Kaat Vrancken

 2.6 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Meine wahre erfundene Welt, Anna und der Wunschhund und weiteren Büchern.

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Rezension zu "Meine wahre erfundene Welt" von Kaat Vrancken

Rezension zu "Meine wahre erfundene Welt" von Kaat Vrancken
Charlousievor 6 Jahren

Ich mach das alles nur, weil Sarah eine Fehlgeburt hatte. Das ist der einzige Grund. Eigentlich ist es wirklich dumm, dass ich mir so etwas habe aufschwatzen lassen! Ich muss jeden Tag tausend Wörter schreiben – und das einunddreißig Tage lang.

S. 9

Der Inhalt:

Charlie Jansen ist 16 und steckt in einer Krise. Sie kann nicht schreiben und ist für 31 Tage dennoch verpflichtet, jeden Tag 1000 Wörter zu schreiben. Ihre Lehrerin sagt ihr, dass es egal sei, was sie schriebe, sie müsse nur in den Schreibfluss kommen und ihr Bestes geben. Also schreibt Charlie über das, was ihr jeden Tag passiert. Ob das ihr Bestes ist, kann sie nicht beurteilen, doch dass sie auf ihre depressiv gewordene Mutter ein Auge haben muss und ihr Freund Orhan sich langsam aber stetig verändert, hätte sie auch ohne das Schreiben bemerkt. Doch jetzt, so sagt sie, erlebt sie es durch das Schreiben gleich doppelt!

Ein jugendlicher Schreibstil für das richtige Maß an Authentizität

“Meine wahre erfundene Welt” ist ein lieblicher Roman, der tiefer gehende Themen streift und seine Lesezeit wert ist. Im Tagebuchstil versucht die Protagonistin Charlie innerhalb eines Schreibmonats jeden Tag 1000 Wörter zu schreiben. Im Gegensatz zu ihrer Freundin hat sie keine Phantasie, weswegen sie über ihr wirkliches Leben schreibt, das in diesem Monat sehr turbulent verläuft. Beispielsweise ist ihre Mutter depressiv, ihr Freund Orhan wird immer eifersüchtiger und, und und…

Der Schreibstil der Autorin Kaat Vrancken ist sehr jugendlich und häufig mit Ausdrücken wie “so what” versehen, die dieser Tagebuchform ein großes Maß an Authentizität verleihen. Manche dürften das beim Lesen als künstlich empfinden, mir hat es gefallen, denn zusätzlich hat es dieses Werk aufgepeppt. Beinahe bin ich geneigt anzunehmen, dieses Werk sei komplett autobiografisch und nicht nur erfunden, was für die glaubwürdige Qualität des Buches spricht.

Trotz seiner Kürze erfüllt “Meine wahre erfundene Welt” alle für mich wichtigen Kriterien, die einen guten Roman ausmachen. Diese Kriterien beziehen sich auf glaubwürdige Charaktere, eine spannende Handlung und einen flüssig zu lesenden Schreibstil. Gegliedert ist Kaat Vranckens Werk in Tage, die je ein Kapitel darstellen und immer mit einem Schreibtipp von Charlies Lehrerin beginnen. Da Charlie sich selbst innerhalb dieses Schreibmarathons ausprobiert, wandeln sich die Stilformen gelegentlich und sowohl Charlie als auch die Autorin toben sich kreativ aus in ihrem sozusagen “Buch im Buch”.

Kein „Thrill“, dafür aber eine einprägsame und auf den Punkt gebrachte Geschichte

“Meine wahre erfundene Welt” glänzt nicht vor hoher Kunstfertigkeit, atemberaubender Handlungsentwicklungen oder einem noch nie da gewesenen Plot. Es ist schlicht, auf den Punkt gebracht und somit in der Konsequenz einprägsam. Dennoch habe ich keine rege Intensität verspürt, wie es bei herausragenden und achterbahnfahrenden Handlungen manchmal der Fall ist, weswegen ich an dieser Stelle leichte Kritik üben muss. Die Gestaltung des Romans passt sich in gedeckten Tönen und einer schlichten Illustration dem Inhalt an und hat mir vor dem Lesen das Gefühl vermittelt, in ein großartiges Buch einzutauchen, was sich letztlich bewahrheitet hat.

Zum Abschluss bin ich der festen Überzeugung, dass dieses Buch so manche/n Leser/in zum Schreiben anregen wird. Neben den kleinen Schreibtipps erfahren die LeserInnen am eigenen Leib, mit welchen Schreibproblemen- und Blockaden man unter Umständen konfrontiert wird, wie man diese aber auch wieder lösen könnte. Unter diesem Aspekt bietet das Buch ganz am Ende zwei freie Seiten, die mit eigenen Gedanken gefüllt werden können; und wer weiß!- Vielleicht beginnt alles mit einer harmlosen Rezension?

Mein endgültiges Urteil:

“Meine wahre erfundene Geschichte” überzeugt durch die glaubwürdige Stimme der 16-jährigen Protagonistin, die von ihrem alltäglichen Leben berichtet. Dieses normale Leben wird von dermaßen normalen, manchmal schon banalen, dann wiederum (selten) spektakulären Situationen beeinflusst, dass man glauben könnte, es sei dem Freund eines Freundes, einer Nachbarin, möglicherweise sogar in der eigenen Familie passiert. Ein Argument, das für den Charme dieses Werks spricht, und das durch seine würzige Kürze sicherlich keinen Staubfänger in den Buchläden darstellen wird.

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