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Cylan

vor 3 Monaten

(9)

Wann habe ich das letzte Mal einem Buch so entgegengefiebert? Als ich den zweiten Band beendet hatte, wollte ich wirklich sofort das Finale lesen, musste aber noch auf den nächsten Lohn warten.  Das Warten hat sich wirklich gelohnt!

Vom Finale der Reihe bin ich hellauf begeistert. Ich habe es in drei Lesesessions durchgehabt - vermutlich wären es zwei geworden, wenn ich durch die Arbeit nicht zu erschöpft gewesen wäre.
Wie zuvor hat mich Meyers Art zu Schreiben sofort mit den ersten Zeilen in den Band gezogen. Vor allem hat es mich gefreut, dass die erste Hälfte des Buches sehr auf meinen Lieblingscharakter Isis zentriert ist. Nachdem sie im letzten Band so in die Sucht des Absolonsbuchs geraten ist, bin ich um ihr Schicksal am meisten besorgt gewesen.
Aber auch Cat und Finnian bekommen ihren eigenen Storyteil und natürlich Furia, um die es sich in der zweiten Hälfte des Buches primär dreht.
Anders als im letzten Band, den ich zu hektisch gefunden habe, schlägt das Blutbuch wieder ruhigere Töne an. Kampf- und Actionszenen sind sparsam gesät aber (bis auf eine Ausnahme) gut inszeniert, das Buch legt diesmal mehr Fokus darauf, auf die Gedanken und Gefühle der einzelnen Charaktere als Individuen einzugehen, da sie sich erst sehr spät in der Geschichte wieder begegnen und als Gruppe agieren müssen. Dadurch erhalten die drei Handlungsträger Furia, Isis und Cat, sowie ihre 'Sidekicks' (Duncan, Finnian und gewissermaßen Jim) neue Facetten, die sich gut in ihren Charakterwandel einbinden.
Interessant habe ich auch die Inszenierung der 'Antagonisten' - insbesondere sei hier Rachelle Himmel zu erwähnen - gefunden, die viele Facetten und wieder spürbare Grauzonen aufweisen, anders als im letzten Buch, wo ich das Gefühl hatte, dass es nur Gut und Böse gegeben hat.

Insgesamt gibt es für mich nur wenige Kritikpunkte an dem Buch. Das erste wäre die wirre Kapitelanordnung. Anfänglich wechselt das Buch von Kapitel zu Kapitel zwischen Isis/Duncan, Cat/Finnian und Furias Geschichten hin- und her. Dann wiederrum bleibt man aber drei Kapitel in Furias Sicht, wechselt völlig wahllos zu Isis, dann mal kurz zu Cat, wieder zwei Kapitel Isis, ein Kapitel Furia, usw. Einen regelmäßigeren Wechsel hätte ich deutlich schöner gefunden.
Ein wenig Schade habe ich es auch gefunden, dass liebgewonnene Nebencharaktere wie Patience, Nassandra und Pip vergleichsweise blass geblieben sind. Sie sind dabei gewesen, aber haben zur Geschichte nur wenig beigetragen.
Das nächste wäre ein Kapitel mitten im Buch, das irgendwie vollkommen fehl am Platz wirkt, als hätte Kai Meyer sich selbst einen Cameo geben wollen. Ohne zu viel verraten zu wollen, sei hier erwähnt, dass Rachelle Himmel eine Begegnung mit einer Gestalt hat, die die gesamte Geschichte infrage stellt - und nach dieser Begegnung nie wieder Erwähnung findet. Das war ... merkwürdig.
Auch das namensgebende 'Blutbuch' wird in der Geschichte zwar erwähnt, jedoch bleibt die Bedeutung des Buches sehr kryptisch und für die Geschichte nicht sonderlich erwähnenswert.
Was mich wirklich gestört hat, ist der fehlende Showdown zwischen Isis, Duncan und dem 'Antagonisten' Mentana. Der Kampf zwischen ihnen geschieht leider off screen, was ich sehr schade gefunden habe :( Der ein oder andere Kampf mehr hätte der Geschichte nicht geschadet.

Ich finde es viel zu schade, dass ich diese Geschichte nun wirklich abgeschlossen habe. Gerne hätte ich mehr von Furia und ihren Freunden gelesen, aber wer weiß - es gibt durchaus Potenzial, neue Geschichten dazu zu schreiben. Vielleicht hat Herr Meyer ja irgendwann Lust die Faerfaxes wieder in ein Abenteuer zu schicken. Ich würde es genießen!


P.S.: Meyer hat den Running Gag um Finnian nun doch vollends durchgezogen ... *hust* Ich habe nichts anderes erwartet.

Autor: Kai Meyer
Buch: Die Seiten der Welt - Blutbuch
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