Kai Brodersen

 3,8 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor von Die Sieben Weltwunder, Pilsken und Pailletten und weiteren Büchern.
Autorenbild von Kai Brodersen (©)

Lebenslauf von Kai Brodersen

Kai Brodersen, geboren 1958, studierte Alte Geschichte, Klassische Philologie und evangelische Theologie in Erlangen, Oxford und München. Seit 2008 ist er Professor für Antike Kultur an der Universität Erfurt und deren Präsident.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Kai Brodersen

Cover des Buches Die Sieben Weltwunder (ISBN: 9783406453298)

Die Sieben Weltwunder

 (4)
Erschienen am 16.11.2006
Cover des Buches Pilsken und Pailletten (ISBN: 9783945934371)

Pilsken und Pailletten

 (3)
Erschienen am 01.09.2015
Cover des Buches Ich bin Spartacus (ISBN: 9783896788238)

Ich bin Spartacus

 (1)
Erschienen am 01.03.2010
Cover des Buches Fummel und Flamme (ISBN: 9783960890256)

Fummel und Flamme

 (1)
Erschienen am 15.09.2016
Cover des Buches I have a dream. (ISBN: 9783896789433)

I have a dream.

 (0)
Erschienen am 15.05.2014
Cover des Buches Dacia Felix (ISBN: 9783805350594)

Dacia Felix

 (0)
Erschienen am 01.05.2020

Neue Rezensionen zu Kai Brodersen

Cover des Buches Frankreich im Zeitalter Ludwigs XIV: Das Grande Siécle 1598-1715 (Geschichte kompakt) (ISBN: 9783534174287)A

Rezension zu "Frankreich im Zeitalter Ludwigs XIV: Das Grande Siécle 1598-1715 (Geschichte kompakt)" von Kai Brodersen

Frankreichs "Großes Jahrhundert"
Andreas_Oberendervor 4 Monaten

Lothar Schillings Buch über die Geschichte Frankreichs im 17. Jahrhundert ist ein weiterer gelungener und lesenswerter Band aus der Reihe "Geschichte kompakt". Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft hat diese Reihe eigens für den universitären Lehrbetrieb entwickelt. Dank der übersichtlichen Gliederung und der einfachen, verständlichen Sprache eignet sich Schillings Buch hervorragend als Einstiegslektüre für Studierende und andere Leser, die sich näher mit der Geschichte Frankreichs unter den ersten drei Bourbonenkönigen beschäftigen wollen. Allerdings ist der Band strukturgeschichtlich und analytisch angelegt. Einen chronologischen Überblick zur Ereignisgeschichte zwischen dem Ende der Religionskriege 1598 und dem Tod Ludwigs XIV. 1715 bietet Schilling nicht. Wer an einer eher ereignisgeschichtlichen Darstellung interessiert ist, die zudem auch bestimmte Personen (Könige, Minister) stärker in den Blick nimmt, dem sei als zusätzliche Lektüre der erste Band von Klaus Malettkes Bourbonen-Trilogie empfohlen (erschienen 2008 bei Kohlhammer). Der Band deckt den gleichen Zeitraum ab wie Schillings Buch, die Herrschaft Heinrichs IV., Ludwigs XIII. und Ludwigs XIV. Die beiden Bücher ergänzen einander sehr gut.

Staaten und Gesellschaften der Frühen Neuzeit können auf Studierende und historisch interessierte Laien leicht fremdartig und exotisch wirken. Autoren von Überblicks- und Einführungswerken müssen viel Erklärungsarbeit leisten, damit verständlich wird, wie vormoderne Staaten und Gesellschaften aufgebaut waren und funktionierten. Schilling hat sein Buch in drei Teile gegliedert. Am umfangreichsten ist der erste Teil. Er bietet einen Überblick zur Landeskunde, zum politischen System und zur Gesellschaftsordnung Frankreichs im "langen" 17. Jahrhundert. Schilling behandelt Aspekte wie Geographie, Demographie, Wirtschaft, Sozialstruktur, Bildungswesen, Regierungsinstitutionen, Verwaltung und Steuerwesen. Der Autor entwirft das Bild eines Königreiches, das von moderner Staatlichkeit noch weit entfernt war, aber bereits zur politischen Einheit gefunden hatte und das Potential für die Weiterentwicklung zum Nationalstaat besaß. Die Bourbonen profitierten vom Werk ihrer Vorgänger, der Kapetinger und der Valois-Könige, die im Laufe von Jahrhunderten Schritt um Schritt ein territorial geschlossenes Herrschaftsgebiet aufgebaut hatten.

Im zweiten Teil betrachtet Schilling Frankreichs Rolle im europäischen Mächtesystem des 17. Jahrhunderts. In Abhängigkeit von den personellen Konstellationen an der Regierungsspitze und der internationalen Großwetterlage verfolgte die französische Krone verschiedene außenpolitische Strategien. Leitmotiv der zwischen Defensive und Offensive schwankenden Außenpolitik war - wie schon im 16. Jahrhundert - der Kampf gegen die Habsburger. Phasen, in denen Frankreich auf eine Kooperation mit den Habsburgern setzte, gab es auch, aber sie blieben kurz. Das 17. Jahrhundert war für Frankreich ein Jahrhundert der Kriege. Schilling beurteilt sowohl Frankreichs Teilnahme am Dreißigjährigen Krieg als auch die späteren Kriege Ludwigs XIV. auffallend kritisch. Er ist der Meinung, dass die Bourbonen die von den Habsburgern ausgehende Bedrohung für Frankreich überschätzt hätten. Ludwig XIV. hielt an der Linie des Kardinals Richelieu fest, wonach die Außenpolitik und die Schwächung der Habsburger wichtiger seien als Reformen und Konsolidierung im Innern. Schilling verweist auf die schädlichen Auswirkungen der vielen Kriege auf Frankreichs innere Verhältnisse (erdrückende Steuerlast; Reformstau). Zwar gelang es Ludwig XIV., Frankreich territorial weiter zu arrondieren. Doch ungewollt ebnete der König den Weg für Englands Aufstieg zur Weltmacht. In seiner starren Fixierung auf die Kontinentalpolitik zog Ludwig XIV. nie die Möglichkeit in Betracht, dass England zu einem ärgeren Rivalen werden könnte als das Haus Habsburg.

Der dritte Teil ist der Innenpolitik gewidmet. Schilling untersucht eine Reihe von Aspekten: Die - von mancherlei Rückschlägen begleitete - Stabilisierung der inneren Verhältnisse nach dem Ende der Religionskriege; das Ringen um die politische und militärische Neutralisierung der Hugenotten; Erfolg und Misslingen verschiedener Reformprojekte; die Bewältigung von Krisen wie der Fronde (1648-53); das Verhältnis zwischen Krone und Bevölkerung; Wirtschafts- und Kulturpolitik. Schilling zieht eine gemischte Bilanz der Entwicklung Frankreichs im 17. Jahrhundert. Positiv beurteilt er die schrittweise Stärkung der Monarchie und die innere Befriedung des Königreiches, die kulturelle Blüte, die Verbesserungen in der Verwaltung. Negativ bewertet er, dass die Innenpolitik in der zweiten Jahrhunderthälfte rigoros den Erfordernissen einer ambitionierten, unnötig aggressiven Großmachtpolitik untergeordnet wurde. Wichtige Reformen kamen entweder nicht über das Stadium der Planung hinaus oder hatten aufgrund kriegsbedingter Belastungen nicht den gewünschten Erfolg (so etwa viele wirtschaftspolitische Maßnahmen des Ministers Colbert). Schilling stellt klar, dass Frankreich unter seinen Möglichkeiten blieb, sein Entwicklungspotential nicht ausschöpfte. Zwischen 1598 und 1715 erlebte das Land keinen Entwicklungsschub, vor allem nicht in ökonomischer Hinsicht. Die Landwirtschaft stagnierte; im Außenhandel und im Bankwesen blieb das Königreich im Vergleich zu England und den Niederlanden zweitklassig. Durch Kompromisse mit dem Adel und anderen sozialen Gruppen zementierte Ludwig XIV. eine konservative politische Ordnung, die im 18. Jahrhundert zum Hemmschuh für die Entwicklung Frankreichs werden sollte.

Zuletzt geht Schilling der Frage nach, ob die politische Ordnung Frankreichs im 17. Jahrhundert als Absolutismus bezeichnet werden kann. Erwartungsgemäß schließt er sich dem Tenor der neueren Forschung an, die vom Absolutismus-Konzept abgerückt ist. Schilling gibt zu bedenken, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit unterschieden werden muss: Die sogenannte "absolute Monarchie", von der die Zeitgenossen sprachen, war ein Ideal. So sehr die königliche Propaganda auch den absoluten Charakter der Monarchie betonte, die Herrschaftspraxis war alles andere als absolutistisch. Diese abschließenden Erörterungen runden einen Band ab, an dem es wenig zu kritisieren gibt. Bedauerlich ist der Verzicht auf Landkarten und Stammtafeln. Es hätte auch nicht geschadet, wenn Schilling seine Darstellung um ein Kapitel zur Forschungsgeschichte ergänzt hätte. Gerade Einsteigern dürfte bei der Lektüre nicht klar werden, wie sehr sich das heutige Bild der französischen Geschichte unter Ludwig XIV. von früheren Deutungen unterscheidet. Davon abgesehen ist das Buch rundherum gelungen. Es wäre interessant zu wissen, wieviele Leser der Band seit seinem Erscheinen 2010 gefunden hat. Erfahrungsgemäß fristet die französische Geschichte, zumal die der Frühen Neuzeit, ein Schattendasein im Lehrangebot deutscher Universitäten. Zum Teil ist das dem Mangel an deutschsprachiger Grundlagenliteratur geschuldet, die Studierenden die Scheu vor diesem zunächst exotisch anmutenden Thema nimmt. Wagemutige Dozenten, die Seminare zur Geschichte Frankreichs im "Grand Siècle" anbieten wollen, verfügen jetzt mit Schillings Buch über eine hervorragende strukturgeschichtliche Einführung. 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im März 2016 auf Amazon gepostet)

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Cover des Buches Pilsken und Pailletten (ISBN: 9783945934371)marstravellers avatar

Rezension zu "Pilsken und Pailletten" von Kai Brodersen

Krimi mit schillernder Hauptfigur und außergewöhnlichem Sprachstil
marstravellervor 4 Jahren

Die Geschichte um den Mordfall, in den der Kioskbesitzer Nobbe unfreiwillig verwickelt wird, fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Der Kriminalfall ist sehr gut aufgebaut, alles wirkt gut recherchiert und plausibel und jedes Puzzleteil, das im Verlauf der Handlung ins Spiel gebracht wird, findet, während sich die Geschichte weiter entfaltet, seinen passenden Platz, so dass am Ende für den Leser ein Gesamtbild entsteht, dass keine Fragen offen oder Informationen vermissen lässt.


Der Protagonist Jens Nobbe, der sein wahres Alter vehement verheimlicht, auf eine bewegte Vergangenheit als Travestie-Künstler und Edel-Escort zurückblicken kann und der seine Einnahmen aus dem Kioskbetrieb ab und zu mit einem seiner langjährigen Stamm-Klienten aufbessert, wirkt sehr sympathisch und wunderbar lebendig. Ich bin froh, dass der Autor seinen Plan verwirklicht hat und Nobbe noch weitere Fälle lösen lässt, denn man möchte dieser Figur unbedingt wieder begegnen. (Band 2 der Reihe ist unter dem Titel „Fummel und Flamme“ bereits erschienen.)


Die Geschichte lebt zwar hauptsächlich durch den bezaubernden Ich-Erzähler, aber auch alle anderen Figuren wirken erfrischend lebendig. Auch wenn bei der Figurenzeichnung ab und zu ein Klischee bedient wird, geschieht dies stets auf eine spielerische, teilweise auch ironisch gebrochene Weise, so dass man die Beschreibung mit einem wohlwollenden Lächeln quittiert und sich dabei das Augenzwinkern des Erzählers vorstellen kann.


Die Sprache des Ich-Erzählers war für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, wirkte sie doch stellenweise arg geschwollen oder überzogen. Aber nachdem ich mich eingelesen hatte, empfand ich den Sprachduktus herrlich erfrischend, humorvoll und mit einer geschmackvollen Prise Selbstironie versehen. Vor allem passt die Ausdrucksweise wunderbar zu der Figur, fast wie eine zweite Haut, die Nobbes Wesen sehr anschaulich widerspiegelt.


Nicht ganz überzeugt war ich allerdings von der Art, wie die Liebesgeschichte zwischen Nobbe und Paul dargestellt wird. Die Entwicklung ging mir einfach viel zu schnell. Dass die beiden Männer, nachdem sie gerade mal einen halben Tag und zwei Nächte miteinander verbracht haben, sich am Telefon sofort ihre gegenseitige Liebe gestehen und eine Woche später schon konkret planen, zusammenzuziehen und gemeinsam ein Haus zu kaufen, wirkte auf mich doch relativ unrealistisch und passte eigentlich auch nicht so ganz zu dem, was man über Nobbes Leben (und auch über Paul) erfahren hat. Eine größere Zeitspanne wäre meiner Meinung nach für die Entwicklung der Beziehung überzeugender gewesen. Dennoch hat man schnell das Gefühl, dass diese beiden Männer hervorragend zueinander passen und einander ergänzen, was mich mit dem rasanten Tempo wieder etwas versöhnt hat.


In Bezug auf die Zeitstruktur enthielt der Text für mich einige Unstimmigkeiten. So passen die Kapitelüberschriften nicht immer zum Text: Bei der Feier im Kiosk nach Nobbes Rückkehr aus Hamburg ist z. B. von Dienstagnachmittag die Rede, obwohl die Kapitelüberschrift und auch der allgemeine Handlungsverlauf einen Mittwoch als Datum vorgeben. Zwei Kapitel, die mit „Sonntag“ überschrieben sind, berichten davon, dass Rafik die Schule schwänzt und die Angestellten der benachbarten Sparkasse ihre Mittagspause am Kiosk verbringen, was beides natürlich nicht an einem Sonntag stattfinden würde.


Wegen der wie im Zeitraffer sich präsentierenden Liebesgeschichte und den Unstimmigkeiten bei der Datierung bleibt es bei „nur“ vier Sternen für einen ansonsten sehr lebendig und spannend erzählten Krimi, der mit originellem Lokalkolorit, einer ausgefeilten Sprache, einer absolut liebenswerten Hauptfigur und teilweise herrlich schrägen Nebendarstellern begeistern kann.

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Cover des Buches Pilsken und Pailletten (ISBN: 9783945934371)Korikos avatar

Rezension zu "Pilsken und Pailletten" von Kai Brodersen

Schöner Krimi mit tollen Charakteren
Korikovor 5 Jahren

Story:
Nach einer bewegten Vergangenheit im Showbiz ist Jens Nobbe in Hagen sesshaft geworden. Von einem seiner „väterlichen Freunde“ hat er ein kleines Büdchen und eine sanierungsbedürftige Villa gerbt und pendelt zwischen seinem alten Leben als Travestiekünstler, Callboy und Star, und seiner neuen Identität als unbescholtener Kioskbesitzer. Seine Welt gerät aus den Fugen, als er eines Nachts den Leiter der Sparkasse, in Korsett und Strapsen hinter seinem Büdchen angekettet vorfindet. Trotz unguten Gefühls helfen Nobbe und dessen bester Freund Rudi Völzgen dem Mann und bringen ihn nach Hause. Am nächsten Tag wird der Sparkassendirektor tot aufgefunden und die Polizei beginnt mit ihren Ermittlungen. Nobbe und Rudi gehen ebenfalls den Spuren nach, die es nach dem Mord an dem Filialleiter gibt und stoßen dabei nicht nur auf eine groß angelegte Erpressungsreihe, Nobbe gerät selbst ins Visier des Mörders.

Eigene Meinung:

Mit dem amüsanten Krimi „Pilsken und Pailletten“ legt Kai Brodersen sein Debüt beim Deadsoft Verlag vor. Die Geschichten um Jens Nobbe sind als Reihe konzipiert, sprich eine Fortsetzung dürfte noch dieses Jahr erscheinen.

Die Geschichte wartet mit ungewöhnlichen Hauptfiguren und einigen überraschenden Wendungen auf, die den Krimi sehr spannend und authentisch machen. So skurril und seltsam Nobbes Abenteuer zu Beginn wirken, sie sind in sich schlüssig und bauen logisch aufeinander auf. Sicher, der Leser muss sich zunächst Nobbe (Büdchenbesitzer und ehemaliger Travestiekünstler), Rudi (ein Einbrecher, der hin und wieder seine Fähigkeiten austestet) und Kevin (bekannter Pornostar im schwulen Milieu) gewöhnen, denn sie sind als Hobbydetektive ein wenig gewöhnungsbedürftig. Doch sobald man sich auf die drei einlässt und sich richtig in Hagen Vorhalle mit all den schrägen Bewohnern hineindenkt, fällt es schwer das Buch aus der Hand zu legen. Das liegt vor allem an dem tollen Lokalkolorit, denn Kai Brodersen weiß wovon er spricht – Hagen Vorhalle wirkt ungeheuer lebendig und real, so dass man sich das Büdchen und die übrigen Örtlichkeiten sehr gut vorstellen kann. Auch die übrigen Sachen wurden genau recherchiert, so dass „Pilsken und Pailletten“ in diesem Punkt überzeugen kann.
Der Kriminalfall wirkt ein wenig chaotisch. Man braucht eine Weile, um den Hinweisen zu folgen und den Schuldigen zu finden – da das Buch aus Nobbes Perspektive erzählt wird, passt das jedoch, da dieser nur bedingt das Zeug zum Amateurdetektiv hat. Die meiste Zeit stolpert er recht durch die Angelegenheit, des Öfteren helfen ihm seine Freunde oder der Zufall um auf die richtige Spur zu kommen. Dennoch gibt es einige Punkte, die man nur schwer nachvollziehen kann, ganz besonders die Sache mit dem Entschlüsseln des Geheimcodes wird dem Leser nicht ganz klar. Auch hemmt die eingebaute Liebesgeschichte zwischen Nobbe und Kevin das Voranschreiten der Handlung und sorgt dafür, dass ein Teil der Spannung verlorengeht.

Wie bereits erwähnt sind die Charaktere ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber dennoch sehr sympathisch und authentisch. Jens Nobbe ist in einigen Punkten ganz die Diva, die er einst auf der Bühne war. Er ist von sich selbst überzeugt, legt viel Wert auf seine Erscheinung und hat Probleme damit, zu seinem Alter zu stehen. Hin und wieder ist er etwas barsch und ungerecht, doch alles in allem kann man sich gut mit ihm identifizieren. Auch Rudi und Kevin sind sehr sympathisch – Rudi dank seiner gutmütigen, loyalen Art, Kevin durch seinen klaren Verstand und seine teils bösen Kommentare. Zusammen mit dem Kriminalinspektor, der Rudi bereits kennt und Nobbe eher skeptisch gegenübersteht, und den vielen kleineren und größeren Persönlichkeiten, die in „Pilsken und Pailletten“ zum Tragen kommen, ist Kai Brodersen ein lebendiges Buch gelungen, das Lust auf mehr macht.

Kai Brodersen hat einen sehr schönen, flapsigen Stil, der gut zu Nobbe und seinem Naturell passt. Es macht Spaß die Geschichte um den Büdchenbesitzer zu lesen und dem Verbrecher auf die Spur zu kommen. Sehr schön sind mitunter die Beschreibungen der Umgebung, ebenso die Dialoge. Lediglich bei den Actionszenen kommt man nicht immer mit, aber da diese sich in Grenzen halten, fällt das nicht negativ ins Gewicht. Auch Erotik sucht man in „Pilsken und Pailletten“ vergeblich, denn der Autor blendet lieber aus, anstatt die entsprechenden Szenen auszuformulieren – was dem Buch zugutekommt. Ausufernde Sexszenen hätten einfach nicht gepasst.

Fazit:
„Pilsken und Pailletten“ ist ein gelungener Krimi-Auftakt, der Lust auf mehr macht. Kai Brodersen entwirft ungewöhnliche und authentische Charaktere, deren Lebensweg man gerne weiterverfolgt. Dank des flüssigen und angenehmen Schreibstils und des tollen Lokalkolorits lohnt sich „Pilsken und Pailletten“ für alle die ungewöhnliche Krimis schätzten. Wer unsicher ist, sollte einen Blick in die Leseprobe werfen. Zu empfehlen.

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