des Deutschen und Türkischen, in dem beispielsweise nicht mittels Genus zwischen den Geschlechtern von Menschen unterschieden wird (mit anderen Worten: Es gibt für „er‟, „sie‟ und „es‟ nur eine Entsprechung: „o‟) - und Gümüşay stellt einmal eine Frage, die ich unglaublich spannend finde: „Warum erziehe ich ihn [= meinen Deutsch sprechenden Sohn, der „er‟ und „sie‟ verwechselt] dazu, Menschen zu betrachten und sie als erstes, noch bevor wichtigere Qualitäten zur Geltung kommen können, der Kategorie Mann oder Frau zuzuordnen?‟ (S. 21).


- Es ist ein Hinweis auf sprachliche Lakunen und der meiner Meinung nach falsche Vergleich dieser Lakunen mit dem gesellschaftlichen Schweigen über gewisse Themen. Das Türkische hat beispielsweise ein Wort für sich auf dem Wasser spiegelndes Mondlicht, das Deutsche bekanntlich nicht. Gümüşay schließt daraus (meiner Meinung nach nicht ganz richtig), dass jemand, der das türkische Wort nicht kennt, das sich auf dem Wasser spiegelnde Mondlicht nicht richtig wahrnehmen könne. Ich denke eher, dass zum einen die Wahrnehmung eines Phänomens nicht von der Existenz eines Wortes dafür abhängt und dass zum anderen in jeder Sprache alles gesagt werden kann – unabhängig davon, ob ein spezielles Wort existiert oder nicht. Worüber die Autorin hier schreibt, hat in meinen Augen also viel mehr mit Aufmerksamkeit als mit Sprache zu tun. Auch jemand, der beispielsweise kein eigenes Wort für Fernweh hat, ist in der Lage, es zu empfinden. Um ihm Ausdruck zu verleihen, müsste er es nur umschreiben. Etwas ganz anderes ist die Frage danach, worüber überhaupt geredet wird. Hier gebe ich der Autorin Recht – etwas auszusprechen, also die Aufmerksamkeit auf etwas zu richten, hilft, das Bewusstsein dafür zu schärfen. Das ist meiner Meinung nach allerdings etwas anderes als das (Nicht-)Vorhandensein einzelner Wörter in einer Sprache.


Fazit:


Dieses Buch hat mich beschäftigt, provoziert, berührt, mal meine von ganzem Herzen kommende Zustimmung hervorgerufen und mal etwas skeptische Gegenfragen evoziert. Insgesamt lesenswert, auch wenn es eher um Aufmerksamkeit, Stereotype, Thematisierung und Sein-Dürfen als um sprachliche Ausdrucksmittel geht.






Die nicht gegenderten Stellen:


- Seite 14: „[...] unternahmen Wissenschaftler*innen folgenden Versuch: Vor Probanden [...]‟ 


- Seite 75: "Wenn jeder sich bemächtigt fühlt, es zu inspizieren [...]"


- Seite 58: „Um seine eigene, partikulare Sicht auf die Welt zu einer universellen zu erklären, gibt der Benennende ihr Namen [...]‟


- Seite 117: „Denn die Kontexte [...] - Arbeit, Freund*innenkreise, Freizeit, Familie – verschmelzen zu einem einzigen Raum [...]. Was wir     öffentlich schreiben, teilen und tun, kann von der Familie, dem     Arbeitsumfeld, dem Freundeskreis, den Bekanntschaften und Fremden gelesen werden.‟


- Seite 119: „Sie wollte herausfinden, weshalb in dieser eigentlich linken     Arbeiter*innenstadt mit einer der landesweit niedrigsten     Zuwanderungsraten über 60 Prozent der Wähler für den Brexit gestimmt hatten.‟


- Seite 151: „Dieses Mal ist sie es, Chimaanda, die Tochter einer Akademikerfamilie, in der ihre Zimmerkameradin im Wohnheim der Universität [...]‟


- (Seite 151: „Einer ihrer Studenten erklärt ihr, dass er es sehr bedauerlich findet, dass [...]‟)

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